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Full text of "Abhandlungen zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten"

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WHITNEY LIBRARY, 
HARVARD UNIVERSITY 




THE GIFT OF 
J. D. WHITNEY, 

Stwffis Rooper Professor 



MUSEUM Or OOMPAEATIVE ZOÖLOGT 



'^"^"^^ TO GEOLOGICAL 
SCiENCES LIBRARY 



MUS, coMF. m 



Abhandlungen 



geologischen Specialkarte 



Preussen 



and 



den Thüringischen Staaten. 



Heft 1. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp'schen Hof-Landkartenhandlung. 

(J. H. Nevunann.) 

1883. 



Abhandlungen 



geologischen Specialkarte 



Preussen 



und 



den Thürm2:ischen Staaten. 



Heft 1. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp'schen Hof-LandkartenhandluD§ 

(J. H. Neiunann.) 

1S83. 






'^S^ 



Die 

Regulären Echiniden 

der 

norddeutschen Kreide 



Dr. Clemens Schlüter, 

Professor an der Universität zu Bonn. 



Glyphostoma 

( Latistellata). 



Herausgegeben 

von 

der Königlich Preussischen geologisclien Landesanstalt. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp'schen Hof-Landkartenhandlung. 

(J. H. Neumann.) 

1883. 



Inhalt. 



I. Diadematidae 



Phyinosoma cf. Perroni Cott 

Hilsii Schlüt 

Goldfusd Schlüt 

cenomanense Cott 

reguläre Ag 

quinguangulare Schlüt 

'radiatum Sorig 

Gehrdenense Schlüt 

cf. magnißcum Ag 

ornatissimum Ag 

princeps Hag 

taeniatum Hag 

pseudoradiatum Schlüt , . . 

maeandrinwm Schlüt 

pentagonale Jos. Müll, sp 

Verbreitung der Gattung Phymosoma 

Pseudodiadema rotulare Ag 

» Bourgueti Ag 

» macrostoma Ag 



» variolare Brong 

» (var. subnudum Ag.) . • 

» Michelini Ag 

» (ornatum Goldf. sp.) 

Verbreitung der Gattung Pseudodiadema 

in der Kreide 

Orthopsis granularis Cott 

Eckinocyplms difßcilis Äg. sp 

» mespilia Woodw 

» tenuistriatus Desor sp 

» pisum Schlüt 

Verbreitung der Gattung Echinocyphvs 



1 

1 
3 
6 
9 
9 
10 
12 
15 
17 
18 
22 



28 
29 
36 
36 
36 
37 
37 
38 
39 
40 
40 

41 
44 
44 

45 
47 
49 
51 



Seite 

Goniopygiis cf. Bronni Äg 51 

Codiopsis Lorini. Ag. . 53 

» doma Desm 55 

Verbreitung der Gattung Codiopsis 57 

II. Echinidae 59 

Psammechinus fallax Ag 59 

» {alutaceus Goldf. sp.) 59 

Phy^nechinus cretaceus Schlüt 60 

Diplotayma Schlüt 63 

s altum Schlüt 66 

Erklänuiff der Tafeln 70 



Besehreibung der Arten. 



I. Diadematidae. 

Gatt. Phymosoma, Haime, 1853. 
Syn. Cyphosoma, AgassizI). 

Phymosoma cf. Perroni, Cotteau 1864. 

Taf. 1, Fig. 6—10. 

Cyphosoma Perroni, Pal. franc;. terr. cret. Echin.- tom. VI, pag. 569, tab. 1133, 
flg. 1-7. - 

Maasse zweier Exemplare: 

Durchmesser des Gehäuses 18 — 27™™ 

Höhe des Gehäuses . . 7 — 11 » 

Breite der Ambulacralfelder 5 — 7 » 

Breite der Interambulacralfelder .... 6,5 — 10 » 

Durchmesser des Peristoms 8 — 12 » 

Ambulacrale Stachelwarzen in einer Reihe . 9 — 13bisl4 
Interambulacrale Stachel warzen in einer Reihe 9 — 13. 
Das Gehäuse massig gross, von kreisförmigem Umriss, 
Unterseite abgeflacht, Oberseite gewölbt. 

Die Porengänge, gebildet von grossen ovalen Poren, sind 
auf der Oberseite breit durch Verdoppelung, weiter unten bogenig 
in der Nähe des Peristoms in kurze schräge Reihen aufgelöst. 

Die Ambulacralfelder von etwas mehr als halber Breite 
der Interambulacralfelder sind besetzt mit zwei Reihen crenelirter, 
nicht durchbohrter, kräftiger gedrängt stehender Stachelwarzen, die 

') Vergl. Desok, Syuops. des Echin. foss. pag. 86. 



2 I. Diadematidae. 

grösseren an der Ausseuseite durch die Nähte der Porentäfelchen 
gefurcht. 13 bis 14 Warzen in jeder Reihe grösserer Exemplare, 
welche vom Umfange des Gehäuses gegen beide Pole rasch an 
Grösse abnehmen. Die mittlere Vertikalnaht jedes Feldes ist 
mit einer Doppelreihe von Granulen besetzt, von denen einzelne 
mammelonirt sind. Auf der Oberseite scheinen auch die horizon- 
talen Nähte der Täfelchen von Granulen begleitet zu sein. 

Die Interam bulacralfelder, welche aus niedrigen, aber 
breiten Asseln gebildet sind, führen ebenfalls zwei Reihen grosser, 
übereinstimmend gebauter, jedoch namentlich auf der Oberseite 
etwas grösserer Stachel warzen, 13 in einer Reihe grösserer Ge- 
häuse, welche auf den grösseren Asseln von leicht ovalen, sich 
berührenden Warzenhöfen umgeben sind. Beide Reihap Warzen 
auf der Oberseite fast parallel, nähern sich vom Umfange des 
Gehäuses einander bis zur Mundlücke. Ausser diesen Haupt- 
stachelwarzen auf jeder Seite des Feldes noch eine Reihe kleinerer 
Warzen, welche auf der Oberseite nicht bis zur Afterlücke reichen, 
auf der Unterseite aus gedrängter stehenden Wärzchen gebildet 
werden. Am Umfange findet sich aussex-halb dieser Reihen, den 
Porengängen noch mehr genähert, hin und wieder noch ein ein- 
zelnes kleineres Wärztfheu. Zuletzt finden sich noch etwas klei- 
nere, älternirend gestellte Wärzchen zwischen den beiden primären 
Reihen. Sie erreichen die Mundlücke nicht und steigen nach oben 
hin kaum über den Umfang des Gehäuses hinaus. Die Secundär- 
warzen sind von kreisförmigen Warzenhöfen umgeben. Zwischen 
diesen Warzen finden sich feinere und gröbere Granula, welche 
jedoch in der Nähe der Scheitellücke die mittlere Partie der Felder 
glatt lassen. 

Scheitellücke mit -ausgefallenem Scheitelschilde pentagonal, 
ziemlich gross. 

Peristom sehr wenig eingesenkt, ziemlich gross, mit mar- 
kirten, umrandeten Einschnitten für die Kiemen. Ambulacrallippeu 
breiter als Interambulao'allijipen. 

Bemerk. Da das von Cotteau aus dem Neocom von Ger- 
migncy (Haute- Saone) dargestellte Exemplar meiir entwickelte 
Secundärtuberkeln zwischen beiden Uauptreihcn der Stachelwarzen 



I. Diadematidae. 3 

zeigt, desgleichen zahlreichere Wärzchen neben den Porengängen, 
so ist die Zugehörigkeit der vorliegenden Stücke nicht völlig sicher. 
Wahrscheinlich beruht diese Differenz nur auf den verschiedenen 
Grössen, da selbst das grössere vorliegende Exemplar ein Drittel 
kleiner ist als das französische. 

Das von LoRiOL^) aus dem mittleren Neocom von Vaulion 
(Vaud) abgebildete Gehäuse weicht von den beiden genannten 
Vorkommnissen ab durch auffallend kleine Scheitelliicke. 

Das ähnlich gebaute Phyinosotna Loryi Gras 2) unterscheidet 
sich durch die fast völlig fehlenden Secundärtuberkeln und durch 
stärkeren Warzenkopf. 

Vorkommen. Das abgebildete Exemplar fand sich im un- 
teren Hils (Neocom) bei Gross- Vahlberg. 

Ausserdem liegt noch ein zweites, etwas grösseres Stück von 
nicht näher gekanntem Fundorte vor. 

Original in meiner Sammlung 3). 



Phymosoma Hilsii, Schlüter. 

Taf. 1, Fig. 1-5. 

Phymosoma Hilsii, Schlütek, Sitz. d. niederrhein. Gesellsoh. für Natur- und Heil- 
kunde in Bonn, 7. Nov. 1881. 

Maasse eines grösseren Gehäuses: 

Durchmesser des Gehäuses 13™™ 

Höhe des Gehäuses 6 » 

Durchmesser des Peristoms 5 » 

Breite der Ambulacralfelder 3 » 

Breite der Interambulacralfelder 5 » 

Ambulacrale Stachelwarzen in einer Reihe . 8 

Interambulacrale Stachelwarzen in einer Reihe 8 — 9. 



^) LoRior,, Echin. cret. de la Suisse, pag. 140, tab. 9, fig. 4. 
^) CoTTEAU, 1. c. pag. 574, tab. 1135, fig. 3 — 6. 

2) Nachträglich habe ich noch ein drittes Exemplar in der Sammlung 
geologischen Landesanstalt und Bergakademie in Berlin gesehen. 



4 r. Diadematidae. 

Gehäuse klein, Unterseite plan bis etwas concav, Oberseite 
gewölbt, Rand nicht stark gebläht, Umriss kreisförmig. 

Porengänge fast völlig geradlinig, einfach, in der Nähe des 
Afters nicht verdoppelt, nur am Mundrande dem Anscheine nach 
noch je ein Paar neben der vertikalen Reihe. 

Die Ambulacralfelder führen zwei Reihen crenelirter, un- 
durchbohrter, starker Stachel vvarzen, etwa 8 in jeder Reihe, die 
grösseren undeutlich an der Aussenseite gestrahlt. Die horizon- 
talen Nähte der Asseln von 2 — 3 Granula -Reihen begleitet; die- 
jenigen der Unterseite nur von einer Reihe. 

Die In terambulacr alfelder sind ebenfalls mit zwei Reihen 
Stachelwarzen besetzt, welche jedoch ein wenig stärker sind als die 
ambulacralen, 8 bis 9 in jeder Reihe. Die Warzenhöfe sind von 
einem Kranze Granula umgeben, der auf der Oberseite nicht ge- 
schlossen ist, indem hier die Granula seitlich und in der Mitte der 
Felder zu fehlen pflegen, diese Partie also glatt lassen. Dagegen 
entwickeln sich vom Umfange des Gehäuses an seitlich einige 
kleine Warzen, so dass sie die Andeutung einer Secundär-Reihe 
geben. Am Umfange des Gehäuses, wo die grossen Asseln fast 
so hoch wie breit sind, zeigen die Granula bisweilen eine leichte 
Neigung, sich etwas zu verlängern, wie dies bei einzelnen Arten 
derselben Gattung (sowie anderen Gattungen) stärker ausgeprägt 
ist, z. B. Phymosoma radiatum. 

Die Scheitellücke mit dem ausgefallenen Scheitelschilde 
bildet ein ziemlich grosses, etwas unregelmässiges Oval. 

Das Peristom, nur ein geringes, kaum sichtbar eingesenkt, 
ist ziemlich gross. Die Kiemeneinschnitte so tief wie breit. 

Die durchschnittliche Grösse des Gehäuses beträgt 12'"" Duroh- 
messer und 5""" Höhe. Das kleinste Exemplar misst 9"™ und 3,3™", 
das grösste 13""" und 6"'"'. 

Bemerk. Die Art hat mehrere Verwandte im Neocom. So 
Phymosoma Aquitarücuni Gott., nur in einem Exemplare aus dem 
oberen Neocom von Vinport bei Tercis (Landes) bekannt, wurde 
durch CoTTEAU 18()3') beschrieben, 1864-) abgebildet. Dieses 



') CoTTHAU, Ecliin. Ibss. dos Pyi-ouoes, pag. 23. 

'■') CoTTKAu, Pill. IVanv. tciiT. on't. tomo Vit, pag. 578, tab. 1137, fig. 1 - 



I. Diadematidae. 5 

Gehäuse unterscheidet sich dadurch, dass es oben und unten fast 
gleichmässig abgeplattet ist, dass die ebenfalls einfachen Poren- 
gänge stark wellenförmig gebogen sind und dass die Entwicklung 
der Granula auf den Ambulacralfeldern eine sehr geringe ist. 

Weiter sind jugendliche Exemplare- des im unteren, mittleren 
und oberen Neocom sich findenden und weit verbreiteten Phymo- 
soma Loryi Gras i) \_== Phymosoma (Pseudodiadema) Neocomiense 
Cott. 2)] verwandt. Die Art unterscheidet sich jedoch leicht durch 
das erheblich grössere Peristom und die zwar geradlinigen , aber 
auf der Oberseite des Gehäuses sich verdoppelnden Porengänge. 

Die Ambulacra und die Ambulacralfelder unserer Art sind 
sehr ähnlich denen des Phymosoma paucituberculatum Gras^), aber 
das Gehäuse ist grösser, die Gestalt abweichend (deprimee en 
dessus et en dessous), die Porengänge am Umfange stark gebogen 
(tres ondouleuses), die Stachelwarzen sind stärker entwickelt, die 
Interambulacralfelder namentlich seitlich mit zahlreichen Granulen 
besetzt. 

Auch das kleine Gehäuse des ebenfalls dem Neocom angehö- 
rigen Pseudodiadema Bourgueti Des. ist ähnlich, aber die durch- 
bohrten Stachelwarzen weisen dasselbe in eine andere Gattung. 

Vorkommen. Die Art findet sich im unteren Hils bei 
Gross -Vahlberg und im mittleren Hils der Tackewelle bei Berk- 
lingen, sowie bei Gevensleben. 

Zur Untersuchung liegen fünf Exemplare vor*). - 

Originale in meiner Sammlung:. 



') Alein Gras, Catal. des corps organ. foss. du dep. de l'Isere, 1852, pag. 36, 
tab. 1, fig. 17 — 19, und Cotteau, Pal. frani;. terr. cret. tome VIT, pag. 574, 
tab. 1135 u. 1136, und Desor, Syn. Ecliin. foss. pag. 445, und de Loriol et 
GiLLiERON, Monogr. Paleont. et stratigr. de l'etage Urgonien infer. du Landeron 
(Cant. de Neuchätel) in Neue Denkschriften der allgem. schweizer Gesellsch. für 
die gesanimten Naturwissenschaften, Zürich 1869, pag. 50, tab. 4, fig. 4, und 
Loriol, Echinides cretaces de la Suisse, pag. 141, tab. 9, fig. 6. 

^) Cotteau, Etudes sur les Echinid. foss. de l'Tonne, tome 11, pag. 33, tab. 50, 
fig. 11 — 14, und das synonyme Cyphos. meridianense Cott. Echin. des Pyrenees, 
pag. 23. 

ä) Albin Gras, Descrip. Oursins foss. de l'Isere, pag. 3fi, tab. 1, fig. 27 u. 28, 
und Cotteau, Pal. frani;. terr. cret. tab. 1134, YH, pag. 571. 

•*) Nachträglich sah ich noch mehrere Exemplare von denselben Fundorten 
in der Sammlung der geologischen Landesanstalt und Bergakademie in Berlin. 



g I. Diadematidae. 

Ausser den beiden genannten Arten des Hils liegt noch eine 
dritte Art vor aus dem mittleren Hils der Taekewelle bei Berk- 
lingen, allein es ist nur ein Fragment, und zwar ein so geringes, 
dass eine nähere Bestimmung unthunlich ist. Charakteristisch für 
das Stück ist, dass eine secundäre, aus gedrängt stehenden Wärz- 
chen gebildete Reihe bis in die Nähe des Periprocts reicht. 



Phymosoma Goldfiissi, Schlüter. 

Taf. 2, Fig. 6—10. 

Phymosoma Goldfussi, Schlütek, Sitz. d. niederrhein. Gesellsch. für Natur- und 
Heilkunde in Bonn, 7. Nov. 1881. 

Maasse: 

Durohmesser des Gehäuses 3711™ 

Höhe des Gehäuses 14 » 

Breite der Ambulacralfelder 9 » 

Breite der Interambulacralfelder 13 » 

Durchmesser des Peristoms 1() » 

Ambulacrale Stachelwarzen in einer Reihe . 9 
■ Interambulacrale Stachelwarzen in einer Reihe 8 — 9. 
Gehäuse ziemlich gross, Umfang kreisförmig oder etwas 
fünfseitig gerundet. Ober- und Unterseite gleichmässig plan, Rand 
gebläht. Ambulacralfelder ein Viertel schmaler als die Interambula- 
cralfelder. Jedes Feld mit zwei Reihen crenelirter, nicht durch- 
bohrter dicker Stachelwarzen, 9 in einer vertikalen Reihe. 

Die Poren ginge verdoppeln sich in der Nähe des Peri- 
proctes, laufen dann in einfacher Reihe, aber in starken Bögen 
um den Aussenrand der Asseln und gruppiren sich in der Um- 
gebung der Mundlücke zu kurzen, schrägen Reihen. Die Poren 
sind rund und durch eine Granula getrennt; dem Anscheine nach 
8 — 9 Paare auf einer grösseren Assel. 

Die Ambulacralfelder fallen zusammen mit den penta- 
gonalen Ecken des Gehäuses. Sic führen zwei Reihen entfernt 
stehender, crcuplirter, nicht durch])ohrter Stacholwarzen mit ver- 



I. Diadematidae. 7 

hältnissmässig starkem Mammelon und kleinem Warzenkegel. 
Gegen Mund- imd Afterlüoke hin nehmen sie langsam an Grösse 
ab. Jede Reihe enthält 8 bis 9, die vertikale Mittelnaht der 
Ambulacralfelder wird jederseits von einer Reihe Granula begleitet. 
In horizontaler Richtung sind die kreisförmigen Warzenhöfe auf 
der Oberseite und am Umfange durch 2 bis 3 dergleichen Gra- 
nulareihen geschieden. Die grösseren Stachelwarzen sind am 
Fusse des Aussenrandes gestrahlt, entsprechend den verwachsenen 
kleinen Porentäfelchen. 

Die Interambulacralfelder führen ebenfalls zwei Reihen 
übereinstimmend gebauter Stachelwarzen, welche vom Scheitel bis 
zum Umfange fast parallel laufen und sich dann bis zum Peristom ein- 
ander nähern. Der Warzenhof wird zunächst von einem einfachen 
Kranze Granula umgeben, welche öfter die Neigung zeigen, sich 
radial zu verlängern und dadurch an gewisse andere Arten er- 
innern, z. B. Phymosoma radiatum. Sodann wird der Aussenrand 
der Interambulacralfelder und ebenso die mittlere Partie derselben 
von einem breiten Granulabande besetzt. Ausgebildete Reihen 
von Secundärtuberkeln sind nicht vorhanden, wenngleich auf der 
Unterseite, in der Nähe des Peristoms, einige randliche Granula 
sich durch mehrere Grösse auszeichnen und zum Theil mamme- 
lonirt sind. 

Peristom gross, fast := 1/2 des Sohalendurchmessers , nicht 
eingesenkt. Ambulacrallippen breiter als Interambulacrallippen. 

Bemerk. Wenn Goldfuss seinen Cidarites granulosus ausser 
von Maestricht auch aus dem »Mergelgrand bei Essen an der Ruhr« 
aufführt, so ist nicht zu bezweifeln, dass unter letzterem Vor- 
kommen die besprochene Art zu verstehen sei, denn sein sehr 
abweichender, möglicher Weise noch' in Frage kommender Cida- 
rites ornatus, der der Gattung Paeudodiadema angehört und der 
aus dem »Kreidemergel von Essen an der Ruhr« stammen soll, 
gehört zweifellos nicht dem cenomanen Grünsande von Essen an. 
Der Gesteinsbeschaffenheit nach könnte das Stück — mir ist 
kein zweites Exemplar bekaunt — ebensowohl dem Pläner- 
mergel, wie einer mergeligen Bank des weissen Jura entnom- 
men sein. 



8 I. Diadematidae. 

Von Cidarites granulosus Gldf. befindet sich nur ein Original- 
stück in Bonn. Es ist ein halbes Gehäuse, an dem die obere 
Partie fehlt. Dasselbe soll von Maastricht stammen, wogegen die 
Gesteinsbeschaffenheit nicht spricht. Das Stück ist nicht allein 
grösser, insbesondere höher und führt mehr Warzen, sondern es 
sind auch die Warzenkegel stärker entwickelt, ebenso das Gra- 
nulaband in der Mitte der Ambulacral- und Interambulacralfelder. 
Auch sind die Porengänge am Umfange weniger stark bogen- 
förmig und ihr Verlauf bis zum Mundrande einfach. Endlich 
zeigt sich auch auf der Unterseite eine deutlich entwickelte Secundär- 
reihe von Stachelwarzen an den Seiten der Interambulacralfelder 
und das Peristom ist ein wenig eingesenkt. Das Stück ist also 
von unseren verschieden i). 

Ad. Römer 2) und Ferd. Röjier^) haben die Art als Cypho- 
soma rugosum Ag. von Essen aufgeführt. Diese Art kann hier 
gar nicht in Frage kommen, da sie den Typus der Gattung Leio- 
soma Gott, bildet, deren Stachelwarzen sowohl undurchbohrt, wie 
ungekerbt sind. 

Geinitz*) beschreibt die Stücke von Essen allerdings als 
Cyphosoma granulosum Goldf. sp., meint aber, man könne sie un- 
bedenklich zu Cyphosoriia cenomanense Gott. 5) stellen. Abgesehen 
davon, dass die Gehäuse dieser Art ungefähr um die Hälfte kleiner 
sind, sind die Granulabänder weniger entwickelt, dagegen deut- 
liche Secundärtuberkeln vorhanden; die Porengänge nicht bogenig 
in ihrem Verlaufe und das Peristom etwas eingesenkt. 

Noch geringer sind die Beziehungen, welche die zweite von 
CoTTEAU aus dem Cenoman genannte Kri: Cyphosoma Bargesi zeigt. 

Vorkommen. Phymomma Goldf ussi ist bis jetzt nur aus der 
Tourtia von Essen bekannt. 



1) Ob das, was Cotteau, 1. o. pag. 684, tab. 1169, und Wriqht, päg. 129, 
tab. 23, fig. 3, Cyphosoma granulosum nennen, mit der Goi.uFuss'schen Art ident 
sei, kommt hier nicht in Frage, ist aber zu bezweifeln. Unsere Art ist jedenfalls 
verschieden. 

'') Ad. Römer, Verst. Kreideg., pag. 29. 

ä) Perd. Römur, Monogr. Kreidobild. Westfalens, p.ig. 136. 

•') Gkinitz, Eibthalgebirge, I, pag. 72. , 

'') CoTTKAii, Pal. franQ. terr. cret. tonioVU, pag. 580, tab. 1137, lig. Ü— 13- 



I. Diadematidae. 9 

Zur Untersuchung liegen drei fast vollständige und ein halbes 
Exemplar, sowie 7 Bruchstücke vor. 

Originale in meiner Sammlung; ein Stück im Museum der 
Universität zu Berlin. 



Phymosoma cenomanense, Cotteau sp. 1859. 

C'yjjhosoma cenomanense, Cotteau et Trigee, Echin. du depart. de la Sarthe, 
pag. 150, tab. 26, fig. 13—16. 

Es liegt nur ein geringes Fragment vor, bei dem die Secundär- 
tuberkeln in der Nähe des Periprocts darauf hinweisen, dass man 
es hier nicht mit Phymosoma Goldfussi^ sondern mit der genannten 
Art zu thun habe. 

Fundort: Tourtia von Essen. 

Original in meiner Sammlung. 



Phymosoma reguläre, Agassiz? 

Dieser von Agassiz i) aufgestellten und zuerst durch Cotteau 2) 
abgebildeten Art möchte vielleicht ein kleines, schlecht erhaltenes 
Gehäuse angehören, welches sich im rothen turonen Pläner des 
Ringelberges bei Salzgitter auffand. 

In der Gestalt des Gehäuses unterscheidet es sich von Phymo- 
soma radiatum durch die nicht eingesenkte Mundlücke und gleich- 
massige Abplattung der Ober- und Unterseite. 

Am meisten zutreiFend ist die Abbildung von Cotteau, Pal. 
franp. terr. cret. tom. VII, tab. 1145, fig. 13 — 15. 

Original in meiner Sammlung. 



') Agassiz, Cat. syst. Eotyp. foss. Mus. Neoo. 1840, pag. 11, und Agassiz, 
Cat. raiss. Echin. in Ann. sc. nat. 3. ser., tome VI; 1846, pag. 352. 

2) Cotteau, Echin. du depart. de la Sarthe, 1866, pag. 222, tab. 36, tab. 39. 



10 I. Diadematidae. 

Phymosoma qninquangulare, Schlüter. 

Taf. '2, Fig. 1—5. 

Phymosoma qninquangulare, Schi.üticr, Sitz. d. niederrhein. Gesellsoh. für Natiir- 
und Heillamde in Bonn, 7. Nov. 18S1. 

Maasse: 

Durchmesser des Gehäuses 20™'" 

Höhe des Gehäuses 7 » 

Breite der Ambulacralfekler 5 » 

Breite der Interambulacralfelder . . . . . 7 » 

Durchmesser des Peristoms 8 » 

Ambulacrale Stachelwarzen in einer Reihe . 7 
Interambulacrale Stachel warzen in einer Reihe 7. 
Gehäuse kaum von mittlerer Grösse, Umriss deutlich penta- 
gona!. Ober- und Unterseite gleichmässig abgeplattet. 

Die aus ziemlich entfernt stehenden Porenpaaren gebildeten 
Porengänge auf der Oberseite gerade, am Umfange und auf 
der Unterseite undulirt. Poren klein und rund. In der Nähe des 
Scheitels zeigen die Porenpaare die Neigung, sich etwas ausein- 
ander zu schieben ; in der Nähe des Peristoms lösen sich die Gänge 
zu kurzen, schrägen Reihen auf. (In der Abbildung nicht hin- 
reichend deutlich angegeben.) 

Die über die Ecken des Pentagons laufenden Am bula er al- 
felder tragen zwei Reihen crenelirter, nicht durchbohrter Stachel- 
warzen, welche sich nur langsam gegen Mund und After hin ver- 
kleinern; sieben in jeder Reihe. Die vertikale Mittehiaht des 
Feldes ist am Umfange des Gehäuses von einer Reihe, die horizon- 
zontalen Nähte der Asseln von einer bis drei Reihen Granula 
besetzt. 

Die Interambulacralfelder führen zwei Reihen überein- 
stimmender Stachelwarzen; sieben, einmal acht in einer Reihe. 
Die Reihen nähern sich vom Umfange zum Scheitel hin nur wenig, 
dagegen bis zur Mundlippe fast bis zur Berührung der letzten 



I. Diadematidae. 1] 

kleinen Warzen. Alle grösseren Täfelchen, welche ungefähr so 
hoch wie breit sind, sind ringsum von einer Reihe Granula besetzt. 
Auf der Oberseite sind die Granula sparsamer vorhanden und 
fehlen insbesondere in der Mitte des Feldes gänzlich. Unter den 
seitlichen Granulen sind einzelne stärker entwickelt und mamme- 
lonirt, ohne dass man von einer secundären Warzenreihe reden 
könnte. 

Peristom nicht im mindesten eingesenkt, gross; Ambulacral- 
lippen breiter als Interambulacrallippen. Kiemeneinschnitte nicht 
gross, so tief wie breit, mit einer starken Wulst. 

Scheitellücke mit ausgefallenem Scheitelschilde gross, fünf- 
seitig (zum Theil verbrochen). 

Bemerk. Phymosoma quinquangulare stimmt in Gestalt und 
Grösse mit einer afrikanischen Art: Phymosoma Coquandi Gott. ^) 
überein. Dieselbe ist verschieden durch stärkere Entwickelung 
der Granula, insbesondere zwischen den beiden interambulacralen 
Warzenreihen, etwas grössere Zahl der Stachelwarzen, stärker 
entwickelte Doppelzeiligkeit der Porengänge auf der Oberseite 
und dadurch, dass die Porenpaare am Peristom sich nicht zu 
schrägen Reihen ordnen (CoTTEAU giebt im Texte hierüber nur an : 
Zones poriferes se dedoublant un peu pres du peristome), sowie 
durch etwas eingesenkte Mundlücke. 

In der Gestalt des Gehäuses steht am nächsten Leiosoma 
rugosum Ag. sp. 2). Aber es sind deutliche Secundärtuberkeln 
vorhanden und das Fehlen der Kerbung der Stachelwarzen hat 
CoTTEAü genöthigt, die von Agassiz schon 1840 aufgestellte Art 
von Phymosoma abzusondern und als Typus der Gattung Leiosoma 
aufzustellen. 

Vorkommen. Das einzige vorliegende Exemplar fand sich 
im turonen Pläner (Galeriten- Pläner?) nördlich von Ahaus (im 
zweiten Steinbruche von Süden her, beim ersten Kreuze) bei 
Graes. 

Original in meiner Sammlung. 



1) CoTTEAu, Pal. fran?. terr. cret. tome VII, pag. 586, tab. 1139, fig. 7 — 12. 
') CoTTEAU, ibid. tab. 1188. 



I. 




IL 


III. 


IV. 


10,5 




13 


17 


20 


4,5 




6 


8 


ca. 9 


ca. 5 




5 


ca. 6 


7 


3 




3,5 


4—5 


6 


4 


ca 


. 5 


6 


7 



12 I. Diadematidae. 

Phymosoma radiatum, Sorignet 1850. 

Cyphosoma radiatum, Souignet, Ours. de deux arrond. du depart. de l'Eure, 
pag. 28. 

Maasse einiger Exemplare in Millimetern: 

Durchmesser des Gehäuses . . 

Höhe des Gehäuses .... 

Durchmesser des Peristoms 

Breite der Ambulacralfelder 

Breite der Interambulacralfelder 

Zahl der ambulacralen Stachel- 
warzen in einer Reihe . . . 5 — 6 6 — 7 7—8 8 — 9 

Zahl der interambulacralen Stachel- 
warzen in einer Reihe ... 6 7 89 — 10. 
Gehäuse klein bis von mittlerer Grösse, von kreisförmigem 
bis gerundet fünfseitigem Umfang; Oberseite massig gewölbt, 
Rand gerundet, Unterseite concav. 

Ambulacralfelder 1/4 schmaler als die Interambulacral- 
felder. Jedes mit zwei Reihen crenelirter, nicht durchbohrter 
Stachelwarzen, 9 in einer interambulacralen Reihe (in den klein- 
sten 7) besetzt, welche an Grösse gegen die Pole hin rasch ab- 
nehmen. Die Asseln beiderlei Felder, insbesondere die grossen 
am Umfange des Gehäuses, sind so hoch wie breit und ihr Warzen- 
hof gestrahlt. Die der Afterlücke näher gelegenen Täfelchen etwas 
breiter als hoch. 

Die Porengänge sind in der Nähe der Pole wenig, am 
Umfange des Gehäuses stärker hin und her gebogen. Sie werden 
durch einfache Porenpaare gebildet, welche nirgendwo durch 
Verschiebung auseinandertreten und deshalb weder am Periproct 
noch am Peristom doppelte oder schräg gestellte Reihen bilden. 
Die Poren sind rundlieh, jedoch etwas höher als breit, ihr 
Zwischenrnum etwa dem eigenen Durchmesser gleich. Sie zeigen 
auf den grossen Täfelchen die Neigung, , sich schräg zu stellen. 
Fünf bis sechs Paare auf einer Assel. Die vertikale Mittelnaht 



I. Diadematidae. 13 

der Ambulacralfelder wird jederseits von einer, manchmal undeut- 
lichen Reihe Granula begleitet, die nur am Umfange des Gehäuses 
eine Unterbrechung erleidet. In horizontaler Richtung sind die 
Warzenhöfe durch 2 bis 3 Granulareihen geschieden. Vier am 
Umfange gelegene Ambulacralasseln sind grösser als die übrigen, 
sie zeigen am Aussenrande bis an den Fuss des Warzenkopfes 
reichende Einschnitte, welche den verwachsenen Porentäfelchen 
entsprechen. Ausserdem leicht radiirt. Die grossen Interambula- 
craltafeln sind deutlicher radiirt. Jeder Warzenhof an der Naht 
von einer Reihe Körnchen umgeben, welche mit den Radien zu 
correspondiren pflegen. An der Unterseite eine leise Andeutung 
zur Bildung von Secundärtuberkeln neben den Porengängen. Auf 
der Oberseite die mittlere Partie jedes Interambulacralfeldes bis 
auf die Erstreckung von drei bis vier Asseln frei von Granulen, 
glatt, dagegen schieben sich hier in den äusseren Ecken der Täfel- 
chen bisweilen noch einzelne Körnchen ein. 

Peristom von mittlerer Grösse, kreisförmig, ziemlich tief 
eingesenkt, bei den grösseren Gehäusen mehr, als bei den klei- 
neren. Kiemeneinschnitte schwach. 

Scheitellücke (mit stets fehlendem Scheitelschilde) gross, 
gerundet fünfseitig. 

Die durchschnittliche Grösse der Mehrzahl der vorliegenden 
Gehäuse beträgt 17""" Durchmesser und 8'"" Höhe; das kleinste 
Exemplar (von Graes) misst 11 und 5""", das grösste' (von Hun- 
dorf) 22 und 11™. 

Ueber die seltenen kleinen Stücke ist noch zu bemerken, dass 
das Peristom weniger eingesenkt ist, in welchem Umstände sich 
dieselben also dem Phymosoma tenuistriatum nähern. 

Bemerk. In Deutschland ist die Art lange verkannt. Von 
GoLDFUSS wurde sie dem Anscheine nach mit unter Cidaris va- 
riolaris Ag. zusammengefasst, von Ad. Römer muthmaasslich als 
Diadema tenue Ag. gedeutet, von Geinitz, nach eigener Angabe^), 
in seinen älteren Schriften als Cyphosoma granulosum Gldf. be- 
zeichnet. Sie wurde dann 1850 durch Sorignet begründet, aber 



') Geinitz, Eibthalgebirge, II, pag. 8. 



14 I- Diadematidae. 

leider nicht durch eine Abbildung erläutert, während im selben 
Jahre DixON i) eine nicht von einem Namen begleitete, wenig deut- 
liche Abbildung gab, worin Cotteaü die SoRiGNET'sche Art wieder 
zu erkennen glaubt 2). 

In England taucht dann die Bezeichnung Cyphosoma siniplex 
Forbes-^) zuerst als blosser Name auf, der dann bald darauf durch 
Woodward*) eine kurze Erläuterung fand, wobei beide Autoren 
sich gegenseitig aufeinander berufen. Von den nun folgenden 
Schriftstellern, von Cotteau- und Wright, wurde die Forbes'- 
sche Benennung wieder eingezogen, von Cotteau mit dieser zu- 
gleich Cyphosoma WetJierelli Forb., die jedoch von Wright auf- 
recht erhalten wird. 

Erst die Darstellungen von Cotteau 5) und Wright 6) haben 
eine wünschenswerthe Darstellung der Art gebracht, welche einen 
näheren Vergleich ermöglicht. Besonders übereinstimmend mit 
den vorliegenden Stücken sind die Abbildungen von Wright und 
von Cotteau tab. 1148, fig. 6 — 10 (welche ebenfalls ein englisches 
Exemplar darstellen). Was Cotteau als var. granuleuse aus dem 
Senon von Senneville tab. 1148, fig. 1 — 5 abgebildet, hat sich in 
Deutschland noch nicht gezeigt und bezweifle ich die Zugehörigkeit. 

Die sächsischen Vorkommnisse sind neuerlich durch Geinitz^) 
auch zu Cyphosoma radiatum gestellt worden, während Quenstedt*) 
dafür eine neue Bezeichnung, Diadema variolatus Strehlensls^ auf- 
stellt, anscheinend weil die Stücke von Strehlen dadurch von 
Cyphosoma radiatum abweichen, dass sich die letzten Porenpaare 



1) DixoN, Geology of Sussex, tab. 24, fig. 28 — 31. 

^) In der zweiten Ausgabe von Dixon, 1878, wird pag. 373 die angezogene 
Figur als P/iyiiwsoma rotatum Forb. angesprochen, eine Art, welche von Wkight, 
1. c. pag. 116, unter die Synonyma von Echinocyphus difjicUü Ag. sp. gestellt wird. 

'') FoRBES in Morris, Cat. of Brit. foss. sec. edit. 1854, pag. 75. 

■') Memoirs of the geologioal Survey of the United Kingdom, üßcado V, 
185G, Appendix, pag. 2, 3. 

■') CoTTicAu, Pal. ft-ani;. torr. uret. tonio VII, pag. 609 — G14, tab. 1147, 
tab. 1148. 

^) Wkkiht, Monogr. of the British fossil Echinodermata froin the Crotaeoous 
formations, part. I, 1864- 1868, pag. 143, tab. 29, fig. 2, 3. 

') GuiNrrz, Elbthalgobirgo, II, pag. 8, tab. 2, fig. 7—10. 

") QuKNSTicDT, Ki'Jiiiiidiui, 1875, pag. 328, tab. 72, fig. 89— 90. 



I. Diadematidae. ] 5 

am Mundsaume senkrecht und vereinzelt stellen. Dies ist nicht 
ganz genau, denn sie stellen sich nur schräg, was allerdings 
COTTEAU in seiner Figur nicht ausdrückt. Uebrigens zeichnet 
QüENSTEDT nichts von einer Radiirung der Asseln und auch 
Geinitz deutet sie nicht hinreichend genug an. 

Ueber die Beziehungen zu Phyniosoma pseudoradiatum aus 
Ober-Senon ist bei .dieser Art selbst gesprochen. 

Verwandt im allgemeinen Habitus ist der auf Cenoman be- 
schränkte Echinocyphus rotatus Cott., siehe diesen. Der ebenfalls 
im unteren Turon auftretende Echinocyphus mespilia Woodw., siehe 
diesen, besitzt ein höheres, mehr kugeliges Gehäuse. 

Verbreitung. Phyniosoma radiatum bildet mit leicht in die 
Augen fallenden Merkmalen ein charakteristisches Fossil des turonen 
Pläners. 

Die Art ist besonders im östlichen Deutschland häufig. Sie 
liegt von dort vor aus dem Scaphiten-Pläner von Strehlen (Sachsen), 
Hundorf und Turn bei Tepliz (Böhmen), vom Hublic bei Laun 
(Böhmen) und Oppeln (Schlesien). 

Dann als Seltenheit aus dem westlichen Deutschland, ent- 
weder aus gleichem Niveau oder aus dem unterlagernden Galeriten- 
Pläner, zwischen Beuchte und Weddingen (Hannover) und Graes 
bei Ahaus (Westfalen). 

Und zuletzt aus dem mit dem Scaphiten-Pläner gleichalterigen 
Turon- Grünsande der Zeche »Schlägel nnd Eisen« bei Reckling- 
hausen (Westfalen) in ca. 325'" Tiefe. 

Zur Untersuchung' liegen 14 Exemplare vor. 



Phymosoma Oehrdenense, Schlüter. 

Taf. 3, Fig. 1 — 5. 

P/iijniosovia Oehrdeneme, Schlüter, Sitz. d. iiiederrhein. Gesellsch. für Natur- und 
Heilkunde in Bonn, 7. Nov. 1881. 

Maasse: 

Durchmesser des Gehäuses 19"" 

Höhe des Gehäuses 7 » 



16 I. Diadematidae.. 

Durchmesser des Peristoms 6,5"™ 

Breite der Ambulacralfelder ........ 5 » 

Breite der Interambulacralfelder ...... 7 » 

Zahl der ambulacralen Warzen in einer Reihe . 14 
Zahl der interambulacralen Warzen in einer Reihe 14. 

Gehäuse klein, kaum von mittlerer Grösse, niedrig, Ober- 
seite gewölbt, Unterseite concayi). 

Porengänge, gebildet aus grossen runden Poren, in ihrem 
ganzen Verlaufe einfach, auf der Oberseite geradlinig, am Umfange 
und auf der Unterseite undulirt. 

Die Ambulacralfelder führen zwei Reihen nicht gros'ser, 
crenelirter und durchbohrter Stachelwarzen, 14 in jeder Reihe, 
welche vom Umfange zu den Polen hin langsam an Grösse ab- 
nehmen. Die grösseren sind seitlich leicht gestrahlt. 

Die Interambulacralfelder tragen ebenfalls zwei Reihen 
Stachelwarzen von gleicher Beschaffenheit und gleicher Zahl. 
Warzenhöfe klein, sich meist berührend. Mit Ausnahme dieser, die 
ganze Oberseite des Gehäuses gleichmässig mit feinen, gleichartigen 
Granulen dicht besetzt. Auf der Unterseite begleiten nur Granula- 
Reihen die Nähte der Asseln 2). An den Seiten der Ambulacral- 
felder ragen einzelne "Granulen durch mehrere Grösse hervor und 
sind zum Theil mammelonirt. 

Peristom tief eingesenkt, von mittlerer Grösse. Kiemen- 
einschnitte klein. Ambulacrallippen schmaler als Interambulacral- 
lippen. 

Bemerk. Nahe verwandt, ist das afrikanische Phymosoma 
Schlunibergeri Gott. 3), namentlich durch- die reiche, gleichmässige 
Entwickelung der Granula, aber das Gehäuse ist höher und die 
Mundlücke nicht eiagesenkt; die Porengänge im ganzen Verlaufe 
geradlinig. 

Vorkommen. Das einzige bekannte Exemplar fand sich 
in dem iintorsenonen Kreidcmergel bei Gehrden unweit Hannover. 

Original im Museum der Universität zu Bonn. 



') In dor Abbildung Fig. 2 nicht hinreichend deutlich ausgedrückt. 

'^) In der Aljbildiuig nicht naturgetreu wiedergegeben. 

^) CorrnAc, Pal. frang. torr. eröt. tome VII, tab. Uli, lig. 1—11, pag. 591. 



I. Diadematidae. 17 



Phymosoma cf. magnificum, Agassiz 1840. 

Der vorstehend genannten, von Agassiz^) bereits 1840 auf- 
gestellten, aber erst 1865 durch Coiteau'^) abgebildeten Art 
dürften einige wenig gut erhaltene Gehäuse aus norddeutschem 
Unter- Senon zuzuzählen sein. Ihre Dimensionen sind: 

Durchmesser des Gehäuses 29™"" 

Höhe des Gehäuses . . . 12» 

Weite der Mundlücke 12 » 

Das Gehäuse kreisförmig, oben massig gewölbt mit fünf- 
seitiger Scheitellücke des fehlenden Scheitelschildes, Rand gebläht, 
Unterseite mit wenig eingesenktem Peristom. 

Porengänge auf der Oberseite verdoppelt, am Umfange des 
Gehäuses einfach, aber wellig gebogen, in der Nähe der Mund- 
lücke in kurze, schräge Reihen aufgelöst. 

Die Ambulacralfelder führen zwei Reihen crenelirter, nicht 
durchbohrter Stachelwarzen, welche sich auf der Oberseite des 
Gehäuses rasch vei'jüngen. Jede Reihe führt etwa 14. Die un- 
günstige Erhaltungsart lässt die Granulen nicht mit wünschens- 
werther Deutlichkeit erkennen. Es scheint, dass sie nur in der 
Mittellinie der Felder entwickelt sind, reichlicher auf der Ober- 
seite und in der Nähe des ümfanges, an Zahl abnehmend gegen 
die Pole, dann nur eine winklige Linie bildend. 

Die Interambulacralfelder, ein Drittel breiter als die 
Ambulacralfelder, tragen ebenfalls zwei Reihen, von denen jener 
nicht verschiedener Stachelwarzen. Die wenig entwickelten Se- 
cundärtuberkeln bilden an jeder Seite der Ambulacralfelder eine 
unregelmässige Reihe. Die auch hier nicht deutlichen Granulen 
scheinen sich vorwiegend in der Mittellinie der Felder anzuhäufen, 
kein geschlossenes Warzenhöfchen zu bilden und zwischen Scheitel 
und Rand zu verschwinden. 



') Agassiz, Catal. syst. Ectyp. foss. Mus. neoc, pag. 11. 
^) CoTTEAu, 1. 0. tab. 1155 — 1156, 1157, pag. 635. 



18 I- Diadomatidae. 

Hiernach stimmen die vorliegenden Stücke, soweit ihre Er- 
haltungsart einen Vergleich gestattet, mit der genannten Art über- 
ein. Nur hat es den Anschein, als ob bei dieser das Gehäuse 
höher, die Asseln der Oberseite des Gehäuses niedriger seien und 
als ob die Gestaltung der Porengänge in der Nähe des Peristoms 
einfacher sei^ von denen Cotteau sagt: »ä peine se multiplier«, 
aber keine Abbildung zur näheren Erläuterung beifügt. 

Es dürfte noch zuzufügen sein, dass jenes Merkmal einer von 
Cotteau zu dieser Art zugezogenen Varietät, die einst Agassiz 
als Cyphosoma sulcata beschrieb i), von der es heisst: »Des sillons 
transverses, entre les plaques, comme les Temnopleurus« sich an 
keinem der vorliegenden Stücke wahrnehmen lässt. Sobald von 
letzteren besser erhaltene Exemplare gefunden sind, wird man 
über die Zugehörigkeit oder Verschiedenheit ein befriedigendes 
Urtheil gewinnen können. 

Vorkommen. Es liegen vier Exemplare vor aus dem ünter- 
Senon der Gegend zwischen Adenstedt und Bülten (Hannover). 
Vielleicht kommt die Art auch bei Speidorf vor. 

Originale in meiner Sammlung. 



Phymosonia ornatissimum, Agassiz 1846. 

Gidaris variolariK Goldfuss (non! Brong.), Petref. Genn. pag. 123, tab. 40, ifig. 9. 
Cypliosoma ornatissimum Agassiz, Cat raiss. Auu. se. 184G, pag. 352. 

Maasse einiger Exemplare in Millimetern: 

I. Tl. ITI. IV. V. VI. 

Durchmesser des Gehäuses . . 25 29,5 37 44 • 48 58 

Höhe des Gehäuses 10 12 13 15 19 19 

Durchmesser des Peristoms . . 8 10 — 12 ^ — 16 



').A(jAssiz, Cat. vai.ss. dos 1<A-Iiiii., Ami. dns sc. nat. 2. scr. 1840, toiiio VI, 
pag. 351, abgebildet 1860 durc^h Cottioali et TKicuii!, J'Ieliin. du dopavt. de la Sarthe 
tab. 44, fig. 9 — 13, pag. 2(J8. 



L Diadematidae. 19 

I. IL m. IV. V. VI. 

Breite der Ambulacralfelder .6 — 9 11 11 14,5 

Breite derlnterambulacralfelder 9 — 12 15 17 19 
Zahl der Ambulacralwarzen in 

einer Reihe 11 12 13 14 14—17 15—16 

Zahl der Interambulacralwarzen 

in einer Reihe 11 12 13 14 15 16. 

GoLDFUSS bezeichnete die für die senone Kreide von Coesfeld 
typische PA^7)iosoma- Art als Cidans variolaris Brong.'^'). Diese auf 
das Cenoman beschränkte Art kann hier gar nicht in Betracht kom- 
men, da die durchbohrten Höcker sie in die Gattung Pseudodiadema 
verweisen. 

Desor^) stellte die GoLDFUSs'sche Cidaris variolaris unter die 
Synonyma von Phymosoma Koenigi Mant. ^), worin ihm Cotteaü*) 
und WrigHT^) folgten. Prüfen wir unter Zugrundelegung der 
genauen, von Wright gegebenen Abbildungen das Phymosoma 
Koenigi^ sowie einiger vorliegender englischer Originale beide 
Vorkommnisse, so ergeben sich trotz der im allgemeinen grossen 
Aehnlichkeit beider folgende Unterschiede: 

a. bei den englischen Typen ist die Unterseite plan, bei den 
westfälischen Stücken ist das Peristom tief eingesenkt; 

b. bei den englischen Gehäusen sind die Mundeinschnitte 
für die Kiemen obwohl nicht sehr tief, doch scharf ausge- 
prägt, bei den westfälischen Stücken dagegen kaum wahr- 
nehmbar; 

c. bei den englischen Stücken verlassen die Ambulacralporen 
in der Nähe der Mundlücke die bogenförmige Stellung und 
bilden statt deren drei schräge kurze Reihen, wovon man 
bei den westfälischen Stücken nichts wahrnimmt; 



^) Das von Goldfüss abgebildete Exemplar stammt von Coesfeld selbst. 
^) Desor, Synop. Echin. foss. 1858, pag. 87. 

^) In Folge dessen ich selbst früher dieses Vorkommen mit diesem Namen 
bezeichnete. 

*) CoTTEAu, Pal. fran^. terr. cret. tome VII, pag. 678. 
^) Weicht, Cret. Echin., Pal. soc. 131. 



20 I- Diadematidae. 

d. an der Unterseite der westfälischen Gehäuse finden sich 
auf den Interambulacralfeldern sowohl zwischen den beiden 
Hauptreihen der Stachelwarzen zwei Reihen kleiner Stachel- 
warzen, wie jederseits am Aussenraude des Feldes neben 
der secundären Warzenreihe noch eine zweite kleinere i). 
Beide fehlen den englischen Stücken. 

Mithin können beide nicht als zur selben Art gehörig 
betrachtet werden. 

Vor Desor hatte Agassiz^) für sein Cyphosoma oniatissvmum 
sich auf die einzige Abbildung des Cidaris variolaris bei Goldfuss 
(wenn auch mit einem Fragezeichen) berufen und dabei angegeben, 
die Art finde sich ausser in Deutschland auch in der weissen 
Kreide Englands, statt der Beschreibung nur beifügend: »Differe 
du Cyphosoma Tiara par le dedoublement des pores ä la face 
superieure, et par la presence de tubercules secondaires assez de- 
veloppes ä la face inferieure«. 

Desor und Cotteau und Wright stellen consequenter Weise 
auch Phymosoma ornatissimum Agass. unter die Synonyma von 
Phymosoma Koenigi, was, wie gezeigt, nicht zulässig. 

Verwandt ist jiach der Darstellung Cotteau's Cyphosoma 
Tiara Hag. sp. Agassiz nennt Cyphosoma Tiara (= Cidaris Tiara 
Hag.), dem er sein Cyphosoma magnificum^) beifügt, von Meudon 
und Rügen*). 

Desor ^) stellt Cyphosoma Tiara unter die Synonyma von 
Cyphosoma saxatile Park, sp., und nennt es mithin sowohl aus 
Kent wie von Meudon , und hält Cyphosoma magnifi,cum aufrecht. 



*) Jedoch nicht so scharf ausgeprägt, wie bei dem ebenfalls grossen Pltymo- 
soma Girumnense Des. Pal. franc;. 1. c. tab. 1160. 
'■*) Agassiz, Cat. raiss., Ann. sc. 1846, pag. 352. 
^) Agassiz, Cat. syst. pag. 1 1 . 
■') Agassiz, Cat. raiss. 1. c. pag. 351. 
^) .Dissoit, Syn. Echin. foss. pag. 87. 



I. Diadematidae. 21 

CoTTEAü^) dagegen hält Cyphosoma Tiara aufrecht und ebenso 
wie Wright^) Cyphosoma saaiatile, dieses jedoch unter dem Klein'- 
schen Namen Cyphosoma corollare, von St. Pierre, Meudon etc. 

Da nach der Darstellung von Cotteau Cyphosoma Tiara 
allerdings eine Verdoppelung der Porenpaare gegen den Scheitel 
hin zeigt, dagegen keine eingesenkte Mundlücke, nur auf der 
unter-, nicht auf der Ober- Seite secundäre Warzenreihen führt, 
Hauptstachelwarzen in jeder Reihe nur 9 statt 14, wie bei den 
vorliegenden, so können diese nicht zu Cyphosoma Tiara gestellt 
werden. 

Cyphosoma corollare (== C. saxatile) ist von unseren Stücken 
durch geringe Entwickelung der Secundärtuberkeln, geringere 
Zahl (9) der Hauptstachelwarzen etc. verschieden. 

Cyphosoma magnificum Ag. ^) besitzt eine ähnliche Ornamentik 
wie die in Rede stehenden Stücke, dies mag Veranlassung gewesen 
sein, dass Ad. Römer und Ferd. Römer diese Vorkommnisse zu 
Cyphosoma magnificum gestellt haben ; allein bei dieser Art ist das 
Peristom kaum wahrnehmbar eingesenkt, die Asseln der Oberseite 
sind niedriger, damit zugleich die Stachelwarzen kleiner und ein- 
ander mehr genähert etc. 

Die durch Hagenow*) als Cidaris ( Diadema) aus der Kreide 
Rügens beschriebenen, nahestehenden Phymosomen, Phym. princeps 
und Phym. taeniatum, unterscheiden sich leicht, schon durch die 
wenig eingesenkte Mundlücke. 

Es können sonach die gedachten Vorkommnisse nur die Be- 
zeichnung Phymosoma ornatissimum Ag. tragen. 

Vorkommen. Ich sammelte eine grössere Zahl Exemplare 
in der unteren Mucronaten- Kreide bei Coesfeld und Darup in 
Westfalen. 



1) Cotteau, Paleont. fran(;. 1. c. pag. 674, tab. 1966. 
^) Wkight, 1. c. pag. 134. 

ä) Paleont. fran(;. 1. c. pag. 636, tab. 1155, 1157. 
*) Jahrb. für Mineral. 1840, pag. 651. 



22 I- Diadematidae. 

Phymosoma princeps, Hagenow^) 1840. 

Taf. G, Fig. 1 — 5. 

Cidaris (Diadeina) j-irinceps, Fried, von Hagenow, Monographie der Rügenschen 
Kreide -Versteinerungen. IT. Abtheil. Jahrbuch für 
Mineral, etc. 1840, pag. 651. 

Ausser einem von HaGENOW im Jahre 1853 eingesandten 
Gypsabgusse liegt ein angeblich von Rügen stammendes Ori- 
ginal vor. 

Maasse: 

Durchmesser des Gehäuses 53 — 55^"™ 

Höhe des Gehäuses 24 » 

Weite der Mundlücke 12— 13» 

Breite der Ambulacralfelder 15 » • 

Breite der Interambulacralfelder .... 19 » 

Zahl der ambulacralen Stachelwarzen in 

einer Reihe . 13 

Zahl der interambulacralen Stachelwarzen in 

einer Reihe 13 — 14. 

Das grosse Gehäuse zeigt eine nahe Verwandtschaft mit den 
grössten Exemplaren des Phymosoma ornatissimuin von Coesfeld. 
Leicht unterscheidet die sowohl engere wie nur um ein Geringes 
eingesenkte Mundlücke. Zugleich sind die Warzenhöfe tiefer ein- 
gesenkt; die Höhe dfer grossen Asseln am Umfange des Gehäuses 
grösser, dagegen zum Scheitel hin rascher an Grösse abnehmend 
und der Kegel von einem schärfer vortretenden Ringe umgeben. 
Die Secundärwarzen und Granulen wfeniger entwickelt und auf 
der Oberseite die glatte, granulafreie Partie zwischen den inter- 
ambulacralen Warzenreihen weiter ausgedehnt. 

Vorkommen. Bis jetzt nur aus der obersenonen Kreide 
der Insel Rügen bekannt. 

') Was Dksor, Syn. Echin. foss. pag. 89, unter dieser Bezeichnung nennt, 
ist verschieden. — Wenn Qoenstkdt, Eohin. pag. 325, meint, Diadema prinvcpx 
Hag. und fJmdema speciosa Hag. sei das Gleiche, so ist dies irrig, wie zwei mit 
Haqe.now's Handschrift versehene Gypsabgüsso dairthun: dagegen möchte Diadema 
taeniatum Hag. und Diadema speciosa zusammoufallen. 



I. Diadematidae. 23 

Phymosoma taeniatnin, Hagenow 1840. 

Taf. 7, Fig. 1 — 5. 

Cidaris ( Diadema) taeniatus. Friedr. vos Hagenow, Monographie der Rügensohen 
Kreide- Versteinerungen. IL Abtheil. Jahrbuch für 
Minerah ete. 1840, pag. 651. 
Maasse: 

Durchmesser des Gehäuses 41 — 43"™ 

Höhe des Gehäuses 13 » 

Weite der Mundlücke 15 » 

Breite der Ambulacralfelder 10 » 

Bfreite der Interambulacralfelder .... 15 » . 

Schliesst sich den beiden zuletzt genannten Arten als ver- 
wandte Form an. Der augenfälligste Unterschied beruht in der 
Besehafienheit der Stachelwarzen. Dieselben sind auf der Ober- 
seite des Gehäuses wie bei ■ der Gattung Leiosonia Gott, nicht cre- 
nelirt; am Umfange des Gehäuses und weiter abwärts zeigen sie 
in der Richtung zum Peristom ein paar Kerben, 3 bis 4, was 
schon durch Hagenow hervorgehoben wurde: »die Gelenkwarzen- 
ringe sind glatt und zeigen nur gegen den After (soll wohl 
heissen Mund!) hin eine Spur von Kerbung«. Weiter unter- 
scheidet die Grösse und geringe Einsenkung die Mundlücke. 
Von Phymosoma princeps durch geringere Ausdehnung und Ein- 
senkung der Warzenhöfe verschieden. Während bei der letzten 
Art die Porengänge in der Umgebung des Peristoms . eine völlig 
einfache Reihe bilden, die Porenpaare sich aber fast senkrecht 
stellen 1) — lösen sich dieselben bei Phymosoma taeniatum in einige 
kurze Reihen auf. Granula gut entwickelt, Secundärwarzen schwach, 
nur an der Unterseite und hier besonders seitlich. 

Vorkommen. Nur aus dem Ober-Senon der Insel Rügen 
bekannt. 

Ein Exemplar im Museum der Universität zu Berlin. 



') Bei Phymosoma ornatissimiim wegen der an dieser Stelle ungünstigen Er- 
haltung der zahlreich vorliegenden Stücke bisher nicht beobachtbar. 



24 I- Diadematidae. 

Phymosoma pseudoradiatum, Schlüter. 

Phymosoma pseudoradiatum, Schlüter, Sitz. d. nieden-heiu. Gesellsch. für Natur- 
und Heilkunde in Bonn, 7. Nov. 1881. 

Im Ober-Senon Norddeutschlands findet sich als Seltenheit 
ein Phymosoma, welches dem aus dem mittleren Turon-Pläner 
wohlbekannten Phymosoma radiatum nahe steht. Uebereinstimmend 
sind die Ambulacra, welche aus einfachen Porenpaaren gebildete, 
wellig gebogene Gänge darstellen, die sich weder am Munde noch 
am After durch Auseinanderschieben verbreitern, übereinstimmend 
die Radiirung der Asseln, welche nur primäre, crenelirte, nicht 
durchbohrte Stachelwarzen tragen, denen sich an der Mundseite 
auf jedem Interambulacrum seitlich ein paar kleine Secundär- 
höckerchen anfügen etc. Abweichend ist die jüngere Art von der 
älteren dadurch, dass sich auf den Ambulacralasseln keine mehr- 
fachen Horizontalreihen von Granulen finden, welche ich an keinem 
Gehäuse der genannten Art des Turon vermisst habe^); dann da- 
durch, dass auf der Oberseite des Gehäuses die Interambulacral- 
tafeln niedriger und breiter sind, die Stachelwarzen (mit Ausnahme 
der äussersten) in dg,s Centrum der Asseln rücken -^ während sie 
bei Phymosoma radiatum dem Seitenrande näher stehen — so dass 
die Felder hierdurch Raum für ein seitliches Granula -Band er- 
halten. — Endlich scheinen die Gehäuse der jüngeren Art durch- 
schnittlich etwas grösser zu sein (27™™), das Peristom aber einen 
kleineren Durchmesser zu haben und weniger eingesenkt zu sein. 

Durch CoTTEAU sind verschiedentlich abweichende Gehäuse 
als Varietäten zu Phymosoma radiatum gestellt worden und dem 
Anscheine nach in Folge dessen die Art sowohl aus Turon wie 
aus Senon aufgeführt worden. Möglicher Weise könnten die 
Gehäuse, aus der Kreide mit Belemnitella mucronata von Meudon, 
welche Cotteäu zu der Varietät »peu granuleuse« stellt, unserer 
Art angehören; vielleicht auch die Vorkommnisse von Rügen, die 



') Vorgl. auch die Abbildungen bei Wuigut 1. e. tab. 29, tig. 2: Cotteau 1. c. 
tab. 1 148, flg. 4, flg. ü. 



I. Diadematidae. 25 

DesorI) Phymosoma Heberti nannte und Cotteau unter die Syno- 
nyma von Phymosoma radiatum stellte. Wäre dies nachweisbar, 
so hätte unsere Art die Bezeichnung Phymosoma Heherti zu tragen, 
allein Desor charakterisirt dieselbe unzureichend so: »Petite espece 
aplatie. Point de tubercules secondaires. Zone miliaire tres etroite, 
reduite ä deux petits filets perles. Pores non dedoubles«, und es 
dürfte sowohl weder das »petite« noch das »aplatie« auf unsere Art 
Anwendung finden können. Alle Exemplare wegen der Dünne der 
Schale verdrückt. 

Vorkommen. Die Art fand sich im Kreidemergel mit 
Belemnitella mucronatu bei Ahlten. Vielleicht auch im westfälischen 
Kreidebecken ■^). 



Phymosoma maeandrinum, Schlüter. 

Taf. 3, Fig. 6 — 10. 

Phymosoma maeandrinum, Schi.ütee, Sitz. d. niederrhein. Gesellsoh. für Natur- 
und Heilkunde in Bonn, 7. Nov. 1881. 
Maasse: 

Durchmesser des Gehäuses 40""™ 

Höhe des Gehäuses 20 » 

Durchmesser des Peristoms 15 » 

Breite der Ambulucralfelder ;- . 10 » 

Breite der Interambulacralfelder 15 » 

Zahl der ambulacralen Stachelwarzen in einer 

Eeihe 9 — 10 

Zahl der interambulacralen Stachelwarzen in einer 

Reihe 9 — 10. 

Gehäuse gross, kreisförmig, die Höhe gleich dem halben 
Durchmesser; Ober- und Unterseite ziemlich gleichmässig , wenig 
gewölbt, fast plan. 

*) Desor, Syn. Eohin. foss. pag. 450. 

^) Die ungünstige Erhaltung der bis jetzt vorliegenden Stücke selbst lässt 
keinen genauen Vergleich zu. Ein Theil der Gehäuse schliesst sich an Phymosoma 
spatulifermn Forb. (Wright 1. o. pag. 141, tab. 28) an. 



26 I- Diadematidae. 

Die Porengänge, stark wellig gebogen, besonders auf der 
Oberseite und am Umfange, werden gebildet von einfachen Poren- 
paaren, welche in der nächsten Nähe der Scheitellücke undeutlich 
werden, am Umfange weiter auseinandertreten als auf der Ober- 
und Unterseite, so dass hier mammelonirte Tuberkeln zwischen 
ihnen Platz finden. An den Mundlippen bilden dieselben noch 
2 oder 3 kurze, schräge Reihen. Die Poren sind klein, gerundet^ 
Auf den grösseren Asseln werden dieselben durch ein Granul ge- 
trennt. 

Die Ambulacralfelder, zugespitzt und schmal an der 
Scheitellücke, nehmen langsam an Breite zu bis an den Umfang 
des Gehäuses und verengen sich dann bis zur Mundlippe um die 
Hälfte. Sie tragen zwei Reihen kräftiger, crenelirter, aber nicht 
durchbohrter Stachelwarzen, welche vom Umfange des Gehäuses 
gegen die Pole hin ziemlich rasch an Grösse abnehmen. In jeder 
Reihe 9 oder 1 0. Die stark wellige Vertikalnaht wird von spar- 
samen Granulen begleitet, dagegen ^lird der auf der Oberseite 
und am Umfange des Gehäuses breite horizontale Zwischenraum 
zwischen den kreisförmigen Warzenhöfen, von denen die grössten 
seitlich gestrahlt sind, durch zahlreiche, zum Theil mammelonirte 
Granulen ausgefüllt,- welche sich mehr oder minder regelmässig 
auf den zwischen je zwei grossen Ambulacraltafeln einschiebenden 
und bis zur Mittelnaht reichenden Porentafeln, deren Zahl 1 bis 4 
beträgt, ordnen. 

Die Interambnlacralfelder, um die Hälfte breiter als die 
Ambulacralfelder, sind wie diese mit zwei Reihen grosser Stacliel- 
warzen versehen, von dersellien Beschaifenheit wie die ambula- 
cralen, jedoch um ein weniges grösser, insbesondere in der Nähe 
des Scheitels. Secundärtuberkeln fast gleich Null, nur auf der 
Unterseite des Gehäuses jederseits der Felder eine nicht ganz regel- 
mässige Reihe sehr kleiner Wärzchen. Die nicht eingesenkten 
Warzenhöfe sind ringsum von Granulen, von denen einzelne mam- 
melonirt sind, umgeben. Auf der Unterseite finden sich dieselben 
sparsamer und auf der Oberseite lassen sie die mittlere Partie der 
Felder frei und ist dieselbe in der Nähe des Scheitels etwas ein- 



I. Diadematidae. 27 

Peristom von mittlerer Grösse, kaum sichtbar eingesenkt. 
Kiemeneinschnitte schwach, mit wenig aufgeworfenem Rande. 
Ambuiacrallippen ein wenig schmaler als die Interambulacral- 
lippen. 

Die Scheitellücke des ausgefallenen Scheitelschildes nicht 
gros's, deutlich fünfseitig. 

Bemerk. Unser Echinide erinnert in manchen Beziehungen, 
z. B. den am Scheitel zugespitzten Ambulacralfeldern, den ein- 
fachen welligen Porengängen an Leiosoma Tournoueri'^) aus dem 
Senon des südlichen Frankreich. Da jedoch die ungekerbten 
Stachelwarzen desselben die Zuweisung zur Gattung Leiosoma 
fordern, so ist ein weiterer Vergleich nicht erforderlich. 

Unter den Arten der Gattung Phymosoma besitzt keine in 
gleicher Weise gegen den Scheitel hin zugespitzte Ambulacral- 
felder. Einen ebenfalls stark welligen Verlauf der Porengänge 
zeigt z. B. Phymosoma Aquitanicum Gott. ^^ aus dem Neocora und 
Phymosoma costulatum Gott. •^) aus Turon , die jedoch oben gerad- 
linig werden und sich verdoppeln. Ein ähnliches Verhältniss der 
zwischen die grossen Ambulacraltafeln sich einschiebenden und bis 
zur Mittelnaht verlängernden Porentafeln zeigt Phymosoma pauci- 
tuberculatum Gras^) aus Neocom, sowie Phymosoma Batnense Gott. ^) 
aus Turon Afrikas, und zum Theil Phymosoma Delamarrei Desh. ß), 
ebenfalls aus Turon Nordafrikas ; allein alle zeigen im übrigen so 
viele Abweichungen, dass eine Verwechselung nicht zu befürchten 
steht. Unter den auch in Deutschland sich findenden, gut ge- 
kannten Arten möchte das kleine Gehäuse des Phymosoma radiatimi 
Sorign. aus turonem Pläner wohl am nächsten stehen ; indess unter- 
scheiden auch hier auf den ersten Blick das eingesenkte Peristom, 
die radiirten Warzenhöfe etc. 



') CoTTEAO, Pal. franQ. terr. cret. tom. VII, tab. 1187. 

2) CoTTEAu, I.e. tab. 1137. 

2) CoTTEAu, 1. c. tab. 1151. 

*) CoTTEAu, 1. c. tab. 1134. 

5) CoTTEAu, 1. c. tab. 1142. 

^) CoTTEAu, 1. c. tab. 1140. 



28 I- Diadematidae. 

Das nur in einem Exemplare voriiandene Phymosoma granu- 
losioin Goldf. aus der Maestricht- Kreide, dessen obere Hälfte un- 
bekannt ist, unterscheidet sich durch plötzlich aus leicht ovalen 
Warzenhöfen aufsteigende Warzenkegel und stärkere Entwickelung 
der vertikalen Granulabänder auf den Ambulacralfeldern, näheres 
Aneinandertreten der Warzenhöfe etc. 

Vorkommen. Das einzige bekannte Exemplar fand sich in 
der jüngsten senonen Kreide bei Kunraed, nordwestlich von Aachen, 
und befindet sich im Besitze des Herrn Mineralienhändlers Casimir 
UbaCHS in Maestricht. 



Phymosoma pentagonale , Jos. Müller sp. 

Goniophorm pentagonalis, Jos. Müller, Monogr. der Petrefacten der Aachener 
Kreideform. Supplementheft, 1859, pag. 6, tab. 7, fig. 3. 

Aus den Hörn- und Feuersteinen des Aachener Waldes nennt 
Joseph Müller einen Goniophorus pentagonalis, den er ledig- 
lich sveegen der winkligen Form des Petrefactes« zu Goniophorus 
stellt, womit er in der That gar nichts zu thun hat. Es kann 
sich hier wohl nur *im Phymosoma oder Pseudodiadema handeln. 
Da Müller ausdrücklich angiebt, die Warzen seien durchbohrt, 
so könnte es sich nur um Pseudodiadema handeln, allein in der 
Zeichnung ist nichts davon zu erkennen und in so jungen 
Schichten ist bis jetzt noch keine Pseudodiadema gefunden. Wäh- 
rend sich im Cenoman noch etwa 17 Arten finden, scheinen sie 
bereits im Turon mit nur noch 2 Arten zu erlöschen. Sonach 
steht vor der Hand zu vermuthen, dass die Angabe der Durch- 
bohrung auf irriger Beobachtung beruhe und die Stücke zur Gat- 
tung Phymoso7na gehören. 

In der Abbildung von Jos. Müller — die Vorkomumisse 
sind nur als Abguss des Inneren und Abdruck der Aussenseite 
bekannt — sind die Interambulacralf'elder wahrscheinlich so ent- 
standen, dass auf den inneren Abguss der Abdruck der Aussen- 
seite unmittelbar aufgezeichnet wurde, denn am Peristom ist die 
durch das Fehion der Schale entstandene Lücke mitgezeichnet 



I. Diadematidae. 29 

worden. Wie die wunderlichen Ambulacralfelder mit den 4 Reihen 
gedrängt stehender Warzen entstanden sind, ist weniger leicht zu 
sagen. Sollten hier nicht die kleinen, höckerförmigen Abgüsse 
der Ambulacralporen zu Missverständnissen Anlass gegeben haben? 
oder stellen die äusseren Reihen seitliche Secundärwarzen der 
Interambulacralfelder dar? 

Wie dem auch sei, immerhin verdienen diese Vorkommnisse 
des Aachener Waldes Aufmerksamkeit, um so mehr, da sie sich 
leicht charakterisiren durch ihre scharf fünfseitige Gestalt ^J, welche 
bei keiner anderen Art in senonen Schichten sich wieder findet. 

Mir liegt ein Exemplar von 43"" Durchmesser und 16"" 
Höhe vor. Die Porengänge sind in ihrem ganzen Verlaufe einfach, 
in der Nähe des Scheitels geradlinig, oder doch fast geradlinig, 
dagegen am Umfange und auf der Unterseite stark undulirt. Die 
Interambulacralfelder bestehen aus wenigstens je zwölf Paaren 
breiter Asseln, welche auf der Oberseite sehr niedrig, am Umfange 
des Gehäuses an Höhe zunehmen. Die Stachelwarzen standen 
nicht in der Mitte der Asseln, sondern etwas der Mittellinie der 
Felder genähert, wodurch es wahrscheinlich wird, dass (am Um- 
fange) sich seitlich Secundärwarzen befanden. 



Bei dem grossen Formenreichthum ist ein 

Rückblick 

auf die Verbreitung der Gattung Phymosoma'^) 

von Interesse. 

Ausser den vorstehend aus der Kreide Norddeutschlands näher 
besprochenen Arten der Gattung Phymosoma wurde von Goldfuss 



') Freilich birgt dieser Hornstein auch noch andere Arten. Vielleicht steckt 
darunter Phymosoma Corneti, von Co-rrEAu (Bull. soc. geol. 1874, pag. 117) aus 
der oberen Kreide Belgiens beschrieben. 

-) Aus der Jura -Formation scheinen bis jetzt erst 2 Arten beschrieben zu 
sein: Phymosoma supra coralUnum Cott. (Catal. raiss. des Echin. foss. de l'Aube), 
Etage Kimmeridgien ; Phymosoma Douvi/lei Cott. (Echin. nouv. ou peu oonnus, 
1875, pag. 180, tab. 25, fig. 1), Etage Corallien. 



30 I- Diadematidae. 

Phymosonia granulosum beschrieben und fanden sich die Stacheln 
von Phymosoma cf. spatuliferum im Emscher Mergel. Diese 16 Arten 
vertheilen sich wie folgt: 

Im Neocom: 

Phymosoma cf. Perroni Cott. 
» Hilsii Schlüt. 

Im Gault wurde noch keine Art beobachtet. 

Im Cenoman: 

Phymosoma Goldfiissi Schlüt. 

» cenomanense Cott. 

Im Turon : 

Phymosoma reguläre Ag. ? 

» quinquangulare Schlüt. 

» radiatum Sorig. 

Im Emscher: 

Phymosoma cf. spatuliferum Forb. i). 

Im Unter -Senon (Horizont des Inoceramus lobatus): 

Phymosoniß Gehrdenense Schlüt. 

» cf. niagnificwm Ag. 

Im Ober - Senon (Coeloptychien - Kreide und Maestricht- 
Schichten) : 

Phymosoma ornatissimum Ag. 

» pseudoradiatum Schlüt. 

» princeps Hag. 

» taeniatum Hag. 

» granulosum Goldf. 

» maeandrinum Schlüt. 

» pentagonale Müll. 

') Dixon's Geology of Sussex, 1850, pag. 340, tab. 24, fig. 20. [eh sammelte 
nur einige Stacheln von schwarzer Farbe mit ovalem Querschnitt, welotie nach 
oben hin sich mehr abplatten. Stiel glatt, Hais und King fein gestreift. Ivolilon- 
schacht bei Horst in Westfalen. 



I. Diadematidae. 31 

In anderen Kreideterritorieu ist die Verbreitung so: 

Aus der sächsisch - böhmischen Kreide nennt H. B. 
Geinitz 1) : 

Phymosoma granulosum Gldf. Aus Cenoman von Plauen 2). 
» cejiomanense Gott. Unterer Pläner von Plauen. 

» subcompressum Gott. (Stacheln) ibid. 

» radiatum Sorig. Türen - Pläner von Strehlen, 

Weinböhla, Hundorf. 

In der Kreide Belgiens nach den Untersuchungen vouGotteau^): 
PJiymosoma cenomanense Gott. Tourtia de Tournay. 

», corollare Ag. Graie de Nouvelles de Spiennes 

(Senon). 
» radiatum Sorig. Poudingue de la Malogne 

( Senon). 
» Corneti Gott. sp. n. ibid. 

Aus der Kreide Englands kennen wir durch WeiGht*): 
Phymosoma granulosum Goldf. Lower Ghalk. 
» radiatum Sorig. » » 

» corollare Klein. Upper Ghalk. 

» Koenigi Mant. » » 

» magnificum Agass. s » 

» Wetherelli Forb. » » . 

» spatuliferum Forb. » » 

Aus Frankreich kennen wir (an Gehäusen, von isolirten 
Stacheln abgesehen) durch Gotteaü^) 33 Arten: , 



■) H. B. Geinitz, das Eibthalgebirge in Sachsen. I, pag. 72, tab. 2, fig. 8. 

^) Nur ein fragment, welches vielleicht zu PJiym. Groldfussi gehört. 

^) CoTTEAU, Note sur les Echinides oretaces de la province du Hainaut. 
Societe geologique de France. Reunion extraordinaire a Mons (Belgiqiie) et 
ä Avesnes (Nord) 1874, pag. 110 — 132, tab. 19 u. 20. 

"*) Wright, A Monogr. of the British Echinodermata from the Cretaceous 
Formations. Palaeont. Society. I, pag. 128 — 144. 

^) Paleontologie frani;. terr. cret. tome VII, pag. 5S7 — 698. 



32 I. Diadem atidae. 

Aus Neocom: 4, 

Phymosoma Per?-oni Cott. 

3 paucitubercidatum Gras. 

» Loryi Gras. 

» Aquitanicum Cott. 

Aus Aptien: 1, 

Phymosoma Loryi Cott. 
Aus Albien keine. 
Aus Cenoman: 2, 

Phymosoma Cenomanense Gott. 

» Bargesi Cott. 

Aus Turon: 4, 

Phymosoma tenuistriatum Agass. 

» reguläre Agass. 

» d'Orbignyanum Cott. 

» radiatum Sorig. 

Aus Senon: 22, 

Phymosoma Ärchiaci Cott. 

» costulatum Cott. 

» " perfectum Agass. 

» Delaunayi Cott. 

» Bourgeoisi Cott. 

» microtuberculatum Cott. 

» magnißcum Agass. 

» Carantoniaiium Des. 

» Saemanni Coq. • 

» Girumnense Des. 

» rarituberculatum Cott. 

» pulchellum Cott. 

» Des Moulinsi Cott. 

» Ameliae Cott. 

» Raulini Cott. 

9 circinatum Agass. 

» corollare Agass. ■ 

» Tiara Agass. 



I. Diadematidae. 33 

Phymosoma Koenigi Mont. 
» granulosum G. 

» Bonissenti Cott. 

und Phymosoma pseudomagnificum Cott. i). 
Bloss als Stacheln sind bekannt: 

Phymosoma dimidiatum Ag. Cenoman. 
» suhcompressum Cott. » 

» subnudum Cott. Senon. 

» remus Cott. » 

» elongatum Cott. » 

Hierzu kommen noch fünf jüngst durch H. Abnaud aus dem 
südwestlichen Frankreich beschriebene Arten 2): 

Phymosoma minus, Arn. Dordonien inferieur et moyen. 
» propinquum, Arn. Dordonien inferieur. 

» Cotteaui, Arn. Campanien inferieur. 

» engolismense, Arn. Angoumien inferieur. 

» inßatum, Arn. Campanien infer. et moyen. 

Aus der Schweiz nach de LoRiOL^): 

Phymosoma nobile Des. Valangien ( Unter -Neocom). 
» Perroni Cott. Neocomien moyen. 

» Loryi Gras. Urgonien. 

Aus Algier nach Cotteau*) und Coqoand^): 
Aus Cenoman: 

Phymosoma Algirum Coq. 



1) CoTTEAu, Desoript. des Echin. de la Coloriie du Garumnien, Bull. soo. geol. 
tome 9, 1878, pag. 5.5, tab. 4, fig. 1 — 6. 

-) Ton denen ich erst nachtraglich durch die Güte des Verfassers Kunde 
erhielt. H. Aenaud, Etüde sur le genre Cijphosovia dans la craie du Sud-Ouest. 
Extr. des Actes de la Sooiete Linneenue de Bordeaux, tome XXXI, 2" lin. 187G, 
Bordeaux 1877. 

ä) DE Loriol: Echinologie Helvetique. üescription des Oursins fossiles de 
la Suisse. Deuxieme partie, Echinides de la periode Cretaoee. 1873, pag. 137 — 144. 

*) CoTTEAU, Paleont. frani;. 1. o. 

°) CoQUAND, Geologie et Paleont. de la region Sud de la province de Con- 
stantine. Mem. de la societ. d'Emulation de la Provence, Marseille, 1862, 
pag. 255 — 258 und pag. 328. 

3 



34 I- Diadematidae. 

Aus Turoii: 

Phymosoma Baylei Cott. 

» Coquandi Cott. 

» Delamarrei Desh. 

» Schluinbei'geri Cott. 

j> Batnense Cott. 

» niajus Coq. 

Aus Senon: 

Phymosoma Maresi Cott. 
» Aublini Cott. 

Während die letzte Arbeit Coquand'sI) vom Jahre 1880 keine 
Bereicherung der Gattung mehr gebracht hat, vermehrt das Werk 
von COTTEAU, Peeon et Gauthier'^) über die Echiniden Algiers 
(von vrelchem die betreffenden Hefte mir erst in dem Augenblicke 
zugehen, wo dieser Bogen in die Druckerei abgehen soll) unsere 
Kenntniss über das Vorkommen von Phymosoma in Nordafrica sehr 
erheblich. Es werden genannt: 

Aus Etage Turonien : 

Phymosoma majus Coq. 

'> Baylei Cott. 

f Coquandi Cott. 

» Schlumbergeri Cott. 

» Pistrinense Per. Gauth. 

» regale Per. Gauth. 

» Therestanense Per: Gauth. 



') Etudes siippU'inontaivos siir la Paleontolnoie Algorieune faisant suite ä la 

desoi'iptiori Gt'(ilngii|iic et l'aK' inlouiiiiK.' do la rri;ion Sud de la proviuce de Coii- 

stantinc par Coquanh. Extiaii iki liuUctin ilo lAcadiMuie d'llippone. Bone, 18S0. 

'^) Echinides foss. de l'Algerie. Desoription dos cspbces deja vecueillies dans 
ce pays et considerations sur leur position stratigrapliique par Coti-kau, Pkron 
et G-AUTHiKu. Bis jetzt 8 Fascikeln, Paris ISTf) — ^1881. Ansclieinend alles Separat- 
abziige aus: Bibliotlieque de l'ecole des bäiites etudes. Sectiou des soiences 
naturelles. • ■ 



I. Diaderaatidae. 35 

Phymosoma ambiguum Per. Gauth. 
» radiatum Sorig. 

Aus Etage Santonien: 

Phymosoma Delamarrei Desh. 
(= Batnense Gott.) 
j> Foukanense Per. Gauth. 

» Baylei Gott. 

(^= Pdeudod. Gauthieri Goq. 1880) 
» Maresi Gott. 

. s Aublini Gott. 

» Archiaci Ag. 

» suhasperum Per. Gauth. 

» rectilineatum Per. Gauth. 

» Tamarinense Per. Gauth. 

' » Mansour Per. Gauth. 

» Meslei Per. Gauth. 

» Mecied Per. Gauth. 

Aus Etage Gampanien : 

Phymosoma Maresi Gott. 

» Joudi Per. Gauth. 

Aus Etage Dordonien: 

Phymosoma Mahdid Per. Gauth. 
» solitarium Per. Gauth. 

» ÄaüZ Per. Gauth. 

» magnificum Per. Gauth. 

Aus Palaestiua nennt LartetI): 
Phymosoma Delamarrei Des. 
etc. etc. 



^) Exploration geologique de la mer morte de la Palestine et de L'IJumee, 
Paris 1876, pag. 156. 



36 I- Diadematidae. 

Gatt. Pseudodiadema, Desor 1856. 

Pseudodiadema rotulare, Agassiz 1836 i). 

Schon V. Strombeck •^) kannte die Art als seltenes Vorkommen 
im Hils von Berklingen und Gross- Vablberg und nennt auf Grund 
einer Bestimmung Desor's daneben auch das schwer davon unter- 
scheidbare : 



Pseudodiadema Bourgueti, Agassiz 1840^). 

Mir liegt nur ein Exemplar'*) von ungünstiger Erhaltung aus 
dem mittleren Hils von Achim bei Börssum vor. 
Daselbst fand sich auch: 



Pseudodiadema macrostoma, Agassiz, 

in einem Exemplare von 7,5'""' Durchmesser und S'"'" Höhe, welches 
von CoTTEAU und DE LoRiOL als jugendliches Gehäuse des Pseudo- 
diadema rotulare aufgöf'asst wird. 

Das vorliegende ungenügende Material gestattet kein eigenes 
Urtheil. Pseud. rotulare ist weit verbreitet im gesammten Neocom 
Frankreichs und der Schweiz, häufig jedoch nur im mittleren Neo- 
com zusammen mit Echinosputangus cordiforrnis. Wright^) nennt 
die Art auch aus dem Lower Greensand Englands, de Loriol 
bezweifelt aber die Richtigkeit der Bestimmung. — Pseud. Bour- 
gueti, findet sich auch in Fiankrcich und in der Schweiz zusammen 
mit Pseud. rotulare. 

') Vergl, CoTTEAU, Pal. tVaug. torr. crct. tomo 7, pag. 422, tab. 1097—1099; 
niä LoitioL, Ecliin. He.lv., Ech. cret. pag. 109, tab. G, fig. 4, 5. 

2) Jahrb. für Minoral. 1854, pag.. 650. 

■'■) CoTTiäAU, 1.0. pag. 415, tab. 1095—1097: i>k Lomoi,, .Eobin. Helv.. Kch. 
crot. pag. 107, tab. G, fig. 6, 7. — Vorgl. Nhumayk über J.unollu n. g. Zeitsohr. 
d. D. geol. Ges. 1881, Bd. 33, pag. 570. 

•') Durohracs.ser 21""", HöIk^ 10""". 

'■') WuiGHT, Creluccinii; Ec/iiiini/cniiii/a. Pal. soo. 18G4, pag. 87, tab. 14, fig. 3. 



T. Diadematidae. 37 

Psendodiadema Brongniarti, Agassiz. 

Tetrnyraniiiia Brongniarti^ Agassiz, Echin. Suisses, II, pag. 25, tab. 14, fig. 4 — 6. 
CoTTBAU, Pal. francj. jjag. 456, tab. 1104. 

Desor nennt die Art in seinen Additions et Corrections zur 
Synopsis des Echinides fossiles pag. 486 aus dem Flammenmergel 
von Neu- Wallmoden. Ich kenne nur ein Exemplar von dort; 
dasselbe, ein Steinkern, befindet sich im Besitze des Herrn Dr. 
Griepenkerl in Königslutter. 



Pseudodiadema temie, Agassiz 1840. 

Dieser Art gehören einige Fragmente von Essen an, welche 
auf ein Gehäuse von 13"™ Durchmesser hinvt^eisen. Die Höhe 
geringer als der halbe Durchmesser. Ober- uud Unterseite ziem- 
lich gleichmässig abgeplattet, letztere leicht coucav. Porengänge 
undeutlich, gebildet von einfachen Porenpaaren, welche nur an der 
Mundlippe etwas auseinandertreten, indem sich hier zwei schräge 
Reihen von je zwei Paaren zeigen. Die Suturen der Porentäfel- 
chen bilden kleine, den Warzenkegel berührende Furchen, welche 
der Aussenseite der grössern Ambulacraltafeln ein gestrahltes Aus- 
sehen verleihen, ein Umstand, der bei Pseudodiadema ungewöhnlich, 
' bei Acrocidaris immer und bei Phyinosoma bisweilen beobachtet wird. 

Die Ambulacr alfelder tragen zwei Reihen durchbohrte und 
crenelirte Stachelwarzen, etwa zehn in jeder Reihe, welche sich in 
der Nähe des Peristoms und Periprocts sehr verkleinern. Die Gra- 
nulen bilden eine gebrochene Vertikalreihe zwischen den Stachel- 
warzen und begleiten die horizontalen Nähte der Ambulacraltafeln 
bisweilen in mehrfacher Reihe. 

Die Interambulacralfelder fuhren ebenfalls' zwei Reihen 
Stachelwarzen, 10 — 11 in jeder Reihe. Die beiden Reihen nehmen 
ein Band von Granulen, welches die Scheitellücke nicht erreicht, 
zwischen sich. Die Warzenhöfchen pflegen sich zu berühren. 
Secundärtuberkeln sind schwach entwickelt und treten vom Um- 
fange her nicht auf die Oberseite über. 



38 I- Diadematidae. 

Peristom etwas eingesenkt. Kiemeneinschnitte breit, aber 
nicht tief. 

Bemerkung. Die Art wurde 1840 durch AgassizI) als Dia- 
dema tenue aufgestellt, von Desor^) 1856 zu Pseudodiadema ge- 
bracht, zum ersten Male durch CoTTEAU^) 1859 in einem kleinen 
Exemplare abgebildet und eingehend beschrieben, worauf dann noch 
weitere Darstellungen folgten*). Ob das, was Ad. Römer aus dem 
Pläner von Sehlde als Diadema tenue aufführt, hierher gehört, ist 
sehr zweifelhaft. 

Vorkommen. Die Art gehört sowohl in Frankreich wie 
in der Schweiz dem Cenoman an. Die vorliegenden Exemplare 
habe ich in der Tourtia von Essen gesammelt. 

Pseudodiadema variolare, Brongniart 1822. 

Die vorliegenden Exemj)lare erreichen eine Grösse bis zu 
39"™ Durchmesser bei 15""" Höhe. Die Erhaltungsart lässt nicht 
alle Einzelheiten erkennen, dennoch dürfte die Bestimmung keinem 
Zweifel unterliegen. Deutlich erkennt man auf den luterambula- 
craifeldern die vier Reihen grosser und crenelirter Stachelwarzen, 
von denen nur die inneren bis an die Scheitellücke herantreten. 
Ausserdem noch kleinere Secundärtuberkeln. Die Porengänge in 
der Nähe des Scheitels bigemin. Peristom kaum eingesenkt. Kiemen- 
einschnitte fast unsichtbar. Lücke des ausgefallenen Scheitelschildes 
gross, deutlich fünfseitig. 

Bemerkung. Entsprechend dem häufigen Vorkommen ist die 
Art oft genannt und abgebildet, so von Brongniart*), Gras 6), 

COTTEAU''), WrIGHT^), QuENSTEDT^). 

') Cat. syst. Eotyp. foss. Mus. neocom. pag. 8. 
^) Synop. des EoLin. foss. pag. 72. 

ä) CoTTKAu etTKiGEK, Echin. du dep. de laSarthe pag. 137, tab. 25, fig. 10 — 13. 
*) CoTXEAU, Pal. tranf. teiT. cret. tome 7, pag. 47, tab. 1113, fig. 1 — 11, und 
DE LouioL, Echin. Ilelvet., Eohin. cret pag. 123, tab. 7, fig. 7. 

^) BnoNGNiART, Geog.'phys. des env. de Paris, 1 822, pag. 84, pag. 390, tab. 5, fig. 9. 
'■') A. Gh.\s, Oursins foss. de Flsere 1848, pag. 33, tab. 2, fig. Ifj — 18. 
') CoTTUAu, Pal. frani;., terr. ovet. tome 7, pag. 488, tab. 1117—1120. 
") Wbight, Brit. foss., ]<)chinod. cretac, iorni., 18(58, pag. 107, tab. 17, 18. 
") QuENSTEDT, Petrefactonkunds üsutschl., Eohin. 1875, pag,321, tab.72, fig. 70. 



T. Diadematidae. 39 

Die Art wurde durch Brongniart als Cidarites variolaris 
aufgestellt. Agassiz und Desoe i) trennten davon zwei Varietäten 
als Diadema subnudum und Diadema Roissyi, welche beide mit 
der Hauptart später von Dbsor^) zu der inzwischen wohl allgemein 
aufgegebenen Gattung Diplopodia gestellt wurden. Was Goldfuss^) 
als Cidarites variolaris Brong. aus der Mucronatenkreide von Coes- 
feld abbildet, ist sehr verschieden, wurde durch Desor*) irrig zu 
Phymosoma Koenigi gestellt und ist in dieser Abhandlung als 
Fhytnosoma ornatissimum Ag. aufgeführt worden. Verwandt ist 
Pseud. Brongniarti Des. aus dem oberen Gault. Die Beziehungen 
hat CoTTEAU^) erörtert. Ebenso ist Pseud. Marticense Gott. 6) aus 
dem Turon nur verschieden durch mehr fünfseitigen Umriss, mehr 
eingedrückte Gestalt, nicht eingesenktes Peristom etc. 

Vorkommen. Die Art gehört überall dem Cenoman an. 
Aus Deutschland nennt sie A. Römer ^) fraglich aus der Tourtia^). 
Dagegen wird Tetragramma depressum A. Rom. ^) aus dem un- 
teren Pläner von Rethen von unserer Art nicht verschieden sein. 
V. Strombeck 1") führt sie aus dem subhercynischen Varians- 
Pläner mit Diplopodia Roissyi Ag. an. 

Mir liegen 4 Exemplare aus dem cenomanen Pläner von Salz- 
gitter vor und 1 Exemplar var. aus der Tourtia von Essen. 



') Agassiz et Desor, Cat. raiss. des Echin. Ann. sc. nat. 3. ser. 1846, pag. 350; 
abgebildet bei Cotteau und Trigek. Echin. de la Sarthe 18Ö9, pag. 144, pag. 363, 
tab. 34, fig. 1 — 3, tab. 61, fig. 1—2. 

^) Desok, Syn. des Echin. foss. 185G, pag. 78. 

ä) GoLDFuss, Petref. Germ., I, pag. 133, tab. 40, fig. 9. 

■*) Desor, Syn. Echin. foss. pag. 86. 

^) Cotteau, Pal. franp. 1. c. pag. 459. 

5) Cotteau, ibid. pag. 607, tab. 1122. 

') A. Römer, Verst. d. nordd. Kreidegeb. pag. 29. 

^) Wahrscheinlich var. subnudum. 

^) = Pseudodiadema R'ömeri, Des. Syn. Echin. foss. pag. 74. 

'») N. Jahrb. für Min. 1857, pag. 785. 



40 I- Diadematidae. 

Pseudodiadema Michelini, Agassiz 1840. 

Diadema Michelini, Agas?iz, Cat. syst. Ectyp. Mus. neoc. 1840, pag. 8. 

Mit dem vorhin genannten Pseudodiadema, variolare theilt eine 
zweite Art dasselbe Lager, welciie sich durch geringere Grösse, 
höhere Gestalt, eingesenktes Periproct, einfache, am Scheitel nicht 
verdoppelte Porengänge und nur zwei Reihen grosser Interambula- 
craltuberkeln, neben welchen seitlich am Umfange und der Unter- 
seite sich kleinere Secundärtuberkeln finden, — - leicht unterscheidet. 

Die Erhaltungsart der vorliegenden Exemplare gestattet keinen 
näheren Vergleich mit den beiden verwandten Arten: Pseudodia- 
dema ornatum Goldf. sp. bei Cotteau etc. i) und Pseudodiadema 
pseudoornatum Gott. 2), welche ebenfalls, jedoch selten, im Cenoman 
gefunden sind. 

Cotteau '') zieht als synonym zu der Art das von ihm früher ■i) 
aufgestellte Pseudodiadema pulchellum, sowie Diadema ßenettiae, 
welches jedoch von Weight^) aufrecht erhalten wird. 

Vorkommen. Die Art gehört überall dem Cenoman an. 
Schon V. Strombeck 6) nannte sie aus dem subhercynischen Va- 
rians-Pläner. Aus Deutschland liegt sie vor aus dem cenomanen 
Pläner von Rethen, Lrangelsheim und Salzgitter. 



1) Cotteau, Pal. frang. terr. cret. tome VII, pag. 480, tab. 1115. Es darf 
hier nicht unerwähnt bleiben, dass Cidarites ornatui Goldf. von allen folgenden 
Schriftstellern falsch aufgefasst wui'de. Zunächst stammt das Stück nicht, wie 
meist angenommen wird, aus der Tourtia von Essen, da das ausfüllende Gestein 
ein weisslicher Kalkniergel ist, wie er sowohl im Pläner, wie im weissen Jura 
angetroffen wird. Dann ist das Periproct gross mit deuthchen Kiemeneinsclmitteii 
und nicht im mindesten eingesenkt. Da auch d^e Porengänge sich am Scheitel 
verdoppeln, wie Goldfuss selbst angiebt, und am Peristom zu kurzen, schrägen 
Reihen ordnen, so ist das, was die französischen und englischen Schriftsteller 
Cotteau, Wbight etc. mit dem GoLDPUss'schen Namen bezeichnen, völlig ver- 
schieden, und muss neu benannt werden. 

^) Cotteau, ibid. pag. 486, tab. lllti, fig. 5 — 15. 

ä) Cotteau, ibid. pag. 476, tab. 1114. 

■*) Cotteau, Echin. nouveaux ou pou counus, 1858 (Revue et magasin de 
Zool.) ; I. part., pag. 3. 

S) Wright, 1. c. pag. 101, tab. 121. 

^) N. Jahrb. für Min., 1857, pag. 785. 



I. Diadematidae. 41 

Rückblick. 

Pseudodiadema fand sich in Deutschland wie folgt: 
Im Neocom : 

Pseudodiadema rotulare Ag. 

» Bourgueti Ag. 

» macrostoma Ag. 

Im oberen Gault (Flammenmergel): 

Pseudodiadetna Brongniarti Ag. 

Im Cenoman: 

Pseudodiadema tenue Ag. 

» variolare Brong. 

» var. subnudum Mich. 

» Michelini Ag. 

In den zunächst benachbarten Kreideterritorien Sachsen, 
Böhmen und Belgien hat sich bisher nur 1 Art der Gattung ge- 
funden, nämlich: 

Pseudodiadema variolare Brong. 
Die Pal. franr;. nennt aus Frankreich folgende Arten: 
Neoc. inf. (Valangienne): 

Pseudodiadema Grast Des. 

» Gioirandi Cott. 

» Bourgueti Des. 

» rotulare Des. 

» Picteti Des. 

s floriferuni Cott. 

Neoc. moyen: 

Pseudodiadema Bourgueti Des. 

» rotulare Des. 

» Jaccardi Cott. 

» Autissiodorense Cott. 

» Picteti Cott. 

» incertum Lor, 



42 I- Diadematidae. 

Neoc. sup. (Urgonienne): 

Pseudodiadema rotulure Des. 

» Jaccardi Cott. 

» Picteti Cott. 

» Raulini Cott. 

Aptien : 

Pseudodiadema Picteti Cott. 

» dubium Cott. 

» Carihusianum Des. 

j Malbosi Cott. 

» Trigeri Cott. 

s Renevieri Cott. 

» Dupini Cott. 

Albien : 

Pseudodiadema Brongniarti Des. 

» Rhodani Des. 

» Blancheti Des. 

Cenoman : 

Pseudodiadema Blancheti Des. 

» Normanniae Cott. 

» macropiigus Cott. 

s Michelini Des. 

» ornatum Des. 

» annulare Des. 

» pseudoornatuxn Cott. 

» variolare Cott. 

» Verneuili Cott. 

» Guerangeri Cott. 

» Deshayesi Cott. 

» elegantulum Cott. 

» Marticense Cott. 

» Maresi Cott. 

» 'piniforme Cott. 



I. üiadematidae. 43 

Turon : 

Pseudodiadenia variolare Cott. 

» elegantulum Cott. 

In England sind bekannt nach Wright: 

Pseudodiadenia rotulare Ag. Lower Greensand. 

j> Fittoni Wr. s » 

5 Malbosi Ag. » » 

» Wiltshirei Ag. Gault. 

s Michelini Ag. Upper Greensand. 

» Rhodani Ag. 

» Benettiae Forb. 

j ornatum Goldf. Gray Chalk. 

» Normanniae Cott. » » 

s variolare ßrong. Upper Greensand. 

» Brongniarti Ag. Gray Chalk. 

In Algier sind bekannt nach Cotteau, Peron und Gauthier: 
Pdeudodiadema Anouelense Gauth. Neoc. 
» Malbosi Cott. Aptien. 

» porosum Gauth. » 

» pastillus Gauth. » 

s variolare Cott. Albien. 

j variolare ? Cenoman. 

» Algirum Per. Gauth. » 

» macilentwm Per. Gauth. » 

» margaritatum Per. Gauth. s 



Gatt. Orthopsis, Cotteau 1863. 

Vertreter der Gattung Orthopsis sind bisher aus dem nörd- 
lichen Deutschland noch nicht mit Sicherheit bekannt geworden. 
Ein einzelnes, aus dem cenomanen Pläner von Langeisheim vor- 
liegendes Exemplar scheint auf die Gattung hinzuweisen; da aber 



44 I- Diadematidae. 

der ungünstigen Erhaltung wegen über Durchbohrung oder Crene- 
lirung der Stachelwarzen nichts festzustellen ist, so ist eine sichere 
Bestimmung unthunlich. 
Das Stück steht der 



Orthopsis gramilaris, Cotteaü, 

Pal. franp. pag. 554, tab. 1130, 
nahe, aber die Secundärtuberkeln sind weniger entwickelt. 



Gatt. Echinocyphus, Cotteaü 1860. 
Echiiiocyphus difflcilis, Agassiz 1840. 

Cyphosoma difficiUs. Agassiz, Catal. syst. Ectyp. Mus. neoo. 1840, pag. 12. 

CoTTEATji), der Begründer der Gattung, nennt zwei Arten 
aus dem Cenoman Echinocyjjlius difficiUs Ag. und Echinoc. rotatus 
Forb. 2) sp. und ausserdem aus dem Turon noch eine dritte Art, 
welche den Ausgangspunkt der Gattung bildete'^), der später 
Weigi-it noch eine neue Art zugefügt hat. Echinoc. rotatus soll 
sich insbesondere dadurch von Echinoc. diffi.cüis unterscheiden, dass 
bei ersterer die eine der beiden ambulacralen Warzenreihen sich 
auf Kosten der anderen vergrössert, so dass die zweite mehr oder 
minder verschwindet. Wright*) will hierin kein Artmerkmal, 
sondern nur eine Missbildung erkennen. Das mir vorliegende 
Material gestattet kein genügendes Urtheil über die Selbstständig- 
keit der beiden Arten, aber jedenfalls fällt es auf, dass sämmtliche 
aus dem cenomanen Plan er vorliegenden 6 Gehäuse diese »Miss- 
bildung« zeigen und von 5 in der Tourtia gesammelten Stücken 



') CoTTKAU, Pal. franv, torr. cröt. tomeVll, pag. 708, 711, tab. 1174, 1175. 

-) FoHBKS, in Morris, Catal. of Brifc. foss. s,v. Edit. 1854, pag. 77. 

•') Vorgl. EcMnocypItvs tenuistriatiis (=^ (f/i/ji/itiriiji/niti tenuistriaius Des. Syii. 

Kch'm. foss. pag. 103). Cottkau ot TiiKinu, Ecliiii. do la Sartbo pag. 226,- pag. 402. 

■') Wkight, Bi-it. foss. EclÜBod. cretao. Form. 1864, pag. 117, tab. 22, fig. 1—2, 



I. Diadematidae. 45 

ein Gehäuse dieselbe erkennen lässt. Weiter kann nur noch 
hinzugefügt werden, dass sämmtliche »missgebildeten« Stücke ein 
eingesenktes Periproct besitzen, während die Exemplare mit zwei 
ausgebildeten Reihen von Ambulacraltuberkeln eine völlig plane 
Basis zeigen. Wenn dieses nicht eine zufällige Erscheinung ist, 
sondern sich allgemein bestätigt, so dürfte ein Merkmal mehr ge- 
funden sein, jene beiden Formen auseinanderzuhalten. Die Grösse 
der vorliegenden Gehäuse schwankt zwischen 
9,5 und 17"" Durchmesser, 
4,5 und 7"" Höhe. 

Die zuletzt angegebene Höhe des grössten Gehäuses ist wahr- 
scheinlich durch Druck vermindert. 

Echinocyphus radiatus Honig, bei Goldfuss, tab. 40, fig. 13, 
pag. 124 von Essen, wovon das Original sich im Museum zu Bonn 
nicht befindet, ist von Agassiz etc. wahrscheinlich irrig gedeutet 
(Glyphociiphus) und stellt wahrscheinlicher unsere Art dar. 

Vorkommen. Die Art gehört überall dem Cenoman an. 
Ich sammelte 5 Exemplare in der Tourtia von Essen. Ausserdem 
liegen 6 Exemplare aus dem cenomanen Pläner der Umgegend von 
Salzgitter vor , von denen 2 in der geologischen Landesanstalt in 
Berlin, die übrigen in meiner Sammlung. 



Echinocyphus mespilia, Woodward sp. 1856. 

Cijpliosoma mespilia, Woodwaed, App. Decade V. Mem. of the geol. Survey of 
tlie United Kingdom, London 1856, pag. 3. 

Die Beschreibung, welche Wood ward liefert und Wright^) 
reproducirt, begleitet von der Abbildung des einzigen ihm be- 
kannten, im British Museum befindlichen Exemplares, stimmt, ein- 
begrifien die Grösse des Gehäuses, völlig überein mit einem von 
Graes vorliegenden Stücke, soweit die etwas abgerollte Oberfläche 
einen Vergleich gestattet. 

Durchmesser 9,5"", Höhe 6"". 



') Brit. foss. Eohinodermata from the cretaoeous Formations 1868, pag. 119, 
tab. 22, fig. 3. 



46 I- Diadematidae. 

Gehäuse klein, zusammengedrückt kugelig; Mund- und 
Scheitellücke fast von gleicher Grösse. 

Ambulacralfelder schmal, etwa halb so breit wie die Inter- 
ambulacralfelder, nur mit einer Reihe grosser crenelirter, aber 
nicht durchbohrter Stachelwarzen besetzt, die zweite Reihe ver- 
kümmert. 

Porengänge fast geradlinig, in ihrer ganzen Erstreckung von 
einfachen, sehr entfernt stehenden und sehr schräg gestellten Poren- 
paaren gebildet. 

Interambulacralf eider mit zwei Reihen crenelirter, nicht 
durchbohrter Stachelwarzen, etwa 7 in jeder Reihe. Asseln fast so 
hoch wie breit, die horizontalen Nähte leicht eingedrückt. Die den 
Warzenhof umgebenden Granulen verlängert, wodurch die Täfelchen 
wie radiirt erscheinen. Keine Secundärtuberkeln. 

Ein zweites, etwas verdrücktes, sonst in seinen Charakteren 
nicht abweichendes Exemplar liegt vor aus dem rothen subhercy- 
nischen Pläner. 

Ein Gehäuse von Wattenscheit i) von fünfseitig gerundetem 
Umriss, dessen Oberseite etwas mehr gewölbt als die Unterseite, 
ist von guter Erhaltung. Die beiden Warzenreihen der Ambula- 
cralfelder deutlicher -entwickelt 2), die Poorenpaare durch Wälle 
getrennt, vertieft, was an den ersten Stücken wohl der Erhaltung 
wegen weniger deutlich. Desgleichen dürfte es an der besseren 
Erhaltungsart liegen, dass zwischen den interambulacralen Warzen- 
reihen am Umfange und höher die Granulen gehäufter erscheinen. 
Die Asseln sind sonst von der gleichen fast quadratischen Gestalt 
und radiirt; die Porenpaare sehr entfernt stehend und schräg ge- 
stellt, so dass nicht etwa ein kleines Exemplar von Echinocyphus 
cKfficilis vorliegt. 

Vorkommen. Das englische Exemplar wurde im Lower 
Chalk gefunden in Gesellschaft von Ci/phosoma simplex Fori). •'') 
und Salenia granulosa Forb. In Deutschland ist das Lager über- 



') Nur von ü'"™ Durchmesser und 3,3™'" Höhe. 

-) Und ihre Zahl dem Anscheine nach etwas grösser als sonst. 

') = Pliymosoma radiaium Sorig. 



I. Diadematidae. 47 

einstimmend der untere turone Pläner. Bei Graes unweit Ahaus 
in Westfalen liegt die Art ebenfalls zusammen mit Salenia granu- 
losa und Phymosoma radiatum'^'). Von dort ein Exemplar im Mu- 
seum der Universität zu Berlin und ein Stück in meiner Sammlung. 

Ein Exemplar aus dem rothen Pläner des Ringelberges bei 
Salzgitter in meiner Sammlung. 

Das kleine Exemplar von Wattenscheit wurde ebenfalls im 
unteren turonen Pläner gefunden. Ob daselbst neben Schichten 
mit Inoceramus labiatus auch Bi'ongniarti-VlhneT ansteht, ist noch 
nicht festgestellt. 



Echinocyphus tenuistriatiis, Desor sp. 1856. 

Glyphocyphus tenuistriatus, Dbsor, Synopsis des Eohinides foss. pag. 103, exol. syn. 

Das kleinste und grösste vorliegende Gehäuse messen 
4,5 — 8™'" Durchmesser, 
2_4^5mm Höhe. 

Das kleine Gehäuse kreisförmig oder fünfseitig gerundet, 
Oberseite leicht gewölbt, Rand gebläht, Unterseite plan. 

Porengänge in ihrem ganzen Verlaufe einfach, gerade, ge- 
bildet von schräggestellten Porenpaaren. 

Die Ambulacralfelder tragen zwei Reihen Stachel warzen, 
welche seitlich gerückt einen von Granuleu bedeckten, ziemlich 
weiten Raum zwischen sich nehmen. 

Auch die Interambulacralfelder — welche im Gegen- 
satze zu den schon besprochenen Arten insbesondere am Umfange 
und der Unterseite niedrige, aber breite Asseln zeigen — führen 
ebenfalls zwei Reihen auf der Tafelmitte stehender Stachelwarzen, 
n — 12 in jeder Reihe der grossen Exemplare. Sämmtliche Stachel- 
warzen sind klein, fein crenelirt, aber nicht durchbohrt, und von 
sehr engen Warzeuhöfen, welche an der Oberseite der Tafeln 
durch eine Granulen- Reihe, an der Unterseite durch eine Sutural- 
furche getrennt werden, umgeben. Eine Radiirung ist nicht wohl 

1) Diese selten. 



48 I- Diadematidae. 

wahrnehmbar. Die Mitte der Felder zeigt eine schwache, vertikale 
Furche, welche sich mit den horizontalen verbindet. Secundär- 
tuberkeln fehlen, doch bemerkt man an der Unterseite einige 
mammelonirte Granulen. Die Granulen finden sich an der Ober- 
seite sparsamer als weiter unten. Das runde Peristom hat an den 
grössten Exemplaren einen Durchmesser von 3™™ und ist nicht 
eingesenkt. An einem Exemplare ist ein Theil des ringförmigen 
Scheitelschildes erhalten, aus welchem die grosse Madreporenplatte 
buckeiförmig hervorragt. 

Bemerkung. Wenn Cotteau angiebt: »Peristome s'ouvrant 
dans une depression du test«, so möchte das vielleicht mit der 
beträchtlicheren Grösse der französischen Exemplare zusammen- 
hängen. Ueberhaupt wird man in der Gattungsdiagnose das 
»Assez fortement concave en dessous')« und jvery concave at the 
base^)«, da auch die Exemplare von Echinocyphus difficilis keine 
Vertiefung der Unterseite zeigen und von Echinocyphus mespilia 
Woodward und Weight selbst angeben: »Convex above and 
below«, streichen müssen. Die Art wurde von Desor 1. c. wegen 
der Suturaldepressionen zur Gattung Glyphocyphus gestellt, und, 
wie schon Cotteau bemerkte, irrigerweise Phymosoma tenuistriatus 
Agass. zugezogen. GotteaU"') trennte dann die Art wegen der nicht 
durchbohrten Stachelwarzen ab und errichtete für sie die Gattung 
Echinocyphus, die durch vortreffliche Abbildungen erläutert wurde 
und später in der Paleontologie franpaise'*) zur abermaligen Dar- 
stellung gelangte. 

Vorkommen. In Frankreich fand sich die Art als Selten- 
heit im Unter- Turon'^) des Sarthe - Departements. In Deutschland 
sammelte ich 3 Exemplare im Grünsande von Speidorf zwisclien 
Duisburg und Mülheim a. d. Ruhr. 

') CoTTiäAu, pag. 707. 

^) WllIGHT, pilg. 116. 

^) CoTTUAU, Echin. du di'pai'loiucnt dß la Sarllie ISGO, jing. '2i'G, pag. 402, 
tab. SÜ'-', flg. 3 — ü. 

■•) Ten-, ci'et. tmiic VII, pag. 7M, tab. Il7ü, lig. 5— 10. 
^) Zone der 'l'ciX'Oratiilti Oiriinldiu'iisis. 



T. Diadeiiiatidae. 49 

Ecliiiiocyplius pisum sp. n. 

Ecliinopsis pusilta, Ad. Römer, Verst. d. nordd. Ki'eidegeb., 1841, pag. 30, tab. 6, 
fig. 10. 

Durchmesser der vorliegenden Gehäuse 6 — 7,2™™, 
Höhe 4—5'"™. 

Gehäuse sehr klein, kreisförmig, Oberseite stark gewölbt. 
Rand gebläht. Unterseite plan. 

Porengänge gerade, nur am Umfange sehr schwach undulirt, 
gebildet von einfachen, gedrängt stehenden Porenpaaren, welche so 
schräg gestellt sind, dass die Poren fast senkrecht übereinander 
stehen. 

Die Ambulacralfelder, etwa halb so breit wie die Inter- 
ambulacralfelder, sind besetzt mit zwei Reihen nicht durchbohrter, 
aber crenelirter kleiner Stachelwarzen. Dieselben stehen seitlich 
den Porengängen sehr genähert, sind auf der Unterseite und am 
Umfange grösser und einander sehr nahe gerückt, treten auf der 
Oberseite weiter auseinander und verlieren damit zugleich an Vo- 
lumen. Etwa 11 in jeder Reihe: ihr Warzenhof fast gleich Null. 
Der breite Zwischenraum zwischen beiden Warzenreihen ist völlig 
besetzt von gedrängt stehenden Granulen, welche auch in die 
Reihen selbst hineintreten. 

Die Interambulacralfelder tragen ebenfalls zwei Reihen 
Stachelwarzen von derselben Beschaffenheit und demselben Ver- 
halten wie die Ambulacralen. Sie stehen auf der Mitte der Asseln 
und bilden auf der ganzen Oberseite zwei parallele Reihen, indem 
sie in der Nähe des Scheitels etwas seitlich rücken; auf der Unter- 
seite aber treten beide Reihen am Peristom bis zur Berührung 
nahe zusammen. In jeder Reihe 13. Secundärtuberkeln sind nicht 
vorhanden. 

Auch die Interambulacralfelder sind dicht besetzt mit Gra- 
nulen; doch zeigen ein oder zwei besser erhaltene Stücke in der 
Mittellinie auf der Oberseite einen granulenfreien Raum, wodurch 
jene vertieft erscheint. Nahtimpressionen im allgemeinen schwer 
wahrnehmbar und scheinbar fehlend, doch auf der Unteiseite an 
1 oder 2 Gehäusen sehr deutlich. 



50 I- üiadfiinatidae. 

Peristom von mittlerer Grösse, zehneckig, niclit eingesenkt. 
Scheitelschild schmal ringförmig. 

Bemerkung. Einige Aehnlichkeit zeigt Phym. pulchellum 
Cotteau. 

Ad. Römer hat die Art von Gehrden beschrieben und zu 
der Gattung Echinopsis gestellt. Da deren Tuberkeln durchbohrt 
und nicht crenelirt sind, so kann sie dort nicht belassen bleiben, 
obwohl auch Agassiz^) sie unter Echinopsis aufnahm. 

Desor^) nahm sie bei der ungenügenden Darstellung R<")MEr's 
und vielleicht verführt durch die falsch benannte Abbildung von 
FoRBES^) irriger Weise unter die Synonyma von Glyphoct/phus 
radiatus auf, worin ihm Cotteau und Triger*) und Cotteau in 
der Pal. franp. folgten. 

Die abweichende BeschaiFenheit der Stachelwarzen gestattet 
auch nicht, die Gattung Glyphocyphus festzuhalten. Selbst die 
Speciesbezeichnung muss abgeändert werden, da Goldfuss einen 
Echinus pusillus aus dem Oligocän von Bünde beschrieb , der mit 
seinen nicht durchbohrten, fein crenelirten Stachelwarzen, ein- 
fachen Porengängen und Suturalimpressionen^) ebenfalls der Gat- 
tung Echinocyphus angehört und dieser also die Speciesbezeichnung 
pusillus verbleiben muss. 

Vorkommen. Ad. Römer beschrieb die Art aus dem Unter- 
Senon von Gehrden unweit Hannover. 

Mir liegen 5 Exemplare aus gleichem Niveau vor von Biilten 
bei Peine (Hannover) und Recklinghausen ( Westfalen). 



') Agassiz, Cat. rais. des Eohin. 1. c. pag. 3ö5. 

^) Desok, Syn. des Jüchin. pag. 103. 

^) In DixoN, Geolog, of Sussox Ihö!), pag. 340, tab. 25, fig. 31. . 

■') Cotteau et tkiqick, Ecliin du depart. de k Sarthe 1550, pag. 158. 

") Nui- au grossen Goliäuscii deutlich. 



I. Diadematidae. 51 



Rückblick 

auf die Gattung EchinocyiJhus. 

Von den 4 in Deutschland bekannten Arten der Gattung, 
welche sich auf Cenoman, Turon und Senon vertheilen, ist 
Eohinocyphus pisum nur aus Norddeutschland bekannt. 

In den zunächst benachbarten Kreideterritorien Sachsen, 
Böhmen und Belgien sind Vertreter der Gattung bisher nicht 
aufgefunden worden. 

Aus England nennt WriGHT: 

Echinocyphus difficilis Agass. sp. Upper Greensand. 
» mespilia Woodw. Lower Chalk. 

Aus Frankreich nennt die Pal. franp. : 

Echi7iocyphus difficilis Agass. sp. Cenoman, 
» rotatus Gott. sp. » 

» tenuistriatus Des. sp. Turon. 



Gatt. Goniopygus, Agassiz 1838. 

Goniopygus cf. Bronni, Agassiz 1840. 

Das Vorkommen der Gattung Goniopygus in Deutschland 
wird zum ersten Male erwähnt 1838 von Agassiz im Anhange 
zu seiner Monographie des SaUnies. Er sagt von dem Stücke, 
welches er Bronn verdankt: ^Ad Goniopygum Menardi proxime 
accedit; a quo tarnen dijfert assulis disci ovarialis acutioribus et inde 
disco in margine oalde serrato. Apertur a analis transoersvin ovata. 
Goniopygus Bronni dicendiis. E stratis cretaceo-tnargaceis West- 
faliae. 

4* 



52 I- Diadem atidae. 

Wir begegnen dann demselben Namen mit dem Fundpunkt 
Essen 1840 in dem Catalogus systeniaticus ectyporum Echinoder- 
matum pag. 11, sowie 1846 in dem Catalogue raisonne des Echi- 
nides'^'). Bronn selbst gibt 1852 in der Lethaea geognostica, 
Kreidegebirge pag. 185, als Lagerstätte der Art den Grünsand 
von Essen an und fügt hinzu, dass der von Adolf Römer 2) vom 
gleichen Fundpunkte genannte Goniopygus peltatus Ag. ^) wahr- 
scheinlich derselbe sei. — Durch Cotteäü*) wurde Goniopygus 
Bronni, der sonst nicht näher bekannt geworden ist*), unter die 
Synonyma von Goniopygus Menardi Ag. verwiesen. 

Ich selbst kenne kein Gehäuse von Goniopygus Bronni^ da- 
gegen habe ich ein paar Stacheln bei Essen gesammelt, welche 
auf die Gattung hinweisen. 

Die Stacheln von Goniopygus Menardi wurden zuerst durch 
CoTTEAU^) als Pseudodiadema carinella beschrieben, aber bereits 
in einer späteren Lieferung desselben Werkes^), sowie in der 
Paleontologie franpaise S) zu ^ Goniopygus Menardi verwiesen , mit 
dem sie zusammen vorkommen. 

Da die wenigen vorliegenden Stacheln keine eingebogene 
Spitze zeigen, auf der einen Seite gerundet und glatt, auf der 
anderen kantig und die Kiele deutlich geperlt sind, so lassen sie 
sich bis jetzt nicht mit Goniopygus Menardi vereinen , und dürfte 
es räthlich sein, für sie die Bezeichnung der einzigen vom gleichen 
Fundpu.nkte benannten Art zu verwenden. 

Vielleicht kommt daselbst noch eine zweite Art der Gattung 
vor, deren Stacheln eine Länge von 47""" erreichen. Dieselben 
scheinen übereinzustimmen mit den Stücken, welche Geinitz aus 



*) Ann. so. nat. 3. sei'., tome VII, pag. 344. 

^) Verst. des nordd. Kreidegeb. 1841. 

') Der nur aus dem Noocom bekanut ist. 

■') Pal. Iran?, terr. or6t. Eohin. pag. 73.5. 

'') Auch Disaou brachte in d. Syn. dos Ijcliin, jiag. '.lö, nichts NSlieres bei. 

^') Eohin. foss. de la Sarthe IS.'j'J, pag. 117, tab. 27, hg. 15, 18, und Pal 
franp. pag. 516, tab. 1123, üg. 23 — 27. 

') pag. 403. 

«J 1. c. pag. 738. 



I. Diadeuiatidae. 53 

dem unteren Pläner von Plauen^) und mit verschiedenen anderen 
abweichenden Formen zu Cyphosoina subcompressum Cott. stellt. 

Vorkommen. Aeusserst selten in der Tourtia bei Essen. 
Unter mehreren Tausend daselbst gesammelten Echiniden-Stacheln 
arehören nur ein Paar dieser Art an. 



Gatt. Codiopsis, Agassiz 1840. 
Codiopsis Lorini, Cotteau 1851. 

Codiopsis Lorini, Cotteau, Cat. metli. des Echin. neoc. du dep. de l'Yonne 
Bull. sc. hist. et nat. de l'Yonne tome V, pag. 2S7. 

M a a s s e : 

Höhe 6""" 

Durchmesser 10 » 

Ambulacralfelder 2 » 

Interambulacralfelder 4 » 

Peristom 5», 

Das einzige vorliegende Exemplar ist klein, von fünfseitig 
gerundetem Umriss, mit massig gewölbter Ober- und breiter jDlaner 
Unterseite. 

Die Porengänge ein wenig eingesenkt, gerade, von ein- 
fachen Porenpaaren gebildet, verbreitern sich jedoch in der Um- 
gebung des Peristoms, indem sie sich in kurze, schräge Reihen 
auflösen, von denen die oberen aus je drei Porenpaaren, die tief- 
sten mehr gegen die Mitte der Felder gerückten aus zwei Paaren 
gebildet werden. Diese Poren der Unterseite liegen in kleinen 
Furchen und scheinen von geringerem Durchmesser zu sein wie 
die des Umfanges und der Oberseite. Die mit den Ecken des 
Pentagons correspondirenden, ein wenig vortretenden Ambulacral- 
felder nehmen vom Scheitel an langsam und gleichmässig an Breite 
zu und verengen sich dann rascher ein wenig in der Nähe des 
Peristoms. Sie führen nur auf der Unterseite und am liande 



1) Geinitz, Elbthalgeb. I, tab. 17, fig. 3 ab. 



54 I- Diadematidae. 

echte, starke, getrennt stehende Stachelwarzen, welche weder cre- 
nellrt, noch durchbohrt sind. Dieselben bilden vertikale Reihen, 
3 bis 4 in jeder. 

Im Uebrigen zeigen die Ambulacralfelder nur flache, 
grössere und kleinere, eng beisammen stehende Granulen. 

Die Ornamentik der Interambulacralfelder ist überein- 
stimmend mit derjenigen der Ambulacralfelder. Die Stachelwarzen 
sind auch hier auf die Unterseite beschränkt, je zwei Reihen bil- 
dend, jede an der seitlichen Grenze der Felder gelegen. Die 
flachen Granulen sind an der Unterseite kleiner und gedrängter 
stehend, weiter zum Scheitel hin schieben sich grosse Granulen 
zwischen, jedoch nicht in der Mitte der Felder. Einige wenige 
Granulen sind mammelonirt. Von einer feinen, die Granulen 
durchziehenden Streifung des Gehäuses bemerkt man nichts , was 
vielleicht nur eine Folge der Erhaltungsart ist. 

Peristom kreisförmig, gross, gleich dem halben Durchmesser 
des Gehäuses; kaum wahrnehmbar eingesenkt; mit deutlichen Ein- 
schnitten für die Kiemen versehen. Scheitelschild rundlich stern- 
förmig, in dessen Mitte das kleine Periproct, welches gänzlich 
von den Ovarialplatten umschlossen wird, während die kleineren 
Ocellarplatten in den äusseren einspringenden \Yinkeln der letz- 
teren liegen. Die Genitalötfnungen nicht im Centrum der Platten, 
sondern dem keilförmig zugeschärften Aussenrande sehr genähert. 
Sämmtliche Tafeln des Scheitelschildes in ähnlicher Weise mit 
flachen Granulen bedeckt wie die Coronaltafeln. 

Bemerkung. Nachdem die Art bereits 1851 1. c. aufgestellt 
und auch von Desor in seine Synopsis'^) aufgenommen war, wurde 
sie durch CoTTEAU^) 1860 zum ersten Male und 1866^) noch- 
mals abgebildet. 

Als Synonym zieht CoTTE.-vu hinzu Codiopsis Alpina A. Gras*). 



') CoTTEAU, Syn. des Echin. foss. 1856, pag. 112. 

^) CoTTKAU, Etudes sur Echin. foss. du dep. de l'Yonne tomell, pag. 5'2, 
fig. 15, 16, tab. 53, fig. 1 — 4. 

3) CoTTEAu, Pal. FratK;. terr. oret, tome YII, pag. 775, tab. 1189 u. 1190. 

') A. Gkas, Cat. dos coi-ps organ. foss. du dep. de l'Isere ISSO, pag. 33, 50, 
tab. 11, fig. 7. Vergl. Dusou, Syn. des Ecliin. foss. Suppl. pag. 44G. 



I. Diadem atidae. 5ü 

Das vorliegende Exemplar stimmt mit den angezogenen Dar- 
stellungen überein bis auf den Umstand, dass es etwas niedriger 
ist, und, wie angegeben, die vertikale Streifung nicht zeigt und 
die Stachelwarzen noch etwas mehr in der Grösse differiren und 
insbesondere zwischen Umfang und Mundlüoke dichter gedrängt 
stehen. In letzterem Umstände nähert sich das Stück mehr der 
nur in einem Exemplar bekannten nordafrikanischen Codiopsis 
Medei Gauth. i), welche, ebenfalls dem Neocom angehörig, der Co- 
diopsis Lorini sehr nahe verwandt, aber verschieden ist »par sou profil 
s'inflechissant plus rapidement vers le sommet, par sa granulation 
plus inegale et plus serree, et enfin par sa grande taille. Diam. 
24°"°, Haut. 17, Peristome 10"""«. 

Vorkommen. In Frankreich hat sich nach Cotteau die 
Art als Seltenheit im unteren Neocom (Valangien) bei Auxerre 
und Villers-Ie-Lac^) gezeigt. Das beschriebene Stuck stammt aus 
dem (mittleren) Neocom von Neindorf^) (ßraunschweig). 

Original in meiner Sammluno;. 



Codiopsis doma, Desmarets 1825. 

Codiopsis doma, Desmareto, Diot. des scienc. nat. 1825, tome 37, pag. 101. 

Codiopsis doma ist die am längsten gekannte Art des Ge- 
schlechts, auf welche Agassiz*) die Gattung gründete. Die zahl- 



') Gauthiek, Eoliinides fossiles de l'Algerie par Coti-eau, Peron et Gauthiek, 
Paris 1875, pag. 92, fig. 122—126. 

^) Das von Villers • le - Lac stammende (durch M. Jaccard aufgefundene) bei 
Cotteau tab. 1189 abgebildete Exemplar ist auch das einzige Stück, welches der 
Darstellung von Loeiol {Echinol. Udo., Eohin. cret. 1873, pag. 153, tab. 10, fig. 8) 
zu Grunde liegt. 

') Ein zweites Exemplar wm-de vom verstorbenen Ober-Salinen-Inspector 
A. ScHLÖNBACH im Neocom bei Salzgitter (»Schürf No. 8 in d. ünt. Landwehr«) 
gesammelt und befindet sich jetzt mit dessen Sammlung im Museum der geolog. 
Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin. Dasselbe ist bedeutend grösser als 
das vorliegende Stück und übertrifft an Grösse noch die grössten französischen 
Gehäuse, bleibt jedoch an Höhe ebenfalls etwas hinter denselben zurück. Sein 
Durchmesser 28™™, Höhe 12™™, Peristom 14,5™™. 

*) Agassiz, Gat. syst, ectyp. foss. Mus. neoc. 1840, pag. 13. 



56 I. Diadematidae. 

reichen Darstellungen, welche sie erfuhr i) von d'Archiac-), 
Desor^), Pictet*), Cotteau et TeigerS), Cotteau^), Geixitz'), 
haben die Art in erschöpfender Weise kennen gelehrt. Von der 
bereits besprochenen CocKopsis Lorini des Neocom unterscheidet 
sich die vorstehende durch mehrere Grösse, höhere Gestalt, klei- 
neres Peristom, scharf ausgeprägte, kurze, etwas wellige Striche- 
lung der Oberseite des Gehäuses, grössere Zahl der echten Stachel- 
warzen der Unterseite und weitere Ausbreitung der Porengänge in 
der Umgebung des Peristoms. 

Vorkommen. Die Art hat sich gezeigt in Algier, Frank- 
reich, Belgien und Deutschland und gehört dem tieferen Cenoman 
an. Aus Deutschland nannte sie Ad. Römer'^) aus der Tourtia 
von Essen, wo sie äusserst selten ist. Ich kenne nur zwei Exem- 
plare von dort, das eine im paläontologischen Museum der Uni- 
versität zu Berlin, das andere in meiner Sammlung 9). 

Nach H. Geinitz nicht selten in Sachsen im unteren Pläner 
von Plauen und Koschütz. 



1) Agassiz et Desor, Cat. rais. des Ecliin., Ann. des sc. nat., 3. ser, tome VI, 

1846, pag. 357, tab. 15, fig. 14, 15. 

^) d'Archiac, Rappot't sur les foss. du Tourtia. Mem. soc. geol. de France 

1847, tome II, pag. 299, tab. 13, fig. 1. 

3) Desoe, Syn. des EcIiin. foss. 1856, pag. 112, tab. 19, fig. 10—12. 

•») PicTET, Traite elem. de pal., 2. edit. 1S57, tome IV, pag. 240, tab. 96, fig. 7. 

^) CoTXEAu et Trigek, Eclün. de la Sartho, 1859, pag, 164, tab. 29, fig. I — 8. 

8) CoTTEAU, Pal. franq. terr. cret. 1862, tome VII, pag. 781, tab. 1191, 1192. 

') Geinitz, Elbthalgeb. 1871, tome I, pag. 74, tab. 17, fig. 1. 

^) Ad. Römer, Verstein. d. nordd. Kreideg.', 1841. 

■') Dieses Stück von prächtiger Erhaltung — 20'"™ hoch, 28™'" Durch- 
messer — zeigt das hemerkenswerthe Verhalten, dass von den 5 Ovarialplatten 
3 von einer Ovarialöffnung durchbohrt sind, während 2 derselben je zwei gleich 
grosso Ovarialüftriungen zeigen. 



I. Diadeuiatidae. 57 

Nachdem die im Allgemeinen sparsam auftretende Gattung 
(Jodiopsis durch neue Funde — besonders in Afrika — eine 
erhebliche Bereicherung erfahren hat, dürfte ein 

Ueberblick 

über die bekannten Arten von Interesse sein. 

Sämmtliche Arten der Gattung Codiop-ais gehören der Kreide- 
formation au. 

Das Neocom birgt vier Arten: 
Codiopsis Lorini Gott. 
■>■> Jaccardi Gott. 

» Meslei Gauth. 

» major Gott. ^). 

Das Aptien eine Art: 

Codiopisis Nicaisei Gauth. 
Im Genoman zwei Arten: 

Codiopsis doma Desmar. 

» Aissa Per. u. Gauth. 

In der Hippuriten- Kreide Spaniens: 

Codiopsis Pratoi Des. 2). 
Im Unter- Senon ? : 

Codiopsis Arnaudi Gott. 
Im Ober -Senon: 

Codiopjsis disculus Per. u. Gauth. 
Von diesen 8 Arten haben sich bis jetzt nur zwei in Deutsch- 
land gefunden: 

Codiopsis Lorini und Codiopsis doma. 
Was sonst noch an Arten der Gattung aufgeführt ist, musste 
wieder eingezogen werden. 



') Notice sur les Ecliinides Urgoniens reciieillis par M. Chaui.es Bakkois 
dans la provinoe d'Oviedo (Espagne) par M. Cotteau. Ann. des sc geol. toiiie X, 
pag. 6, pL 1, fig. 15^18. 

^) Desok, Syn. pag. 112. 



58 I- Diadematidae. 

Codiopsis Simplex Ag., Cat. syst. pag. 13, wurde von Agassiz 
selbst^) später als ein abgeriebenes Exemplar von Codiopisis doma 
erkannt. 

Codiop)sis Alpina M. Gras 2) fällt nach Cotteau zusammen 
mit Codiopsis Lorini Cott. 

Codiopsis Michelini Gueranger wurde von Cotteau ■^), ebenso 
wie Codiopsis Pisum Des. ^) anfänglich als Codechinus Pisum Des. 5) 
beschrieben, unter die Synonyma von Codiopsis doma gestellt. 

Für Codiopsis Cotteaui Coquand^) aus dem Cenoman Algiers 
wurde von Cotteau^) die Gattung Micropedina errichtet. 



1) Agassiz, Cat. rais. pag. 357. 

ä) Desoe, Syn. Suppl. pag. 112. 

3) Pal. franQ. 1. e. pag. 781. 

*) Desok, Syn. Eohin. foss. Siippl. pag. 487. 

5) ibid. pag. 111, tab. 19, fig. 13, U. 

^) CoQDAND, Geol. et Paleont. de la region sud de la province de Constantine. 
Mem. de la soo. d'emulation de k proTince, 1862, pag. 254, tab. 27, fig. 11—13. 

') Pal. franQ. 1. c. pag. 822. 



II. Ecliiiiidae. 

Gatt. Psammechinus, Agassiz, 1846. 
Psammechinns fallax, Agassiz. 

Echinus fallax, Agassiz, Eohin. Siiisse, II, pag. 86, tab. 27, fig. 2 — 7. 

Ad. Römer führt i) Echinus fallax aus dem unteren Hils von 
Gr. Vahlberg auf. 

Mir ist kein Exemplar aus dem norddeutschen Neocom zu 
Gesicht gekommen 2). 



') Neueste Fortschritte der Mineral, u. Geognosie, Hannover 1865, pag. 39. 

^) GoLDFDSs (pag. 126, tab. 49, fig. 15) nennt einen Echinus alutaceus aus 
dem Mergelgrande (Tourtia) von Essen a. d. Ruhr. Im Museum zu Bonn befinden 
sich mit dieser Bezeichnung mehrere Exemplare auf ein Brettohen geklebt, welche 
zweifellos Magnosien aus dem Jura von Streitberg sind. Da mir auch sonst 
nichts Aehnliches von Essen bekannt ist, so dürfte die Bezeichnung Echinus 
alutaceus vielleicht zu unterdrücken sein. — Ohne etwas anderes zu kennen als 
die Darstellung von Goi.dfuss, stellt Agassiz (Catal. rais. des Echinides foss. c. 
pag. 355) den Echinus alutaceus zur Gattung Arbacia, und Desou (Syn. Ecbin. 
foss. pag. 122) zur Gattung Psammechinus. Wenn auch Ferd. Röjniidk (Zeitschr. 
d. D. geol. Ges. 1854, pag. 136) Arbacia ahitacea ebenfalls aus der Tourtia von 
Essen aufführt, so ist dieses Citat ohne Zweifel' nur den genannten Autoren ent- 
lehnt. 



60 11. Echinidae. 

Gatt. Phymechinus, Desor 1858. 
Phymecliinns cretacens sp. n. 

Taf. 5, Fig. 1—7. 
Maasse : 

Durchmesser des Gehäuses 18"" 

Höhe des Gehäuses 36 » 

Breite der Ambulacralfelder 7 » 

Breite der Interambulacralfelder 14 » 

Peristom 19». 

Gehäuse von mittlerer Grösse; Höhe gleich dem halben 
Durchmesser; Oberseite halbkugelig, mit etwas abgeflachtem 
Scheitel; ßand gerundet. Unterseite fast plan. 

Die Ambulacralfelder, am Umfange des Gehäuses halb 
so breit wie die Interambulacralfelder, verbreitern sich nur lang- 
sam gegen den Rand hin und verengen sich dann ein wenig in 
der Nähe des Peristoms. 

Porengänge gerade, breit, nicht vertieft, ganz in der Ebene 
der Schale gelegen, jederseits des Feldes aus zwei vertikalen Reihen 
von Porenpaaren gebildet, welche in der Nähe des Scheitels und 
am, Rande sich ein wenig verschmälern, indem die Porenpaare 
näher zusammenrücken, dagegen in der Nähe des Peristoms sich 
stärker verbreitern, indem sich hier die Porenpaare zu schrägen 
Reihen von 3 — 4 Paaren gruppiren. Auf einer Ambulacraltafel 
6 Porenpaare. 

Die schmalen Ambulacralfelder führen zwei Reihen kräftiger, 
von einem Warzenhofe umgebener Stachelwarzen, welche weder 
gekerbt, noch durchbohrt sind. 13 - 15 in jeder Reihe. Sie 
nehmen vom Scheitel aus — in dessen Nähe die beiden Reihen 
noch nicht deutlich entwickelt sind — laugsam an Gi'össe zu und 
verkleinern sich rascher an der Unterseite bis zur Mundlippe, 
wo sie zugleich näher an einander rücken. Der Warzenkegel der 
grösseren Stachelwarzen zeigt deutliche Einschnitte (Kerben), die 
Suturen der Porentäfelcheu. Der Zwischenraum zwischen den 
beiden Warzenreihen ist schmal, besetzt von einer ffebrochenen 



II. Echinidae. 61 

Reihe von Graniilen, deren grössere deutlioh mammelonirt sind. 
Die gleichen ßranulen bilden auch kurze, vertikale Reihen zwischen 
den Warzenhöfen. Gegen den Scheitel, wie gegen den Mund hin, 
verschwinden die Granulen. 

Die Interambulacralfelder verbreitern sich stark gegen 
den Umfang des Gehäuses hin und verschmälern sich dann rasch 
bis zum Peristom. Sie führen ebenfalls zwei Reihen kräftiger, 
nicht durchbohrter und nicht crenelirter Stachelwarzen, weiche ein 
wenig grösser sind als diejenigen der Ambulacralfelder. 11 bis 12 
in jeder Reihe. In der Nähe des Scheitels und Peristoms ver- 
mindert sich ihr Volumen. Die zwei oder drei obersten berühren 
mit ihrem Warzenhofe die Porengänge , weiter abwärts treten sie 
mehr vom Seitenrande zurück. Während die beiden Reihen in 
der halben Höhe des Gehäuses am weitesten auseinanderliegen, 
nähern sie sich am Scheitel und am Peristom. 

Die Secundärtuberkeln bilden an jeder Seite der Felder eine 
unregelmässige Reihe und zwei dergleichen zwischen den primären 
Reihen, die nach oben hin undeutlicher werden. Die Granulen 
sind von verschiedener Grösse, zum Theil mammelonirt, so dass 
man sie als Tertiärtuberkeln bezeichnen kann, im Allgemeinen 
sparsam, besonders in der Mittellinie und dem oberen Theile der 
Felder, stehen am Umfange des Gehäuses etwas gedrängter und 
umziehen die kleinen Warzenhöfe der Primär- und zum Theil der 
Secundär -Warzen. 

Das nicht eingesenkte Peristom ist gross, gleich dem halben 
Durchmesser des Gehäuses, zehneckig, mit ziemlich tiefen, um- 
randeten Einschnitten für die Kiemen. Die Ambulacrallippen 
breiter als die Interambulacrallippeu. 

Die Säulen der Mundohren divergiren, sind nicht verbunden 
und stark gegen die Körperwandung geneigt. 

Das kleine Scheitelschild ist ringförmig, das Periproct um- 
schliessend. Die Genitaltafen, nach aussen keilförmig zugeschärft, 
führen eine ovale Genitalöffnung im äussern Winkel. Von den 
Ocellartafeln berühren 4 in voller Breite das Periproct, eine ist 
völlig ausgeschlossen. Die Madreporenplatte ist ausgefallen. Auf 
der Mitte der Tafeln einige wenige Granulen. 



62 n. Echinidae. 

Bemerkung. Die Gatttung PhymecMnus wurde von Desor^) 
für Echinus inirabilis Ag. aus dem französischen Corallien errichtet, 
welche Agassiz später 2) dem DESMOULiNs'schen Geschlechte He- 
liocidaris beigefügt hatte. Etallon benannte eine zweite Art**) 
Phym. ThioUien, und LoRiOL beschrieb ausser dem Phym. inirabilis 
noch den Phym. La?igi^), aus gleichem Niveau, dem Terrain ä 
chailles. Quenstedt^) glaubt den Phym. mirabilis auch in Schwaben 
gefunden zu haben und nennt eine zweite Art aus dem weissen 
Jura & der schwäbischen Alp Phym. alternans. Als Gattungsnamen 
möchte er die Bezeichnung Alternechinus vorziehen, da der Name 
PhymecMnus auf grosse Warzenzahl hindeuten solle, welche, ab- 
gesehen von der falschen Namenbildung, nicht vorhanden sei. 

Unter den genannten Arten steht Phym. mirabilis namentlich 
unter Zugrundelegung der Darstellung DesOr's am nächsten in 
der Gestalt des Gehäuses, der Grösse des Peristoms etc. Das von 
LoRiOL abgebildete Gehäuse ist oben mehr abgeflacht und das 
Peristom kleiner. Die Bildung der Porengänge scheint überein- 
zustimmen, aber es ist zweifelhaft, ob sie sich bei der jurassischen 
Art am Scheitel und am Umfange etwas verengen. Bei diesen 
sind die einzelnen Poren durch eine Granula getrennt, was bei der 
vorliegenden nicht der Fall ist. Bei der letzten sind die ambula- 
cralen Warzenhöfchen deutlich gestrahlt, bei der jurassischen Art 
nicht. Die Ambulacralfelder von Phym. mirabilis sind verhältniss- 
mässig etwas breiter als bei Phym. cretaceus. Auch in der Bil- 
dung und Zahl der Höcker stehen beide Arten sehr nahe. Doch 
zeigen die Secundärtuberkeln, obwohl LoRiOL von ihnen angibt: 
sforment quatre rangees peu regulieres dont deux internes et une 
externe de chaque cote«, zufolge der Abbildungen eine grössere 
üegelmässigkoit als das vorliegende Stück. Auch giebt LoRiOL an, 
dass einzelne Secundärtuberkeln die Grösse der Primärtuberkeln 
erreichen, was an unserem Stück nicht der Fall ist. Bei Phym. 



') Desor, Syu. Echin. pag. 133. 

2) AüAssiz, Oat. rais. I. e. 1846, ])ag. 372. 

•'') Mir nicht Ijekannt. 

■<) LoRiOL, l'A-/nn. Hdv., Eehm. cret. 1870. pag. 233, tab. 39. 

■■■') QuENSTicDT, Echinidon 187.% pag. 3(iG, tab. 75, Hg. G. 



IL Echinidae. 63 

mirabilis berühren nur zwei Ocellartafeln das Periproct, drei sind 
davon ausgeschlossen. Nach Quenstedt sind an den schwäbischen 
Stücken die Säulen der Mundohren convergent und oben ver- 
bunden. 

Vorkommen. Das einzige bekannte Exemplar fand sich in 
der weissen Kreide mit Belemnitella mucronata bei Ciply. 

Original in meiner Sammlung. 



Gatt. Diplotagma, Schlüter 1870. 

Gehäuse von mehr als mittlerer Grösse, dickschalig, von 
kreisförmigem Umriss, hoch gewölbt, ungefähr so hoch wie breit, 
unten etwas abgeplattet. Peristom an der Unterseite central, 
klein , decagonal , Einschnitte kaum sichtbar. Periproct in der 
Mitte des schmal -ringförmigen Scheitelschildes berührt von sämmt- 
lichen 10 Tafeln. Ambulacralporen in ihrem ganzen Verlaufe zwei 
vertikale geradlinige Doppelreihen an jeder Aussenseite eines Am- 
bulaeralfeldes bildend. 5 — 8 Porenpaare auf einer Ambulacral- 
tafel. Stachel Warzen nicht durchbohrt, nicht gekerbt, sehr zahl- 
reich, ausser zwei vertikalen Reihen auf jedem ambulacralen und 
interambulacralen Felde noch Secundärwarzen in grosser Zahl. 

Verwandschaft und Stellung der Gattung im System. 

Zwei Doppelreihen von Poren besitzt auch die Gattung &al- 
niacis Ag. i), allein es kommen nur 3 Porenpaare auf eine Am- 
bulacraltafel und die ebenfalls zahlreichen, in horizontale Reihen 
geordneten Stachelwarzen sind gekerbt; auch sind Winkelporen 
vorhanden. 

Das hochgeblähte Gehäuse von Mespilia'^) zeigt ebenfalls 
zwei Doppelreihen von Poren, und es sind auch die zahlreichen 
Stachelwarzen weder gekerbt noch durchbohrt, aber es kommen 
auch hier nur drei Porenpaare auf eine Ambulacraltafel und es 



') Desoe, Syn. pag. 108. 

2) Desor, Syn. pag. 1 10. Agassiz, Revision of the Echin. tab. 8", 



64 II- Echiiiidae. 

drängen sich die Tuberkeln auf die Seiten der Felder zusammen, 
so dass die Mitte derselben nackt ist. Auch hier Suturalporeu. 

Die stark geblähte Schale von Microcyphus Ag. i) hat gleich- 
falls übereinstimmende Bildung der Ambulacren und undurch- 
bohrte und ungekerbte Stachelwarzen in grosser Zahl, allein auch 
hier kommen nur drei Porenpaare auf eine Ambulacraltafel, des- 
gleichen sind Suturalporen vorhanden, und es gruppiren sich die 
Stachelwarzen so, dass nackte Stellen auf der Schale bleiben. 

Ein ähnliches Gehäuse besitzt auch Codechinus Des. 2), von der 
nur eine Ai't aus dem Aptien bekannt ist. Das Peristom ist klein, 
die zahlreichen Stachelwarzen undurchbohrt und ungekerbt, aber 
die Porenpaare ordnen sich zu jedesmal drei Vertikalreihen, trotz- 
dem nur drei Porenpaäre auf einer Ambulacraltafel stehen. Im 
Scheitelschilde berühren sich die 5 Ovarialtafeln vollständig, so 
dass die 5 Ocellartafeln gänzlich vom Periproct ausgeschlossen sind. 

Die grösste Uebereinstimmung in der Gestalt zeigt die von 
CoTTEAU zuerst gegebene Abbildung der auf Tertiär beschränkten 
Gattung Leiopedina Gott. 3). Es sind aber die Stachelwarzen durch- 
bohrt, die Porenpaare bilden je drei vertikale Reihen, drei Paare 
derselben auf einer Ambulacraltafel. 

Die fünf genannten Gattungen gehören zu derjenigen Gru])pe 
der Echiniden, welche Desor als oliyopore Zaij.sieZ/aT!«? Cidariden 
bezeichnete. Ebenso die durch hohes, geblähtes Gehäuse, zahlreiche 
Stachelwarzen etc. ausgezeichneten lebenden Gattungen Amhhj- 
pneustes Ag. *) und Holopneustes^). 

') Desor, Syn. tab. IIU. Agassiz zeichnet die Poren, je 3 Paare eine kurze, 
achriige Reihe bildend. 

2) Desou, Syn. pag. 111, tab. 19. 

'^) Leiopedina Tallavignesi Cott., Eohinides nouvoaux ou ])eu oounus. Revue 
et magasin de Zoologie 1866, Sep. pag. 114, tab. Ui, iig. 1 — 3. Später durch 
Laube, Beiti'ag zur Kenntniss der Eoliinodermen des vioentinischen Tertiärgeb., 
Denkscliriften der Wiener Akademie pag. 15, tab. 1, als C/irysomeloii Vicentiiie 
und Oh-ijH. pictum beschi'ioben. Pavav fügte 1871 (Kolozvar Geologiaja pag. ü7) 
ans dem Tertiilr Leiopedina Sumusi, die auch LoKior,, Descrijit. des oursins tertiaires 
de la Suisse pag. 31, tab. H, lig. 8, in der Schweiz wiederfand, hinzu. 

') Dusoit, pag. 110. 

^) Vorgl. A. Agassi/., Revision of thc Echin. pag. 483, tab. VIU'', und Cotteau, 
pag. 817 u. S18. 



Tl. Ecliiiiidao. , (15 

Die Gattung Diplotagma aber gehört der Gruppe der poly- 
poren latistellaten Cidariden an. In dieser Gruppe zeigen 
die Gattungen Pedinopsis Gott, und Phymechinus Des. in je zwei 
vertikale Reihen geordnete Porenpaare , aber bei Pedinopsis sind 
die zahlreichen, in vertikale Reihen gruppirten Stachel warzen 
durchbohrt und gekerbt. Die Porenpaare haben an der Unterseite 
das Bestreben, sich einreihig zu ordnen und weiter in der Nähe 
des Peristoms sich durch Verschiebung zu verbreitern etc. Die 
Gattung Phymechinus führt nicht durchbohrte und nicht gekerbte 
Stachel Warzen ; ihre Zahl verhältnissmässig geringer, Porenpaare 
fünf auf einer Ambulacraltafel ; das Peristom sehr gross; die Ocellar- 
tafeln berühren nicht alle das Periproct. Die Gestalt des Gehäuses 
verhältnissmässig niedrig und die Unterseite weit. 

So ist die Gattung Dipilotagma neben den beiden genannten, 
den polyporen latistellaten Cidariden, und zwar den Se- 
riaten beizufügen. 

Legt man nicht mit Desor das Hauptgewicht auf die An- 
ordnung der Paare, sondern mit Wright und Cotteau auf die 
Beschaffenheit der Stachelwarzen, so werden Pedinopsis und Diplo- 
tagma nicht zusammenzustellen sein, indem Pedinopsis der Haupt- 
rubrik A. CoTTEÄu's, deren Stachelwarzen entweder gekerbt oder 
durchbohrt sind, angehört, während Dipilotagma in die Rubrik B. 
fällt, bei der die Stachelwarzen weder gekerbt noch durchbohrt 
sind. Auch bei dieser Gruppirung erweisen sich Phym,echinus und 
Diplotagma als nächste Verwandte: Poren geordnet zu mehrfachen 
Paaren; Ambulacren gerade, breit; Periproct central; Scheitelschild 
von 10 Platten gebildet. 

A. Stachelwarzen gekerbt und durchbohrt: 

a. Drei Porenpaare auf einer Ambulacralplatte, Oligopori, 

h. mehr als drei Porenpaare auf einer Ambulacralplatte, 

Polypori . . . Pedinopsis'^'). 



1) Wright: Brit. foss. EohiD. cretac. form. pag. 84 folgt der ersten irrigen 
Auffassung Co'rrEAü's und stellt Pedinopsis zu den Diadematiden , und zwar in 
die Gruppe />'. » Tuhercks parforated and not crenwtated<^. 



ßß II. Echinidae. 

B. Stachelwarzea weder gekerbt, noch durchbohrt: 

a. Drei Porenpaare auf einer Ambulacralplatte, Oligopori, 

h. mehr als drei Porenpaare auf" einer Ambulacralplatte, 

Polyp ori, 

. . . die Ambulacralporen bilden zwei vertikale Reihen, 

. . . Warzen grösser, wenig zahlreich ; Peristom gross, tief 

eingeschnitten; Gehäuse nicht hoch; nicht alle Ocellar- 

tafeln berühren das Peristom . . . Phymechinus, 

. . . Warzen kleiner, sehr zahlreich; Peristom klein, nicht 

tief eingeschnitten ; Gehäuse hoch ; sämmtliche Ocellar- 

tafeln berühren das Periproct . . . Diplotagma. 



Diplotagma altum, Schlüter 1870. 

Taf. 4, Fig. 1—5. 
Sitz. d. niederrhein. Gesellsoll, für Natur- u. HeiUcunde in Bonn, 1S70, pag. 132. 

Maasse zweier Gehäuse: 

I. II. 

Höhe des^ Gehäuses 471"!« — 28 "™ 

Durchmesser des Gehäuses .... 50 — ca. 30 » 
Breite der Ambulacralfelder ... 11 — 9 » 

Breite der Porengänge 2 — ca. 1| » 

Breite der Interporiferenräume . . 7 — 5 » 

Zahl der ambulacralen Primärtuberkeln 

in jeder Reihe 30 — 21 

Zahl der interambulacralen Primär- 
tuberkeln in jeder Reihe .... 23 — 19 
Breite der Interambulacralfelder . . 19 — 13 » 

Weite des Pcristoms 15,5 — ca. 11 » . 

Das Gehäuse erreicht eine ziemlich erhebliche Grösse, ist 
sehr gebläht, kugelig, ungefähr so hoch wie breit. Umfang kreis- 
förmig, Unterseite etwas abgeflacht, oben etwas mehr verengt wie 
unten, daher Gestalt apfelförmig. Die geraden, breiten, nicht ver- 



IL Echinidae. 67 

tieften, sondern in der Ebene der Schale liegenden Porengänge 
werden vom Scheitel bis zur Basis gebildet von je zv?ei vertikalen 
Reihen von Porenpaaren i), je 7 oder 8 auf einer Ambulacraltafel. 
Die Poren sind klein, kleiner als die sie trennende, deutlich vor- 
springende Granula. Wo Raum vorhanden ist, schiebt sich gerne 
eine etwas grössere Granula zwischen den Porenpaaren, besonders 
in der Mittellinie zwischen den beiden Doppelreihen, ein. 

Die schmalen Ambulacralfelder — etwas mehr als halb 
so breit wie die Interambulacralfelder — führen zwei vertikale, 
regelmässige Reihen von zahlreichen Stachelwarzen, welche, weder 
gekerbt noch durchbohrt, von einem kleinen Warzenhofe umgeben 
sind und sich dicht an die Porengänge herandrängen. Bei einem 
kleineren Exemplare 21, bei einem grösseren Gehäuse 29 — 30 in 
jeder Reihe. Gegen den Scheitel und das Peristom treten sie 
näher zusammen, nehmen aber kaum an Volumen ab. Ausser 
diesen primären Tuberkeln sind noch zahlreichere kleinere, eben- 
falls von einem Höfchen umgebene Secundärtuberkeln vorhanden. 
Zunächst kann man von zwei inneren Reihen sprechen, von denen 
jede Warze auf der oberen Partie der Asseln steht, und zwar dem 
Primärtuberkel so nahe, dass ihre Warzenhöfe sich berühren. 

Hierzu kommen weiter zwei noch mehr nach innen gelegene 
Reihen von etwas kleineren Tuberkeln, welche rascher endigen 
wie die vorigen Reihen. Ihre Tuberkeln liegen auf der inneren 
unteren Ecke der Asseln. Ausserdem zuletzt jederseits eine äussere 
Reihe kleiner Stachelwarzen, welche den Porengängen noch etwas 
mehr genähert als die Primärtuberkeln, und auf der Naht zwischen 
je zwei der letzteren liegen. Die Granulen sind von verschiedener 
Grösse und gruppiren sich mehr oder minder um die genannten 
Warzenhöfe. 

Die Asseln der Interambulacralfelder sind an dem grösse- 
ren Gehäuse leicht gewölbt, so dass ihre Nähte und ebenso die 



') Es scheint an einer Stelle des grösseren Gehäuses, als ob die Porenpaare 
der inneren Reihe nicht völlig senkrecht übereinander folgten , sondern als ob je 
drei Paare eine etwas schräge Reihe bildeten. 



68 II. Echinidae. 

anstossende Partie der Porengänge etwas vertieft erscheinen. Auch 
hier zwei Reihen von Primärtuberkeln, welche weder gekerbt, noch 
crenelirt, jedoch von einem kleinen Höfclien umgeben, in ihrem 
ganzen Verlaufe an Grösse ziemlich gleich bleiben und sich auch 
in dieser Hinsicht kaum von denen der Ambulacralfelder unter- 
scheiden. Sie rücken ziemlich rasch von der Seite zu der Mitte 
der Assel zu, erreichen diese aber nicht ganz. Auf einem kleinen 
Exemplare zählt man 19, auf einem grösseren 23 in jeder Reihe. 
Die Zahl der Secundärtuberkeln ist sehr gross, sie ordnen sich 
weder in vertikale, noch in horizontale Reihen. Sie gruppiren 
sich anfänglich so, dass 4 derselben eine Primärtuberkel umgeben, 
und zwar so, dass die beiden oberen näher zusammenstehen als 
die beiden unteren. Dann wächst mit der Grössenzunahme der 
Asseln ihre Zahl so, dass etwa 12 von verschiedenem Volumen 
auf eine Assel kommen. Zwischen diesen zahlreichen kleinen 
Stachelwarzen noch Granulen von verschiedener Grösse. 

Peristom central, auf der Unterseite, nicht gross, kleiner als 
^/g des Gehäuse -Durchmessers, nicht (oder doch kaum sichtbar) 
eingesenkt. Zehneckig, die Ambulacrallippen etwas breiter als die 
Interambulacrallippen. Kiemeneinschnitte sehr schwach. 

Der Scheitelsehild stellt einen schmalen Ring dar, der das 
Periproct umgiebt. Sämmtliche 10 Tafeln berühren in ihrer ganzen 
Breite das Periproct. Die Ovarial- Tafeln springen nach aussen 
(spitz-) winklig vor, mit Ausnahme der durch Grösse und höhere 
Wölbung ausgezeichneten Madreporenplatte. D*e OefFnung liegt 
an der äusseren Spitze. Von den Ocellartafeln sind zwei breiter, 
zwei etwas schmäler und die letzte, etwa ebenso breit wie die 
Ovarialtafeln. In der Afterlücke selbst befinden sich noch After- 
täfelchen, welche eben so kräftig sind wie die genannten Stücke. 
Sämmtliche Tafeln, vielleicht mit Ausnahme der Madreporenplatte, 
tragen. Granula. 

Auf dem Steinkerne zeigt sich auf den Ambuläcralfeldern 
die vertikale Mittelnaht stark vertieft, die vertikalen Seitennähte 
linienartig vortretend. Auf den Interambulacralfeldern die zick- 
zackförmige Mittelnaht vortretend, die horizontalen Nähte vertieft. 
Die Asseln wölbicc- 



IL Echinidae. 69 

Vorkommen. Die Art gehört der unteren Mucronaten- 
kreide an. Ein grosses Gehäuse sammelte ich im Sükerhoek 
NO. von Coesfeld in Westfalen. Ein kleines Exemplar bei Darup 
in Westfalen. 

Kommt vielleicht auch in den Mucronatenschichten des Schnee- 
berges bei Aachen vor. 

Zur Untersuchung lagen 2 Exemplare vor. 

Originale in meiner Sammlung. 



Erklärung der Tafeln. 



Tafel 1. 

Seite 
Fig. 1 — 5. Phymosoma Hilsii, Schlüter. Aus dem Neocom von Gross- 

Vahlberg 3 

1 . Oberansicht des Gehäuses in natürlicher Grösse. 

2. Unteransicht » » » » » 

3. Seitenansicht » > » » » 

4. Interambulacralfeld in fünffacher Grösse. 

5. Ambulacralfeld » » » . 

Fig. 6—10. Phymosoma Perroni, CoTTEAU. Aus dem Neocom .... 1 

6. Oberansicht des Gehäuses in natürlicher Grösse. 

7. Unteransicht ^> » ^> » » 

8. Seitenansicht >• » ■■> » » 

9. Interambulacralfeld in dreifacher Grösse. 
10. Ambulacralfeld » » » . 

Tafel 2. 

Fig. 1 — 5. Phymosoma qninquangulare, Schlötek. Aus dem Türen von 

Graes bei Ahaus 10 

1. Oberansicht des Gehäuses in natürlicher Grösse. 

2. ünteransicht » » » _ » » 

3. Seitenansicht » » » » » 

4. Interambulacralfeld in dreifacher Grösse. 

5. Ambulacralfeld » » » 

Fig. G — 10. Phymosoma Goldfussi, Scm.ÜTEK. Aus der Tourtia ') von Essen 6 

6. Oberansicht des Gehäuses in natürlicher Grösse. 

7. Unteransicht » » » » » 

8. Seitenansicht » » » » » 

9. Interambulacralfeld in dreifacher Grösse. 
10. Ambulacralfeld > ~> » . 



') Auf der Tiil'el ist iri-thiimlii:h >Cenoni()n< statt »Gcnoman* gecinickt. 



Erkliirung der Tafeln. 71 

Tafel 3. 

Seite 

Fig. 1 — 5. Pliymosoma Gehrdenense, Schlüter. Aus dem Unter -Senon 

von Gehrden bei Hannover ... 15 

1. Oberansicht in natürlicher Grösse. 

2. Unteransicht » » » 

3. Seitenansicht » » » 

4. Interambulacralfeld in dreifacher Grösse. 

NB. In der Nähe der Mnndlippe sind an der rechten und 
linken Seite die Grauiüabänder zu breit gezeichnet. 

5. Ambulacralfeld in dreifacher Grösse. 

Fig. 6— 10. Phymosonia maeandrinuin '), ScHLÜTEE. Aus dem Ober -Senon 

von Kunraed, NW. von Aachen 25 

6. Oberansicht in natürlicher Grösse. 

7. Unteransicht » » » 

8. Seitenansicht » » » 

9. Interambulacralfeld in doppelter Grösse. 
10. Ambulacralfeld » -> '> . 

Tafel 4. 

Fig. 1 — 5. Diplotagnia altnill, Schlüter. Aus dem Ober-Senon von 

Coesfeld .66 

1. Seitenansicht in natürlicher Grösse. 

2. Unteransicht •> » » 

3. Oberansicht » » » 

4. Ambulacralfeld in doppelter Grösse. 

5. Interambulacralfeld -» » » . 

Tafel 5. 

Fig. 1—7. Phymechinns cretaceus, Schlüter. Aus dem Ober-Senon 60 

1. Oberansicht in natürhcher Grösse.' 

2. üntoransicht • •> » 

3. Seitenansicht > » » 

4. Ambulacralfeld in dreifacher Grösse, '' 

5. Interambulacralfeld » > » 

6. Scheitelschild und Umgebung in dreifacher Grösse. 

7. Ambulacrale Grosstafel in sechsfacher Grösse. 



') Soll auf der Tafel ebenso gedruckt sein, anstatt »niäandrinum«. 



72 Erklärung der Tafeln. 

Tafel 6. 

Seite 
Fig. 1 — 5. PliymoSüUia pi'inceps, v. Hagenow. Ober-Senon der Insel 

Rügen 22 

1. Oberansicht in natürlicher Grösse. 

2. Unteransicht s .> » 

3. Seitenansicht » » » 

4. Interambulacralfeld in 1','2 der natürlichen Grösse. 

NB. Die Ringe auf den Warzeahöfen sind zu ki'äftig ge- 
zeichnet. 

5. Aml.'ulacralfeld in l'/s der natürlichen Grösse. 

NB. Ebenso. 

Tafel 7. 

Fig. 1 — 5. Phymo.soma taeuiatum, v. Haqenow. Ober-Senon der Tnsel 

Rügen 23 

1. Oberansieht in natürlicher Grösse. 

2. TJnteransicht » » » 

3. Seitenansicht » » » 

NB. Sämmtliche Warzenhöfe zu stark schattirt; am Original 
kaum vertieft. 

4. Interambulacralfeld in dreifacher Grösse. 

5. Ambulacralfeld » » » 

NB. In Fig. 4 u. 5 ist die Basis der Warzenkegel zu scharf 
mirrkirt; am Original allmählich in den Üachen Hof 
übergehend. 



A.W. .Scliailo's lliiiliilnirkerei (L. Scluulc) in Berlin. .Slnllseliroibi-isli-. l.'i -W, 



Abhandl. d. geol. Landesanstall 

■i. Vi. 




Schlüter, Kreide -Echmiden. Taf. 1 . 
'/i 5, V,. 










1-5 Phymosoma Hilsii, 
6"10 Phymosoma Perroni 



Schlui 
Cott 



»eocom 
Neocom 




l.ih JnslvA.«!nr,,Bo, 



Abhandl. d, qeol, Lanciesanstalt. * Schlüter. Krtide-Echmiden Taf 




v??rrf 



'VäX^ 



^.•i?«y^ 



n^-aevc 












'-■b6^'> rt-i-j - 



^1 ^w« f^-^Als^^' J 





1'5 PhvmDsoma quinquanquicre. Scr.;..^ Turoa. 

6"1Q Phj'mosoma QoldfuSSI, Schlü;. Cenomor. 



Lilll.Jnst ».A.Henry, B»«< 



Abhandl d, geol. Landesanstal 



Schlüter Kreide - Ecbin i den TafS. 












1-5 Phymosoma Qehrdenense, Schiu; Um. Scnon^ 
6-10 Phymosoma maandrmum. SMix Ob. Sen:n. 



Abhandl, d. geol. Landesanstalt, 



Schlüter, Kreide -Ech in iden. TQf,4. 









1-5 Diplotagma altur 



chlot. Qb Seron 



lilfc Jnsi.» A.Htn,, 



AbhQndLd. qeol. Landesansfalf. 



Schlüter, Kreide-Echiniden, Taf. 5. 






,*-^* ^->_^4l^ ^ 



'«S«^ 



&^': 



S'^-'^ 



'sS 




/^^-Y M ^ 
















1"7 Phymechinus cretaceus, Scm« 



b. Senon, 



L,lkJnsl,,*Hs„,,,ß,.„ 



Abhandl.d geol, Landesansfalt. 
4. !•"/,, 



ScMüter Kreide -Echiniden. Taf( 







1-5 Phymosoma princeps. Hao. Qt 



Abhandl d qeol Landesanstalt. 



Schlüter, Kreide -Echiniden Taf.l 








"5 Phymosoma taenictum, Haq. Ob, 



A.W. Schade's Bacbdrackerei (L. Schade) ia Berlin, StalUchreiberetr. 4i/46. 



WHITNEY UBBAR 

WSÜfe. CC'M'P. ZOOU, 



/•CJ5 



Abhandlungen 



geologischen Specialkarte 



Preussen 



und 



den Thüringischen Staaten. 



Heft 2. 

Mit einem Atlas, enthaltend 8 lithographirte Tafeln. 



BEKLIN. 

Verlag der Simon Schropp'aohen Hof-Landkartenhandlun^ 

(J. H. Neumaun.) 

188?. 




yyTf (Zkz^rL 



Abhandlungen 



:eologischeii Specialkarte 



Preussen 



und 



den Thüringischen Staaten. 



Heft 2. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp' sehen Hof-Landkartenhandlunj 

(J. H. Neumann.) 

1883. 



Monographie 



der 



Homalonot US- Arten 



des 



Rheinischen XJnterdevon 



Dr. Carl Koch, 

Kgl. Landesgeologen. 



Herausgegeben 

von 

der Königlicli Preiissisclien geologischen Landesanstalt. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Sohropp' sehen Hof-Landkartenliandlun^ 

(J. H. Neumann.) 

1883. 



Vorwort des Herausgebers. 



Der Verfasser der vorliegenden Abhandlung, der verstorbene 
Landesgeologe Dr. Carl Koch, hat sich viele Jahre hindurch mit 
den Homalonoten des rheinischen Unterdevon beschäftigt. Ein 
erstes Resultat dieser Studien war der Vortrag, den derselbe im 
Jahre 1880 auf der Herbstversammlung des naturhistorischen Ver- 
eins zu Bonn hielt und der gewissermaassen als ein Prodromus 
der von ihm vorbereiteten ausführlichen Monographie gelten kann. 
(Vergl. Verhandl. des naturhist. Vereins für Rheinl. u. Westfalen 
Bd. XXXVII, Corr.-ßl. pag. 132 — 141.) Leider sollte es dem 
Verfasser nicht vergönnt, sein, seine Arbeit selbst zum Ab- 
schluss zu bringen. Wenige Tage vor seinem Hinscheiden (im 
April 1882) übergab er dieselbe dem Unterzeichneten mit der 
Bitte, die Herausgabe übernehmen zu wollen. Glücklicherweise 
war Koch's Manuscript, als es in die Hände des Herausgebers 
gelangte, in der Hauptsache bereits vollendet, so dass für den 
Letzteren nicht mehr viel zu thun übrig war. Die ausführ- 
liche Beschreibung der von Koch unterschiedenen, rheinischen 
Homalonotus- Arten, die den Kern der Abhandlung bildet, war 
bereits vollständig fertig und konnte, ebenso wie die einleitenden 
Abschnitte der Arbeit, fast unverändert zum Abdruck gebracht 
werden. Nur hie und da hat der Herausgeber kleine Zusätze 
anzubringen für nöthig erachtet, die sich aber in den meisten 
Fällen lediglich auf das von Koch noch nicht benutzte Sammlungs- 
Material der geologischen Landesanstalt beziehen und nur an ein 
paar Stellen Versehen berichtigen, die darauf zurückzuführen sind, 
dass Koch in Wiesbaden mit beschränkten literarischen Hülfsmit- 
teln arbeitete und namentlich die wichtigen Publicationen Salter' s 
in den Schriften der Palaeontographical Society gar nicht kannte. 



An der Abgrenzung der zahlreichen von Koch unterschiedenen 
Arten hat der Herausgeber Nichts geändert, obgleich es sehr wohl 
möglich ist, dass der Autor, wenn er selbst die Endredaction seiner 
Arbeit hätte ausführen können, Aenderungen in dieser Beziehung 
würde vorgenommen haben. 

Die Zusätze des Herausgebers sind immer in Form von 
Anmerkungen unter dem Text angebracht worden und durch ein 
beigefügtes »(E. K.)« ausgezeichnet. 

Zur Illustration der Artenbeschreibung hatte KoCH, theils nach 
Exemplaren seiner eigenen, theils nach solchen anderer öffentlichen 
und privaten Sammlungen , eigenhändig eine grosse Menge von 
Zeichnungen angefertigt. Für einen Theil dieser Zeichnungen 
konnten vor ihrer Uebertragung auf den Stein die mit der Koch'- 
schen Sammlung nach Berlin gelangten Original -Exemplare ver- 
glichen werden; für die Mehrzahl der Abbildungen aber lagen die 
Originale nicht vor, und in diesen Fällen blieb nichts übrig, 
als die Kocn'schen Zeichnungen unverändert lithographiren zu 
lassen. Ausserdem sind vom Herausgeber noch einige wenige 
Abbildungen nachträglich zur Ergänzung der Kocn'schen hinzu- 
gefügt worden. Diese Abbildungen beziehen sich sämmtlich auf das 
Sammlungs-Material der geologischen Landesanstalt und sind durch 
einen besonderen Vermerk als spätere Hinzufügungen kenntlich. 

Ganz neu und selbstständig ist vom Herausgeber der letzte 
Abschnitt der Arbeit verfasst worden, der sich mit der Vergleichung 
der rheinischen Homalonoten mit denen anderer Devon -Gebiete 
beschäftigt und von Koch zwar beabsichtigt, aber noch nicht 
in Angriff genommen war. Für diesen Abschnitt, für den die 
Verantwortung dem Herausgeber allein zufällt, schien es er- 
wünscht, einige Reste einer schon vor längeren Jahren durch 
A. Römer aus dem Harz beschriebenen Ilomalonotus- Art (Homal. 
gigas) abzubilden, um zu zeigen, dass dieselbe mit einer von KoGi-i 
neu aiufgestellten Art (Homal. scahrosus) zusammenfällt. 

Berlin, December 1882. 

E. Kayser. 



X3r. Oarl Koch, 



Königl. Landesgeologe, Museums- Inspector und Secretär des Nassauischen Vereins 
für Naturkunde in Wiesbaden. 



Ein Lebensbild 

von 

Dr. H. von Dechen 0- 



Wenn ein Mann aus dem Kreise unserer Freunde und Ge- 
nossen scheidet, der in einem langen, thätigen und erfolgreichen 
Leben viele Jahre hindurch uns ein nachahmungswürdiges Vorbild 
gewesen ist, so dürfen wir nicht klagen, sondern dankbar müssen 
wir das Geschick anerkennen, welches uns so lange in ihm seine 
Erfahrungen, seine Belehrimg und Ermunterungen erhalten hat. 

Ganz andere Gefühle bitteren Schmerzes werden aber in uns 
erregt, wenn ein Freund, ein Genosse ernster Arbeit aus unserem 
Kreise dahinsinkt in ein frühzeitiges Grab, viele Hoffnungen auf 
die Erfolge seiner Thätigkeit mit ihm zerstört werden. Dann 
haben wir ein Recht zur Klage. Die Arbeit, die er mit rastlosem 
Eifer gefördert, die mit der errungenen Erfahrung einer immer 
grösseren Vollkommenheit rascheren und sicheren Schrittes ent- 
gegengeführt worden wäre, sie liegt verlassen da. Keiner ist da, 
der sie mit gleichem Geschick, mit gleicher Aussicht auf eine er- 
folgreiche und glückliche Durchführung wiederaufnimmt; Keiner 
füllt die Lücke aus, die durch seinen Verlust in den verschieden- 
sten Kreisen seiner ausgedehnten Thätigkeit entstanden ist. 



') Mit gütiger Genehmigung des Herrn Verfassers wiederabgedruckt aus 
den Verhandl. des naturhistor. Vereins für Rheinl. u. Westfalen, Bd. XXXIX, 
1882, Corr.-Bl. pag. 35 ff. 



Solche Gefühle und Gedanken mögen viele der Leidtragenden 
erfüllt haben, als sie dem langen Trauerzuge sich anschlössen, der 
die sterblichen Reste des verewigten Dr. Cael Koch in Wiesbaden 
am 20. April d. J. zu ihrer letzten Ruhestätte begleiteten. 

Wenn ich es unternehme, ein Lebensbild des durch seltene 
Geistesgaben, durch einen fest durchgebildeten Charakter, durch 
allgemeines Wohlwollen, durch Begeisterung für alles Edle und 
Grosse, durch ein warmes, herzliches Freundschaftsgefühl ausge- 
zeichneten und mir seit einer Reihe von Jahren eng befreundeten 
Mannes zu entwerfen, so muss ich die nächsten und näheren 
Freunde desselben um Nachsicht bitten. Sie werden viele Züge 
in dem reichen Bilde vermissen, da ich niemals mit dem Dahin- 
geschiedenen an einem und demselben Orte gelebt und nur auf 
vielen gemeinsamen, geognostischen Ausflügen, durch gemeinsame 
Arbeiten und einen eifrig gepflegten Briefwechsel mit ihm bekannt 
geworden bin. 

Carl Jacob Wilhelm Ludwig Koch war zu Heidelberg am 
L Juni 1827 als ältester Sohn des Gasthofsbesitzers zum Carls- 
berg geboren. Seine Mutter Wilhelmine Haas stammte aus 
einer Familie von Dillenburg, welche sich in einem ansehnlichen 
Bergwerks- und Hüttenbesitz befand. Er hatte nur einen um 
2 Jahre jüngeren Bruder Ludwig. Der Vater starb bereits 1831, 
und dieser Umstand war von um so grösserem Einfluss auf die 
Erziehung der beiden Knaben, als der Oheim mütterlicherseits, 
Ludwig Haas in Dillenburg, ihr Vormund war. Sie blieben je- 
doch mit der Mutter bis zum Jahre 1844 in Heidelberg, wo Carl 
seine Schul- und Gymnasialbildung bis zur Prima erhielt. Durch 
Familienverhältnisse geleitet, widmet? er sich der bergmännischen 
Laufbahn und machte unter den Augen seines Oheims und Vor- 
mundes einen Cursus bergmännischer Arbeiten 1844 durch und 
vollendete im folgenden Jahre seine Gymnasialbildung auf der 
Real- Sohle I. Ordnung in Siegen, welche sich damals eines vor- 
züglichen Rufes erfreute. Zu Ostern 1846 bezog er die Univer- 
sität Heidelberg und setzte seine Studien 1848 in Marburg, 1849 
bis 1850 in Giessen fort. Anfänglich waren dieselben wesentlich 
auf die Naturwissenschaften, und zwar ziemlich gleichmässig auf 



die Zweige der beschreibenden, sowie der allgemeinen : Chemie 
und Physilt gerichtet. Der günstige Einfluss, den die breite Basis 
dieser naturwissenschaftlichen Studien auf seine spätere Entwicke- 
lung übte, blieb überall sichtbar. Durch den Willen seines Oheims 
und den Wunsch seiner Mutter wurde er bewogen, in eine 
praktische Laufbahn einzutreten, doch bevor er dazu überging, 
unternahm er 1852 eine grössere Reise und wanderte durch die 
Schweizer und Tyroler Alpen, später nach Italien. Auf dieser 
Reise beschäftigte er sich vorzugsweise mit Botanik, Mineralogie 
und Geognosie. Zurückgekehrt erhielt er auf Empfehlung seines 
alten Lehrers, des Geheimenrathes C. von Leonhard in Heidel- 
berg, die Aufsicht über die tief eingeschachteten, damals in eigen- 
thümlichem Betrieb stehenden Gipsgruben am Neckar unterhalb 
Heilbronn, welche sich im Besitze des Grafen von Reichenbach- 
Lessonitz befanden. Diese Stellung gab ihm auch schon Ver- 
anlassung zu litterarischer Thätigkeit. Er schrieb damals, 1853, 
über die Trias am Badenschen Neckar, und 1854 über den Gips- 
bergbau daselbst für »G. Leonhard, Beiträge zur mineralogischen 
Kenntniss Badens«. Er vertauschte jedoch bald diese Stelle mit 
der vortheilhafteren Direction des Kinzigthaler Bergwerks -Vereins, 
einer englischen Gesellschaft, welche die alt berühmten Silber- 
gruben von Schapbach im Schwarzwalde wieder aufgenommen 
hatte. Nachdem er sich am 3. April 1853 mit Sophie Göbel, 
Tochter des verstorbenen Besitzers der Burger Eisenwerke bei 
Dillenburg, seiner jetzt trauernden Wittwe, verheirathet hatte, 
verwaltete er diese Stelle bis zum Ende des Jahres und zog dann 
nach Dillenburg. Schon im folgenden Jahre verband er sich mit 
einigen nahen Anverwandten zur Uebernahme einer grösseren Zahl 
von Eisensteingruben und des Scheldener Werkes, eines mit aus- 
gedehnter Giesserei verbundenen Hochofens. Auf Wunsch der 
Gesellschaft übernahm er zunächst die technische Leitung, bald 
danach die ganze Geschäftsführung dieses Werkes, welche er 
12 Jahre lang führte. Als Frucht dieser Beschäftigung ist seine 
erste grössere, geologische Arbeit »Die palaeozoischen Schichten 
und Grünsteine in den Nassauischen Aemtern Dillenburg und 
Herborn«, zu betrachten, welche im 13. Hefte der Jahrbücher des 



Vereins für Naturkunde in Nassau 1858 erschienen ist. Er zeigte 
darin, wie seine wissenschaftliche Ausbildung, verbunden mit 
dem bergmännisch praktischen Blick, ihn zur Entwickelung der 
schwierigsten Lagerungsverhältnisse befähigte. In dem Falten- 
systeme der Schichten des rheinisch -westfälischen Devons giebt 
es wohl kaum eine Stelle, welche die Lahnmulde in Dillenburg 
und Herborn an Verwickelung übertreffen dürfte. So hatte sich 
Koch, nicht durch freie Wahl, sondern durch die Lage seines 
Wohnortes und durch Besitzverhältnisse veranlasst, gleich von 
Anfang an die schwierigste Aufgabe gemacht und sie mit grösster 
Ausdauer und Scharfsinn, mit feiner Beobachtungsgabe, unter leb- 
haftester Anerkennung der Fachgenossen gelöst. 

So günstig sich seine äusseren Verhältnisse im Anfange in 
Dillenburg bei dem Aufschwünge, den das Eisenhüttengewerbe in 
jener Zeit in Deutschland nahm, gestaltet hatten, so trat gegen 
Ende der 50. Jahre ein sehr erheblicher Rückgang in allen gewerb- 
lichen Verhältnissen ein, unter denen besonders die Eisenhütten 
sehr litten und schwere Verluste in ihren Abschlüssen zu ver- 
zeichnen hatten. Bei Koch äusserten sich diese Verhältnisse in 
höchst bitterer Weise. Er suchte seine Bergwerks- und Hütten- 
antheile zu veräussern, was erst im Jahre 1867 und nach und nach 
2 Jahre später unter sehr ungünstigen Verhältnissen gelungen ist. 

Er selbst drückte sich darüber in folgenden Worten aus: 
»Da ich meine materiellen Mittel verloren habe, bin ich auf meine 
Praxis als Civil-Iugenieur angewiesen«. Aber gerade in diesen 
gedrückten Verhältnissen zeigte er eine Stärke und Unabhängig- 
keit des Charakters und entwickelte, zwar bei harten Entbehrungen, 
eine Energie, die ihm die allgemeifiste Hochachtung seiner Mit- 
bürger in weiten Kreisen erwarb. 

In der Zeit, in welcher diese Zustände sich vorbereiteten, 
fällt eine bedeutungsvolle, zoologische Arbeit: 

»Das Wesentliche der Chiroptereu, mit besonderer Be- 
schreibung der in Nassau und den angrenzenden Landes- 
theilen vorkommenden Fledermäuse«, 
welche in dem 17. und 18. Doppelhefte der Jahrbücher des Vereins 
für Naturkunde in Nassau 1862 und 1863 veröffentlicht worden ist. 



Wir sehen hier in Koch den geübten, unermüdlichen Jäger, den 
keine Mühe verdriesst, das Leben der Thiere bis in die feinsten 
Züge hinein zu beobachten und in ihren Gründen zu erforschen, 
neben dem wissenschaftlichen Systematiker. Schon 1860 hatte er 
sich mit diesem Gegenstande eingehend beschäftigt, wie der Be- 
richt der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde 
zeigt, der die Fledermäuse Oberhessens zum Gegenstande der 
Beschreibung genommen hat. Ebenso behandelt er in der Pollichia 
1863 die Chiropteren der bayerischen Pfalz. Die letzte Arbeit 
über diesen von ihm mit grosser Beharrlichkeit und lebhaftestem 
Interesse verfolgten Gegenstand findet sich in dem Berichte der 
SENKENBERG'schen Gesellschaft von 1870: »Die Lebensweise der 
einheimischen Fledermäuse«. 

Im Herbste 1867 übernahm Koch den Unterricht in Minera- 
logie, Geologie, Physik, Chemie und Mathematik an der provisorisch 
wieder eingerichteten Bergschule in Dillcnburg. Bei seinen ge- 
diegenen theoretischen Kenntnissen und bei der seit frühen Jahren 
erworbenen Vertrautheit mit der Praxis des Bergbaues konnte er 
um so mehr in dieser Stelle leisten, als er bei seiner grossen 
Lebendigkeit die Schüler, junge praktische Bergleute, für ihren 
Beruf zu begeistern verstand. 

In der Zeit seiner Lehrthätigkeit an der Bergschule in Dillen- 
burg wurde ihm eine Anerkennung von Seiten der Universität 
Bonn durch Verleihung der philosophischen Doctorwürde honoris 
causa an dem 50jährigen Jubiläumsfeste derselben 1868 für seine 
vorzüglichen Leistungen im Gebiete der Zoologie und der Geologie 
zu Theil. Es gewährte ihm diese Auszeichnung nicht allein eine 
grosse Befriedigimg an sich, sondern besonders durch den Um- 
stand, dass ihm dieselbe an demselben Tage zu Theil geworden 
war, an dem Seine Kaisei'l. Königl. Hoheit der Kronprinz des 
Deutschen Reiches und von Preussen diese Huldigung der Bonner 
Universität entgegen zu nehmen geruht hatte. Gern erwähnte er 
diesen Umstand. 

Aber auch ein unmittelbarer Vortheil ergab sich für ihn 
daraus, als er im Herbst 1869 einen Ruf als Lehrer der Mathe- 
matik und Naturwissenschaften an die »Unterrichts -Anstalt der 



israelitischen Religions- Gesellschaft in Frankfurt a. M.« erhielt. 
Das Provinzial-SchulcoUegium in Cassel bestätigte seine Berufung 
unter Anerkennung der Facultas docendi für die beiden oberen 
Classen einer Realschule II. Ordnung in Mathematik und Natur- 
wissenschaften unterm 13. November 1869. Schon am 25. des- 
selben Monats erfolgte darauf seine Einführung in das neue Amt, 
wobei er den Amtseid leistete. 

Ein grösserer Wirkungskreis war seiner Lehrthätigkeit damit 
eröflhet, einen noch viel grösseren boten ihm die gebildeten, wissen- 
schaftlichen Kreise, welche sich in der reichen und eigenartig ent- 
wickelten Grossstadt vereinigten. Er hat nur 3 Jahre in Frankfurt 
gelebt, aber was er in dieser Zeit geleistet, ist wahrhaft erstaunens- 
werth, und ebenso zu bewundern, wie er sich unter dem Einflüsse 
der grossen Stadt in dieser Zeit selbst entwickelt hat. 

Die erste Zeit in Frankfurt brachte ihm strenge Arbeit unter 
vielfachen Entbehrungen. Er musste sich zum Zwecke des Unter- 
richts in Mathematik und Chemie wieder einarbeiten, er durfte 
dabei eigene, wissenschaftliche Arbeiten und seine Sammlungen 
nicht vernachlässigen. Er suchte einen weiteren Erwerb durch 
technische Gutachten, durch Unterricht an anderen Schulen und 
bei Privaten, so dass die Zahl der von ihm ertheilten Unterrichts- 
stunden zeitweise"" auf 39 in der Woche stieg. Im Jahre 1872 
lieferte er für das Programm der Schule eine ausführliche Ab- 
handlung über »die Architektur der Thiere«, eine Arbeit, die ihm 
viele Freude machte und in der er ein ganz ungewöhnliches 
Wissen mit vielen eigenen Beobachtungen in geistvollster Weise 
vereinigte. 

In der Schule wirkte er ungemein anregend, war von dem 
Direotor, dem geistreichen Rabbiner S. Hirsch und den CoUegen 
hoch geschätzt. Die Schüler waren voll von Vertrauen und Liebe 
zu ihm, die sie auch dadurch bewiesen, dass sie ganz besonders 
Rath bei dem ehemaligen Lehrer suchten. Sein Nachfolger im 
Schulamte bezeugt, wie schwer es ihm geworden, nach einem 
solchen Manne sich zur Geltung zu bringen. 

Einen grossen Einfluss hat Kocii während dieser Zeit in den 
»Vereinen für naturwissenschaftliche. Unterhaltung« und in der 



»SENKENBERG'schen naturforschenden Gesellschaft« in weiten Krei- 
sen in Frankfurt geübt, der sich auch noch nach seinem Scheiden 
fortsetzte. Zu dem ersteren Vereine war er vom Anfange seines 
Aufenthaltes an, von 1869 bis 1880, thätig. Er war im Jahre 
1871/72 Präsident desselben. Kaum einem seiner Mitglieder hat 
dieser Verein so viel belehrende Anregung, so viel eigenthümliche 
Mittheilungen zu danken, als ihm. Als Koch 1872 FrankfVirt ver- 
liess und seinen Wohnsitz in dem nahen Wiesbaden nahm, kam 
er vielfach an einzelnen Tagen dorthin, um Vorträge in der 
SENKENBERG'schen Gesellschaft zu halten. Dieselben waren auf 
die Sitzungstage des Vereins für naturwissenschaftliche Unter- 
haltung verlegt, damit auch dessen Mitglieder seine Anwesenheit 
geniessen konnten, die sich alsdann zahlreicher als sonst mit der 
sichersten Aussicht auf einen lehr- und genussreichen Abend ver- 
sammelten. 

In der SENKENBERG'schen naturforschenden Gesellschaft hielt 
er bereits am 8. Januar 1870 den ersten Vortrag: ȟber die 
Lebensweise der einheimischen Fledermäuse«. Als wirkliches, 
arbeitendes Mitglied dieser Gesellschaft wurde er am 22. Januar 
aufgenommen. In dem Jahresbericht dieser Gesellschaft 1871/72 
ist eine Abhandlung: »Beiträge zur Kenntniss der Arachniden 
der Canarischen Inseln« gedruckt, zu der das Material von Dr. 
Grenacher und Dr. Noll auf eine für die Rüppel - Stiftung aus- 
geführten Reise auf Teneriffa im September 1871 gesammelt war; 
ebenso: »Die Formen und Wandlungen der ecaudaten Batrachier 
des Unter-Main und Lahngebietes«, eine, besonders wichtige, in 
vielen Beziehungen grundlegende und allgemein anerkannte Arbeit. 
Darauf folgen im Jahresbericht 1872/73 »Beiträge zur Kenntniss 
der Arachniden Nord -Afrikas, insbesondere der in dieser Richtung 
unbekannt gebliebenen Gebiete des Atlas und der Küstenländer 
von Marocco«. In demselben ist das Material verarbeitet, welches 
Dr. Frhr. von Fritsch und Dr. Rein im Frühjahr 1872 gesammelt 
hatten. Er nahm hieran um so grösseren Antheil , als er längere 
Zeit hindurch die Absicht gehabt, sich den beiden Reisenden 
anzuschliessen und ernstliche Vorbereitungen zu diesem Zwecke 
getroffen hatte. Schliesslich gab er diesen Plan auf, da bereits 



andere Arbeiten für ihn in naher Aussicht standen. Darauf folgen 
Vorträge : 

»Lebensweise und Nestbau der bei uns einheimisclien Spinnen«, 

»Neuere Anschauungen über die geologischen Verhältnisse«, 
in der wissenschaftlichen Sitzung vom 25. März 1876. 

»Beitrag zur Kenntniss der Ufer des Tertiär-Meeres im Mainzer 
Becken.'« 5. März 1877. 

Die beiden letzteren Arbeiten fallen bereits in die Zeit, in der 
Koch seinen Wohnsitz von Frankfurt nach Wiesbaden verlegt 
hatte, und so mag denn auch hier gleich als eine Folge seines 
Aufenthaltes in Frankfurt erwähnt werden, dass er noch später in 
Frankfurt, auf Veranlassung der SENKENBERG'schen naturforschenden 
Gesellschaft, Vorträge über geologische Gegenstände gehalten hat, 
und zwar im Winter 1876/77 ȟber Geologie, mit besonderer 
Berücksichtigung der Gegend von Frankfurt«; im Winter 1878/79 
»über Geognosie und Palaeontologie der älteren (palaeozoischen) 
Gebirgsformatiouen, mit besonderer Berücksichtigung des Taunus« 
und im Winter 1879/80 ȟber neozoische Schichten, besonders 
über das Mainzer Becken und die Diluvialgebilde«. Diese Vor- 
lesungen wurden sehr stark besucht und fanden in den gebildeten 
Kreisen Frankfurts ungetheilten Beifall durch ihre ungemeine Klar- 
heit, die Lebendi^eit und Gewandtheit des Vortrages. 

Seine Sympathie für die SENKENitBERGsche Gesellschaft be- 
thätigte er durch seine regelmässige Theiluahme an deren Jahres- 
festen und dadurch, dass er bereitwilligst die Bearbeitung ' des 
Capitels »Bodenverhältnisse der Stadt Frankfurt« für die Fest- 
schrift zum Jubiläum von Varrentrapp übernahm, wozu er mehr 
wie jeder andere durch seine geologische Kartirung der Section 
Fraiikfurt und der angrenzenden Sectionen im Maassstabe von 
V25000 befähigt war. 

Bereits im Jahre 1870 begann die Veröffentlichung der 
geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen 
Staaten, wobei die Messtischblätter im Maassstabe von 1 : 25000 als 
topographische Grundlagen verwendet wurden. Sobald als diese 
Karten für den Regierungsbezirk Wiesbaden vollendet waren und 
eine Ausdehnung der geologischen Aufnahmen auf diesen Landes- 



theil ermöglichten, wurde KoCH als die bei Weitem geeignetste 
Persönlichkeit zu der Ausführung dieser wichtigen und grossen 
Arbeit in Aussicht genommen. Die Entwickelung der »Geologi- 
schen Landesanstalt« verzögerte sich jedoch so, dass Koch erst 
unterm 14. Mai 1873 zum Königl. Landesgeologen, mit Beibehal- 
tung seines Wohnsitzes in Wiesbaden, ernannt wurde. Er hatte 
sich schon im Jahre 1871 mit innerster Befriedigung zur Annahme 
dieser Stelle bereit erklärt, in Aussicht auf eine für ihn ganz ge- 
eignete und höchst erfolgreiche Thätigkeit. Am 24. October 1874, 
1^2 Jahr nachdem er diese Stelle angetreten hatte, schrieb er: »So 
habe ich in meinem 47. Lebensjahre den segensreichen Wirkungs- 
kreis gefunden, den ich seit meinem 2.3. Lebensjahre vergeblich 
erstrebt hatte. Im aufrichtigsten Dankgefühle für die Männer der 
Wissenschaft, welche dazu beigetragen, zähle ich mich unter 
die in ihrem Berufe Glücklichen der Erde.« 

Schon vorher war ihm vom 1. October 1872 an provisorisch 
die Lehrerstelle für Naturwissenschaften an der Königl. Land- 
wirthschaftHchen Lehranstalt (Oekonomie-Schule) zu Hof-Geisberg 
übertragen worden. Definitiv wurde er vom Landwirthschaftlichen 
Ministerium am 29. November 1873 dazu ernannt und bekleidete 
diese Stelle bis zur Aufhebung der Anstalt. Er hatte beide Stellen 
um so leichter mit einander verbinben können, als die letztere ihn 
nur vs'ährend des Winter- Cursus in Anspruch nahm. 

Wie sehr Koch vorbereitet war, die Kartirung des Taunus 
und der neozoischen Bildungen an dessen Abhänge und Fusse bis 
zum Rhein und Main auszuführen, zeigte sich bereits am 13. und 
14. September desselben Jahres in der allgemeinen Versammlung 
der Deutschen geologischen Gesellschaft in Wiesbaden, wo er die 
bis dahin angefangenen Sectionen der Karte nebst den dazu ge- 
hörigen Belegstücken vorlegte. Mehr noch giebt darüber Auskunft 
der erste Bericht, den er an den Vorstand der Königl. Landes- 
Untersuchung am 30. November 1873 erstattete. 

Mit welchem überaus grossem Eifer sich Koch diesen 
Arbeiten hingab, wurde in der im folgenden Jahre (1874) am 
] 3. September in Dresden gehaltenen Conferenz der Mitarbeiter der 
Preussischeu geologischen Landesanstalt klargestellt, als er unter 



Vorlegung einer, den Zusammenhang des Taunus und seiner links- 
rheinischen Fortsetzung darstellenden Uebersichtskarte über seine 
Aufnahmen der Sectionen Eltville, Wiesbaden, Langenschwalbach, 
Platte, ferner Königstein und Hochheim berichtete, welche er im 
Herbst, resp. im Winter zu vollenden gedachte. Die 4 ersteren 
waren nach dem Berichte über die Thätigkeit der geologischen 
Landesanstalt in den Jahren 1873 und 1874 bis dahin druckfertig 
hergestellt, während die beiden letzteren in AngrilF genommen 
sind. Die letzteren wurden 1875 mit dem rechtsrheinischen Theil 
der Section Pressberg vollendet. Diese 6 Kartenblätter mit ihren 
Erläuterungen sind erst 1880 als 15. Lieferung der geologischen 
Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten in die 
Oeffentlichkeit getreten. Sie verdienen aber bereits an dieser Stelle 
erwähnt zu werden, da sie die grösste geologische Arbeit umfassen, 
welche vollendet bei dem Ende ihres Verfassers vorliegt und die 
grösste Anerkennung bei allen Fachgenossen, auch des Auslandes, 
gefunden hat. Er hat im Verfolg der Jahre noch eine weitere 
Reihe von Sectionen dieser Karte vollendet, aber es war ihm nicht 
vergönnt, deren Erscheinen zu erleben und die Erläuterungen der- 
selben abzuschliessen. 

Zum Beweise seines unermüdlichen Arbeitseifers sei hier nur 
angeführt, dass bis Ende 1880 die nächst zu erscheinende Liefe- 
rung, die 4 Blätter: Schwanheim, Sachsenhauseu, Rödelheim und 
Frankfurt a. M. so weit fertiggestellt waren, dass der Farbendruck 
beginnen konnte; die Erläuterungen sind zum Theil nur theilweise 
bearbeitet. Auch für die demnächst folgende Lieferung, die 6 Blätter: 
Kettenbach, Idstein, Feldberg, Homberg v. d. Höhe, Limburg und 
Eisenbach enthaltend, ist die Schlussrevision beendet. Die Notizen 
für die Erläuterungen sind zwar vorhanden, aber leider nicht be- 
arbeitet. 

Im Jahre 1878 wurden seine Untersuchungen in ihrer topo- 
graphischen Reihenfolge durch den Auftrag der Ministerien unter- 
brochen, die Quellenverhältnisse von Ems zu untersuchen. Er hat 
darüber einen sehr umfassenden und höchst wichtigen Bericht er- 
stattet, der aber bis jetzt noch nicht veröffentlicht ist, was er in 
jeder Beziehung verdient. Diese Arbeit gab ihm Veranlassung, 



viele Aufnahmen in den Blättern Ems, Oberlahnstein, Schaumburg, 
Dachenhausen, Rettert und Algenroth auszuführen, die aber noch 
nicht zum Abschluss gediehen sind. Untersuchungen in dem Blatt 
Dillenburg und Herborn führten ihn im Jahre 1881 auf sein erstes 
und ihm in den kleinsten Details bekanntes Arbeitsfeld zurück. 

Aber leider wurden dieselben durch zunehmendes körperliches 
Leiden unterbrochen, welches ihn schon zwei Jahre vorher zeit- 
weise an anstrengender Arbeit gehindert hatte. Seine Freunde 
können sich der Befürchtung nicht entschlagen, dass er durch das 
Uebermaass seines Eifers in der Verfolgung seiner Ziele und der 
Förderung des grossen Werkes zu wenig seine sonst rüstige Ge- 
sundheit beachtet und dadurch wesentlich sein zu frühzeitiges, tief 
beklagenswerthes Ende herbeigeführt hat. 

Wenn oben dem Bedauern Ausdruck gegeben worden ist, 
dass Koch's Bericht über die Quellen von Ems bis jetzt noch den 
Kreisen seiner Fachgenossen unbekannt geblieben ist, so hat sein 
dortiger Aufenthalt doch wesentlich dazu beigetragen, eine andere, 
sehr wichtige Arbeit über eine »brennende Frage« in die Oeffent- 
lichkeit und ihrer Lösung näher zu bringen. In dem Jahrbuche 
der Königl. Preussischen geologischen Landesanstalt und Berg- 
akademie für 1880 ist die Abhandlung »über die Gliederung der 
rheinischen Unterdevon -Schichten zwischen Taunus und Wester- 
wald« mit einer Tafel von Profilen (S. 191 — 242) abgedruckt. 

Ich habe mich in der Sitzung der Niederrheinisohen Gesell- 
schaft für Natur- und Heilkunde am 20. Juni 1881 ' über den 
hohen Werth dieser Abhandlung ausführlich geäussert und beson- 
ders hervorgehoben, dass diese von Koch vorgeschlagene. 
Gliederung des Unterdevon immer Berücksichtigung 
wird finden müssen, wenn die nördlich vom Westerwalde ge- 
legenen Theile des Unterdevon bis zu ihrer oberen Grenze gegen 
das Mitteldevon einer ähnlichen Untersuchung unterworfen sein 
werden. Dasselbe gilt für die westliche Fortsetzung der gleichen 
Schichten von dem linken Rheinufer bis zur Grenze von Belgien 
und Luxemburg. 

In demselben Bande ist eine Mittheilung von KoCH ȟber 
die im Herbste 1879 auf der Grube Eleonore bei Fellingshausen 

b 



und Bieber (Hinterland-Kreis des Reg. -Bez. Wiesbaden) auf- 
geschlossenen Vorkommen von Pflanzenresten, mit 1 Holzschnitt« 
enthalten, welche, wiewohl nur einen ganz speciellen Fall be- 
treffend, doch zeigt, wie der Verfasser durch Berücksichtigung 
aller Verhältnisse es verstand, eine einfache und richtige Deutung 
zu finden, wo Irrthum und Missverständniss bei einer oberfläch- 
lichen Untersuchung so leicht entstehen konnte. 

Um die Vielseitigkeit, die Kocii in den verschiedensten 
Richtungen entwickelte, hervortreten zu lassen, mögen hier die 
verschiedenen Vereine in chronologischer Reihenfolge aufgeführt 
werden, denen er angehörte, mit dem Datum der Aufnahme. 

1. Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau. Wies- 
baden, 15. Januar 1852. 

2. Landwirthschaftlicher Verein im Herzogthum Nassau. 
Wiesbaden, 10. October 1855. 

3. Vorsitzender des Herzoglich Nassauischen Local-Gewerbe- 
Vereins in Dillenburg. 

4. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 
Giessen, 9. Februar 1857. 

5. Naturhistorischer Verein der Preussischen Rheinlande und 
Westfalens. Bonn, 19. Januar 1858. 

6. Mittelrheinischer geologischer Verein. Darmstadt, I.Juni 
1858. 

7. Deutsche geologische Gesellschaft. Berlin, 7. August 
1861; vorgeschlagen von Bornemänn, Roth und Senkt, unter 
Mitscherlich's Vorsitz. 

8. Pollichia, naturwissenschaftlicher Verein der Rheinischen 
Pfalz. Dürkheim, 5. September 1863. Ehrenmitglied. 

9. Offenbacher Verein für Naturkunde. Offenbach, 3. April 
1868. Correspondirendes Mitglied. 

10. SENKENBEEG'sche naturforschende Gesellschaft in Frank- 
furt a. M. 22. Januar 1870. 

11. Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung in Frank- 
furt a. M. Präsident 1871/72. 

12. Kaiserliche Leopoldino- Carolinische Akademie deutscher 
Naturforscher; vorgeschlagen und emj)fohlen durch den Adjuncteii 



des 6. Kreises, Geheimen Hofrath Fresenius, Dr. Spiess in Frank- 
furt a. M. und Professor Tiiomae in Wiesbaden, Section für Mine- 
ralogie und Geologie. Halle a. S., 3. November 1874. 

13. Verein Nassauischer Älterthumsfreunde. Wiesbaden, l.De- 
cember 1874. 

14. Rheinische naturforschende Gesellschaft. Mainz, 1. Ja- 
nuar 1879. 

In den Jahrbüchern des Vereins für Naturkunde in Nassau 
finden sich zahlreiche Arbeiten und Vorträge von KoCH, die schon 
im 7. Hefte H. 1851 beginnen und bis zu seinem Lebensende 
fortgehen. »Beiträge zur Kenntniss der Mollusken des oberen 
Lahn- und Dillgebietes von Fr. Sandberger und C. Koch. 
S. 276 — 285.« Die 7 Species, welche als in Nassau neu auf- 
gefunden bezeichnet werden, sind von KoCH in der Gegend von 
Dillenburg gesammelt worden. Schon als Schüler hatte er mit 
grosser Aufmerksamkeit das Sammeln von Thieren verschiedenster 
Classen betrieben und seinen Blick geschärft. Zur Auffindung 
neuer Species gehörte aber schon ein bedeutendes Maass von 
Kenntnissen. 

Das 12. Heft 1857 enthält in den »Mineralogischen Notizen 
von Dr. G. Sandberger« S. 396 unter den Nummern 10 bis 29 
Mittheilungen von Kocii, unter denen sich mehrere sehr inter- 
essante Funde: wie Quarz mit seltenen Krystallflächen, Lievrit, 
Franklinik, natürliche Mennige, Kupfernickel (Nickelin) und Kobalt- 
nickelkies, auszeichnen. 

Das 14. Heft 1859, S. 455, enthält das Protokoll über die 
9. Versammlung der Sectionen vom 5. October d. J. in Dillenburg 
und den Vortrag, den Kocii über das Oberdevon (Kramenzel) 
und den Culm in der Gegend von Oberscheid und der Eisernen 
Hand gehalten hat; ferner vom folgenden Tage den Vortrag 
über Unter- und Mitteldevon, wobei er über den Orthoceras- 
Schiefer sehr richtige und den heutigen entsprechende Ansichten 
äusserte. 

Das 15. Heft 1860, S. 232, bringt das Protokoll der 10. Ver- 
sammlung vom 30. und 31. Mai d. J. in Diez, den am letzten Tage 
von Koch gehaltenen, ausführlichen Vortrag über die Culmformation 

b* 



in Nassau, wobei er auch die beiden darin aufgefundenen Cri- 
noiden: Lophocrinus S'peciosus und Poteriocrinus regidaris, beide 
von H. VON Meter beschrieben, erwähnt. 

Im 17. Hefte 1862 enthält das Verzeichniss der in Nassau 
vorkommenden Säugethiere und Vögel von A. RöjrER sehr inter- 
essante Beiträge von Koch, vorzugsweise bei den Myoxinen und 
den Chiropteren; bei den Letzteren fehlt er bei keiner Species als 
Gewährsmann. 

Die wichtige, ausführliche Abhandlung über die Chiropteren 
ist bereits oben erwähnt. In der 11. Versammlung der Sectionen 
in Ems am 13. Juni 1862 sprach Koch über die Chiropteren in 
der Gegend von Dillenburg unter Mittheilung vieler neuen Beob- 
achtungen und Vorzeigung von Exemplaren. 

Das 19. und 20. Heft 1864—1866 enthält das Protokoll der 
12. Versammlung zu Weilburg am 2. Juni 1865, in der Kogh die 
Blätter der von DECHEN'schen Karte von Rheinland und West- 
falen vorlegte und diejenigen Theile näher erläuterte, welche sich 
auf Nassau beziehen, fern-er hielt er einen Vortrag über den 
Orthoceras- oder Wissenbacher Schiefer, über dessen Stellung 
immer noch Zweifel obwalteten und der nun auch im Thale des 
Rupbaohes unfern Balduinstein aufgefunden worden ist, und legte 
interessante Versteinerungen aus demselben vor. 

In demselben Hefte finden sich noch Beobachtungen von 
Koch in den »mineralogischen Notizen und Pseudomorphoscn von 
Grandjean«. S. 89. 

In der Versammlung in Dillenburg am 21. April 1870 hielt 
Koch, der inzwischen seinen Wohnsitz nach Frankfurt verlegt hatte, 
einen ausführlichen Vortrag über Arac'huiden und Myriapoden. 

Im folgenden Jahre finden wir ihn auf der Versammlung am 
22. October in Rüdesheim wieder, wo er einen Vortrag über den 
Dimorphismus der Batrachier hielt und Präparate des Larven- 
zustandes und der entwickelten Thiere vorlegte. 

Im 27. und 28. Jahrgänge 1873 und 1774 liefert Kocn S. 185 
bis 210 eine werthvolle Abhandlung: »Beiträge zur Kenntniss der 
Nassauischen Arachniden 1.«, mit denen er sich seit länger als 
8 Jahren eingehend beschäftigt hatte. 



In der Versammlung zu Ems am 29. September 1872 sprach 
er über einige von ihm beobachtete Spinnen und besonders über 
eine Würgspinne, die in südlicheren Gegenden seit länger bekannt, 
er jetzt auf dem Westerwalde in Menge gefunden hat. 

In der Vorstandssitzung am 25. Februar 1873 wurde die Bil- 
dung einer vierten palaeontologischen Section in dem Vereine be- 
schlossen und Koch vorläufig als deren Vorsteher bezeichnet. In 
der Generalversammlung am 21. Juni d. J. wurde derselbe, in- 
zwischen zum Königl. Landesgeologen ernannt, einstimmig für 
diese Stelle gewählt. Er hielt in derselben Sitzung einen Vortrag: 
»Züge aus dem Leben der Spinnen«. 

In der 16. Versammlung am 23. August 1874 in Höchst be- 
richtet Koch über die Thätigkeit der palaeontologischen Section, 
erläutert die geologischen Verhältnisse des j Grindbrunnen in Frank- 
furt a. M.« und spricht über die beiden in Nassau vorkommenden, 
im Süden heimischen Schlangen: Elaphis flavescens (Schlangenbader 
Natter) und Tropidonotus tesselatus. 

In der 17. Versammlung in Diez, 19. Juni 1875, trägt KoCH 
den Sectionsbericht vor und macht eine Mittheilung über seine 
Untersuchungen des Taunusquarzit, welcher sich zunächst dem 
Spiriferensandstein anschliesst. 

Der Verein rief eine neue, für Wiesbaden wichtige Einrich- 
tung ins Leben: wöchentliche Abendsitzungen zu freier Besprechung 
naturwissenschaftlicher Gegenstände, welche am 1. December be- 
gannen. Koch nahm wesentlich Antheil daran und er war ganz 
der Mann dazu, um Sitzungen dieser Art eine grosse Anziehungs- 
kraft zu geben und zu erhalten. 

In der 18. Versammlung in Homburg v. d. Höhe am 13. Mai 
1877 hielt er einen Vortrag über: »die geognostischen Verhält- 
nisse der Umgebung von Homburg« , wobei er sich auch über 
die unter dem Namen »Hercyn« zusammengefasste Schichtenfolge 
äusserte. 

In der 19. Versammlung, die noch in demselben Jahre in 
Rüdesheim am 14. October stattfand, sprach Koch über: »die 
geologischen und orographischen Verhältnisse in der Umgebung 
von Rttdeslieim«. 



In der darauffolgenden Generalversammlung am 22. December 
hielt er einen Vortrag ȟber geologische Kartirung in ihren 
Principien, Zwecken und gegebenen Mitteln«. 

Wenige Tage nachher eröffnete er »die Reihe der Winter- 
vorträge im Museumssaale in Wiesbaden, 9. Januar 1878, und 
sprach über das Leben im Mainzer Tertiär-Meere und dessen con- 
tinentaler Umgebung«. 

In der 20. Versammlung in Limburg a. d. Lahn, 15. Juni 1878, 
berichtet Koch über »tertiäre und diluviale Kiesablagerungen des 
Mainzer Beckens und des Lahnthaies in der Umgegend dieser 
Stadta, sowie über »Löss«. 

In der 21. Versammlung in Biebrich, 8. Juni 1879, machte er 
Mittheilungen über »die neuesten Forschungen seines Freimdes 
Oscar Böttcher im Mainzer Tertiärbeoken, Veränderungen der 
Flussläufe durch Erosion, Verhältnisse der Schichtenfolge des 
Rhein- und Mainthaies, welche zwischen der Tertiärzeit und der 
Jetztwelt abgelagert wurden« , wobei er des Rheindurchbruches 
bei Bingen gedachte und verschiedene Profile zur Bestätigung des 
Vorgetragenen vorlegte. 

Die Generalversammlung am 21. December 1879 war mit der 
Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens des Nassauischen Vereins 
für Naturkunde und' mit der der 25jährigen Thätigkeit des Pro- 
fessor Kirschbaum als Secretär desselben und Museums-Inspector 
verbunden. Bald nachher trat ein Ereigniss ein, welches ebenso 
wohl diesen Verein betraf, als auf die Thätigkeit von Koch einen 
grossen Einfluss äusserte. 

Im Museumssaale hielt Koch am 2. Februar 1880 ȟber die 
Wirkungen von Polareis und Gletscher« einen Vortrug. 

Professor Kirschbaum wurde am 29. Februar 1880 von einem 
Schlaganfalle betroffen, der am 3. März das Ende seines erfolg- 
reichen Wirkens herbeiführte. Der Nekrolog desselben aus Kocris 
Feder findet sich im Jahrbuche Heft 31, 32, 1878 — 1879, S. 324 
bis 334. Wer hätte damals ahnen können, dass er dem Freunde 
sobald nachfolgen würde. Ilofrath Lehr, Ehrenmitglied des Ver- 
eins, führte einstweilen die Geschäfte des Secretärs, während 



Koch durch Ministerial -Verfügung vom 21. September 1880 zum 
Museums -Inspector und Secretär des Vereins ernannt wurde. Er 
war der vorzüglichste Ersatz, der für diese Stelle gefunden werden 
konnte, doch hat er sich nur schwer zur Annahme entschlossen, 
da er fürchtete, dass die Geschäftsführung seine Arbeiten als 
Landesgeologe benachtheiligen würde. 

Koch erstattete als Secretär des Vereins bereits den Jahres- 
bericht in der Generalversammlung vom 18. December 1880. Den 
folgenden, der in der Versammlung 1881 vorgelesen wurde, hat er 
zwar noch geschrieben, aber er war durch die zunehmende Krank- 
heit bereits an der persönlichen Theilnahme verhindert. Seine 
Freunde waren von den schlimmsten Besorgnissen erfüllt und 
sahen dunklen Blickes in die Zukunft. 

Es konnte in dieser letzten Versammlung angezeigt werden, 
dass im nächsten Jahrbuche wieder zwei wichtige Arbeiten von 
Koch erscheinen wurden, eine über »das Diluvium des Rhein- 
und Maingebietes«, die andere über »die Unter- und Mittel- 
Devonschichten des Lahngebietes«, welche besonders zur Ergän- 
zung und Berichtigung früherer Mittheilungen über diese Gebirgs- 
formationen dienen sollte. Der güntige Einfluss, den KoOH in 
der kurzen Zeit des Jahres bereits auf den Verein geübt hatte, 
zeigte sich in der Zunahme von 30 Mitgliedern. 

Damit ist die Thätigkeit von Koch in verschiedenen Vereinen 
noch keineswegs abgeschlossen. 

In dem Local- Gewerbe -Verein in Dillenburg hielt Koch 
populäre, auf den Kreis seiner Zuhörer wohl berechnete Vorträge 
wodurch er sehr anregend wirkte: 

»Ueber Vulkane und Erdbeben«, 3. Februar 18B2. 

»Ursachen und Wirkungen feuerspeiender Berge«, 24. No- 
vember 1864. 

»Ausgestorbene Thiere und Pflanzen«, 26. Februar 1866. 

»Meteorsteine«, 28. Februar 1866. 

»Sternschnuppen und Irrlichter«. 

»Der Stein der Weisen«, 3. November 1867. 



In der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde 
hielt Koch einen Vortrag »über die Fledermäuse Oberhessens 
und der angrenzenden Ländertheile«. 8. Bericht. Giessen 1860. 
S. 25 — 52. 

Die Versammlungen des naturhistorischen Vereins der Preuss. 
Rheinlande und Westfalens hat KoCH seit 1852, wo er in Siegen, 
10. Juli, einen Vortrag über die »Eisenspilite der Umgegend von 
Dillenburg« hielt, der in den Verhandlungen des Vereins Jahrg. 19, 
S. 302 — 308 abgedruckt ist, öfter, ganz besonders von 1872 an, 
besucht. In diesem Jahre hielt er in Wetzlar, 21. Mai, einen 
Vortrag ȟber die im Rheiulande und seinen Umgebungen beobach- 
teten 17 Betrachier-Sj^ecies in ihren verschiedenen Entwickelungs- 
Zuständen«, und legte Präparate derselben vor. 

So in Bonn, 5. October 1874, wo er einen Vortrag ȟber die 
krystallinischen , metamorjDhischen und devonischen Schichten des 
Taunus« hielt. 

4. October 1875 zeigte er ein Stück von der geglätteten 
Oberfläche des Felsens Grauerstein bei Naurod vor, welcher einem 
mächtigen Quarzgange angehört und für die er eine kaum ge- 
nügende Erklärung vorschlug. 

2. October 1876 sprach er über »die Versteinerungen im 
Taunusquarzit zwischen der Saalburg und dem Weissberge bei 
Homberg v. d. Höhe« ; über die »stammförmigen Gebilde von 
Okstadt in der Wetterau«, welche er mit ähnlichen verglich, die 
im Quarzitbruche unter der Saalburg, am Kühkopfe bei Friedberg 
und auf dem Kammerforst bei Aulhausen vorkommen. Es bleibt 
zweifelhaft, ob dieselben organischen oder anorganischen Ur- 
sprunges sind. 

1. October 1877 erläuterte er die Felsglättung am Grauen- 
stein bei Naurod in befriedigendster Weise durch die Reibung 
der Gerolle beim Ablauf der Gewässer des Lahnbeckens nach 
dem Mainzer Tertiärmeere quer durch den Taunus. 

In der Generalversammlung des Vereins am 11. Juni 1878 
in Barmen machte KoCH eine Mittheilung über die in Rheinland- 
Westfalen vorkommenden Säugethiere, besonders die Fledermäuse, 



von denen er 18 Species kennt, darunter 2 Ueberläuf'er aus an- 
deren Gebieten und 2 als Wanderthiere. 

Am 3. October 1880 in Bonn sprach er über das Vorkommen 
der Gattung Homalonotus im Rheinischen Unterdevon. Die im 
Jahrgang 37 der Verhandlungen S. 133 — 141 gedruckte Analyse 
dieses Vortrages kann als Prodrom der leider unvollendet geblie- 
benen Arbeit gelten, deren Fertigstellung er noch in seinen letzten 
Lebenstagen seinem Freunde Professor Kayser (Berlin) über- 
tragen hat. 

Endlich machte er Bemerkungen über die vorgelegten stamm- 
förmigen Gebilde aus dem Unterdevon von Hilchenbach bei Siegen, 
welche er mit den ähnlichen Bildungen aus dem Taunusquarzit 
verglich. 

In dem 12. Bericht des Ofienbacher Vereins für Naturkunde 
fiir das Jahr 1870/71, Offenbach 1871, S. 52 findet sich eine Ab- 
handlung von Koch : »Beiträge zur Kenntniss der Opilioniden des 
Mittel -Rheingebietes«. Sie stehen als 1. Familie der Arthrogastra 
den Arachneen am nächsten. Er kennt 9 Geschlechter derselben. 

Bei den allgemeinen Versammlungen der Deutschen geologi- 
schen Gesellschaft ist KochI) in Wiesbaden als Geschäftsführer 
thätig. gev\resen. Seine wissenschaftliche Thätigkeit in dieser Ver- 
sammlung sowie der folgenden in Dresden 1874, 13. September, 
ist bereits oben erwähnt. 

In München, 13. und 14. August 1875, hat er sich ausführlich 
über die Versteinerungen von Wissenbach geäussert, die Schiefer- 
porphyroide am südlichen Rande des Unterdevon von Siegen 
besprochen und ein Stück von der geglätteten Oberfläche des 
Quarzfelsen Grauerstein bei Naurod vorgelegt. Die Nähe der Alpen 
veranlasste ihn, nach dieser Versammlung noch einmal Tyrol zu 
durchwandern. 

In Berlin, 11. August 1880, sprach er über die Mineralquellen 
an der unteren Lahn, besonders über diejenigen bei Ems. 



1) Derselbe wohnte der Vez'sammlung in Heidelberg nach dem Verzeichnisse 
der anwesenden Mitglieder am 13. und 14. September 1869 bei. 



In Saarbrücken, 9. August 1881, hielt er einen Vortrag über 
die »Lagerungs Verhältnisse der Schiefer von Wissenbach«, die ihn 
seit so langen Jahren beschäftigt hatten und wobei er körperlich 
schon recht leidend sich mit grosser Klarheit über die Eintheilung 
der Devonschichten verbreitete. Es war der letzte Vortrag, den 
er in einer wissenschaftlichen Versammlung gehalten hat. Allen, 
die ihn damals gehört haben, wird er unvergessen sein. 

In den Schriften anderer Vereine finden sich folgende Mit- 
theilungen von Koch : 

Notizblatt des Vereins für Erdkunde und verwandte Wissen- 
schaften zu Darmstadt und des mittelrheinischen geologischen 
Vereins 1857: Dachschiefer im Culm. Ferner April 1860, No. 41, 
S. 6 unter der Rubrik »geologische Correspondenz« steht eine 
Mittheilung über die in alten Gruben der Gegend von Dillenburg 
vorkommenden sogenannten » Vitriol- Eier« , Schalen von Braun- 
eisenerz, die mit einer concentrirten Lösung von Eisenvitriol er- 
füllt sind. Er giebt eine recht ansprechende Erklärung dieser 
Gebilde, welche aus Kugeln von Pyrit entstanden sind. 

Dann No. 42 und 43: »Das Vorkommen von Schwefelkiesen 
und Pseudomorphosen nach denselben in der Kramenzelformation«. 

In dem Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. von Dr. 
C. NoLL, 1870, fiirdet sich eine Notiz ȟber einen blinden Albino 
unter den Fledermäusen«; ferner vom Jahre 1871: »über Atypus_ 
Sulzen«; vom Jahre 1881: »Beobachtungen an einer sogenannten 
Singmaus « . 

In dem Nachrichtsblatt der malakozoologischen Gesellschaft 
zu Frankfurt a. M. 1871: ȟber Vitrina Heyneinaimi, verglichen 
mit den verwandten Alten, mit Abbildungen«; darin sind zuerst 
die Merkmale hervorgehoben, welche das Thier selbst zur Unter- 
scheidung der Ai't bietet. 

»Veränderungen in Conchylien- Faunen«. 

Im Jahrbuche dieser Gesellschaft von 1874: »Beschreibung 
und Abbildung von Limax (Agrioiimax) Fetschenkoi (Koch und 
Heynemann) und von Aucalia iiiaculata (K. und H.) aus Tur- 
kestan«. 



In dem Jahresbericht des Frankfurter Taunus-Club von 1873: 
»die Reptilien des Taunus -Gebietes«. 

In der Zeitschrift des Deutschen und Oesterreichischen Alpen- 
Vereins von 1875: »zur Fauna des oberen Oetzthales«. 

Aus der Aufzählung so vieler Arbeiten, die KoCH geliefert 
hat, so vieler Versammlungen wissenschaftlicher Vereine, die er 
besucht und in denen er anregende und bedeutende Vorträge ge- 
halten hat, ergiebt sich, dass er mit ungewöhnlicher Arbeitskraft 
ausgestattet, im andauernden Eifer für die Wissenschaft, eine un- 
ermüdliche Thätigkeit geübt hat. In einer eigenhändigen Auf- 
zeichnung aus dem Jahre 1874 bemerkt er über die wissenschaft- 
lichen Reisen, die er während seines Aufenthaltes in Dillenburg 
und während der Schulferien in Frankfurt a. M. ausgeführt hat 
und über die mir sonst keine besonderen Nachrichten zu Gebote 
stehen, dass sich dieselben auf den mittleren und südlichen Theil 
von Central- Europa erstreckten, auf denen er vom Strande der 
Nordsee und des Mittelmeeres an, durch verschiedene Höhenlagen 
und in den Alpen bis zu 4000™ über der Meeresfläche die Fauna- 
Gebiete einzelner Thierabtheilungen verfolgt und zum Gegenstande 
seiner Beobachtungen und Studien gemacht hat. 

Möge es mir verstattet sein, einige Worte über meine Be- 
ziehungen zu dem so viel jüngeren, nun in den Jahren reifer Ent- 
wickelung dahingeschiedenen Freunde hier einzuschalten. Ich habe 
ihn 1854 in Dillenburg kennen gelernt, als ich anfing, mich mit 
der geologischen Aufnahme der Sectionen Laasphe und Wetzlar 
der Karte von Rheinland und Westfalen (Maassstab 1 : 80000) zu 
beschäftigen. Ich konnte diese Arbeit aber nur 1856 fortsetzen 
und musste sie alsdann bis zum Jahre 1861 unterbrechen. In 
diesen und den folgenden 3 Jahren habe ich auf vielen Begehungen 
in diesem Bereiche und in dem östlichen Theile der Section Coblenz 
mich seiner lehrreichen Begleitung zu erfreuen gehabt und viel- 
fachen Nutzen aus seiner eingehenden Lokalkenntniss gezogen. 
Die Aufnahmen wurden in dieser Zeit zum Abschluss gebracht. 
Zum letzten Male in Dillenburg fand ich ihn 1866. Dann folgte 
eine längere Unterbrechung unseres persönlichen Verkehrs, indem 



ich während seines Frankfurter Aufenthaltes nur einmal im Mai 

1872 mit ihm in Wetzlar zusammengetroffen bin. Von dem Jahre 

1873 an habe ich ihn jährlich in seinem Arbeitsfelde aufgesucht, 
um mich von den Ergebnissen seiner Untersuchungen im Taunus, 
am Rhein und an der Lahn durch eigene Anschauung zu unter- 
richten. Im Jahre 1876 begleitete ich und der Landesgeologe 
Grebe ihn auf einem Streifzuge an der Mosel, im Hunsrücken 
und an der Nahe, um Vergleichungen zwischen dem Taunus und 
dessen Fortsetzung auf der linken Seite des Rheines anzustellen, 
die ihm bis dahin unbekannt geblieben war. Zum letzten Male 
bin ich mit ihm in der Gegend auf der linken Seite der Lahn 
zwischen Balduinstein und Limburg aufwärts im Rupbach- und 
Emsbachthale im Juli 1879 gewandert, um seine neuesten Unter- 
suchungen kennen zu lernen. 

Auf diesen vielfachen Wanderungen in der langen Reihe von 
Jahren war der nächstliegende Zweck »die Beobachtung der am 
Wege vorhandenen Gesteins -Entblössungen«. Die Vergleichung 
und Discussion der Beobachtungen vollzog sich immer in ein- 
gehendster und befriedigendster, durch die Lebhaftigkeit seiner 
Unterhaltung angenehmsten Weise. Das Literesse wurde immer 
von Neuem geweckt. Dabei war doch Gelegenheit genug vor- 
handen , seine grtindlichen und ausgedehnten botanischen und 
zoologischen Kenntnisse kennen zu lernen. Ueberall war er darin 
zu Hause und liebte es, seine eigenen Beobachtungen über das 
Thierleben und die Standorte der Pflanzen in anziehendster Weise 
mitzutheilen. 

Die Wanderungen fanden zum grössten Theil in Gegenden 
statt, die er genau kannte, in denen- er selbst aber auch sehr be- 
kannt war und vielfache Bekannte besass. Ueberall war er will- 
kommen und wurde als ein lieber Bekannter begrüsst. Er besass 
in ungewöhnlichem Maasse die Gabe, mit den verschiedensten 
Personen zu verkehren und sie an sich heranzuziehen. Die 
Liebenswürdigkeit seines Wesens äusserte sich ganz besonders bei 
solcher Beschäftigung in der freien Natur. 

In den Jahren 1880 war ich in Berlin, 1881 in Saarbrücken 
auf den Geologen -Versammlungen mit ihm zusammen. Er ging 



nach der lpt7,teren mit seiner Gemahlin noch in die Schweiz , in 
der Hoffnung auf Besserung seiner stark erschütterten Gesundheit, 
aber bei ungünstiger Witterung leider vergeblich. Ich sah ihn 
im Anfang October in Wiesbaden leidender und geschwächter als 
vorher. Er sprach aber sehr bestimmt die Hoffnung aus, dass 
ein längerer Aufenthalt in der Schweiz im nächsten Frühjahr ihn 
gänzlich wiederherstellen würde und er im Herbste dieses Jahres 
seine Arbeiten werde aufnehmen können. Wenn er auch vielfach 
im Laufe des letzten Winters sein Ende voraussah, so belebte ihn 
doch in ruhigeren Zwischenräumen immer von Neuem die Hoff- 
nung auf Genesung. 

Seiner Familie, seinen Freunden war diese Hoffnung schon 
längst entschwunden, als er am 18. April in der Mittagsstunde 
sein thätiges Leben sanft und ruhig endete. 

Die Trauer war allgemein, der Verlust eines solchen Mannes 
wurde tief empfunden. Die Theilnahme fand ihren Ausdruck in 
dem langen Zuge, der die sterblichen Reste zu der letzten Ruhe- 
stätte begleitete. 

Aus Frankfurt hatte die SENKENBERG'sche Gesellschaft den 
Dr. Kinkelin, die Gesellschaft für naturwissenschaftliche Unter- 
haltung den Dr. Blum als Vertreter nach Wiesbaden gesendet, 
welche tiefgefühlte Worte am Grabe sprachen und mächtige Kränze 
zum Zeichen der Theilnahme ihrer Mitglieder darauf niederlegten. 

An demselben Tage schrieben die Directoren der geologischen 
Landesanstalt in Berlin, Beyrigh und HaüCHE?;orne über das 
Hinscheiden ihres ausgezeichneten Mitarbeiters und Freundes: 
»es ist ein schwerer und kaum zu ersetzender Verlust, den die 
Wissenschaft und insbesondere unser Arbeitskreis durch den Tod 
unseres Freundes erleidet«. 

Diesem Worte werden die Mitglieder aller wissenschaftlichen 
Vereine zustimmen, denen er angehörte. 

Er war der'Mittelpunkt seines Familienkreises, ein leuchtendes 
Vorbild treuester Pflichterfüllung, anregendster, geistiger Erhebung. 
Er war ein treuer Freund, opferwillig, hülfsbereit, begeistert für 
die Wissenschaft und für alle höheren Ziele der Menschheit. 



Als echter Naturforscher gewissenhaft und eifrigst das Ein- 
zelne beobachtend, beseelte ihn das ernste reine Streben nach 
Erkenntniss der Wahrheit, hielt er doch das Allgemeine und das 
Ganze fest im Auge. Er drückte es in den Worten aus: nur 
wenn die verschiedenen Gebiete des Wissens zusammenarbeiten, 
lässt sich das grosse Ganze im wissenschaftlichen Leben erstreben. 
Nur mit vereinter Kraft wird das Grosse erzielt und in der Liebe 
zur Forschung nach Weisheit und Wahrheit krönt das Werk die 
waltende Göttin der Schönheit. 

Mit Recht dürfen wir sein eigenes Wort auf ihn anwenden: 
Die Kräfte des Körpers ersterben, er wird zu Erde und 
Asche: aber der strebende Geist lebt unter den Lebenden fort. 



Inhaltsverzeichniss. 



Seite 

Vorwort des Herausgebers V 

Biographie des Verfassers VII 

Allgemeine Bemei-kimgen über das Genus Homalonotus 1 

Bau nnd Untersclieidnngs- Merkmale der Homalonotus -Arten ... 5 

Beschreibung der Homalonotus -Arten: 

Homalonotus armatus Burm 12 

» suharmaius Koch 18 

» aculeatus Koch 21 

» ornatus Koch 23 

» Römeri de Kon 28 

» rhenanus Koch 31 

» crassicauda Sandb 39 

» scabrosus Koch 43 

» obtusus Sandb 49 

» multicostatus Koch 52 

» laevicauda Qnenst 64 

» planus Sandb 61 

Vergleichende Uebersicht der beschriebenen zwölf Homalonotus- 
Arten. (Nebst einer Bestimmungs- Tabelle und einer Uebersicht über 

die vertioale Verbreitung der verschiedenen Arten.) 64 

Vergleichung der aus fremden Gebieten beschriebenen devonischen 

Homalouoten mit den rheinischen Species dieser Gattung ... 72 



§1 

Allgemeine Bemerkungen über das Genus 
Homalonotus. 

Wenn man die Trilobiten nach der meist verbreiteten An- 
schauung als eine besondere Familie der Crustaceen - Ordnung 
der Aspidostraca betrachtet und diese zwischen die Familien der 
Poecillopoda und Phyllopoda stellt, so haben sie mit ersteren (den 
Molukkenkrebsen oder Pfeilschwänzen) die wesentlichsten Theile 
der Kopf- und Rückenbedeckung, sowie die Form und Stellung 
der Augen gemein; mit den Phyllopoden oder Blattfüssern aber 
den Mangel fester, in Chitinscheiden steckender Extremitäten. 

Nach dieser Stellung in dem Systeme kann man nicht anders 
annehmen, als dass die Trilobiten zweigeschlechtig waren, dass 
die Männchen wahrscheinlich kleiner und schlanker gebaut waren 
als die Weibchen, und dass sich die beiden Geschlechter auch 
noch durch andere Merkmale unterschieden; wie auch die larven- 
artigen und weiter entwickelten Jugendzustände bisweilen in an- 
deren Formen auftreten, als die erwachsenen Individuen. 

In der That findet man unter den fossilen Resten der Trilo- 
biten Formen , welche die eben ausgesprochene Annahme zu 
bestätigen scheinen; namentlich kommt solches bei den zu dem 
Genus Homalonotus gehörenden Arten zuweilen in recht auf- 
fallender Weise vor. Diese Erscheinung erschwert wesentlich das 
Studium und die Bestimmung der meistens ohnedem ziemlich 
schlecht erhaltenen Ueberreste. 

Bis jetzt sind von Salter, Green, König, F. A. Römer, 

MURCHISON, BüRMEISTER, AnGELIN, d'ArCHIAC et DE VeRNEUIL, 

Barrande, Sandbeeger, de Koninck, Woodward und Anderen 
etwa 50 Arten von HomcdonofMs (einschliesslich der Untergattungen 

1 



2 Allgemeine Bemerkungen iiber das Genus Homalonotus. [741 

Trimerus und Dipleura) beschrieben worden. Von vielen dieser 
Arten sind indess bis jetzt nur einzelne Theile bekannt und es ist 
bei den vielfach mangelhaften Beschreibungen möglich und wahr- 
scheinlich, dass mehrere der aufgestellten Arten werden vereinigt 
werden müssen. 

Die Homalonoten gehören zu den grössten Formen der Trilo- 
biten. Sie sind aus diesem Grunde, wie die meisten grossen 
Versteinerungen, meist unvollständig erhalten und finden sich 
gewöhnlich nur in einzelnen abgerissenen und zerstreuten T heilen 
der Bedeckung. Aus den vielfachen Verzerrungen und Ver- 
schiebungen der erhaltenen Theile geht hervor, dass die Chitin- 
decke im Allgemeinen zart und dünn gewesen sein muss; deshalb 
findet man bei ihnen auch niemals die stabilen relativen Maass- 
verhältnisse wie bei anderen Trilobiten, und Unterscheidungs- 
Merkmale, die auf solchen basireu, dürfen nur ausnahmsweise und 
mit grosser Vorsicht zur Anwendung gebracht werden. 

Aus der oben erwähnten Stellung in dem Systeme geht unter 
Anderem hervor, dass die Trilobiten regelmässig ihre Chitindecken 
abwarfen, und es mag daher ein grosser Theil der versteinerten 
Trilobitenreste in Form derartiger abgeworfener Häute in die 
gesteinsbildenden Niederschläge gekommen sein, während nur ein 
kleiner Theil von zu Grunde gegangenen Individuen herrührt. 

Aus diesem Grunde findet man auch viel mehr Bruchstücke 
und Trümmer als vollständige Individuen, ein Umstand, der ganz 
besonders bei den dünnschaligen Hoiiudonotus - Arten auffällt, be- 
sonders da, wo dieselben Schichten von geringer Mächtigkeit 
erfüllen, in denen sie in grosser Menge zusammengedrängt und 
durcheinandergeschoben vorkommen. 

Solche mit Homalonotus -Resten g'anz erfüllte Schichten sind 
allerdings verhältnissmässig selten. Meistens finden sich der- 
artige Reste ganz vereinzelt, und in vielen petrefactenreichen 
Schichten solcher Formationen, in welchen man Homalonoten er- 
warten dürfte, fehlen sie gänzlich. Die Verbreitung der Homalo- 
noten ist überhaupt eine ziemlich beschränkte. Sie sind besonders 
in der Nähe der Grenze des Silur- und Devonsystems zu Hause, 
lu ticforon Silurschichteu treten zusammen mit /l/aenirs und 



[751 Allgemeine Bemerkungen über das Genus Eomalonotus. 3 

Asaphus nur einige wenige Formen auf; erst gegen die obere 
Grenze des Silursystems hin erscheinen grössere Homalonotus- 
Arten, und ihre Hauptentwickelung fällt in die Unterdevon- 
Schichten, über welche ihr Vorkommen — wenigstens in Europa — 
nicht hinausgeht. 

Bestimmt erkannte Typen halten in ihrem Vorkommen mei- 
stens einen bestimmten Horizont inne und kommen selten oder 
gar nicht in mehreren, von einander getrennten Niveaus zugleich 
vor. Daher würden die Homalonoten ganz besonders wichtige 
Leitpetrefacten abgeben, wenn sie weniger vereinzelt vorkämen. 

Ueber die für diese Arbeit benutzten Materialien habe ich 
Folgendes zu bemerken: 

In der Sammlung des naturhistorischen Vereins für Rheinland 
und Westfalen in Bonn befindet sich ein selten reiches Material 
von Homalonoten aus dem Rheinischen Unterdevon, welches zum 
grösseren Theile durch Herrn von Dechen zusammengebracht 
worden ist. Er ist es, dem ich sowohl die Anregung zu der vor- 
liegenden Arbeit verdanke, als auch die Erlaubniss zur Benutzung 
des in Bonn befindlichen Materials. Ausserdem gestattete mir 
Professor Troschel die Benutzung der reichen Universitäts- 
Sammlung in Poppeisdorf, welche wahre Prachtexamplare von 
Homalonotus , die in früherer Zeit von GoLDFüSS und Anderen 
gesammelt worden sind, aufbewahrt. Ebenso konnte ich, Dank 
der Güte des Herrn Geheimrath Beyeich, die Berliner Univer- 
sitäts - Sammlung benutzen, und weiter standen mir die Sammlung 
der SENKENBERG'schen Gesellschaft in Frankfurt, sowie die des 
Vereins für Naturkunde in Wiesbaden zur Verfügung, welche 
letztere die von G. und F. Sandberger beschriebenen Original- 
Exemplare besitzt. Auch die Privatsammlungen der Plerren Jos. 
Zervas in Cöln, Friedrich Maurer in Bendorf, Bergrath Ulrich 
in Diez und Bergrath Wenkenbach in Weilburg enthalten ver- 
schiedene ziemlich vollständige Exemplare von Homaloiiotus-Axiew., 
welche mir von den Besitzern auf das Freundlichste zur Beschrei- 
bung anvertraut wurden. Endlich sandte mir noch mein College, 
Herr Landesgeologe Grebe in Trier, einige nicht unwichtige 
Stücke von bis jetzt nur unvollkommen gekannten Homalonotus- 

1* 



4 Allgemeine Bemerkungen über das Genns Homalonotus. ['^61 

Arten. Durch Vereinigung aller aufgeführten Materialien mit denen 
meiner eigenen, in dieser Beziehung sehr umfangreichen Privat- 
sammlung wurde mir ein sehr umfassender Einblick in die Formen 
der unterdevonischen Homalonotus- Arten der Rheingegend möglich, 
so dass ich durch die vorliegende Arbeit unsere bisher noch ziem- 
lich dürftige Kenntniss der Gattung Homalonotus nicht unwesent- 
lich vervollständigen zu können glaube. 



§ 2. 

Bau und Untersclieidimgs-Merkniale der Homalo- 
notus -Arten. 

Wie schon im § 1 bemerkt worden, muss die Chitindecke 
der Ho malonottcs -Arten dünner und zarter gewesen sein, als bei 
vielen anderen Trilobiten. Schon das dichte Aufsitzen des Stein- 
kernes auf dem Abdrucke spricht dafür, mehr aber noch die viel- 
fachen Verdrückungen und Verzerrungen, sowie besonders eine 
nicht selten vorkommende Fältelung einzelner, sonst glatter Theile. 
Die in dieser Richtung gemachten Beobachtungen schliessen aber 
nicht aus, dass neben den dünnschaligen Formen auch solche mit 
dickerer Chitindecke existirt haben. Denn man findet unter den 
silurischen Typen kleinere Formen mit festerer Schale , und auch 
in dem rheinischen Unterdevon kommen solche vor. Aber auch 
bei denjenigen Formen, deren Erhaltungszustand für eine dünnere 
Chitinsohale spricht, finden sich einzelne Theile, welche derber 
und fester waren, als die Decke im Allgemeinen, so namentlich 
die Stacheln einiger Arten, allgemeiner aber noch die Leisten auf 
der Innenseite der Kumpfsegmente, welche diese letzteren wesent- 
lich verstärkten und auf den Steinkernen als tiefe Einschnitte 
erscheinen. Durch diese Leisten- Eindrücke sieht der Steinkern 
immer ganz anders aus, als ein mit der Schale erhaltenes Exem- 
plar der gleichen Art oder ein im natürlichen Abdrucke gewon- 
nener Abguss. In den meisten Sammlungen, namentlich in den 
früher angelegten, findet man fast ausschliesslich Steinkerne, was 
damit zusammenhängt, dass die Steinbrecher und Bergleute meistens 
nur den Steinkern (inneren Abdruck) in die Hände des Sammlers 
gelangen lassen, während der für die Beurtheilung der Sculptur 



6 Bau und Unterscheidungs-Mcrkmale der Honialonotus -Arten. [781 

SO wichtige Abdruck bei der Gewinnung des Steinkerns meistens 
in Trümmer zerbricht und so verloren geht. 

Die erwähnten Leisten der Segmenttheile setzen sich bei den 
meisten Arten bis zu den Enden der Rippen fort; dann verhin- 
dern sie das Ineinanderschieben der Rippen, und das Individuum 
verliert das Vermögen, sich zusammenzukugeln , was bei vielen 
Arten schon von vornherein in der ganzen Anlage des Baues be- 
gründet ist. Bei einigen Typen scheint sich die Verdickung und 
Verlängerung der fraglichen Leisten, welche ich »Spannleisten« 
nennen möchte, erst nach und nach mit fortschreitendem Wachs- 
thum des Individuums auszubilden. In Folge dessen sind die 
Individuen in der Jugend noch kugelungsfähig, im Alter aber 
immer gestreckt. 

Der Kopf der Homalonoten ist in normalem, nicht verdrück- 
ten Zustande ziemlich flach. Die Glabella bleibt beträchtlich vom 
Vorderrande entfernt und erhebt sich wenig oder gar nicht über 
die Seitentheile des Kopfschildes, von welchen sie durch flache 
Gruben getrennt ist. Auch der gerade, abgestutzte oder flach- 
bogige Vorderrand der Glabella wird durch eine ganz flache Ein- 
senkung vom Vorderrande des Kopfschildes getrennt. Dabei ist 
die Begrenzung der Glabella aber stets deutlich, und nach hinten 
bildet ihr breiterer Theil einen flachen Wulst vor dem mittleren 
Theile der Occipitalfurche. Die Wangen sind nicht sehr breit 
und an den Hinterecken gerundet. Einen grossen Theil derselben 
nehmen die Buckel ein, auf deren Mitte die spitzkegelförmigen 
Augenträger stehen, die oftmals von einer Einsenkung im Augen- 
buckel umgeben werden. Die eigentlichen Augen sind winzig 
klein und niemals in grösserer Anzahl vorhanden, und nur sehr 
selten bemerkt man einmal eine Andeutung sehr feiner Körner. 
In der Regel bleibt der Augenträger in dem Abdrucke stecken 
und lässt sich dort selten präpariren, während man auf dem Stein- 
kern oder dem Schalenstück nur den Querbruch des Augenträgers 
als eine runde oder stumpf-ovale Scheibe sieht. Die Gesichtslinien 
vereinigen sich unter dem Vorderrande auf dem nach unten um- 
geschlagenen Theile der Schale und bilden zusammen mit dem 
scharfen Vorderrande ein dreieckiges oder herzförmiges Schalen- 



[791 Bau und Unterscheiduugs- Merkmale der Homalonotus- Arten. 7 

btüuk, dessen Form für die Bestimmung schwierig zu unterschei- 
dender Arten gewiss von Interesse sein würde , wenn dasselbe 
häufiger und besser präparirt werden könnte. Von der Form 
dieses Schalenstückes hängt es auch ab, in welchen Abständen 
die Gesichtslinien den Rand überschreiten. Von dem letzteren 
aus laufen dieselben in kaum gebogener Linie durch die Augen- 
träger, hinter welchen sie sich in gleichfalls sehr flachem Bogen 
dem Seitenrande zuwenden, um entweder an den Hinterecken selbst 
oder vor diesen den Seitenrand zu erreichen. Der Vorderrand 
des Kopfschildes (Stirnrand) ist bei einigen Arten flachbogig, bei 
anderen parabolisch und bei den meisten rheinischen Species ab- 
gestutzt und durch hervortretende Ecken begrenzt. Der Occipi- 
talring scheint bei normaler Gestaltung massig erhaben. Durch 
Verdrückung von oben oder durch seitliche Verschiebung streckt 
er sich bisweilen derart, dass er nur schwer zu bemerken ist, 
während er sich durch Verdrückung in der Richtung der Längs- 
axe zu einem schmalen, fast kantigen Ringe zusammenschiebt, 
was — wie wiederholt hervorgehoben worden ist — mit der Dünn- 
heit und Biegsamkeit der Schale zusammenhängt. Aus diesem 
Grunde sind weder die Form des Occipitalringes noch die rela- 
tiven Maasse anderer Kopftheile noch auch die Form der Augen- 
träger oder die Verhältnisse von Länge und Breite des ganzen 
Kopfes bei specifischen Bestimmungen mit Sicherheit zu ver- 
werthen. Nur die Form des Stirnrandes und der Glabella bieten 
gute Unterscheidungs-Merkmale, wo solche nicht in der Sculptur 
gefunden werden. 

Der Rumpf von Homalonotus besteht immer aus 13 Segmeu- 
ten; auch die jugendlichsten Individuen, welche mir bis jetzt vor- 
gekommen sind, hatten schon diese Normalzahl. Die Spindel ist 
flachbogig gewölbt und in sehr verschiedener Art gegen die Seiten- 
theile abgesetzt, aber niemals sind die Dorsalfurchen zu beiden 
Seiten der Spindel sehr tief und deutlich, und bei verschiedenen 
Arten fehlen sie ganz. Die Seitentheile sind schmäler als die 
Spindel, da die Rippen verhältnissmässig kurz sind. Die Enden 
der Rippen sind nicht gerundet. Nur bei einigen Arten sind die 
4 bis 5 vordersten Reihen am Ende flach abgestumpft oder durch 



8 Bau und Unterscheidungs-Merkmale der Homalonotus -Arten. [801 

einen stumpfen Winkel begrenzt. Die Form der Rippenenden 
dient bei manchen Arten als sehr gutes und sicheres Unterschei- 
dungs-Merkmal; nur muss man dabei ungefähr wissen, ob man es 
mit den vorderen, mittleren oder hinteren Rippen zu thun hat. 
Die Spannleisten auf der Innenseite der Segmente sind schon 
oben besprochen worden. Sie sind nur auf dem Steinkerne sicht- 
bar, bezeichnen aber dort nicht die Grenze der einzelnen Segmente 
gegen einander, wie man gewöhnlich annimmt, sondern die eigent- 
lichen Segmente reichten über den rinnenförmigen Abdruck der 
Spannleiste hinweg. Die hinteren Segmente schieben sich unter 
die vorderen und bilden auf dem Steinkerne an ihrer vorderen 
Grenze den mehr oder weniger scharfen Absatz, welcher von ver- 
schiedenen Autoren als rinnenförmige Theilung der Segmente 
bezeichnet wird. Auf der Oberfläche- der Schale selbst bemerkt 
man eine schwache Linie, die dem Rande der Segmente 
parallel läuft. Bis zu dieser Linie ist das Segment unter das 
davorliegende einschiebbar, und diese oft furchenartig eingedrückte 
Linie entspricht der Spannleiste auf der Innenseite des Segmentes. 
Die Wölbung der Segmente bietet ein gutes Unterscheidungs- 
Merkmal für die Species; man darf aber nicht Steinkerne mit der 
wirklichen Schalen - Oberfläche vergleichen, was leichter geschehen 
kann, als man denken sollte. 

Das Pygidium ist immer wesentlich schmäler als der Occi- 
pitalring. Das Verhältniss zwischen Länge und Breite ist ver- 
schieden; ebenso ist auch das Hinterende sehr verschieden gestaltet 
und bietet ein sehr sicheres Erkennungs-Merknial für die Art. Der 
umgeschlagene Randtheil ( Duplicatur) ist von dem Obertheil durch 
eine Linie abgegrenzt, welche eine leistenartige Verstärkung der 
Schale auf deren Innenseite andeutet. Auf dem Steinkerne er- 
scheint diese Leiste als Furche und dient sowohl nach ihrer Form 
als auch nach ihrer Lage in vielen Fällen sehr gut zur Unter- 
scheidung der Arten, besonders da, wo sie nicht auf eine scharfe 
Grenzfalte fällt, wie dies bei mehreren Arten vorkommt. Die 
Oberseite des Pygidiums ist durch regelmässige Furchen gegliedert; 
unter dieser Gliederung ist aber keine Trennung und Wieder- 
verwacihsung zu verstehen, weshalb dieser allgemein gebräuchliche 



[811 Bau und Unterscheidungs- Merkmale der Homalonotus -Arten. 9 

Ausdruck nicht zutreffend ist und besser durch Kerbung zu er- 
setzen sein würde. Die Kerben oder Furchen auf der Rhachis 
(Mitteltheil des Pygidiums) sind zahlreicher als auf den Seiten- 
theilen. Die Rippen auf letzteren werden Pseudopleuren genannt. 
Dieselben sind bisweilen so schwach , dass sie kaum bemerkbar 
sind und verschwinden bei einer Art sogar ganz. Die Tiefe und 
Deutlichkeit der die Pseudopleuren trennenden Furchen sowie 
ihre Zahl sind wichtige Kennzeichen für die Bestimmung der 
Arten. 

Die Schalen-Oberfläche aller Thiere ist entweder glatt 
oder mit Warzen und Papillen besetzt. Letztere erheben sich 
bisweilen derart, dass sie nach Form und Umfang Stacheln ge- 
nannt werden müssen. Solche Stacheln oder Dornen sind in der 
Mitte holil und geben vortreff'liche specifische Erkennungs-Merk- 
male ab, wenn man über Exemplare mit erhaltener Schale oder 
gute Abdrücke verfügt. Die Hohlstacheln und die grösseren 
Warzen oder Papillen sind auch auf dem Steinkern angedeutet, 
während feinere Sculpturen daselbst verschwinden. Bei einzelnen 
Arten bemerkt man auch feine Stigmen auf der Oberfläche der 
Schale, welche wahrscheinlich die Ausgänge von Chitindrüsen an- 
deuten. Solche sitzen bei Homalonoten mit rauher Oberfläche 
zwischen den Papillen und Stacheln oder auf der Spitze der 
feineren Wärzchen und müssen wohl eigentlich für alle Arten 
angenommen werden. Sie würden je nach ihrer Anordnung ge- 
wiss ein gutes Unterscheidungs - Merkmal abgeben, wenn ihr Aus- 
sehen nicht zu sehr von der Art der Petrificirung abhängig wäre. 

Nach dem Verlauf der Gesichtslinie am Seitenrande des Kopf- 
schildes haben manche Forscher das Genus Homalonotus in zwei 
Subgenera eingetheilt, für welche zugleich der Grad der Fur- 
chung des Pygidiums charakteristisch ist. Andere Autoren, wie 
Burmeister, nehmen drei Unterabtheilungen an, indem sie die 
Bedornung mancher Arten als Charakter für ein weiteres Subgenus 
benutzen. Diese Gruppirung hat eine gewisse Berechtigung, in- 
dem der ganze Habitus und wahrscheinlich auch wesentliche 
Punkte der Organisation bei den Arten jeder besonderen Gruppe 
oder jedes Subgenus verschieden gewesen sind. 



10 ■ Bau und Unterscheidungs- Merkmale der Homalonotus- Arten. ["821 

Im rheinischen Unterdevon kommen Arten aus allen drei 
Unterabtheilungen vor. Diese Gruppen sind folgende: 

A. Die Gesiehtslinie läuft vor den gerundeten Kopfecken aus. 
Die Spindel ist breiter als die Seitentheile; das Pygidium 
parabolisch, am Ende stumpf oder in eine Spitze ausgezogen. 
Rhachis und Seitentheile sind deutlich und tief gefurcht. 

a) Oberfläche des Körpers mit Dornen besetzt: Homalo- 
notus (Murchison). 

b) Oberfläche des Körpers glatt oder mit feinen Warzen 
bedeckt: Trimerus (Green). 

B. Die Gesichtslinie läuft nach der Mitte der gerundeten Kopf- 
ecken aus und theilt diese in zwei Hälften. Die Seiten- 
theile sind so breit als die Spindel; das Pygidium stumpf 
gerundet, entweder glatt oder nur schwach gefurcht: Di- 
pleura (Green i). 



*) Etwas abweichend und zugleich weitergehend als die obige ist die von 
Saltek im Jahre 1865 gegebene Eintheihing der Homalonoten in die b Gruppen 
oder Sectionen Brongniartia Salt., Trimerus Green, Koenigia Salt., Dlpleura Green 
und Biirmeisteria Salt, (vergl. Monogr. brit. Trilobites, pag. 104). Uebrigeiis gilt 
auch von den Salter'scIi«!! Gruppen, dass sie sich keineswegs scharf gegen ein- 
ander abgrenzen; nur die durch ihre Bedorn ung ausgezeichnete Gruppe der 
Burmeisterien (Typus: Homalonotus armatus und Hersche/ii), die sehr verbreitet 
aber ganz auf das Devon beschränkt sind, schliesst sich gegen die übrigen Formen 
schärfer ab. — Es sei bei dieser Gelegenheit die Bemerkung erlaubt, dass Ho- 
malonotus crassicauda Saudb. und Ahrendi A. Rom., welche Saltek fraglich in 
die Gruppe der Dipleuren stellt, bei der spitz endigenden Gestalt und der star- 
ken Rippung ihres Schwanzes auf keinen Fall zu dieser Gruppe gerechnet worden 
dürfen, sondern wohl, zusammen mit Homalonotu's rhenaiius, ornatus und den ver- 
wandten Arten, in die Abtheilung der Koenigien gehören, welche letztere demnach 
nicht auf das Obersilur beschränkt sind, wie Saltek annimmt, sondern auch ins 
Unterdevon hinaufgehen. — Auch Homalonotus obtusus Sandb. wird von Saltek 
ohne Vorbehalt zu Dipleura gerechnet. Der Schwanz dieser Art besitzt zwar die 
charakteristische, stumf-gerundete Gestalt, aber die deutliche Begrenzung der A,xe 
und die ziemlich starke Rippung der Seitentheile des Pygidiums erlauben es 
keinenfalls, die fragliche Art als typische Dipleura neben Homalonotus IJvkaiji zu 
stellen; sie kann vielmehr, wie es auch Koch in der am Schlüsse dieser Ab- 
handlung befindlichen Bestimmungstabelle thut, nur als Art Mittelglied zwischen 
Dipleura und Trimerus angesehen werden, (ß. K.) 



[831 B3->i lud Unterscheid ungs- Merkmale der Homalonotus- Arten. 11 

Wenn man über reichliches Material zu verfügen hat und die 
verschiedenen Theile der Individuen genauer untersuchen kann, 
kommt man zunächst zu der Ueberzeugung, dass die Trennung 
von Homalonotus und Trimems nicht durchführbar ist und beide 
als synonym gelten müssen. Anders ist es mit dem Subgenus Di- 
pleura, welches für die amerikanische Art Homalonotus Dekayi von 
Green aufgestellt vrorden ist. Hier kommt auch noch eine an- 
dere wesentliche Eigenthümlichkeit hinzu, nämlich der aufgeworfene 
Kand der Rumpfglieder, übrigens eine Eigenthümlichkeit, welche 
für die rheinischen hierher zu rechnenden Formen nicht zutrifft. 
Ausserdem ist das Pygidium der Dipleuren durchaus nicht immer 
ganz glatt, wie man früher geglaubt hat, als noch weniger In- 
dividuen zur Vergleichung vorlagen. Von Dipleura Dekayi kennt 
man jetzt Pygidien mit ziemlich starker Furchung. Ebenso giebt 
es eine bis jetzt noch nicht genauer beschriebene rheinische Art 
Claevicauda) , bei welcher dasselbe der Fall ist. Es will mir sehr 
wahrscheinlich scheinen, dass zwischen den Individuen mit ge- 
furchten und denen mit glattem Pygidium ein geschlechtlicher 
Unterschied besteht, wie Aehnliches auch für Verschiedenheiten 
in der Bedornung bei sich sonst gleichbleibenden Charakteren an- 
zunehmen ist. Wollte man demnach die Trennung von Dipleura und 
Homalonotus aufrecht erhalten, so müsste noch eine weitere Unter- 
abtheilung für die rheinischen Formen eingeschoben werden, was 
ich aber nicht für statthaft halte, zumal die Zahl der hierher ge- 
hörenden Arten nicht gross genug ist, um eine Abtrennung noth- 
wendig oder wünschenswerth erscheinen zu lassen. 



§3. 
Beschreibung der Homalonotus- Arten. 

No. 1. Homalonotus arinatus Buräieister. 

Taf. 1, Fig. 1 — G. 

Homalonotus armatua Bubmeistek, Organisation der Trilobiten, Berlin 1843. pag. lO'J, 
tab. 4, fig. 1. 

Homalonotus Herscheli Zeiler und Wiutgen, Verzeichniss der Petrefacten des Unter- 
devons, in LEoxH.tRDT and Buunn's Jahrbuch lür Minera- 
logie etc., 1852. 

Homalonotus Herscheli Dieselben, in: Vergleichende Uebersicht der Versteinerungen 
in der rheinischen Grauwacke, im Jahrbuch des naturhist. 
Vereins für "Rheinland und Westfalen, 1854. 

Das Kopfschild ziemlieh gewölbt, mehr als doppelt so breit 
wie lang. Die Glabella ungefähr so breit als lang, bisweilen etwas 
länger, in anderen Eällen aber auch etwas kürzer; der Hinterrand 
immer etwas länger als der Vorderrand, wodurch die Glabella die 
Gestalt eines Paralleltrapezes mit gerundeten Ecken erhält. Auf 
der Glabella sitzen regelmässig acht starke Dornen: sechs grössere 
Dornen bilden zwei Längsreihen ; zwei kleinere stehen zwischen 
den zwei hintersten grossen in der Mittellinie dicht neben ein- 
ander, und bisweilen treten noch einz.elne Nebendornen zwischen 
den regelmässig vorhandenen auf. Solche sind kleiner und stehen 
gewöhnlich zwischen dem zweiten und dritten Paare der Haupt- 
dornen. Die Wangen sind flach gewölbt, mit gerundeten Kopf- 
ecken, und tragen je einen Dorn hinter den Augen. Die Augen- 
hügel sind so hoch wie die Glabella, flach kegelförmig, die Augen 
selbst kreisförmig gruppirt. Die Occipitalfurche ist ziemlich scharf 
begrenzt, dabei aber ziemlich breit und in der Mitte nach vorn 
ausgebuchtet. Der Occipitalring ist flach gewölbt und trägt drei 
Dornen, einen in der Mitte und je einen seitlich der Glabella 



PSÖI Beschreibung der Homalonotus- Arten. 13 

unter den Augen. Der Stirnrand ist parabelförmig gebogen, in 
der Mitte verbreitert und schmal wulstig gesäumt. Die hinteren 
Kopfeeken, welche selten wohl erhalten sind, bilden ziemlich sfiitz 
ausgezogene Bogen. Die Gesichtslinie läuft von dem Stirnrande 
aus in S-förnigem Bogen nach dem Augenträger, um diesen 
herum den sogenannten Augendeckel bildend; dann in einem 
stumpfen Bogen mit der ersten Richtung im ziemlich flachem 
Bogen nach der Hinterecke, über welcher sie den Rand erreicht. 
Der Rumpf (Thorax) ist verhältnissmässig flach gewölbt und 
durch die starke, knieförmige Biegung der Pleuren kantig, nach 
hinten etwas verschmälert, und es verhält sich die Länge zur 
Breite wie 4 zu 3. Die einzelnen Segmente sind ziemlich breit, am 
hinteren Rande durch eine schmale, flache Wulst begrenzt. Die 
Spannleisten der Innenseite sind auf der Oberfläche durch eine deut- 
liche, ziemlich tiefe Furche angedeutet, wodurch jedes Segment 
der Länge nach in zwei Theile getheilt erscheint, von welchen 
der vordere flach und nur halb so breit ist als der hintere, mehr 
gewölbte und mit Dornen besetzte Theil. Die Dornen auf der 
Spindel stehen nicht in regelmässigen Längsreihen, wie die auf 
den Rippen über der knieförmigen Biegung. Gewöhnlich fehlt 
ein Theil der Dornen, was bei flüchtigem Anblick den Eindruck 
einer unregelmässigen Stellung derselben macht. Das Fehlen der 
Dornen ist ohne Zweifel theilweise schon bei dem lebenden Thiere 
durch Verletzungen im Jugendzustande bedingt worden, denn 
ihre Stelle ist vielfach weder aussen noch innen angedeutet. 
Andere Dornen mögen durch Abreibung vor der Einbettung oder 
durch Verletzung in dem Zustande weiterer Entwickelung ab- 
handen gekommen sein, indem dann ihre Stelle mehr oder weniger 
markirt ist. Wo die Dornen vollständig vorhanden sind, muss 
ihre Zahl 52 betragen: auf jeder Seite der dreizehn Rumpfglieder 
steht eine Reihe kleinerer Dornen in regelmässiger Stellung zwi- 
schen den Seitendornen des Occipitalringes und den Dornen des 
Pygidiums, wodurch jedes RipjDcnpaar zwei Dornen trägt. Diese 
Rippendornen sind fast niemals vollständig und mögen zuweilen 
ganz fehlen. Die Dornen auf der Spindel stehen auf dem ersten 
Segmente unter den hinteren Dornen der Glabella, auf dem zweiten 



14 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [861 

Segmente mehr entfernt gegen die Seite gerückt, auf dem dritten 
wie auf dem ersten, auf dem vierten mehr der Mitte genähert, auf 
dem fünften, achten und elften wieder sehr weit auseinander, auf 
dem sechsten, neunten und zwölften wieder wie auf dem ersten, 
und auf dem siebenten, zehnten und dreizehnten Segmente wieder 
sehr nahe zusammen, so dass die beiden letzten Spindeldornen 
vor der Wölbung der Rhachis des Pygidiums stehen. Die Pleuren 
(Rippen) sind durch eine mitunter kaum sichtbare Einsenkung 
von den Gliedern der Spindel getrennt und wenig kürzer als diese, 
hinter den Rippendornen aber in scharfem Bogen nach unten ge- 
knickt, so dass sie mit ihrer halben Länge die ziemlich geraden 
Seiten des Thieres decken. Die Rippenenden sind nicht auffallend 
breit, regelmässig gerundet und mit einer Längsfalte versehen. 

Das Pygidium ist stark gewölbt, fast ebenso breit als lang, 
mit geschweiften Seitenrändern und stark ausgezogener Spitze 
(Schwanzdorn). Die durch sehr deutliche Längsfurchen von den 
Seitentheilen scharf abgegrenzte Rhachis verschmälert sich zuerst 
rasch, dann langsam, schnürt durch stark eingesenkte Querfurchen 
elf rundlich gewölbte Glieder ab und verläuft in den etwas auf- 
wärts gerichteten, zapfenförmigen , rundlichen Schwanzdorn. Die 
Seitentheile des Pygidiums sind vorn so breit als die Rhachis, 
hinten etwas breiter. Auf denselben liegen sieben Pseudopleuren, 
von denen das erste Paar in der Regel je einen grossen Dorn 
trägt, ebenso das fünfte Paar, während die anderen Pseudopleuren 
nicht bedornt sind. Im Ganzen sind also vier Pygidialdornen 
vorhanden. Abweichungen von dieser Regel kommen weiter unten 
zur Erörterung. Der glatte Rand des Pygidiums ist nach der 
Ebene der Unterseite ausgestreckt, ziemlich schmal, nach hinten 
etwas breiter und mit einem äusserst schmalen, gerundeten Rand- 
saum versehen. 

Die Sculptur ist auf allen Körpertheilen so fein gekörnt, dass 
man die Schale fast glatt nennen kann. Ausser den ihrer Stel- 
lung nach bereits beschriebenen Dornen oder deren Verkümme- 
rungen finden sich keine regelmässigen Erhebungen auf der 
Schale. Die Dornen sind meistens abgebrochen und ihre Bruch- 
fläche erscheint als ein rauher, erhabener Fleck; doch liegen 



["871 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 15 

mir auch erhaltene Dornen und Steinkerne derselben vor. Diese 
sind mehr als viermal so hoch wie breit und scharf zugespitzt. 
Die Dornen des Occipitalringes sind in flachem Bogen nach riick- 
w^ärts gerichtet. 

Abnormitäten im Bau scheinen hier weniger oft vorzu- 
kommen als bei anderen Arten. Auch Verzerrungen kommen 
seltener vor, was auf eine derbere Consistenz der Schale schliessen 
lässt. Alte, sehr grosse Individuen bilden auf den sonst glatten 
Rippen der ßhachis des Pygidiums unregelmässig aufgetriebene 
Höcker aus, welche gleichsam als Fortsetzungen der beiden mitt- 
leren Dornenreihen des Thorax erscheinen; solche Höcker sind 
aber niemals zu eigentlichen Dornen ausgebildet. Wesentlicher 
sind Versetzungen in den Dornen des Pygidiums , indem solche 
bisweilen anstatt auf der ersten Pseudopleure auf der zweiten 
sitzen, ebenso wie anstatt auf der fünften auf der vierten 
oder sechsten. Merkwürdig ist es, dass ich unter der grossen 
Anzahl von Pygidien, welche in den beiden grossen Sammlungen 
in Bonn und Poppeisdorf aufbewahrt werden, kein einziges Exem- 
plar mit unregelmässig gestellten Dornen fand, dagegen in der 
Berliner Universitäts-Sammlung mehrere, darunter einen Abdruck, 
dessen rechte Seite die erste und sechste, die linke Seite aber die 
zweite und sechste Pseudopleure bedornt zeigt. 

Die Grösse der hierher gehörenden Individuen schwankt we- 
niger wie bei anderen Homalonoten. Die grossen Exemplare von 
Dann messen: 

41'"'" Kopflänge, 

85 » berechnete Kumpflänge und 

44 » Länge des Pygidiums bis zur Spitze des Schwanz- 
dorns. 

Zusammen 170"'™ Länge bei 92'"'" Kopf breite und 50'""' Breite 
des Pygidiums. 

Ein fast mit ganzem Thorax und Pygidium erhaltenes Exem- 
plar aus der Sammlung des Vereins für Rheinland und Westfalen 
misst ohne Kopf 90"""; demnach mit Kopf circa 118'"'" bei einer 
Breite von 50'"'" am vorderen Thorax. 



16 Beschreibung der Horaalonotus- Arten. [881 

Das grösste mir bekannt gewordene Pygidium ist 72'"™ lang, 
was einer Gesammtlänge von 280"™ entsprechen würde. 

Das Vorkommen von Homalonotus armatus scheint auf 
die Unteren Coblenzschichten beschränkt zu sein. Die Original- 
Exemplare von Burmeister stammen aus dem gelbgrauen, festen 
Grauwackensandstein von Dann, in welchem auch die wohl erhal- 
tenen Exemplare der Bonner Universitäts - Sammlung in Poppels- 
dorf, sowie die der Sammlung des naturhistorischen Vereins ge- 
funden wurden. 

Bei Winnigen an der Mosel war diese Art am Fusse des 
»Jungen Waldes« auf der rechten Moselseite ziemlich häufig, und 
auch in der schiefrigen Grauwacke des Röttgens daselbst wurde 
sie von Dr. Arnoldi gefunden. Ebenso wurden Exemplare von 
Wirtgen bei Bertrich gefunden, nach von Deciien auch bei 
Neuerburg und Ehlenz, während die Angaben von Fundstellen im 
Condelthale sich vielleicht auf die folgende, der in Rede stehenden 
sehr nahe verwandte Art beziehen, wenn nicht daselbst beide 
Arten vorkommen. 

Auf der rechten Rheinseite ist mir die Art bis jetzt nur von 
wenigen Punkten im nördlichsten Theile des ehemaligen Herzog- 
thums Nassau bekannt geworden, was darauf hindeutet, dass dort 
die Unteren Coblenzschichten stellenweise sattelartig aus den 
Chondritenschiefern und den dort vorwaltenden Oijereu Coblenz- 
schichten hervortreten i). 

Bemerkungen über die Beziehungen von Iloiiuilonotvs armatus 
zu Homalonotus subarinatus sollen uacli Beschreihuntc des letzteren 



*) Im Besitze der geologisclien Landesanstalt befindliche, ans der ehemals 
DANNENBERo'schen Sammlung stammende Pygidien von Dillbreclit nordlich DiUen- 
burg scheinen nach den damit zusammen vorkommenden Versteinerungen nicht 
der Unteren, sondern der Oberen Coblenzstufe anzugehören. Auch ans der den 
Orthocerasschiefer unterlagernden Gi'auwaoke von Olkenbach bewahrt die Samm- 
lung der geologischen Landesanstalt ein Pygidium von armatus auf. Da die frag- 
liche Grauwacke nach ihrer Fauna unzweifelhaft den Oberen Coblenzschichten 
angehört, so geht daraus hervor, dass die BiiKMiasTEu'sche Art, wenigstens ver- 
einzelt, auch in die Obere Coblenzstufe hinaufgeht. — Auch die Schichten des 
Condelthales gehören vielleicht der Oberen Coblenzstufe an. (E. K.) 



rggl Beschreibung der Homalonotus- Arten. 17 

folgen. Im Uebrigen ist Homalonotus armatus eine so gute Art, 
dass sie mit keiner anderen verwechselt werden kann. Die vor- 
trefflich ausgeführte Abbildung von Burmeister giebt leider kein 
correktes Bild der Art. Sie ist nach Bruckstücken aus der Sagk- 
schen Sammlung combinirt. Zunächst fehlen dem Schwanzschilde 
4 Glieder, wodurch das Pygidium viel zu klein erscheint, sowie 
die zwei vorderen Dornen ; dann fehlen auch die Dorn - Andeu- 
tungen auf den Pleuren selbst, was daher kommen mag, dass der 
Autor nach einem einzelnen Segmente gearbeitet hat, welchem der 
Dorn fehlte, wie dies vielfach vorkommt. Aus demselben Grunde 
sind auch die Mitteldornen in zwei gerade Linien gestellt worden, 
während sie in Wirklichkeit im Zickzack verlaufen. Schliesslich 
ist der Stirnrand nicht spitz und die Hinterecken des Kopfes mit 
dem Ende der Gesichtslinie haben eine andere Gestalt. 

Taf. 1, Fig. 1 und la stellen ein wohl erhaltenes Kopfschild 
aus der Universitäts- Sammlung in Poppeisdorf dar. Die restau- 
rirten, nicht schattirten Seiten- und Stirntheile sind nach Exem- 
plaren aus der Sammlung des naturhistorischen Vereins für Rhein- 
land und Westfalen, sowie nach einem Exemplar aus meiner 
Privatsammlung ergänzt. Bei Fig. la sind die Stacheln nach Stein- 
kernen, auf demselben Stücke erhalten, ergänzt. 

Taf 1, Fig. 5 stellt einen solchen Stachel vom Occipitalringe 
dar, Fig. 6 ein dabei liegendes Rippenende. 

Taf. 1, Fig. 3 und 3a stellen ein vollständig erhaltenes Pygi- 
dium aus derselben Sammlung in genau demselben Gesteine dar, 
wie Fig. 1. Sämmtliche Stücke stammen von Daun in der Eifel, 
also von demselben Fundorte, wie die Originale von BüRMEISTER. 

Taf. 1 , Fig. 2 ist eines der vollständigsten Exemplare, 
welches ich bis jetzt gesehen habe. Es gehört der Sammlung 
des naturhistorischen Vereins, ist durch die Sammlung von 
Schnur in dieselbe gekommen, aber leider ohne Angabe des 
Fundortes. Ich glaube, dass es von Bertrich stammen könnte. 

Taf. 1 , Fig. 4 stellt ein im Besitz der geologischen Landes- 
anstalt befindliches Exemplar aus rothem Grauwackensandstein von 
Ehlenz bei Bitburg dar. (Nachträglich zugefügte Abbildung.) 

2 



18 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [90] 

No. 2. Homalonotus subarmatns uov. sp. 

Taf. 1, Fig. 8, 9. 

Von dieser Art habe ich bis jetzt mit Sicherheit nur Pygidien 
beobachtet. Es wäre möglich, dass der Kopf dem von Homalo- 
notus armatus sehr ähnlich ist und deshalb mit diesem verwechselt 
wurde, obwohl darüber die verschiedene Sculptur hätte Auskunft 
geben müssen. 

Das Pygidium ist ziemlich flach gewölbt, bei nicht ver- 
drückten Exemplaren etwas breiter als lang, mit einfach bogigen 
Seitenrändern und schwach ausgezogener Spitze. Die durch deut- 
liche aber flache Längsfurchen abgegrenzte Rhachis verschmälert 
sich auf ihre ganze Länge gleichförmig, schnürt durch deutlich 
markirte Querfurchen elf rundlich gewölbte Glieder ab und ver- 
läuft in eine zapfenförmige , flachgedrückte, geradeaus stehende 
Spitze, aber keinen eigentlichen Schwanzdorn. Die Seitentheile 
des Pygidiums sind durchgehends etwa so breit als die ßhachis. 
Auf denselben erheben sich sieben Pseudopleuren, von denen das 
dritte Paar je einen breiten aber stumpfen Dorn trägt. Die an- 
deren Pseudopleuren sind unbedornt, und nur bei alten Exem- 
plaren erscheint zuweilen noch eine dornartige Auftreibung oder 
ein verkümmerter Dorn auf dem sechsten Paare. Der glatte Rand 
des Pygidiums ist nach der Ebene der Unterseite ausgebreitet, 
ziemlich breit — besonders nach hinten — , der ganzen Länge nach 
mit einem sehr schmalen, gerundeten, etwas aufgerichteten Rand- 
saume versehen und gegen den gerippten Theil deutlich abgesetzt. 
Die Sculptur besteht auf allen ' Theilen des Pygidiums aus 
deutlichen aber feinen Papillen von kaum 0,2""" Durchmesser, 
welche der Oberfläche ein deutlich gekörneltes Ansehen geben? 
besonders da, wo sie sehr dicht stehen und ihre Zwischenräume 
nur wenig breiter sind als der Durchmesser der Papillen selbst. 
Auf den Gliedern der Rhachis bemerkt man bisweilen einige un- 
deutliche Auftreibungen, welche eine kaum angedeutete Neigung 
zur Dornbildung (wie bei der vorigen Art) anzeigt, hier aber auch 
bei kleineren Individuen und häufiger vorkommt als dort. Die 



rgi] Beschreibung der Homalonotus- Arten. 19 

zwei Pygidialdornen sind stumpf und stellen bisweilen nur kegel- 
förmige Warzen dar. 

Die Grösse der Individuen kann nach dem geringen vor- 
liegenden Material nicht in gewünschter Ausführlichkeit angegeben 
werden. Die Individuen dieser Art scheinen nicht so gross zu 
werden als die der vorigen. 

Ein wohl erhaltenes Pygidium misst: 
ggmm Länge und 
42 » Breite. 

Das Vorkommen von Homalonotus subarmatus scheint sehr 
beschränkt zu sein, denn bis jetzt sind mir nur Exemplare von 
Winningen und aus dem Condelthale bekannt, welche theils in der 
Sammlung des naturhistorischen Vereins für Rheinland und West- 
falen liegen, theils durch Herrn Berggeschworenen Grandjean 
von mir bezogen wurden. Die Schichten, worin diese Pygidien 
liegen, bestehen aus einer blaulichgrauen, schiefrigen Grauwacke, 
welche wahrscheinlich demselben Horizonte angehören (den Unteren 
Coblenzschichten) wie die Schichten von Winningen, in denen 
Homalonotus armatus liegt. Vielleicht liegen indess die Schichten 
mit Homalonotus subarmatus etwas höher. 

Besondere Bemerkungen über diese Art beschränken sich 
lediglich auf Zweifel über die Selbstständigkeit dieser Art, auf 
welche hin ich auch den weniger bedeutsamen Namen ^sub- 
armatus« gewählt habe. Obgleich mir gleich bei dem ersten Be- 
gegnen der fraglichen Pygidien neben solchen vom ächten Ho- 
malonotus armatus deren verschiedener Habitus auffiel, welcher in 
den zwei stumpfen (gegen die dortigen vier spitzen) Pygidial- 
Dornen, in dem breiteren Rande und in der körnigen Sculptur liegt, 
so konnte ich mich doch kaum entschliessen , bei der allgemeinen 
Aehnlichkeit diese Art als selbstständig anzuerkennen, bevor auch 
die dazu gehörigen Rumpf- und Kopftheile aufgefunden sein würden. 
Mein nächster Gedanke war auf einen Geschlechtsunterschied ge- 
richtet, und ich suchte solche bei lebenden, verwandten Crustaceen 
in ähnlicher Weise zu constatiren, wenn dies auch bei der iso- 
lirten Stellung der Trilobiten nur mit allem Vorbehalte geschehen 
kann. Meine Zweifel wurden noch wesentlich erhöht, als ich bei 

2* 



20 Beschreibung der Homalonotus-Arten. [921 

Hovialonotus armatus Unregelmässigkeiten in der Dornenstellung 
kennen lernte, wenn auch schon die Form der Dornen trotz 
aller Unregelmässigkeit einen Unterschied zu begründen scheint 
und ich bis jetzt keinen Homalonotus armatus mit' nur zwei 
Pygidial- Dornen kenne. Demungeachtet würde ich immer noch 
gerne die Pygidien mit zwei stumpfen Dornen für weniger ge- 
schützte männliche Individuen, die grösseren, mit geschützterem 
Eierträger versehenen aber für Weibchen gehalten haben , wenn 
ich irgend einen Anhaltepunkt für diese Annahme hätte gewinnen 
können. Schliesslich gaben die deutlichen Sculpturunterschiede 
zwischen beiderlei Pygidien deshalb den Ausschlag, weil dieser 
Unterschied an einer Reihe untersuchter Individuen beider Arten 
constant blieb, ebenso wie der breitere Rand des Pygidiums. 

Zeilee und Wirtgen scheinen diese Art gekannt, aber mit 
der vorigen zusammen für Homalonotus Herschdii Murch. gehalten 
zu haben, welcher vom Cedarberge in der Cap-Colonie stammt 
und im rheinischen Schiefergebirge gewiss nicht vorkommt, ausser- 
dem aber auch in der Bedornung wesentlich von den beiden vor- 
stehend beschriebenen Arten verschieden ist^). 

Die Abbildung auf Taf. 1, Fig. 9 stellt ein Exemplar meiner 
früheren Privatsammlung dar, welches von Herrn Berggeschworenen 



1) Auch bei Ollienbaoh kommt in der den Orthooeras-Sohiefer unterlagernden 
Grauwacke ein Homctlonotus aus der Gruppe des armatus vor, von dem die Samm- 
lung der geologischen Landesanstalt ein vollständiges Pygidium besitzt. Die frag- 
liehe Form, die entschieden den Oberen Coblenzsohichten Koch's angehört, besitzt 
auf der von hinten gezählt dritten Pseudopleure eine starke, knotenförmige 
Verdickung. Sie stimmt darin mit Homalonotus armatus überein; sie weicht aber 
sowohl von dieser Art wie auch von subarmatus durch eine selbst in der' Nähe 
des Hinterendes noch sehr breite Axe oder Rhachis ab. Sie erinnert dadurch an 
Salter's Homalonotus elongaius aus dem englischen Unterdevon, dessen Axe in- 
dess am. Ende nicht ganz so breit ist und bei dem ausserdem erst die von hinten 
gezählt vierte Pseudopleure einen Knoten trägt. Das letzte, l'/a'^'* lauge Endo 
der Axe der OUcenbaohor Form ist glatt. Auf dem von hinten gezählt achten 
und neunten Axenringe bemerkt man zwei schwache, knotenförmige Anscliwel- 
lungen. Ein schmaler, glatter Randsaum ist noch zum Thoil erlialton. Die 01)er- 
fläche des einzigen vorliegenden Steinkernes ist glatt. WaJirscheinlicli stellt die 
Olkenbacher Form eine besondere Art dar. , (E. K.) 



r93] Beschreibung der Hoiiialonotus- Arten. 21 

Grandjean gesammelt wurde. Die von Bonn entliehenen Stücke 
sind in der Form wie in der Art und Weise der Petrificirung 
dem meinigen sehr ähnlich, zum Theil vollkommen gleich. Länge 
des in Rede stehenden Pygidiums ca. 36™", Breite ca. 48""". 

Taf. 1 , Fig. 8 stellt ein im Besitz der geologischen Landes- 
anstalt befindliches, ebenfalls aus dem Condelthale bei Coblenz 
stammendes, jugendliches Pygidium dar. (Nachträglich zugefügte 
Abbildung.) 



No. 3. flomalonotus aculeatus nov. sp. 

Taf. 1, Fig. 7. 

Diese jedenfalls ganz neue und selbstständige Art liegt leider 
nur in einem ganz unvollkommenen Bruchstücke eines Pygidiums 
vor, vTelches mir mein College Herr Geebe zur Beurtheilung über- 
sandt hat. Dasselbe ist in seiner Bedornung so eigenthümlich, 
dass es keiner anderen bis jetzt bekannten Art zugezählt werden 
kann. Allenfalls könnte in einem anderen, grösseren, aber noch 
viel imvollständigeren Bruchstücke ohne Fundortangabe aus der 
Sammlung des naturhistorisehen Vereins zu Bonn etwas Aehnliches 
vorliegen. 

Das Pygidium zeigt nur die zwei letzten Pseudopleuren der 
rechten Seite und nur die hinteren neun Rhachisglieder. Nehmen 
wir, wie bei den verwandten Arten, auch für die vorliegende elf 
Rhachisglieder an, so fehlen hier die zwei vorderen, bei welchen für 
jedes Glied zwei Dornen angenommen werden müssen, wie solche 
auf den vorhandenen Gliedern stehen; nur auf dem siebenten und 
zehnten Gliede sind die Dornen verkümmert, wenn auch ange- 
deutet. Was hier besonders hervorgehoben werden muss, sind 
zwei — nach den Narben zu urtheilen — sehr starke Dornen auf 
dem glatten Endstücke der Rhachis, was bei keinem anderen der 
bis jetzt bekannten Homalonoten vorkommt. Mit diesen beiden 
Enddornen würde die Rhachis des Pygidiums 24 Dornen haben; 
dagegen scheinen die Seitentheile, wenigstens an ihrem hinteren 



22 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [941 

Ende, unbedornt gewesen zu sein. Obgleich die Berandung am 
vorliegenden Bruchstücke fehlt, so erkennt man doch, dass das 
Schwanzende breiter und flacher gewesen sein muss, als bei den 
anderen bedornten Arten. Die Rhachis ist durch breite Längs- 
furchen von den Seitentheilen getrennt, durch stark markirte Quer- 
furchen gegliedert, die einzelnen Glieder hoch hervortretend und 
oben gerundet. Die Sculptur besteht aus gedrängt stehenden 
Warzen von 0,4'"™ Durchmesser, welche über die ganze Oberfläche 
verbreitet sind. Die Dornen müssen — nach den scharf abgesetzten 
Basaltheilen zu urtheilen — sehr schlank und hoch gewesen sein 
und sind vollkommen rund. 

Die Grösse des Individuums ist nach dem unvollkommenen 
Bruchstücke schwer zu ermitteln, doch muss die Art zu den 
grossen Homalonoten gezählt werden, namentlich wenn das er- 
wähnte Bruchstück aus der Bonner Sammlung auch hierher gehört. 
Der erhaltene Theil des beschriebenen Bruchstückes hat eine Länge 
von 45"™. Zusammen mit den fehlenden Theilen mag dieses Py- 
gidium mindestens 65™" lang gewesen sein, was einer Gesammt- 
länge des Thieres von 260"™ entsprechen dürfte. Das Bruchstück 
der Bonner Sammlung aber mit seinen 9"" breiten Gliedern der 
Rhachis des Pygidiums entspricht einem Thiere von fast doppelter 
Länge, also einem "der grössten Trilobiten. 

Das Vorkommen dieser seltenen Art scheint einer ziemlich 
tiefen Stufe des rheinischen Unterdevon anzugehören. Grebe 
fand dieses Bruchstück in dem aus blauen Schiefer bestehenden 
Schotter am Homberge bei Buhlenberg in der Nähe von Birken- 
feld. Es ist anzunehmen, dass das Material aus dem unteren 
Hunsrückschiefer stammt; es könnte aber auch einer noch tieferen 
Stufe angehören. 

Bemerkungen über das Bruchstück aus der Sammlung des 
naturhistorischen Vereins beschränken sich auf Zweifel an der 
Zusammengehörigkeit mit der oben beschriebenen Art, obwohl 
auch bei dem Bonner Stück zwei aufgerichtete Dornen auf jedem 
Gliede der Pygidial-Rhachis stehen. Die Anordnung der Dornen 
ist hier eine andere, indem auf einem Gliede die Dornen 18'""", 
auf dem nächsten aber nur 6'"'" von einander entfernt sind. So- 



["951 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 23 

dann ist die Sculptur viel gröber und in der Form verschieden, 
indem die Warzen mehr abgebrochenen Hohlstacheln gleichen, 
deren Basis gegen 1""° Durchmesser hat. Leider ist der Fundort 
dieses Stückes unbekannt. Das Gestein und die Brachiojjoden- 
Abdrücke des Stückes erinnern an das Vorkommen im Laubach- 
thal bei Coblenz. 



No. 4. Homalonotus ornatiis nov. sp. 

Taf. 2; Taf. 3, Fig. 7. 

Homalonotus crassicatida G. u. F. Sasdberger, Versteinerungen des rheinischen 
Schichtensystems in Nassau, Wiesbaden 1850 — 1856, 
pag. 27, tab. 2, fig. 7, z. Th. 

Homalonotus ornatus gehört zu den grössten Arten des rhei- 
nischen Unterdevon. Die Gestalt ist schlank. Die Chitindecke 
muss verhältnissmässig sehr zart gewesen sein, da die Individuen 
fast immer sehr verdrückt sind und man nur selten gut erhaltene, 
zusammenhängende Exemplare findet. 

Das Kopf Schild ist ziemlich flach, an den Hinterecken 
herabgebogen, erheblich breiter als lang. Die Länge verhält sich 
zur Breite wie 3 zu 4. Verzerrungen nach Länge und Breite 
kommen häufig vor und ändern das angegebene Verhältniss. Die 
Glabella ist nur wenig länger als breit und am Hinterrande nur 
wenig breiter als am Vorderrande, so dass sie ungefähr ein Recht- 
eck mit gerundeten Ecken bildet. Die Wangen sind durch grosse 
Augenbuckel hoch gewölbt. Ohne diese würden sie flach zu 
nennen sein, wie aus den Rändern um die Augenhöcker hervor- 
geht. Die Hinterecken sind verhältnissmässig kurz und sehr regel- 
mässig stumpf- gerundet. Die Augenhöcker sind mindestens dop- 
pelt so hoch als die Glabella oder noch höher, halbkugelförmig, 
mit einer ringförmigen Einsenkung um den Augenträger herum. 
Dieser erhebt sich als conischer Zapfen ziemlich hoch über den 
Rand der Einsenkung. Er ist spitzkegelförmig, etwas zusammen- 
gedrückt und bei vollständiger Erhaltung mit der Spitze etwas 



24 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [961 

rückwärts gebogen. Die Occipitalfurche ist deutlich abgegrenzt 
aber seicht, und zwar besonders nach den Seiten. In der Mitte 
ist sie ein wenig ausgebuchtet. Der Occipitalring ist flach ge- 
rundet, nur bei verschobenen Exemplaren schärfer zusammenge- 
drückt. Der Stirnrand ist gerade abgestutzt, in spitze Ecken aus- 
laufend, welche zuweilen aufgerichtet erscheinen, was aber durch 
eine Verdrückung bedingt sein kann. Die an die Ecken an- 
schliessenden Seitenränder bilden einen gleichförmigen, ganz flachen 
Bogen, welcher sich erst mit Beginn der runden Kopfecken mehr 
krümmt. Die Gesichtslinie beginnt am Stirnrande, dicht an den 
Vorderecken, noch auf dem geraden Theile, läuft von da in ziem- 
lich gerader Linie über die Augenträger hinweg, bildet hinter den- 
selben einen scharfen Bogen und läuft wieder annähernd gerade 
nach dem Seitenrande, welchen sie vor der Rundung der Hinter- 
ecken schneidet. 

Der Rumpf (Thorax) ist stark und gleichmässig gewölbt, 
über dem Beginn der Rippen zu einer kaum angedeuteten Längs- 
furche eingesenkt , unter dieser durch eine stumpf - knieförmige 
Biegung der Rippen kantig aufgetrieben, auf den Seiten aber 
wieder ziemlich eben. Der Rumpf ist nach hinten merklich ver- 
schmälert, wenn auch weniger, als bei manchen anderen Arten. 
Die grösste Breite verhält sich zur geringsten wie 7 zu 6 , die 
Länge zur Breite wie 9 zu 4. Die einzelnen Segmente sind 
massig gewölbt, einige der vorderen in der Mitte zu einem kleinen 
Höcker aufgetrieben. Die Spannleisten gehen sehr tief hinunter 
und sind breit und stark, auf der Oberseite aber nur durch eine 
feine Linie angedeutet, welche dem Vorderrande ziemlich nahe 
liegt, so dass der schmale Theil des' Segments kaum ein Viertel 
des breiteren Theils beträgt, welcher letztere mit regelmässig ge- 
stellten, länglichen Papillen besetzt ist. Die Rippen sind unter ihrem 
Ansätze an die Spindelsegmente etwas aufgetrieben und verflachen 
und verbreitern sich von da nach ihrem Ende, wo sie kreisförmig 
gerundet sind. Am Hinterrande sind sie mit einer Rinne ver- 
sehen, welche auf dem gerundeten Theile verschwindet. Die 
Länge der Spindelsegmente verhält sich zur Rippenlänge wie 
2 zu 1. 



[97] Bescbreibnng der Homalonotus- Arten. 25 

Das Pygidium ist gleichförmig gewölbt, nach hinten ge- 
streckt und hat ungefähr die Form eines nach seinem Längsschnitt 
in gleiche Hälften getheilten Conus, dessen Höhe sich zum Durch- 
messer der Basis wie 3 zu 2 verhält. Vielfach ist das Pygidium 
aber von der Seite oder von oben aus der normalen Gestalt her- 
ausgedrückt und verschoben. Die durch massig deutliche Längs- 
furchen von den Seitentheilen abgegrenzte Rhachis verschmälert 
sich gleichförmig und schnürt durch tiefe, nach vorn winkelig ab- 
gesetzte Querfurchen 13 spitzbogig gewölbte, nach hinten steil ab- 
fallende Glieder ab. Nach hinten nimmt sie allmählich an Höhe 
ab und läuft mit schwacher Biegung in die flache, zungenförmig 
ausgezogene Schwanzspitze aus. Die Seitentheile sind immer 
breiter als die Rhachis : das Verhältniss ist nicht ganz wie 3 
7Ai 2, ändert sich aber nach Art und Maass der Verdrückung. 
In der Regel sind neun deutliche Pseudopleuren vorhanden, bei 
einzelnen Individuen verschwindet aber die letzte oder ist kaum an- 
gedeutet, wie auf dem besten mir vorliegenden Exemplare (Taf. 2, 
Fig. 3); meistens tritt indess die letzte Pseudopleure sehr deut- 
lich hervor, besonders bei alten Individuen. Bei solchen Exem- 
plaren erscheinen auf den Rhachisgliedern und Pseudopleuren 
sehr charakteristische, länglich - eiförmige Papillen, welche bei 
kleineren Individuen sehr matt sind oder ganz fehlen, wie dies 
auf Steinkernen fast immer der Fall ist. Der flachbogige Rand 
des Pygidiums ist glatt, ziemlich schmal, nur nach hinten etwas 
breiter und ohne aufgebogenen Randsaum ziemlich scharf nach 
unten umgebogen, indess nicht winkelig-kantig, sondern spitzbogig. 
Das gerade ausgestreckte, sehr flache Schwanzende ist spitz-para- 
belförmig, und zwar beträgt der glatte Hintertheil ungefähr die 
Hälfte des gegliederten Theiles der Rhachis, also ein Drittel der 
ganzen Pygidium - Länge. 

Die Sculptur besteht aus gestreckten, länglich-eiförmigen, in 
gleichen Abständen stehenden Papillen, deren grösserer Durch- 
messer der Längsaxe des Individuums parallel steht. Diese Pa- 
pillen bilden regelmässige, einfache Zeilen mit den Rumpfsegmenten 
und Gliedern des Pygidiums. Auf dem Steinkerne sind dieselben 
nur selten angedeutet. Am besten sieht man sie auf der Schale; 



26 Besehreibung der Homalonotus-Ai'ten. [9^1 

sonst muss man sie auf dem Abdrucke suchen. Auf den Pygidien 
kleinerer Exemplare sind die Papillen selten deutlich. Am Kopfe 
scheinen sie nur auf dem Occipitalringe vorzukommen. Ich kann 
dies aber nicht bestimmt behaupten, weil mir vom Kopfschilde 
nur Steinkerne vorlagen. Glabella, Wangen und Augenhöcker 
sind mit einer feinen Körnelnng bedeckt, die aber auch auf den 
anderen Körpertheilen zvrischen den Papillen vorzukommen scheint; 
wenigstens sind diese Theile immer ziemlich rauh. 

Abnormitäten kommen bei dieser Art scheinbar häufig vor, 
da fast jedes Exemplar etwas anders aussieht als das andere. 
Indess hängen diese Abweichungen wohl nur vom verschiedenen 
Erhaltungszustande ab. Auch das Verschwinden der neunten 
Pseudopleure und das öftere Fehlen der Papillen möchte in den 
meisten Fällen der ungenügenden Erhaltung zuzuschreiben sein, 
wiewohl es auch denkbar ist, dass solche Sculpturen schon bei 
Lebzeiten des Thieres verloren gingen, ähnlich wie bei Hoinalonotus 
armatus die Stacheln. 

Die Grösse der Individuen schwankt in recht auffallender 
Weise. Das vollkommenste Exemplar, welches mir vorlag, mag 
gerade die Mittelform repräsentiren. Diesem Stücke fehlen zwei 
Rumpfsegmente, ohne welche der Rumpf 83™'" misst, mit den- 
selben also 90'"". Das daran hängende Pygidium ist 60""" lang, wäh- 
rend der dazu gehörende Kopf 40""" lang sein müsste, was einer 
Gesammtlänge von 190""" bis 200'""' entspricht. In der Samm- 
lung des Herrn F. Maurer befindet sich ein Pygidium von 120'""' 
Länge, wenn man die fehlende Spitze dazu denkt (Taf. 3, Fig. 7). 
Dasselbe ist in die Breite verzogen und 110'"'" breit. Es deutet 
auf ein Individuum von 380'"'" bis 400'"'" Länge. Dagegen liegt 
in der Sammlung des naturhistorischen Vereins zu Bonn ein sehr 
zierliches, vollständiges Pygidium von nur 7""" Länge, an welchem 
auch die neunte Pseudopleure deutlich hervortritt. Dieses Exem- 
plar würde einem Individuum von 22'"'" entsprechen, also 18 mal 
kleiner sein als das vorhergenannte. 

Das Vorkommen von Homalonotus ornatus beschränkt sich 
in den unzweifelhaften, bis jetzt gefundenen Stücken auf die 



[991 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 27 

Pterineen-Schiefer von Singhofen, die diesen ähnlichen Feldspath- 
Grauwacken und andere wahrscheinlich gleichwerthige Schichten 
des rheinischen Unterdevon. Häufig ist dieses Petrefact nirgends, 
auch nicht bei Singhofen, von vs^elcher Fundstelle bis jetzt die 
meisten Exemplare vorliegen. Herr F. Maurer fand mehrere sehr 
gut erhaltene Stücke in den petrefactenreichen Schichten einer 
Feldspath-Grauwacke bei Bodenrod vs^estlicb von Butzbach. Aus 
dem Hunsrückschiefer von Caub besitze ich ein Pygidium mit deut- 
lichen Papillen und aus einem ähnlichen Schiefer von Holzappel 
ein anderes ohne sichtbare Papillen. Beiden fehlt die Schwanz- 
spitze, weshalb sie nur mit Vorbehalt hierher gerechnet werden 
können. Dasselbe gilt von einem Endstück eines grösseren 
Pygidiums mit der charakteristischen, zungenförmig ausgezogenen 
Schwanzspitze, welches der Sammlung des naturhistorischen 
Vereins angehört und vom Siegberge stammt. In der Berliner 
Universitätssammlung liegen drei Exemplare von der Michel- 
bacher Hütte im Aarthale, also ebenfalls aus dem Hunsrück- 
schiefer. Mit grösserer Sicherheit gehört hierher ein von G. und 
F. Sandberger benutztes Pygidium des Wiesbadener Museums. 
Dasselbe trägt die Etiquette »Haintchen bei Usingen«. Dieser 
Fundort erscheint mir aber deshalb zweifelhaft, weil auf dieselbe 
Etiquette ein zweites von Haintchen stammendes Pygidium von 
Homalonotus obtusus geklebt ist und auf der Unterseite eine frühere 
Bleistiftnotiz als Fundort »Hainchen« angiebt, welcher Ort an der 
nassauisch-westfälischen Grenze, nicht weit von Strassebersbach 
liegt. Das eine Stück (Homalonotus obtusus) wird daher wohl 
von Haintchen im Amte Usingen, das andere (Homalonotus ornatus) 
von Hainchen stammen. 

Linksrheinische Fundorte dieser Art sind mir bis jetzt nicht 
bekannt geworden. 

Die Abbildungen sind nach Exemplaren aus den Privatsamm- 
lungen der Herren Jos. Zervas in Cöln und Friedrich Maurer 
in Bendorf angefertigt. 

Taf. 2, Fig. 3 stellt den Steinkern desselben Exemplares dar, 
von welchem Fig. 3a den Gypsabguss des zugehörigen Abdruckes 



28 Beschreibung der Homalonotiis - Arten. [1001 

darstellt. Der Koi^f auf Taf. 2, Fig. 2 war dem in Rede 
stehenden Steinkerne künstlich angesetzt, gehört aber nicht dazu 
und ist vom Stirnrand nach dem Occipitalring stark zusammen- 
geschoben. Taf. 2, Fig. 1 ist ein in anderer Richtung verzerrtes 
Kopfschild, an welchem der rechte Augenträger besonders gut er- 
halten ist. Die Originale zu den genannten Abbildungen gehören 
sämmtlich der ZERVAS'schen Sammlung an und stammen aus dem 
Pterineenschiefer von Singhofen. 

Das grosse, etwas in die Breite ausgezogene Pygidium, wel- 
ches auf Taf. 3, Fig. 7 abgebildet ist, stammt aus der tief- unter- 
devonischen Grauwacke von Bodenrod unweit Butzbach und befindet 
sich im Besitze des Herrn Friedrich Maurer in Bendorf. 



No. 5. Homalouotus Roemeri de Koninck. 

Taf. 5, Fig. 6 — 13. 

Homalonotus Roemeri L. G. de KomNOK, Notioe sur quelques fossUes recueillis 
dans le Systeme Gedinnien etc. (Annales de la soc. geol. de 
Belgique tome III, pag. 31, pl. 1, fig. 15) 1876. 

Homalonotus crassicauda F. Kö.mer, Zeitsohr. d. Deutsch, geol. Gesellsoh, Bd. 17, 
^- pag. 592, tab. 17, fig. 12; Geologie von Oberschlesien 
tab. 1, fig. 4. 

Homalonotus angalatiis C. Koch (M. S.). 

Homalonotus Roemeri Idem, Verh. d. naturhistor. Vereins d. preuss. Rheinl. und 
Westf. 1880, Corr.-Bl. pag. 134, 138. 

Von dieser neuen und eigenthümlichen Art liegen nur Bruch- 
stücke vor, welche zusammen gefunden wurden und deshalb als 
zusammengehörig betrachtet werden "müssen. 

Vom Kopf Schilde liegt ein mangelhaftes Mitteltheil nebst 
einem rechten und einem linken Seitentheile von verschiedenen 
Individuen vor. Die schlecht erhaltene Glabella ist sehr flach, 
die Augenhöcker halbkugelförmig aufgetrieben und weit nach den 
Seiten gerückt. Der Stirnrand ist geradlinig abgestutzt und zu 
beiden Seiten durch schwach gerundete Ecken begrenzt, welche 



piOl] Beschrfcibung der Homalonotus- Arten. 29 

nicht über den vorderen Seitenrand hervortreten. Die Seitenränder 
sind etvi^as concav-bogig, wodurch das Ko2:)fschild annähernd die 
Form eines Paralleltrapezes erhält. Die Occipitalfurche ist sehr 
markirt aber nicht sehr tief, der Occipitalring schmal und flach. 
Die Gesichtsnaht überschreitet den Stirnrand 3™™ von den Vorder- 
ecken nach der Mitte zu, verläuft fast geradlinig nach dem Augen- 
träger und von da flachbogig nach den gerundeten Hinterecken 
des Kopfes, über welchen sie den Seitenrand erreicht. 

Der Rumpf besteht aus dicken, massig hoch gewölbten Seg- 
menten. Dieselben sind regelmässig gebogen und mit einer deut- 
lichen Depression vor Beginn der Pleuren versehen, in Folge dessen 
die Axe durch deutliche Längsfurchen von den Rippentheilen ge- 
trennt gewesen sein muss. Die Rippen sind zunächst der Axe 
aufgetrieben und knieförmig gebogen, unterhalb dieser Biegung 
ziemlich flach. Sie sind wesentlich länger als die halbe Breite 
der Rumpfaxe. Die Rippenenden sind auffallend verbreitert und 
durch zwei gerade, sich unter einem stumpfen Winkel trefiende 
Linien abgestutzt — eine Gestaltung, die bis jetzt bei keinem 
anderen rheinischen Homalonoten bekannt geworden ist. 

Das Pygidium besitzt, soweit es sich nach den mir vorliegen- 
den, durch Verzerrung mehr oder weniger verunstalteten Stücken 
beurtheilen lässt, eine dreieckige Gestalt und ist etwas länger 
als breit. Nach hinten läuft es in eine breite Spitze aus. Die 
Rhachis ist fast ebenso breit als die Seitentheile und setzt sich 
aus 10 — 12 (?) Gliedern zusammen, welche durch massig tiefe 
Furchen getrennt sind. Die letzten dieser Glieder werden un- 
deutlich. ■ Die Seitentheile sind von der Rhachis durch nicht sehr 
starke Furchen getrennt und tragen 7 oder mehr breite, flach 
gerundete Pseudopleuren oder Rippen, welche unter spitzem 
Winkel mit den Segmenten der Rhachis zusammenstossen. Die 
zwischen den Rippen liegenden Furchen sind wenig markirt und 
endigen bereits in grösserer Entfernung vom Rande, so dass dieser, 
wie auch die Schwanzspitze , glatt ist. Nach hinten werden die 
Rippen allmählich immer undeutlicher. 



30 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1021 

Von einer besonderen Sculptur habe ich an meinen nur im 
Steinkern erhaltenen Bruchstücken nichts beobachten können i). 

Die Grösse der von mir untersuchten Reste ist etwa diejenige 
mittelgrosser Exemplare \on. Homalonotus ornatus; darnach müssen 
vollständige Individuen 150 — 200°"" gemessen haben. 

Mit Homalonotus ornatus scheint die beschriebene Art in mehr- 
facher Beziehung eine gewisse Aehnlichkeit zu haben; doch sind 
ihre breiten, winkeligen Rippenenden charakteristisch genug, um 
ihre Selbstständigkeit zu begründen. Auch die vier letzten Rippen 
des silurischen Homalonotus delphinocephalus Green haben eine ähn- 
lich breite, am Ende abgestutzte Gestalt; doch sind die Rippen der 
amerikanischen Art geradlinig und nicht winkelig abgestutzt, wie 
bei ornatus. Ueberdies ist der Stirnrand beider Arten ganz ver- 
schieden gestaltet. 

Auch mit crassicauda besitzt unsere Art eine unzweifelhafte 
Verwandtschaft. Ihre Unterschiede von demselben liegen beson- 
ders im Pygidium. Die Rhachis von crassicauda ist erheblich 
breiter, die Rippen der Seitentheile stossen mit den Segmenten der 
Rhachis unter weniger spitzem Winkel zusammen und das Schwanz- 
ende ist weniger spitz als bei Roemeri. 

Anfänglich konnte ich mich schwer entschliessen, die hier 
vorliegenden mangelhaften Reste als einer besonderen Art ange- 
hörig anzusehen; nachdem ich mich aber an einer Reihe gut 
erhaltener Exemplare der anderen rheinischen Arten überzeugt 
hatte, dass die der beschriebenen Art eigenthümliche Gestalt der 
Rippenenden bei keiner anderen Species vorkommt, blieb mir nur 
übrig, für die fraglichen Reste eine besondere Art anzunehmen. 

Ich hatte für die unsere Art ursprünglich den Namen Homalo- 
notus angulatus gewählt. Später indess überzeugte ich mich, dass 
dieselbe mit dem von de Koninck aus den tiefsten Schichten des 
französisch -belgischen Devon beschriebenen Homalonotus Roemeri 
identisch ist. de Koninck rechnet zu dieser Art mit Recht auch 



') DE Koninck giebt (1. o. pag. 33) eine die ganze Oberflilolie der Soliale be- 
deckende, nur mit Hülle der Lupe beobaclitbare, feine Granulation an. (E. K.) 



[103] Beschreibung der Homalonotus - Arten. 31 

eine von Ferd. Römer aus dem weissen Quarzit des Dürrberges 
im Altvatergebirge als Homalonotus crassicauda Sandb. beschriebene 
Form. Wie Herr E. Katser wahrscheinlich gemacht hat (Jahrb. 
der Königl. preuss. geolog. Landesanstalt für 1880, pag. 260), darf 
der Quarzit des Dürrberges mit dem des rheinischen Taunus- 
quarzits als gleichaltrig angesehen werden. Darnach würde Ho- 
malotiotus Roemeri in den Ardennen wie in den Sudeten ein sehr 
tiefes Niveau im Unterdevon einnehmen. 

Was die rheinischen Reste dieser Art betri£ft, so gehören 
hierher einmal die von mir ursprünglich als angulatus bezeichneten 
Reste aus dem Siegen'schen, die aller Wahrscheinlichkeit nach auch 
einem tieferen Horizonte des Unterdevon (keinesfalls jünger als 
die Unteren Coblenzschichten) entstammen. Die Sammlung des 
naturhistorischen Vereins zu Bonn besitzt solche Reste vom Sieg- 
berge bei Siegen und vom Ziegenberge bei Oberseelbach. 

Ausserdem aber sind nach meiner jetzigen Ueberzeugung 
hierher auch die Reste einer im linksrheinischen Taunusquarzit 
nicht gerade selten vorkommenden Art zu rechnen. Ich kenne 
solche Reste aus dem Quarzit von Rüdesheim. Auch Herr 
DE KoNiNCK, der mein Material in Wiesbaden sah, theilte meine 
Ansicht, dass sowohl die Form aus der älteren Siegen'schen Grau- 
wacke, als auch die aus dem Taunusquarzit mit seinem Roemeri 
aus dem Gedinnien zu vereinigen sei. Homalonotus Roemeri würde 
demgemäss durch die ganze untere Hälfte des Unterdevon ver- 
breitet sein. 

Die Abbildungen Taf. 5, Fig. 6 — 9, beschränken sich auf 
ein paar charakteristische Rippenenden, eine (von hinten gesehene) 
Schwanzspitze und ein leider unvollständiges und verdrücktes 
Pygidium. Die Originale liegen in der Sammlung des natur- 
historischen Vereins und stammen aus der älteren Siegener Grau- 
wacke. 

Der Vergleiches wegen sind dann noch auf derselben Tafel, 
Fig. 10 — 12 zwei Köpfe und ein Schwanz des belgischen, und 
Fig. 13 ein solcher des schlesischen Vorkommmens dieser Art nach 
den Abbildungen de Koninck's und Römer's dargestellt. 



32 Besobreibung der Homalonotus- Arten. [1041 

No. 6. Homalonotus rlienanus n. sp. 

Taf. 3, Fig. 1 — G. 

Homalonotus crassicauda Gr. u. F. Sandbeeger, Versteinerungen des rheinisclien 

Schichtensystems etc., pag. 27, z, Th. 
Homalonotus Knightii Bukjieistek, Organisation der Trilol^iten, Berlin 1843, 

pag. 101. 
Homalonotus obtusus Zeiler und Wietqen, Jahi'bueh des naturhistorischen Vereins 
für Rheinland und Westfalen, 1854, pag. 475, z. Th. 

Diese den tieferen Schichten der rheinischen Grauwacke an- 
gehörende Art wurde bisher meistens mit Homalonotus crassi- 
cauda Sandb. und dieser wieder mit Homalonotus Knightii König 
verwechselt. Homalonotus riienanus ist ziemlich gedrungen gebaut, 
schlanker als Homalonotus crassicauda^ aber nicht so schlank als 
Homalonotus ornatus. Die Chitindecke scheint ziemlich dick und 
fest gewesen zu sein, da die erhaltenen Reste weniger verdrückt 
zu sein pflegen als die mancher anderer Arten. Die Länge des 
Körpers betagt mehr als das Doppelte der Breite, aber nicht das 
Dreifache, wie bei Homalonotus ornatus. 

Das Kopfs child ist ziemlich stark gewölbt. Seine Länge 
verhält sich zur Breite wie 2 zu 3. Es gleicht einem Parallel- 
trapeze mit etwas concaven Seiten. Die Glabella ist gewöhnlich 
ebenso lang als breit, vielfach etwas länger, und stellt ein Quadrat 
oder kurzes Rechteck mit gerundeten Ecken dar. Die Wangen 
sind massig gewölbt; die Hinterecken kurz und regelmässig rund. 
Die Augenhöcker sind wenig höher als die Glabella, welche letz- 
tere in der Mitte ganz flach oder unmerklich eingesenkt ist. Die 
kurzen, kegelförmigen Augenträger' erheben sich auf den. flach- 
kugeligen Augenhöcker zitzenförmig, ohne Einsenkung um die- 
selben. Die Oocipitalfurche ist massig tief, schmal und sehr deut- 
lich abgesetzt, in der Mitte etwas ausgebuchtet. Der Occipitalring 
dagegen ist breit, regelmässig gerundet und nicht höher als der 
Hinterrand der Glabella. Der Stirnrand ist gerade abgestutzt, in 
spitze Ecken auslaufend, welche flach und gerade nach vorn ge- 
richtet sind. Die an die Ecken anschliessenden Seitenränder sind 
vorn ganz flach concav, hinten ebenso flach concav, uiid erst mit 



[gQl] BoschreibuDg der Homalonotus- Arten. 33 

der Rundling der Hiuterecken beginnt eine stärkere Biegung. 
Die Gesichtslinie beginnt in der Nähe der Stirneckeii, läuft von 
da in schwachem Doppelbogen nach dem Augenträger und hinter 
diesem in ziemlich gleichförmiger Biegung nach dem Seitenrande, 
welchen sie vor der Rundung der Hinterecken schneidet. 

Der Rumpf ist massig und gleichförmig gevrölbt und von 
kurz spindelförmiger Gestalt. Die Spindel ist massig gewölbt und 
von den Rippentheilen durch ziemlich flache Längsfurchen getrennt. 
Die letzteren biegen sich allmählich nach unten um. Die einzelnen 
Segmente sind verhältnissmässig flach, die Spannleisten auf deren 
Unterseite stark und tief, auf der Oberseite nur durch eine feine 
Linie angedeutet. Die Rippen sind flach und endigen, wenig ver- 
breitert, mit eiförmiger Rundung. 

Das Pygidium hat einen dreieckigen Umriss, ist derb ge- 
baut und etwas länger als breit oder so lang als breit. Die durch 
markirte Längsfurchen von den Seitenth eilen abgegrenzte Rhachis 
verschmälert sich nach hinten sehr gleichförmig, so dass die Längs- 
furchen fast ganz geradlinig sind. Durch stark eingesenkte, kerben- 
förmige Querfurchen sind auf der Rhachis zwölf deutliche Glieder 
abgeschnürt, hinter welchen zuweilen noch ein weiteres, aber un- 
deutliches Glied angedeutet ist. Die Glieder sind spitzbogig auf- 
getrieben, hoch und scharfkantig und nach hinten steil abfallend. 
Wenn man das Petrefact von der Seite betrachtet, fallen die höch- 
sten Erhebungen jener Glieder in eine gerade Linie, die über den 
gerippten Theil der Rhachis noch etwas hinausreicht und dann in 
scharfem, regelmässigen Bogen nach der gerade ausgestreckten, 
massig dicken Schwanzspitze abfällt. Das glatte Schwanzende ist 
nicht ganz halb so lang als der gegliederte Theil der Rhachis, 
beträgt also nicht ganz ein Drittel der Gesammtlänge des Pygi- 
diums. Die Schwanzspitze ist ziemlich spitz, aber nicht winkelig, 
sondern gerundet. Die Seitentheile des Pygidiums sind ebenso 
breit als die Rhachis und tragen acht Pseudopleuren, welche 
ebenso hochbogig und markirt sind wie die Glieder der Rhachis. 
Die vorderen Pseudopleuren verlaufen geradlinig und sind nur 
bei älteren Exemplaren am Ende etwas nach vorn gebogen ; die 
hinteren Pseudopleuren aber sind stärker, und zwar immer nach 

3 



34 Beschi-eibung der Homalonotus- Arten. [1061 

vorn gebogen. Der ziemlich derbe Rand des Pygidiums ist glatt, 
winkelig eingeschlagen, auf der Kante gerundet und auf der 
Unterseite nahe der Kante mit einer Leiste versehen, welche auf 
dem Steinkern als Rinne erscheint. 

Die Sculptur ist meistens durch Versteinerungsmaterial alterirt 
und selten deutlich sichtbar. Auf einem sonst ziemlich mangel- 
haften Pygidium aus dem Stolln der »Alten Mahlscheidt« bei Her- 
dorf im Siegen'schen nimmt man eine feine Körnelung zwischen 
dicht stehenden Grübchen von 0,1 bis 0,15™"' Durchmesser wahr, 
auf deren Grunde die Stigmen der Chitindrüsen zu münden 
scheinen. Sonst erscheinen die Steinkerne und Abdrücke fast 
immer ziemlich glatt oder ganz fein gekörnelt. 

Formenverschiedenheiten kommen bei dieser Art nicht selten 
vor. Bisweilen sind sie auf Verdrückungen zurückzuführen, bis- 
weilen aber scheinen die Unterschiede von solchen unabhängig 
zu sein. Solche Verschiedenheiten zeigen sich in einer spitzeren 
oder mehr gerundeten Endigung des Schwanzes, womit bisweilen 
eine stumpfere Rundung der Glieder verbunden ist, oder in einem 
schlankeren oder gedrungeneren Bau. Diese Unterschiede sind 
aber selten so bedeutend, dass dadurch die Grenze gegen ver- 
wandte Arten verwischt würde und man sich nur durch die 
Sculpturverhältnisse zurechtfinden könnte. Vielfach bedingt auch 
das Versteinerungsmaterial den veränderten Habitus des Petre- 
factes. In anderen Fällen sind die Gestaltverschiedenheiten auf 
Alters- und Grössen- Unterschiede zurückzuführen. Jugendliche 
Exemplare sind in der Regel am Schwänzende spitzer, am Kopf- 
schilde gerundeter und ihrer ganzen Gestalt nach gestreckter. 
Es wäre übrigens auch sehr möglich, dass diese Unterschiede 
auf Geschlechtsunterschieden basiren, zumal wenn sie schon bei 
jungen Exemplaren hervortreten, bei denen Gliederung und son- 
stige charakteristische Merkmale im Allgemeinen wenig ausgebildet 
und bei denen daher die verschiedenen Arten nur sehr schwierig 
zu unterscheiden sind. Kleine, zierliche, in allen Theilen scharf 
ausgeprägte Exemplare sind immer seltener als dicke, grosse, 
obgleich man annehmen sollte, dass sie sich besser erhalten und 
daher zahlreicher vorkommen müsstcn als die grossen. Dieser 
Umstand spricht ganz besonders für die oben ausgesprochene 



["1071 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 35 

Vermuthung, dass wir es bei den kleineren Formen mit männ- 
lichen Individuen zu thun haben im Gegensatz zu den grösseren, ' 
welche Weibchen darstellen. In der heutigen Lebewelt sind der- 
artige Unterschiede nichts Auffallendes. Dort wiederholt sich der 
Fall ausserordentlich häufig, dass die verschiedenen Geschlechter 
verschiedene Gestalt haben und eines derselben sich nur schwer 
von dem gleichen einer anderen Art unterscheiden lässt. Dieses 
kommt namentlich bei den Crustaceen fast regelmässig vor. Bei 
den Dekapoden ist das Männchen gewöhnlich ebenso gross als 
das Weibchen, oder grösser; bei den Phyllopoden dagegen, welche 
den Trilobiten am nächsten stehen, ist das Männchen viel kleiner 
als das Weibchen, vielfach anders gebaut und immer viel seltener. 

Die Grösse der zu dieser Art gehörenden Individuen scheint 
weniger zu schwanken als bei anderen Arten ; auch gehört Ho- 
malonotus rhenanus nicht zu den besonders grossen, sondern mehr 
zu den mittelgrossen Arten. Nach zusammenhängenden Exem- 
plaren beurtheilt, mögen die grösseren Individuen 150™" kaum 
übersteigen, während 120™'" als normale Länge für das ganze Thier 
angenommen werden darf. Dabei ist aber nicht ausgeschlossen, 
dass auch hier unter besonderen Verhältnissen einzelne Individuen 
ein höheres Alter und damit eine ungewöhnliche Grösse erreichen 
konnten, wie das den Zoologen von allen verwandten Thieren 
bekannt ist. Das auf Taf. 3, Fig. 4 abgebildete Pygidium ist 
51™'" lang und gehörte einem grösseren, mit Vorbehalt als Weib- 
chen angesprochenen Individuum an. Das auf Taf.' 3 , Fig. 5 
abgebildete Pygidium dagegen stellt ein scheinbar wohl ausgebil- 
detes, kleines Individuum von 17™'" Pygidiumlänge mit spitzerem 
Schwanzende dar und entspricht vielleicht einem Männchen. 

Das Vorkommen von Ilomalonotus rhenanus fällt wesentlich 
in die tieferen Schichten des rheinischen Unterdevon, woselbst 
die Art zu den gewöhnlichsten Homalonoten gehört. Sie pflegt 
in keiner Sammlung zu fehlen, wurde aber bisher stets mit crassi- 
cauda verwechselt. Der Hauptfundort für gute, typische Exemplare 
ist die braungraue, feste Grauwacke von Stadtfeld unweit Dann in 
der Eifel. Von anderen Fundorten erwähne ich noch die Grube 
Alte Mahlscheidt bei Herdoif im Siegen'schen, Berg-Ebersbacb, 



36 Beschreibung der Homalonotusr Arten. [1081 

Coblenz, Bertrieb, Girnscheidt, Sahlershütte und die Landsteiner 
■ Mühle im Weilthale. Wahrscheinlich gehören noch mehrere an- 
dere von verscliiedenen Autoren für Homalonotus crassicauda an- 
geführte Fundorte hierher, was aber nur durch Vergleichung der 
betreffenden Original -Exemplare ausgemacht werden könnte. 

Bemerkungen über die Verwandtschaft der in Rede stehenden 
Art sind im Obigen bereits mehrfach gemacht worden. Dennoch 
dürfte es nicht überflüssig sein , einige Andeutungen über die ge- 
wöhnlichen Verwechselungen dieser Art zu geben. Früher wurde 
Homalonotus rhenanus zusammen mit allen verwandten Arten immer 
mit Homalonotus Knightii König und Homalonotios Ludensis Murch. i) 
aus den englischen Ludloiu rocks verwechselt und für identisch 
gehalten. Auch G. und F. Sandberger standen im Jahre 1856 
noch auf diesem Standpunkte, wie das Synonymenverzeichniss ihres 
crassicauda in den »Versteinerungen des rheinischen Schichten- 
systems«, pag. 27, beweist. Dies hat wahrscheinlich seinen Grund 
darin, dass Rumpf und Pygidium sämmtlicher hierher gehörenden 
Arten im Allgemeinen grosse Aehnlichkeit haben und die in der 
Form der Schwanzspitze hervortretenden Unterschiede in den 
meisten Fällen deshalb nicht zur Geltung kommen, weil dieser 
Theil gewöhnlich mangelhaft erhalten ist oder ganz fehlt. Ebenso 
verhält es sich mit den vortrefflichen, in der Schalen -Sculptnr 
liegenden Unterscheidungs- Merkmalen, welche auf den in der 
Grauwacke und im Quarzit vorkommenden Steinkernen und Ab- 
drücken nicht sichtbar sind. Auch sehen sich die Steinkerne der 
verwandten Art im Allgemeinen so ähnlich, dass man an eine 
Unterscheidung derselben nicht dachte. Dieses gleiche Aussehen 
kommt aber nicht allein für die Unterscheidung der rheinischen 
Devon -Homalonoten unter einander in Betracht, sondern auch für 
die dieser von den verwandten Formen aus den Silurschichten Eng- 
lands. Freilich gehören diese letzteren durch ihre abweichende 
Kopf bildung meist einer anderen Gruppe an, die sich durch convex- 
bogigen oder parabelförmig vortretenden Stirnrand auszeichnet, wie 
Homalonotus delphinoceplialus Green. Die hier gedachten Formen 



') Ho'iiuilonoius Ludeitsis Murch. wird nach Saltisk jetzt allgemein als Synonym 
von Knightii angesehen (Monogr. Brit. Tril., pag. 121). (E. K.) 



n091 Beschreibung der Homalonotus - Arten. 3,7 

des rheinischen Unterdevou bilden dagegen eine Gruppe mit zwar 
geradlinigem, aber mit zwei Ecken vorspringenden Stirnrande. Von 
Formen des englischen Silurs gehören zu derselben Gruppe nur 
Homalonotus Ludensis Muroh. Dass Sandberger's Homalonotus 
crassicauda nicht identisch ist mit Homalonotus Kniyhtü^ sprach 
zuerst Ferd. Römer im Jahre 1865 (Zeitschr. d. D. geol. Ges., 
pag. 593) aus. Dieser Forscher unterschied aber nicht die spitz- 
schwänzigen Formen von den stumpfschwänzigen , wie solches 
später durch DE KoNmcK (Ann. d. belg. geol. Ges., 1876) ge- 
schehen ist. Schon viel früher, nämlich im Jahre 1843, unter- 
schied BüRMEiSTER nach Exemplaren der SACK'schen Sammlung 
im rheinischen ünterdevon eine stumpfschwänzige und eine spitz- 
schwänzige Art. Unter der stumpfschwänzigen Art aber verstand 
dieser Autor nicht Homalo7wtus crassicauda^ sondern den bis 1876 
damit identificirten Homalonotus rhenanus von Stadtfeld, während 
er unter der spitzschwänzigen Art den stellenweise noch häufigeren 
Homalonotus scahrosus C. Koch meinte. Doch verwechselte er den 
letzteren wieder mit Homalonotus delpMnocephalus, was nicht hätte 
vorkommen können, wenn er den von delphinocephalus ganz ab- 
weichenden, abgestutzten Kopf unseres rhenanus gekannt hätte. 

Als ich im Jahre 1876 das reiche Material von Homalonotus- 
Resten in der Sammlung des naturhistorischen Vereins in Bonn 
kennen lernte, fiel mir sofort der Unterschied in den Schwanz- 
spitzen auf und ich glaubte Homalonotus rhenanus und Homcdonotus 
crassicauda leicht unterscheiden zu können. Da ich aber in schein- 
baren Mittelformen und extremen Typen bald wesentliche Schwierig- 
keiten fand, so wurde ich zu einer eingehenderen Beachtung der 
feineren Unterscheidungs- Merkmale, namentlich der Sculpturver- 
hältnisse, veranlasst. Indcss kam ich erst zu einer gewissen Klar- 
heit, als ich auf die Einreihung der nahe verwandten Arten in die 
beiden Typen der spitzschwänzigen und stumpfschwänzigen Formen 
Verzicht leistete und wesentlich nach den hier niedergelegten Prin- 
cipien innerhalb der breitstirnigen Gruppe 5 Arten annahm, von 
denen Homalonotus rhenanus eigentlich die Mittelform darstellt. 
Von Homalonotus scahrosus ist rhenanus durch die Sculptur, welche 
bei jener Art auch auf dem Steinkern immer deutlich hervortritt, 
leicht zu unterscheiden. Schwieriger ist seine Unterscheidung 



38 Beschreibimg der Homalonotus -Arten. [HO] 

von Eomcdonotus ornatus, wenn dessen längliche Papillen nicht er- 
halten sind und die neunte Pseudopleure fehlt. Dann bleiben als 
Unterschiede besonders die verschiedene Breite der Seitentheile des 
Pygidiums, welche bei Homalonotus rhenanus an Breite ungefähr 
der Rhachis gleichkommen, bei Homalonotus ornatus aber dieselbe 
übertreffen, sowie die verschiedene Form der Schwanzspitze, welche 
bei Homalonotus ornatus flach und kantig, bei Homalonotus rhe- 
nanus aber gewölbt und gerundet ist. Ausserdem aber ist auch 
die Leiste auf der Unterseite des Pygidiums (oder deren rinnen- 
fbrmiger Abdruck auf dem Steinkern) bei Homalonotus ornatus 
weiter nach innen gerückt und sehr matt und flach ; bei rhenanus 
dagegen liegt die betreffende Rinne dicht am Unterrande imd ist 
viel stärker markirt. Endlich sind auch die vorderen Pseudo- 
pleuren bei ornatus stärker nach vorn gebogen als bei rhenanus. 
Homalonotus Roemeri ist mir bis jetzt am unvoUständigsteu bekannt, 
indess durch die breiten, winkelig abgestutzten Rippenenden ge- 
nügend gekennzeichnet. Wo diese nicht vorliegen, kann das 
Pygidium der fraglichen Art an den auf den Seitentheilen an- 
setzenden Leistenrinnen erkannt werden, das Kopfschild aber an 
den mehr nach hinten gerückten, den Occipitalring tangirenden 
Augenhöckern. Von crassicauda, mit dem rhenanus zunächst ver- 
wandt ist, ist letzterer im Pygidium leichter zu unterscheiden, weil 
die charakteristischen Merkmale hier gewöhnlich erhalten sind. 
Diese Merkmale sind folgende: Bei rhenanus fallen die Glieder 
nach hinten steil ab, bei crassicauda sind sie gleichförmig gerundet. 
Die hinteren Pseudopleuren sind bei rhenanus sehr deutlich 
nach vorn gebogen, bei crassicauda fast gerade. Die Schwanz- 
spitze ist bei Homalonotus rhenanus viel weniger dick und stumpf, 
mit schwach unterständiger Rinne; bei Homalonotus crassicauda 
dagegen trägt die kurze, stumpfe Schwanzspitze ihre Leistenrinne 
genau auf der runden Umschlagskante. 

Die Abbildung Taf. 3, Fig. 1 stellt ein an den Seiten nach 
einem anderen Exemplar ergänztes, von Stadtfeld stammendes 
Kopfschild aus der Bonner Universitäts- Sammlung, Fig. 3 einen 
ideineren, ähnlich ergänzten Kopf vom gleichen Fundorte aus der 
Sammlung des naturhistorischen Vereins dar. Fig. 4 und 5 sind 



nil] Beschreibung 'der Homalonotus-Arten. 39 

zwei gut erhaltene Pygidien von demselben Fundort aus der 
Poppelsdorfer Sammlung. Fig. 6 veranschaulicht die stark ver- 
grösserte Sculptur eines Exemplars von der Grube Alte Mahl- 
scheidt bei Herdorf, Fig. 3 [nachträglich zugefügt!] ein unvoll- 
ständiges Kopfschild von Stadtfeld bei Daun in der Eifel. 



No. 7. Homalonotns crassicauda Sandberger. 

Taf. 5, Fig. 1 - 5. 

Homalonotus crassicauda G. u. F. Sasdbeeger, Versteinerungen des rheinischen 
Schichtensystems in Nassau, Wiesbaden 1856, pag. 27, 
tab. 2, fig. 7. 
Homalonotiis minor F. A. Römer, Beiträge zur geologischen Kenntniss des nord- 
westlichen Harzgebirges II, 1852, pag. 70, tab. 15, fig. 24. 

Homalonotus crassicauda ist sehr gedrungen gebaut und kaum 
mehr als doppelt so lang wie breit. Die Chitindecke scheint von 
derber Beschaffenheit gewesen zu sein, da mir Verdrückungen 
nicht bekannt sind. Vollständige Individuen sind bis jetzt nicht 
vorgekommen und auch einzelne Theile, meist Pygidien, gehören 
zu den selteneren Versteinerungen. 

Kopfschilder sind bis jetzt mit Sicherheit nicht nach- 
gewiesen und vom Rumpfe liegen nur einige zerrissene Segment- 
theile vor. Nach diesen muss der Rumpf ziemlich stark gewölbt 
gewesen sein und flache Längsfurchen oder nur Andeutungen von 
solchen besessen haben. Das einzige vorliegende Rippenende ist 
breit und vollkommen gerundet, verhältnissmässig kurz imd auf 
dem Steinkerne mit einer Rinne versehen. 

Das Pygidium ist dick und nach allen Richtungen regel- 
mässig gewölbt, wodurch es mehr die Form eines Ei- wie §ines 
Kegelabschnittes erhält. Dabei ist dasselbe immer breiter als lang. 
Die durch flache, aber deutliche Längsfurchen von den Seiten- 
theilen getrennte Rhachis verschmälert sich vorn fast rascher als 
hinten. Dieselbe ist etwas breiter als die Seitentheile, was bei 
anderen Arten nicht vorkommt. Durch flache, aber scharfe Quer- 
furchen ist die Rhachis in 13 Glieder getheilt, deren letzte sehr 



40 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1121 

imdentlich werden, so dass zwei derselben bisweilen fast ganz 
verschwinden. Die Glieder sind halbkreisförmig gewölbt und 
fallen hinten entweder sehr wenig oder nicht steiler ab als vorn. 
Die höchsten Punkte dieser Glieder bilden eine deutlich convexe 
Bogenlinie über dem Rücken des Rhachis, und zwar wird diese 
Biegung auf dem glatten Endtheile stärker. Eine leichte Auf- 
richtung der derben und kurzen Schwanzspitze ist für unsere 
Art charakteristisch. Die acht Pseudopleuren auf den Seiten- 
theilen sind derb, flachgewölbt und verlaufen in gerader Linie 
nach dem Rande des Pygidiums. Der letztere ist derb, nicht auf- 
geworfen, in gleichmässiger Rundung umgeschlagen und innen mit 
einer feineren Verstärkungsleiste versehen, welche auf dem Stein- 
kern als Rinne erscheint. Bei der typischen Form liegt diese 
Rinne genau auf der gerundeten Kante zwischen Seite und Um- 
schlag. Der glatte Hintertheil ist nur ein Drittel, so lang als der 
gegliederte Theil der Rhachis, beträgt also nur ein Viertel der 
Gesammtlänge des Pygidiums. 

Die Sculptur ist vielfach, besonders im körnigen Quarzit, 
durch das Versteinerungsmaterial alterirt. Doch liegen mir aus 
der Grauwacke einige Pygidien mit gut erhaltener Oberfläche vor. 
Nach diesen war die letztere mit ziemlich kleinen Grübchen ver- 
sehen, in welchen wahrscheinlich die Chitindrüsen-Ausgänge lagen. 
Diese Grübchen (Stigmen) sind deutlicher, grösser und entfernter 
gestellt als bei Homalonotus rhenanus. Zwischen denselben ist die 
Oberfläche sehr fein körnig, fast glatt und glänzend. Bei einem 
Exemplar aus der Sammlung der polytechnischen Schule zu Aachen, 
angeblich aus dem Condelthale bei Winningen, und einem anderen 
Pygidium ax;s der Bonner Sammlung-, von Daleiden stammend, 
sind die Grübchen recht deutlich zu sehen, während sie auf dem 
Sakdbfeger' sehen Original-Exemplare aus dem Grauwackenquarzit 
des unteren Lahnthaies kaum angedeutet sind und mir erst auf- 
fielen, nachdem ich die genannten, besser erhaltenen Stücke ge- 
sehen hatte. Auf Steinkernen ist die Sculptur nicht zu sehen. 

Formenverschiedenheiten können bei den wenigen deutlichen 
Resten, welche von dieser seltenen Art vorliegen, eigentlich nicht 
in Betracht kommen. Unter den wenigen, die ich beobachtet. 



[113] Beschreibung der Homalonotiis- Arten. 41 

befindet sich ein kleines Pygidiiiin aus dem Qnarzit der Grube 
Friedrichsseegen bei Braubach, welches mir Herr Bergrath 
Ulrich mitgetheilt hat, und ein ähnliches aus einem festen 
Grauwackensandstein vom Winterberger Forsthause bei Friedberg. 
Beide erinnern an die bei der vorigen Art ausführlich besprochenen, 
kleineren, spitzschvi^änzigen Formen, vy eiche möglicher Weise als 
Männchen der grösseren, dickschwänzigen Weibchen gedeutet 
werden könnten. Das Pygidium von der Grube Friedrichsseegen 
stimmt ziemlich gut mit dem von F. A. Römer aus dem Quarz- 
sandstein des Kahleberges im Harz abgebildeten Hoinalonotus minor 
überein, weshalb ich auch diesen Namen oben unter die Synonyme 
unserer Art aufgenommen habe. 

Die Grösse der Individuen von Homalonotus crassicauda über- 
trifft diejenige des verwandten rhenanus nur um Weniges. Die 
Länge mag dieselbe sein, also im Mittel ca. 150'""; die Breite 
dagegen ist bedeutender. Genau lässt sich das Verhältniss nicht 
feststellen, weil es an zusammenhängenden Individuen fehlt. Nach 
den Bruchstücken zu urtheilen, gehört Homalonotus crassicauda 
zu den mittelgrossen Homalonoten. Ein vollständiges Pygidium 
von Daleiden ist 49™'" lang und 56"™ breit, welches Verhältniss 
auch für das SANDBERGER'sche Original -Exemplar giltig ist. Die 
von Sandberger gegebene Abbildung (1. c. Taf. 2, Fig. 7) ist aus 
mehreren sich ergänzenden, unvollständigen Pygidien eines und des- 
selben, im Wiesbadener Museum aufbewahrten Handstückes com- 
binirt, daher in den Dimensionen verfehlt. Die wenigen anderen, 
mir in Bruchstücken vorliegenden Individuen sind kleiner als die 
oben genannten. Das zierliche, kleine Pygidium von der Grube 
Friedrichseegen ist 21™™ lang, aber etwas von der Seite zusammen- 
gedrückt, daher nur 1 5™™ breit. Somit würde das in der Diagnose 
angegebene Verhältniss hier nicht zutreffen; denn auch bei Be- 
rücksichtigung der Verdrückung würde die Breite kaum der Länge 
gleichkommen. Etwas Aehnliches wiederholt sich bei den kleinen 
Individuen aller Arten und ist entweder auf Geschlechtsunter- 
schiede oder auf Jugendzustände zurückzuführen. 

Das Vorkommen des typischen Homalonotus crassicauda 
ist immer selten und vereinzelt. Das Original -Exemplar von 



42 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1141 

Sandberger im Wiesbadener Museum trägt die Etikette »Hohen- 
rhein bei Oberlahnstein«. Damit kann aber nicht der Haupt- 
fundort für die zahlreichen Exemplare von Homalonotus scabrosus 
gemeint sein, welche unter der Etikette Homalonotus crassicauda 
von Hohenrhein verbreitet vi^orden sind; denn das SANDBERGER'sche 
Stück besteht aus einem weissgrauen, festen, grobkörnigen Quarzit, 
wie solcher oberhalb der Hohenrheiner Hütte sattelartig aus 
Plattensandsteinen und Chondritenschiefern hervortritt, während 
die an Homalonotus -Resten überaus reiche, sandsteinartige, gelbe 
Grauwacke am unteren Kohlenschuppen der Hohenrheiner Hütte 
ansteht und dem Chondritenschiefer auflagert. Der Fundort des 
Pygidiums von der Grube Friedrichsseegen liegt in einem dem 
eben erwähnten parallelen Sattel von Grauwacken - Quarzit. In 
einem ähnlichen Quarzit bei Burg-Schwalbach fand ich ein schlecht 
erhaltenes Bruchstück. Die besten von mir aufgefundenen Stücke 
stammen vom Winterberger Forsthause unweit Friedberg, aus 
einer gelben, quarzitischen Grauwacke, welche dem Taunusquarzit 
sehr nahe liegt. Von der linken Rheinseite ist mir nur das gut 
erhaltene Pj'gidium von Daleiden in der Bonner Sammlung, sowie 
ein anderes aus dem Condelthale in der Sammlung der polytech- 
nischen Schule zu Aachen bekannt geworden. Die vielen anderen, 
von verschiedenen Autoren angeführten Fundorte beruhen zum 
grössten Theile auf Verwechselung mit anderen Arten dieser Gruppe, 
wie dies oben für einige nachgewiesen worden ist. 

Die Abbildung Taf. 5 , Fig. 2 , bezieht sich auf das mehr- 
genannte Exemplar von Daleiden in der Sammlung des natur- 
historischen Vereins zu Bonn, ebenso die stark vergiösserte 
Sculptur Fig. 2a. In Fig. 1, 3 und '4 sind Bruchstücke aus dem 
Wiesbadener Museum dargestellt, welche als Originale zu den 
von G. und F. Sandberger combinirten Abbildungen auf deren 
Taf 2, Fig. 7 gedient haben. Fig. 5 endlich ist das mehrfach 
genannte, kleine Pygidium von Friedrichsseegen. 



ri]5"| Beschreibung der Homalonotus- Arten. 43 

No. 8. Homalonotus scabrosus C. Koch. 

Taf. 3, Fig. 8 — 10; Taf. 4. 

Homalonotus delphinocephahis Bubmeistek, Organisation der Trilobiten etc., Berlin 

1843, pag. 102. 
Homalonotus scabrosus C. Koch, Verhandl. des naturhist. Vereins für Rheinland 

und Westfalen, 1880, Corr.-Bl. pag. 134, 137, 140. 
Homalonotus Knightü und Homalonotus crassicauda div. Autoren. 

Diese Form ist eigentlich nichts weniger als neu, denn von 
allen Arten ist keine in den Sammlungen so regelmässig ver- 
treten als sie. Auch ist keine leichter von den verwandten Formen 
zu unterscheiden als sie, und es ist daher ganz besonders auf- 
fallend, dass sie so lange verkannt geblieben ist. 

Das Kopfschild ist flach gewölbt und sehr breit. Seine 
Breite verhält sich zur Länge wie 2 zu 1 ; ja, bei manchen 
Exemplaren ist es zwischen den Hinterecken mehr als doppelt so 
breit wie lang. Die Glabella ist hinten etwas breiter als vorn 
und hat dadurch die Gestalt eines Paralleltrapezes, dessen Ecken 
weniger gerundet sind als bei anderen Arten. Ihre Höhe ist ge- 
ringer als ihr Hinterrand, aber beträchtlicher als ihr Vorderrand. 
Die Wangen sind ziemlich flach gebogen, die gerundeten 
Hinterecken ziemlich in die Breite ausgezogen. Die Augen- 
höcker sind flach gewölbt, in der Regel nicht höher als die Gla- 
bella, welche letztere ihre grösste Höhe in der Mitte hat. Die 
zapfenförmigen Augenträger sind an der Spitze stumpf gerundet 
und sitzen an der Basis den Augenhöckern fast cylindrisch oder 
spitz kegelförmig auf. Die Occipitalfurche ist scharf und winkelig 
eingeschnitten, ziemlich tief, aber nicht breit, in der Mitte gleich- 
förmig und grade und nicht oder nur ganz unbedeutend aus- 
gebuchtet; der Occipitalring dagegen ist breit und gleichförmig 
flachbogig gerundet, kaum so hoch als der Hinterrand der 
Glabella. Der Stirnrand ist flachbogig concav und die ihn be- 
grenzenden Ecken spitzer als bei den anderen Arten mit geradlinig 
abgestutztem Stirnrande. Die an die Vorderecken anschliessenden 
Seitenränder sind vorn gerade und verlaufen in ganz flacher, zu- 
erst etwas concaver, dann convexer Biegung nach den gerundeten 



44 Beschreibung der Homalouotus- Arten. [1161 

Hinterecken. Die Gesichtslinie beginnt in der Nähe der Vorder- 
ecken in gerader Kichtimg und läuft dann in flach - convexem 
Bogen nach den Augenträgern, hinter diesen aber in flach -con- 
cavem Bogen mit S-förmiger Windung nach den Hinterecken, 
um über deren Rundung den Stirnrand zu erreichen. 

Von dieser Art ist auch ein Hypostoma erhalten (Taf. 4, 
Fig. 4). Dasselbe gleicht in der Gestalt einem gekielten Wappen- 
schilde, dessen Seitenränder als Fortsetzung der Gesichtslinien zu 
betrachten sind, welche sich unter diesem Schalentheile vereinigen. 

Der ßumpf liegt nur in einzelnen Segmenten vor. Nach 
diesen muss er ähnlich wie der von Homalonotus oniatus gewölbt 
gewesen- sein, doch scheinen die Längsfurchen zu beiden Seiten 
der Spindel nur äusserst schwach angedeutet gewesen zu sein. 
Die Länge der Rippen beträgt etwas mehr als die Hälfte der 
Spindelsegmente. Letztere sind hoch gewölbt, erstere an ihrer 
Ansatzstelle nicht merklich aufgetrieben und nach den Enden ver- 
flacht. Die Enden der vorderen Rippen sind stark winkelig con- 
tourirt, die der hinteren etwas mehr gerundet. Auf dem Stein- 
kern sind die Rippen mit einer tiefen Rinne versehen, welche den 
Abdi'uck der tief eingesenkten, starken, gerundeten Spannleiste 
der Segmente andeutet (Taf. 4, Fig. 5). 

Das Pygidium ist in seiner Form vielfach durch Verdrückung 
alterirt, wie auch die übrigen Theile eine sehr dünne, und bieg- 
same Chitindecke vermuthen lassen. Die Gestalt gleicht der Spitze 
eines sehr gestreckten, halben Ellipsoids, indem der Rücken der 
Rhachis etwas gebogen ist. Diese Biegung ist indess schwächer 
als bei Homalonotus crassicaiida. Die Länge des Pygidiums ver- 
hält sich zur Breite wie 7 zu 6 oder auch wie 6 zu 5. Kleine 
Exemplare sind etwas schlanker. Die Längsfurchen zu beiden 
Seiten der Rhachis sind sehr flach und undeutlich, entsprechend 
den kaum bemerkbaren Längsfurchen des Rumpfes. Die Quer- 
furchen der Rhachis sind tief eingesenkt, die Glieder gleichförmig 
gewölbt und oben flachbogiger als bei anderen Arten (nur denen 
von Ilomalonottis crassicauda ähnlich). Man zählt im Ganzen elf 
Glieder, von denen das letzte undeutlich wird. Der flacbgewölbte 
Rücken der Rhachis ist auf dem glatten Theile etwas stärker ge- 



[117] Beschreibung der Homalonotus- Arten. 45 

bogen und läuft allmählich in die horizontal ausgestreckte Schwanz- 
spitze aus. Dieses glatte Ende ist genau halb so lang als der 
gegliederte Theil der Rhachis, beträgt also ein Drittel der Ge- 
sammtlänge des Pygidiums. Das Schwanzende ist winkelig spitz, 
zuweilen etwas acuminat. Die Seitentheile des Pygidiums sind 
etwas breiter als die Rhachis, besonders nach hinten zu. Auf 
denselben erheben sich acht Pseudopleuren, deren letzte undeut- 
lich ist und bei kleineren Exemplaren manchmal ganz fehlt. Im 
Uebrigen sind die Pseudopleuren markirt, breit und flachbogig ge- 
rundet, kaum gebogen, fast bis zum Rande reichend. Der derbe, 
stumpf kantige Rand ist merklich aufgeworfen, erhebt sich gegen 
hinten, so dass die Schwanzspitze über der Ebene der Unterseite 
liegt, und läuft kurz vor der Schwanzspitze wieder geradeaus. 
Die Leistenrinne auf dem Steinkern ist nicht tief, aber immer 
deutlich und liegt zwar der Unterkante genähert, aber noch deut- 
lich auf der Seite. 

Die Sculptur ist bei Homalonotus scabrosus sehr interessant 
und eigenthümlich. Die ganze Oberfläche erscheint mit starken 
Warzen bedeckt. Diese sind zuweilen hoch, zapfenartig, und da- 
bei findet die eigenthümliche Erscheinung statt, dass sie auf Stein- 
kern und Abdruck zugleich und zwar correspondirend vorkommen. 
Dadurch gewinnt man den Eindruck, als ob die Zäpfchen, die in 
abgeriebenem Zustande als Wärzchen erscheinen, ursprüngliche 
Ausfüllungen einer Durchbohrung der Chitindecke seien. Eine 
solche siebförmig durchlöcherte Chitindecke lässt sich aber zoolo- 
gisch und physiologisch nicht gut denken, und zwar umso- 
weniger, als bei anderen, mit unserer Art verwandten Homalo- 
noten noch niemals etwas Aehnliches beobachtet worden ist. 
Ich denke mir die Warzen als Ausfüllungen zarter Hohlstacheln 
und habe solche durch Schlifie und Querbrüche zu präpariren 
gesucht. Dies ist aber nur einmal und ganz unvollständig ge- 
lungen, und ich nehme daher an, dass die Stacheln in den meisten 
Fällen vor der Einbettung abgebrochen und abgerieben waren, 
wodurch wirkliche Löcher in der Chitindecke entstanden. Ein 
Theil der Wärzchen besserer Abdrücke stellt jedenfalls die con- 
vexen Abdrücke der zwischen den gröberen Hohlstacheln stehenden 



46 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1181 

Mündungen der Stigmen dar, welche bei allen Trilobiten vor- 
handen gewesen sein mögen; ein anderer Theil, welcher nicht 
zapfenartig hervortritt, sondern wirkliche Warzen oder Papillen 
bildet, mag als Verkümmerung eigentlicher Hohlstacheln zu 
Papillen angesehen werden. Das ganze Tbier war mit solchen 
Organen besetzt, welche die beschriebenen Stachelnarben zurück- 
liessen, und besass daher eine scharfe und rauhe Oberfläche. Auf 
der Glabella sind die Warzen besonders gleichförmig und haben 
0,5™" Durchmesser; auf den Spindelsegmenten des Rumpfes stehen 
sie weniger dicht, sind aber theilweise dicker, bis zu 0,7"™ Durch- 
messer; auf dem Pygidium endlich sind sie feiner, besonders an 
dessen Rande und auf der Schwanzspitze. 

Formenabweichungen scheinen bei Homalonotus scabrosus nur 
in Folge von Verzerrungen oder durch das Versteinerungsmaterial 
vorzukommen. Auch hier trifft man kleinere Individuen an, von 
denen einige nur sieben Pseudopleiiren besitzen. 

Die Grösse der Individuen schwankt bei dieser Art etwas 
mehr als bei Homalonotus crassicauda und Homalonotus rhenanus, 
was aber daher kommen mag, dass Homalonotus scabrosus viel 
häufiger ist vuid deshalb mehr Individuen zur Untersuchung vor- 
lagen. Die mittlere Grösse der Art mag auf 180 bis 200"" ange- 
nommen werden; indess kommen grössere Individuen nicht selten 
vor, wie einige Pygidien von 86™" Länge und 77'"™ Breite zeigen, 
welche Individuen von 340 bis 350™" Länge angehört haben mögen. 
Die kleinen Pygidien von 6"" Länge entsprechen einer Minimal- 
grösse von 23 bis 25"™ des ganzen Thieres. 

Homalonotus scabrosus scheint auf einen ganz bestimmten 
Horizont beschränkt zu sein, welcher auf der Grenze zwischen 
Chondritenschiefer und den Oberen Coblenzschichten liegt und wohl 
noch dem ersteren zugerechnet werden dürfte. Dadurch wird das 
Petrefact ein gutes Leitfossil, besonders da es an der beschriebenen 
Sculptur in allen seinen Theilen leicht erkannt und mit keiner 
anderen Art verwechselt werden kann. Als Ilauptfundort ist die 
Hohenrheiner Hütte bei Niederlahnsteiu anzuführen, wo hinter dem 
untersten Kohlenschuppen am Gehänge eine Schicht fester, gelb- 
grauer Grauwacke zwischen blaugrauen Schiefern ansteht, die ca. 



ni91 Beschreibung der Homalonotus- ArteB. 47 

400"™ mächtig, stellenweise ganz mit Trümmern dieses Homalo- 
notus erfüllt ist, ohne dass sich bis jetzt vollständige Exemplare 
des Thieres gefunden hätten. Alle Exemplare, welche unter der 
Bezeichnung Oberlahnstein und Niederlahnstein in vielen Samm- 
lungen verbreitet sind, stammen von diesem Fundorte, welcher zu 
verschiedenen Zeiten von Petrefacten-Händlern ausgebeutet worden 
ist. Oberhalb des Bahnhofes von Ems, dicht bei dem Reservoir 
der städtischen Wasserleitung, tritt in einem alten Steinbruche in 
gleichem Horizont wie bei Hohenrhein über blaugrauem Chon- 
dritenschiefer dasselbe Gestein, nur mit weniger gut erhaltenen 
Resten von Homalonotus scabrosus, zu Tage. In einem der mitt- 
leren Stolln der Grube Lindenbach unterhalb Ems, wo nach dem 
Sattel- und Muldenbau der Schichten derselbe Horizont zu erwarten 
ist, treten schwarzblaue Schiefer mit glimmerigen Grauwacken- 
bänken auf, in welchen sich Homalonotus scabrosus in vereinzelten 
Exemplaren findet (Sammlung von Bergrath Wenkenbach in Weil- 
burg). Ausserdem ist mir diese Art noch von Kemmenau bekannt. 
Auch auf der linken Rheinseite kann sie an einigen Orten nicht 
selten sein. BüRMEISTER giebt als Fundort der von ihm als 
Homalonotus delphinocephalus beschriebenen, aus der SACK'schen 
Sammlung stammenden Exemplaren eine gelbe, stark eisenhaltige 
Grauwacke der Eifel an. Exemplare aus dieser gelben Grauwacke 
liegen auch in Bonn, indess ohne nähere Fundort- Angabe. Auch 
aus anders aussehenden Schichten sind in der reichhaltigen Samm- 
lung des naturhistorischen Vereins verschiedene Theile aufbewahrt, 
darunter ein sehr grosses, wohlerhaltenes Pygidium von Valendar 
am Rhein i). 

Bemerkungen über besondere Unterscheidungs- Merkmale der 
Art sind kaum nöthig, da schon aus der Beschreibung hervor- 



') Wie mehrere im Besitze der Landesanstalt und der Berliner Universitäts- 
Sammlung befindliche Reste beweisen, kommt Homalonotus scabrosus auch im 
Sandstein des Kahleberges und der Schalke zwischen Clausthal und Goslar vor. 
Die Art erreicht dort noch viel grössere Dimensionen als am Rhein und ist von 
A. Römer schon vor langer Zeit unter dem Namen Homalonotus gigas beschrieben 
■worden (vergl. den letzten Abschnitt dieser Arbeit). Da übrigens die Kahle- 
berger Fauna der Oberen Coblenzstufe gleichsteht, so geht daraus hervor, dass 
scabrosus oder gigas höher hinaufgeht, als Koch annahm. ( E. K.) 



48 Beschreibung der Homalonotus-Arten. [1201 

geht, dass Homulonotiis scabrosus in allen Theilen wesentlich von 
den übrigen Arten unterschieden ist. Besonders ist es das zu- 
gespitzte Schwanzende und die rauhe Oberfläche, welche sofort 
in die Augen fallen. — Burmeister hat das erstgenannte Merk- 
mal sehr wohl wahrgenommen. Auch das letztgenannte hat er 
nicht übersehen, aber als allen Homalonoten zukommend angesehen 
und daher nicht besonders erwähnt. Zur Zeit, als die Gebrüder 
Sändberger ihre eifrigen und verdienstvollen Studien im rhei- 
nischen Schichtensysteme machten, muss der reiche Fundort bei 
Hohenrhein noch nicht aufgeschlossen gewesen sein, sonst hätte 
derselbe jenen Forschern unmöglich entgehen können, zumal 
ihnen der ungleich seltenere Homalonotus crassicauda von einem 
ganz naheliegenden Fundorte in die Hände fiel. Die genannten 
Gelehrten hatten im Jahre 1856 noch über ein verhältnissmässig 
geringes Material zu verfügen, welches jetzt dem Museum des 
Vereins für Naturkunde zu Wiesbaden angehört und mir für diese 
Arbeit vorgelegen hat. In diesem Material befindet sich nicht ein 
einziges Exemplar von Homalonotus scabrosus , und auch von ver- 
wandten Arten sind nur Homalonotus crassicauda und ornatus in ver- 
einzelten Pygidien vertreten. Das spitz auslaufende Schwanzende 
von Homalonotus scabrosus bricht leicht ab, wodurch ein auffallendes 
Merkmal verloren "geht, und dies ist wohl der Hauptgrund, wes- 
halb die verhältnissmässig häufige Art bis jetzt gänzlich übersehen 
worden ist. 

Die begleitenden Abbildungen sind sämnitlich nach Exem- 
plaren von der Hohenrheiner Hütte bei Niederlahustein ange- 
fertigt. 

Taf. .3, Fig. 8 und Taf 4, Fig. 1 und 2 stellen drei wohl 
erhaltene Kopfschildor, Taf .3, Fig. 10 (nachträglich zugefügt!) 
und Taf. 4, Fig. 3 und 6 drei Schwanzschilder dar. Taf. 3, Fig. 9 
ist ein Pygidium eines sehr jungen Individuums. In Taf. 4, Fig. 4 
ist ein Hypostoma abgebildet, in Fig. 5 endlich ein isolirtes Thorax- 
Segment. 

Sämmtliche Originale (ausser demjenigen zu Taf. 3, Fig. 10) 
befinden sich in meiner Privatsammluna:. 



n211 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 49 

No. 9. Homalonotus obtusus Sandberger. 

Taf. 6, Fig. 1 — 4. 

Homalonotus obtusus G. u. F. Sandeeegee, Die Versteinerungen des rheinischen 
Schichtensystems in Nassau, Wiesbaden 1856, pag. 26, tab. 2, 
fig. 6 — 6d. 

Asaphus subtyrannus d'Archiac et de Veeneuil zum Theil, Geolog. Transact. 
2. ser. vol. VI, pag. 336. 

Vollständige Exemplare dieser Art sind bis jetzt nicht be- 
kannt; unvollständige Stücke von Kopf und Rumpf liegen nebst 
einer Anzahl mehr oder weniger vollständiger Pygidien von ver- 
schiedenen Fundorten vor. Die Chitindecke scheint dünn und 
zerbrechlich gewesen zu sein ; daher der Mangel an vollständigen 
Theilen und das wechselnde Aussehen der erhaltenen Reste. 

• Das Kopfschild liegt mir nur von der Unterseite sichtbar 
vor und wurde in dieser Lage auch von Sandberger abgebildet 
(Taf. 6, Fig. 3). Der Stirnrand ist darnach fast halbkreisförmig, 
in der Mitte etwas nach vorn vorgezogen. Die Gesichtslinien ver- 
laufen über denselben in einem Abstand von 8™"" bei einer Kopf- 
breite von 60™™ und vereinigen sich 9"" vom Vorderrande in 
einem wenig stumpfen Winkel, dessen Schenkel schwach S-förmig 
gebogen sind. Das zwischen Vorderrand und Gesichtslinien lie- 
gende Schalenstück scheint dem bei Homalonotus scabrosus be- 
schriebenen Hypostom zu entsprechen. 

Der Rumpf ist ziemlich flach, mit sehr schwach angedeuteten, 
flachen Längsfurchen. Die Spindelsegmente sind fast eben und 
nur am Hinterrande unmerklich aufgeworfen. Eine schmale, linien- 
förmige Furche deutet die Lage der massig dicken Spannleiste auf 
ihrer ünterfläche an. Auf der Oberseite ist diese .Linie nach der 
Vorderseite durch eine scharfe, fadenförmige Kiellinie begrenzt, 
bis zu welcher sich die Glieder unter einander einschieben. Die 
Rippen sind wesentlich schmäler als die Spindelglieder. Ihre 
Enden sind schlecht erhalten, scheinen aber flachbogig abgerundet 
zu sein. 

4 



50 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1221 

Das Pygidiiim ist breit, aber nicht ganz doppelt so breit 
als lang, ziemlich flach und fällt langsam nach den Seiten und 
noch langsamer nach hinten ab. Nur bei seitlich verdrückten 
Exemplaren, wie sie nicht selten vorkommen, ist dieses Verhältniss 
gestört. Die durch sehr flache, aber immer noch deutliche Längs- 
furchen begrenzte Rhachis ist durch seichte, auch auf dem Grunde 
gerundete Querfurchen in elf flachbogig gerundete Glieder getheilt, 
deren beide letzte nicht selten verschwinden. Das Ende der Khachis 
fällt ganz allmählich nach der Schwanzspitze ab und bildet hinter 
dem letzten Gliede ein matt angedeutetes Fünfeck mit gerundeten 
Ecken, welches aber nur bei sehr gut erhaltenen Exemplaren 
deutlich ist. Die Seitentheile des Pygidiums sind wenig breiter 
als die Rhachis. Sie tragen acht Pseudopleuren, welche sich in 
flacher Wölbung gleichmässig erheben und geradlinig nach dem 
Rande verlaufen. Vorn liegen sie mehr in der Richtung €er 
Rippen, hinten aber bilden sie immer einen stumpfen Winkel mit 
den Rhachisgliedern. Dieser Winkel nähert sich nur bei ver- 
drückten Exemplaren dem rechten. Der massig breite Rand ent- 
fernt sich von den Enden der Pseudopleuren in flachem Bogen 
und erscheint dadurch ein wenig aufgeworfen. Die Schwanzspitze 
tritt nicht über die Randbreite hervor, sondern ihr Ende rundet 
sich in stumpfer Parabelform gleichförmig ab, so dass der glatte 
Endtheil kaum ein Fünftel der Pygidiumlänge misst. 

Die Sculptur besteht bisweilen in einer feinen Körnelung 
der Oberfläche, welche aber erst bei der Petrificirung entstanden 
zu sein scheint, weil sie au einigen sehr wohl erhaltenen 
Stücken, namentlich einem Pygidium mit erhaltener Schale, nicht 
sichtbar ist. Auf diesem wohlerhaltenen Schalenstücke sieht man 
deutliche, sehr feine Stigmen mit trichterförmig ausgebreiteter 
Mündung, die in regelmässigen Abständen über die Oberfläche 
verbreitet sind. Zwischen den Stigmen ist die Schale fast glatt. 

Formenschwankungen sind bei dieser Art durch Ver- 
drückungen und Verzerrungen bedingt und kommen so oft vor, 
dass verzerrte Stücke häufiger sind als nicht verzerrte. Andere 
Unterschiede sind in der grösseren oder geringeren Deutlichkeit 



r]231 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 51 

der Rhachisglieder und Pseudopleuren begründet, sowie in der 
mehr oder weniger stumf)fen Rundung des Schwanzendes, bei dem 
aber der Grad der Aufrichtung hauptsächlich von der Verschiebung 
abhängen dürfte. 

Die Grösse der Individuen schwankt wenig, da besonders 
kleine Exemplare bis jetzt noch gar nicht vorgekommen zu sein 
scheinen. Ein mir vorliegendes, in Rumpf und Pygidium voll- 
ständiges Exemplar von Wissenbach ist 82™" lang. Davon kom- 
men auf den Rumpf 56, auf das Pygidium 26™". Die meisten 
vorliegenden Pygidien aber sind grösser, etwa 48™'" lang und 80™™ 
breit. Dagegen liegt mir auch ein Pygidium von 76™™ Länge vor, 
welches einem Thiere von 280 bis 300"™ entsprochen haben dürfte, 
während die Art gewöhnlich nur etwa 140 bis 180™™ Länge er- 
reicht haben dürfte. 

Das Vorkommen von Homalonotus obtusus scheint sich auf 
den Orthoceras-Schiefer zu beschränken. Die von Schnür ange- 
führten Fundorte von Wachsweiler und Daleiden scheinen mir 
sehr zweifelhaft und ich habe daher den Namen Homalonotus sub- 
tyrannus nur nach Sandberger's Vorgehen und mit Widerstreben 
unter den Synonymen angeführt i). Die von Wirtgen und Zeiler 
im Leonhard - BRONN'schen Jahrbuch für 1852 und im Jahrbuch 
des naturhistorischen Vereins für Rheinland und Westfalen, Jahr- 
gang 1854 angeführten Fundorte sind sämmtlich zu ignoriren, da 
die sonst so vortrefflich drientirten Forscher Homalonotus obtusus 
mit Homalonotus crassicauda inclusive den verwandten Formen, 
Homalonotus ornatus, rheiianus und scabrosus, verwechselt haben. 
Der ächte Homalonotus obtusus liegt mir in des Autors Original- 
Exemplaren und verschiedenen anderen, aus meiner Privatsammlung 



1) Unvollständige Bruchstücke in der Sammlung der geologischen Landes- 
anstalt scheinen darauf hinzuweisen, dass die Art in der That bei, Daleiden vor- 
handen ist. Aus etwa demselben Horizont wie Daleiden, aus dem Rotheisenstein 
und den begleitenden Schiefern der Grube Schweicher Morgenstern unweit Trier, 
besitzt die Landesanstalt ein ganz unzweifelhaft zu obtusus gehöriges Pygidium. 
Aus dem Orthoceras-Schiefer von Olkenbach liegen in der Sammlung der Landes- 
anstalt eine ganze Reihe hierher gehöriger Rumpf- und Schwanzreste. (E. K.) 

4* 



52 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1241 

stammenden Stücken von Wissenbach und Haiger, in einem guten 
Pygidium von Olkenbach in der Moselgegend, sowie in mehreren 
Exemplaren von Haintchen im Amt Usingen und von Langenbach 
im Weilthale vor. 

Taf. 6, Fig. 1 und 2 stellen zwei Pygidien, Fig. 3 den 
Unterrand eines Kopfschildes, Fig. 4 ein vergrössertes Stück der 
Schale dar. Alle Stücke stammen aus dem Orthoceras- Schiefer 
von Wissenbach. 



No. 10. Homalonotus multicostatus C. Koch. 

Taf. 6, Fig. 1 — 9. 

Diese der vorigen nahe verwandte Art liegt in einigen bis 
auf das Kopfschild wohl erhaltenen Exemplaren vor. Letzteres 
scheint noch nie gefunden, vielleicht aber nur nicht beobachtet 
worden zu sein. Auch hier spricht die Art und Weise der Er- 
haltung nicht für eine feste Chitindecke, wenn dieselbe auch in 
einzelnen Theilen fester war, wie bei obtusus. 

Der Rumpf ist gestreckt und im Ganzen sehr wenig gewölbt. 
Die vorderen vier Segmente wölben sich aber auffallend stärker, 
so dass eine vollständige Auftreibung entsteht, die sich bei 
so vielen Exemplaren wiederholt, dass man sie fast als No'rmal- 
erscheinung ansehen könnte. Die Längsfurchen zur Seite der 
Spindel fehlen entweder ganz oder sind durch kaum sichtbare, 
ganz flache Einsenkungen angedeutet. Die Rippentheile sind etwas 
breiter als die Spindel und ziemlich gerade gestreckt, dabei sehr 
flach. Die Spannleiste liegt dem Vorderrande der Segmente ge- 
nähert und ist auf der Oberfläche durch eine deutliche, faden- 
förmige Furche angedeutet. Li der Nähe der Spindel trägt jede 
Rippe eine Stachelnarbe. Eine zweite, ähnliche Narbe liegt weiter 
nach aussen auf jeder Rippe, so dass im Ganzen vier Längsreihen 
von Narben oder Puiikten entstehen, die aber nicht an allen Exem- 
plaren sichtbar sind. Die Rippen selbst sind gewöhnlich nur sehr 
schwach abgedrückt und müssen deshalb sehr zart gewesen sein. 
Sie werden nach den Enden merklich breiter. 



n251 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 53 

Das Pygidium ist sehr breit, und zwar — wo es nicht in die 
Länge verzogen ist — doppelt so breit als lang und gegen den Rumpf 
gewöhnlich in Form eines Kreisbogens abgegrenzt. Es ist im Ganzen 
ziemlich gleichförmig gewölbt und bildet fast einen Kugelabschnitt, 
welcher gegen das Ende der Rhachis etwas aufgetrieben ist. . Seit- 
lich zusammengedrückte Exemplare sind in der Regel stärker in die 
Länge gezogen. Die Grenzen zwischen Rhachis und Seitentheilen 
werden nur durch die unter sehr stumpfem Winkel angesetzten 
Pseudopleuren bezeichnet und bilden keine eigentlichen Längs- 
furchen. Die Seitentheile sind breiter als die Rhachis. Letztere ist 
durch massig tiefe, rundlich ausgehöhlte Querfurchen in dreizehn 
Glieder getheilt. Diese letzteren sind bogig gewölbt und treten 
vorn deutlich hervor, während sie nach hinten schwächer werden 
und zuletzt zuweilen ganz verschwinden. Auf den Seitentheilen 
erheben sich elf Pseudopleuren, in gleichem Verhalten wie die 
Rhachisglieder. Beide bilden zusammen einen massigen Kreis- 
bogen, welcher nicht immer, aber vielfach auf der Grenze etwas 
winkelig abgesetzt ist. Das Ende der Rhachis verläuft allmählich 
und verhältnissmässig flach nach dem sehr stumpfen Schwanzende. 
Der schmale, glatte Rand des Pygidiums tritt etwas aus der Wöl- 
bungsrichtung der Seitentheile heraus, bleibt aber immer noch 
etwas abwärts gesenkt. Er hängt mit dem Schwanzende ununter- 
brochen zusammen und ist am hinteren Ende nicht breiter als an 
der Seite, bisweilen sogar schmäler, wodurch das Pygidium eine 
überaus stumpfe Gestalt erhält. Das glatte Schwanzende hat ein 
Fünftel bis ein Sechstel der Gesammtlänge des Pygidiums. 

Die Sculptur ist sehr einfach. Nur hier und da bemerkt man 
Andeutungen von sehr feinen Stigmen; im Uebrigen ist die Ober- 
fläche ziemlich glatt und glänzend. Die erwähnten Stachelnarben 
sind mehrfach abgerieben, bei einigen Exemplaren aber treten die 
Mittelzeilen recht scharf hervor, während die äusseren, von weit 
feineren Stacheln herrührenden Narben fehlen. Wenn sie indess 
vorhanden sind, sitzen sie nicht, wie erstere, auf dem Rande der 
Segmente, sondern auf der feinen Spannringfurche. 

Die scheinbaren Form Verschiedenheiten beruhen mehr auf 
Verdrückungen, als auf ursprünglichen Difierenzen. Wie schon 



54 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1261 

oben erwähnt wurde, ist gewöhnlich der vorderste Theil des 
Rumpfes gewölbt, der hintere glatt und flach, wie das Pygidium. 
Es giebt aber auch Exemplare, die in der ganzen Länge gewölbt, 
wie auch solche, welche vorn flach und hinten gewölbt erscheinen. 
Dadurch erhalten die Individuen einen sehr verschiedenen Habitus, 
ebenso wie Pygidien, welche von der Seite zusammengedrückt 
sind, anders aussehen, als flachgedrückte, rund -begrenzte. Letz- 
tere ähneln denen von Homalonotus obtusus, unterscheiden sich 
aber leicht durch den Mangel deutlicher Längsfurchen, durch die 
grössere Zahl deutlich markirter Pseudopleuren nnd durch die 
glatte, meist glänzende Oberfläche. 

Die Grösse des Rumpfes mit Pygidium schwankt zwischen 
82™" und 130™™ Länge, so dass man für das ganze Individuum 
100 — 160™™ annehmen kann. Dabei sind aber Individuen ge- 
messen, welche nach ihren breit verzogenen Segmenten als in die 
Länge gezogen betrachtet werden müssen. Nach anderen, voll- 
kommeneren Pygidien darf als Maximallänge ganzer Individuen 
160 — 180™™ angenommen werden. Individuen von Durchschnitts- 
grösse sind 130"™ lang und 60 — 70™™ breit, bleiben also wesent- 
lich hinter Homalonotus obtusus zurück. Auch von multicostatus 
sind noch keine besonders kleine Individuen 'bekannt geworden. 

Das Vorkommen von Homalonotus multicostatus scheint sich 
bis jetzt ganz auf den Dachschiefer von Nieder-Erbach bei Hadamar 
zu beschränken, welcher wahrscheinlich den oberen Schichten des 
Unterdevon angehört, da er den mitteldevonischen Kalken nahe- 
liegt. 

Die Abbildungen Taf. 6, Fig. 6 und 9 sind nach einem Exem- 
plar meiner Privatsammlung, Fig. 8 nach einem kleineren aus dem 
Wiesbadener Museum, Fig. 7 nach einem anderen aus der Samm- 
lung des Herrn Bergrath Ulrich in Diez entworfen. (Fig. 5 nach- 
träglich zugefügt!) 



[127] Beschreibung der Homalonotus- Arten. 55 

No. 11. Homalonotus laevicauda Quenstedt. 

Taf.S, Fig. 1—6; Fig. 7?; Taf. 7, Fig. 5? 

Homalonotus sabtyrannus d'Archiac et de Verneuil ex parte, Geolog. Transact. 

2. ser. VI, pag. 336. 
Homalonotus laevicauda Quenstedt, Petrefactenkunde 1&52, pag. 294, tab. 23, fig. 9. 
Homalonotus oniscvs Wirtgen und Zeiler, Verliaudl. des naturhistor. Vereins für 

Rlieinland und Westfalen, 1854, pag. 475. 
Homalonotus mutabilis C. Koch, Verhandl. des naturhistor. Vereins für Rheinland 
und Westfalen, 1880, pag. 135, 138. 

Von dieser Art besitzt die Sammlung des naturhistoriscben 
Vereins zu Bonn eine ziemliche Anzahl vollständiger, aber kleiner 
Individuen. Mir selbst liegen grössere Individuen in allen Theilen 
ziemlich vollständig, wenn auch nicht in zusammenhängenden 
Exemplaren vor. Die kleinen und mittleren Individuen sind fast 
immer vollständig gekugelt, die grösseren immer ausgestreckt. Es 
scheint daher, dass die Art in der Jugend das Vermögen besass, 
sich zusammenzukugeln, dasselbe aber mit zunehmendem Alter 
allmählich verlor. Die kleinen und grösseren Individuen behalten 
in lithologisch abweichenden Gesteinen eine ziemlich constante 
Form, soweit solche nicht durch die unten zu erörternden Formen- 
schwankungen des Thieres selbst alterirt wird. Daraus lässt sich 
schliessen, dass die Art mit einer festen Chitindecke bekleidet 
war, welche Verdrückungen und Verschiebungen nur in geringem 
Maasse zuliess. Sowohl nach dem Verlauf der Gesichtslinien, wie 
nach der Beschaffenheit der übrigen Theile gehört Homalonotus 
laevicauda in das Subgenus Dipleura. 

Das Kopf Schild ist im Ganzen massig gewölbt, bei klei- 
neren Exemplaren noch stärker als bei grösseren , so dass es sich 
hier dem Halbkugeligen nähert. Dabei erheben sich die einzelnen 
Partieen des Kopfschildes nur wenig über die anderen. Die Breite 
des Kopfschildes beträgt nicht ganz das Doppelte der Dänge. Die 
Glabella ist fast noch einmal so lang als breit, am Hinterrande 
ebenso breit, als an der breitesten Stelle des Vordertheiles, in der 
Mitte aber wesentlich schmäler. Der Hinterrand ist ziemlich gerade, 
mit einer flachbogigen Einbuchtung nach vorn, der Vorderrand 



56 Beschreibung der Homalonotus-Ai-ten. [1281 

stark convex, die Seitenränder flach -convex. Im Ganzen erhält 
die Glabella auf diese Weise die Gestalt eines Biscuits. Sie ist 
massig erhöht, gleichförmig gewölbt und durch flache Furchen 
begrenzt. Die Wangen sind verhältnissmässig breit und flach- 
gewölbt, nur in der Umgebung der Augenhöcker etwas erhoben. 
Diese sind auf der der Glabella zugekehrten Seite fast doppelt so 
hoch als die Glabella, auf der Aussenseite aber ziemlich von gleicher 
Höhe. Sie sind verhältnissmässig gross und bilden stumpfe, kugel- 
förmige, vollkommen runde Zapfen. Die Occipitalfurche ist flach, 
hinter der Glabella schmäler als auf den Seitentheilen. Der Occi- 
pitalring ist schmal und tritt nicht so hoch hervor als die Glabella. 
Er verläuft in einem flach geschwungenen, in der Mitte etwas 
nach vorn gerichteten Bogen. Der Stirnrand springt in stumpfer 
Parabelform vor und setzt sich nach ganz flacher Einbiegung 
gleichförmig in die Seitenränder fort. Diese bilden einen ganz 
flachen Bogen, welcher allmählich mit stärkerer Biegung in die 
gerundeten Hinterecken übergeht. Die Gesichtslinie beginnt am 
Stirnrand mit einer flachen Einbuchtung, bildet dann einen con- 
vexen, dem Seitenrande der Glabella parallelen Bogen und läuft 
mehr geradlinig nach dem Augenträger. Unter dem Augenträger 
biegt sie unter rechtem Winkel in der Richtung der Occipital- 
furche um und erreicht, parallel mit dieser verlaufend, den Rand 
an den Hinterecken. 

Der Rumpf (Thorax) ist ziemlich stark und gleichförmig 
sewölbt, erreicht aber selbst bei den kleinen, kugelunacsfähigen 
Individuen im Querschnitt niemals den vollen Halbkreis. Aeltere 
Individuen sind wesentlich flacher. Vorn ist der Rumpf etwas 
breiter als hinten. Bei kleineren Exemplaren verhält sich die 
Länge des ersten Segments zu der des dreizehnten wie 3 zu 2; 
bei grossen Exemplaren wie 4 zu 3. Die einzelnen Segmente sind 
flach gewölbt, auf der Unterseite mit einer schmalen, aber tief- 
gehenden Spannleiste versehen, welche auf der Oberseite durch 
eine ziemlich tief eingeschnittene Rinne markirt ist. Diese Rinne 
liegt dem Vorderrande nur um Weniges näher als dem Hinter- 
rande, wenn jener nicht durch das vorhergehende Segment ver- 
deckt wird. Die Hinterseito ist durch eine feine, nicht aufgeworfene 
Randlinie begrenzt und erhebt sich von dieser aus ffleichförmigr 



ri291 Beschreibung der Homalonotus - Arten. 57 

mit flacher Wölbung, welche letztere auf den Seiten in Folge der 
schrägen Stellung der Pleuren etwas stärker ist als auf der Spindel. 
Die Rippen sind schmäler als die Spindel und etwas stärker 
gewölbt. Nur bei grossen Individuen ist ihre Grenze gegen die 
Spindel mitunter durch eine sehr schwache Einsenkung abgegrenzt. 
Am Ende sind die Rippen massig verbreitert und flach gerundet." 
Die Ausläufer der Spannleiste setzen nicht so weit fort, wie bei 
anderen Arten, besonders bei jugendlichen Exemplaren, womit 
deren Kugelungsvermögen zusammenhängt. 

Das Pygidium ist nach allen Seiten gleichförmig gewölbt 
und hat die Form eines stumpfen, flachgedrückten Paraboloids. 
Seine Länge verhält sich zur Breite wie 1 zu 2 oder wie 2 zu 3, 
bei ganz kleinen Individuen sogar bisweilen wie 3 zu 4. Die 
Rhachis ist nicht durch Längsfurchen getrennt, vielmehr bildet das 
ganze Pygidium mehr ein zusammenhängendes, eiförmiges Schild. 
Nur bei Exemplaren mit stärkerer Quergliederung entsteht durch 
die übereinanderliegenden stumpfen Winkel, in denen Pseudo- 
pleuren und Rhachissegmente zusammenstossen, eine Andeutung 
von Längsfurchen. Vollständig fehlt die Quergliederung eigentlich 
niemals, ausser wo sie durch Abreibung verloren gegangen ist. 
In der Regel findet man wenigstens eine Andeutung von acht 
Pseudopleuren, welche sich flachbogig zwischen flachen Furchen 
erheben, so dass ein senkrechter Durchschnitt derselben eine ziem- 
lich regelmässige Wellenlinie darstellt. Von diesen gleichförmig 
gerippten Pygidien aber kommen alle Uebergänge bis zu fast ganz 
glatten vor. Kleine Formen sind in der Regel weniger stark ge- 
rippt als grosse; doch giebt es auch grosse mit sehr schwacher 
und kleine mit verhältnissmässig starker Rippung. Der Rand des 
Pygidiums breitet sich flacher aus als die Seiten, ist hinten 
ein wenig breiter als an den Seiten und bildet eine etwas vor- 
tretende Schwanzspitze; an den Seiten wie am Schwanzende ist 
der Rand scharfkantig und liegt so ziemlich in einer Ebene. 
Die flache Wölbung der Mitte des Pygidiums schliest mit einem 
flachen Buckel, welcher sich steil zu der ausgestreckten, kurzen, 
flachen Schwanzspitze absenkt. Die Partie zwischen dem Buckel 
und der Schwanzspitze entspricht dem sonst vorkommenden glatten 
Endtheile und ist etwas länger als ein Fünftel des Pygidiums, 



58 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1301 

Die Sculptur ist feinkörnig rauh. Bei erhaltener Schale be- 
merkt man in der Decke feine Stigmen, welche mehr als noch 
einmal so dicht bei einander stehen als bei Homalonotus obtusus. 
Die Oberfläche des Steinkernes ist ziemlich glatt, th eil weise fast 
glänzend. 

Formenschwankungen kommen bei dieser Art häufiger vor, 
als bei irgend einer anderen, und es war daher sehr schwierig, ihre 
Grenzen festzustellen. Dass diese Schwankungen nicht etwa durch 
das Versteinerungsmaterial bedingt sind, geht daraus hervor, dass 
ganz gleiche Formenreihen bei Exemplaren aus blaugrauem Schiefer, 
bei solchen aus normaler Grauwacke und solchen aus einer Art 
Hornstein vorkommen. Es scheint mir daher nicht zweifelhaft, 
dass diese Formenwandelung zum Theil mit der Entwickelung zu- 
sammenhängt: die noch kugelungsfähigen Jugendzustände sind, wie 
schon bei anderen Arten angedeutet, immer schlanker gebaut, als 
ältere Individuen. Mit dem Alter nimmt die Breite mehr zu als 
die Länge; die Spannleisten verlängern sich und das Kugelungs- 
vermögen geht mehr oder weniger verloren. Mit dem Verhältniss 
von Länge und Breite des Pygidiums scheint aber auch der Grad 
der Kippung in Zusammenhang zu stehen. Glatte Pygidien sind 
immer schlanker gebaut als gerippte, und zwar liegen von letz- 
teren bis jetzt nur grössere Exemplare vor. , Dieses Verhältniss 
könnte zwar auch theilweise auf die Entwickelung zurückzuführen 
sein, weil Jugeudzustände immer ein glattes und schlankeres 
Pygidium haben; da sich aber diese Unterschiede schon bei einer 
gewissen Grösse der Individuen geltend machen und sich dann bis 
zur Maximalgrösse derselben steigern, und da sich ausserdem ein 
starkes Ueberwiegen der kleineren, schmalschwänzigen, schwach ge- 
rippten Formen gegen die grösseren, breitschwänzigen geltend macht, 
so könnte auch hier an besonders stark hervortretende Geschlechts- 
verschiedenheiten gedacht werden; und in diesem Falle möchte 
ich die spitzschwänzigen , glatten Formen als Männchen, die 
stumpfschwänzigen, breiten, gerippten dagegen als Weibchen an- 
sehen. 

Die Grösse der Individuen ist schon oben als sehr variabel 
bezeichnet worden; im Ganzen muss aber die Art zu den kleineren 



ri311 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 59 

Homalonoten gezählt werden, obwohl grössere Individuen mittleren 
Exemplaren mittelgrosser Arten gleichkommen. Das grösste mir 
vorliegende, vollständig gekugelte Individuum hat 31™'" Kugel- 
durchmesser bei 35'"™ grösster Breite. 

Der Kopf ist 21""" lang, der Rumpf berechnet sich auf 48"""; 
das Pygidium misst 19™™, wobei 4™™ Zwischenraum zwischen 
Stirnrand und Schwanzende zu berücksichtigen sind. Die Summe 
dieser Maasse ergiebt 92'"™, während die Kreislinie bei 31™™ Durch- 
messer 97,35™™ beträgt. Die 6'"™ betragende Differenz beruht 
darauf, dass Kopf- und Pygidium -Länge nicht über den Bogen, 
sondern in der Sehne gemessen werden müssen. Ebenso muss 
aber auch der Rumpf im Stadium der Kugelung als im höchsten 
Grade der Dehnung befindlich angesehen werden. Das gewon- 
nene Resultat kann daher nicht das Verhältniss für Individuen 
in gestreckter Lage bezeichnen, sondern die Rumpflänge muss in 
diesem Falle auf 34™™ reducirt werden, wenn man 1,2™™ Ein- 
schiebung für jedes der 13 Glieder, also zusammen 14™™ in Abzug 
bringt. Ein wohl erhaltenes Stück vom Rumpfe eines grossen 
Individuums hat neun Segmente in gestreckter und ein zehntes 
in nach unten umgebogener Lage. Die neun Segmente messen 
42™™, was für 13 Segmente 60'"™ ausmacht. Die Breite dieses 
Stückes beträgt 68™™, welches Verhältniss die obige Berechnung 
bestätigt, wenn man die zunehmende Breite bei älteren Individuen 
in Betracht zieht. 

Das grösste vorliegende Pygidium, welches ganz regelmässig 
gestaltet ist und zu den breitschwänzigen, gerippten Formen ge- 
hört, ist 45™™ lang und 76'"™ breit. Es würde nach Obigem unter 
Berücksichtigung der allgemein maassgebenden Verhältnisse einem 
Individuum von 155 bis 165'"™ Länge und 85'"™ Breite angehört 
haben. Die meisten Exemplare unserer Art sind aber viel kleiner, 
und es mögen für die breite Form 60 bis 100™™ als Mittelgrösse 
anzunehmen sein. 

Ein anderes Pygidium der mehr spitzschwänzigen und glatten 
Form ist 22™™ lang und 29™™ breit. Dieses mag einem Indivi- 
duum von 76™™ Länge und 37™™ Breite (bei schlankerem Bau) 
angehört haben. 



60 Beschreibung der Homalonotus- Arten. [1321 

Das Vorkommen von Homalonotus laeoicauda scheint ein ge- 
selliges gewesen zu sein. Im Ganzen ist die Art zwar nicht häufig, 
aber wo sie bis jetzt beobachtet worden ist, finden sich immer 
viele Individuen zusammen. Der Hauptfundort sind die bekannten 
versteinerungsreichen Schichten von Daleiden in der Eifel. Dort 
müssen sich früher zahlreiche Exemplare gefunden haben, nament- 
lich kleine eingerollte und gekugelte Individuen, wie solche in der 
Sammlung des naturhistorischen Vereins zu Bonn reichlich ver- 
treten sind. Auch bei Niederlahnstein finden sich hin und wieder 
hierher gehörende Pygidien, von denen QüENSTEDT eines abgebildet 
hat. Ein im Besitze der Bonner Sammlung befindliches Exemplar 
von Niederlahnstein stimmt mit Quenstedt's Abbildung so voll- 
ständig überein, dass es als Original für dieselbe gedient haben 
könnte. Auch auf der linken Rheinseite scheint die Art vorzukom- 
men, hier aber in einem viel tieferen Niveau, im unteren Hunsrück- 
schiefer. Ich bin nämlich der Ansicht, dass mehrere Schwanz- 
schilder und Theile des Kopfes einer Dipletira, die Herr Landes- 
geologe Grebe in den Schiefern des Homberges bei Buhlenberg 
unweit Birkenfeld aufgefunden hat (Taf. 7, Fig. 5; Taf. 8, Fig. 7), 
trotz ihrer im Vergleich zum Daleidener laeoicauda sehr erheblichen 
Dimensionen doch derselben Art angehören. Ganz ähnliche Stücke, 
wie sie von Herrn Grebe gefunden worden sind, bezog ich auch 
im Handel, angeblich aus der Gegend von Simmern. 

In der Bonner Sammlung liegt ein mittelgrosses Exemplar 
eines Homalonotus^ welcher mit unserer Art nahe verwandt ist. 
Dasselbe unterscheidet sich von laevicauda durch den stumpf ab- 
gerundeten Rand des Pygidiums, durch einen nach hinten stärker 
verschmälerten Thorax und eine in ' der Mitte viel weniger ver- 
schmälerte Glabella. Durch die genannten Unterschiede zeichnet 
sich die ächte Dipleura Dekayi Green aus den Hamilton -Sand- 
steinen des Staates New -York aus. Ich halte das fragliche Stück 
für die ächte Di]}leura Dekayi, und es fragt sich nur, ob dasselbe 
wirklich dem rheinischen Unterdevon angehört, oder ob es mit einer 
fremden Suite in die Bonner Sammlung gekommen ist und aus 
Amerika stammt. Vorläufig nehme ich das Letztere an, weil der 
röthlichirraue Sandstein des Fossils nicht für die rheinische Grau- 



r]331 Beschreibung der Horaalonotus-Arten. 61 

wacke spricht. Im üebrigen wäre es an und für sich nicht un- 
wahrscheinlich, dass am Rhein neben laevicauda auch Dekayi vor- 
kommt; doch liegen bis jetzt keine sicheren Belege für eine solche 
Annahme vor. 

Die Abbildungen Taf. 8, Fig. 1, 3, 5 und 6 sind nach Exem- 
plaren von Daleiden aus der Bonner Sammlung angefertigt. Taf. 7, 
Fig. 5 stellt den oben erwähnten Kopf aus dem Hunsrückschiefer 
von Buhlenberg dar, Taf. 8, Fig. 7 das Pygidium vom gleichen 
Fundort. Taf. 8, Fig. 4 ist das Pygidium der Bonner Sammlung 
von Niederlahnstein. (Fig. 2 — von Daleiden — nachträglich zu- 
gefügt!) 



No. 12. Homaloiiotus planus Sandberger. 

Taf. 7, Fig. 1 —4. 

Homalonofus planus Sandbekgek MS., im Wiesbadener Museum. 
Homalonotas planus Mukchison, Siluria, last edit. pag. 395. Anmerk. 

Auch diese Art gehört dem Subgenus Dipleura, und zwar 
den grösseren Typen von flacher und gedrungener Gestalt an. 
Der vorigen Art verwandt, ist sie doch in einigen wesentlichen 
Merkmalen verschieden und bei leidlicher Erhaltung immer wieder- 
zuerkennen. 

Das Kopf Schild ist sehr flach, zwischen Occipitalring und 
Stirnrand kaum gewölbt, nach den Seitenrändern mit gleichförmiger 
Wölbung abfallend. Die Breite des Kopfschildes beträgt mehr als 
das Doppelte der Länge. Die Glabella dagegen ist länger, aber 
nicht ganz anderthalbmal so lang als breit. Ihr Hinterrand ist 
gerade, der Vorderrand flach-convex, die Seitenränder flach-concav, 
dabei die Mitte nicht so stark verengt wie bei der vorigen Art. 
Die in ihrer ganzen Ausdehnung fast flache Glabella ist sehr wenig 
erhöht, daher auch nicht von deutlichen Furchen umgeben. Ebenso 
sind die Augenhöcker sehr flach, kaum über die Glabella hervor- 
tretend. Es ist indess möglich, dass diese Verhältnisse wesentlich 
auf Rechnung der Erhaltungsart kommen. Die Augenträger sind 
rund und weiter nach vorn s-erückt als bei Homaloiiotus laevicauda. 



62 BeschreibuDg der Homalonotus- Arten. [^341 

Die Occipitalfurche ist sehr schmal und nicht scharf eingesenkt, 
der Occipitalring massig breit und flach, die Hinterecken ungleich- 
förmig gerundet, da sie hinten stärker gebogen sind als vorn. 
Der Stirnrand bildet eine flache, gleichförmige Bogenlinie, die in 
der Mitte nicht vorspringt und mit gleichförmiger Rundung in die 
etwas eingedrückten Seitenränder übergeht. Die Gesichtslinie ver- 
läuft vom Stirnrande aus fast in einem Kreisbogen nach den 
Augen, hinter denselben scharf bogig und zuletzt gerade nach 
den Kopfecken. 

Der Rumpf ist sehr flachgewölbt, breit und derb, vorn etwas 
breiter als hinten, und aus breiten Segmenten zusammengesetzt. 
Die Längsfurchen zwischen Spindel und Seitentheilen fehlen hier 
ganz. Auf den flachen Segmenten bezeichnet eine nicht scharf 
eingesetzte, fadenförmige Furche die Spannleiste der Unterseite. 
Dieselbe ist hier gleich weit vom Hinter- und Vorderrande der 
Segmente entfernt. Der Hinterrand scheint nicht gesäumt zu sein. 
Die Rippen sind an den mir vorliegenden Exemplaren nicht er- 
halten, scheinen aber der. ganzen Anlage nach wesentlich schmäler 
zu sein, als der auffallend breite Spindeltheil. 

Das Pygidium ist, wie alle anderen Körpertheile, sehr flach 
gewölbt, in der Mitte immer glatt, nach dem Rande aber theil- 
weise ganz matt "gefurcht. 4 bis 6 Pseudopleuren sind noch eben 
sichtbar. Der schmale Rand ist kaum durch eine Wendung der 
Fläche von den Seitentheilen des Pygidiums abgegrenzt. Ebenso 
fehlt die bei Homalonotus laencauda noch deutlich sichtbare Er- 
hebung auf dem Hintertheile, sowie jedes markirte Abfallen der 
Rhachis nach dem Schwanzende. Die hintere Begrenzung des 
Pygidiums bildet einen Halbkreis. ' 

Die Sculptur besteht bei gut erhaltenen Exemplaren in einer 
sehr feinen Körnelung. Die einzelnen Körner (Papillen) sind auf 
der Glabella rund, auf dem Thorax länglich und nach vorn spitz 
auslaufend (Taf. 7, Fig. 4). Auf dem Pygidium sind die Körner 
wieder mehr rund, aber undeutlich. 

In der Grösse stimmen die bis jetzt liekaunten Exemplare 
ziemlich iiberein. Ein Stück aus der MAüRER'sciien Sammlung 
misst: 



["1351 Beschreibung der Homalonotus- Arten. 63 

42'"™ Kopflänge, 
81 s Rumpflänge und 
41 » Länge des Pygidiums; 
im Ganzen also: 164 » Länge. 

Ein anderes Exemplar, welches ich Herrn Bergrath giebeler 
verdanke, ist bei neun vollständig erhaltenen Segmenten mit Pygi- 
dium 120™'" lang. Die vier fehlenden Segmente zu 35'"™ und den 
Kopf zu 50""™ gerechnet, würde sich eine Gesammtlänge von 205'"™ 
bei einer Breite von 100'"™ ergeben. Das Original im Wiesbadener 
Museum mit der SANDBERGER'schen Etikette ist um Weniges 
kleiner, sehr undeutlich und durch Verdrückung in die Länge 
gezogen. 

Das Vorkommen von Hornalonotus planus beschränkt sich nach 
dem bis jetzt verliegeuden Material auf die Schichten des Huns- 
rückschiefers. Die meisten Exemplare wurden im Dachschiefer 
der Grube Ludwig bei Caub gefunden, doch hat sich auch ein 
Stück in ähnlichen Schichten bei Auro£F unweit Idstein gefunden, 
wie mir Herr Professor F. Sandbekger brieflich mitgetheilt hat. 

Da die flache Form dieser Art wesentlich durch das Ver- 
steineruDgs-Material bedingt ist, da das Pygidium mit gerundeter 
Spitze endigt, da weiter die Glabella fast genau die Gestalt der 
ächten Dipleura Dekayi hat und endlich auch die feinen Papillen 
auf Kopfschild und Pygidium so ziemlich mit der Sculptur der 
genannten Art übereinstimmen, so war ich lange Zeit der Ansicht, 
dass unsere Art mit der amerikanischen ident sei. Dieser An- 
nahme steht jedoch der Verlauf der Gesichtslinie vor den Augen 
und die Beschaffenheit des Stirnrandes entgegen; auch verschmä- 
lert sich der Rumpf von Dekayi von vorn nach hinten noch viel 
stärker. Auf alle Fälle aber ist die amerikanische Art mit der 
unsrigen nächstverwandt. 

Die Abbildung Taf. 7 , Fig. 1 stellt ein etwas verzerrtes 
Exemplar aus der MAURER'schen Sammlung dar. Der Kopf 
Fig. 2 und das Fig. 3 abgebildete Stück stammen aus meiner 
eigenen Sammlung. (Fig. 3 nachträglich zugefügt!) Alle Exem- 
plare stammen aus dem Hunsrückschiefer der Grube Ludwig bei 
Caub. 



§.4. 

Yergleicliende lieber siclit der Lescliriebenen zwölf 
Homaloiiotus - Arteu. 

(Nebst einer Bestimmungs- Tabelle und einer Uebersieht über die 
vertieale Verbreitung der Terschiedenen Arten.) 

Schon in den ersten ausführlicheren Schriften über die palaeo- 
zoischen Schichten des rheinischen Gebietes, welche 1840 von 
Sedgwick und MuRCHisON, sowie von d'Archiac und de Verneuil 
veröffentlicht wurden, wurde ein Homalonotus erwähnt, welcher dem 
obersilurischen Homalonotus Knightii Kön. sehr nahe stehen sollte, 
und ausserdem noch der von MuRCHlSON aus der Cap-Colonie 
beschriebene Homalonotus Herschelii aufgeführt. In seiner 184:3 er- 
schienenen »systematischen Uebersieht der Trilobiten« (N. Jahrb. 
f. Mineral, etc., pag. 560) führt Goldfuss aus dem rheinischen 
Devon die folgenden Homalonotus- krien an: 

Homalonotus Knightii Kön. ; Wissenbach, Altenahr, Dauu. 

» Herschelii Murch.; Dann. 

» 9^9(1^ A.. Rom.; Siebengebirge. 

» Greenü n. sp. ; Coblenz. 

Die Namen Knightii und Herschelii fasste der Bonner Forscher 
jedenfalls in demselben Sinne auf, wie die genannten englischen 
und französchen Gelehrten. Unter dem Namen Greenü muss nach 
der Diagnose eine Form der armatus-Gvn^^ie. gemeint gewesen 
sein; über seine genauere Bedeutung aber lässt , sich jetzt 
nichts mehr ermitteln. Ebenso unsicher ist, was für eine Form 
Goldfuss unter dem Namen glgas verstanden hat. 

In demselben Jahre erschien Burmeister's Organisation der 
Trilobiten, worin der sog. Knightii nach DE Verneuil's Vor- 
gang ohne Vorbehalt mit dem ächten Homalonotus Knightii ver- 



ri3?l Vergleich. Uebersicht der besoliriebencn zwölf Homalonotiis-Arten. 65 

einigt wurde. Die zweite Form fasst Burmeister als besondere Art 
auf, die er unter der Benennung Ilomalonotus armatus beschreibt. 
Eine dritte, spitzschwänzige Form endlich, welche zusammen mit 
dem vermeintlichen Ilomalonotus Knightii in der Grauwacke vor- 
kommt, wird mit dem amerikanischen Homalonotus delphinocephalus 
Green identificirt. Somit waren also drei rheinische Arten auf- 
gestellt, zu welchen noch eine vierte in dem von DE Verneüil 
beschriebenen Ilomalonotus (Asaphus) suhtyrannus kam. 

1850 — 1856 veröffentlichten G. und F. Sandberger ihr 
verdienstvolles Werk über die Versteinerungen des rheinischen 
Schichtensystems in Nassau. Darin blieben die beiden von 
BuRJiEiSTER beschriebenen, nur auf der linken Rheinseite be- 
kannten Arten, als ausserhalb der Grenzen des Untersuchungs- 
gebietes vorkommend, unberücksichtigt. Unter den nassauischen 
Funden sahen die genannten Forscher eine Form als mit dem 
englischen Homalonotus Knightii^ eine zweite als mit Verneuil's 
suhtyrannus identisch an, gaben aber beiden die neuen, ihnen pas- 
sender erscheinenden Namen Homalonotus crassicaioda und Homalo- 
notus obtusus. 

1863 zeigte sodann F. Römer, dass Homalonotus crassicauda 
nicht mit dem silurischen Homalonotus Knightii ident sei, während 
DE KONINCK 1876 nachwies, dass ein Theil der zu Homalonotus 
crassicauda gerechneten Formen eine neue Art darstelle, welche 
er Homalonotus Roemeri nannte. 

Wirtgen und Zeiler erwähnen noch Homalonotus Pradoanus 
und oniscus. Diese Namen sind zwar nach den von ihnen ge- 
gebenen Notizen nicht sicher zu deuten; ich glaube indess, dass 
unter oniscus der von Quenstedt 1852 beschriebene Homalonotus 
laevicauda gemeint ist. 

Angenommen dass dem so wäre, so würden bis jetzt sechs 
verschiedene Homalonotus - Arten beschrieben sein, zu denen nach 
einer Bezeichnung von F. Sandberger im Wiesbadener Museum 
noch eine siebente, nämlich Homalonotus planus aus dem Dach- 
schiefer von Caub hinzukommt. Von diesen sieben Arten dürfen 
zwei ihre bisherige Benennung nicht beibehalten, weil die eine 
(Homalonotus delphinocephalus) nicht mit der amerikanischen Art 

5 



66 Vergleich, üebersicht der beschriebenen zwölf Homalonotus- Arten. [1381 

identisch ist, während die andere ( Homalonotus subtyrannus) in 
ihrer eigentlichen Bedeutung nicht festgestellt werden konnte. 

Diese sieben Arten erscheinen in vorliegender Arbeit unter 
den Benennungen: 

Homalonotus ornatus Burmeister 
» Roemeri de Koninck 

» crassicauda Sandberger 

» scabrosus C. Koch 

» obtusus Sandberger 

» laevicauda Quenstedt 

» planus Sandberger. 

Bei weiterer Sichtung des reichen in den rheinischen Samm- 
lungen angehäuften Materials konnte ich trotz der Schwierigkeiten, 
welche die fragmentarische Natur der meisten von mir unter- 
suchten Reste verursachte, die Grenzen jener sieben Arten ge- 
nauer feststellen. Fünf weitere Formen aber Hessen sich nicht inner- 
halb dieser Grenzen unterbringen, und ich war daher genöthigt, 
diese als besondere Arten zu beschreiben. Von diesen bisher un- 
beschriebenen Arten sind zwei in so wohl erhaltenen Exemplaren 
oder wenigstens in so vielen sich ergänzenden Bruchstücken be- 
kannt, dass ihre Charaktere im Wesentlichen vollständig festgestellt 
werden konnten. 

Diese beiden Arten sind: 

Homalonotus ornatus C. Koch 

» multicostatus C. Koch. 

Eine dritte Art, Homalonotus rhenanus Koch, liegt zwar 
nicht in der Vollständigkeit vor wie die beiden genannten, in- 
dess zeigen die bis jetzt allein bekannt gewordenen Kopf- und 
Schwanzreste so charakteristische Eigenthümlichkeiten , dass ich 
mich genöthigt sah, sie als eine besondere Species aufzufassen. 

Alle drei Arten sind nicht neu, sondern in vielen Sammlungen 
vorhanden, in denen die erste und dritte Art va.\i Homalonotus 
crassicauda, die zweite aber mit Homalonotus obtusus vereinigt 
zu werden pflegt. 

Von den zwei übrigen in vorliegender Abhandlung beschrie- 
benen Arten ist Homalonotus subarmatus Koch mit armatus so 



[139] 



Verffleich. Uebersicht der beschriebenen zwölf Homalonotus- Arten. 



67 



nahe verwandt, dass die im Obigen geltend gemachten Zweifel an 
der Selbstständigkeit dieser Species gerechtfertigt erscheinen. So 
lange aber die Vermuthung, dass hier nur eine geschlechtliche 
Abweichung vorliege, nicht durch bestimmte Beobachtungen er- 
wiesen ist, wird man subarmatus als eine selbstständige Species 
festhalten müssen. 

Als eigentlich neu ist unter den oben beschriebenen Arten 
nur die zwölfte und letzte Art, Homalonotus aculeatus Koch, an- 
zusehen. Die wenigen von dieser Art erhaltenen Reste unter- 
scheiden sich von denen anderer Arten durch so bestimmte Merk- 
male, dass nur die Wahl blieb, jene ßeste als unbestimmbar zu 
bezeichnen oder als zu einer besonderen Art gehörig zu betrachten. 

Zur besseren Uebersicht über die beschriebenen 12 Arten 
stelle ich in Nachstehendem deren wesentlichste Unterscheidungs- 
Merkmale zusammen. 



Bestimmungs - Tabelle 

für die 
Homalonotus -Arten des rheinischen Unterdevon. 



a) Kopf, Thorax und Pygidium mit regelmässig gestellten Dornen 
besetzt (untergeordnete Stachelnarben oder dergleichen nicht 
als solche gerechnet). Stirnrand gerundet und vortretend. 
Pygidium in eine acuminate Spitze ausgezogen 2. 

b) Kopf, Thorax und Pygidium ohne eigentliche Dornen (klei- 
nere Stacheln, deren Narben und Papillen nicht als Dornen 
gerechnet). Stirnrand breit, gerade oder rund. Pygidium 
nicht in eine Spitze ausgezogen, meist hinten rund, seltener 
winkelig auslaufend 4. 

a) Pygidium auf dem Endgliede mit zwei Dornen; die übrigen 
Rhachisglieder ebenfalls mit je zwei Dornen, welche aber 
durch Abreibung theilweise fehlen können 

Homalonotus aculeatus Koch. 

b) Pygidium auf dem Endgliede glatt; die übrigen Rhachisglieder 
entweder auch glatt oder theilweise mit rudimentären Dornen 
besetzt 3. 



68 Vergleich. Uebersicht der beseliriebeiien zwölf Homalonotus- Arten. [1401 

a) Pygidiara auf den Seitentheilen vier Dornen tragend, von 
denen auf jeder ersten und jeder fünften Pseudopleure einer 
steht (die in der Beschreibung erwähnten Unregelmässig- 
keiten in der Dornstellung sind zu berücksichtigen) 

Homalonotus armatus Burm. 

b) Pygidium auf den Seitentheilen zwei Dornen tragend, welche 
auf dem dritten Pseudopleurenpaare stehen 

Homalonotus subarmatus Koch. 



a) Stirnrand abgestutzt, durch Ecken begrenzt. Gesichtslinie 
vor den Hinterecken auslaufend. Thorax und Pygidium mit 
deutlichen Längsfurchen. Schwanzspitze deutlich ausgestreckt 

Subgenus Trimerus^) 5. 

b) Stirnrand bogig vortretend, ohne Ecken. Thorax und Pygi- 
dium ohne deutliche Längsfurchen, auf letzterem solche etwas 
mehr angedeutet. Schwanzspitze nicht ausgestreckt, wenig 
oder gar nicht vortretend 

Zwischenstufe zwischen Trimerus und Diiüeura 8. 

c) Stirnrand bogig vortretend, ohne Ecken. Gesichtslinie in den 
Hinterecken oder unter denselben auslaufend. Thorax und 
Pygidium ohne Längsfurchen, auf letzterem solche nicht an- 
gedeutet. Schwänzende ohne Spitze, bogig mit den Seiten- 
rändern verlaufend Subgenus Dijjleura 9. 

a) Stirnrand zwischen den Vorderecken concav. Schwanzspitze 
spitzwinkelig auslaufend. Kopf, Thorax und Pygidium mit 
unregelmässig gestellten Stachelnarben oder Warzen dicht 
besezt . . . Homalonotus scabrosus Koch (= gigas A. Römer). 

b) Stirnrand zwischen den Vorderecken gerade. Schwanzspitze 
gerundet. Kopf, Thorax und Pygidium mit Papillen oder 
Körnern besetzt . G. 



') Das Merkmal: »Stirnrand abgestutzt, durch Ecken begrenzt«, trifft zwar 
für liomalonotiis scabrosus und rlienamis zu, aber nicht für die Art, welche man 
stets als Typus der Untergruppe Trimerus angesehen hat, nilmli'oh Homalonotus 
delpliinocephalus Green, bei welchem vielmehr der dreiokige Kopf an der Stirn 
spitzbogig begrenzt ist. — Einen ilnlioh oontonrirten Stirnrand, wie die eben 
genannten rheinischen Arten, hat unter den silurjschen Formen der bekannte 
Homalonotus KiutjlitU Kon., den SAr/niit zum Typus der Untergruppe Koenigia 
■erhebt. (E. K.) 



[141] Vergleich. Uebersioht der besc ne euen zwölf Homalonotus- Arten. 



69 



a) Ecken des Stirnrandes seitlieh etwas vortretend. Rippenenden 
geradlinig, in stumpfem Winkel abgestutzt. Leistenrinne am 
Pygidialrande gegen das Schwänzende auf der Seite des Pygi- 

6. ^ diums verlaufend Homalonotus Roemeri de Kon. 

b) Ecken des Stirnrandes gerade. Rippenenden rundbogig. Leisten- 
riune am Pygidialrande gegen das Schwanzende hart auf der 

'^ Kante oder auf der Unterseite des Pygidiums 7. 



a) Pygidium über die Rückenlinie gerundet. Der glatte End- 
theil ein Drittel so lang als der gerippte Theil der Pygidial- 
Rhachis. Schwanzende stumpf und dick, etwas in die Höhe 
gerichtet. Leistenrinne im Pygidialrande gegen das Schwanz- 
ende auf der Kante. Oberfläche mit trichterförmig einge- 
senkten, groben Stigmen unregelmässig bedeckt 

Homalonotus crassicauda Sandb. 

b) Pygidium über die Rückeillinie geradlinig. Der glatte End- 
theil nicht ganz halb so lang als der gerippte Theil der 
Pygidial-Rhachis. Schwanzende spitzbogig und massig dick. 
Leistenrinne am Pygidialrande gegen das Schwanzende auf 
der Unterseite, aber der Kante genähert. Oberfläche mit 
sehr feinen Stigmen sehr unregelmässig bedeckt, feinkörnig 
oder glatt Homalonotus rhenanus Koch. 

c) Pygidium über die Rückenlinie geradlinig. Der glatte End- 
theil wenig mehr als halb so lang wie der gerippte Theil 
der Pygidial-Rhachis. Schwänzende spitzbogig, flach und 
gerade ausgestreckt. Leistenrinne am Pygidialrande gegen 
das Schwanzende tief auf die Unterseite gerückt. Oberfläche 
auf Gliedern und Segmenten mit länglichen Papillen in regel- 
mässigen Reihen besetzt (diese öfters undeutlich oder- abge- 
rieben) Homalonotus ornatus Koch. 

a) Rippen viel kürzer als die Spindelsegmente. Längsfurchen 
schwivch, aber noch deutlich, besonders auf dem Pygidium. 
Rand am Schwanzende breiter als an den Seiten des Pygi- 
diums. Zahl der Pseudopleuren 8; diese gerade 

Homalonotus obtusus Sandb. 

b) Rippen wenig kürzer als die Spindelsegmente. Längsfurchen 
fehlend oder nur auf dem Pygidium angedeutet.' Rand am 
Schwanzende nicht breiter als an den Seiten des Pygidiums. 
Zahl der Pseudopleuren 1 1 ; diese nach hinten gebogen (die 
letzten zwei oft undeutlich und verloschen) 

Homalonotus multicostatus Koch. 



70 Vergleich. Uebersicht der beschriebenen zwölf Homalonotus-Arten. [1421 

a) Stirnrand in der Mitte vortretend, etwas nach vorn gestreckt. 
Glabella in der Mitte stark eingeengt. Pygidium mit schneidig 
scharfem Rande. Seitentheile mit acht deutlich angedeuteten 
Pseudopleuren oder glatt . . Homalonotus laevicaiida Quenst. 

b) Stirnrand nicht vortretend, flachbogig. Glabella in der Mitte 
nur wenig eingeengt. Pygidium stumpfrandig. Seitentheile 
mit 4 — 6 schwach angedeuteten Pseudopleuren 

Homalonotus planus Sandb. 

Obwohl in dieser Bestimmungstabelle möglichst darauf Bedacht 
genommen wurde, Unterscheidungs-Merkmale, welche zu Irrthümern 
Veranlassung geben könnten (wie z. B. die bisweilen fehlende neunte 
Pseudopleure bei Homalonotus ornatiis)^ wegzulassen, so muss doch 
bei Gebrauch derselben immer beachtet werden, ob man es mit 
Abdrücken der Aussenseite oder der Innenseite zu thun hat, wie 
denn überhaupt der ganze Zustand des Petrefactes bei der nicht 
immer ganz einfachen Bestirnmung wesentlich mit in Betracht 
kommt. Ganz besonders aber müssen die vielfach vorkommenden 
Verdrückungen und Verschiebungen berücksichtigt werden, beson- 
ders da, wo es sich um relative Maassverhältnisse handelt. 

Aus dem mir vorliegenden Materiale geht schon hervor, dass 
die Fauna unserer rheinischen Homalonoten mit diesen zwölf Arten 
noch nicht erschöpft ist. Ich konnte mich aber nicht entschliessen, 
auf Unterschiede, die nur an einzelnen Bruchstücken beobachtet 
worden, noch weitere Arten zu gründen — wie ich dies in den beiden 
Fällen gethan habe, wo Merkmale vorlagen, die eine Vereinigung 
mit den übrigen aufgestellten Arten absolut ausschlössen. 



ri43] Vergleich. Uebersiolit der beschriebenen zwölf Homalonotus-Arten. 71 

Tabellcarische Uebersicht 

über 

die vertioale Verbreitung der Homalonotus-Arten im rheinischen 

Unterdevon. 





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Name der Species 


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O 


Homalonotm armatus Burm. . . . 






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» subarmatus Koch . . 






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» aculeatus Koch . . . 




+ 










» Roemeri de Kon. . . 


+ 




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» crassicauda Sandb. . 






+ 




+ 




» ornatus Koch ■ . . . ' 




? 


+ 








» rhenamis Koch . . . 






+ 








» scabrosus Koch = gigas 














A. Köm 








+ 


? 




» obtusus Sandb. . . . 










? 


+ 


» multicostatus Koch . . 












+ 


» planus Sandb. . . . 




+ 










» laevicauda Quenst. . 




?? 






+ 





§5. 

Vergleichung der aus fremden Gebieten 

beschriebenen devonischen Homalonoten mit den 

rheinischen Species dieser Gattung. 

(Von Herrn E. Kays er.) 

I. Harz. 

1. Homalonotus Ahrendi F. A. Römer. 

Versteiner. des Harzgebirges, 1843, pag. 39, tab. 11, fig. 5. Aus den Spiriferen- 
sandsteinscbichten des Adenberges bei Oker. 

Das Original dieser, wie der meisten von Ad. Römer be- 
schriebenen Homalonoten, ist leider in der Clausthaler Sammlung, 
in der man es vermuthen sollte, nicht vorhanden. Man ist daher 
für die Deutung der Art gänzlich auf die sehr mangelhafte Ab- 
bildung und die kurze Beschreibung Römer's angewiesen. 

Nach der Vermuthung der Brüder Sandberger wäre die 
harzer Form identisch mit Homalonotus crassicauda. Indess läuft 
der Schwanz beim typischen Homalonotus crassicauda weniger 
spitz aus, als RÖMER es bei semem 'Ahrendi darstellt. Die spitze 
Endigung des Pygidiums, die von Römer ausdrücklich erwähnte 
Anschwellung der Pleuren an ihrer Ansatzstelle an die Rumpf- 
segmente, sowie die aus seiner Abbildung ersichtlichen, an jener 
Stelle sich erhebenden Knoten oder Tuberkeln erinnern vielmehr 
sehr an den dieselben Merkmale zeigenden Homalonotus ornatus 
Koch. Es muss indess bis zur Auffindung neuer Exemplare 
am Adenberge dahingestellt bleiben, ob beide Formen wirklich 
zusammenfallen. 



[1451 Vergleich, der aus fremden Gebieten beschrieb, devonischen etc. 73 

2. Homalonotus pnnctatas F. A. Römer. 

1. c. fig. 9. Aus dem Spiriferensandstein des Rammeisberges. 

Die von Römer hervorgehobene, »ziemlich grobe« Punktirung 
des von ihm abgebildeten Schwanzfragmentes scheint darauf hin- 
zuweisen, dass dasselbe der folgenden Art angehört. 



3. Homalonotus gigas F. A. Römer. 

1. c. fig. 10. Aus dem Spiriferensandstein des Kahleberges. 

Römer kannte von dieser im Quarzsandstein des Kahleberges 
ziemlich häufigen Art nur sehr unvollkommene Bruchstücke, deren 
Hauptkennzeichen in ihrer Grösse liegen sollte. Indess bildet der 
Autor (1. c. bei e) ein als Steinkern erhaltenes Plearenende ab, 
welches auser einer sehr tiefen, von der Spannleiste herrührenden 
Rinne eine auffällig scharfwinkelige Endigung zeigt. 

Ganz dieselben Merkmale lässt nun auch ein im Besitze der 
Landesanstalt befindliches , sehr wohl erhaltenes Rumpfsegment 
vom Kahleberg erkennen, welches ich auf Taf. 8, Fig. 11 habe 
abbilden lassen. Da sich dasselbe zugleich durch ungewöhnliche 
Grösse auszeichnet, so dürfte seine Zugehörigkeit zu Römer's gigas 
nicht zweifelhaft sein. Nun aber stimmt dies Segment in seiner 
ganzen Gestalt, in der auffällig winkeligen Endigung, in der un- 
gewöhnlichen Tiefe des Eindrucks, den die dem Vorderrande nahe- 
liegende Spannleiste erzeugt, sowie endlich in dem eigenthümlichen, 
jedenfalls zur Articulation dienenden zahnförmigen Fortsatz, der am 
Unterrande, an der Grenze von Axe und Pleuren liegend, einen 
tiefen Eindruck hervorbringt (und der ganz ähnlich bereits durch 
WoodwäRD bei Homalonotus Cham^iernoivnei beschrieben worden 
ist [Geolog. Magaz., 1881, pag. 490]), auf das Allervollständigste 
mit den Segmenten von Homalonotus scabrosus Koch übereiu, 
wie ein solches auf Taf. 4, Fig. 5 abgebildet ist. 

Weist schon diese Uebereinstimmung darauf hin, dass Ho- 
malonotus scabrosus und gigas ident seien, so wird diese Ansicht 



74 Vergleich, der aus fremden Gebieten beschrieb, devonischen [1461 

noch weiter bestätigt durch die Vergleichung der Köpfe der frag- 
lichen harzer und rheinischen Formen. Die Sammlung der hiesigen 
Universität besitzt ein schönes, sehr grosses Fragment eines Kopfes, 
die Sammlung der Clausthaler Bergakademie mehrere gute, klei- 
nere Köpfe des harzer gigas. Diese Köpfe, deren ich auf Taf. 8, 
Fig. 8 und 9 zwei habe abbilden lassen, zeigen besser als jede 
Beschreibung die grosse, auch hier bestehende Uebereinstimmung. 
Als besonders charakteristisch will ich nur die sowohl an diesen 
beiden harzer Köpfen, wie auch an den Taf. 4, Fig. 1 und 2 ab- 
gebildeten Kopfschildern des K.oca' sehen scabrosus deutlich hervor- 
tretenden, merkwürdigen Erweiterungen der Dorsalfurchen an ihrer 
Einmündung in die Nackenfurche hervorheben, durch die hier ein 
lang-ovaler, vertiefter, glatter Raum an den beiden inneren Wangen- 
ecken entsteht 1). Da weiter auch die Schwänze von gigas und 
scabrosus — vergl. die Abbildungen Taf. 8, Fig. 10 und Taf 4, 
Fig. 3 und 6 — dieselbe Uebereinstimmung zeigen, und endlich 
auch die Sculptur, die grobe, alle Körpertheile bedeckende Körne- 
lung, bei beiden Formen übereinstimmt, so kann deren Identität als 
gesichert gelten. Als dem älteren kommt dem RÖMER'schen Namen 
gigas vor der Kocu'schen Benennung scabrosus die Priorität zu. 



4. Homalonotus obtusus Sandberger? 

A. RöMEE, Beitr. zur geol. Kenntn. des nordwestl. Harzgeb. II, 1852, tab. 1, fig. 5. 
Von Andreasberg, also aus dem Niveau des Hauptquarzits der Wieder Schiefer. 

Von dieser Form ist ein unvollständiges, wohl nicht ganz 
correct dargestelltes Pygidium abgebildet (die Seitenrippen reichen 
so weit nach innen, dass für die Spindel kaum Platz bleibt). Nach 
seinem stumpf abgerundeten Umriss und der ziemlich starken Rip- 



1) Ganz ähnliche Erweiterungen hat schon Saltek bei Homalonotus Knightii 
(Monogr. Brit. Trilobites tab. 12, fig. 4 und Holzschnitt auf pag. 120) und bei 
Homalonotus bhulcatus (Holzschnitt auf pag. 106) beobachtet und in der Erklä- 
rung zu Taf. 12, Fig. 4 als depressed Spaces at the base of the choeks be- 
zeichnet. 



[1471 Homalonoten mit den rheinischen Species dieser Gattung. 75 

pung könnte dasselbe in der That zu obtusus, vielleicht aber auch 
zu multicostatus gehören. 



5. flomalonotus minor A. Römer. 

1. 0. tab. 5, fig. 24. Aus den Spiriferensandsteinsohichten der Schalke. 

Von dieser Form bildet Römer nur ein kleines, dreieckig 
contourirtes, spitz endigendes Pygidium mit massig breiter, scharf 
abgegrenzter Axe und deutlich gerippten Seiten ab. Solche kleine 
Pygidien finden sich an der Schalke und am Kahleberge ziemlich 
häufig und liegen mir sowohl aus unserer eigenen, wie auch aus 
der Clauthaler Sammlung vor. KoCH erklärte, als er im August 
1880 in Berlin war, eines derselben für einen Jugendzustand 
von crassicauda. In der That lässt sich die Aehnlichkeit mit 
diesem nicht verkennen; da aber, wie KoCH bei Beschreibung 
der betreffenden Arten ausgeführt hat, die Jugendzustände von 
crassicauda, rhenanus, ornatus und scabrosus sich überaus ähn- 
lich sind , so muss man die Möglichkeit , dass die kleinen 
Schalker Schwänze vielleicht nicht crassicauda, sondern einer der 
zuletzt genannten Arten angehören, offen halten. Die Identität 
von gigas und scabrosus ist KoCH unbekannt geblieben; nachdem 
dieselbe sich aber ergeben hat, ist der Gedanke kaum abzuweisen, 
dass die kleinen, als minor beschriebenen Schwänze Jugendzustände 
von derjenigen Art darstellen möchten, der auch die an .derselben 
Fundstätte vorkommenden Reste älterer Individuen angehören, näm- 
lich von Homalonotus gigas Rom. 

6. Homalonotus Barrandei A. Römer. 

I. 0. tab. 5, fig. 25. Vom 



Römer bildet ein abgeriebenes und offenbar von den Seiten zu- 
sammengedrücktes, aber bis auf den Schwanz vollständiges Exemplar 
dieser Form ab. Ohne Vergleichung des wahrscheinlich verloren ge- 
gangenen Originales scheint eine sichere Beurtheilung der Form kaum 



76 Vergleich, der aus fremden Gebieten beschrieb, devonischen [1481 

möglich; es ist indess nicht unwahrscheinhch , dass die beiden 
ovalen Vertiefungen, welche Römer auf beiden Seiten der Glabella 
über der Nackenfurche zeichnet, die eigenthümlichen , brillenför- 
migen Erweiterungen der Seitenfurchen darstellen sollen, die oben 
als so charakteristisch für Homalonotus gigas beschrieben wurden. 
Ist diese Vermuthung richtig, so würde Homalonotus Barrandei 
als ein weiteres Synonym von gigas zu betrachten sein. 



7. Homalonotus latifrons A. Röjür. 

Beitr. III, 1855, tab. 3, fig. 21. Aus dorn. Spiriferensandstein der Schalke. 

Das Original dieser Form ist glücklicher Weise noch in der 
Clausthaler Sammlung vorhanden. Dasselbe zeigt, dass Römer's 
Abbildung in irrthümlicher Weise ergänzt ist. Der bei Römer 
flachbogig gezeichnete Stirnrand ist am Original weggebrochen. 
Ebenso wenig sind die Wangen erhalten. Die Augen sitzen nicht 
so weit nach vorn, wie auf der RöMER'schen Abbildung. Ich gebe 
Taf. 8, Fig. 9 eine neue, correkte Abbildung. Der Leser wird 
beim Vergleich derselben mit den auf derselben Tafel, sowie den 
auf Taf. 4 abgebildeten Köpfen von Homalonotus gigas (^ sca- 
brosus) sofort erkennen, dass dasselbe nur einem jugendlichen 
Individuum der genannten Art angehören kann. 



8. Homalonotus Schusteri A. Römer. 

Beitr. III, 1855, tab. 3, 'fig. 20. Vom Droi-Jüngferngraben bei Andreasberg, also 
aus dem Niveau des Hauptquarzits der Wieder Schiefer. 

Römer bildet von dieser Art ein halbes Kopfschild mit an- 
hängenden Theilen des Rumpfes ab. Nach den an anderen Abbil- 
dungen gemachten Erftihrungen scheint es nicht unzweifelhaft, ob die 
in Rede stehende Abbildung naturgetreu ist. Dieses vorausgesetzt, 
würde der Umriss des Kopfes, sowie auch die in der Mitte ein- 
geschuürte Gestalt der Glabella auf eine Verwandtschaft mit dem 
rheinischen Homalonotus laeoicauda hinweisen. Indess läuft der 



[149] Homalonoten mit den rheinischen Speeies dieser Gattung. 77 

Kopf bei dieser Art an der Stirn lange nicht so spitz zu als bei der 
Andreasberger Form, welche dadurch vielmehr dem amerikanischen 
Homalonotus Dekayi nahekommt. Jedenfalls liegt hier eine Art 
aus der Gruppe der Dipleuren vor, vyie schon aus dem JVIangel 
einer deutlichen Dreitheilung an den noch vorhandenen Theilen 
des Rumpfes hervorgeht. 



9. Homalonotus granulosus Trenkner. 

Abhandl. der naturf. Ges. zu Halle, Bd. X, pag. 201, tab. 15, fig. 2. Ein iso- 
lirter Kopf von der Schalke. 

Die in der Abbildung deutlich hervortretende, starke Ervs^eite- 
rung der Seitfurchen der Glabella über der Nackenfurche lässt uns 
auch hier unschvrer ein abgeriebenes und verdrücktes Exemplar 
von Homalonotus qiqas erkennen. 



Als Resultat unserer obigen Analyse der bisher aus dem 
Harz beschriebenen Homalonotus- Arten würde sich das folgende 
Arten- und Synonymen -Verzeichniss ergeben: 

1. Homalonotus ornatus Koch? (== Homalott. Ahrendi A. Rom.) 

Adenberg. 

2. Homalonotus gigas A. Rom. (= scaö-rosMS Koch). - Schalke, 

Rammeisberg. 
» j » = latifrons A. Rom. 

» » » = punctatus Id. (?) 

» » » = Barrandei Id. (?) 

» » j = nfdnor Id. 

s » » = granulosus Trenkn. 

3. Homalonotus obtusus Sandb. ? Andreasberg. 

4. H omalonotus (Dipl eura) Schusteri K. Rom. Andreasberg. 



78 Vergleich, dei- aus fremden Gebieten beschrieb, devonischen [150] 

II. Aitvatergebirge. 
Homalonotns crassicauda Sandberger. 

F. RöMEK, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XVII, pag. 592, tab. 17, fig. 12; 
Geologie yon Oberschlesien, tab. 1, fig. 4. 

Wie auf S. 30 erörtert, ist diese aus dem altdevonisclien 
Quarzit des Dürrberges stammende Form später von DE Koninck 
mit dem von ihm aus den. ältesten Devonschichten (Gedinnien) 
der belgisch -französischen Ardennen beschriebenen Honialoiiotns 
Roemeri identificirt worden (Ann. de la See. geol. de la Belgique, 
tome III, pag. 31, tab. 1, fig. 15, 1876). Koch rechnet hierher 
auch eine sich im rheinischen Taunusquarzit und in der älteren 
Siegen'schen Grauwacke findende Homalonotus- Art. 



Französisch-belgische Ardennen. 
Homalonotus Roemeri de Koninck. 



1. s. c. 



IV. England. 
1. Homalonotus elougatus Salter. 

Monogr. Brit. Trilob. pag. 122, tab. 10, fig. 12, 1864. 

Nur das Pygidium ist bekannt. Dasselbe ist von verlängert 
dreiseitigem Umriss und stark gewölbt. Axe beträchtlich convcx, 
halb so breit als die Gesammtbreite, aus 12 deutlichen Ringen 
bestehend, von denen der erste, zweite, vierte und fünfte ein 
Tuberkelpaar tragen. Seiten mit etwa 8 sehr schrägstehenden, 
starken Rippen , von denen die zweite und fünfte einen dicken, 
knotenförmigen Tuberkel tragen. 



[1511 Homalonoten mit den rheinischen Species dieser Gattung. 79 

Nur ein einziges Exemplar ist bekannt, welches aus dem 
Unterdevon von Meadsfoot bei Torquay in South Devon stammt. 

Die Art gehört nach ihrer Bewehrung mit Tuberkeln in die 
Gruppe des Homalonotus armatus (Salter's Section Bitrmeisteria). 
Unter den dieser Gruppe angehörigen rheinischen Arten kann 
mit ihr nur Homalonotus armatus selbst verglichen werden, der 
ebenfalls je zwei Tuberkeln auf den Seiten des Pygidiums besitzt; 
doch ist es bei armatus im Unterschiede von elongatus die erste 
und fünfte Rippe, die einen Tuberkel trägt, und dieser letz- 
tere selbst hat keine knoten-, sondern eine dornförmige Gestalt. 
Ausserdem ist bei der rheinischen Art die Axe nicht so breit, 
namentlich am Ende, und das ganze Pygidium wesentlich kürzer. 

Die von KoCH als szibar matus beschriebene Form unter- 
scheidet sich von elongatus durch nur einen Tuberkel auf jeder 
Seite des Pygidiums, Koch's aculeatus aber dadurch, dass hier 
sämmtliche Axenringe des Schwanzschildes mit einem Tuberkel- 
paare bewehrt sind. 



2. Homalonotus Champernownei H. Woodward. 

Geolog. Magaz. 1881, pag. 489, tab. 15. 

Erst kürzlich auf Grund eines bis auf den Schwanz ziemlich 
vollständigen, indess etwas verdrückten Exemplares (Steinkern) 
aufgestellt, welches ebenfalls von Torquay, und zwar angeblich 
aus den daselbst an der Basis des Mitteldevon (?) liegenden rothen 
Grauwackensandsteinen herstammt. 

Die Art gehört zur armaifMS- Gruppe. Sie ist durch eine 
schwache Dreilappung ausgezeichnet und ähnelt hierin Homalo- 
notus Herscheli Murch. aus dem Unterdevon der Cap-Colonie. 
13 Rumpfringe. Axe sehr breit. Jeder Axenring trägt ein paar 
Dornen, die ungefähr 2°™ von einander entfernt stehend, zwei 
parallele Reihen bilden. 

Die Glabella besitzt nach Woodward's Beschreibung drei 
Paar Stacheln auf den Seiten und drei auf der Mittellinie, von 



80 Vergleich, der aus fremden Gebieten beschrieb, devonischen [1521 

denen das vorderste doppelt gewesen zu sein scheint. Keine 
Andeutung eines Nackenstachels. 

Zu dieser Form ist später (Geol. Magaz. 1882, pag. 157, 
tab. 4, fig. 3) ein sehr defecter Schwanz gezogen worden. Der- 
selbe läuft spitz aus; Axe aus ca. 12 Ringen zusammengesetzt, 
deren vorderste mit einer doppelten Reihe von Dornen besetzt 
waren [was aus der Abbildung nicht ersichtlich ist]. Die Seiten 
tragen ungefähr 6 Ringe. 

Homalonotus armatus besitzt einen Nackenstachel und hat 
auf der Glabella zwar ebenfalls drei seitliche, aber keine mittlere 
Dornen. Die Dornen auf den Axenringen des Rumpfes sind nicht 
in gerade Reihen geordnet und ausserdem ist auch noch ein Dorn 
am Ende jeder Pleure vorhanden. Gehört der oben beschriebene. 
Schwanz wirklich zu Champernownei, so würde die Bedornung 
auch hier von derjenigen von armatus abweichen, da der Schwanz 
von armatus auch auf den Seiten Dornen trägt. 



3. Homalonotus goniopygaeus H. Woodward. 

G-eolog. Magaz. 1882, pag. 157, tab. 4, fig. 1. 

Auf ein zusammen mit der vorigen Art gefundenes Schwanz- 
schild gegründet. Dasselbe ist lang, dreiseitig und stark gegliedert. 
Axe ausserordentlich breit, aus 12 oder 13 Segmenten zusammen- 
gesetzt. Auf den Seiten 8 oder mehr deutliche Rippen, die in 
einem stumpfen Winkel mit den Axenringen zusammentreflen. — 
Keine Andeutung von Dornen oder Tuberkeln. 

Der beschriebene Schwanz ist im Allgemeinen den kleinen, 
schmalen, langen, stark gegliederten, von Koch auf männliche 
Individuen bezogenen Schwänzen von rhenanus, crassicauda etc. 
ähnlich und dürfte wohl jedenfalls der Gruppe des crassicauda, 
angehören. Indess besitzt keine der hierher gehörigen rheinischen 
Formen eine so breite Axe als goniopygaeus. 



ri531 Homalonoten mit den rheinischen Species dieser Gattung. gl 

V. Westliches Frankreich. 
1. Homalonotus Gervillei Verneüll. 

TcHiHATCHEFF, Asie MinGure, Paleont. pag. 448, pl. 20, fig. 1. 1866. — Bayle et 
Zeiller, Explicat. de la Carte geol. de la France, IV, tab. 2, fig. 1, 3, 6. 1878. 
(Bessere Abbildungen.) 

Diese sich in den unterdevonischen Schichten von Nehou 
(und auch bei Constantinopel) findende Art ist in allen ihren 
Theilen bekannt. Kopf und Schvi^anz sind halbkreisförmig be- 
grenzt. Die Dreitheilung des Körpers ist sehr wenig scharf, die 
Rippung dagegen ziemlich stark ausgebildet. Die viereckige, nahe 
bis an den Stirnrand reichende Glabella ist vor den meisten an- 
deren Homalonoten durch eine, vrenn auch nur schwache, Loba- 
tion ausgezeichnet. Verneüil bemerkt, dass die Art Homalonotus 
obtusus Sandb. von Wissenbach sehr nahe zu stehen scheine. 
Leider ist von obtusus bis jetzt mit Sicherheit nur der Schwanz 
bekannt und daher ein endgültiges Urtheil über die Beziehungen 
resp. die Identität beider Formen noch nicht möglich; doch will 
es mir scheinen, als ob die Axe des Schwanzes bei obtusus nicht 
so breit und deutlicher begrenzt sei als bei der französischen Art. 



2. Homalonotus Hausmanni M. Rouault sp. 

Asaphus Hausmanni Brongn. bei Rou. , Bull. Soc. geol. de France. 2. ser. , VIII, 
pag. 379. 1851. Nur der Schwanz ist bekannt und sehr schematisch abgebildet. 
Von Izii. 

Steht, wie schon von Verneüil hervorgehoben, Homalonotus 
Gervillei mindestens sehr nähe. 



3. Homalonotus Legraverendi M. Rouault. 

1. c. pag. 381. Ebenfalls von Ize. 

Auch von dieser Art ist nur der Schwanz bekannt, aber nicht 
abgebildet worden. Die kurze Beschreibung giebt kein hinreichend 

6 



82 Vergleich, der aus fremden Gebieten beschrieb, devonischen [1541 

deutliches Bild der Art, um einen Vergleich mit anderen Arten 
zu ermöglichen. 



BONISSENT führt in seiner Arbeit über die Geologie des 
Departement de la Manche (Mem. de la soc. des sc. nat. de 
Cherbourg, vol. X, 1864, pag. 200) aus dem Unterdevon des 
Contentin noch die folgenden Arten auf: 
Homalonotus Forbesi Rou. 
s Buchii Vern. 

» Brongjiiarti Vern. 

Es ist mir unbekannt, ob jemals eine genauere Beschreibuni»- 
und Abbildung dieser Arten gegeben worden ist. 

Es werden in der neueren französischen Literatur noch einige 
weitere Arten genannt, von denen aber bis jetzt ebenfalls weder 
Beschreibungen noch Abbildungen existiren (Homalonotus Gahar- 
densis Trom. et Lebesc. etc.). 



VI. Spanien. 

Homalonotus Pradoanus Verneuil. 

Bull. Soc. geol. de France, 2. ser., 1850, tab. 1, fig. 4. 

Eine sehr grosse, aber nur unvollständig bekannte Art, die 
durch sehr zahlreiche, über den ganzen Rumpf und Schwanz zer- 
streute Körner und Tuberkel ausgezeichnet ist. Es ist ihr in 
dieser Hinsicht keine andere bis jetzt beschriebene Art vergleichbar. 
Die Quergliederung des breiten, gerundeten (?) Pygidiums ist sehr 
deutlich, die Abgrenzung der Axe von den Seiten wenig scharf. — 
Wird von Salter zur arma<«<s- Gruppe gerechnet. 



VII. Türkei (Bosporus). 

1. Homalonotus Gervillei Verneuil. 

Wurde schon olicn aus Frankreich angeführt. 



[155] HomaloDOten mit den rlieinisolien Speoies dieser Gattung. 83 

2. Homalonotus Salteri Veeneuil. 

Asie Mineure, Paleont. pag. 450, tab. 20, flg. 2. 

Auf ein einziges Pygidium von kurz gerundetem Umriss mit 
deutlich gegliederter Axe und Seiten gegründet. Axe ebenso breit 
wie die Seiten. Auf beiden zählt man nur 5 Articulationen. Ein 
schmaler, glatter Randsaum ist vorhanden. 

Veeneuil giebt an, dass er den fraglichen Schwanz anfäng- 
lich als zu Phacops gehörig betrachtet , später aber auf Salter's 
Autorität bei Homalonotus untergebracht habe. Wir müssen be- 
kennen, dass wir trotzdem Zweifel hegen, ob die Art wirklich zu 
Homalonotus gehöre. 



Vm. Afrika, Cap-Colonie. 
1. Homalonotus Herscheli Murchison. 

Sil. Syst. II, pag. 652, tab. 7 bis, fig. 2. 

Ans den Grauwackensandsteinen des Cedarberges und nach 
Sandberger (Neues Jahrb. 1852, pag. 581, und Rhein. Schichten- 
system Nassau, pag. 477) unzweifelhaft devonischen Alters. 

Ist von allen Autoren als naher Verwandter von Homalonotus 
arinatus angesehen worden und gehört auch unzweifelhaft in die 
Section der Burmeisterien; indess scheinen im Unterschiede von 
armatus die Seitentheile des Pygidiums von Stacheln frei zu sein. 

2. Homalonotus crassicauda Sandberger. 

kommt nach Angabe der Brüder Sandberger (Rhein. Schichten- 
system Nassau, pag. 477) zusammen mit der vorigen Art und 
anderen devonischen Versteinerungen im Sandstein des Cedar- 
berges vor. 



84 Vergleich, der aus fi-emden Gebieten beschrieb, devonischen [156] 

IX. Nordamerika. 

1. Homalonotus Dekayi Green. 

Pal. New-York, vol. V, lUustr. Devon. Foss. 1876. — F. Römer, Lethaea palaeo- 
zoica, Atlas, 1876, tab. 25. 

Aus den Hamilton -Schichten. Eine typische Dipleura, die 
sich von den rheinischen Dipleuren durch den nach der Stirn 
spitzbogig zulaufenden Umriss des Kopfes und eine rectanguläre 
Glabella unterscheidet. Trotzdem ist die allgemeine Aehnlichkeit 
der kleinen Form von Daleiden (laevicauda) mit Jugendzuständen 
der amerikanischen Art recht gross. 

2. Homalonotus Vanuxeini Hall. 

Pal, New-York III, pag. 352, tab. 73, fig. 9 — 13. 

Nur in Bruchstücken des Rumpfes und Schwänzen bekannt. 
Nach diesen letzteren besteht eine Verwandtschaft mit Bomalonotun 
rhenanus. — Aus der Unter- Helderberg- Gruppe. 



X. Südamerika, Brasilien. 
Homalonotus Oiara Hartt et Rathbun. 

Ann. of the Lyceum of nat. bist, of New-York, vol. XI, pag. 1 14 (ohne Abbild.). 

Soll sich von Dekayi durch weiter nach vorn gerückte Augen 
unterscheiden. 



[1571 Homalonoten mit den rheinischen Species dieser Gattung. 85 

Aus Obigem ergiebt sich, dass sich bis jetzt nur wenige von 
den rheinischen Ho malonotus- Arten in fremden Devon -Gebieten 
wiedergefunden haben. Die meisten Arten hat mit dem Rheinland 
der Harz gemein (Homalonotus gigas A. Rom., ornatus Koch(?) und 
obtusus Sandb.?). Aus den Ardennen und Sudeten kennt man 
bisher nur eine rheinische Art (Homalonotus Roemeri de Kon.). 
England, Frankreich und das übrige Europa, sowie auch Amerika, 
haben bis jetzt keine mit Sicherheit auch am Rhein vorkommende 
Species geliefert; dagegen wird eine rheinische Art (Homalonotus 
crassicauda Sandb.) aus dem Ca plan de angegeben. 

Aus obigen Mittheilungen ist weiter ersichtlich , dass auch 
die fremden Devon -Gebiete untereinander nur sehr wenige Arten 
gemein haben. Zu diesen Arten gehört ausser dem schon ge- 
nannten, in den Ardennen und in Sudeten vorkommenden Ho- 
malonotus Roemeri noch Homalonotus Geruillei Vern. , der sich in 
Frankreich und zugleich in der Türkei gefunden haben soll. 



Nachschrift. 
Erst nachdem Obiges gedruckt war, erfuhr ich durch Herrn 
Professor von Koenen, dass das Original zu A. Römer's Homalo- 
notus Ahrendi vom Adenberge bei Oker (vergl. S. 72) in der Göt- 
tinger Universitäts- Sammlung aufbewahrt werde. Das mir auf 
meine Bitte durch Herrn von Koenen freundlichst übersandte 
Stück stellt einen verdrückten und stark abgeriebenen Steinkern 
dar, der kein sicheres Urtheil darüber erlaubt, welcher Art das 
Stück angehört; indess erscheint mir die oben (1. c.) ausge- 
sprochene Vermuthung, dass dasselbe zu Homalonotus ornatus 
Koch gehören könne, auch nach Untersuchung des Originals nicht 
unwahrscheinlich. Es sprechen dafür die grosse Breite der Axe 
des Rumpfes, die runde Endigung der Rippen, ihre deutliche An- 
schwellung an ihrer Ansatzstelle an die Rumpfsegmente, die ver- 
hältnissmässige Schmalheit der Axe des Pygidiums, sowie die flache 
Gestalt der Schwanzspitze. 



A. W. Schade's Buchdruckerei (L. Schade) in Berlin, Stallschreibcrstr. 45/46. 



A.W. Schade's Buchdmcktrei ( L. S c h ti il r ) in Berlin, .stall.schreiberstr. 45'«. 



MUS. COMP.iOOL- 



Abhandlungen 



geologischen Specialkarte 



Preussen 



und 



den Thüringischen Staaten. 



Heft 3. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp'sohen Hof-Landkartenhandlung. 

(J. H. Neiunann.) 

1883. 



Abhandlungen 



geologischen Specialkarte 



Preussen 



und 



den Thüringischen Staaten. 



Heft 3. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp' sehen Hof-Landkartenliandlur 
(J. H. Neumann.) 
1883. 



Beiträge 



Kenntniss der Tertiärflora 



der 

Provinz Sachsen 



Dr. Paul Friedrich, 

Oberlehrer am Ivatharincum zu Lübeck. 



Herausgegeben 

von 

der Königlich Preussischen geologischen Landesanstalt. 



Mit 2 Holzschnitten im Text, einer Karte und einem Atlas, enthaltend 
31 Lichtdrucktafeln. 



BERLIN. 

Verlag der Simon Schropp' sehen Hof-Landkartenhandlung 

(J. H. Neumann.) 

1883. 



Einleitung. 



Die vorliegende Arbeit, schon seit Jahren in Angriff' ge- 
nommen, konnte erst in den letzten Wochen vollendet werden, 
weil es dem Verfasser, der nicht Botaniker von B^ach ist, schwer 
werden musste, sich in ein so eigenartiges Gebiet einzuarbeiten, 
bei welchem eine Vertiefung in die Lebewelt weit schwieriger ist 
als bei der Thierpalaeontologie. Während die Merkmale, auf 
welchen der Zoologe seine Gruppen aufbaut, zum grossen Theile 
auch bei der Untersuchung fossiler Thiere von hervorragendem 
Werthe sind, fehlen dem Pflanzenpalaeontologen Vorarbeiten, 
welche ihm das Studium der meist nur durch Blätter erhaltenen 
fossilen Pflanzen erleichtern könnten, aus dem Gebiete der Lebe- 
welt fast ganz. Während dem Thierpalaeontologen bei neuen 
Funden in der Regel eine gute Anzahl wohl erhaltener Petre- 
facten unter die Hände kommen und selbst die dürftigen Knochen- 
und Schalenreste ihn in den Stand setzen, das ganze Thier zu 
reconstruiren, erhält der Pflanzenpalaeontologe nur ein Haufwerk 
von schlechten Blattresten, welche nur in wenigen günstigen 
Fällen das feinere Netzwerk gut erhalten zeigen, aber gar zu 
häufig zu neuen Artbestimmungen benutzt worden sind. Es ist 
nun zwar sehr leicht, eine neue Art zu bilden; wie schwer es 
aber ist, 'die Gattung derselben zu begründen, das lehrt erst ein 
eingehendes Studium der Blätter lebender Pflanzen. 

Nur allzu wahre und beherzigenswerthe Worte sind es, welche 
Stur im Hinblick auf diesen Mangel phytopalaeontologischer For- 
schung seinen »Studien über die Altersverhältnisse der nordböh- 
mischen Braunkohlenbildung« (Jahrb. der K. K. geol. Reichsanst. 



1879, Bd. 29) hinzufügt: »Wir pflegen allerdings zuerst die best- 
erhaltenen Reste zu bestimmen ; nach diesen bleibt aber der grössere 
Theil des Materials noch übrig , bestehend eigentlich aus unbe- 
stimmbaren, weil in der Regel schlecht erhaltenen Dingen. Es 
scheint uns oft ein Schade zu sein, wenn wir diesen voluminösen 
Theil des Materials unberücksichtigt lassen sollten, und sind oft 
stolz darauf, solche unansehnliche, eigentlich unbrauchbare Stücke 
zu enträthseln im Stande zu sein. Da wird denn die Spitze eines 
sonst recht interessanten Blattes mit einem anderen Blatte ver- 
glichen und mit diesem für ident erklärt, von dem aber nur ein 
einziges Mal die Basis gefunden wurde, und umgekehrt; dann 
Blätter, denen der Rand zum grössten Theile fehlt, wegen der 
Nervation mit anderen Blättern identificirt, an welchen das charak- 
teristische Merkmal gerade in der eigenthümlichen Beschafienheit 
dessen Randes liegt . . .«. 

»Auf diese Weise bekommen wir eine Masse von Namen, die 
aber in den allermeisten Fällen, wo sie angewendet werden, stets 
etwas anderes bedeuten als das, was man damit angeben will. Auf 
diese Weise bekommen wir für jede Stufe des Tertiärs eine grosse 
Menge von durchgehenden Arten, welche in der That nicht exi- 
stiren, die uns aber fort hindern, das Bild einer jeden Stufe 
für sich klar fassen zu können. Diese auf unzulängliche Bruch- 
stücke hin vorgenommenen Identificirungen , die überdies in den 
meisten Fällen in der Literatur gar nicht fassbar und nicht nach- 
weisbar sind, da man das Abbilden solcher Stücke unterlässt und 
sie zu einer anderen Abbildung einfach hinstellt oder ganze Floren 
in Form von Namenverzeichnissen publicirt, sind die Veranlasser 
der so häufigen Nichtübereinstimmung stratigraphischer und phyto- 
palaeontologischer Resultate.« 

»Das Nichtklappen der phytopalaeontologischen mit stratigra- 
phischen Daten kann inis aber auch kaum verwundern. Man 
verlangt eigentlich Unmögliches, wenn man wünscht, dass der 
Phytopalaeontologe das specielle Alter einer Lagerstätte aus den in 
derselben gefundenen Pflanzenresten errathen soll. Wir sind vor- 
läufig nur so weit, dass wir die Formation heute fast mit voller 
Sicherheit nach Pflanzenresten bestimmen können: Miocäu, Eocän, 



obere Kreide, Jura, Lias, Rhät, Dyas, Carbon und Culm; die 
Stufen treffen wir häufig auseinanderzuhalten, sind aber nicht im 
Stande, groben Fehlern in dieser Hinsicht auszuweichen.« 

Hätte mau schon früher im Sinne dieser Worte gehandelt, 
so hätte die Phytopalaeontologie zwar nur den halben Ballast 
von Arten, aber dafür eine gesichertere Grundlage für künftige 
Untersuchungen. Leider überraschen diese Worte am Schlüsse der 
STUR'schen Abhandlung insofern, als Stur kurz vorher in der- 
selben Abhandlung gegen seine eigenen Worte arg verstösst, indem 
er durch eine einseitige Bevorzugung der Pflanzenversteinerungen 
und vor allem unzuverlässiger Bestimmungen die hergebrachte 
Gliederung des deutschen Tertiärs und besonders auch desjenigen 
der Provinz Sachsen umzugestalten sucht. 

Um den lästigen Ballast von werthlosen Arten und zweifel- 
haften Gattungsbestimmungen nicht noch zu vermehren, ist ein 
grosser Theil von Blattresten und Früchten hier unberücksichtigt 
geblieben und ein anderer Theil zweifelhafter Stücke abgebildet, 
aber nicht benannt worden. 

Das Material zu dieser Arbeit stammt aus einer Anzahl von 
Fundorten der Provinz Sachsen, welche sämmtlich dem Unter- 
Oligocän angehören. Die Hauptmasse der beschriebenen Pflanzen 
befindet sich in der Bergakademie zu Berlin und im Mineralo- 
gischen Museum der Universität Halle, einige Exemplare auch 
im Berliner Universitäts-Museum und in der Bergschule zu 
Eisleben, sowie im Besitze der Herren Dr. Mehlis, Dr. Heine, 
Kaützleben und Steinicke in Eisleben. — Die Pflauzenreste von 
Bornstedt wurden zum grössten Theile in den letzten Jahren auf 
Veranlassung des Herrn Reichstags- Abgeordneten Dr. Müller in 
Bornstedt für das Hallesche Museum und die Bergakademie zu 
Berlin gesammelt. — Die Eislebener Pflanzen wurden zufällig beim 
Abteufen des Segengottesschachtes zwischen Eisleben und Wiannel- 
burg in einem gelben Thone entdeckt, von welchem das Hallesche 
Museum und die Bergakademie eine grössere Quantität durch 
die Vermittelung des Herrn Geh. Bergrath LeüSCHNER erhielten. 
Die Pflanzen von Dörstewitz und Trotha verdankt die Berg- 
akademie der Güte des Herrn Berginspector Kahlenberg in 



Verbesserungen. 



7 ■ 


» 1 


» 


Gönnern 


71 


■> 11 


» 


Kenntniss 


81 ■ 


•> 11 


» 


lebenden 


86 : 


■> U 


» 


Braunkohlenstufe 


103 : 


» 6 


V. u. 


lies: Fig. 5(?), 6 


135 


» 2 


lies: 


parvifolia 



Seite 4 Zeüe 17 lies: Knollensteingeschiebe statt: Knollengesteingeschiebe. 

» Gönnen. 
» Kenntnisse. 
» lebender. 
» Braunkohlenilora. 
» Fig. 5, 6 (?). 
» parvifolius. 
140 zu Kiggelaria. Die Blätter sowohl der lebenden als der fossilen Art 
sind nicht zusammengesetzt, sondern einfach, abwechselnd. Daher muss 
die Diagnose lauten: Folia alternantia .... An der Analogie zwischen 
der lebenden und der fossilen Art ist trotzdem festzuhalten. 
162 Zeile 2 lies: Konmckianum statt: Koninckiana. 

169 » 8 v.u. lies: Taf. 20 » Taf. 21. 

248 » 5 u. 8 v.u. lies: Thümmlitzer Wald » Thümmlitzwald. 
281 » 16 lies: longifoUum » longifolia. 



I 



Geognostisclies. 

Die Thüringisch -Sächsische Tertiärbucht wird ausschliesslich 
vom Oligocän gebildet, welches am besten in der Gegend von 
Halle und Leipzig untersucht ist. Die Lagerungsverhältnisse des 
Halleschen Tertiärs sind nach Laspeyres (geognost. Mittheilungen 
aus der Provinz Sachsen, Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. 24, 1872, 
pag. 256 etc.) folgende: 

[ 1. Obere Sande, Form- oder Glimmersand. 

\ 2. Septarienthon. 

Oligocän. ) 

( 3. Magdeburger- oder Aluminitsand. 



Unter- 
Oligocän. 



4. Oberflötz. 



5. Stubensand. 

6. Unterflötz. 

7. Knollenstein. 



8. Kapselthon. 

Der obere Sand, wegen seiner Verwendung zu Gussformen 
Formsand genannt, ist ein 6 — 15" mächtiger, staubartiger, 
glimmerreicher, versteinerungsleerer Quarzsand (Glimmersand). 

Der Septarienthon ist durch das Auftreten zahlreicher 
mariner Conchylien ausgezeichnet, von denen die aus der Grube 
Rosalie Luise bei Beidersee stammenden von Giebel (Zeitschr. 
f. d. ges. Naturw. 1865, Bd. 25, pag. 473) und von Konen (Zeitschr. 
d. D. geol. Ges. Bd. 17, pag. 462) bearbeitet worden sind. 

Der Magdeburgersand, ein mehliger, glimmerreicher, 
chokoladenfarbiger Sand, wird wegen seines Gehaltes an Braun- 
kohlensubstanz auch »Braunkohlensand«, als Muttergestein 
des Aluminits auch »Aluminitsand« genannt. 



Geognostisches. 



[160] 



Der Stubensand oder Quarzsand besteht aus eckigen, 
scharfen Körnern von farblosem, durchsichtigem Quarz, erscheint 
daher schneeweiss und nimmt nur in der Nähe der Flötze eine 
braune oder schwarze Farbe an. 

Der Knollen stein oder Braunkohlensandstein ist ein Ȋusserst 
feinkörniger, sehr harter, grauweisser Sandstein, der durch Zu- 
sammenfritten feiner, weisser Quarz- und Stubensande entstanden 
ist und entweder in grossen oder kleinen Knollen — daher der 
Name »Knollenstein« — oder als stark geklüftete Bänke die Sohle 
der Braunkohlenflötze bildet« (Speyer, Erläuterungen zu Blatt 
Schraplau pag. 24). 

Der Kapselthon, so genannt nach seiner Verwendung zu 
feuerfesten Kapseln für die Porzellanfabriken, ist ein weisser oder 
lichtgrauer, plastischer Thon, welcher in der Nähe der Flötze 
kohlig und braun wird und nach unten häufig in Porzellanerde 
und durch Aufnahme von Quarzkrystallen und Porphyrstücken in 
Porphyrgrus übergeht. 

Die drei oberen Schichten gehören dem Mitteloligocän an, 
alle übrigen sind dem Unteroligocän zuzurechnen, weil sie nördlich 
vom Harze von einer marinen, petrefactenreichen Ablagerung von 
echt unteroligocänem Charakter, den sogenannten »Egelner Schich- 
ten«, überlagert werfen, wie folgendes Profil aus Grube Luise bei 
Westeregeln am Nordrande des Beckens von Egeln beweist. 
Alluvium. 



Diluvium, 2"". 



Schwarze, graue oder grüne (Glaukonit) Thone, 
»Egelnthone« nach Ewald, und grüne oder 
graue, thonige Sande mit Glaukonit und Conchylien, 
»Egelnsande« nach Ewald. 



Oberflötz von meist erdiger, selten knorpliger Be- 
schaffenheit und in den untersten Lagen reich an 
Schwefelkiesknollen. 



Grauer oder weisser, thoniger Sand, Stubensand. 
Unterflötz. 



Weisser Thon, Kapselthon. 



I 



[161] Geognoslisches. 3 

Die von Laspeyres für die Gegend von Halle versuchte 
Gliederung besitzt nicht blos keine Gültigkeit für das benachbarte 
Tertiär von Leipzig und Weissenfeis, sondern erfährt auch in der 
engeren Umgebung von Halle selbst mannigfache Abweichungen, 
indem z. B. der Kapselthon von Bennstedt nach Prof. v. Fritsch 
(Erläuterungen zu Blatt Teutschenthal) zum grossen Theil über 
dem Braunkohlenflötze liegt und die Pflanzen-führenden Stuben- 
sande von Stedten noch das Oberflötz überlagern. — Nach 
H. Ceedner (Das Oligocän des Leipziger Kreises; Zeitschr. d. 
D. geol. Ges. Bd. 30, 1878, pag. G15) kommt in dem Leipziger 
Tertiär der Kapselthon in allen Niveaus vor von der Basis des 
Unteroligocäns bis ins Liegende des Oberflötzes, der Stubensand 
auch noch im Oberoligocän. — In der Gegend von Weissenfeis 
scheinen 2 Knollensteinzonen aufzutreten, die eine unter dem 
Unterflötze (Runthal), die andere im Hangenden desselben (vergl. 
die zahlreichen Angaben in Zincken, Physiographie der Braun- 
kohle pag. 273 flt'.). Die untere Knollensteinzone ist in dem in 
dieser Abhandhing gegebenen Profile von Runthal aufgeführt, die 
Knollensteine der oberen Zone sind meist in Tagebauten aufge- 
schlossen. Li einem Steinbruche bei Schortau, südlich von Teu- 
chern, in welchem der feinkörnige, feste Knollenstein als treffliches 
Baumaterial gewonnen wird, wurden folgende Lagerungsverhältnisse 
beobachtet (Zincken, Physiographie pag. 278): 

1. Lehm, Kies und Sand. 

2. Braunkohleiisandstein (Knollenstein) in 1 bis 10 Fuss 
mächtigen Bänken. 



Braunkohlenflötz. 



Thon und weisser Sand. 

Dem Sandsteine entstammen die wenigen bis jetzt gefundenen 
Exemplare von Liniulus Decheni (Zeitschr. f. d. ges. Naturw. 
Bd. 19, pag. 329, und Bd. 21, pag. 64; Leonhard's Jahrb. 1863, 
pag. 249) und neben zahlreichen, unbestimmbaren Blattresten die 
von Heer (Zincken, Ergänzungen zur Physiographie der Braun- 
kohle 1871, pag. 25) bestimmten Blätter von Cinnainoinunb 

1* 



4 Geognostisches. [1621 

Scheuchzeri Heer und Sterculia labrusca Ung., sowie das 
auf Taf. 1, Fig. 1 abgebildete, von Herrn Intrau in Krössuln 
gesammelte Wedelstück von Sabal major Ung. sp. 

Nach den bisher gemachten Erfahrungen muss die Laspeyres- 
sche Gliederung des Unteroligocäns in der Weise erweitert werden, 
wie es von Seiten der sächsischen Sectionsgeologen für die Gegend 
von Leipzig geschehen ist: 



Stufe der Kiese , Sande und Thone im Hangenden 
des oberen Braunkohlenflötzes. 



Oberes Braunkohlenflötz. 

Stufe der Kiese, Sande und Thone im Hangenden 
des unteren Braunkohlenflötzes. 



Unteres oder Hauptbraunkohlenflötz. 



Stufe der Knollensteine. 



Die Orte, denen die im Folgenden beschriebenen Pflanzen 
entstammen, sind folgende: 

1. Nachterstedt bei Aschersleben; Knollengesteingeschiebe 
im Diluvium. 

2. Skopau, Klein-Corb etha, Rattmannsdorf, Lauch- 
sted t und die nicht genauer bezeichneten Funde von Knollenstein- 
pflanzen südlich von Halle; Knollenstein im Liegenden des Halle- 
schen Tertiärs. 

3. S chortau bei Weissenfeis; Knollenstein im Hangenden 
des unteren Braunkohlenflötzes. 

4. Stedten; Stubensande im Hangenden des obersten der 
3 Flötze. 

5. Bornstedt; oberes Alaunerdeflötz (Unterflötz) und die 
das Liegende desselben bildenden Thone. 

6. Eisleben (Segen -Gottes -Schacht und Grube »Schwarze 
Minna«); Niveau des Stubensandes von Laspeyres, wenn die Lage- 
rungsverhältnisse der benachbarten Helbraer Mulde (Laspeyres, 
Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1872, pag. 350), 



[163] 



Geoenostisches. 



Diluvium, 



Kies, Sand, sandiger Letten (Stubensand), 



Unterflötz (12 — 17™), 



Dunkler Sand (Knollensteinzone), 



Weisser, plastischer Thon (Kapselthon), 

denen von Eisleben in der Weise entsprechen, dass das Unterflötz 
mit dem 1^/2 Lachter mächtigen Flötze der ehemaligen Grube 
»SchvFarze Minna« und dem dünnen Kohlensteg des Segen-Gottes- 
Schachtes zusammenfällt. 

7. Riestedt; untere Flötzgruppe. 

8. Dörstewitz; Unterflötz. 

9. Trotha; Unterflötz. 

10. Runthal bei Weissenfeis; Thone im Liegenden des 
Unterflötzes und Hangenden der Knollensteinzone. 

Die ausführlichere Beschreibung der Lagerungsverhältnisse an 
allen diesen Orten ist der Beschreibung jeder Specialflora voran- 
gestellt. 

Dem Alter nach ordnen sich die Specialfloren in folgender Weise: 



Stufe 



Pflanzenfuude in der 
Provinz Sachsen 



Pflanzenfunde im Leip- 
ziger Tertiär 



1. Stufe der Kiese, Sande 
und Thone im Hangen- 
den des oberen Braun- 
kohlenflötzes. 



Stedten. 



2. Ober. Bifaunkohlenflötz. 



3. Stufe der Kiese, Sande 
und Thone im Hangen- 
den des unteren Flötzes. 



Eisleben (Segen - Gottes- 
Schacht und Schwarze 
Minna) und Schortau. 



Bockwitz bei Borna. 



Seotion Lausigk (Bock- 
witz und Kesselshain) mit 
Sequoia Couttsiae Heer. 



Naundorf (Sect. Grimma). 



4. Unterflötz. 



5. Stufe der Knollen steine. 



Riestedt, Trotha, Dörste- 
witz und 



Bornstedt.- 



Skopau , Rattmannsdörf, 
Klein - Corbetha, Laueh- 
stedt, Runthal (Thone). 



Section Frohiurg, Section 
Grimma, Keiselwitz und 
Zschadrass (Sect. Golditz), 
Sect. Borna und Lausigk. 



Göhren (Section Penig), 
Thümmlitzer Wald (Sect. 
Leisnig), Tamricke bei 
Kaditzsch (Sect. Grimma). 



Fossile Hölzer. 



[164] 



Fossile Hölzer. 

Die fossilen Hölzer, welche an manchen Orten der Provinz 
einen Hauptbestandtheil der Flötze bilden, konnten vom Verfasser 
nicht berücksichtigt werden, weil er mit der Kenntniss des ana- 
tomischen Baues der Holzstämme nicht vertraut ist. Daher sind 
im Folgenden nur die bereits vorliegenden, in dieser Richtung ge- 
wonnenen Resultate zusammengefasst. 

Aus den Braunkohlen von Nietleben, Riestedt, Voigtstedt und 
Sangerhausen führt Hartig (Botan. Zeit. 1848, pag. 166) an: 

Niet- Rie- Voigt- Sanger- 

leben stedt stedt hausen 

Pitoxylon Eggensis (?) -+- -+- 

Heteroxylon Seyferti . + + 

Thujoxylon austriacum -+- . -\- 

Taxoxylon Goepperti -|- -|- + 

Amyloxyloii Huttonü -\- . -\- 

Campoxylon Hoedlianum Ung. . . -f- 

Melitoxylon üngeri . -|- 

CalUtroxylon Aykei + -t- 

Ommatoxylon Germari + . 

Palaeoxylon Ervälicheri -f- 

Diesen fügt Andrae (Erläuternder Text zur geognost. Karte 
von Halle 1850, pag. 85) noch hinzu: 

Poroxylon taxoides j xt i i 

1 „ „ , TT ■ ..(Von Nietleben, 
und LaUoxylon Harttgn i 

Im vergangenen Jahre hat J.. Felix in seinen »Beiträgen 
zur Kenntniss fossiler Coniferen- Hölzer« (Engler, botan. Jahrb. 
für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie Bd. IH., 
1882, pag. 269) auch Braunkohlenhölzer der Provinz Sachsen be- 
schrieben. Die von ihm' untersuchten Hölzer gehören nur einer 
einzigen Art an, nämlich Cupressinoxylon Protolarix, welche 
theils mit Sequoia Couttsiae Heer, theils mit Sequoia Langsdorßi 
Brgnt. sp. zu vereinigen ist. Derselben Art dürfte auch Calloxylon 
Hartigii Andr. zuzurechnen sein. 



[165] Literaüir. 7 

In den Braunkohlen von Gönnen tritt eine Faserschicht aufj 
deren anastomosirende Fasern von Hartig (Botan. Zeitung 1848, 
pag. 167) mit den Milchsaftgefässen der Euphorbiaceen verglichen 
werden. 



Verzeichni ss 

der Abhaiulluiigen, welche im Folgenden in abgekürzter 

Form citirt sind. 

Beongniart, Prodome d'une historie des vegetaux fossiles. Paris 

1828. 80. 
L. Crie, Recherches sur la Vegetation de l'ouest de la France ä 
l'epoque tertiaire; Ann. d. sciences geol. T. IX. Paris 
1877. 80. 
H. Engelhardt, die Tertiärflora von Göhren; Nova Acta Acad. 
Caesar. Leopold. - Carolin. Bd. 36. Dresden 
1873. 40. 
» , Tertiärpflanzen aus dem Leitmeritzer Mittel- 

gebirge, ibid. Bd. 38. 1876. 
» , über die fossilen Pflanzen des Siisswassersand- 

steins von Gjrasseth, ibid. Bd. 43. 1881. 
» , über Pflanzenreste aus den Tertiärablagerungen 

von Liebotitz und Putschirn ; Sitzungsber. der 
Isis zu Dresden 1880, pag. 77. 8^. 
C. V. Ettingshausen, fossile Flora von Wien; Abhdl. der k. k. 
geol. Reichsanst. Bd. II. Wien 1851. Fol. 
» , fossile Pflanzenreste aus dem trachyt. Sand- 

stein von Heiligenkreuz bei Kremnitz; ibid. 
Bd. IL 1852. 
» , Beitrag zur Kenntniss der foss. Flora von 

Wildshut; Sitzungsber. der K. Akad. der 
Wissensch. Bd. IX. Wien 1852. 8«. 
» , Beitrag zur Kenntniss der foss. Flora von 

Tokay; Sitzungsber. Bd. XL 1853. 



8 Literatur. [166] 

C. V. Ettingshausen, die tertiäre Flora von Häring in Tyrol; 
Abhdl. d. geol. Reiehsanst. Bd. II. 1853. 
» , die eocäne Flora des Monte Promina; Denk- 

schriften der K. Akad. der Wiss. Bd. VIII. 
Wien 1854. 4». 
» , fossile Flora von Köflach in Steiermark; 

Jahrb. d. k. k. geol. Reiehsanst., Jahrg. 8. 
Wien 1857. 8°. 
» , Beitrag zur Kenntniss der foss. Flora von 

Sotzka in Steiermark; Sitzb. Bd. XXVIII. 
1858. 
» , fossile Flora des Tertiärbeckens von Bilin, 

I — III; Denkschr. 1867 — 69. 
» , die fossile Flora d. älteren Braunkohlenform. 

derWetterau; Sitzungsb. Bd. LVII. 1868. 
s , Beitr. zur Kenntn. der Tertiärflora Steier- 

marks; Sitzungsbericht Bd. LX. 1869. 
» , Beitrag zur Kenntniss der foss. Flora von 

Radoboj; Sitzungsber. Bd. LXI. 1870. 
» , die foss. Flora von Sagor in Krain, I u. II; 

Denkschr. Bd. XXXII u. XXXVH. 1872 
und 1877. 
J. S. Gardner and C. v. Ettin.gshaüsen , a monograph of the 
British Eocene flora. Vol. I. Filices. Palaeonto- 
graphical Society. 1879—82. London. 4°. 
H. B. Geinitz, über Versteinerungen des Herzogthums Altenburg. 

Altenburg 1842. 80'. 
Gaudin et Strozzi, Contributions ä la flore foss. italienne, IL mem.; 
Neue Denkschriften der Schweizer naturforsch. 
Ges. Bd. XVII. 1860. 4". 
O. Heer, Beiträge zur näheren Kenntniss der Sachs. -Thüring. 
Braunkohlenflora; Abhandl. des naturwiss. Vereins für 
die Provinz Sachsen u. Thüringen. Berlin 1861. Fol. 
» , Lignites of Bovey Tracey; Philos. Transact. of the Roy. 
Soc of London for the year 1862. Vol. CLII, Part II. 
London 1863. 



[167] Literatur. 9 

O. Heer, über einige fossile Pflanzen von Vancouver und British- 
Columbia. 1865. 40. 
» , über die Braunkohlenpflanzen von Bornstedt; Abhandl. 
der naturforsch. Ges. zu Halle Bd. XL 1870. 4». 
L. Lesquereüx, Contributions to the fossil flora of the Western 
Territories. Part H: the Tertiary Flora; in 
F. V. Häyden, Report of the U. S. Geol. Survey 
of the Territories. 1878. Vol. VII. 4«. 
A. Massalongo, Studii sali. flor. foss. del Senogalliese, Imola. 

1859. 
G. DE Saporta, Prodrome d'une flore foss. des travertins anciens 
de Sezanne; Mem. de la soc. geol. de France. 
2^ ser., Vol. VIII. Paris 1868. 
G. DE Saporta et A. F. Marion, Essai sur Fetat de la Vegetation 

ä l'epoque des marnes heersiennes 
de Gelinden ; Mem. couronn. et 
Mem. des savants etrangers publ. 
par l'acad. roy. des sc. des lettres 
et des beaux' arts de Belgique. 
Vol. XXXVII. 1873. 40. 
j » , Revision de la flore heersienne de 

Gelinden, ib. Vol. XLI. 1878. 
J. Sieber, Beitrag zur Kenntn. der nordböhm. Braunkohlenflora; 
Sitzungsbericht der K. Akad. der Wissensch. Jahrg. 
1880, Bd. LXXXII. Wien. 8^. 
SiSMONDA, Materiaux . . .; Mem. dell. Acad. di Torino. Vol. XXII. 

1865. 40. 
C V. Sternberg, Versuch einer geogn. - botan. Darstellung der 

Flora der Vorwelt. Leipzig 1821—38. Fol. 
F. Unger, Foss. Pflanzen von Wieliczka; Denkschr. der K. Akad. 
der Wissensch. Bd. I. 1849. 
» , Blätterabdrücke aus dem Schv^efelflötze von Swoszowice 
in Galizien; Naturwiss. Abhandl. von W. Haidinger, 
Bd. III. Wien 1850. Fol. 
» , die foss. Flora von Sotzka; Denkschr. Bd. III. 1851, 



10 Literatur. [168] 

F. UnGER, Iconographia plantarum fossilinm ; Denkschr. Bd. IV. 
1852. 
» , die foss. Flora von Kumi auf Euböa; Denkschr. 1867. 
j , die foss. Flora von Radoboj : Denkschr. Bd. XXIX. 

1869. 
» , die fossile Flora von Szantö in Ungarn; Denkschr. 
Bd. XXX. 1870. 
Watelet, Description des plantes fossiles du bassin de Paris. 

1866. 40. 
J. Wentzel, Flora der tert. Diatomaceenschiefer von Sulloditz im 
böbm. Mittelgebirge; Sitzungsber. der K. Akad. der 
Wissensch. Bd. LXXXm. 1881. 8". 



Uebersicht 
der in dieser Arbeit aufgeführten Fundorte von Tertiärpflanzen. 

(Das Alter von Kumi, Brognon, Wildshut und Striese bei Praussnitz in Schlesien blieb dem Verfasser unbekannt.) 



Zu Seite 10. 



Pliocän 


1 

Deutsches Reich. Oesterreich 


Ungarn mit Galizien c i, • t. i- 
und Siebenbürgen ^'^^^^''' It^'^^^ 

i 


Frankreich und Belgien 


England 


i Unter- 


Piacentische 
Stufe 




Gleichenberg ; Zillingsdorf , Neufeld 

und Laaerberg bei Wien und Inzers- 

dorfer Tegel (nach Stur). 


Wieliczka. 












Ober- 
Mittel- 

Unter- 


Tortonische 

Stufe 


Rhön , Schossnitz. 


Hernais, Straden und Breitensee 
(nach Stur). 


Tokay, Heihgenkreuz 
bei Kremnitz, Erlau, 
Erdöbenye, Szanto, Thal- 
heim, Szakadat, Swoszo- 
wice (nach Stur). 


Oeningen, Wangen, Schrotzburg, Stei- 

nerberg , Albis , Irchel , Steckborn, 

Berlingen, Elgg, Herderen, Locle, 

Montavon. 


Arnothal, Montajone, 

Sienna; Sarzanello, 

Stradella u. Guarene; 

Sinigaglia. 






Miocän 


Helvetische 

Stufe 


Günzburg ; Bischofsheim i. d. Rhön (?). 


Grasseth (Cyprisschiefer), Süsswasser- 
kalk von Kostenblatt, Brandschiefer 
von Sobrussan, Sphärosiderit u. Thon 
von Lang-Augezd und Preschen. — 
Parschlug, Leoben, Köflach, Voits- 
burg, Fohnsdorf, Eibiswald. 




Petit Mont bei Lausanne, Estave, 

Croisettes, Montenailles , Moudon, 

Payerne, St. Gallen, Luzern, Bach. 


Turin, Superga bei 

Turin, Monte Bam- 

boli. 








Mainzer 
Stufe 


Kaltennordheim, Münzenberg, 

Rockenberg, Seckbach. — (?) Liebi- 

berg bei Günzburg. 


SuUoditz (Diatomaceenschiefer), Tuffe 
von Salesl, Putschirn, Holaikluk und 
Kundratitz, Polirschiefer von Kutsch- 
lin, Menilitopal von Schichow. — 
Radoboj, Tiiffer, Sagor, Trifail. 




Eriz, Delsberg, Develier, Neucul, 
Aarwang, Wynau, Egerkingen, 
Lausanne (Tunnel), Solitude, Rove- 
reaz, Calvaire, St. Galler Findlinge, 
Mönzlen, Ruppen, Altstätten, Luzern, 
Oberägeri, Walpkringen, Riautmont, 
BoUingen, Utznach. 




Thone von Marseille, Fisch- 
schiefer von Bonnieux. 






f 

Ober- 

Mittel- 
Unter- 


Aquitanische 
Stufe 


Seifhennersdorf. — Salzhausen, 
Hessenbrücken, (?) Nieder -01m und 
Selzen (Sandstein) Niederrhein. Becken 
(Rott, Orsberg, Quegstein etc.), Spee- 

bach im Elsass, (?) Jestetten in 

Württemberg, Miesbach, Pensberg, 

Peissenberg. 


Sandstein von Altsattel, Grasseth, 

Schüttenitz, Tschernowitz , Saaz und 

Teplitz; plastischer Thon von Priesen, 

Thone von Liebotitz. — Sotzka, 

Möttnig. 


Zsilythal. 


Ralligen, Schwarzachtobel , Wäggis, 

Horw, Vevay, Montagny, Monod, 

Rivaz, Paudez, Rochette, Belmont, 

Con Version, Rüfi, Rossberg, Rothen- 

thurm. Hohe Rhonen. 


Zovencedo, Cadibona 

(Bagnasco, Stella, 

Cosseria etc.). 


Menat, Armissan, Peyriac; 

Manosque (Bois dAsson, 

Vallee de la Mort-d'Imbert, 

Forcalquier). 




Oligocän 


Tongrische 
Stufe 


Rixhöft und Samland. 








Salcedo, Ghiavon, 
Novale. 


RonQon; littor. Kalkmergel 

von Marseille (St. Jean- 

de - Garguier, Allan ch, 

Camoins - les - Bains), 

St. Zacharie, Vaucluse 

(Gargas, Saulthal, Apt), 

Castellano (Basses-Alpes). 


Hempstead. 




Ligurische 

Stufe 


Sämmtliche Fundorte von Tertiär- 
pflanzen in der Provinz Sachsen, 
Leipziger Tertiär (Göhren, Bockwitz 

etc.), (?) Quatitz, (?) Harthau, 

(?) Berthsdorf, (?) Zittau, (?) Bautzen. 

— Gross -Kuhren (Samland). 


Häring (nach Gümbel), Monte Pro- 
mina (nach Hauer), (?) Reut im 
Winkel. 








Thal der Sarthe (Le Mans 

und Angers), Gyps von Aix, 

Massale. 






Ober- 
Mittel- 

Unter- 


Bartonsche 
Stufe 


















Pariser 

Stufe 










Monte Bolca und 
Monte Postale. 


Arcueil. 


Bournemuth, 
Alumbay, 

Bovey Tra- 
cey (nach 
Gardner). 




Londoner 
Stufe 


















Woolwich-u. 

Reading 

series 














Counter Hill 
b. Lewisham. 




Soissonische 
Stufe 












Sezanne; Sande von 
Bracheux (Vervins, Pernant, 
BeUeu, Courcelles), Gelinden. 





Beschreibung der Localfloren der 
Provinz vSacIisen. 



Knollensteinflora. 

Die dem Knollenstein angehörenden Pflanzen sind auf eine An- 
zahl von Localfloren vertheilt, welche in der Provinz zerstreut liegen. 
Die Localfloren einzeln zu betrachten, würde, da von einigen der- 
selben nur wenige Arten bekannt sind, das allgemeine Bild ver- 
wischen. Die in Betracht kommenden blätterführenden Knollen- 
steine von Skopau, Rattmannsdorf, Klein-Corbetha, Alber- 
stedt und Lauch stedt gehören in das Liegende der Braunkohle, 
die wenigen Pflanzen von Schortau stammen aus dem als Han- 
gendes des dortigen Flötzes auftretenden, mächtige Bänke bildenden 
Sandsteine, die Nachterstedter Pflanzen endlich gehören Knollen- 
steingeschieben des Diluviums an. 

Die Knollensteine von Skopau und Lauchstedt werden durch 
Steinbruchsbetrieb gewonnen. Das Vorkommen der Nachterstedter 
Pflanzen ist aus folgendem Profile (Zincken, Braunkohle pag. 686, 
Angaben vom 31. August 1863) ersichtlich: 

Grober Diluvialkies, 20 — 30 Fuss. 



Sand mit Geröll, 15 — 20 Fuss. 



Nordische Geschiebe, Blöcke von Muschelkalk mit 
Placodus, Quadersandstein, Feuerstein, Kies, Gerolle, 
grober Sand (7 — 12 Fuss). 



10 — 21 Zoll mächtige Schicht mit 1/4 — 1/2 Zoll starker, 
gelblichgrüner, thouig- sandiger Lage von Meerescon- 
chylien. 



Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. Fl '''Ol 

Grober, weisser Sand (I/4 — 1 Fuss). 



Geröll, Kies, Sand (4 — 6 Fuss). 



4 — 10 Zoll starkes, festes Conglomerat von Quarz- 
körnern und Eisenkies. 



Kohlenflötz. 

Aus der 7 — 12 Fuss mächtigen Schicht nordischer Geschiebe 
stammen die Quarzitblöcke mit den weiter unten beschriebenen 
Blattresten von Chamaerops helvetica Heer und Phoenicites 
borealis n. sp. Aus demselben Tagebau erwähut auch Zincken 
(1. c. p. 687) Blöcke »mit Palmenblättern (Flabellaria (?) chamaero- 
pifolia) und bis b Zoll langen und 1 Zoll breiten, lanzettförmigen 
Blättern«. Das Vorkommen der beiden genannten Palmen in diesen 
Blöcken lässt es ausser Zweifel, dass diese nicht dem Quader- 
sandsteine, sondern dem Tertiär entstammen. Diese Zweifel würden 
ferner auch die ausgezeichneten Hohldrücke von Coniferenzapfen 
beseitigen helfen, welche ich vor mehreren Jahren in der Samm- 
lung des Herrn Grubendirector Seyffert zu Nachterstedt sah, 
aber später bei der Bearbeitung dieser Flora nicht erhalten konnte. 
Das Zusammenvorkommen der Quarzitblöcke mit anderem ein- 
heimischen Materiale lässt auf einen nahen Ursprung derselben 
schliessen. 

Es sei hier erwähnt, dass im norddeutschen Diluvium wieder- 
holt Quarzite beobachtet worden sind, welche petrographisch von 
den Knollensteinen der Umgegend von Halle und Weissenfeis sich 
nicht unterscheiden lassen. Einige solcher Stücke, welche Herr 
Dr. GoTTSCHE im holsteinschen Diluvium gesammelt hat, enthalten 
Zweigstücke von Sequoia Couttsj,ae Heer, wie sie von Skopau 
und Alberstedt bekannt geworden sind (Zeitschr. d. D. geöl. Ges. 
Bd. 33, pag. 502). 

Die ältesten Bestimmungen von Knollensteinpflanzen rühren 
von L. v. Buch her. Derselbe führte von Lauchstedt (Ber. d. 
K. Akad. d. Wissensch. BerHu 1851, pag. 699) auf: Ceanothus 
poly morphus und Daphnogene cinnamomeifolia. Durch 
L. V. Buch sollen nach Zincken (Physiographie der Braunkohle 
pag. 132) ferner bestimmt worden sein; Cinnamomwm laticeo- 



[171] Knollensteinflora. 13 

latum und Juglans costata. Andrae (Text zur geogn. Karte 
von Halle pag. 78) fügt diesen noch Phyllites salignus Rossm. 
hinzu und vergleicht zwei andere Blätter von demselben Fundorte 
(de formatione tert. Hai. prox. pag. 19) mit Phyllites juglandoides 
Rossm. und salignus Rossm. 

Eine ausführliche Abhandlung über die Knollensteinpflanzen 
von Skopau verdanken wir Heer (Beitr. zur näheren Kenntniss 
der Sachs. - Thüring. Braunkohlenflora; Abhandl. des naturwiss. 
Vereins für die Prov. Sachsen u. Thüringen. 1861. 2. Bd.). Seit 
dieser Bearbeitung ist ausser einigen brieflichen Mittheilungen von 
Heer an Zincken betreflend Knollensteinpflanzen von Schortau 
(ZiNCKEN, Ergänzungen zur Physiogr. der Braunkohle pag. 25) 
über die Knollensteinflora der Provinz Sachsen nichts wieder ver- 
öffentlicht worden Der Steinbruchsbetrieb in den Knollensteinen 
lieferte in den letzten Jahren nur spärliche Pflanzenreste. Die 
wenigen Arten, welche im Folgenden beschrieben werden, sind 
zum grössten Theile auf Excursionen gesammelt, welche Herr 
Professor von Fritsch alljährlich mit seinen Zuhörern unternimmt. 



Beschreibung der Arten. 



Fungi. 
Phacidium spectabile Heer. 

Heer, Sachs. -Thüring. Braunkohlenüora pag. 3, Täf. 6, Fig. 7 
Vorkommen: Skopau. 

Filices. 
Lygodium Kaulfussi Heer. 

Heer, \. c. pag. 3, Taf. 8, Fig 21 und Taf. 9, Fig. 1. 
Siehe diese Abhandl., Bornstedt. 

Vorkommen: Skopau. 



14 Besclireibuiig der LooalÜoren der Provinz Sachsen. [l'i^2] 

Coniferae. 
Sequoia Couttsiae Heer. 

Siehe diese Abhandl., Bornstedt. 

Seqitoia Sternberyi Heer, 1. c. pag. 4, Taf. 5, Fig. 10. 

(^) Glyptostrobus europaeus Heeii, ib. pag. 3, Taf. 5, Fig. 11. 

Zweigstiicke dieser Art sind wiederholt in dem Knollenstein 
von Skopau gefunden worden. Sie sind besonders häufig auf 
Knollensteinplatten von Alberstedt, welche Dr. Heine dem Halle- 
schen Museum geschenkt hat. 

Vorkommen: Skopau, Alberstedt. 

Gramineae. 



Arundinites deperditus Heer sp. 

um Heer, 1. c. 
pal. veg. II, p 

V o r k o m m e n : Skopau. 



Bamhusimn dcperditum Heer, 1. c. pag. 4, Taf. 6, Fig. 10, 12m (1861). 
ScHiiiPEu, traite de pal. veg. II, pag. 396. 



Palmae. 

Ame.soneui'iim plicatuia Heer. 

Heer, \. c. pag. 4, Taf. 7, Fig. 14—15. 
Vorkommen: Skopau. 

CJiamaerops helvetica Heer. 

Taf. 2, Fig. 1. 

Heek, flor. tert. Helv. I, pag. 86, Taf. 31 u._.32 (1855); III, pag. 200 (1859). 
ScHiMPEH, traite de pal. veg. II, pag. 987 (1870 — 72). 

Folia cordato - fn/borbicularia , ßabellifovmia , palmato - multiflda, 
rigida; radii induplicativi e rhachide abbreoiata, rotundata 
exeuntes. 

Das sehr schöne Blatt aus einem Knollensteingeschiebe von 
Nachterstedt ist kugelig gewölbt. Die für Chamaero'ps charakte- 
ristische, vorn aljgerundete Spindel ist noch deutlich erhalten. Die 
Strahlen sind vor ihrer Gabelung abgebrochen, die Nerven gänzlich 



[173] KnoUensteinflora, 15 

verwischt. Die längsten Strahlenstücke sind bei einer Breite von 
18""" 14, ö""" lang, andere besitzen bei einer Breite von 17'"'" eine 
Länge von IP™. Die Längen- und Breitenverhältnisse in be- 
stimmten Abständen von der Spindel sind bei der Trennung der 
Arten nicht maassgebend, da dieselben an einem und demselben 
Blatte sehr difieriren. 

Unser Blatt passt recht gut zu den HEER'schen Abbildungen. 
Während an den letzteren 23 Strahlen gezählt werden , welche 
noch nicht die vollständige Anzahl derselben vorstellen, besitzt 
unser Blatt, dessen Basis vollständig erhalten zu sein scheint, 
deren nur 19. Dass auch diese Unterschiede zur Aufstellung 
neuer Arten nicht hinreichen, lehrt ein Vergleich der Blätter einer 
und derselben lebenden Art. 

Chamaerops Kutschlinica Ett. (Bilin I, pag. 108, Taf. 7, 
Fig. 16) stellt einen kümmerlichen Blattrest vor. 

Die Gattung Chamaerops (ca. 12 Arten) ist durch das Medi- 
terrangebiet, Afghanistan, Belutschistan, Indien bis China und Japan 
verbreitet und bildet überall in der alten Welt die Nordgrenze der 
Palmen (Nizza 430 41'). 

Verbreitung unserer Art: 
Unter - Miocän : BoUingen, Utznach. 

Unter-Oligocän : Nachterstedt (nördlichster, bis jetzt bekannter Ort 
der Erde mit Tertiärpalmen). 

Verwandte Art: Chamaerops humilis L., von Gaudin 
(Contrib. V, pag. 8, tab. 1, fig. 8, 9; tab. 2, fig. 6, 7; tab. 3, fig. 6) 
auch im vulkanischen Tuffe von Lipari nachgewiesen. 

Sabal major Unger sp. 

Taf. 1, Fig. 1. 

-Flabellaria major Unoer, Gen. et spec. plant, foss. pag. 330 (1850). Chlor, prot. 
pag. 42, tab. 14, fig. 2 (1847). 
» » Ettingshausen, Häring pag. 33, Taf. 3, Fig. 3 — 7 (18.53). 

Sabalmajor Heer, flor. tert. Helv. I, pag. 88, tab. 35; tab. 36, fig. 1—2 (1855)- 
» » Heer, ibid. III, pag. 168 (1859). 
» » Gaudin et Strozzi , Contribut. II , pag. 38 , tab. 1 , fig. 14 ; tab. 2, 

fig. 16 (1860). 
» » Ludwig, Palaeontogr. VIII, pag. 85, Taf. 20, Fig. 1 (1860). 



16 Beschreibung der Localfloreu der Provinz Sachsen. [l'i^41 

Sabalites major Saporta, Et. II, 2, Ann. d. sc. nat. 5. ser., III, pag. 82, tab. 2 
(1865). 
» » Saporta, Et. II, 3, ibid. IV, pag. 244 (1865). 

Sabal major Ettinqshausen, Bilin I, pag. 108, Taf. 8 und 9 (1867). 

» » Ettinqshausen, Wetterau pag. 823 (1868). 

(?)» » Ettingshausen, Steiermark pag. 39 (1869). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 487, tab. 82, fig. 1 (1870—72). 

FlabeUaria maxima Unger, Chlor, prot. pag. 41, tab. 12; tab. 13, fig. 1 — 2; 
tab. 14, fig. 1 (1847). 
» » Weber, Palaeontogr. II, pag. 158 (1854). 

» » ScHoiPER , palaeontologia akatica pag. 3 , tab. 1 und 2 ( Mem. 

de la Soc. d'hist. nat. de Strasbourg, vol. IV). 
FlabeUaria rapldfolia Steknbekg, Vers. I, 2, pag. 32 und pag. XXXIV, Taf. 21 
» » (1821). 

» Parlatorü, Massalongo, enumerat. delle piante foss. mioo. pag. 11. 

» » Massalongo, prodr. flor. foss. senogaU. pag. 6. 

» ^(J/arefeM?»,' Massalongo, plant, foss. nov. pag. 12 (?). 

Sabal Lamanonis Ludwig, Palaeontogr. VIII, pag. 85, Taf. 21, Fig. 1 (1860). 
FlabeUaria eocenica Lesqueeeux, tert. flora pag. 111, tab. 13, fig. 1 — 2 (1878). 

FoUa magna, valicle et inerme petiolata, flabellato-pinnata, 
petiolo 2^/4 — 4"" lato, apice in appendioem acuminatam longe 
provecto, radiis ca. 50 secus rhachidis declwitatem affixis, latis, 
longe productis, plicata -costatis. 

Von dieser Act ist aus den Knolleusteinen nur der abgebildete 
Palmenrest bekannt. Die meisten der bisher beschriebenen Bruch- 
stücke dieser Art bringen die Unterseite des Blattes zur An- 
schauung. Die Oberseite ist nur in Palaeontogr. VIII, Taf. 21, 
Fig. 1 und Lesquerkux, tertiary flora tab. 13, fig. 1 dargestellt. 
lu beiden Abbildungen ist nicht so schön wie an unserem Blatte 
die Verlängerung des Blattstieles unterhalb des Blattes verdeutlicht. 

Die Vereinigung der oben aufgezählten Synonyma ist zum 
grössten Theile bereits durch Heer (1. c.) geschehen und be- 
gründet. — FlabeUaria eocenica Lesq., 1. c. Fig 1 und 2, ist 
von dem ebenda Fig. 3 abgebildeten Palmenreste zu trennen und 
mit unserer Art zu vereinigen. — Die von Watelet in seiner 
»Description des plantes foss. du bass. de Paris« beschriebenen 
Palmenreste sind zu einer sicheren Bestimmung nicht hinreichend. 
Sie scheinen z. Th. zu Sabal major und haeringiana zu gehören. 



[175] KiioUcnsteiuflora. 17 

Verbreitung der Gattung Sabal (ca. 6 Arten) in der 
Jetztwelt: Carolina, Georgia, Florida, Alabama, Mississippi, Loui- 
siana und Texas, Mexico und westindische Inseln von Cuba bis 
Trinidad. 

Verbreitung unserer Art: 
Ober-Miocän: Arnothal, Sinigaglia. 
Mittel-Miocän: Monte Bamboli, Leoben (?). 
Unter-Miocän: Münzenberg, Radoboj, Lausanne, Mont Cal- 
vaire, Aarwangen, Rovereaz ob Lausanne. 

Ober - Oligocän: Salzhausen, Rott, plast. Thon von Priesen, 
Montagny ob Lutry, Armissan. 

Mittel-Oligocäu: Kalkmergel von Marseille, Hempstead. 

Unter-Oligocän: Schortau bei Weissenfeis, Stedten, Häring, 
Massale. 

Amerikanisches Tertiär: Black Buttes (erste Gruppe). 
Phoenicites boi'ealis nov. spec. 

Taf. 3. 

Folia pectiiiato-piniiata^ rhachide angulosa; pinnae oblique in- 
sertae, lineares, angustae, alternae^ inter se non lang entes^ 
basi conduplicatae. 

Der schöne, grosse Palmenwedel zeigt noch deutlich die aus- 
gehöhlte, in der Mittellinie mit einer erhabenen Längskante ver- 
sehene Rhachis, rechts 4 Insertionsstellen, links 9 Fiederblätter, 
deren Insertionsstellen zum Theil noch recht gut sichtbar sind. Die 
Fiederblätter sind am Grunde eng zusammengeschnürt, breiten sich 
aber schnell aus und verflachen sich, so dass die mittlere Kante 
nur noch als ein niedriger Kiel hervortritt. Die Parallelnerven 
sind nicht mehr sichtbar. Die grösste Länge der schmalen, linearen 
Fiedern beträgt 315"'", die grösste Breite 15™™. 

Fiederpalmen sind bereits aus dem österreichischen und 
schweizerischen, in grösserer Anzahl nur aus dem Tertiär Italiens 



Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. 



[176] 



beschrieben worden. Die Trennung aller bis jetzt bekannten Arten 
ist, weil die Mehrzahl derselben auf schlecht erhaltene Bruchstücke 
gestützt ist, noch sehr willkürlich. Ein Vergleich von Blättern 
führt, so lange Blüthen- und Fruchtreste fehlen, nur dann zu einem 
einigermassen sicheren Resultate, wenn gleichwerthige Fiederstücke 
in Bezug auf Grösse und Stellung der Blattfiedern untersucht 
werden können. Da dies in der Regel unmöglich ist, können nur 
die von einander am meisten abweichenden Arten immer gut von 
einander getrennt werden. 

Die Fiedern von Phoenicites spectabilis Ung. (Chlor, 
prot. pag. 34, Taf. 11) sind breiter als ihre Insertionsstellen von 
einander entfernt sind und decken sich dachziegelförmig. 

Von den von Visiani beschriebenen Palmen von Salcedo 
(Palm, pinnatae tert. agri Veneti; Estr. dal Vol. XI delle Memor. 
d. Institute ven. di sc. lett. ed art. Venezia 1864) gehören zu dem 
Typus unserer Palme: Phoenicites italica Mass., Sanmicheliana 
Vis., Lorgnana Mass., Fracastoriana Mass. und densifolia Vis. • — 
Bei Ph. Fracastoriana nimmt die Rhachis nach oben sehr 
schnell an Breite ab, bei Ph. densifolia sind die fast recht- 
winklig abzweigenden Fiederblätter dicht gedrängt. Die beiden 
Abbildungen von Ph. Lorgnana stellen nur die Endstücke zweier 
Wedel dar mit sehr dünner Spindel und ziemlich dichtstehenden 
Fiedern. Der Bau des Blattes erinnert an unsere Figur. Als 
Ph. italica hat ViSiANi zwei hinsichtlich der Länge der Fiedern 
gänzlich von einander abweichende, sehr gut erhaltene Blätter ab- 
gebildet. Das eine (Taf. 1), von ca. 112'^" Länge, schliesst sich 
an unser Blatt an, kann aber, wenn auf folgende Verhältnisse 
Gewicht gelegt werden darf, nicht "mit ihm zu einer Art vereinigt 
werden. 



Breite 
der Spindel 



Breite 
der Fieder 



Entfernimg 
der Fieder 



Phoenicites n. spoc 

Ph. italica, unteres Blattstiiclc 
Ph. italica, oberes Blattstück 



15""" 

24 — 27" 

24""" 



oü — 40""" 
22 (selten 30) ' 
15 (selten 22) 



[177] KnoUensteinfloi-a. . . 19 

Wenn auch diese Zahlen nur einen geringen Grad von Ge- 
nauigkeit besitzen, da sie zum Theil einer zu '^/g der natürhchen 
Grösse verkleinerten Zeichnung entnommen werden mussten, so 
geht doch mit Gevsrissheit aus ihnen hervor, dass 

1 . bei Ph. italica die Breite der Fiedern fast immer grösser, 
bei unserer Art viel kleiner ist als die Entfernung ihrer 
Insertionsstellen ; 

2. die Entfernung der Insertionsstellen an der dicken Spindel 
von Ph. italica viel geringer ist als an der halb so dicken 
Spindel unserer Art. 

Phoenicites Pallavicinii Sism. (Mat. pag. 26, tab. 33) 
stellt ein \^J2^ langes Wedelstück mit schmalen Fiederblättern vor. 
Letztere lassen eine deutliche Mittelkante nicht erkennen und 
scheinen eine stark verbreitete Basis zu besitzen. 

Phoenicites salicifolius Stbg. sp. (Flora der Vorwelt II, 
pag. 195, Taf 40, Fig. 1) von Altsattel ist ein kleines, zum Ver- 
gleiche unbrauchbares Bruchstück eines Palmenwedels. — Phoeni- 
cites angustifolius Stbg". sp. (1. c. pag. 195, Taf. 44), ein grosses 
Wedelstück mit schmalen, linearen Blättern von Altsattel, ist in 
den Details schlecht erhalten. 

Verbreitung der Gattung Phoenix in der Jetztwelt (mit 
ca. 12 Arten): Südeuropa, Afrika mit Ausschluss der Kalahari und 
Capflora, Sumatra und Java, Vorder- und Hinter- Indien, Ceylon, 
Länder des Euphrat und Tigris, Arabien. 

Dass früher die Gattung Phoenix weiter nach Norden aus- 
gebreitet war als jetzt, beweist das Zusämmenvorkommen von ge- 
fiederten Blättern und männlichen Blüthen bei Puy (Haute- Loire), 
welche beide sm{ Phoenix deuten (Phoenicites pumilns ßrongn. 
Tabl. d. genr. pag. 118 und Sap. Et.. Suppl. I, pag. 39). 

Verwandte fossile Arten: 

1. Phoenicites italica Mass. \ 

2. » Lorgnana Mass. / o i j 

3. • » Sanmicheliana Vis. > 

, y-j • AT ( (Mittel -Oligocän). 

4. » r racastonana Mass. \ o / 

5. » densifolia Vis. 



20 Berschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [1781 

Myricaceae. 
Myrica Germari Heer. 

Heer, Sachs. - Thüring. Braunkohleutlora pag. 5, Taf. 8, Fig. 12 — 16. 

Diese Art ist noch zweifelhaft. Die winzigen Bruchstücke von 
Myrica Germari Engelh. (Flora der Braunkohlenform, im Könior. 
Sachsen pag. 31, Taf 8, Fig. 11 — 12) sind nicht bestimmbar. 

Vorkommen: Skopau. 

Myrica laevigata Heer sp. 

Dryandroides laevigata Heek, flor. tert. Helv. II, pag. 101, Taf. 99, Fio. 5 — 7 

(non 8) (1856). 
» » Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 285 u. 287 (1859). 

» » Heer, Sachs. -Thüring. Bi-auakohlenflora pag. 9, Taf. 6, 

Fig. 8 — 9 (1861). 
» » Heer, Bovey Tracey pag. 1065, tab. 65, fig. 9 — 11 

(1862). 

Myrica laevigata Saporta, Et. II, 3, Ann. d. sc. nat. 5. ser., IV, pag. 100 
(1865). 
» » Saporta, Et. III, 3, ibid. VIII, pag. 58 (1867). 

» » SAi*bKTA, flore foss. d. calc. concret. de Brognon pag. 15 

(1866). 
0) » » Saporta, Et. Suppl. I, pag. 122 (1872 — 73). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 542 (1870 — 72). 

» » Heer, Zsilythal pag. 14, Taf. 2, Fig. ]a, b (1872). 

Diese Art, von welcher in den letzten Jahren keine Blätter 
wieder gefunden worden sind, ist schwer von Myrica liakeae- 
folia Ung. sp. und Myrica lignitum Ung. sp. abzutrennen. 
Von den meisten Fundorten liegen keine Abbildungen vor, so 
dass die Verbreitung dieser an sich schlechten Art zur Beurthei- 
lung der Floren keinen grossen Werth hat. Dryandr. laevigata 
Sism. (Mat. pag. 53, tab. 17, fig. 8b) zeigt blos den Umriss des 
Blattes. 

Lebende Analoga: Myrica cerifera Lam. (Nord- Amerika, 
Erie-See bis Alabama), Myrica salicina Höchst. (Abessinien). 



[179] KDollensteinflora. 21 

Verbreitung: 

Ober-Oligocän: Peissenberg, Monod, Hohe Rhonen, Rochette, 

Bois d'Ässon, Armissan, Zsilythal. 
Unter-Oligocän: Skopau, Aix (?) 

Mittel - Eocän: Bovey Tracey. 

Unbekannter Horizont: Brognon (Cote d'Or). 

Cupuliferae. 
Quercus neriifolia Al. Braun. 

Taf. 1, Fig. 2. 

Heer, flor. tert. Helv. II, pag. 45, Taf. 74, Fig. 1—7, IGa — d; Taf. 1, Fig. 3; 
Taf. 2, Fig. 12; (?) Taf. 75, Fig. 2 (1856). 
» flor. tert. Helv. III, pag. 178, Taf. 152, Fig. 3 (1859). 
(?) Ettingshausen, Köflaoh pag. 13 (1857). 
M.4SSÄLONG0, stud. flor. Senogall. tab. 31, fig. 6 (1859). 
SAPORT.i, Et. II, 3, Ann. d. sc. -nat. 5. ser., IV, pag. 112 (186.5). 
(?) Ettingshausen, Bilin I, pag. 54, (1867). 
ScHiMPEK, traite de pal. veg. II, pag. 621 (1870 — 72). 

Engelhardt, Leitmer. Mittelgeb. pag. 403, Taf. 11, Fig. 2 u. 3 (?), non 4 (1876). 
(?) Lescjuereux, Tert. flor. pag. 150, tab. 19, fig. 4 — 5 (1878). 
Quercus lignitum Al. Braun, in Stizenb. Verz. pag. 77. 

» » Heek, Uebersicht der Tertiärflora pag. 53. 

» commutata Heer, flor. tert. Helv. I, pag. 14, 21 (1855). 

Folia ipetiolata^ subcoriacea, elongato-lanceolata, utrinque 
acuminata, integer rima vel apice sparsim denticulata. Nervi 
sec. nu'inerosi, dictyodromi. Glans brevis, ovalis, 8 — 1 1'"™ /ow^a, 
6 — 9 lata, apiculata, distincte longitvdinaliter striata. 

Das Blatt von Skopau stimmt mit den HEER'schen Abbildun- 
gen und Oeninger Vergleichsstücken überein. Die sich gabelnden 
und in nur undeutlichen Schlingen aufsteigenden Seciindärnerven 
unterscheiden es hinreichend von den Blättern von Rhododendron. 

Wenn die oben aufgezählten Funde zu vereinigen sind, so 
gehört unsere Eiche zu den langlebigsten und verbreitetsten 
Pflanzen, da sie sowohl im europäischen Tertiär vom Unteroligocän 



22 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [^^801 

bis in die Oeninger Schichten, als auch im nordamerikanischen 
Tertiär einen charakteristischen Baum bildet. 

Quercus neriifolia Heer, flor. tert. Helv. Taf. 75, Fig. 2 
ist breiter als die übrigen Blätter, und die Secundärnerven ent- 
springen unter spitzeren Winkeln. Daher ist die Bestimmung 
dieses Blattes zweifelhaft, ebenso die von Quercus neriifolia 
Stur (Jahrb. der k. k. geol. Reichsanstalt 1867, I, pag. 153) 
von Svtroszovtfice, welche Stur mit der HEER'schen Abbildung 
vergleicht. Noch mehr weicht von unserem Typus Quercus nerii- 
folia Graud. et Strozzi (Contrib. VI, pag. 12, tab. 2, fig. 1) von 
Bozzone ab. — Quercus neriifolia Sism. (Mat. pag. 46, tab. 9, fig. 1) 
erinnert mehr an i^icws - Arten und an Noteiaea eocenica. — Die 
nah verwandte Quercus bifurca Wat. (Parispag. 138, tab. 35, 
fig. 9) aus dem Unter -Eocän von Pernant hat schmalere, parallel- 
randige Blätter. 

Lebende Analoga: Amerikanische Eichen vom Typus Qu. 
imbricaria Mchx. und phellos L. ; Vereinigte Staaten von New- 
Jersey bis zum Golf von Mexico. 

Verbreitung: 
Ober - Miocän: Oeningen, Swoszowice (?), Sinigaglia. 
Mittel-Miocän: Brandschiefer von Sobrussan (?), Köflach(?). 

Ober - Oligocän: Armissan. 

Unter-Oligocän: Skopau. 

(?) Amerikanisches Tertiär: Florissant (Colorado), 4. Gruppe, 

Raton Mountains (N. Mex.), 1. Gruppe. 
Nah verwandte Art: 
Quercus bifurca Wat.: Pernant (.Unter -Eocän). 

Dryophyllum Dewalqiiei Saporta et Marion. 

Tafel 1, Fig. 3 und 6. 

Sapoeta et Marion, Essai sur l'etat de la vög. heers. de Gelinden pag. 37, tab. 2, 
fig. 1 — (1; tab. 3, fig. 1—4; tab. 4, fig. 1—4 (1873). 
» » Revision etc. pag. 50, tab. 7, fig. 4 — 5; tab. 8, fig. 1 — 7 

(1878). 



[181] Knollensteinflora. 23 

conf. diese Abhandl., Bornstedt, Taf. 9, Fig. 6. 

Quereus drymeia Heer, Sachs. - Thüring. Braunkohlenfl. pag. 5, Taf. .5, Fig. 6, 7 

(1861). 
Dryandroides Meissneri Heek, ibid. pag. 10, Taf. 5, Fig. 12, 13. 

» aemula Heer, ibid. pag. 9, Taf. 5, Fig. 14 — 17 ; Taf. G, 

Fig. 12a(?), 12 c. 
Myrica aemula ScHrMPEE, traite de pal. veg. II, pag. 54S (1870 — 72). 
» Meissneri Schimper, ibid. pag. 549. 

Folia coriacea, 'petiolata, e basi integra ohtuse vel acute cuneata 
sursum, plus minusve elotigata, apice hreviter vel sensim attenuata^ 
margine argute serrata. Nervi sec. angulis acutis emissi, plus 
minusve numerosi quandoque multiplices , paralleli, craspeclodromi, 
extremo apice furcati. Nervuli transversi, in rete tenuissimum^ tandem 
anastomosati. 

In die Gruppe von Quereus spicata (Fig. 3a) gehört bereits 
eine grössere Anzahl sehr variirender Arten, so dass durch das 
Hinzukommen neuer Funde die Umgrenzmig derselben immer 
schwieriger wird. Unser Blatt Fig. 6 ist von Saporta et Marion, 
Essai tab. 2, fig, 2 — 3; tab. 3, fig. 3 — 4 und tab. 4, fig. 1— 4 
nicht zu unterscheiden, und ebenso stimmt das Blattstück Fig. 8 
recht gut mit Saporta et Marion, Essai tab. 2, fig. 4 und Re- 
vision tab. 7, fig. 4 überein. 

Quereus drymeia Heer (1. c.) schliesst sich an unsere Fig. 3 
an, dagegen sind ibid. Taf. 6, Fig. 12h und Dryandroides aemula 
Heer ibid. Taf. 6, Fig. 12 b, weil schlecht erhalten, bei jeder künf- 
tigen Untersuchung auszuschliessen. 

Myrica aemula Crie (Tonest de la France ä l'epoque tert. 
pag. 32, tab. H et I) bildet eine selbstständige Art, welche mehr an 
die Dörstewitzer Eiche als an unsere Art erinnert. Den Secundär- 
nerven laufen ziemlich kräftige, dem Mittelnerv entspi'ingende 
Nerven parallel. 

Dry ophyllum subfalcatum Lesq. (tert. flor. pag. 163, 
tab. 63, fig. 10) ist unserer Art nah verwandt. Es erinnert be- 
sonders an Saporta et Marion, Essai tab. 3, fig. 2. 



24 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [ 1 821 

Ve rbreitung: 
Unter-Oligocän: Skopau (Fundort von Fig. 6 unbekannt, 
Gegend von Skopau und Kattmannsdorf). 
(?) Bornstedt. 
Unter-Eocän: Gelinden. 

Verwandte Arten: siehe Bornstedt. 

Moreae. 

P Ficiis Sclileclitendali Heer. 

Heer, Sachs. - Thüring. BramikoLlenflora pag. 6, Taf. 8, Fig. 20. 
Vorkommen: Skopau. 

Ficus Giebeli Heer. 

Hebe, Sachs. -Thüring. Braunkohlenflora pag. 6, Taf. 2; Taf. 5, Fig. 8 — 9 (1861). 

ScHiMPEK, traite de pal. veg. II, pag. 730 (1870 — 72). 

Engelhardt, Flora der Braunköhlenform. im Königr. Sachsen pag. 37, Taf. 13, 

Fig. 1 (1870). 
ÜRn';, L'ouest de la France ä Fepoque tert. pag. 38 (1877). 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän: Skopau, Harthau (?), Angers (Thal der 
Sarthe) (?). 
Nächst verwandte Arten: 
Protofious sezannensis Sap., Sezanne tab. 6, fig. 1. 
» insignis Sap., ibid. fig. 2 — 4. 



L a u r i n e a e. 
Cinnamomuin Sclieuchzeri Heer. 

Heer, briefl. Mittheikiug, Zinci;en, Ergänzung I zur Physiogr. der Braunkohle 

pag. 25 (1871). 
Vergl. diese Abhandl., Bornstedt. 

Vorkommen; Schortau bei Weissenfeis. 



[183] Knollensteinflora. 25 

Ciniiamomum lanceolatam Unger sp. 

Taf. 1, Fig. 4. 
Vergl. diese AbhandL, Stedten. 

Vo r k o m m e n : Skopau. 

Cinnamomum sezannense Watelet. 

Taf. 1, Fig. 5. 

Cinnamoimim sezannense Watei.et, Paris pag. 175, tab. 50, fig. 2 (1866). 
(?) Daplmogene sezannensls Saporta, Sezanne pag. 81, tab. 8, fig. 8 (1868). 

» » Sapokta et Marion, Essai sur l'etat de la veg. ä 

l'epoqTie des marnes heers. de Gelinden pag. 47, tab. 6, 
fig. 5 — 6 (1873). 
»■ » ScHiMPEE, traite de pal. veg. 11, pag. 852 (1870 — 72). 

Cinnamomum sezannense Saporta et Märion, Revision de la flore de Gelinden 
pag. 60, tab. 9, fig. 2 — fi (1878). 
» duhium Watelet, Paris pag. 176, tab. 50, fig. 4. 

Daplmogene pedunculata Watelet, ibid. pag. 178, tab. 50, fig. 6 — 10. 

Folia coriacea, elongato-lanceolata, basi in petiolum angustata, 
in apicem sensim ehngatum attenuata, tnargine integerrima, tn2oli- 
nervia ; nervi laterales alter.ni, suprabasilares, margine 
paralleli, cum nervis sec. camptodromo-unastomosantes; nervi 
tert. angulo recto e ?iervo prim. egre dient es, paralleli. 

Die gestreckte Gestalt, die beiden über der Basis entspringenden, 
dem Rande parallel laufenden und sich erst über der Blattmitte mit 
den Secundärnerven durch aufsteigende Schlingen verbindenden 
Seitennerven, endlich die zahlreichen wagerechten Tertiärnerven 
unterscheiden unser Blatt hinreichend von den jüngeren Arten. 
Wir finden dieselben Merkmale bei Cinnamo'inum sezannense 
Wat. wieder, mit welchem Saporta und Marion, und wohl 
mit Recht, auch Daplmogene pedunculata Wat. und 
Cinnamomum duhium Wat. vereinigen. Die Bestimmung von 
Daplmogene sezannensis Sap. von Sezanne ist fraghch, da 
bei diesem die Tertiärnerven unter spitzen Winkeln ausgehen. 
D aphnogene longinqua Sap. et Mar., welche Saporta und 



26 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [1841 

Marion (Essai etc. pag. 48, t;ib. 4, fig. 7) zu derselbpn Art zu 
stellen geneigt sind, muss entfernt werden, da bei ihr die Seiten- 
nerven sehr weit oberhalb der Basis entspringen und die Secundär- 
nerven weiter hinunter gerückt sind, so dass der Raum zwischen 
beiden sehr klein erscheint. 

Unsere Art schliesst sich an Cinnamomum, lanceolatuni 
Ung. sp. an, am besten an die Form Phyllites cinnamoineus Rossm., 
Altsattel pag. 23, Taf. 1-, Fig. 2. 

Lebende Analoga nach Saporta: Cinnamo mum Culi- 
lawan Nees, Burnianni Bl. und tamala Nees, sämmtlich dem 
tropischen Asien angehörend. 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän: Gegend von Rattmannsdorf bei Halle, Fund- 
ort unbekannt. 
Unter-Eocän: Sezanne, Belleu, Gelinden. 

Daphnogene veronensis Massalongo. 

Heer, Sachs. -Thüring. Braunkohlenflora pag. 8, Taf. 6, Fig. 1. 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän: Skopau. 
Mittel-Eocän: Monte Bolca, Alumbay. 

Daplinogene elegaus Watelet. 

Taf. 1, Fig. 9. 

Watelet, Paris pag. 180, tab. 51, fig. 5 — 6; tab. 54, fig. 9 (1866). 
Sapoeta, Sezanne pag. 368, tab. 8, fig. 11 — 1-2 (1868). 
ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 851, tab. 92, fig. 8 -9 (1870 — 72). • 
Sterculia labrusca Heeb, Sachs. -Thüring. Braunkohlenflora Taf. 8, Fig. 19 
(1861). 

Folia coriacea, ovata, acuminata, basi attenuata, margine 
integerrima, triplinervia. Nervi laterales suprabasüares , margine 
subparalleli, cum secundariis alternis cwroato-ascendentibus anasto- 
mosantes. Nervuli flexuosi, rete polygoimm formantes. 



[185] Knollensteinflora. 27 

Das abgebildete schöne Blatt passt bis auf die abgerundete 
Spitze recht gut zu Daplinogene elegans. Die Abrundung muss 
nach Analogie der lebenden Laurineen als eine zufällige Ver- 
kümmerung der Blattspitze angesehen werden, wie gleiches bei 
lebenden und fossilen Arten, besonders von Cinnamonium , häufig 
beobachtet werden kann. Es giebt kaum eine Laurinee mit für 
die Art charakteristischen, abgerundeten Blättern. Die beiden 
Exemplare von Oreodaphne obo oata Meissn. im Königl, Her- 
barium, deren Blätter abgerundet sind, scheinen noch nicht maass- 
gebend zu sein gegenüber der ausserordentlich reichen Fülle der 
übrigen spitzblättrigen Laurineen. Zwei in derselben Weise von 
einander hinsichtlich der Entwickelung der Spitze abweichende 
Blätter hat Saporta (Et. III, 3, Ann. . ., 5. ser., VIII, pag. 76, 
tab. 15, fig. 4 — 5) zu derselben Art, Laurus supcrba, vereinigt. 

Sterculia labrusca Heer, 1. c, ein einfaches Blatt mit zwei 
oberhalb der Basis aus dem Hauptnerv hervortretenden Seiten- 
nerven, gehört zu unserer Art. 

Die nächsten Beziehungen besitzen nicht, wie Watklet und 
Saporta meinen, Oreodaphne (foetens), Crjjptocarya und Nectandra, 
sondern Litsaea, namentlich fj. foliosa Nees, unter den fossilen 
Pflanzen die neueren Litsaea- Arien von Bornstedt und L. magni- 
fica Sap. 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän : Skopau, Gegend von Rattmannsdorf bei Halle, 
Fundort unbekannt. Auf demselben Gesteins- 
stück befindet sich Cinnamomum sezannense 
Wat. 
Unter-Eocän: Sezanne. 



Actinodaphiie Germari Heer sp. 

Taf. 2, Fig. 2. 
Vergl. diese Abhandl., Bornstedt. 

An dem abgebildeten Blattstücke ist das Maschennetz bis ins 
feinste Detail erhalten. In der unteren Hälfte sind Randstreifen 



28 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [1861 

derartig abgebrochen, dass die unteren Seitennerven jetzt den Rand 
bilden. Das leicht zu vervollständigende Blatt erinnert am meisten 
an die Blätter von Actinodaphne Germari von Bornstedt, mit denen 
es in allen Details übereinstimmt. 

Vorkommen: Gegend von Skopau, Fundort unbekannt. 



Laurns saxonica nov. spec. * 

Taf. 1, Fig. 8 ; Taf. 2, Fig. 4. 

Folia coriacea, elliptica, basi angiistata; nermis prini. validus, 
nervi sec. camptodromi, curoati, angulis acutis variis Orientes, distantes, 
nervuli rete angustum distinctum polyg onum efformantes. 

Fig. 4 auf Taf. 2 stellt ein dicklederartiges Blatt mit kräftigen 
Haupt- und Secundärnerven vor. Die mit blossen Augen kaum 
sichtbaren Tertiärnerven vs^erden an Deutlichkeit von einem scharf 
ausgeprägten, polyedrischen Netzwerk übertroffen, dessen Zvi^ischen- 
räume v^ie feine Wärzchen erscheinen. Auch in dem Blatte Taf. 1, 
Fig. 8 treten die Tertiärnerven nur wenig ans dem gut sichtbaren, 
polyedrischen Netzwerk (Fig. 8a) hervor, die vom Hauptnerv aus- 
gehenden laufen den Secundärnerven fast parallel , während die 
entsprechenden Nerven in Taf. 2, Fig. 4 fast rechtwinkelig ab- 
zweigen. Diese Abweichung der beiden sonst übereinstimmenden 
Blätter kann nicht als Artunterschied aufgefasst werden, da gleiche 
Unterschiede auch bei ein und derselben Art unter den lebenden 
Laurineen, mit denen unsere Blätter der Nervatur und Textur 
nach verglichen werden müssen, häufig beobachtet werden. 

Unsere Blätter erinnern am meisten an Lauriis styracifolia 
Web. (Palaeontogr. H, pag. 180, Taf. 20, Fig. 3) von Orsberg 
und Oeningen und Oreodaphne Heeri Gaud. et Strozzi (Con- 
trib. I, pag. 35, tab. 10, fig. 4 — 9; tab. 11, fig. 1 — 7) aus dem 
Miocän und Pliocän Italiens und dem Pliocän von Meximieux, 
namentlich an I.e. Taf. 11, Fig. 2. Für die jungtertiäre Orco- 
daphne-Art sind die in den Achseln der Secundärnerven sitzenden 
Warzen charakteristisch, welche diese Art am meisten der lebenden 
Oreodaphne foetens Nees (Saporta, Meximieux tab- 26, fig, ß) 



[1 87] Knollen Steinflora. 29 

nähern, einem Baume, der einen grossen Theil der Wälder 
auf den Canarischen Inseln bildet. Hinsichtlich der kürzeren, 
unteren Secundärnerven und des Fehlens der Warzen schliesst 
sich unsere Art mehr an amerikanische Pflanzen an, z. B. an 
Oreodaphne californica Nees (Ettingshausen, Apetalen 
Tat'. 33, Fig. 5) und Oreod. indecora Nees (ibid. Fig. 2). 

Die Gattung Ocotea (Oreodaphne und Mespilodaphne) 
umfasst 200 meist dem tropischen und subtropischen Amerika 
angehörende Arten. Nur wenige Arten bewohnen Afrika und 
die Canarischen Inseln. 

Vorkommen: Taf. 1 , Fig. 8: Klein - Corbetha. Taf. 2, 

Fig. 4: Dieselbe Gegend, Fundort mir nicht 

bekannt. 



(H) Laurus primigenia Unger. 

Heer, Sachs. -Tliüring. Braunkohlenfloi'a pag. 7, Taf. 6, Fig. 12i, k. 
Vei-gl. diese Abhandl., Bornstedt.- 

Vorkommen: Skopau. 

Lauras Ai)ollinis Heer. 

Heek, Sachs.- Thüring. Braunkohlenflora pag. 7, Taf. 7, Fig. 7 — 8. 
Vorkommen: Skopau. 

Laurus excellens Watelet. 

Lnuriis excellens Watelet, Paris pag. 18.5, tab. 52, fig. 2 (1866). 

» Lalages Heek, Sachs. -Thüring. Braunkolilenfl. pag. 7, Taf. 7 , Fig. 9 — 11 

(1861). 
» praecellens Saporta, Et. I, 5, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XIX, pag. 210, tab. 6, 
fig. 4 (1863). Seitenzahl nach dem zusammenhängenden Werke. 

Folia coriacea^ ovato-lanceolata^ apice basique sensim 
attenuata, integerrima; nervi sec. angulis acutis Orientes, curvati, 
camptodrorni, nervi tert. subreti. 



30 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [^881 

Die von Heer mit Laurus Lalages (1. c.) vereinigten Blätter 
müssen von dieser Art getrennt werden, da sie sich am Grunde 
langsamer verschmälern und die unter spitzeren Winkeln aus- 
gehenden Secundärnerven stärker gebogen sind. Ich vereinige sie 
mit dem Blatte von Laurus esccellens Wat. , mit welchem sie 
sich bis auf die weniger zahlreichen Secundärnerven vollständig 
deckt. Von der WATELET'schen Art vermag ich ferner auch 
Laurus praecellejis Sap. nicht zu trennen. 

Die ähnlichen Blätter von Persea helenensis Wat. sind 
breiter. Persea palaeomorpha Sap. et Mar. (Revision etc. 
tab. 10, fig. 1) wird wahrscheinlich bei dem Vorhandensein von 
besserem Materiale später mit unserer Art zusammenfallen. Sie 
nähert sich am meisten Laurus praecellens Sap. und excellens Wat. 

Verbreitung: 
Mittel-Oligocän: St, Zacharie. 
Unter-Oligocän: Skopau. 
Unter-Eocän: Bellen. 

Pimeleaceae. 
Pimelea borealis Heer. 

■Heer, Sachs. - Tliüring. Braunkohlentlora pag, 8, Tat. 5, Fig. 18. 
Vorkommen: Skopau. 

Proteaceae. 
Dryandroides creimlata Heer. 

Taf. 4, Fig. 1. 

Dryandroldes crenulata Hkek, Sachs. - Thüring. Braunkohlenflora pag. 10, Taf. 5, 
Fig. 1 — 3 (1801). 
» crcnata Schijiper, traite de pal. veg. II, pag. 811 (1870 — 72). 

Folia corlacea, lanceolata , in petiolum sensini attenuata, 
serrulata. Neroi sec. tenuissimi, camptodromi, anc/ulo acuto, 
inferiores angulo acutissimo Orientes. 



[189] Knollensteinflora. 31 

Die HEER'schen Abbildungen stellen Bruchstücke von klei- 
neren Blättern vor. Für alle Blätter ist charakteristisch, dass die 
unteren Secundärnerven unter viel spitzerem Winkel aufsteigen 
als die folgenden. 

Die entsprechende lebende Gattung ist nach Heer Cenar- 
rhenes mit nur einer Art {GenarrK. nitida Sieb, auf Tasmanien). 
Aehnliche Blätter besitzt auch Telopea speciosissima R. Br. 
(Ettingshausen, Apet. Taf. 42, Fig. 2 — 3). Die Bestimmung 
unserer Blätter ist sehr fraglich. 

Vorkommen: Skopau. 

Grevillea nervosa Heer. 

Qrevillea nervosa Heer, Sächs.-Thüring. Braunkohlenflora pag-. 8, Taf. 5, Fig. 4 — 5 
' (1S61). 
» » SoHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 788 (1870 — 72). 

» provinciatis Sapoeta, Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XVII, pag. 252, 

tab. 8, flg. 3 (1862). 
» » Saporta, Et. Suppl. I, 2, pag. 149 (1872 — 73). 

» » ScHiMPER, traite II, pag. 786, tab. 85, fig. 28. 

» verbinensis Watelet, Paris pag. 192, tab. 53, fig. 4 (1866). 

Folia coriacea, linearia, basi angustata, integerrima. Nervi 
sec. numerosi, angulis peracutis Orientes, camptodromi; ner- 
villi reticulati. 

Es sind bereits eine grössere Anzahl von fossilen Grevillea- 
Arten beschrieben vrorden, welche von unserer Art kaum ver- 
schieden, sich sämmtlich an die beiden, nur wenig von einander 
abweichenden, lebenden Arten Qrevillea sericea R. Br. und 
oleoides Sieb, anschliessen. Es sind Grevillea coriacea Sap., rigida 
Sap., lancifolia und Jaccardi Heer, haeringiana Ett. , verbinensis 
Wat. und provincialis Sap. Von diesen stimmen die beiden letzten 
mit unserer Art überein, denn sie besitzen dieselbe Gestalt und 
gleiche Nervatur. Trotz dieser Uebereinstimmung finden wir 
weder bei Saporta noch bei Watelet unsere Art erwähnt. 
Grevillea lancifolia Heer, Jaccardi Heer und haeringiana Ett., nur 
schwer zu trennende Arten, gehören, wie unsere Pflanze, in die 



32 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. ['901 

Formenreihe von Grev. oUoides Sieb. (Ettingshadsen, Apet. 
Taf. 38, Fig. 8). Greo. sericea R. Br., von der anderen lebenden 
Art nur durch geringere Blattlänge unterschieden, ist im Tertiär 
durch Grevillea coriacea Sap. vertreten. — Die Mitte zwischen 
beiden lebenden Arten nimmt Grevillea rigida Sap. ein. Die ge- 
zahnten Formen von Grev. Kymeana Ung. gehen allmählich in 
ganzrandige über, welche sich von Grev. Jaccardi und haeringiana 
nicht unterscheiden lassen. Unger (Kumi pag. 35) ist daher 
geneigt, die letztgenannten nur als Endform der Kumi- Art anzu- 
sehen. 

Von den ca. 160 lebenden Arten von Grevillea bewohnen 
nur 7 Neu-Caledonien, alle anderen das Festland Australiens. 

Verbreitung : 
Unter-Oligocän: Skopau, Aix. 
Unter-Eocän: Vervins. 



Oleaceae. 
Noteiaea eocaenica Ettingshausen. 

Ettingshausen, Beitft zur Kenntu. der foss. Flora von Sotzka pag. 52G, Taf. 2, 

Fig. 4 (1858). 
Heek, Sachs.- Thüring. Braunkohlenflora pag. 13, Taf. 6, Fig. 5 ; (?) pag. 20, 

Taf. 10, Fig. 1 (1861). 
(f) Ficus arcinervis Heer, ibid. pag. 6, Taf. 6, Fig. 4, 121. 

Ficus arcinervis Heer (1. c), von der Ro.SSMÄsSLER'schen Art 
durch die zarten Secundärnerven abweichend, scheint zu dieser 
schlechten Art zu gehören. Die Gattung Noteiaea uinfasst 
8 australische Arten (Queensland, Neu -Süd- Wales, Victoria, 
Tasmanien). 

Ve r b r e i t u u g : 
Ober-Oligocän: Sot/.ka. 
Unter-Oligocän: Skopau, Weissenfeis (?). 



[191] Knollensteinflora. 33 



Apocyneae. 
Apocynopliylluiu neriifoliiun Heer. 

Heer, Säclis. - Tliüring. Brauiikohleuflora pag. 13, Taf. 8, Fig. 1 — 8. 
Vergl. diese Abhaadl., Stedten. 

Verbreitung: Skopau (sehr häufig), Stedten. 



Myrsineae. 
Myrsine forinosa Heer. 

Heer, Sachs - Thüring. Bvauniiolilenfl. pag. 12, Taf. 6, Fig. G; Taf. 8, Fig. 10-11. 

Myrsine formosa Crie, l'ouest de la France ä l'epoque tert. 
pag. 48, tab. K, fig. 69 ist ein unbestimmbarer Blattrest. 
Vorkommen: Skopau. 

Sapotaceae. 

Sapotacites reticulatus Heer. 

Heer, Sachs. - Thüring. Braunkolilenflora pag. 12, Taf. 6, Fig. 12 d, e. 
Vorkommen: Skopau. 

Ebenaceae. 
Diospyros vetnsta Heer. 

Taf. 4, Fig. 3; 

Diospyros vetusta Heer, Sachs. - Thüring. Braunkohlenfl. pag. 10. Taf. 7, Fig. 1 — 6. 

» » ScHiMPEK, traite de pal. veg. H, pag. 946. 

Persoonia Kunzii Heer, 1. c. pag. 9, Taf. 8, Fig. 22. 

» » ScHiMPEE, 1. c. n, pag. 783. 

Das abgebildete Blatt stimmt mit denjenigen Blättern von 
Skopau überein, deren grösste Breite in der Mitte liegt. Per- 

3 



34 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Saclisen. [1921 

soonia Ktinzii Heee ist hierher zu ziehen. Die Nervatur der- 
selben weicht gänzlich ab von derjenigen bei Perisoonia mit in der 
Hauptrichtung des Blattes gestreckten Zellen. 

Vorkommen: Skopau (Blätter und Früchte), Lauchstedt. 



Sterculiaceae. 
Stercnlia labrusca Unger. 

Taf. 30, Fig. 7. 

Heee, Säclis. - Thüring. Braunkohlenflora pag. 1.5, Taf. .3 und 4. 

Sassafras germanica Heer, ibid. pag. 8, Taf. 3, Fig. 7: Taf. 7, Fig. 12 — 13 

Vergl. diese AbhandL, Trotha. 

Vorkommen: Skopau (häufig), Schortau bei Weissenfeis 
(nach Heer, briefl. Mittheilung an Zincken; 
vergl. Ergänz. I zur Physiogr. der Braunkohle 
pag. 25). 

Saxifragaceae. 
Ceratopetaluin myricinum Laharpe. 

Heer, Sachs. -Thüring. Braunkohlenflora pag. 14, Taf. 6, Fig. 11; pag. 20, Taf. 10, 

Fig. 3. 
Vergl. diese AbhandL, Eisleben. 

Vorkommen: Skopau. 

Elaeocarpeae. 
Elaeocarpus Albrechti Heer. 

Taf. 2, Fig. 3. 

Heer,' mioc. balt. Flora pag. 42, Taf. 10, Fig. 1—4 (1869). 
ScHLMPER, traite de pal. veg. HI pag. I2G, tab. 99, fig. 9-12 (1874). 

Folia subcoriacea, ovato-elliptica, basi angusiata, inargine 
crenata; nervi sec. angulo ca. 50" Orientes., dictyodromi, tert. 



[193] Knollensteinflora. 35 

transversi. Fructus driqjacei, piitainine ovali, longitudinaliter tuber- 
culato-rimoso, quinque-loculari, loculis miniitis. 

Das abgebildete Blatt passt recht gut zu dem Blatte des 
Samlandes. Der gekerbte bis stumpf gezahnte Rand, die sich 
gabelnd verästelnden und dann wieder in grossen Bögen ver- 
bindenden Secundärnerven und die schiefen Tertiärnerven sind 
auch für das Blatt des Samlandes und die lebenden Arten von 
Elaeocarpus bezeichnend. Die von Heer beschriebenen Früchte 
(1. c. Fig. 2 — 4) erinnern am meisten an Elaeocarpus sphae- 
ricus (Ostindien), die Blätter an Elaeoc. oblongus Sm. (Ost- 
indien). 

Eine andere Art mit spitzen Zähnen, Elaeocarpus euro- 
paeus Ett. (Bilin III, pag. 16, Taf. 43, Fig. 6 — 10) stammt aus 
dem Polirschiefer von Kutschlin und dem piatischen Thone von 
Langaugezd. 

Die 5 lebenden Arten von Elaeocarpus bewohnen das 
tropische Asien, Australien, die australischen und pazifischen 
Inseln. 

Verbreitung: 
Mittel-Oligocän: Kauschen. 

Unter -Oligocän: Gegend von Skopau, Fundort mir nicht be- 
kannt. 



Juglandeae. 
(H) Carya Heerii Ettingshausen sp. 

Heer, Sachs. -TIjüring. Braimkohlenfloi'a pag.16, Taf. 8, Fig. 17. 

Das kleine Blattstück stimmt zwar mit den Blättern von 
Tokay überein (Ettingshausen, Tokay pag. 35, Taf 2, Fig. 5—7), 
ist aber erst dann zu einer Identificirung geeignet, wenn Fieder- 
blätter bekannt geworden sind. 

Vorkommen: Skopau. 

3* 



36 Beschreibung der LocaHloren der Provinz Sachsen. [194] 

Myrtaceae. 
? Eucalyptus oceanica Unger. 

Heer, Sachs. - Thüring. Braunkohlenfl. pag, 14, Taf.fi, Fig. 15, 16; Taf. S, Fig. 18. 

Zu der ÜNGER'scheu Art sind eine grössere Anzahl von 
Blättern der Olivenform gezogen worden, welche bei zahlreichen 
Familien vorkommt. Da sie meist schlecht erhalten sind, sind sie 
fast sämmtlich zu einer genaueren Bestimmung ungeeignet. 

Callistemophyllnm Giebeli Heer. 

Heer, 1. c. pag. 14, Täf. 6, Fig. 17. 

Von den ca. 12 Arten von Callistemon bewohnen nur 1 oder 2 
Neu-Caledonien, alle übrigen das Festland Australiens. 
Vorkommen: Skopau. 

Metrosideros Saxomini Heer. 

Heer, 1. c. pag. 14, Taf. 6, Fig. 18. 
Vor kern menj- Skopau. 

Eugenia HoUae Heer. 

Heer, 1. c. pag. If), Taf. G, Fig. 13, 14. 
Vorkommen: Skopau. 

Papilionaceae. 
Leguraiiiosites Sprengeli Heer. 

Heer, 1. c. pag. Iß, Taf. 8, Fig. 9. 

Das Blättchen erinnert an Caesalpinia. 
Vorkommen: Skopau. 



[195] Knollensteinflora. 37 

Unbestimmbare Blattreste. 
Phyllites reticulosus Rossmässler. 

Taf. 4, Fig. 2. 

Phyllites reticulosus Rossmässlek, Altsattel pag. 32, Taf. 6, Fig. 23 (1840). 
Chrysopkyllum reticulosmn Heer, Sächs.-Thüring. Braunkohlenflora pag. 19, Taf. 9, 
Fig. 12 — 16 (1861). 
» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II pag. 938 (1870 — 72). 

» » Engelhardt, Grasseth pag. 35, Taf. 9, Fig. 13—17; 

Taf. 10, Fig. 6; Taf. 11, Fig 1 (1881). 

Folia coriacea, oblongo-ovalia, apice emarginata , itite- 
gerrima. Nervi sec. patentes, caviptodromi, subtiles. 

Die Blätter dieser Art gehören zu den häufigsten bei Weissen- 
fels und Stedten. Bei Chrysophyllum konnte ich keine Art finden, 
welche sich mit den fossilen Blättern nur annähernd vergleichen 
Hesse. Chrysofhyllum Caineto L. , mit welcher Heer unsere 
Art vergleicht, gehört einem anderen Typus an. 

Verbreitung: 
Ober - Oligocän : Altsattel, Grasseth (Sandstein). 
Unter-Oligocän: Klein- Corbetha, Stedten, Weissenfeis. 

Taf. 1, Fig. 7 erinnert am meisten an Ficus Brauni Heer. 
Skopau. 

Taf. 4, Fig. 4. Mehrere Blätter gleicher Art liegen auf dem- 
selben Gesteinsstücke. Die am Rande gabelspaltig sich theilenden 
Secundärnerven erinnern am meisten an Brachychiton diver'si- 
Jolium. Wäre das abgebildete Bruchstück ein Tlieil eines ge- 
lappten Blattes, so wäre die Beziehung zu der lebenden Art gesichert. 
Entferntere Aehnlichkeit besitzen die Blätter von Hardtenbergia 
monophylla Benth. (Ettingshausen, Dicot. Taf 90, Fig. 12 — 13). 

Vorkommen: Klein -Corbetha. 

Taf. 4, Fig. ä. Das grosse Blatt nähert sich den bei Heer 
I.e. abgebildeten Blättern von Ficus Giebeii. 

Vorkommen: Gegend von Skopau; Fundort mir nicht be- 
kannt. 



38 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [196] 

Stedten. 

Die von Stedten bekannt gewordenen Pflanzen stammen sämmt- 
lich aus der Grube Walters Hoffnung, einem östlich von diesem 
Orte gelegenen Tagebau. Die Lagernngsverhältnisse waren früher 
nach den Angaben Zincken's ( Physiogr. der Braunkohle pag. 636) 
folgende: 

Geschiebelehm mit nordischen Geschieben (1/2 Lchtr.). 

Heller, sandiger Lehm mit vielen Sandkörnern und 
Knollensteinen (1^/2 Lchtr.). 

Formsand (I/4 Lchtr.). 



Bräunlicher und isabellfarbiger Letten (»Mergel« ge- 
nannt) von grobschiefriger Lagerung mit zahlreichen 
Dicotyledouenblättern (21/4 Lchtr.). 

Erdige und kleinknorplige Braunkohle (21/0 — 3 L.). 
Die Angaben Zincken's stammen bereits aus dem Jahre 1867. 
In den letzten Jahren sind in derselben Grube von Herrn Prof. 
K. VON Fritsch (Erläuterungen zu Blatt Teutschenthal) 3 Flötze 
beobachtet worden. Der das oberste derselben, das Hauptflötz, 
bedeckende Sand ist ein »Braunkohlensand«, ebenso der Sand zu- 
nächst unter dem 9 — 12'" mächtigen Hauptflötze; der 6™ mächtige 
Sand zwischen dem mittleren und unteren Flötze ist ein echter 
Stubensand. - Der Stubensand nimmt hie und da in der Um- 
gegend von Halle den Charakter eines Braunkohlensandes an, 
indem er durch reichlich beigemengten Kohlenstaub braun wird; 
so auch bei Stedten. »Der sehr feijie, etwas thonige Sand (der 
isabellfarbige Letten im ZiNCKEN'schen Profile), der dem Braun- 
kohlen- oder Aluminitsande von Laspeyres petrographisch sehr 
gleicht und in Grube Walters Hoffnung das mächtige obere der 
3 dort bekannten Flötze bedeckt, ist seit langer Zeit als Lager- 
stätte wohl erhaltener, aber sehr schwer conservirbarer, fossiler 
Blätter etc. bekannt, welche bei der grossen Zerreiblichkeit des 
Gesteines vom Transport und von jeder Berührung schon viel 
leiden. Diese Blätter und die in deiselben Grube über der Bi'aun- 



[197] Stedten. 39 

kolile selbst gefundenen, blasenähnlichen Hüllen von Früchten, 
welche etwa die Grösse kleiner Weinbeeren haben« , sind in den 
übrigen Gruben der Nachbarschaft nirgends gefunden worden. 

Bestimmungen von Stedtener Blättern sind wiederholt ver- 
öö'entlicht worden. Die ersten rühren von C. J. Andrae her, der 
in seiner Inaugural- Dissertation: »de formatione tertiaria Halae 
proxima, Halis 1848« pag. 20 aufzählt: 
Pecopteris stedtensis Andr., 
Flabeüaria plicata Andr., 
Phyllites reticulosus Rossm., 

» furcinerms Rossm., ' 
» cuspidatus Rossm., 
» myrtacevs Rossm., 
» inaequalis Andr., 
Populus crassinervis Andr., 
Juniperus baccifera Ung. 

Später fügte Andrae seinem »erläuternden Text zur geolog. 
Karte von Halle« (1850} pag. 94 eine kurze Beschreibung von 
Pecopteris stedte?isis^ Flabellaria plicata, Populus crassinervis , Phyl- 
lites inaequalis bei, nach welcher die dem Halleschen Museum 
gehörenden Originale zu diesen Arten leicht wieder zu er- 
kennen sind. 

Leop. von Buch erwähnt (Ber. d. K. Akad. d. Wissensch. 
zu Berlin 1851, pag. 699) von Stedten: 

Pecopteris, 

Flabellaria, 

Juniperus baccifera, 

Qucrcus furcinervis inid cuspidata und 

Juglans costata. 
Eine genaue Beschreibung nebst Abbildungen von 4 Pflanzen- 
resten : 

Widdringtonia üngeri Endl., 

Quercus chlorophylla Ung., 

Dryandra rigida Heer, 

Diospyros pannonica Ett., 



40 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [198] 

finden wir erst in Heer, Reitr. /.ur näberen Kenntn. der sächs.- 
thüring. Braunkohlenflora (-2. Bd. der Abhandl. des naturwissensch. 
Vereins für die Prov. Sachsen und Thüringen 1861, pag. 427) 
pag. 21, Taf. 10. 

Im ersten Ergänzungshefte zu seiner Physiographie (1871) 
führt ZiNCKEN eine Anzahl von Schenk bestimmter Pflanzen auf: 

Myrica formosa Heer, 
Diospyros brachysepala A. Br., 

» pannonica Ett., 

Chrysophyllum reticulosum Heer, 
Dryandroides hakeaefolia Ung., 
Cinnamomum polymorphum Heer, 
Sequoia Sternbergi Heer, 
Quer GUS chlor ophylla Heer, 

» furcinerois Rossm. sp., 
Phragmites oeningensis Heer, 
Sabal sp., 

denen er im 2. Ergänzungshefte (1878) pag. 24 noch folgende 
ScHENK'sche Bestimmungen hinzufügt: 

Typha latissimia AI. Br., 
Ephredites sotzkianus Ung., 
Dryandroides crenidata Heer, 
Cinnamomum Rossmaessleri Heer, 

» Scheußhzeri Heer, 

Eucalyptus haeringiana Ett. 

Einige von diesen Arten, wie Myrica formosa Heer und 
Dryandroides hakeaefolia Heer, konnten von mir nicht wieder 
beobachtet werden und sind, weil von Stedten niemals abgebildet, 
bei der folgenden Betrachtung der Arten unberücksichtigt ge- 
blieben. 

Die neuesten Bestimmungen von Stedtener Pflanzen rühren 
von Engelhardt her (Sitzuugsber. der naturwissensch. Ges. Isis 
in Dresden, Jahrg. 1876 pag. 97 und 1877 pag. 14). Nach einer 
Aufzählung einiger von Göppert bestimmter Reste, nämlich; 



[199] Stedten. 41 

Quercus elaena Ung., 

Cinnamomum Rossmaessleri Heer, 

Gautiera lignituin Web., 

Zizyfhus tiliaefolius Ung. sp., 
bringt er ein Verzeichniss von zum Theil schon oben erwähnten, 
zum Theil für Stedten neuen Arten. Die Originale zu diesen 
Bestimmungen werden fast sämmtlich im Halleschen Museum 
aufbewahrt. Sie sind so zerkratzt, dass die Bestimmungen 
Engelhardt's zum Theil auf »Versuchen beruhen. Unbestimm- 
bares zu benennen«. Einige bestimmbare Blätter, die auch auf un- 
seren Tafeln abgebildet sind, sind von Engelhardt falsch gedeutet. 
So ist Laurus Swoszowiciana Engelh. (unsere Taf. 6, Fig. 10) zu 
Ficus multinervis , Dryandroides crenulata Engelh. , ein am Rande 
verletztes Blatt (Taf. 5, Fig. 12), zu ApocynophyUum neriifolium 
Heer zu stellen. Ferner lassen die von Engelhardt zu Euca- 
lyptus haeringiana und oceanica gezogenen schmalen, lang- 
gestreckten Blätter 2 deutliche Lateralnerven erkennen (Taf. 5, 
Fig. 3), gehören daher zw .Cinnamomum lanceolatum, Ung.; 
endlich muss ein von Engelhardt als Phragmites oeningensis 
bestimmter Rest eines sich spaltenden Monokotyledonenblattes zu 
Sabal gebracht vrerden. Welchen Grad der Zuverlässigkeit die 
ENGELHARDT'schen Bestimmungen besitzen, beweist ferner die 
V^ereinigung der Proteaceengattung Dryandra mit Farnkräutern 
(Sitzungsber. 1876, pag. 97). 



Beschreibung der Arten. 

Filices. 
Osmunda liguitum Giebel sp. 

Taf. 4, Fig. 6. 

Pecopteris liynitam, Leucopetrae, angusta, crassinervis Giebel (Zeitschr. f. d. ges. 

Naturw. X, 1857, pag. 303, 

Taf. 2). 
uinpidivm Mei/eri Ludwig (non Heer), Palaeontogr. VIII, pag. 63, Taf. 12, Fig. 3 
(1860). 



42 Beschreibung der Locfililoren der Provinz Sachsen. [2001 

Äspidium Kgnitum Heer, Beitr. zur Kenntn. der Sachs. -Thüring. Braunkohlenflora 

pag. 18, Taf. 9, Fig. 2 — 3 (1861). 
Dryandra ricjida Heer, ibid. pag. 21, Taf. 10, Fig. 1.5 (1861). 
Pecopteris lignituiu Hekr, Lignites of Bovey Tracey Philos. Trans, vol. 152, 
pag. 1047, tab. 55, fig. 5 (non 4 und 6); tab. 56, fig. 2 — 8 
(non 1, 9—11); tab. 57, fig. 1—5, 7 (non 6) (1862). 
» » Säporta, Et. III, 1, Ann. d. so. nat. 5. ser. Bot. Vm, pag. 42, 

tab. 3, fig. 4—5 (1867). 
» » ScHiMPEK, traite de pal. veg. I, pag. 540 (1869). 

Osmunda Grutschr eiber i Stur, Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. XX, pag. 9, Taf. 2 
(1870). 
» Ugiiituni Stür. ibid. pag. 13. 
» » Heer, über die Braunkohlenflora des Zsily-Thales, Jahrb. der 

k. Ungar, geol. Anst. II pag. 9, Taf. 1, Fig. 2, 3 (1872). 
» » Gärdner et Ettinqshaüses, Palaeontogr .-Society, British Eocene 

flöra pag. 49, tab. 4, fig. 1—3; pag. 66, tab. 13, fig. 1—4 
(1879-82). 
» » Vergl. diese Abhandl., Eisleben, Taf. 20, Fig. S. 

Frons pinnata, coriacea; pinnae longae, lineares, apice calde 
cätenuatae et acuminatae , plerunique hreviter petiolatae , profunde 
inciso-serratae, nervi tert. furcati, inferiores oalde curvati 
in sinum lucmiarum excurrentes. 

Die Stedtener Flora hat eine grössere Anzahl von Bruch- 
stücken dieses F-arnkrantes geliefert, welches, wie die Synonyma 
ergeben, auch an vielen anderen Orten beobachtet worden ist, an 
einigen derselben sogar die herrschende Pflanze gewesen sein 
dürfte. 

Die Gattungsnamen Pecopteris, Hemitelia, Aspidiuvi^ Os- 
munda und Dryand/ra beweisen, dass man lange Zeit über 
die systematische Stellung dieser Pflanze im Unklaren war. 
Unger (Sitzungsber. der k. k. Akad. der Wissensch. zu Wien 
1 864, Bd. 49, pag. 2, Taf 1 und 2, Fig. 1 — (i) wies zuerst durch 
Untersuchungen von Rhizonjen aus Sotzka und Salzhausen, die 
mit ■ den von Heer aus Bovey Tracey und von Ludwig aus 
Munzenberg (Palaeontogr. VIII, Taf 10, Fig. 3) abgebildeten über- 
einstimmten, nach, dass wenigstens diese weder zu Hemitelia, noch 
zu Äspidium gehören, sondern am meisten sich in d^r Structur 
den Khizomen von Osmunda anschliessen. StüR wies darauf auf 



[201] Stedten. 43 

smuncla (Plenasiu in) Presliana J. Sm. als nächstes lebendes 
Analogon hin (Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt XX, 1870, 
pag. 13 etc.), deren eine auf Luzon und Java vorkommende 
Varietät, Plenasiiim hanksiaofolinm Presl (Ettingshausen, Farn- 
kräuter der Jetztwelt Taf. 152, Fig. 66 — 6 7), der fossilen Art so 
nahe steht, dass sie nur durch die in der Mitte etwas breiteren 
Fiedern und die grössere Anzahl der Tertiärnerven unterschieden 
werden kann. — Gaedner und Ettingshausen, welche die 
Verwandtschaft der fossilen Pflanze mit der von Kamtschatka bis 
Japan und Ceylon verbreiteten und im Wachsthum den Cycadeen 
gleichenden Osmunda jacanica Bl. vorziehen (1. c. pag. 49 etc.), 
führen als weitere Bestätigung der STüR'schen Gattungsbestim- 
mung an: 1. das Fehlen der Fructificationsorgane, die bei Osmunda 
bekanntlich auf besonderen Stengeln sitzen; 2. das leichte Abfallen 
der Osmunda-FieAern von der Blattspindel. 

Gardner und Ettingshausen haben die bisher mit unserer 
Art vereinigten Formen eingehend auf ihre Verwandtschaft geprüft 
(1. c), es ist daher nicht- nöthig, nochmals darauf einzugehen. 
Die bisher beschriebenen Reste dieses Farnkrautes beschränken 
sich fast sämmtlich auf lose Fiederstücke. Das einzige bis jetzt 
bekannte Beispiel einer directen Verbindung der Fiedern mit der 
Spindel bietet das von Stur als Osmunda Grutschreiberi be- 
schriebene Wedelstück aus den Sotzkaschichten von Möttnig, 
welches Gardner und Ettingshausen mit unserer Art vereinigen. 

Die Gattung Osviunda umfasst 6 lebende, meist tropische 
Arten , von denen nur eine in der südlichen gemässigten Zone 
vorkommt. Osm. jaoanica ßl. ist von Kamtschatka bis Java 
und Ceylon verbreitet. 

Ve r Vj r e i t u n g unserer A r t : 
Unter- Miocän : Münzenberg. 
Ober - Oligocän : Sotzka, Möttnig, Zsilythal (Ungarn), Manoscjue 

(Bois d'Asson). 
Unter-Oligocän: Stedten , Segengottesschacht bei Eisleben, Run- 

tbal bei Weissenfeis. 
Mittel- Eocän: Bournemouth, Bovey Tracey. 



44 Beschreibung der Loealfloren der Provinz Sachsen. [202] 

Pteris stedteiisis Andrae sp. 

Taf. 5, Fig. 2. 

Siehe diese Abhandl., Bornstedt. ' 

Pecopleris stedtensis Asdkae, Text zur geognost. Karte von Halle a/S. pag. 94 

(1850). 
Pieris bilinica, Engelhakdt, Tertiärflora des Leitmeritzer Mittelgeb. Nov. Act. 
Leop. Bd. 38, pag. 353, Taf. 1, Fig. 2. 
» » Engelhardt, Sitzungsber. der Isis 1880, pag. 77, Taf. 1, Fig. 1. 

Folia pinnata (f), pinnae pinnatißdae , laciniae suboppo- 
sitae, ovatae vel oblongo-lanceolatae, obtusae, integerrimae. 
Nervi pinnar um sec. angulis 40 — 50" egredientes, nervi tert. semel 
furcati. 

Das abgebildete Wedelstück, das Original zu der Andeae- 
schen Art, stimuit mit den von Engelhardt zu Pteris hilinica Ett. 
gezogenen Farnresten von Salesl und Liebotitz überein. Die Fieder- 
blättchen der ETTiNGSHAUSEN'schen Art sind am Rande gekerbt (an 
der Detailzeichnung bei Ettingshaüsen , Bilin I, Taf. 3, Fig. 15 
deutlich zu sehen, während in der Diagnose ■slaciniis integerrimis^ 
steht) und besitzen wiederholt gegabelte Secundärnerven. Da die 
Beschaffenheit des Blattrandes bei Farnkräutern oft unwesentlich 
ist und die Anzahl der Nervengabelimgen sich an demselben 
Wedel ändert, dürfte sich bei dem Vorhandensein reicheren 
Materiales die ExTiNGSHAUSEN'sche Art vielleicht als ident mit 
der unsrigen erweisen. 

Von Blechnuin atavium Sa,^.^ Sezanne tab. 22, fig. 10 — 13, 
stimmen Fig. 11, 12 und 13 mit unseren Abbildungen überein; 
ältere Wedelstücke des Sezanner Farnes (Fig. 10) zeigen jedoch 
eine abweichende Entwickelung in der Laubbildung. Die Fieder- 
blättchen sind bis zum Grunde getrennt und die Nerven in der 
Regel zweimal gegabelt. Hinsichtlich dieser Merkmale ist die 
französische Art besser bei Blechnuin als bei Pteris untergebracht. 
Alle Blechnuni - Axiew , welche sich mit unserer Ait noch am besten 
vergleichen lassen, haben getrennte Fiederblättchen, die erst nahe 
der Wedelspitze am Grunde mit einander verwachsen (wie bei 
Sezanne 1. c. Fig. 11—13). 



[203] Stedten. 45 

Die uah verwandte Pteris Sitkensis Heer (flor. foss. alask. 
pag. 21, tab. 1, fig. 7a) unterscheidet sich durch den zarten Mittel- 
nerv und den deutlich gezahnten Rand. — Die Mehrzahl der 
übrigen fossilen Pferw- Arten, von denen zum Theil fructificirende 
Exemplare mit umgeschlagenem Rande und darunterliegenden 
Soren bekannt geworden sind, gehören dem Typus Pteris oenin- 
geiisis Ung. an, der im Tertiär weit verbreitet ist und in der 
eocänen Pteris Bournensis Ett. u. Gardn. (eoc. Flora pag. 33, 
tab. 4, flg. 7) seinen ältesten Vertreter haben dürfte. 

Lebende Analoga zu unserer Art sind: 

Pteris Smithiana Presl (EttinGSHAUSEN, Farnkr. Taf. 57, 
Fig. 12) auf den Philippinen, 
s attenuata Willd. (ibid. Taf. 59, Fig. 4) auf den 

Philippinen, 
» edentula Kunze (ibid. Taf. 58, Fig. 10) in Guate- 

mala, 
» nemoralis Willd. (ibid. Taf. 60, Fig. 1, 10) in 
Brasilien, Venezuela und Ostindien 
und zahlreiche, namentlich ostasiatische Arten. 

Am meisten von diesen nähern sich unserer Art: 
Pteris glauce-virens Goldm. (Manila) und 
» aspericaulis Wall. (Ostindien). 

Trotz der Uebereinstimmung mit lebenden Pfem- Arten ist 
die Gattungsbestimmung unserer Farnreste, so lange die Fructifi- 
cationen unbekannt sind, noch nicht gesichert, denn demselben 
Nervationstypus gehören zahlreiche Arten von Osmunda, Cyathea 
und Alsophila an. Auch Exemplare mit umgeschlagenen Blatt- 
rändern dürfen, so lange die Sporen nicht beobachtet werden 
können, nicht ohne Weiteres als entscheidend angesehen werden, 
da einige Farnkräuter, wie die dem gleichen Nervationstypus an- 
gehörende Osmunda cinnamomea L. im getrockneten Zustande 
den nach Art von Pteris umgeschlagenen Blattrand besitzen. (Eine 
grössere Zahl von Wedelstücken dieser Art im Königl. Herbarium 
zu Berlin zeigen diese Erscheinung sehr deutlich.) 



46 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2041 

Verb reit im g: 
Unter -Miocän: Tuff von Salesl. 
Ober - Oligocän : Thon von Liebotitz. 
Unter -Oligocän: Stedten, Bornstedt. 

Verwandte Art: 
Pteris bilinica Ett. Mittel-Miocän : Sphärosiderit von Preschen. 

Aspidiuni spec. 

Taf. 4, Fig. 7 und 7a. 

Die Abbildung stellt die Spitze eines unbestimmbaren Farn- 
wedels dar, dessen winzige Fiederblättchen (Fig. 7a) 2 Reihen 
Fruchthäufclien nach Art von Aspidmm tragen. 

Oleandra angustifolia nov. spec. 

Taf. 4, Fig. 8. 

Folia si)n])licia (f)^ oblonga , basi ungustata integerrlma; nerv, 
prim. oalidvs; sori hiseriales atque utrinque dispersi. 

Das vorliegende, sehr verletzte Blatt lässt ausser einem kräf- 
tigen Mittelnerv "zahlreiche winzige, runde Vertiefungen erkennen, 
deren Vertheilung auf ehemalige Soren schliessen lässt. Zwei Reihen 
dichtstehender Soren umgaben den Mittelnerv und zahlreiche an- 
dere Soren bedeckten ohne erkennbare Ordnung die Blattfläche. 

Eine analoge Anordnung der Soren finden wir bei der Gat- 
tung Oleandra und zahlreichen Polypoditcm- Arten. Bei letz- 
teren laufen die beiden inneren Sorenreihen in einiger Entfer- 
nung dem Mittelnerv parallel, und die übrigen Soren lassen stets 
eine bestimmte, regelmässige Anordnungsweise erkennen. Bei 
Oleandra dagegen liegen die beiden inneren Sorenreihen dicht am 
Mittelnerv, und alle übrigen Soren sind, wenn überhaupt vor- 
handen, regellos über das Blatt vertheilt. Dieselben Merkmale 
treten an dem schlecht erhaltenen Blatte von Stedten noch deut- 
lich genug auf, um die Gattungsbestimmung unzweifelhaft zu 
machen. In dem Herbarium des Herrn Dr. Kuhn fand ich 



[205] Stedten. 47 

Oleandru Wallichii Presl mit 2 Sorenreihen und Oleandra 
•pilosa Hook, mit 2 Sorenreihen und zerstreuten Soren. 

Unzweifelhafte Oleandra- Arten sind bis jetzt aus dem Tertiär 
und der jüngeren Kreide noch nicht bekannt geworden. Dagegen 
hat SCHIMPER die bisher als Taeniopteris beschriebenen Farne 
des Rhät, Taen. vittatum Brgt., tenuinervis Brauns und stenoneuron 
Schenk in der der lebenden Oleandra entsprechenden Gattung 
Oleandridium vereinigt (Traite de pal. veg. I, pag. 607), welche 
im westdeutschen Weald durch Oleandr.idium Beyrichii Schenk ver- 
treten wird. Hierher rechnet Schimper (Traite I, pag. 609) auch 
Taeniopteris Micheloti Wat., obtusum Wat. und lobatum Wat. 
aus dem Grobkalke von Arcueil bei Paris, welche, wahrscheinlich 
zu einer Art gehörend, keine Fructificationen aufzuweisen haben. 

Das Blatt von Celastrus C enomanensis Crie, l'ouest de 
la France ä l'epoque tert. pag. 53, tab. K, fig. 68 — 69 (Fig. 69 
Vergrösserung) mit netzartig verzweigten Nerven und zwei Reihen 
von deutlichen, runden Vertiefungen zu beiden Seiten des Mittel- 
nervs gehört entweder zu unserer Gattung oder zu Polypodium. 

Die Gattung Oleandra umfasst 6 lebende Arten. Von 
diesen gehören 4 dem Monsungebiet an, eine dem tropischen 
Amerika; Oleandra neriiformis Cav. (pilosa Hook.) endlich 
kommt in den Tropen der alten und neuen Welt vor (Neu- Gra- 
nada und Guyana bis Brasilien und Peru, Fidschi-Inseln, Neu- 
Guinea, Samoa-Inseln (bis 6000 Fuss hoch), Philippinen, Malakka 
und Guineaküste). 

Coniferae. 
Seqiioia Couttsiae Hebe. 

Taf. 3, Fig. 9 und 10. 
Siehe diese Abhandl., Bornstedt, 

Von den beiden Abbildungen, welche Hohldrücke darstellen, 
hat Fig. 9 durch die photographische Vervielfältigung an Deut- 
lichkeit verloren. 



48 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2061 

Das Zweigstiick Fig. 10 erinnert sehr an Sequoia Stern- 
bergii Göpp. sp. Ein Vergleich mit den Abbildungen von 
Sotzka und Häring und einigen Exemplaren dieser Art von der 
letztgenannten Fundstelle erwries jedoch wesentliche Verschieden- 
heiten beider Pflanzen: An der typischen Sequoia Stenihergii sind 
die schmalen Blätter meist doppelt so lang als an dem Stedtener 
Zweigstücke. Zweigstücke wie Fig. 10 hat Saporta von Armissan 
ebenfalls mit Sequoia Couttsiae Heer vereinigt (Et. II, 3, tab. 2, 
fig. 2A). Zu unserer Art müssen mehrere, leider schlecht erhaltene 
Zapfen (Fig. 9) gezogen werden, weil sie zwei wichtige Merk- 
male derselben, die kugelförmige Gestalt und die geringe Anzahl 
der Schuppen, noch hinreichend erkennen lassen. — Kleinere 
Bruchstücke von Zweigen mit kurzen Blättern, welche sehr gut 
auf Seq. Couttsiae passen, liegen auf zahlreichen Platten zerstreut. 

(?) trlyptostrobus europaeus Heer. 

Widdrmgtonia Ungeri Heer, Beitr. zur Kenntn. der Sachs. - Thüring. Braun - 
kohlenflora pag. 21, Taf. 10, Fig. 14c. 

Auf allen Platten von Stedten liegen zahlreiche Bruchstücke 
schlanker, zierlicher Zweige vom Habitus der Glyptostrobus euro- 
paeus Heer. Ob^-sie zu dieser Art gehören, können erst Zapfen- 
funde entscheiden. Ein Zapfen in der Sammlung der geologischen 
Landesanstalt, der mehr mit Glyptostrobus als mit Sequoia überein- 
zustimmen scheint, ist leider zu schlecht erhalten, um Aufschluss 



Palma'e. 

Sabal liaeringiana Unger sp. 

Taf. 5, Fig. 1. 

Flabellaria liaeringiana Ungkr, Chloris protog. pag. 43, Taf. 14, Fig. 3 (1847). 

» » Unger, Sotzka pag. 27, Taf. 2, Fig. 10 (1850). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 488, tab. 83, fig. 1, 2 

(1870 — 72). 
Pahnacites oxyrliacliu Steunbeug, Vers. II, pag. lyO, Taf. 12, Fig. 2 (1821—38). 



[207] Stedten. 49 

Flabellaria oxyrltachis Unger, Gen. et spec. plant, pag. 3.'iO (1850). 

» » UsGEK, Iconogr, pag. 13 (ül), Taf. (32), Fig. 2 und 3 

(1852). 
Latanites oxyrltachis Massalongo, Palaeoph. rar. pag. 59. 
Sabalites » Sapoeta, Et. II, 2, Ann. d. sc. nat. Bot. 5. ser. , tome III, 

pag. 82, tab. 3, fig. 3 (1865). 
Sabal Lamanonis Heeh, flor. tert. Helv. I, pag. 86, Taf. 33 und 34 (1855). 
» » Heek, ibid. III, pag. 168, Taf. 148, Fig. 8 (1859). 

» » Ettingshausen, die foss. Flora der ältesten Braunkohlenformat. 

der Wetterau pag. S24 (1868). 
» » Unger, Radoboj pag. 32, Taf. 1, Fig. 1 (1869). 

Flabellaria Lamanonis Unger, in Martins, Gen. Palm. I, pag. 50. 
» Martii Unger, ibid. pag. 62, Taf. 2, Fig. I . 

» raphij'olia Ettingshausen, Monte Promina pag. 28, Taf. 3 , Fig. 4; 

Taf. 14, Fig. 1 (1854). 
» » ■ Ettingshausen, Häring pag. 30, Taf. 1, Fig. 1, 2 — 9; Taf. 2, 

Fig. 1, 2, 4, 5; Taf. 3, Fig. 1—2 (1855). 
Palmacites verrucosus Sternbeeg, Vers. II, pag. 190, Taf. 42, Fig. 3 (1821 — 38). 
Flabellaria plicata Andrae, Text zur geognost. Karte von Halle a/S. pag. 94 (1850). 
» vincentina Massalongo, plant, foss. nov. pag. 12 {?). 

Folia longe j)^tiolata , flabellato-pinnata, petiolo 1^/2 — 3°™ 
lato, latere super iore rotundato, subtus in apicem lanceolatum, 
acutum aheunte; radiis mediis secus apicem decliviter insidentibus. 

Schlecht erhaltene Exemplare dieser bei Stedten häufigen 
Palme befinden sich im Halleschen Museum und in der geolo- 
gischen Landesanstalt. Die geringe Dicke der Blattstiele lässt 
keinen Zweifel über die Vereinigung unserer Blätter mit Sabal 
haeringiana. 

Das lebende Analogon dieser Art, Sabal Adamsonii (Thatch 
oder Swamp Palmetto- Sumpfpalme) ist heimisch an den sandigen 
und sumpfigen Meeresut'ern von Neu- Georgien und Carolina und 
in den Morästen des Mississippi bis zum 33. Parallelkreise. 

Verbreitung: 

Mittel -Miocän: Petit-Mont bei Lausanne. 

Unter -Miocän: Münzenberg, Radoboj, Aarwangen, Eriz, Develier 
(iui Jura). 

4 



50 Beschreibung der Localfloreu der Provinz Sacbsou. [208] 

Ober - Oligocän: Sotzka, Hohe Rhonen, Rochette. 
Mittel -Oligocän: Saint- Jean -de- Garguier, Chiavon. 
Unter- Oligocän: Stedten, Häring, Monte Promina. 
Verwandte Art: Sabal major (siehe pag. 15). 



Satal major Unger sp. 

SieLe diese Abhandl., Knollonsteiiiflora pag. 15. 

Einige schlecht erhaltene Blattbruchstiicke mit sehr breitem 
Blattstiele im Halleschen Museum beweisen das Vorkommen dieser 
Art bei Stedten. 

Cupuliferae. 
Quercus furcinervis RossmIssler sp. 

Taf. 4, Fig. 11; Taf. 5, Fig. 7 — 10, 13. 

PhyUites furcinervis Rossmässi.ek, Altsattei pag. 33, Taf. 6, Fig. 2.5: Taf. 7 (1840). 
Quercus » Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 170, Taf. 151, Fig. 14 (?) n. 15 

(1869). 
» » Heer, ibid. pag. 180, Taf. 151, Fig. 12 und 13. 

» » Heer, Beitr. zur Kenntn. der Sachs. -Thüriug. Braunkohlenfl. 

pag. 18, Taf. 9, Fig. 4b — 7 (1861). 
, » » SisMONDA, Prodr. flor. tert. Piem. pag. 10 (1859). 

» » SisMONDA, Mater, pag. 43, Taf. 9, Fig. 2a, 3 (1.865). 

» » Ettingshausen, Bilin I, pag. 134, Taf. 16, Fig. 11, 12 (1867). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 649 (1870 — 72). 

» » Engelhardt, Tertiiirpfl. aus dem Leitmeritzer Mittelgebirge 

pag. 402, Taf. 10, Fig. 10—19; Taf. 11, Fig. 1 (1876). 
» » Engelhardt, foss. Pflanzen des Süsswasserst. von Grasseth 

pag. 21, Taf. 1, Fig. 5; Taf. 2, Fig. 20 — 25, 27 — 31; Taf. 3, 
Fig. 1 — 6; Taf. 4, Fig. 1 — 4 (1881). 
PhyUites cuspidatus, Eossmässler, Altsattel pag. 36, Taf. 9, Fig. 38 und 39 (1840). 
Quercus •.■> Unger, Gen. et spec. pag. 401 (1850). 

» » Ludwig, Palaeontogr. V, pag. 143, Taf. 33. Fig. 5 (1860). 

» ' » Ettingshausen, Säger I, pag. 179, Taf. 5, Fig. 9—11 (1872). 

Castanea atavia Unger, Sotzka pag. 34, Taf. 10, Fig. 6 (1850). 

Folia subcoriacea, ohloncja, late-ooato-lanceolata vel lineari- 
ianceolata, öreoiter ucuniinuta vel longo, cuspidaia, basi aensim an- 



[200] Stedten. 51 

gustata , longe petiolata, margioie remote et sinuato - dentata ; 
nevo. sec. angulo aperto Orientes, craspedodromi, subcurcati, j^araUeli, 
extremo apice furcati^ nervillum in dentem superiorem 
emittentes; nervi tert. angulo siibrecto egvedientes. 

Die Blätter dieser Art gehören zu den häufigsten in der 
Stedtener Flora und sie werden in fast jedem Verzeichniss von 
Pflanzen dieser Fundstelle aufgeführt. Trotz der grossen Anzahl 
der schon vorhandenen Abbildungen unserer weit verbreiteten Art 
sind auch von hier einige der von einander am meisten abweichenden 
Formen abgebildet worden, vreil nur Abbildungen den Bearbeiter 
anderer Floren in den Stand setzen, die Bestimmung von Blättern 
zu beurtheilen. 

Blätter, wie sie von Rossmässler 1. c. Taf. 7 abgebildet sind, 
kommen bei Stedten häufig vor. Neben solchen wurden breitere 
Blätter mit kürzerer Basis (Taf. 4, Fig. 11) und schmale, fast 
lineare, lang zugespitzte Blätter (Taf 5, Fig. 7 — 10) beobachtet. 
Letztere werden mit den breiteren Blattformen durch zahlreiche 
Uebergangsformen vermittelt, so dass eine Trennung derselben in 
2 Arten unmöglich ist. Mit der RosSMÄsSLER'schen Art muss 
auch das Blatt Taf. 5, Fig. 13 vereinigt werden, das zwar der 
Form nach mehr an ein Laurineenblatt erinnert, aber einen z. Th. 
buchtig gezahnten Rand besitzt, in dessen stumpfe, nur wenig 
sichtbare Zähne (in der Zeichnung nicht wiedergegeben) die stark 
gebogenen Secundärnerven einen Seitenast absenden, während diese 
selbst sich in aufsteigenden Schlingen mit einander verbinden. 
Blätter, welche einen gleichen Uebergaug von dem Typus unserer 
Art in den Laurineentypus darstellen, sind häufig bei den lebenden 
Eichenarten der Gruppen Pasania, Cydohalanuii und Chlaniijdo- 
balanus. Treten bei diesen die Zähne zurück, so verbinden sich 
die Secundärnerven in aufsteigenden Bögen. 

Zu Quercus furcinervis Rossm. hat man bisher eine be- 
trächtliche Anzahl von Blättern gezogen, welche nicht zu dieser 
Art, sondern nur zu demselben Blatttypus gehören. Wenn nun 
diese im Folgenden ausgeschieden werden sollen, ist es nöthig, 
nochmals die charakteristischen Merkmale unserer schon oft Tje- 

4* 



52 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2101 

schriebeuen Art, und zwar nach den zuerst von Altsattel bekannt 
gewordenen Blattresten, kurz zusammenzufassen: 

1. Der Rand ist buchtig gezahnt. 

2. Jeder Secundärnerv sendet vor seinem Eintritt in den 
Zahn einen Seitenast nach oben ab, vrelcher, nahe dem Blattrande 
aufsteigend, in dem folgenden, höheren Zahne endigt. 

3. Die Secundärnerven werden durch zahlreiche querläufige 
Tertiärnerven direct verbunden. 

Hält man an diesen Merkmalen fest, so wird man folgende, 
bisher mit unserer Art vereinigte Blätter ausscheiden müssen: 

1. Die Blätter von Quercus furcinervis Ludw. (Palaeonto- 
graphica VIII , Taf. 34, Fig. 1 — 4) und wahrscheinlich auch die 
zu dieser Art gezogenen Früchte (1. c. Fig. 6 — 8) gehören nebst 
Quercus Steinheimensis Ludw. zu Quercus Meyeri Ludw. 

2. Quercus furcinervis Heer (Flor. foss. arct. Taf 7, 
Fig. 7a), den unteren Theil eines Blattes darstellend, ist sehr frag- 
mentarisch und lässt daher zahlreiche Deutuugen zu. Das Blatt- 
stück ibid. Fig. 6 a hat stumpfe Zähne mit geradem Aussenrande. 
In den beiden Blättern ibid. Taf. 46 , Fig. 5 und 6 ist der die 
Tertiärnerven an Stärke kaum übertreffende obere Seitenast der 
Secundärnerven ungefähr in der Mitte seines Verlaufes mit einem 
kräftigen, vom nächstfolgenden Secundärnerv nach unten abzwei- 
genden Tertiärnerv verbunden, und zwischen je 2 Zähnen liegt ein 
kleinerer Zahn. An dem Blatt ibid. Taf 45, Fig. 1 d kommen eben- 
falls Zwischenzähne vor, und es fehlen die aufsteigenden Grabeläste 
gänzlich. 

3. Die beiden in der flor. tert. Helv. Taf 77, Fig. 17 Und 18 
abgebildeten Blätter besitzen gleichfalls nicht die für unsere Art 
charakteristischen, aufsteigenden Gabeläste. In Fig. 17 laufen wie 
bei Quercus Sprengeli Heer vom Hauptnerven ausgehende Tertiär- 
nerven den Secundärnerven parallel. 

4. Quercus furcinervis Unger, Swoszowice pag. 123, 
Taf. 13, Fig. 5, ohne Gabeläste und mit abgesetzter Basis, gehört 
zu Castanea. 



[211] Stedten. 53 

5. Quercusfiircinerois Ung., Kumi pag. 51, Taf. 4, Fig. 18, 
gehört hinsichtlich der Gestalt und der grossen, lappenartigen Zähne 
zu den mexikanischen Eichen, bei denen dünne Gabelnerven eben- 
falls vorkommen. Das Blatt ist ausserdem kürzer als alle bis jetzt 
bekannten Blätter unserer Art, und die Secundärnerven entspringen 
unter einem viel spitzeren Winkel. 

In der erst vor Kurzem erschienenen Arbeit Engelhardt's 
über die Flora von Grasseth sind Eichenblätter in grosser Menge 
und Mannigfaltigkeit abgebildet, darunter schmallineale und solche 
mit ungewöhnlichen Breitendimensionen (z. B. 1. c. Taf. 3, Fig. 2 
und Taf. 4, Fig. 3), welche insofern die scharfe Umgrenzung unserer 
Art rechtfertigen , als keins von ihnen in den Hauptmerkmalen 
von dieser abweicht. Die kleinen Blätter auf Taf. 2 erinnern sehr 
an die Dörstewitzer Eichen, unterscheiden sich aber durch die 
Zahnbilduug und das Fehlen der den Secundärnerven parallel- 
laufenden Tertiärnerven. 

Die abgebildeten, schmalen Blätter von Quercus cuspidata 
Ett. von Sagor entsprechen nicht der 1. c. pag. 179 gegebenen 
Beschreibung, da die in dieser erwähnten Gabeläste in den Ab- 
bildungen fehlen. — Castanea atavia Ung., Sotzka Taf. 10, 
Fig. 6, gehört zu Quercus furcinervis Rossm., denn es stimmt hin- 
sichtlich der Form und des buchtig gezahnten Randes mit den 
Blättern von Altsattel überein. An einzelnen Stellen ist der Gabel- 
nerv angedeutet. — Das in der Sammlung der geologischen Landes- 
anstalt befindliche Original zu Quercus cuspidata Ludwig, 
Palaeontogr. V, Taf. 33, Fig. 5, einer, sohlechten Abbildung, ge- 
hört nebst einigen anderen Blättern* von Nieder- 01m sicher zu 
unserer Art. 

Quercus furcinervis Rossm. gehört zu den Eichen aus den 
Sectionen Pasa««« Miq., Cy clob alanus Y^\\d\. und Chlamydo- 
balanus Endl., deren älteste Vertreter schon in der oberen Kreide 
WestMens auftreten. Ueber die systematische Stellung unserer 
und der verwandten Arten finden wir bei HosiüS und von deE 
Marck, Flora der westfäl. Kreideform., Palaeontogr. XXVI, pag. 88, 
ausführlichere Mittheilungen, und es braucht, indem ich auf diese 
verweise, hier nur noch hervorgehoben zu werden, dass unter den 



54 Beschreihimg der Localfloreii der Provinz Sachsen. ["'^21 

lebenden Arten die javanische Quercus spicata Sm. var. micro- 
calyx Bl. aus der Section Pasania (diese Abhandl. Taf. 1, Fig. 3a) 
der fossilen am meisten entspricht. 

Die Section Pasania Miq. umfasst 30 lebende Arten, von 
denen eine in Californien (Pas. densiflora Benth. et Hook.) vor- 
kommt, alle anderen auf das Festland und die Inseln Asiens 
(Indien, China, Japan und Malayische Inseln) l)eschränkt sind. 
Die 50 Arten der Section Cyclohalanus Endl. gehören dem 
gleichen Gebiete Asiens an. 

Während bisher Niemand an der Eichennatur von Quercus 
furcinervis Rossm. sp. zweifelte, glaubt jetzt Stur (Verhdl. der k. k. 
geol. Reichsanstalt 1875, pag. 163) unsere Art zu Cupania (als 
2 besondere Arten, Cup. furcinerois Rossm. sp. und Ctt/p. Ross- 
maessleri Stur) ziehen zu müssen, da er Blätter von Altsattel als 
Theilblätter eines gefiederten Blattes erkannt haben will. Wir 
können vms über Stur's Beobachtung erst dann ein Urtheil 
bilden, wenn das Exemplar von Altsattel uns durch eine Abbil- 
dung zugänglich gemacht ist, und wir müssen vorläufig an der 
früheren Bestimmung noch deshalb festhalten, weil 4'^'" lange Blatt- 
stiele, wie ich sie an den Stedtener Pflanzen beobachtete, an den 
Theilblättern eines gefiederten Blattes nicht gut denkbar sind. 

Ve r b r e i t u n gl 
Unter -Miocän: Sagor. 

Ober - Oligocän : (?) Nieder -01m, Altsattel, Schüttenitz bei Leit- 
meritz, Sandstein von Grasseth, plastischer Thon 
von Priesen, Sotzka, Schwarzachtobel ob Bre- 
grenz, Ralligen. Cadibonabildung von Piemont 
(Bagnasco, Stella, San Cristina). 
Unter -Oligocän: Weissenfeis, Stedten; Reut im Winkel (PIeer, 
flor. tert. Plelv. III, pag. 289). 

Verwandte Arten: 

1. Quercus Sprenc/eli Heer, Bornstedt (Unter-Oligocän). 

2. Dryophyllum Dewalquei Sap. et Mar., Gelinden 
( Unter- Eocän), Skopau (Unter-Oligocän). 

3. Quercus intermedia n. sp., Dörstewitz (Unt.-Olig.), 



[213] Stedten. 55 

Moreae. 

Ficiis apocyiioides Ettingshausen. 

Taf. 5, Fig. 5: (?) Taf. 6, Fig. 5. 

Ettingsh.^usen, Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Sotzka pag. 519, Taf. 1, 

Fig. 4 (1858). 
ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 735, tab. 90, fig. 3 (1870 — 72). 

Folia ovata, petiolata. integerrima; nerv. prim. valiclus, nerv, 
sec. bro cliido dromi, curvati, sub angulis 75 — 85", inferiores 
sub angulis acutioribus Orientes. 

Unser Blatt Taf. 5, Fig. 5 stimmt bis auf die Grösse mit dem 
Blatte von Sotzka überein ; es hat einen gleichstarken Hauptnerv, 
gleichgerichtete Secundärnerven und diesen parallellaufende Tertiär- 
nerven. Die Bestimmung von Taf. 6, Fig. 5 ist zweifelhaft. 

Die nächst verwandten lebenden Arten scheinen Ficus venosa 
Ait (Ettingshausen, Apetalen Taf 16, Fig. 1 und 16) und Fic. 
cestrifo Ha Schott (ibid. Taf 15, Fig. 9 — 10) zusein, welche zu 
der Gruppe Fic. americana Aubl. (ibid. Taf 15, Fig. 8 und 
Taf. 21 , Fig. 2) mit spitzwinklig entspringenden Secundärnerven 
und saumläufigen Schlingbögen gehören. Derselben Gruppe ge- 
hören unter den fossilen Pflanzen Fic. vulcanica Ett., Urani 
Ett. und Ätlantidis Ett. an. Ficus Yynx Ung. ist dem Typus 
Fic. nitida Thunb. mit wenig hervortretenden, grundständigen 
Secundärnerven einzureihen. 

Ficus Schlechtendali (Heer, Beitr. zur Kenntn. d. Sachs. - 
Thüring. Braunkohlenflora pag. 6 , Taf. 8 , Fig. 20) von Skopau, 
welche Heer mit unserer Art vergleicht, hat stark gebogene, unter 
spitzerem Winkel abgehende und aufsteigend sich verbindende 
Secundärnerven und dürfte, da die lebenden Ficus -Arten mit 
gleichen Secundärnerven stets 2 deutliche, unter spitzerem Winkel 
ausgehende Basilärnerven besitzen, wohl einer anderen Pflanzen- 
familie zuzuzählen sein. 

Aehuliche Blätter haben: Myrtus rectinervis Sap. (Et. I, 6, 
tab. 1 1 , fig. 5) von St. Zacharie und einige Aralien von Gelinden, 



56 Beschreibung der Localflorcn der Provinz Sachsen. [2141 

Aralia transversalia (Saporta et Marion, Revision tab. 12, 
fig. 4; tab. 14, fig. 1), Aval, demersa (ibid. tab. 12, fig. 5 und Essai 
tab. 8, fig. 1) und A ral. vemdosa (Essai tab. 8, fig. 2). — Quercus 
HeeriiAlBr. (in Hker, flor. balt. mioc. pag. 71, Taf. 27, Fig.]) 
von Rixhöft, den unteren Theil eines Blattes darstellend, ist von 
unserem Blatte nicht verschieden. 

Verbreitung: 
Ober - Oligocän : Sotzka. 
Unter -Oligocän: Stedteu. 

Ficns spec. 

Taf. 6 , Fig. 9. 

Folia cuneata, integerrima, basi angustata, nervatione 
b rochido droma; nerp. sec. angidis acuiis Orientes, subparalleli. 

Alle Merkmale unseres Blattes finden wir vereinigt in den 
i^t'cMS- Blättern vom Typus Fictcs nitida Thunb. 

Analoge lebende Arten sind : 
Ficus nitida Thunb. (EttingshaüSEN, Apetalen Taf. 14, Fig. 5— 6), 
Ficus ciliolosa Link (ibid. Fig. 7) und 
Ficus S2>. (ibid. Taf. 16, Fig. 7), 

sämmtlich Ostindien angehörend. In den keilförmigen Blättern 
von Bumelia salicifolia Sm. (Ettingshausen, Dicotyl. Taf. 36, 
Fig. 1) und tenax Willd. (ibid. Taf. 36, Fig. 6) sind alle Secundär- 
nerven unter sich parallel und mehr netzläufig als durch brochido- 
drome Schlingen verbunden. 

Ficus multinervis Heer. 

Taf. 6, Fig. 10—12. 

Ficus multinervis Heer, flor. tert. Helv. II, pag. 6Ö, Taf. 81, Fig. 6 — 10: Taf. 82, 
Fig. ! (1856). 
» » Heek, ibid. III, pag. 182 (1859). 

» » ExTi.NGSHAUSi!N, Biün I, pag. 144, Taf. 20, Fig. 5 — 6 (1867). 

» » S-ruii, Jahrb. der k. k. geol. Reiohsanst. 1867, pag. 160. 

» » SciiiMPEK, traite de pal. veg.' II, pag, 735 (1870 — 72), 



[215] Stedten. 57 

0) Ficiis H)«/<men!/s Engei.haüdt, Flora der Braiiiikolilenfoi'ni. im Köiiigr. Sachsen 

pag. ly, Tai'. 5, Fig. 2 (1870). 

» » E.NGELHARDT, Tertiärpflanzeii aus dem Leitmeritzer Mittelgeb. 

pag. 404, Taf, 11, Fig. 8 (1876). 

(?) » » Le.sqeureux, Tert. flor. pag. 194, Taf. 28, Fig. 7 (non 8) (1878). 

Noteiaea eocaenica Heer, Beitr. zur Kenntn. der Sachs. -Thüring. Braunkohlenfl. 

pag. 20, Taf. 10, Fig. 1 (1861). 
(?) Eup/iorbiopsis berica Massalongo, Sapindac. fossil, tab. 3, fig. 8. 

Folia coriacea, elli])tica vel lanceolata^ integerrima, basi 
apiceque attenuata, nervatione brockidodroma; nerv, priin. 
validus, nerv. sec. sub angulo aperto Orientes, numerosi, valde con- 
ferti, parcdleli. 

Diese Art ist eine der imzuvei'lässigsten, da gleiche Blatttypen 
im Pflanzenreiche häufig sind, und an den abgebildeten Blättern 
die feinere Nervatur in der Regel fehlt. Blätter wie unsere 
Fig. 12, welche sich von Quercus elaena Ung. durch deutliche 
Saumläufer unterscheiden, hat Heer (flor. tert. Holv. Taf. 81, 
Fig. 7 — 8) ebenfalls zu dieser Art gezogen. 

Noteiaea eocaenica Heer (Beitr. zur Kenntn. der Sachs. - 
Thüring. Braunkohlenfl. Taf. 10, Fig. 1) mit zahlreichen Secundär- 
nerven ist von Not. eocaenica Heer ibid. Taf. 6, Fig. 5 zu trennen 
und mit unserer Art zu vereinigen. — Die Blätter von Bilin 
weichen durch die sich schnell verschmälernde Basis ab. 

Ficus ?nultinervi.s Engelh., Tschernowitz Taf. 23 (4), Fig4, 
ein kümmerlicher Blattrest, verdient keine Berücksichtigung. 

Verwandte Arten scheinen zu sein: . 
Phyllitea'myrtaceus Rossm. (Altsattel Taf 10, Fig. 45), 
Ficus Yynx Ett. (non Heer und Unger) (Bilin I, Taf 20, 
Fig. 7 [non 2] ) aus dem plastischen Thon von 
Priesen, 
Ficus Kutscldinica Ett. (ibid. Fig. 8) aus dem Polirschiefer 

von Kutschlin und 
Ficus densinerois Hos. et v. d. Marck (Palaentogr. XXVI, 
pag. 135, Taf 25, Fig. 10^-12) aus den 
obersenonen Plattenkalken des Arenfeldes bei 
Sendenhorst, 



58 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [216] 

Alle diese Arten gehören zum Typus Ficus Benjaniinea L. 
Die besten Analoga zu unserer Art sind Ficus imlchella Schott 
(Ettingshausen, Apetalen Taf. 17, Fig. 2) und Ficus parasitica 
(ibid. Taf. 19, Fig. 5 — 6) in Ostindien, nach Heer auch Ficus 
elastica. 

Die Gattung Ficus umfasst etwa 600 meist tropische Arten, 
von denen die meisten den Malayischen und Pacifischen Inseln 
angehören. In der alten Welt reichen nur wenige in die ge- 
mässigte Zone (Japan und Mittelmeerländer), in Nordamerika 
(ausgenommen Mexico) fehlen sie ganz und in Südamerika über- 
schreiten sie kaum die Tropengrenze. 

Verbreitung unserer Art: 
Pliocän: Green River Gruppe Nordamerikas (?). 
Ober-Miocän: Straden bei Gleichenberg. 
Unter-Miocän: Polirschiefer von Kutschlin, Riantmont bei 

Lausanne. 
Ober - Oligocän: Seifhennersdorf, Schüttenitz, piast. Thon von 

Priesen, Hohe Rhenen. 
Mittel-Oligocän: Salcedo (?). 
Unter-Oligocän: Stedten, Weissenfeis. 

Laurineae. 
Actinodaphne Gerraari Heer sp. 

Taf. 6, Fig. 6. 
Siehe diese Abhandl., Bornstedt. 

Das abgebildete Blattbruehstück ist das einzige mir von 
Stedten Ijekannt gewordene dieser Art. 

Ciniiamomum lanceolatum Unger sp. 

Taf. 5, Fig. 3 und 4. 

DaphnDyeiic /ancen/ata Ungku, Gen. et spec. pag. 424 (1850). 

>■> » U.NGER, Sotzka pag. 37, Taf. 16, Fig. 1-6 (1850). 

» » Weber, Palaoontögr. IT, pag. 183, Taf. 20, Fig. 8 (1852). 

» » Ettingsh.\use.n, Monte' Promina pag. 31, liif.7,- Fig.7 (1854)- 



[217] Stedten. 59 

Daplmogene Innceolata Ettingshausen, Häring pag. 46, Taf. 11, Fig. 23, 25, 26 
(1855). 
» » Massalongo, Reliquie della flor. foss. eoc. de) inonte Pastello 

pag. 14, tab. 6, fig. 1 (?), 5. 
Cmnamomum lanceolatum Heer, flor tert. Helv. TI, pag. 86, Taf. 93, Fig. 6 — 11 
(1856). 
» » Massalosgo, stud. Senogall. pag. 265, tab. 8, fig. 2— 4 

(non tab. 33, fig. 9) (1859). 
» » SisMONDA, Prodr. flor. tert. Piem. pag. 12 (1859). 

» » Ludwig, Palaeontogr. VIII, pag. 109, Taf. 43, Fig. 1 — 7 

(1860). 
» » Heek, Bov. Trac. pag. 1063, tab. 67, fig. 1 — 8; tab. 68, 

fig. 14, 15 (1862). 

» » Sapokta, Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XVII, patj. 242 

(1862). 
» » » Et. I, 5, Ann. d- sc. nat. 4. ser-, XIX, pag. 20 

(1862). 
» » » Et. I, 6, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XIX, pag. 57 

(1862). 
» » » " Et. II, 2, Ann. d. sc. nat. 5. ser., III, pag. 94 

(1865). 
» » » Et. II, 3, Ann. d. sc. nat. 5. ser., IV, pag. 133 

(1865). 
» » Sismo.n'da, Mater, pag. 52, tab. 24, fig. 5(?), 6; tab. 26, 

fig. 7 (1865). 
» » ÜNGER, Kumi pag. 30, Taf. 7, Fig. 1 (?), 2, 3 (?), 4—10 

(1866). 
» » Saporta, Et. III, 2, Ann. d. sc. nat. 5. ser., VIII, pag. 18 

(1867). 
» » » Et. III, 3, Ann. d. sc. nat. 5. sex., VIII, pag. 83 

(1867). 
» » » Et. III, 4, Ann. d. sc. nat. 5. ser., IX, ' pag. 40, 

tab. 4, fig. 11 — 16 (1867). 
» » » Et. snppl. I, Ann. d. sc. nat. 5. ser. , XVIII, 

pag. 44, tab. 8, fig. 10 (1872-73). 
» » Stur, Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt 1867, I, 

pag. 168. 
» » ErriNGSHAUSEN , Bilin 11, pag. 10, Taf. 33, Fig. 7 — 9, 

13, 16 (1868). 
» » Ettingshausen, foss. Flora d. ältesten Braunkohlenform. 

der Wetterau pag. 44, Taf. 3, Fig. 4, 5 (1868). 
~> » Ettingshausen, Beitr. zur Kenntn, der foss. Flora von 

Steiermark pag. 62 (1869), 



60 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. f^lSl 

Cinnamomum lanceoJatum Heer, mioc. halt. Flora pag. 77, Taf. 2'2, Fig. 14 — 17 
(1869). 
» » Unger, Reise in Griechenland pag. 162. 

» » Heee, Bornstedt pag. 16, Taf. 3, Fig. 2 (1870). 

». » ScHiMPEK, traite de pal. veg. II, pag. 842 (1870 — IT). 

» » Engelhardt, Flora der Braunkohlenform, im Königreich 

Sachsen pag. 20, Taf. 4, Fig. 11 — 12 (1870). 
» » Ettingshatjses, Sagor I, pag. 193 (1872). 

» » Heer, Zsilythal pag. 17, Taf. 3, Fig. 3 (1872). 

» » Enoelhardt, Tertiär2ofl. aus dem Leitmeritzer Mittelgeb. 

pag. 381, Taf. 19 (4), Fig. 25; Taf. 20 (5), Fig. 21, 
22(?) (1876). 
» » Engelhakdt, über die foss. Pflanzen des Siisswasser- 

sandsteins von Grasseth pag. 32, Taf. 3, Fig. II, 14, 15; 
Taf. 4, Fig. 10, 12; Taf. 9, Fig. 1 — 5 (1881). 
» » Wentzel, Flora der tert. Diatonisch, von SuUoditz 

pag. 15 (1881). 
Ceanothus lanceolatus Weber, Palaeontogr. II, pag. 207, Taf. 23, Fig. 5 (1852). 
Phyl.ütes cinnamomeus Eossm.Kssler, Altsattel pag. 23, Taf. 1, Fig. 2 (1840). 
Cinnamomum Sclieuchzeri Ettingshausen, Bilin II, pag. 198, Taf. 32, Fig. 2 — 10; 
Taf. 33, Fig. 10, 11 (1868). 
» » EsGELHARDT, foss. PflanzcH des Süsswassersandst. von 

Grasseth pag. 32, Taf. 3, Fig. 9, 10, 12, 13, 16 (1881). 
Daphnogene poli/morplia Ettingshausen, Monte Promina pag. 30, Taf. 7, Fig. 3 — 6 

(1854). 
Cinnamomum pohjmorphum Ettingshausen, Sagor I, pag. 193, Taf. 10, Fig. 1 

(1872). 
Daphnogene haeringiana Ettingsh.ausen, Häring pag. 46, Taf. 11, Fig. 27 (1855). 
» üngeri Engelhahdt, Göhren pag. 27, Taf. 5, Fig. 5 (1873). 

Folia lanceolata hast apiceque acuminata, pctiolata,, tripli- 
neroia; nervi laterales tiiargine parallcli, acrodroini, apicem 
non atting etites. 

Die Blätter dieser Art sind schmal -lanzettlich und lang 7.u- 
gespitzt. Die beiden Lateralnerven sind dem Rande genähert und 
ihm parallel. Sie erreichen die Spitze nicht, sondern verschmelzen 
mit den Secundärnerven. Die grösste Breite liegt ungefähr in der 
Mitte. 

Blätter dieser K\i scheinen bei Stedtcn häufig gefunden worden 
zu sein, sind aber bei dem schlechten Erhaltungszustande meist 



[219] Stedten. 61 

als Eucalyjytus gedeutet worden. — Ein Tlieil der von Ettings- 
HAUSEN zu Cinnaniomtim Scheuchzeri Heer gestellten Blätter 
von Bilin (Bilin II, Taf. 32 und 33) gehört zu unserer Art. — 
Cinnamomum lanceolatum Lesq. (Tert. flor. pag. 219, Taf. 36, 
Fig. 12) ist breiter als unsere Formen. 

Verbreitung: 
Ober-Miocän: Albis; Ryolithtuff von Erlau, Swoszowice; Sini- 

gaglia. 
Mittel-Miocän: Sobrussan (Brandschiefer), Leoben; Petit Mont 

bei Lausanne, Croisettes, Estave; Turin. 
Ünter-Miocän: Münzenberg, Rookenberg, Seckbach; Holaikluk, 
Polirschiefer von Kutschlin, Menilitopal des 
Schichovyer Thaies, Sulloditz, Sagor; Lausanne 
(Tunnel), Eriz, St. Galler Findlinge, Mönzlen, 
Rujjpen; Thone des Beckens von Marseille, 
Fischschiefer von ßonnieux. 
Ober- Oligocän: Salzhausen, Hessenbrücken, niederrheinisches 
Becken; Altsattel, Grasseth, Sotzka; Monod ; 
Armissan und Peyriac, Manosque. 
Mittel-Oligocän: Rixhöft ; St. Jean-de- Garguier, St. Zachurie, 

Gargas, Vallee de Sault. 
Unter -Oligocän: Stedten, Bornstedt, Göhren; Häring; Aix; 
Monte Promina. 



Apocyneae. 
Apocynophyllnm neriifolium Heer. 

Taf. 5, Fig. 12. 

Heer, Beiti". zui- ICenntn. der Sachs. - Thüring. Braunkohleuflora pag. 13, Taf. 8, 

Fig. 1—8 (1861). 
ScHiMPER, traite de pal. yeg. II, pag. 906 (1870 — 72). 
Vergl. diese Abhandl. pag. 33. 

Folia coriacea, lanceolata , basi apiceque acuminata, longe 
petiolata; nerv, j^n'n- valichis, nerv. sec. siib angulo acuto egredientes., 
densi, paralleli, camptodromi. 



62 Beschreibung der Loealfloren der Provinz Sachsen. ['2201 

Diese bei Skopau noch häufig vorkommende Art konnte in 
dem abgebildeten Blatte auch von Stedten nachgewiesen w^erden. 
Durch die schmale Blattform, die dichter stehenden und am Rande 
aufsteigenden Secundärnerven unterscheidet sie sich von dem Born- 
stedter Apocyn. helveticum Heer. 

Verb reitung: 
Unter-Oligocän: Stedten, Skopau. 

Verwandte Arten: 

Neriuni sarthacense Crie: Thal der Sarthe (Unter-Oligocän). 

Apocyn. elongatmn Heer: Samland, Rixhöft ( Mittel - Oligocän). 

» attenuatum ) ,- o i i 

! ueer: oamlanu. 
» balticum \ 



Myrsineae. 
Myrsine dubia nov. spec. 

Taf. 6, Fig. 8. 

Folia coriacea, lanceolata, integerrima , versus basin, atteniiata^ 
inforiori parte latissima, breviter petiolata; nero. prim. validus, 
nerv. sec. angulo ca. 50" Orientes, camptodromi. 

Aehnliche Blattformen besitzen Diospyros lotoides Ung., Myr- 
sine doryphora, Centaurorum und Caronis Ung. Zu Myrsine 
doryphora hat Unger (Sylloge HI pag. 19, Taf. 6, Fig. 1 — 10) 
eine Anzahl von Blättern vereinigt, von denen die schlankeren 
X. Th. zu Eucalyptus oceanica Ung. (Fig. 10), z. Th. 7a\ Quere us 
neriifolia AI. Br. ( EaTiNGSHAUSEN , Beitr. zur Kenntn. der foss. 
Flora von Radoboj pag. 852), die gedrungeneren zu Myrsine Centau- 
rorum Ung. (Syll. I Taf. 12, Fig. 1—3, 6, 7; HI Taf 7, Fig. 15 
und 17) gebracht werden müssen. Sie unterscheiden sich von 
unserem Blatte durch die Lage der grössten Breite über der Mitte 
und die schnelle Verschmälerung nach der stumpfen Spitze. — 
Myrsine doryphora Ett. (Bilin H pag. 223, Taf 37, Fig. 5, (3, 13) 
weicht in der Form von der ÜNGER'schen Art ab, desgleichen das 
Blatt in Taf 4, Fig. 5 in der fossilen Flora der ältesten Braun- 



[221] Stedten. 63 

kohlenformation der Wetterau, welches schlanker ist als unsere 
Art und steiler aufsteigende Secundärnerven hat. — Myrsine 
Caronis Ung. (Syll. III Taf. 7, Fig. 8 — 11), welche unserem 
Blatte am nächsten steht, unterscheidet sich nur durch geringere 
Grösse. Auch Diospyros lotoides Ung. (Syll. III Taf. 10) 
weist ähnliche Formen auf, deren Secundärnerven aber unter 
spitzerem Winkel ausgehen. 

Die Stellung unseres Blattes in der Nähe von Myrsine dory- 
fliora und Caronis Ung. gewinnt an Wahrscheinlichkeit durch den 
V^ ergleich mit lebenden Pflanzen, da weder die Blätter von 
Diospyros noch die von Quercus imbricaria, wohl aber brasilia- 
nische Myrsineen sowohl in Gestalt als in der Nervatur mit un- 
serem Blatte vollkommen übereinstimmen. Immerhin aber gehören 
diese fossilen Arten zu der grossen Anzahl derjenigen, welche ohne 
das Zusammenvorkommen mit Früchten keine absolute Sicherheit 
der Bestimmung gewähren. 

Verwandte Arten: 
Myrsine doryphora Ung.: Parschlug, Radoboj, Rixhöft. 
» Caronis Ung: Radoboj. 



Ebenaceae. 

(?) Diospyros bracliysepala Al. Braun. 

Taf. 6, Fig. 1. 

('?) Diospyros paimonica Heer, Sachs. -Thäring. Braunkolilenüora pag. 2'2, Taf. 10, 
Fig. 12, 13, 14a (1861). 

Das abgebildete Blatt gehört wahrscheinlich zu Diospyros 
bracliysepala AI. Br., einer schlechten Art, in welcher bisher eine 
beträchtliche Anzahl sehr verschiedener Blätter willkürlich vereinigt 
worden sind. Es ist überflüssig, nochmals die lange Reihe der 
Literaturangaben über diese Art zusammenzustellen, da dieselbe 
für die Beurtheilung der Floren nur von zweifelhaftem Werthe 
ist. — Diospyros pannonica Heer (siehe oben) weicht von dem 
Blatte bei Ettingshäusen , Wien Taf. 3, Fig. 8, das, weil sehr 



61: Bosclireibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2221 

uiivollstcändig , zur Begründung einer neuen Art ungeeignet ist, 
wesentlich ali und passt am besten zu Diosp. brachysepala, nament- 
lich zu den von Heer in seiner mioeänen halt. Flora Tat'. 27 u. 28 
abgebildeten Blättern. — Diospyros vetusta Heer hat eine län- 
gere Spitze. 

Pittosporeae. 
Pittosporum stedtense nov. spec. 

Quernis chloi-oplnjlla Hekr, Sachs. -Thüring. Braunkohlenil ora pag. 21, Taf. 10, 
Fig. 14b (18G1). 

Folia subcoi'iacea, ohovato-spatulata, integerviina, ap)ice 
rotundatu^ basi praeter petiolum decurrentes; nero. prim. 
validus, versus apicem evanescens ; nervi sec. numerosi, curoati, paral- 
leli, dictyodromi. 

Das von Heer abgebildete Blatt veeicht von Quercus chloro- 
phylla \Jng., Chlor, prot. Taf 31, Fig. 1 sehr ab. Dagegen gleicht 
es den Blättern der lebenden Pitiosporum- Arten vom Typus 
Pitt. Tobira Ait (cf. Ettingshaüsen, Dicot. pag. 149, Fig. 12ä). 
Der Blattgrund verschmälert sich (das muss besonders betont 
werden wegen der grossen Aehnlichkeit mit Ilexblättern) langsam 
an dem breiten Blattstiele. 

Pittosporum Putterlicki Ung. ist nebst Pitt, panno- 
nicxim Ung. von EttinGSHAUSEN z. Th. zu Sapotacites Putterlicki 
Ung. sp. gemacht, z. Th. zu Pisonia radobojana Ett. gestellt worden 
(Beiträge zur Kenntn. der foss. Flora von Radoboj pag. 877 u. 882). 
Zu denselben Arten ist wahrscheinlich auch Pittosporum cunei- 
folium Ung. (Syll. H Taf. 1, Fig. 14 und 15) von Radoboj zu 
bringen. An unsere Art eiinneit am meisten Pittospo runi 
■niiocenicuin Ett (Beitr. zur Kenntn. d. foss. Flora von Radobo; 
pag. 890, Taf 1 , Fig. 25 und 26), mit welchem Pitt, jmlaeotetra- 
spermum Ett. (Sagor 11 pag. 191, Taf 16, Fig. 14, 15) vereinigt 
werden muss. 

Die 50 lebenden Pittosporum - Avicn erstrecken sich über 
Afrika, das wärmere Asien, Australien und die pacilisclien Inseln. 



[223] Stedten. 65 

Zu dem Typus mit keilförmig sich verschmälernder Basis gehören 

unter anderen: 

Pittosporum Tobira Äit. (Japan), 

» coriaceum Ait. (Madeira), 

» commutatum Pütt. (Cap), 

» umbellatum Gärtn. (Neu -Seeland). 



Juglandeae. 
Juglans Ungeri Heer. 

Taf. 6, Fig. 7. 

Juglans TJiujeri Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 199 (1859). 

» » ScHiMPEK, traite de pal. veg. III, pag. 241 (1874). 

» » Engelhaedt, Nov. act. Leop. - Carol. Ac. Bd. 39, pag. 385, Taf. 4, 

Fig. 2 (1877). 
» » Engelbardt, fossile Pflanzen von Grasseth. Nov. aot. Bd. 43, 

pag. 41, Taf. 12, Fig. 3, 5, 6 (1881). 
» costata (folia, non fr uctus) Heer, flor. tert. Helv., III, pag. 90, Taf. 155, 
Fig. 18 (1859). 
PhylUtes juglandoides Rossmässler, Altsattel pag. 29, Taf. 4, Fig. 16 (1840). 

Foliola (?) elliptica, integerrima; nervi sec. arcuati, campto- 
dromi, nervilli plerumque percurrentes. 

Juglans Ungeri Heer, Bornstedt pag. 21, Taf. '4, Fig. 13, 
gehört zu Actinodaphne Germari Heer sp. (siehe diese Abhandl., 
Bornstedt). 

Die nächst verwandte lebende Art ist nach Heer Juglans 
regia L., welche in Vorder-Asien und Indien heimisch ist und 
in Europa im Westen bis zum 56., im Osten bis zum 52. Parallel- 
kreis cultivirt wird. Zu der Gattung Juglans gehören 7 — 8 Arten 
in den Tropen und Subtropen der nördlichen Hemisphäre. Von 
diesen kommen 2 auf Ostasien und Japan, 1 auf Mittel -Europa 
und -Asien, 4 — 5 auf Amerika, von Canada und Californien bis 
Mexiko und den westindischen Inseln. 



g6 Beschreibung der Localfloren der Provinz SachsSB. [224] 

Verbreitung: 
Ober - Oligocän: Altsattel, Tschernowitz; Sohwarzachtobel bei 

Bregenz. 
Unter-Oligocän: Stedten. 



unbestimmbare Blattreste. 
1. Phyllites cf. Uuercns deciirrens Ettingshausen. 

Taf. 5, Fig. 11. 

Das abgebildete Blatt erinnert an Quercus furcinervis Rossm. sp., 
aber die Seoundärnerven besitzen nicht den oberen Gabelast und 
vom Hauptuerv zweigen dünne, gegen die Secuadärnerven ge- 
neigte Nerven ab, welche an den Blättern jener Art bisher nicht 
beobachtet worden sind, dagegen bei Quercus Sprengeli Heer durch 
ihr beständiges Auftreten als specifisches Merkmal gelten müssen. 

Bei Sajnndus Pythii Ung. (Syll. I, Taf. 14, Fig. 6 — ]7) 
laufen die Zwischennerven den Seoundärnerven parallel. Juglans 
elaena \]ng. (Syll. I, Taf 19, Fig. 8 — 10) hat breitere Blätter mit 
breiter, deutlich abgesetzter Basis. Bei Quercus decurrens Ett. 
(Sagor I, pag. 181", Taf. 5, Fig. 5 — 7) ist der Verlauf der Zwischea- 
nerven derselbe wie an unserem Blatte, aber die Blätter sind breiter 
und die Zähne grösser. 

2. Phyllites cf. Ficiis panduraeforniis Si.smokda. 

Taf. 5, Fig. 6. 

Das abgebildete Blatt muss als eine abnorme Form aufgefasst 
werden. Durch den bis zur Spitze kräftigen Hauptnerv und das 
Vorhandensein mehrerer Secundärnerven unterscheidet es sich 
von ähnlich gestalteten Blättern von Sassafras und Synaphaea. — 
Cussonia ambigua Ett. (Sagor H, Taf. 14, Fig. 32) mit beider- 
seitiger Einbuchtung, aussergewöhnlich dickem Hauptnerv und 
mehreren Secundärnerven erinnert sehr an unser Blatt. Der 
obere, abgeschnürte Theil des Blattes übertriflPt den unteren um 



[225] Bornstedt. 67 

das Doppelte. — Das beste Analogou zu unserem Blatte ist 
Ficus panduraeformis Sism. (Mater, pag. 48, Taf. 17, Fig. 4) 
von Guarene, das bis auf den grösseren und breiteren, oberen 
Lappen mit demselben übereinstimmt. 



3. Phyllites reticulosns Rossmässler. 

Siehe diese Abhandl., Knollensteinflora, pag. 37. 

Zahlreiche, leider schlecht erhaltene Blätter passen recht gut 
zu dieser Art, am besten zu den Abbildungen in Heer, Sachs. - 
Thüring. Braunkohlenflora Taf. 9, Fig. 12 — 16. 



Bornstedt. 



Alle von Bornstedt bekannt gewordenen Blätter stammen aus 
der Grube Neuglück, vcelche unweit Bornstedt, eine Meile west- 
lich von Eisleben, am Westrande des sich vom Harze nach SO. 
vorschiebenden Hornburger Sattels liegt. Die Braunkohlenformation 
bildet hier eine von der benachbarten Riestedt-EImsloher Mulde 
durch einen niedrigen Sattel getrennte Mulde, deren Rand durch 
die Dörfer Bornstedt, Holdenstedt, Beiernaumburg, Sotterhausen, 
Mittelhausen, Osterhausen und Sittichenbach bezeichnet wird. 

Die fein- oder grobkörnigen Stubensande, welche- das oberste 
Glied der diese Mulde ausfüllenden Tertiär- Ablagerungen bilden, 
bestehen aus wasserhellen, theils eckigen, theils gerundeten 
Quarzen und eingemengten Kieselschiefertheilchen und gehen in 
Kiese von hasel- bis wallnussgrossen Milchquarzen über. Die auf- 
geschlossenen Flötze, unter ihnen das Pflanzen-führende, Alaunerde- 
1) altige Flötz von Neuglück, gehören demnach der Unterflötzgruppe 
von LäSPEYREs an. 

Nach den Angaben von H. Müller (die Alaunerze der Tertiär- 
formation, Journ. für prakt. Chemie 1854, pag. 59, und Zeitschr. 
d. D. geol. Ges. Bd. 6, 1854, pag. 707) sind die Lagerungsver- 
hältnisse in Grube Neuglück folgende: 

5* 



68 Besehreibung der Localflorcii der Provinz Sachsen. [2261 

I Daminerde, Lehm, Kies und Letten (Diluvium und 
I Alluvium), 21/2—3 Lchtr. 

il Braunkohlenflötz, das, vorzüglich nach dem Aus- 
l gehenden hin, dem dichten Wurzeltorfe sehr ähnlich 
] wird, 1 Lchtr. 
Unreine, thonige Kohle und plastischer, weisser Thon, 
1 Lchtr. 
Erdige Kohlen, 3—4 Lchtr. 

Grober, wasserreicher Kies, 8 Lchtr. 



Grauer, plastischer Thon, 6 — 10 Lchtr. 



Flötz von kohliger Alaunerde (oberes Alaunerdeflötz), 

21/2 — 31/2 Lchtr. 

( Plastischer Thon. 
Erbohrt: >' Alaunerdeflötz (unteres Alaunerdeflötz). 
Plastischer Thon. 

In dem 21/2 — 31/2 Lchtr. mächtigen oberen Alaunerdeflötze, 
»das sich nach dem Ausgehenden, sowie alle anderen hier auf- 
gefundenen Flötze, steil heraushebt, ohne bis über Tage fort- 
zusetzen«, lassen sich folgende Schichten unterscheiden: 

/ Thonige Moorkohle, reich an Schilfen, Gräsern, 
[ Samenkörnern, Blattresten, Schwefel und Schwefel- 
Oberes jkies (ö/g Lchtr. mächtig). 

Derbe Schwefelkiese und verkieste, bituminöse Holz- 
stücke (1 — 11/2 Zoll mächtig). 
Kohlige Bank von Erzen ( 1/4 Lchtr. mächtig). 

Bituminöser Thon mit geringem Gehalte an Schwefel 
und Schwefelkies, zahlreichen, wohl erhaltenen Blatt- 
jresten, kleinen Zweigen und Samenkörnern (F/g bis 
21/4 Lchtr. mächtig). 



Alaunerde- 
flötz. 



[227] Bornstedt. 69 

Mit Schwefelkies durchdrungene Holzschicht (i/g bis 
ji Lchtr. mächtig). 



Derbe Schwefelkiese (meist verkieste Holzstücke) 
(I Zoll mächtig) = Alaunerze. 

Liegendes: | Plastischer Thon. 

Die Zahlenangaben gelten nicht mehr für die Mächtigkeit der 
in den letzten Jahren durchsetzten Schichten. — Die Lagen des 
oberen Alaunerde flötzes, welche kohlenreicher sind und einen 
geringeren Thonerdegehalt haben als die unteren Abtheilungen des 
Flötzes, nennt man wegen ihres Reichthums an Schwefelkiesen 
und Schwefel »Vitriolerze«. Das untere Alaunerdeflötz und dessen 
hangende, bituminöse Thone mit Pflanzenresten rechnet Laspeyees 
(Zeitschr. d. D. geol. Ges. 1872, Bd. 24, pag. 348) zur Kapsel- 
thonzone, alle anderen Schichten zur unteren Flötzgruppe mit 
Mitteln von Stubensand. — Die Schichten bis hinab zum han- 
genden Thone des oberen Alaunerdeflötzes sind im Tagebau an- 
stehend. 

Die Alaunerdeflötze, welche nur am Rande der Mulde an- 
getroffen worden sind, setzen sich nach dem Innern des Beckens 
in Stückkohlen -führende Flötze fort. Beide enthalten ausserordent- 
liche Mengen von Monocotyledonen- und Dicotyledonen- Blättern, 
welche aber nur in den Alaunerdeflötzen der Grabe Neuglück gut 
erhalten sind. Im frischen Zustande zeigen die in der Regel in 
den Schichtungsflächen liegenden Blätter das zarte Nervennetzwerk; 
aber schon nach wenigen Tagen blättert sich die kohlige Decke 
derselben ab, und nach kurzer Zeit wird die Blattoberfläche durch 
Zutritt feuchter Luft und Vitriolescirung des beigemengten Schwefel- 
eisens weiss und die Nervatur undeutlich. Nur wenn man die 
Gesteinsstücke in Papier eingehüllt sehr langsam trocknen lässt 
oder sie in Petroleum gegen jeglichen Zutritt von Sauerstoff schützt, 
vermag man die Blattabdrücke lange Jahre hindurch zu erhalten. 

Die ersten Bestimmungen von Bornstedter Blättern rühren 
von Leopold von Buch her (Zincken, Physiogr. pag. 132). Es 
sind: Phoenicites Giebelianus, 4 eigenthümliehe Farnkräuter, Acer, 



70 Beschreilning der Localfloren der Provinz Sachsen. [228] 

Juglans, Magnolia, Lomatia ])seudoilex , Dryandroides acuminata, 
Celastrus elaeoides, Dombeyopsis, Quercus drymeia, Flabellaria, TIakea 
Germari, Apocynophyllum legitimum. MÜLLER fügt diesen noch 
Ceanotlius polymorphus hinzu (1. c. pag. 270). Ob die mit coli. 
Buch bezeichneten Bornstedter Blätter im Berliner mineralogischen 
Museum die Originale zu diesen Bestimmungen sind, ist nicht zu 
ermitteln, da keins derselben mit einer Namenetikette versehen ist. 
Einige dieser Pflanzen sind noch so gut erhalten, dass sie hier 
abgebildet werden konnten. 

Im Jahre 1850 legte Beyrich der Deutschen geologischen 
Gesellschaft eine Anzahl von Bornstedter Pflanzen vor und knüpfte 
daran eine kurze Besprechung der Lagerungsverhältnisse der Neu- 
glücker Flötze (Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. 2, pag. 170). 

GÖPPERT fügte seiner Abhandlung über die fossilen Pflanzen 
Javas (GöppERT, Tertiärflora der Insel Java 1854, Tabelle pag. 72) 
ein Verzeichniss von Pflanzen aus Bornstedt bei, welches 26 Arten 
enthält: Germaria platyceroides Göpp., Pecopteris almninosa, Tae- 
niopteris elUptica und elongata, Smilacites aristolochioides , Phoeni- 
cites Giebelianus, Quercus aspera Ung., Qu. Germari Ett. et Göpp., 
Artocarpidium olmedaefoliicm Ung., Art. platyp)hynum, Nyssajuglan- 
doides, Laurus primigenia Ung., L. punctidata.^ Cimiamomum Ross- 
maessleri, Hakea Germari Ett. , Lomatia pseudoilew Ung. , Dryan- 
droides acuminata Ung. , Apocynophyllum legitimum , Magnolia 
Germariana, Dombeyopsis erosa, Domb. flabellata, Acer sterculioides, 
Aesculus aubia, Celastrus elaeoidesXJng., Juglans platyphylla und Pyrus 
troglodytorum Ung. — Da nach Heer's Erkundigungen (Heer, 
Bornstedt pag. 3) die von Göppert benutzte Sammlung zu Grunde 
gegangen ist, und von den aufgeführten Arten weder Beschrei- 
bungen noch Abbildungen bekannt geworden sind, sind die 
GöppERT'schen Bestimmungen für künftige Untersuchungen nicht 
verwendbar geworden. 

Obgleich in der Grube Neuglück fast alljährlich Pflanzenreste 
in grosser Menge gefunden worden und in viele Sammlungen ge- 
langt sind, ist diese Localflora nur ein einziges Mal, nämlich von 
I-Ieer (über die Braunkohlenflora von Bornstedt, Abhandl. der 
naturforsch. Gcsellsch. zu Halle 1870, Bd. 2) eingehender bearbeitet 



[229] Boi-Dstedt. 71 

worden. Leider stand Heer nur ein sehr kleiner Briichtheil der- 
selben zur Verfügung, und die Abbildungen beschränken sich auf 
4 Tafeln. 

In den letzten Jahren hat der Besitzer der Gruben, Herr 
Dr. H. Müller, durch den Fahrsteiger Isemann eifrig sammeln 
lassen und sowohl dem mineralogischen Museum in Halle als der 
geologischen Landesanstalt in Berlin eine grosse Anzahl der besten 
und seltensten Stücke bereitwilligst übersandt. Diese Sammlungen 
der letzten Jahre bilden die Grundlage zu den folgenden Unter- 
suchungen. Ein Vergleich unserer Abbildungen mit denen von 
Heer zeigt die ausserordentliche Bereicherung imserer Kenntnisse 
der Bornstedter Flora. Ein Abschluss ist hiermit aber, ebenso 
wie in den Nachbarfloren, noch nicht gemacht, da die nächsten 
Jahre für alle in dieser Abhandlung beschriebenen Fundorte noch 
eine reiche Ausbeute an Pflanzen versprechen. 



Beschreibung der Arten. 

Filices. 

Pteris Prestwichii Ettingshausen et Gardner. 

Taf. 8, Fig. 6. 

Ettingshaüsen and Gardner, Eoc. flora; Palaeontogr. Soc. 1880, pag. 53, tab. 10, 

fig. 8. 
Prestwich, Quarterly Journ. of Geol. Soc. X pag. 156, tab. 3, fig. 6 (1854). 

Pinnae elongatae, Imeari-lanceolatae, integer rimae velcrenu- 
latae; nervus primarius prominens , nervi secundarii angulis 
acutis Orientes, valde approxhnati,. bi-vel trifurcati. 

Unser Farn, nur in dem abgebildeten Bruchstücke von Born- 
stedt bekannt, gehört in die Gruppe von Pteris pennaeformis Heer, 
Prestiüichii Ett. et Gardn. , eocaenica Ett. et Gardn. etc. Die 
Einreihung dieser Arten, von denen bis auf Pt. eocaenica nur 
isolirte Fiederblätter bekannt sind, in die Gattung Pteris beruht nur 
auf einem grösseren oder geringeren Grade von Wahrscheinlichkeit. 



72 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [230] 

Pteris Prestwichii Ett. et Gardn., eine Copie der Ab- 
bildung von Peestwich, Quarterly Joiirn. 1. (;., stimmt bis auf die 
geringere Grösse und den nur wenig kleineren Ursprungswinkel 
der Secundärnerven mit unserem Blatte überein. — Die nächst- 
verwandte Art, Pteris pennaeformis Heer (flor. tert. Helv. I, 
pag. 38, Taf. 12, Fig. 1) hat gleichgestaltete, aber nahe der Spitze 
gezähnelte Blätter und einfache oder nur einmal gega- 
belte, unter spitzerem Winkel ausgehende Secundärnerven. 
Mit dieser Art müssen Pt. Gaudini Heer (ibid. Taf. 12, Fig. 3) 
und Pt. pseudopennaeformis Lesq. (Tertiary flora pag. 52, 
tab. 4, fig. 3, 4) vereinigt werden, von denen erstere wohl nur ein 
jüngeres Fiederblatt darstellt, letztere nahe der Spitze stumpfere 
Zähne und dichter stehende Secundärnerven besitzt. — Wenn, wie 
Gaedner und EttinGSHAüSEN vermuthen, ein Theil der von Hebe 
als Pteris parschlugiana beschriebenen Blätter (flor. tert. Helv. 
Taf. 12, Fig. 2b —d) sich als zu Pt. pennaeformis Heer gehörig 
erweisen würde, so wäre, da jene ein- bis dreimal gegabelte und 
unter offenerem Winkel ausgehende Secundärnerven hat, ein all- 
mäliger Uebergang von Pt. Prestwichii in Pt. pennaeformis vor- 
handen, und es würden beide zu einer Art zusammenfallen. — 
Bei Pt. eocaenica Ett. et Gardn. (1. c. pag. 32, tab. 4, fig. 4 — 6), 
der einzigen Art dieser Gruppe, welclie die charakteristische Laub- 
bildung noch erkennen lässt, ist die Entfernung der Secundärnerven 
grösser und fast der ganze Blattrand gezähnelt. — Pteris stcb- 
simpleo) Lesq. (Tert. flor. pag. 52, tab. 4, fig. 5 — 7) hat breitere, 
gekerbte Blätter mit einfachen oder nur einmal gegabelten Nerven. 
— Lomariopsis bilinica Ett. (Bilin I, pag. 89, tab. 3, fig. 13) 
hat entfernt stehende Zähne und einfache oder einmal gegabelte 
Nerven. — Pt. pennaeformis Ijudw. (Palaeontogr. V, pag. 153, 
Taf. 33, Fig. 7) von Holzhausen stellt ein winziges Blättchen vor, 
dessen Bestimmung sehr gewagt erscheint. — Wäre die Verwandt- 
schaft von Pt. gladifolia Ludw. (Palaeontogr. V, pag. 154, Taf 33, 
Fig. 11) von derselben Fundstelle mit der lebenden Pt. serrulata L. 
begründet, so würde jene Art zu Pt. Prestwichii und Pt. pennae- 
formis die nächsten Beziehungen haben. Eine Prüfung der Origi- 
nale zu der LuDWic'schen Art lehrte jedoch, dass dieselbe weder 



[231] " Bornstedt. 73 

zu Pteris noch zu irgend einer anderen Farngattiing gehört. Die 
von Ludwig als Nerven gedeuteten, nur wenig sichtbaren Quer- 
linien des linear- lanzettlichen Blattes sind unregelmässige Quer- 
runzeln, die mit den immer scharf ausgeprägten Secundärnerven 
von Pferjs- Arten nichts gemein haben. Eine ähnliche, sehr feine 
Querstreifung beobachtete Heer wiederholt an den Blättern von 
Sequoia Langsdorfii Brgt. sp. von Atanakerdluk (flor. foss. arct. 
Taf. 2, Fig. 21). 

Da wir unter allen oben genannten Arten nur von Pt. eocae- 
nica Ett. et Gardn. die Laubbildung genau kennen, so ist nur für 
diese die Verwandtschaft mit lebenden Pfem- Arten, namentlich mit 
Pteris crenata h. ( Ettingshausen, Farnkr. Taf. 53, Fig. 3 
und Taf. 52, Fig. 14) (Ostindien und trop. 
Neuholland) und 
» cretica L. (Tropen und Subtropen beider Hemi- 
sphären) 
gesichert. 

Die übrigen Arten besitzen grosse Aehnliehkeit, ausser mit 
den oben genannten, mit 

Pteris umbrosa R. Br. (Ettingshausen, Farnkr. Taf. 56, 
Fig. 1,7 und Taf. 57, Fig. 5) (Neuholland), 
» laeta Wall. (ibid. Taf. 57, Fig. 8, 1 1) (Ostindien) und 
» contracta Link (Brasilien). 

Verbreitung unsererArt: 
Unter -Oligocän: Bornstedt. 
Unter-Eocän: Counter Hills. 

Verwandte Arten: 

1. Pteris pennaeformis Heer: 

Ober -Oligocän: Hohe Rhenen, Paudex bei Lausanne, mines 
de la Conversion, Manosque (bois d Asson). 
Eocän: Henry's fork (U. S.). 

2. Pteris eocaenica Ett. et Gardn.: 

Ober -Eocän: Bournemouth. 

3. Lomariopsis bilinica Ett.: 

Unter- Miocän: Polirschiefer von Kutschlin. 



74 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2321 

Pteris parschlngiana Unger. 

Taf. 8, Fig. 7 und Taf. 9, Fig. 1. 

Ungee, Chlor, prot. pag. 122, Taf. 36, Fig. 6 (1847). 

Heek, flor. tert. Helv. I, pag. 38, Taf. 12, Fig. 2a (non 2b— d) (1S55). 

» flor. tert. Helv. III. pag. 154, Taf. 14.5, Fig. 4 (1859). 
ScHiMPER, traite de pal. veg. I, pag. 652 (1869). 
Heek, Bornstedt pag. 7, Taf. 1, Fig. 1 (1870). 

(?) Ettisgshausen, Beitr. zur Kenntn. der Tertiiirflora Steiermarks pag. 37, Taf. 8, 
Fig. 7: Taf. 9, Fig. 1 (1870). 

Folia pinnata, pinmi-lae alternae, sessiles, lineari-lanceolatae, 
basi inaequilaterali roiundatae^ argute serrulatae ; nervus 
Primarius validus, nervi secundarii angido acuto egredicntes, semel-, 
bi-vel tri-furcati. 

Unsere beiden Figuren vervollständigen die früheren Abbil- 
dungen dieser Art. Die Secundärnerven sind selten einmal, ge- 
wöhnlich dreimal gegabelt. In der Regel laufen die Gabeläste eines 
Secundärnervs in einen einzigen Zahn aus, so dass die Grösse der 
Zähne von der Anzahl der Nervengabelungen abzuhängen scheint. 

Die Unger' sehe Abbildung stellt die Spindel mit einem Fieder- 
blatte dar, welches im Wesentlichen mit unserer Taf. 8, Fig. 7 
übereinstimmt, aber bei geringerer Länge dichter stehende Zähne 
hat. Die Bestimmung von Pt. parschlugiana Heer (flor. tert. Helv. 
Taf. 145, Fig. 4) ist unsicher, da letzterer die Basis fehlt. Die Blatt- 
stücke ibid. Taf. 12, Fig. 2 c und d, sowie Fig. 2 b mit einfachen 
oder nur einmal gegabelten Secundärnerven, gehören wahrscheinlich 
zu Pt. pennaeformis Heer. — Pteris parschlugiana Ett. von 
Leoben, von der Ettingshausen weder Abbildungen noch eine 
Beschreibung gegeben hat, ist zweifelhaft. PH. pennaeformis Heer 
(flor. tert. Helv. Taf. 12, Fig. 1 c) und Pt. parschlugiana Heer 
(ibid. Taf. 12, Fig. 2b imd c), mit denen Ettingshausen die 
Leobener Farnroste vergleicht, weichen von unserer Art sehr ab. — 
Pteris erosa Lesq. (Tert. flor. pag. 53, tab. 4, tig. 8) steht un- 
serer Art am nächsten. Ihre Blätter sind grösser und spitzen sich 



[233] ßornstedt. 75 

schneller zu. — Osmunda Strozzi Gand. et Strozzi (Contrib. 
ä la flore foss. ital. ; neue Denkschr. der allg. Schweiz. Gesellsch. 
Bd. 20, pag. 9, tab. 1, fig. 1 — 4), ein schöner Farnwedel, unter- 
scheidet sich nur durch den gekerbten Rand der Fiederblätter. — 
Pteris parschlugianaljudw. (Palaeontogr. VIII, pag. 66, Taf. 11, 
Fig. 3, 4) weicht von der ÜNGER'schen Art durch kürzere Blätter ' 
und den Mangel deutlicher Zähne ab. Sie ist ebenso wie Pteris 
satyrorum Ludw. (ibid. pag. 65, Taf. 11, Fig. 1, 6) und Pt. geni- 
culatiim Ludw. (ibid. pag. 66, Taf. 11, Fig. 2) auf winzige Blatt- 
reste gegründet, so dass ein Vergleich mit allen diesen Farnstücken 
von Salzhausen und Münzenberg nutzlos ist. 

Unsere Art scheint in die Gruppe der Pteris longifolia L. 
(EttinGSHAUSENj Farnkr. Taf. 52, Fig. 15; Taf 54, Fig. 1 etc.) 
zu gehören, jedoch können erst fructificirende Exemplare darüber 
Gewissheit verschaffen. Einem gleichen Formen- und Nervations- 
typus gehören Bleehnum punctulatum Sw. (ibid. Taf 73, Fig. 2, 
8, 9) und Osmimda palustris Schrad. (= Osm. spectabilis A. Gray) 
an. — Pteris longifolia L. ist eine den Tropen und der wär- 
meren gemässigten Zone angehörende, cosmopolitische Art, welche 
in Südeuropa, auf den Canarischen Inseln, den Antillen, in Central- 
Amerika, Afrika und Asien vorkommt. 

Verbreitung: 
Mittel- Miocän: Parschlug, (?) Leoben. 
Ober - Oligocän : Monod, Rochette, Paudez. 
Unter -Oligocän: Bornstedt. 

Verwandte Art: 
Pteris erosa Lesq.: Eocän (1. group): Raton Mountains bei 
Trinidad (N. Mex.) und Golden, Colorado. 



Pteris stedtensis Andeae sp. 

Taf. 7, Fig. 10. 
Siehe diese Abhandl., Stedten, pag. 44. 



76 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2341 

Aspleuiiim Wegmanni Beongniart. 

Taf. 9, Fig. 2, 3. 

Asplenium Wegmanni Brosgniart, Tabl. d. genres de veg. foss. pag. 115 (1849). 

» » Alc. d'Oeb, cours elem. de pal. vol. II, pag. 738 (1852). 

» » Watelet, descript. d. pl. foss. du bass. d. Paris pag. 46, 

tab. 12, fig. 2 (1866). 

» » Sapokta, Sezanne pag. 317, tab. 2, fig. 2, 3 (1868). 

■■> » ScHiMPEE, traite de pal. veg. I, pag. 659 (1869). 

Aspidimn serrulatum Heek, Bornstedt pag. 7, Taf. 1, Fig. 3 (1870). 

Frons pinnata, 'pinnae pinnatifidae ; pinnulae erecto- 
•patentes , contiguae, ad frondem inforiorem usque ad basin fere 
liberae^ ad superiorem connatae, oblong o - ovatae et oblong o-trap e- 
zo'ideae, plus mi7iusüe distincte acuminatae, margine dentato- 
crenulatae. Nerv, prini. pinnularum temds, subßexuosus, nervös 
paucos sub angulo peracuto nascentes, simplices et furcatos emittens. 
Sori ohlongi, dorso neroulorum inferioruin insidentes, praeprimi 
furcationis ramulo superiori, indusiati, indusio lateri exteriori nervu- 
lorum longitudinaliter hinc adfixo illinc aperto, margine libero ad 
esoterius respiciente. 

Unsere Abbildung Fig. 3 stellt ein Wedelstttck mit doppelter 
Fiederung dar. Die feingekerbten Fiederchen sind nur an den 
unteren Fiederästen deutlich getrennt, an den oberen schon mit 
einander verschmolzen. Von dem zarten Mittelnerv laufen nach 
beiden Seiten einfache Seitennerven aus (Fig. 2a und 3a). 

Ich war anfangs geneigt, diese Blätter mit Asplenium sub- 
cretaceum Sap. zu vereinigen. Sie gehören aber nicht zu dieser 
Art, denn die Fiederblättchen sind fast abgerundet und breiter 
und von der Spindel mehr abstehend. Dagegen stimmen sie, 
namentlich unsere Fig. 3, im Habitus mit den von Watelet ab- 
gebildeten Stücken (leider ohne Detailfigur) und im Detail mit 
den von Saporta beschriebenen fructificirenden Exemplaren von 
Sezanne überein. 



[235] Bornstedt. 77 

Nahe verwandte Arten sind der Laubbildung nach: 

1. Sphenopteris recentior Ung. (Chlor, prot. pag. 124, 
Taf. 37 , Fig. 5) von Radoboj mit sehr lockeren Fieder- 
chen und weniger zahlreichen Seitennerven; 

2. Sphenopteris eocaenica Ett. (Monte Promina pag.25, 
Taf. 2, Fig. 5 — 8) mit schmaleren, spitzen Fiederchen, 
auf denen Stur Aspidien - Fructificationen beobachtet 
haben will (Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. 1870, 
pag. 6, Taf. 1, Fig. 8). 

Nach Saporta gehört unsere Art in die Section Athyrium 
Presl. Lebende Vertreter derselben sind: 

Äsplenium filis femina Bernh. (nördlich gemässigte Zone der 
alten und neuen Welt), 

» umbrosum J. Sm. (Azoren und Canarische Inseln, 

Guinea, Indien, Java, Australien und 
Neu -Seeland) und 

» Broivnii J'. Sm. (Australien). 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän: Bornstedt. 
Unter-Eocän: Sezanne. 

Aspleiiinm subcretaceinn Saporta. 

Taf. 8, Fig. 1 — 4. _ 

Aspknium subcreiaceum Saporta, Sezanne pag. .31.5, tab. 23, fig. 4 (1868). 

» » ScHiMPEK, traite de pal. veg. I, pag. Ü.59 (1869). 

Aneimia suhcretacea Ettingshäüsen and Gaedner, Brit. Eoc. Üor. pag. 45. tab. 8 

and 9 und pag. G7 (1879-82). 
Diplazium Muelleri Heer, Bornstedt pag. 8, Taf. 1, Fig. 2 (1870). 
Gymnogramma Haydenü Lesquebeux, U.-S. Annual Report pag. 295 (1871). 

» » » Tert. flora pag. 59, tab. 5, fig. 1—3 (1878). 

Frons bi-vel tripinnata , pinnae ovato-oblongae , pinnulae 
lanceolatae vel lineari-lanceolatae, acuminatae , grosse- 



78 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [2361 

serratae , repetito- serrulatae vel inciso-lobafae, adnatö-sessiles, 
decurrentes. Pinnularum nervus primarius validus, secundarii an- 
gulo peracuto egredientes, numerosi, congesti, bi-vel tri-furcati. 

Das Blatt Fig. 3, ein Theii des gefiederten Blattes Fig. 2, 
entspricht am besten der HEER'schen Abbildung. Es ist dick- 
lederartig, schmal, lineallanzettlich, an der Basis allmälig zugespitzt 
und scharf gesägt. Die dicht stehenden Seitennerven sind zwei- 
oder dreimal gegabelt (Fig. 2a). Fig. 1 stellt ein vollständigeres 
Wedelstück mit sehr schmalen Fiederblättern dar, von denen die 
unteren kurz gestielt sind, die oberen an der Spindel herablauf'en 
und mit einander verbunden sind. Die Anordnung und Gabelung 
der Seitennerven ist dieselbe wie an den Blättern Fig. 2 und 8, 
nur in den grösseren, lappenartigen Zähnen läuft ein stärkerer 
Nerv (Fig. la) in die Zahnspitze, von welchem auf beiden Seiten 
einfache und gegabelte Nerven abzweigen. Die beiden Spindeln 
in Fig. 1 lassen leider nicht erkennen, ob sie zwei verschiedenen 
Individuen angehören oder Theile eines nach Art von Pterin aqui- 
ina gegliederten Farnkrautes sind. 

Von den zahlreichen bis jetzt abgebildeten Blattresten von 
Asplenium suhcretaceum Saporta reiht sich Taf. 8, Fig. 2 
bei Ettingshausen und Gardner, Brit. Eoc. Flora, am besten an 
unseren Wedel Fig. 1 an. Taf. 8, Fig. 1 Ijei Ettingshausen und 
Gardner steht in der Mitte zwischen unseren Fig. 1 und 2. — 
Das Fehlen fertiler Wedel veranlasste Ettingshausen und Gardner, 
unsern Farn in die Familie der Schizaeaceen zu stellen. Die An- 
nahme einer Verwandtschaft mit Aneimia adianti/olia Sw. ist 
jedoch vmhaltbar, da unter allen Apeimien nicht eine einzige Art 
sich befindet, die sich mit dem fossilen Farn vergleichen liesse. 
Das Fehlen der Fructificationen auf den Blättern allein darf noch 
nicht als Gattungsmerkmal bezeichnet werden, so lange es noch 
nicht gelungen ist, Fruchtwedel nach Art von Aneiinia und Os- 
munda zu finden. Grössere Analogien weist Gymnogramme auf; 
jedoch sprechen gegen eine Vereinigung mit dieser Gattung die 
dicke Spindel und die gedrängten, im oberen Wedelstücke mit 



["2371 Bonistedt. 79 

einander verljundenen Fiedersegmente an unseren Blattstücken und an 
denjenigen bei Ettingshausen und Gardner I.e. Taf. 9, Fig. 3 u. 5, 
■während letztere an entsprechenden Stücken von Gymnogrammen 
(z. B. Gymn. Calomelanos Kaulf., Ettingshausen, Farnkr. Taf. 38, 
Fig. 14) weit von einander entfernt stehen und nicht mit einander 
verbunden sind. Eine Durchsicht der lebenden Asplenium- Krien 
im Herbarium des Herrn Dr. Kdhn führte mich zu den früheren 
Resultaten Saporta's, welcher unsere Art in diese Gattung einreihte. 
Im Habitus und hinsichtlich der dicken Spindel stimmt mit Taf. 8, 
Fig. 2 bei Ettingshausen und Gardner Aspl. flaccidvm Forst. 
(bei Saporta, Sezanne pag. 316 abgebildet) gut überein, dessen 
Seitennerven jedoch weniger dicht stehen, hinsichtlich der Nervatur 
am besten Asplenium conti guum Kaulf und nigripes BI. 
Unsere Fig. 2 entspricht am besten Aspl. umbrosum J. Sm. 
(Ettingshausen, Farnkr. Taf. 92, Fig. 10). 

Asplenium Foersteri Deb. et Ett. (Urweltliche Acrobryen 
des Kreidegeb. von Aachen pag. 13, Taf. 2, Fig. 4, 7, 11) aus der 
Aachener Kreide steht unserer Art sehr nahe. Sie erinnert am 
meisten an Aspl. flaccidum Forst. 

Verbreitung von: 

Asplenium contiguum Kaulf.: Sandwich - Inseln, Philippinen 

und Neilgberries. 

» flaccidum Forst.: Neu-Seeland, Australien, Van 

Diemens Land, Sandwich-Inseln, Natal. 

» nigripes Bl. : Himalaya, Neilgberries, Ceylon, Java, 

Japan. 
» umbrosum J. Sm.: Madeira, Canar. Inseln, Azoren, 

Guinea, Himalaya, Ceylon, Java, Austra- 
lien, Van Diemens Land, Neu-Seeland. 
Verbreitung unserer Art: 
Unter -Oligocän: Bornstedt. 
Mittel -Eocän: ßournemouth. 
Unter -Eocän: Sezanne. 
Eocän Amerikas: Fort EUis, Yellowstone Lake. 



80 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [2381 

Lygodium Kaulfussi Heer. 

Taf. 7, Fig. 11. 

Lygodium Kaulfussi Heee, Sachs. -Thüring. Braunkohlenfl. pag. 3, Taf. 8, Fig. 21 

und Taf. 9, Fig. 1 (1861). 
» » Ettingshausen and Gakdnee, Brit. Eoo. flora pag. 47 , tab. 7, 

fig. 1, 3, 8; tab. 10, fig. 11 und pag. 67, tab. 13, fig. 8 — 9 

(1879 — 82). 
Äneimia » Ckie , Fouest de la France ä l'epoque tert. pag. 22 , tab. A, 

fig. 2 — 3 (1877). 
Lygodium neuropferoides Lesqueeeux, Ann. Rep. 1870 pag. 3ö4 und 1871 pag. 284. 

» » » Tert. flora pag. 61, tab. 5, fig. 4— 7; tab. 6, 

fig. 1 (1878). 

Frons fertilis superne simpliciter, inferne bi-vel ternato- 
pinnata; pinnae simplites vel bi-tripartitae , lacinüs integris^ den- 
tatis, fructiferis, spicas lineari-oblojigas compressas obtusiusculas 
formans. Frons sterilis inaequaliter bi-tri-quadri-partita vel 
Simplex, undulata, lobi inaequilongi, sub angulis acutis variis diver- 
gentes, e basi plus oninusve dilatati, elongato-lanceolati, apice 
obtusi; nervatio cyclopteridis compositae , nervi priviarii tenues 
subflexuosi, nervi secundarii densi, sub angulis acutissimis 
Orientes, prominentes, tridichotomi. 

Unsere Abbildung stellt das einzige bis jetzt von Bornstedt 
bekannt gewordene Exemplar dieser Art dar. Es stimmt hin- 
sichtlich der Lappenbildung und Nervatur mit den Lygodien 
überein, welche Ettingshausen und Gärdner (1. c.) mit Lygod. 
Kaulfussi Heer von Skopau vereinigen. Das dreilappige Blatt in 
Brit. Eoc. flor. tab. 7 , fig. 8 steht in der Form dem unsrigen am 
nächsten, denn es lässt auf das Vorhandensein eines vierten Lap- 
pens schliessen. Der Mittelnerv unseres Blattes ist, wie bei allen 
anderen Blättern derselben Art, sehr zart und wenig hervortretend. 
Die unter sehr spitzen Winkeln ausgehenden Secundärnerven sind 
wiederholt gegabelt. 

Lygodium Dentoni Lesq. hat bei gleicher Anordnung der 
Nerven sehr kurze Lappen. Das unserer Art nächst verwandte 
Lyg. Oaudini Heer (flor. tert. Helv. I, Taf. 13, Fig. 5 — 15) 



[239] Bonistedt. 8 1 

hat sclunalere, mehr divergirende Lappen mit weniger gedrängt 
stehenden Secundärnerven. Zu dieser Art werden wohl auch 
Lygodium acutangulum, Laharpii und acrostichoides Heer gehören, 
da ähnliche Verschiedenheiten in der Anordnung der Lappen, auf 
welche die Trennung dieser Arten gegründet ist, bei ein und der- 
selben lebenden Lygodium- Kri gewöhnlich sind. — Die fertilen 
Wedel von Lyg.parvifolium und ewquisitum Qsl^^.^ von denen 
letzteres wahrscheinlich mit Lyg. Gaudini Heer zu vereinigen ist, 
sind von denen der englischen Pflanzen (Brit. Eoc. flora tab. 10, 
fig. 1 1) nicht zu unterscheiden. 

Heer vergleicht die schweizerischen Lygodien mit dem lebender 
Lyg. circinnatum Sw. So sehr sie bezüglich der Theilung den 
Blätter und der Länge der Lappen übereinstimmen, so verschieden 
ist die Nervatur. Lyg. circinnatum hat starke, gerade Mittelnerven, 
die viel schärfer ausgejDrägt sind als in flor. tert. Helv. Taf. 13, 
Fig. 16. Die Secundärnerven laufen unter offeneren Winkeln als 
bei Lyg. Gaudini und unserer Art direct nach dem Rande und 
sind nur ein oder zweimal gegabelt. Bei den fossilen Arten sind 
die Mittelnerven sehr dünn und oft hin- und hergebogen, und die 
mehrfach gegabelten Secundärnerven begleiten dieselben, bis sie 
sich allmälig und unter sehr spitzen Winkeln dem Rande zu- 
wenden. In diesen Punkten stimmen alle oben genannten fossilen 
Arten nur mit derjenigen Section überein, welche in der Jetztwelt 
ausschliesslich durch Lygod. palmatum Sw. ( Ettingshausen, 
Farukr. Taf. 171, Fig. 2, 4, 5) vertreten wird. Diese Verwandt- 
schaft gewinnt noch dadurch an Gewissheit, dass auch die fertilen 
Wedel der fossilen Arten denen der genannten lebenden Art am 
meisten entsprechen. 

Demselben Typus gehört Lyg. cretaceum Deb. et Ett. (die 
urweltl. Acrobryen des Kreidegeb. von Aachen pag. 18, Taf. 2, 
Fig. 18 — 21 und Taf. 3, Fig. 28) aus der oberen Kreide von 
Aachen an. Der Typus Lyg. palmatum Sw. tritt sonach schon 
in der oberen Kreide auf und ist im Tertiär am meisten entwickelt. 
Der einzige lebende Vertreter bewohnt die feuchten Ufer von 
Kentucky, West- Virginien, Pennsylvanien und Delaware. 

6 



82 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2401 

Verbreitung unserer Art: 
Nordamerika: BarrelFs Springs, Washakie group (4. Gruppe). 
Unter-Oligoc an: Skopau, liornstedt, Thal der Sarthe. 
Mittel-Eocän: Bournemouth. 

Verwandte Arten: 

1. Ly godium exquisitum Sap.: Unter- Oligocän: Aix. 

2. 5 Gaudini Heer: Unter - Miocän: Münzenberg; 

Ober -Oligocän: Rochette, Ma- 
nosque (Bois d'Asson). 

Lygodiiim serratnm nov. spec. 

Taf. 7, Fig. 12. 

Frons sterüis palmato-partita , basi angustata; lobt lineari- 
lanceolati^ obtuse-serrati, sub angulis acutis divergentes^ nervi 
primär ii disiincti, nerci secundarii semel furcati. 

Das abgebildete Blatt zeichnet sich durch das Vorhandensein 
deutlicher Sägezähne aus ; es kann daher weder mit Lyg. palmati/m, 
noch mit Lyg. circinnatum verglichen werden. Mehrfach gelappte 
Blätter mit gesägtem Rande finden wir bei zahlreichen lebenden 
Arten, unter anderen bei den südamerikanischen 

Lygodiuin venustum Sw. ( EttingshaUSEn, Farnkr. Taf. 170, 
Fig. 1, 2) und 
» commutatum Presl (Ettingshausen ibid. Taf. 171, 

Fig. 1, 11). 
Bei allen aber überragt ein Lappen, und zwar gewöhnlich der 
mittlere, die übrigen, und sind die unter sehr spitzen Winkeln 
ausgehenden Secundärnerven wiederholt gegabelt. 

Die der fossilen Art analogen lebenden Lygodien, welche zu 
der Section Euly godium, mit freien Nerven, gehören, sind durch 
die Tropen der alten und neuen Welt verbreitet; sie scheinen am 
häufigsten in Südamerika zu sein. 



[241] Bornstedt. 83 

Coniferae. 
Seqiioia Couttsiae Heer. 

Taf. 11, Fig. 1—3. 

Vergl. diese Abhandl. pag. 14 und 47. 

Sequoia Couttsiae Heer, Bovey Traoey, Phil. Trans, vol. 152, P. 11, pag. 1051, 

tab. 59; tab. 60, fig. 1—46; tab. 61; tab. 71, fig. 8 — 9 (1862). 
» » Sapoeta, Et. n, 3, Aan. d. sc. nat. 5. ser., IV, pag. 49, tab. 2, 

fig. 2 (1865). 
» » Heek, flor. foss. arct. I, pag. 94, Taf. 3, Fig. 1; Taf. 8, Fig. 14; 

Taf. 45, Flg. 19 (1868). 
» » Heer, mioc. balt. Flora pag. 55, Taf. 13, Fig. 17 — 23; Taf. 14, 

Fig. 17 — 19 (1869). 
» » Schenk, Botan. Zeitung Jahrg. 27, pag. 376 (1869). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. 11, pag. 318, tab. 77, fig. 1 — 12 

(1870 — 72). 
» » Heer, flor. foss. arct. II, pag. 464 (1871). 

» » Ettingshausen, Sagor I, pag. 166, Taf. 2, Fig. 1 — 8 (1872). 

» » Heer, Nachtr. zur mioc. Flora Grönlands pag. 6 (1874). 

» Tournalii Sapokta, Et. II, 3, Ann. d. so. nat. 5. ser., IV, pag. 51, tab. 2, 

fig. IC, D (1865). 
» » Schimper, traite de pal. veg. 11, pag. 320 e. p., tab. 77, fig. 20, 21 

(1870-72). 
» imhricata Heek, Bornstedt pag. 9, Taf, 1, Fig. 4 (1870). 
» affinis Lesquereu.x, Ann. Rep. 1874, pag. 310. 
» » :•> Tert. flora pag. 45, tab. 7, fig. 3— 5; tab. 65, fig. 1—3, 

4(?) (1878). 
» Sternhergi Heek, Sachs. -Thüring. BrannkohlenÜora pag. 4, Taf. 5, Fig. 10 
(1861). 
(?) Glyptostrobus europaeus Heer, ibid. pag. 3, Taf. 5, Fig. 11 (1861). 

Rami alterni, ramuli juniores elongati, graciles; folia squamae- 
formia, subfalcata, imhricata, rigida^ basi decurrentia, dorso 
carinata. Strobili globosi vel subglobosi, squamis paiicis^ 
peltatis^ medio brevissime mucronulatis , rugosis; seminib^is alatis, 
compressis ; nucleo loaulo cunato. 

Zapfen und mehrfach verästelte Zweigstücke, welche mit den 
von Heer von Bovey Tracey beschriebenen recht gut überein- 
stimmen, wurden bei Bornstedt häufig gefunden. Die Zapfen sind 



Beschreibunsc der Localfloren der Provinz Saclisen. 



[■242] 



stets in der Längsrichtung gespalten, so dass die Oberfläche der 
Schuppen nie zur Anschauung kommt. Sie sind kreisrund und 
bei einem Durchmesser von höchstens 1,8 — 2°"° häufig in der 
Richtung ihrer Axe gestreckt. Die Anzahl der Schuppen scheint 
zwischen 4 und 6 jederseits zu schwanken. Durch die kugelige 
Form, die geringe Grösse und die geringe Zahl der Schuppen 
unterscheiden sie sich von denen der ßequoia Sternher gi 
Göpp. sp. und schliessen sich denen an , welche Heer und 
Saportä von Bovey Tracey und Armissan abgebildet haben. Die 
in der Richtung der Axe gestreckten Zapfen können mit denen 
von Sequoia Langsdorfii verwechselt werden. Das häufige Zu- 
sammenvorkommen mit Zweigstücken wie in Fig. 1 und der sichere 
Nachweis nur eines einzigen winzigen Zweigstückes von Sequoia 
Langsdorfii jedoch würde eine Vereinigung mit letzterer unwahr- 
scheinlich machen. 

Sequoia ivibricata Heer von Bornstedt stellt nur ein 
kleines Bruchstück unserer Art dar. Die von SaporTa zusammen 
mit Resten von Sequoia Couttsiae unter der Bezeichnung Sequoia 
Tournalii abgebildeten Zweige und Zapfen von Armissan gehören 
nach Heer keiner selbstständigen Art an. Die beblätterten Zweige 
sind mit Sequoia Langsdorfii^ die Zapfen mit Sequoia Couttsiae zu 
vereinigen (Heer, flor. foss. aret. pag. 94). — Ob Taxodium 
duhium Ett. (Bilin I, Taf 10, Fig. 8 u. 9 [Samen] und Fig. 20—22 
[Zapfen]) zu unserer Art zu ziehen sind, wie es Schimper will, 
kann erst eine Prüfung der Originalstücke entscheiden. 

Lesqüereux bildet (1. c.) zwei sehr schöne Zweigstücke, das 
eine männliche Blüthenkätzchen, das andere 10 Zapfen tragend, ab, 
welche er zu einer der Sequoia Couttsiae nah verwandten Art 
Sequoia affinis vereinigen zu müssen glaubt. Die specifischen 
Merkmale derselben sind nach Lesquereux: 1. die stumpferen 
Blattspitzen an den fertilen Zweigen; 2. die schlankeren und län- 
geren Zweigchen; 13. die ovale Form der Zapfen; 4. die herz- 
förmigen, kleinen Samen. Die auf die Gestalt der Blätter ge- 
gründeten Unterschiede lassen der Willkür freies Spiel, und man 
kann, allein auf diesen Pflanzontheil angewiesen, die Zahl der 
Arten beträchtlich vermehren. Schlanke, zarte Zweige, analog den 



[243] Bornstedt. 85 

amerikanischen, finden wir auch bei Sequoia Couttsiae von Bovey 
Tracey und Armissan und ebenso an Bornstedter Exemplaren. Die 
Zapfen von Seq. afßnis sind in der Längsrichtung gestreckt, wäh- 
rend die Zapfen von Bovey Tracey kuglig sind. Jedoch bilden 
Saporta von Armissan (1. c. tab. 2, fig. 2C1) und Ettingshausen 
von Sagor (1. c. Taf 2, Fig. 7) ganz ähnliche ovale Zapfen ab, 
die mit den amerikanischen und denen von Bovey Tracey hinsicht- 
lich der Anzahl und Beschaffenheit der Schuppen übereinstimmen. 
Der von Lesquereux 1. c. Taf. 65, Fig. 4 abgebildete winzige 
Samen ist, weil isolirt und nur in einem einzigen Exemplare nach- 
gewiesen, für die Artbestimmung der Zweige und Zapfen nicht 
von Einfluss. Es liegt hiernach kein Grund vor, die amerikanische 
Art von der unsrigen zu trennen. Das Vorhandensein der letz- 
teren im amerikanischen Tertiär fällt um so weniger auf, als auch 
Sequoia Langsdorfii beiden Continenten gemeinsam ist. 

Unsere Art steht in der Mitte zwischen den beiden lebenden 
Sequoien. Sie unterscheidet sich von Sequoia gigantea Lindl. 
durch die geringere Grösse und die kuglige Gestalt der Zapfen, 
von Sequoia sempervirens Lam. durch die geringere Anzahl 
der Zapfenschuppen. Die Blätter ähneln am meisten denen der erst- 
genannten Art. Zu gleichen Resultaten gelangte Schenk (über 
einige in der Braunk. Sachsens vorkommende Pflanzenreste, Botan. 
Zeitung 1869, Jahrg. 27, pag. 376) durch mikroskopische Unter- 
suchungen von Blättern und Samen der fossilen Art aus den un- 
teren Braunkohlenlagern des Königreichs Sachsen. Die Structur 
der Blattepidermis erinnert an Sequoia gigantea, die der Epidermis 
der geflügelten Samen und die Anordnung der Zapfentheile da- 
gegen an Sequoia sempervirens. 

Der Typus Sequoia beginnt, wenn wir Pachyphyllum crassi- 
foliuin Schenk zu demselben stellen, bereits im Wealden, erreicht 
im mittleren Tertiär das Maximum der Artenzahl und der räum- 
lichen Ausdehnung und ist in der Gegenwart mit nur 2 Arten auf 
Californien beschränkt. 

Die tertiären Sequoien schliessen sich in folgender Reihe an 
die lebenden Arten an: 



86 Beschreibung der Localfloren der Provinz Saclisen. [244] 

Sequoia gigantea Lindl. \ Sequoia sempervirens Lam. 



Sequoia Ehrlichi Ung. ! Sequoia Langsdorfii Brgt. sp. 

Sequoia Sternbergi Göpp. sp. : und verwandte Arten. 



Sequoia Couttsiae Heer. 

Verbreitung unserer Art: 
Nordamerika: Castellos Ranch und Elko Station (obere Green 

River- Gruppe). 
Arktische Zone: Atanakerdhik, Kuljeldene und Iglosungoak auf 

Disco. 
Unter -Miocän: Sagor und Savine. 
Ober - Oligocän: Armissan. 

Mittel -OHgocän: Rixhöft, Hempstead (Insel Wight). 
Unter- Oligocän: Bornstedt, Stedten, Skopau, Alberstedt, Leip- 
ziger Tertiär (untere Braunkohlenflora). 
Mittel - Eocän : Bo"Vey Tracey. 

Sequoia Langsdorfii Brongniart sp. 

Taf. 7, Fig. 13. 

Taxites Langsdorfii Bkongniart, Prodr. pag. 108, 208 (1828). 

» » Ungek, gen. et spec. pag, 389 (1850). 

» » GöppEKT, Mon. d. foss. Conif. pag. 2-lG (1850). 

» » Ungek, Blättorabdr. von Swoczowice pag. 122, Taf. 13, Fig. 1 

(1850). 

» ■ » Ungeb, Iconographia pag. 31, Taf. 38, Fig. 13 — 16 (1852). 

» ■ » Webek, Palaentogr. II, pag. 166, Taf. 18, Fig. 8, 9 (1852), 

»■ » Ettingshausen, "Wildshut pag. 43, Taf. 2, Fig. 1 (1852). 

» » ^ » Tokay pag. 792 (1853). 

Sequoia » Heer, flor. tert. Helv. I, pag. 54, Taf. 2t), Fig. 2; Taf. 21, 

Fig. 4 (1855). 

» » Heer, ibid. HT, pag. 159, Taf. 146, Fig. 16 (1859). 

» t> Ettingshausen, Kötlach (Vag. 11, Taf. 11, Fig. 3 (1857). 



[245] Bornstedt. 87 

Seguoia Lnngsdorßi Massavougo , Stud. suUa flor. foss. de) Senogall. pag. 157, 

Taf. 6, Fig. 2, 13, 15; Taf. 40, Fig. 6 (1859). 
» » Gaudin et Stkozzi, Contrib. II, pag. 36, tab. 2, fig. 7, 8; 

tab. 10, fig. 10 (1860). 
» ' » Ludwig, PalaeontogT. VIII, pag. 72, Taf. 15, Fig. la-n (1860). 

» » SisMONDA, Mater, pag. 16, tab. 4, fig. 5 (1865). 

» » Heer, Vancouver pag. 6, Taf. 1 (1865). 

» » Unger, Kumi pag. 21, Taf. 2, Fig. 17 — 23 (1866). 

» » Ettingshausen, Bilin I, pag. 115, Taf. 13, Fig. 9, 10 (1867). 

» » » ältere Braunli. der Wetterau pag. 826 (1868). 

» » Heer, flor. foss. arct. pag. 91, Taf. 2, Fig. 2 — 22: Taf. 45. 

Fig. 13a, c. U — 18; Taf. 47, Fig. 3b (1868). 
» » Heer, Contrib. to tlie foss. flor. of N. Greenland pag. 136, 

tab. 21 , fig. 1 —8 (1868); pag. 464, tab. 40, fig. 5b; tab. 43, 

fig. 1 — 3; tab. 44, fig. 2-4; tab. 46, fig. la, 7b; tab. 55, 

fig. 3a (1869). 
» » Heer , mioc. balt. Flora pag. 2 1 , Taf. 3 , Fig. 1 1 ; pag. 54, 

Taf. 13, Fig. 14 — 16; Taf. 14, Fig. 20 — 23 (1869). 
» » Heer, flor. foss. alaskana pag. 23, Taf. 1, Fig. 10 (1869). 

» » Unger, Radoboj pag. 160 (1869). 

» » Ettiscshausen, Tertiärflora Steiermarks pag. 40 (1870). 

» » Schimper, traite de pal. veg. II, pag. 316, tab. 77, fig. 15 — 17 

(1870 — 72).- 
» » Esgelhabdt, Göhren pag. 13, Taf. 2, Fig. 17— 18 (1873). 

» » Heer, Nachtr. zur mioc. Flora Grönlands pag. 4, Taf. 2, Fig. 5; 

pag. 9, Taf. 2, Fig. 6; pag. 13; pag. 16 (1874). 
» » Ettingshausen, Sagor pag. 166 (1876). 

» » Engelhardt, Tertiärflora aus dem Leitmeritzer Mittelgebirge. 

Nov. Act. 38, pag. 356, Taf. 16, Fig. 3 (1876). 
» » Heer, Beitr. zur foss. Flora Spitzbergens pag. 59, Taf 12, 13; 

Taf. 14, Fig. 1; Taf. 25, Fig. 15 (1877). 
» » Heer, mioc. Flora der Insel Sachialiii pag. 22, 'Taf. 1, Fig. 11 

(1878). 
» » Heer, Beitr. zur Flora Sibiriens und des Amurlandes pag. 52, 

Taf. 15, Fig. 13 a, 14 (1878). 
» » Lescjuereux, Tert. flor. pag. 76 (1878). 

» . » Engelhardt, Pflanzenreste \on Liebotitz und Putschirn pag. 78, 

Taf. 1, Fig 5 a (1880). , ■ 
■•> » Sieber, zur Kenntn. der nordböhni. Braunkolilenfl. pag. 27, 

Taf. 5, Fig. 47 b (1880). 
SteinJiauera ininata Sternberg, Flora der Vorwelt 11, pag. 202, Taf. 57, Fig. 5 — 15 

(1821-38). 
Cupressites taxiformis Unger, Chlor, prot. pag. 18, Taf. 8 und 9 (1847). 
Taxites Rosthorni Unqeh, ibid. pag. 83, Taf. 21, Fig. 4 — 6. 
Cupressites Hardtü Göppert, Mon. d. foss. Conif. pag. 184 (1850). 
Chamaectjparites Hardtü Endlicher, Syn. Conif. pag. 277 (1847). 



88 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2461 

Chamaecyparites Hardtii Ungee, gen. et spec. pag. 349 (1850). 

» » Ettinqshausen, Häring pag. 35, Taf. 6, Fig. 1 — 21 (1855). 

» » Massalosgo, Syn. flor. foss. Senogall. pag. 14. 

Sequoia Hardtii Ettinqshausen, Tertiärflora Steiermarks pag. 40, Taf. 1, Fig. 27, 28 

(1870). 
Juniperites subulata Beongsiart, Trans, of. Geol. Soc. VII, pag. 373. 
Taxites pUegetonteus Unger, Iconogr. pag. 31 (103), Taf. 15 (38), Fig. 17 (1852). 
Piniies lanceolatus Ungek, ibid. pag. 94, Taf. 35, Fig. 5. 
(?) Sequoia senogaUiensis Massalongo, Stud. sulla flor. foss. Senogall. pag. 158, 

tab. 6, fig. 6, 14; tab. 40, fig. 2 (1859). 
Sequoia Tournalii Saporta, Et. II, 3, Ann. d. sc. nat. 5. ser., IV, pag. 51, tab. 2, 
fig. 1A,B,E (1865). 
» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 320, tab. 77, fig. 18, 19 

(1870 — 72). 
» disticha Heer, Beitr. zur foss. Flora Si^itzbergens pag. 63, Taf. 12, 

Fig. 2 a; Taf. 13, Fig. 9 — 11 (1877). 

FoUa rigida, coriacea, linearia, apice obtusiuscula ^ vlana, 
basi angustata, adnato-decurrentia, patentia, complanato- 
disticha^ conferta; nervus medius validus. Strobili breviter ovales 
vel subglobosi, squamis compluribus peltatis medio mucronulatis. 

Das abgebildete winzige Zweigstück ist der einzige mir von 
Bornstedt bekannt gewordene Rest des im Tertiär weit verbreiteten 
Nadelholzes. Die JSlätter sind zwar etwas schmaler und kleiner 
und mehr getrennt als bei den meisten Exemplaren anderer Fund- 
orte, aber ihre Gestalt, die deutliche Mittelrippe und die einge- 
schnürte, am Stamm herablauf'ende Basis (Fig. 13a) unterscheiden 
es hinreichend von Taxodium distichum Heer und weisen es obiger 
Art zu. 

Eine ausführliche Begründung der Vereinigung der meisten 
oben aufgeführten Arten finden wir bei Ettingshausen , Bilin I, 
pag. 116. — Von Sequoia Langsdorjü sind, meist auf Grund ab- 
weichender Blattbildung, eine Anzahl von Arten unterschieden 
worden, welche sich wie jene an die lebende Sequoia sempercirens 
anschliessen. Die Unterschiede sind zum Theil so gering, dass 
es bei der weiten Verbreitung dieser Arten für die Zukunft 
immer schwieriger werden wird, dieselben auseinander zu halten. 
Es sind: 



[247] Bornstedt. 89 

Sequoia disticha Heer, 

» brevifolia Heer, 

» Tournalü Sap., 

» Nordenskjöldi Heer, 

» Heerii Lesq., 

» longifolia Lesq., 

» acuminata Lesq., 

» biformis Lesq., 

» angustifolia Lesq. 

Sequoia disticha trennt Heer (flor. foss. arct. IV, Beitr. 
zur foss. Flora Spitzbergens pag. 63, Taf. 12, Fig. 2a; Taf. 13, 
Fig. 9, 10, 11) auf Grund kürzerer gegenständiger Zweige von 
Seq. Langsdorfii, mit welcher sie auf Spitzbergen (Cap Lyell) 
zusammen vorkommt. Da auch bei Seq. Langsdorfii kürzere 
und an derselben Fundstelle sowohl alternirende als auch gegen- 
ständige Zweige beobachtet worden sind (flor. foss. arct. I, Taf. 45, 
Fig. 18), so dürften die . oben genannten Zweigstttcke besser 
für eine Abänderung von Sequoia Langsdorfii als für eine neue 
Art zu halten sein. 

Unter Sequoia Tournalü Sap. sind von Saporta (Et. H, 3, 
Ann. d. sc. nat. 5. ser., IV, pag. 51, tab. 2, fig. 1) die Blätter 
von Sequoia Langsdorfii (1. c. fig. lA, B, E) mit den Fruchtzapfen 
von Sequoia Couttsiae (1. c. fig. IC) vereinigt worden. Die be- 
blätterten Zweige, auf denen die Zapfen sitzen (1. c. "fig. IC, D), 
gleichen ebenfalls denen von Sequoia Couttsiae. — Bei Sequoia 
brevifolia Heer (flor. foss. arct. pag. 93, Taf. 2, Fig. 23) sind 
die Blätter kürzer und vorn stumpfer zugerundet. — 
Sequoia Nordetiskjöldi Heer (miocäne Flora Spitzbergens 
pag, 36, Taf -2, Fig. 13b; Taf 4, Fig.' la,b, 4 — 38) hat zartere 
Zweige, kleinere und schmälere, an der Basis wenig oder 
nicht verschmälerte, weiter am Zweige her ab laufen de 
Blätter, kleinere Zapfen und Samen mit geflügeltem Kerne. 
Diese der vorigen am nächsten stehende Art war neben Taxodium 
und Libocedrus der gemeinste Baum Spitzbergens und nahm hier 
dieselbe Stelle ein wie Seq. Langsdorfii in Grönland. — Sequoia 



90 Beschreibung der Loealfloren der Provinz Sachsen. [2481 

Heeriiljesq. (Tert. flora pag. 77, tab. 7, fig. 11 — 13) gehört, wie 
die beiden vorigen Arten, zu den kurzblättrigen Vertretern des 
Typus Seq. .sempennre?is. Die Unterschiede sind so geringfügig, 
dass eine Trennung nicht gut durchführbar ist. — Sequoia longi- 
folia Lesq. (1. c. pag. 79, tab. 7, fig. 14; tab. 61, fig. 28, 29) und 
Sequoia acuminata Lesq. (ibid. pag. 80, tab. 7, fig. 15 — 16), 
zwei kaum von einander zu trennende Arten, bilden den Ueber- 
gang zu den folgenden, indem ihre an der Basis eingeschnürten 
Blätter unterhalb der Mitte am breitesten sind. — Die Blätter 
von Sequoia angustifolia Lesq. (1. c. pag. 77, tab. 7, fig. 6 — 10) 
sind am Grunde nicht eingeschnürt. — Die in zweierlei Formen 
auftretenden Blätter von Sequoia biforinis Lesq. (1. c. pag. 80, 
tab. 62, fig. 15 — 18) endlich weichen durch ihre sichelförmige 
Gestalt noch mehr vom Typus Seq. sempervirens ab und dürften 
mit der vorigen den Uebergang zur Gruppe Seq. gigantea bilden. 

Von der lebenden Sequoia sempervir ens Lam. unterscheidet 
sich unsere Art durch die kleinere, von dem sich verlängernden 
Mittelnerv gebildete Blattspitze, durch die grösseren und aus zahl- 
reicheren (bei Seq. sempervirens ca. 20, bei Seq. Langsdorßi ca. 55) 
Fruchtblättern bestehenden Zapfen (restaurirter Zapfen in Heer, 
flor. foss. arct. Taf. 45, Fig. 14). Die Unterschiede sind so gering, 
dass Heer geneigt ist, beide zu einer Art zu vereinigen, welche 
sich sonach aus der Tertiärzeit bis in die Gegenwart erhalten 
hätte (flor. foss. arct. pag. 93). Während in der Tertiärzeit Seq. 
Langsdorßi fast über die ganze nördliche Halbkugel verbreitet war 
und in Nordgrönland neben Taxodium und Lihoeedrus den weitaus 
vorherrschenden Baum bildete, ist ihr lebender Verv/andter ganz 
auf Californien beschränkt. Der Tyjjus Seq. sempervirens beginnt 
schon in der unteren Kreide Grönlands mit Sequoia Smittiana 
Heer (flor. foss. arct. HI, pag. 82, Taf. 13, Fig. 10b; Taf. 17, 
Fig. 3, 4; etc.), welche sich von unserer Art nur durch grössere, 
am Grunde weniger verschmälerte Blätter, kleinere Zapfen und 
dünnere Zapfenstiele unterscheidet. 

Nach dem Grade ihrer Verwandtschaft können die oben 
genannten Arten in folgende Reihen zusanuuengestellt werden: 



[249] Bornstedt. 91 

A. Typus Sequoia sempervirens Lam. 

I 
Seq. Langsdorfii Brngt. sp. 

I 
Seq. hrevifolia Heer — Seq. Nordenskjöldi Heer — Seq. Heerii Lesq- 

I 
Seq. longifolia Lesq. — Seq. acuminata Lesq. 

I 
Seq. angustifolia Lesq. 

^ I 
Seq. biformis Lesq. 

I 

B. Typus Sequoia gigantea Lindl. 

Verbreitung unserer Art: 

Unter-Plioc.än: Inzersdorfer Tegel (Zillingsdorf und Neufeld bei 
Wien). 

Ober-Miocän: Tegel von Breitensee, Rhyolithtüfi' von Tallya, 
Tlialheim, Tokay, SvFOCzowice ; Arnothal (in 
den Schichten mit Mastodon fyrenaicuH und 
angustidens), Sarzanello, Sinigaglia. 

Mittel-Miocän: Kostenblatt (Süsswasserkalk), Leoben, Köflach. 

Unter-Miocän: Rockenberg; Luschitz (Menilitopal), Tufl' von 
Salesl, Sagor, Savine, Radoboj; Eriz. 

Ober - Oligocän: Salzhausen, Hessenbrücken, ßott,' Quegstein ; 
Liebotitz, plast. Thon von Priesen; Rossberg, 
Monod ob Rivaz, Rüfi, Rothenthurm (Canton 
Schvi^yz), Wäggis ; Armissan. 

Mittel-Oligocän: Rixhöft, Samland. 

Unter-Oligocän: Bornstedt, Göhren; Häring, 

No rd- Amerika: Florissant (obere 4. Gruppe), Haley coal-mines 
und Black Buttes (I. Gruppe), Alaska. 

Asien: Mandschurei (Bai Possiet), Sachalin. 

Arktisches Gebiet: Grönland, Spitzbergen, Mackenzie. 

Sonstige Fundorte: Wildshut, Kumi. 



92 Beschreibung der Localflorcn der Provinz Sachsen. [250] 

Smilaceae. 
Smilax cardiopliylla Heer. 

Taf. 10, Fig. 7. 

Heer, Bornstedt pag. 9, Tuf. 1, Fig. 5 (1870). 
ScHiMPEE, traite de pal. veg. II, pag. 437 (1870 — 72). 

Folia cordata^ basi 'profunde emarginata, septemnervia, 
nervus medius reliquis acro dromis aequalis. 

Heer hat diese Art von der verwandten Smilax grandi- 
folia Ung. mit Reclit abgetrennt, denn sie hat jederseits 3 deut- 
liche, ungefähr gleich weit von einander abstehende Basilärnerven 
von der Stärke des Mittelnerven, während bei Sm. grandifolia der 
Mittelnerv stärker ist als die seitlichen, und das zweite Paar der- 
selben schon dicht am Rande aufsteigt. Letztere Art umfasst 
2 Blatttypen, nämlich Blätter mit convexem und concavem Rande. 
Der Typus mit convexem Blattrande steht unserer Art am nächsten. 
Zu demselben sind folgende Blätter zu stellen: 

Unger, Syll. I, pag. 7, Taf. 2, Fig. 5 — 8, 

Heer, flor.,- tert. Helv. I, pag. 82, Taf 30, Fig. 8 a, 

s mioc. halt. Flora pag. 61, Taf 16, Fig. 12, 13, 
Ettingshausen, Bilin I, Taf 2, Fig. 1, 
Lesquereux, Tert. flor. pag. 94, tab. 9, fig. 5. 

Unter diesen lassen Lesquereux, Tert. flor. tab. 9, fig. 5 und 
Unger, Syll. I, Taf 2, Fig. 8, wie unsere Art, keinen Dicken- 
unterschied zwischen Mittel- und Seitennerven erkennen. — An 
unsere Art erinnert ferner Smilaa; Lijelli Wat. (Paris pag. 70, 
tab. 19, fig. 1 — 3) mit sehr grossen, breiten, herzförmigen Blättern 
und jederseits 3 Nerven von der Stärke des Mittelnervs. 

Unsere Art reiht sich den lebenden Smilax penduUna 
Lowe (Madeira) und niau rltantca Desfr. (Mittelmeerländer bis 
Madeira) an, von denen letztere durch Gaudin (Contr. V, pag. 8, 
tab. 1, fig. 5 — 7; tab. 2, fig. 1, 2) auch im vulkanischen Tuff von 
Lipari nachgewiesen worden ist. 



[251] Bonistedt. 93 

Die lebenden Arten von Smilaa: gehören den Tropen 
beider Halbkugeln und den gemässigten Zonen bis zum 45. Pa- 
rallel an. Sie sind am liäufigsten im südöstlichen Asien, auf 
Japan und den australischen Inseln bis zu den Fidschi -Inseln, in 
den Vereinigten Staaten, Mexiko, auf den Antillen und in Bra- 
silien. Sie sind selten in Westasien, dem Mittelmeergebiet, Afrika 
und Neuholland. Die Arten sind häufiger nördlich vom Aequator 
und in den östlichen Theilen der Contiuente als südlich vom Aequator 
und in den westlichen Gebieten. Von den 197 sicheren Arten 
kommen 105 auf Amerika, 91 auf die alte Welt und ist eine 
(Stn. herbacea) Japan und den Vereinigten Staaten gemeinsam 
(de Candolle, Monogr. phanerog. Bd. I, pag. 29). 

Verwandte Arten: 

1. Smilax granclifolia üng., typus äff. carcliophylla Heer: 

Mittel -Miocän: Croisettes. 

Ober - Oligocän: Salzhausen; Priesen (plast. Thon). 
Mittel -Oligocän: Rixhöft. 

Nordamerika: Carbon Station (3. Gruppe) und Canon City 
(1. Gruppe). 

2. Smilax Lyelli Wat. : 

Unter- Eocän: Bellen. 

Smilax saxoHica nov. spec. 
Taf. 10, Fig. 1 — 6. _ 

Folia hastato-cordata vel campanaeformia vel lanceo- 
lata-elliptica, acuminata, basi attenuata, integerrima; nervi prim. 5 
vell ., aequaliter inter se distantes. 

Die abgebildeten Blätter müssen zu einer Art zusammen- 
gezogen werden, da es nicht möglich ist, eine Grenze zwischen 
ihnen zu ziehen. Arten mit ähnlich variirenden Blättern sind bei 
den lebenden Kletterpflanzen häufig. Die extremen Glieder der 
Formenreihe sind Fig. 1 und 6 , welche in der Ordnung von 
Fig. 2, 3, 4 und 5 vermittelt werden. 



94 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [252'] 

Von den fossilen Arten gehört die Mehrzahl zum Typus 
S'inilax sagittifera Ung. mit p feil förmigen, am Grunde herz- 
förmig eingebuchteten Blättern. Die geringere Anzahl, zum Typus 
Smilax gra'ndifolia Ung. gehörend, besitzt herzförmige, kürzere 
Blätter. Unsere Art gehört zum ersteren Typus und schliesst sich 
an die Arten mit glockenförmigen oder elliptischen Blättern an, 
nämlich an Sm. oonvallium Heer, paucinervis Ett. , paliformis und 
lingulata Heer, haeringiana Ung. und Garguieri Sap. 

Das von Ettingshausen , wiewohl mit Unrecht, zu Smilax 
grandifolia Ung. gezogene Blatt von Radoboj (Beitr. zur Keuntn. 
der foss. Flora von Radoboj pag. 872, Taf. 1, Fig. 18) hat, ab- 
gesehen von der tief herzförmigen Basis, die Gestalt unserer 
Blätter. — Sm. Garguieri Sap. (Et. H, 2, Ann. d. sc. nat. 
5. ser., HI, pag. 84, tab. 3, fig. 4) gleicht unserem Blatte Fig. 1, 
soweit dasselbe erhalten ist, ist aber kürzer als die übrigen Formen. 

— Sm. convallium Heer ist auf schlechte Bruchstücke gegründet. 

— Sin. haeringiana Ung. (Syll. IH, pag. 64, Taf. 20, Fig. 2), 
dessen Gattungsbestimmung von Ettingshausen (Sitzungsber. der 
Wiener Akad. 60, pag. 38) bezweifelt wird, unterscheidet sich, wie 
auch das von Sagor stammende kleine, an der Basis abgestumpfte 
Blatt, von Smilax paucinervis Ett. (Sagor pag. 171, Taf. 2, 
Fig. 25, 26) durch das Vorhandensein von nur einem deutlichen 
Basilärnervenpaar. — Die der ÜNGER'schen Art sehr ähnlichen 
Blätter von Smilax lingulata Heer (mioc. halt. Flora pag. 63, 
Taf 16, Fig. 8 — 10) haben jederseits 2 Nerven, von denen der 
äussere dicht am Rande aufsteigt. — Sm. paliformis Heer (ibid. 
pag. 62, Taf. 16, Fig. 2) stimmt der Gestalt nach mit unseren 
Fig. 3 — 5 überein, besitzt aber nur. ein Nervenpaar. — Smilax 
moskenbergensis Ett. (Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora Steier- 
marks pag. 38, Taf. 1, Fig. 14), der Gestalt nach unserer Fig. 5 
ähnlich, ist wahrscheinlich nicht bei dieser Gattung zu lassen, da die 
seitlichen Nerven oberhalb der Basis vom Mittelnerv ausgehen. 

Während bei den lebenden Vertretern unserer Gattung, deren 
Blätter nach Art von Cinnamomum, nur von 3 kräftigen Nerven 
durchzogen werden, die Mannigfaltigkeit der Gestaltveränderuug 
sehr geriny; ist, sind die Blätter der Arten mit mehr als 3 Nerven 



[253] Bornstedt. 95 

ebenso variabel wie die von Bornstedt abgebildeten und zeigen, 
wie diese, Uebergänge von der herzförmigen, tief gebuchteten bis 
zur allmälig sich verschmälernden Basis. An der abgebildeten 
Sm. sylvatica Kth. (Taf. 10, Fig. 2a) aus Mexico z. B. konnten 
Blätter beobachtet werden, welche recht gut mit unseren Fig. 1 — 5 
übereinstimmen. 

Verbreitung der verwandten Arten: 

1. Smilax haeringiana Ung. : Häring ( Unter -Oligocän). 

2. » paliformis nn^ ImgulataYleQx: Rixhöft (Mittel-Oligocän). 

3. » Garguieri Sap. : St. Jean-de-Garguier (Mittel-Oligocän). 

4. » pmicinervis Ett. : Sagor ( Unter -Miocän). 



Palmae. 
Flabellaria Ziuckeni Heer. 

Heer, Bornstedt pag. 11, Taf. 2, Fig. 3 — 4. 

Unbestimmbare Reste von Palmenblättern. Die Blattstücke 
von Flab. Zinckeni Lesq. (Tert. flor. pag. 110, tab. 9, fig. 6 — 8) 
sind zu einem Vergleiche mit anderen Palmenresten unbrauchbar. 

Sabal Ziegleri Heer. 

Heer, Bornstedt pag. 10, Taf. 2, Fig. 6. 

Das Blattfragment lässt keine sichere Bestimmung zu. 



Myricaceae. 
Myrica Schleclitendali Heer. 

Heer, Bornstedt pag. 12, Taf. 1, Fig. 7. 

ScHiMPER, traite de pal. veg. HI, pag. .546, tab. 85, fig. 3. 

Lebendes Analogen: Myrica aethio-pica L. in Südafrika. 
Die Gattung Myrica ist mit ca. 35 Arten über die tropische 
und die gemässigten Zonen beider Halbkugeln weit verbleitet. 



96 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2541 

Myrica augiistata Schimper 

Taf. 11, Fig. 14. 
Vergl. diese AbhandL, Eisleben. 

Das abgebildete Blattstück passt am besten zu den von Eis- 
leben abgebildeten Blättern. 

(P) Myrica aciuuiiiata Unger. 

Heer, Bornstedt pag. 13, Taf. 2, Fig. 1 und Ib. 

Es ist dies eine sehr schlecht begründete Art, in welcher 
sicher die heterogensten Elemente vereinigt sind. Die ünger'- 
schen Abbildungen (Sotzka pag. 30, Taf. 6, Fig. 6— 10 und Taf. 7, 
Fig. 9) allein, ohne die Originalstücke, sind zum Vergleiche mit 
den übrigen Funden und zur Controlle nicht ausreichend. 



Cupuliferae. 
Uuercus Sprengeli Heer. 

Taf. 14, Fig. 1 — 7. 

Heee, Bornstedt pag. 13, Taf. 3, Fig. 1 (1870). 

ScHiMPEK, traite de pah veg. II, pag. 632, tab. 87, fig. 8 (1870 — 72). 

Folia coriacea , lanceolata, hasi sensini in petiolum breoe an- 
gustata, margine repande spiinuloso-dentata, dentibus aciitis. 
Nervi secundarii craspedodromi, expvemo apice nervillum in 
sinum superiorem emittentes. 

Unsere Tafel stellt die Hauptformen der sehr gestaltenreichen 
und nächst ApoGynophyllum heloeticum Heer häufigsten Pflanze von 
Bornstedt dar. Eine ziemlich starke, kohlige Decke deutet auf 
die frühere lederartige Beschaflfenheit der Blätter hin. Grösse und 
Gestalt variiren ausserordentlich, und die extremen Glieder der 
ganzen Formenreihe weichen so sehr von einander ab, dass man 
sie ohne die Zwischenfflieder für verschiedene Arten halten würde. 



[255] 



97 



Alle verschmälern sich nach oben und unten sehr langsam und 
sind ungefähr in der Mitte am breitesten. Die beträchtlichsten 
Grössenimterschiede zeigen Fig. 1 und 6. Die entfernt stehenden 
Zähne sind bisweilen dornartig (Fig. 2 und 3), seltener abgerundet 
und verkümmert (Fig. 4). Ihre Zahl schveankt zwischen 5 und 11 
jederseits. Sie beginnen erst in beträchtlicher Höhe, sind in der 
Mitte gleich weit von einander entfernt und rücken nach der Spitze 
zu immer näher zusammen (Fig. 3). 

Es liegt nahe, diese Reihe von Blattformen mit Quercus furci- 
nervis Rossm. sp., welche in gleicher Häufigkeit in dem nur wenige 
Stunden entfernten Stedten auftritt, zu vereinigen. Aber an mehr 
als hundert Blättern konnten immer wieder dieselben Merkmale 
beobachtet werden, welche jener Art von Stedten fehlen. Die 
auffälligsten Unterschiede zwischen beiden Arten sind folgende: 



Quercus Sprengeli 
Heer. 

1. Den Secundärnerven laufen 
1 — 4 vom Hauptnerv aus- 
gehende Nerven bis nahe dem 
Blattrande fast parallel. 

2. Die Tertiärnerven verbinden 
die Secundärnerven mit den 
diesen parallel laufenden Ner- 
ven und diese mit einander 
unter einem Winkel von ca. 
40". 

3. Der von einem Secundärnerv 
vor dessen Eintritt in deo 
Zahn abzweigende Nerven- 
ast endigt bereits in der 
inneren Zahnbucht. 



Quercus furcinervis 
Rossm. sp. 

Derartige Nerven fehlen. 



Die Tertiäruerven verbinden die 
Secundärnerven direct und fast 
rechtwinklig. 



Der Gabelast eines Secundär- 
nerven erstreckt sich, dem Blatt- 
rande parallel laufend, bis in den 
nächst höheren Zahn. 



Lebende Analoga: siehe pag. 53. 



98 Besclireibiing der Localfloren der Provinz Sachsen. [2561 

Querciis pasanioid.es nov. spec. 

Taf. 9, Fig. 7 und 7a. 

Folio, coriacea, ovato-ohlonga, basi aitenuata, cuspidata, 
integerrivia. Nervi secundarii utrinque ca. 12, angulo ca. 40" 
Orientes, curvati, subparalleli , camptodromi ; nervi tertiarii perpen- 
diculares; rete nervis secundariis parallelicm. 

Der Typus des vorliegenden Blattes kehrt bei einer Anzahl 
von Formen wieder, die man bald mit Laurineen, bald mit Änona 
und Terminalia vereinigt hat. Da an allen analogen Blättern nur 
selten die feinere Nervatur beobachtet worden ist, kann ihre Genus- 
bestimmung nur eine provisorische sein. 

Ein fast vollständiges Blatt, das mit Fig. 7 ident ist, Hess an 
einer Stelle die in Fig. 7a wiedergegebene Nervatur erkennen. Das 
zwischen dem Tertiärnerv liegende feine Netzwerk besteht 
aus langgestre eisten Zellen, welche den Secundärnerven 
parallel laufen. Ein gleichartiges Netzwerk konnte nur bei 
Quercus sundaica Bl. (Fig. 7A und 7Aa) wieder* beobachtet 
werden, welche auch in jeder anderen Hinsicht recht gut mit dem 
fossilen Blatte übereinstimmt. Die Anordnung der Nervillen allein 
setzt uns in den i'?tand, unser Blatt von formgleichen Arten aus 
den Gattungen Laurus, Terminalia, Anona und Symplocos hin- 
reichend zu unterscheiden. Das sehr dichte Maschennetz von 
Laurus- und Terminalia-'H\-Ä\ien\ besteht aus polyedrischen Zellen, 
das Maschennetz von Änona. wird von rundlichen Zellen gebildet. 
Bei Symplocos cuneata Thw. werden die Urspruugswinkel der 
SeciMidärnerven nach der Blattspitze zu immer kleiner, und das 
lockere Maschennetz besteht aus polyedrischen Zellen. 

Abgesehen von der zarten Structur, würde unser Blatt am 
besten zu Torniinalia r adoboj ensls Ung. (Chlor prot. pag. 142, 
Taf 48, Fig. 1, 2 u. a. O.) passen. Nicht einmal die deutlich ab- 
gesetzte lange Spitze unseres Blattes würde als unterscheidendes 
Merkmal von Belang sein, da sowohl die Blätter von Quercus als 
diejenigen von Terindmdia sehr variiren, und ferner, um eine ähn- 
lich gestaltete Form als Beispiel any.uluhren, von Unger mit Anona 
lignitum (Syll. 1, Taf. 10, Fig. 1 — 7) Blätter mit einer gleichen Zu- 



[257] Bornstedt. 99 

spitziing wie in unserer Fig. 7 vereinigt werden. Von beiden Unger'- 
schen Arten ist das feine Netzwerk nicht bekannt, bessere Funde 
können daher erst entscheiden, ob sie mit unserer Art zu vereinigen 
sind. Unser Blatt lässt es mehr als wahrscheinlich erscheinen, dass, 
ebenso wie in der Jetztwelt, in unserem Tertiär mit den Vertretern 
Südost -asiatischer Eichen aus der Gruppe Pascmia mit gezahnten 
Blättern Eichen mit ganzrandigen Blättern aus derselben Gruppe 
vergesellschaftet waren. 

Uuercus siibfalcata nov. spec. 

Taf. 9, Fig. 4, 5. 

Qvercus angmtiloba Heer, Bornstedt pag. 14, Taf. 1, Fig. 8 (1870). 

» ScHiMPEE, traite de pal. veg. II, pag. 645 (ex parte) (1870 — 72). 

» Lesquereu.k, Ann. Report 1872, pag. 378. 

» » Tert. Flor. pag. 161, tab. 21, fig. 4, 5 (1878). 

Folia basi in 'petiolum attenuata, utrinque bi-vel triloha^ 
lobis integerrimis , elong atis, lanceolatis. Neroi secundarii (simul 
loborum primarii) craspedodromi, neroi tertiarii e nerois primariis 
et secundariis angulo acuto egredientes., brochidodromi. 

Unsere Abbildungen, die beiden einzigen in neuerer Zeit ge- 
fundenen Blätter dieser Art darstellend, ergänzen die HsER'sche 
Abbildung. Während die amerikanischen Blätter jederseits nur 
2 Lappen besitzen, lässt unsere Fig. 5 auf ein Blatt mit 3 Lappen 
schliessen. 

Die nächsten Verwandten in der Lebewelt sind nordamerika- 
nische Eichen mit tiefgelappten Blättern, vor allen Quercus f'al- 
cata Michx. und jy.alustris Du ßoi. Während diese Gruppe 
zahlreiche Vorfahren in dem europäischen Tertiär aufzuweisen hat, 
muss es auffallen, dass in ihrer jetzigen Heimath erst 2 tertiäre 
Arten, Quercus pseudo-lyrata Lesq. und unsere Art, bekannt ge- 
worden sind. Die europäischen Arten schliessen sich an Quercus 
cruciata AI. Br. (Heer, tlor. tert. Helv. H, pag. 55, Taf 77, 
Fig. 10 — 12) an. Es sind: Quercus armata Sap. , angustiloba 
AI. Br., Koechlini Heer, cuneifolia Sap., ilicoides Heer, sagoriana, 
gigantea und bilinica Ett. und oUgodonta Sap. Für alle diese 

7* 



100 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [2581 

werden als lebende Analoga aufgeführt in erster Linie Quercus 
falcata Michx. , dann ilicifoUa Wang. und Banisteri Lodd. — 
Ettingshausen rechnet, aber wohl mit Unrecht, seine Quercus 
gigantea zur Gruppe Qu. robur und Cerris. — Die tiefgelappten 
Mediterranformen , welche Gaüdin (Schweiz. Denkschr. Bd. 17, 
pag. 14) aus den Travertinen von Toscana als Qu. pyrenaica Lam. 
var. lobulata und Thomasii Ten. beschreibt, gehören zur Gruppe 
von Qu. aegilops L. und pubescens Willd. mit wiederholt gelappten 
Blättern. 

Engelmann hat (the oaks of the United States, Trans, of the 
Ac. of St. Louis Vol. III, 3, 1876) beobachtet, dass diejenigen 
nordamerikanischen Eichen, deren Blätter im vollkommenen Zu- 
stande tiefgelappt oder fiederspaltig sind, an jungen Sprösslingen 
oder Adventivzweigen weniger getheilte oder nur gezähnte, ja selbst 
ganzrandige Blätter tragen (^Qu. alba, palustris, coccinea etc.), wäh- 
rend diejenigen, deren Blätter am ausgewachsenen Baume ganz- 
randig sind, an jungen Sprösslingen oft gezähnte oder gelappte 
Blätter besitzen (Qu. phellos, virens, aquatica etc.). Der Gestalten- 
reichthura der nordamerikanischen Arten macht es also wahrschein- 
lich, dass ein grosser Theil der genannten fossilen Arten zusammen- 
gezogen werden wird, sobald reichlicheres Material vorhanden ist. 

Die Bornstedter Blätter, die mit Qu. angustiloba Lesq. ident 
sind, können nicht, wie es Heer gethan hat, mit der Art von 
Münzenberg (Quercus angustiloba, Ludw. , Palaeontogr. VIII, 
pag. 103, Taf. 36, Fig. 3) vereinigt werden, da das von Ludwig 
abgebildete Blatt, abgesehen davon, dass diese, wie die meisten 
LuDWiG'schen Abbildungen, begründete Zweifel an der sorgfältigen 
Wiedergabe aufkommen lassen, wesentlich kleiner ist als die 
imserigen und zugespitzte Lappen hat, welche fest rechtwinklig 
abstehen. Das Münzenberger Blatt erinnert am meisten an Qu. 
cruriata und Qu. arrnata, bei denen die unteren Lappen aber stark 
verkürzt sind. 

Die unserer Pflanze nächst verwandte Art ist Quercus 
pseudo - lyrata Lesq. (Foss. flora of the Sierra Nevada pag. 8, 
tab. 2, fig. 1, 2) aus der Sierra Nevada, wahrscheinlich von Chalk 
Bluffs, Nevada County, California. Die unteren Lappen sind 



[259] Bornstedt. 101 

kleiner, die oberen zum Theil an der Spitze gespalten. Nach 
Lesquereux ist es kaum möglich, die fossilen Blätter von denen 
der lebenden Qu. lyrata Valt. aus den Südstaaten zu unterscheiden. 

Verbreitung unserer Art: 
Un ter-Oligocän: Bornstedt. 
Nordamerika: Golden, Colorado (I.Gruppe). 

Verwandte Art: 
Quercus pseudo -lyrata Lesc|.: Chalk Blufls, Nevada County. 

Conf. Dryophyllum Devvalquei Saporta et Marion. 

Taf. 9, Fig. 6. 
Vergl. diese Abhandl, Knollensteinflora, pag. 22. 

Durch das Fehlen der den Secundärnerven fast parallel lau- 
fenden Nerven und die sich schneller verengende Basis unter- 
scheidet sich dieses Blatt von Quercus Sprengeli Heer. Mit letzterer 
hat es die sehr kurzen , scheinbar nur bis zur oberen Zahnbucht 
reichenden Gabeläste gemein. Zu den Blättern von Drijophyllum 
Deiualquei Sap. et Mar. zeigt es so viele Beziehungen, dass es 
unmöglich ist, einen durchgreifenden Unterschied zu entdecken^ 
Dryophyllum Dewalquei bildet einen grossen Formenkreis von meist 
schlanken Blättern mit schneller oder langsam sich verschmälernder 
Basis. Die zahlreichen (ca. 20) Secundärnerven senden beim Ein- 
tritt in die Zähne gewöhnlich je einen Ast ab, der dicht am 
Rande aufsteigend sich mit dem nächsten Secundärnerv verbindet. 
Häufig liegt der Gabelast so dicht am Rande des Blattes, dass 
nur sein unteres Stück deutlich zu sehen ist und, wie an dem 
Bornstedter Blatte, in der oberen Zahnbucht zu endigen scheint. 
Solche scheinbare Verkürzungen der Gabeläste zeigen Saporta 
et Marion, Essai tab. 4, fig. .1; tab. 3, fig. 2 und Revision tab. 8, 
fig. 8. Unsere Abbildung entspricht am meisten folgenden Blatt- 
formen von Gelinden: Saporta et Marion, Essai tab. 2; tab. 3, 
fig. 1 — 4 und Revision tab. 7, fig. 4; tab. 8, fig. 6. — Die Zähne 
der Gelindener Art sind länger zugespitzt, jedoch besitzen Revi- 
sion tab. 8, fig. 1 — 2 auch stumpfe und breite Zälme. Die Zähne 



102 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2601 

beginnen bei unserem Blatte schon kurz über der Basis. — Die 
Gestalt unseres Blattes erinnert ferner an Quercus parceserrata 
Sap. et Mar. (Revis. tab. 4, fig. 8), welche sich aber durch die 
unsymmetrische Basis unterscheidet. 



Moreae. 
Ficus crenulata Saporta. 

Taf. 13. 

Protoßcus crenulata Sapoet.4, Sezanne pag. 35.5, tab. 6, fig. 5 (1868). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 751, tab. 90, fig. 13 

(1870 — 72). 
Rhamnus grosse- serratus Heer, Bornstedt pag. 20, Taf. 4, Fig. 10 (1870). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. III, pag. 234 (1874). 

Folia coriacea , ovata, acuminata, grosse-serrata, basi 
rotundata vel in petiolum longum attenuata; nervi 2 basilares 
cum secundariis camptodromo -anastomosantes ; nervi tertiarii angulo 
acuto Orientes. 

Heer hat nur ein Bruchstück dieser Art abgebildet, welches 
er bei Rhamnus unterbrachte. Erst eine grössere Anzahl von 
Blättern, die in den letzten Jahren gesammelt wurden, und von 
denen die charakteristischsten Formen auf Taf. 13 wiedergegeben 
sind, machten eine Gattungsbestimmung möglich. Die abgebildeten 
Blätter ändern in der Länge und der BeschaiFenheit der Basis ab. 
Die grösste Breite liegt in oder nur unterhalb der Mitte. Die 
beiden Basilärnerven vereinigen sich erst oberhalb der Mitte mit 
den Secundärnerven. Ich ziehe zu .unserer Art aucii Fig. 2 mit 
herablaufender Basis, da gleiche Abänderungen bei der nahe ver- 
wandten lebenden Ficus alba beobachtet werden. 

Protoficus crenulata Sap. von Sezanne stimmt mit den 
Bornstedter Blättern überein. Kleine, scheinbare Unterschiede be- 
ruhen auf dem Erhaltungszustande des Sezanner Blattes. 

Unsere Pflanze gehört in den Formenkreis von Ficus alba 
Reinw. , sycomorus L. , purpura&cens Desf. und Muntia Link, von 
denen die erste (Taf. 13, Fig. A) mit einigen unserer Blätter völlig 



[261] Bornstedt. 103 

übereinzustimmen scheint. Ficus alba ist sonach ein langlebiger 
Typus, der sich von dein ältesten Tertiär bis zur Gegenwart kaum 
merklich verändert hat. Von Urtica photiniphyllaKih. unter- 
scheidet er sich durch die dick -lederartigen Blätter mit einem seit- 
lichen zweiten Basilärnervenpaare. 

Die nächst verwandte fossile Art ist Ficus 'platanifolia 
Sap (Et. Suppl. I, 2, pag. 1.39, tab. 8, fig. 2) von Aix. 

Ve r b r e i t u n g : 
Unter-Oligoeän: Bornstedt. 
Unter-Eocän: Sezanne. 

Conf. Ficus lanceolata Heer. 

Taf. 11, Fig. 4. 

Heee, flor. tert. Helv. II, pag. 62, Taf. 81, Fig. 2-5; III, pag. 182, Taf. 151 
Fig. 34, 35; Taf. 152, Fig. 13. 

Die Beziehungen unseres Blattes zu obiger Art sind unsicher, 
da es sehr schmal ist und nicht, wie die typischen Blätter von 
Ficus lanceolata, die grösste Breite über der Mitte zu haben scheint. 
Es schliesst sich am besten an Flor. tert. Helv. Taf. 151, Fig. .35 
und Taf. 152, Fig. 13 an. Die übrigen Blätter bei Heer sind 
breiter. Ficus lanceolata ist eine schlechte Art, in welcher sicher 
sehr heterogene Elemente vereinigt worden sind. Unter anderen 
müssen von ihr entfernt werden: Engelh.\rdt, Grasseth pag. 25, 
Taf. 5, Fig. 3 — 8; Engelhaedt, Leitmeritzer Mittelgebirge 
Taf. 5, Fig. 19, ein unbestimmbarer Blattrest; MassalonGO, Stud. 
Senogall. tab. 10— 11, fig. 7 und tab. 30,- fig. 8, der obere Theil 
eines Blattes, und Sismonda, Mater, tab. 15, fig. 5 — 6. 

Ficus tiliaefolia Al. Braun sp. 

Taf. 11, Fig. 5, 6 (?). 

Cordia (?) tiliaefolia Al. Bß.iuN, in Bhonn's Jahrb. 1845, pag. 170. 
Dombeyopsis tiliaefolia Ungeu, Gen. et speo. plant, foss. pag. 447 (1850). 

» » Sotzka pag.45, Taf.25, Fig.4— 5, 1— 3(?)(1850). 

» » Webeh, Palaeontogr. II, pag. 194 (1852). 

» » GÖPPERT, Palaeontogr. II, pag. 277, Taf. 36, Fig. 3 (1852). 



104 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. r2()'21 

Domheyopsis tiUaefolia Massälongo, Monografia d. Dombeyacee foss. pag. 12. 

■■■> » Ettingshausen, Tokay pag. 807 (1853). 

Ficus tiUaefolia Heek, flor. tert. Helv. 11, pag. 68, Taf. 83, Fig. 3 — 12: Taf. 84, 
Fig. 1 — 6; Taf. 85, Fig. 14 (1856). 
» » Ettingshausen, Köflach pag. 747 (1857). 

» » G-AUDiN et Stkozzi, Contrib. I, pag. 34, tab. 12, fig. 11 (1858). 

» » Hebe, flor. tert. Helv. III, pag. 183, Taf. 142 , Fig. 25; Taf. 152, 

Fig. 14 (1859). 
» » ÜNGER, Sylloge I, pag. 14, Taf. 6, Fig. 2 (1861). 

» » SisMONDA, Mater, pag. 48, tab. 17, fig. 5 (1865). 

» » ETa'iNGSHAUsEN, BiHn ,1, pag. 156, Taf. 25, Fig. 4, 5, 7 (1867). 

» » Stuk, Jahrb. der k. k. geol. Reiohsanst. 1867, I, pag. 161. 

(?) » » Ettingshausen , Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora Steiermarks 

pag. 55 (1869). 
» » Hbee, mioo. balt. Flora pag. 35, Taf. 8, Fig. 1; pag. 74, Taf. 21, 

Fig. 12 (1869). 
» » ScHiMPEE, traite de pal. veg. II, pag. 746, tab. 91, fig. 1 — 8 

(1870 — 72). 
» » Engelhaedt, Flora der Braunkohlenforra. im Königreich Sachsen 

pag. 19, Taf. 5, Fig. 1 (1870). 
» » Ungee, Szanto pag. 8, Taf. 2, Fig. 9 (1870). 

» » Lesqueeeux, Ann. Rep. 1871 pag. 287, 298, 299, Suppl. pag. 12, 16; 

Ann. Rep. 1872 pag. 375, 393; 1873 pag. 399; 1874 pag. 304. 
» » Engelhaedt, Göhren pag. 25, Taf. 4, Fig. 6 (1873). 

» » Lesqueeeux, foss. plants of the auriferous gravel deposits of the 

S. Nevada pag. 18, tab. 4, fig. 8, 9 (1878). 
» » Lesqueeeux, Tert. flor. j^ag. 203, tab. 32, fig. 1 — 3; tab. 63, fig. 8 

(1878).-" 
» » Engelhaedt, Grasseth pag. 26, Taf. 6, Fig. 1, 2 (1881). 

» » Wentzel, Flora der tert. Diatomaceensch. von SuUoditz (Sitzungs- 

bericht der Wiener Akad. Bd. 83, Märzheft pag. 13) (1881). 
Dombeyopsis graiidifolia Unger, gen. et spec. pag. 447 (1850). 

» » Unger, Sotzka Taf. 26: Taf. 27, Fig. 1 (1850). 

» » GöppERT, Palaeontogr. II, pag. 278, Taf. 37, Fig. 2 b 

(1852). 
» » Ettingshausen, Wildshut pag. 48, Taf. 5, Fig. 1 — 2 

(1852). 
» » Massälongo, Dombey. foss. pag. 14. 

» » Ettingshausen, Monte Promina pag. 37 (1854). 

Credneria Beckeriana Göppert, Uebers. der foss. Flora Schlesiens . in Wimbier's 

Flora von Schlesien II, pag. 220 (1845). 
Tilia prisca Al. Be.4un, in Unger's Synopsis pag. 234 (1845). 
Dombeyopsis sidaefolia Unger, gen. et spoc. pag. 448 (1850). 

» ('f) aequalifolia Göppeut, Palaeontogr. II, pag. 278, Taf. 36, Fig. 4: 

Taf. 57, Fig. 2a (1852). 
» • » LKSQUEREu.-i, Suppl. to Ann. Rep. 1871 pag. 10. 



[2(53] Bornstedt. 105 

Acer Becker ianmii Göppekt, Palaeoutogr. 11, pag. 279, Tat'. 37, Fig. "-'c (1852). 
Tilia permutabilis Göppert, ibid. pag. 277, Taf. 37, Fig. 1. 
Dombeyopsis Stizenbergeri Heek, Verzeichniss der Tertiärtlora pag. 50. 
Ficus Langeri Ettinqshausen, Sagor I, pag. 188, Taf. 7, Fig. 9 (1872). 

» sordida Lesquereu.x, foss. pl. of the aurif. grävel deposits of the S. Nevada 
pag. 17, tab. 4, fig. 6, 7 (1878). 

Folia longe petiolata, ampla, sub rotu ndata, oblique 
ovata vel ovato - oblonga, basi profunde cordata , p)l^>'uniqi(,e 
inaeqxiilatera, apice plus minus acuminata , integerrima. Nervi 
primai'ii 3 — 7 ; secundarii sub angtdo 40 — 50^ oriefites, camptodromi, 
tertiarii sub angulo recto eaieuntes, quaternarii dictyodromi, reie poly- 
gonum eformantes. (f) Receptacula globosa, breviter pedicellata. 

Zu dieser weit verbreiteten Art gehört sicher das Blatt Fig. 6, 
welches sich gut an die Schweizer Blattform anschliesst. Die Basis 
ist unsymmetrisch herzförmig; die 3 — 4 Secundärnerven jederseits 
sind von einander und von den Basilärnerven gleich weit entfernt. 
Unsere Fig. 5 weicht durch die dichter stehenden Secundärnerven 
von den typischen Blättern der Ficus tiliaefolia ab. 

Trotz der Gestaltenfülle der Blätter lässt sich Ficus tiliaefolia, 
wie sie von Heer begrenzt und begründet worden ist, jederzeit 
scharf von allen verwandten Blattformen unterscheiden. Es ge- 
hören zu ihr nur einfache, ganzrandige Blätter. Ettingshausen 
will zwar einen U ebergang von einfachen zu dreilappigen Blatt- 
formen an den bisweilen stärker hervortretenden Einbuchtungen 
der Oeninger Blätter erkannt haben und glaubt somit, das drei- 
lappige Blatt Bilin I, Taf. 25, Fig. 10 und in Folge dessen alle 
bisher als Ficus Dombeyopsis üug. , Dombeyopsis Decheni Ludw., 
Domb. tridens Ludw. etc. beschriebenen dreilappigen Blätter mit 
Ficus tiliaefolia vereinigen zu müssen. Indessen ist die Kluft zwi- 
schen den einfachen, ganzrandigen und den dreilappigen Blättern 
so gross und die Einbuchtung an den unzweifelhaften Blättern 
von Ficus tiliaefolia, wenn vorhanden, so gering, dass eine Aus- 
dehnung des Artbegriffes im ETTiNGSHAUSEN'schen Sinne willkür- 
lich sein würde. Trotzdem wird das zweilappige Blatt flor. tert. 
Helv. in, Taf. 152, Fig. 14 bei unserer Art verbleiben können, 



106 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2641 

da es, wie leicht aus der Abbildung zu ersehen, als abnorme Form 
aufzufassen ist. 

Ficii.s tiliaef olia Engelh., Sitzungsber. der Isis 1880, 
pag. 61, Taf. 1, Fig. 14, weicht gänzlich von unserer Art ab. 
Ebenso muss Ficus tiliaef olia Engelh., Leitmer. Mittelgeb. pag. 38, 
Taf 5, Fig. 18, ausgeschieden werden, da ihm die Basilärnerven 
fehlen. — Donibeyopsis grandifolia Lesq., Tert. flor. pag. 255, 
tab. 47, fig. 6, ist ein zur genaueren Bestimmung ungeeignetes Blatt- 
stück. Aus gleichen Gründen sind die von Heer in seiner mioc. 
halt. Flora 1. c. abgebildeten Blätter zweifelhaft. — Dombei/oj^sis 
tiliaef olia und grandifolia Göpp. von Grönland (Abhandl. 
der Schles. Ges. 1861, pag. 199) gehören nach Heer (flor. foss. 
arct. pag. 111) zu Pojyuhis arctica Heer. 

Ficus Langeri Ett. (Sagor I, Taf. 7, Fig. 9) soll sich von 
unserer Art durch die nicht herzförmige Basis und die geringe 
Anzahl der Secundärnerven unterscheiden. Da eine nicht aus- 
gebuchtete Basis aber auch an zweifellos zu unserer Art ge- 
hörenden Blättern (flor. tert. Helv. Taf 83, Fig. 3, 4, 9) vorkommt 
und ein geringes Schwanken in der Anzahl der Secundärnerven 
(bei Ficus Langeri 3, bei den Schweizer Blättern ca. 4, bei den 
Blättern von Sotzka 5 jederseits) nicht von Belang ist, ist kein 
Grund vorhanden" das Blatt von Sagor zu trennen. 

Lebende Analoga: Asiatische Arten, z. B. Ficus apiculata 
Miq. (Java), dasyphylla Miq. (Ceylon), javanica Miq. und obtusa 
Hassk. (Java) ; nach Heer Ficus macropkylla Desf. und nynvpheae- 
folia L. (Urostigma Miq.), mit dessen Receptakeln ein von Oeningen 
stammendes fast übereinstimmt (Flor. tert. Helv. Taf. 85, Fig. 14); 
nach Lesquereux Ficus sycomorus L. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Fliocän: Zillingsdorf und Neufeld bei Wien. 
Ober-Miocän: Oeningen, Elgg (Cant. Zürich), Herderen (Cant. 
Thurgau); Tokay, Szanto, Ryolithtuff von Tallya 
und Jastraba, Trachyttuff von Handle va, Ska- 
lamlin, Szakadat. Guarene, Arnothal, Sienna. 
Mittel-Miocän: Köflach, Leoben. 
Unter-Miocän: Sagor, Sulloditz; Lausanner Tunnel. 



[265] Bornstedt. 107 

Ober - Oligocän: Stösschen bei Bonn, Seifhennersdorf in Sach- 
sen, Priesen (plast. Thon), Grasseth, Sotzka. 

Mittel-Oligocän: ? Samland, ? Rixhöft. 

Unter - Oligocän: Bornstedt, Göhren; Monte Promina. 

Nordameriiia: In der 1. bis 3. Gruppe verbreitet; ausserdem in 
den Gold -führenden Schichten von Chalk Bluffs, 
Nevada County, Californien (1. Gruppe). 

Sonstige Fundorte: Striese bei Praussuitz, Wildshut. 

Verwandte Arten: 

1. Ficus grandifolia Ung., Szanto pag. 8, Taf. 2, Fig. 10. 
Blätter fast kreisrund, an der Spitze eingedrückt. 

2. Ficus Dombeyopsis Ung., Syll. I, pag. 1,3, Taf. 5, Fig. 1 — 7; 

Taf. 6, Fig. 1 (1861). 
(?) » » Heer, mioc. balt. Flora pag. 74, Taf. 1 7, 

Fig. 11 (1869). 
Sterculia » Schimp., traite de pal. veg. III, pag. 102 

(1874). 
Ficus lobata Ung., gen. et spec. pag. 447 (1850). 
DombeyoiJsis Decheni Ludw. , Palaeontogr. VIII, pag. 126, 
Taf. 49, Fig. 1 (1860). 
tridens Ludw., ibid. pag! 127, Taf. 49, Fig. 2—3. 
Ficus tilictefolia Ett., Bilin I, pag. 156, Taf. 25, Fig. 10 (1867). 
Ett., Wetterau pag. 844, Taf. 2, Fig. 9 (1868). 
Sterculia Ludiüigii Schimp., traite de pal. veg. Ill, pag. 102 

(1874). 
Alle genannten Pflanzen müssen wir vorläufig mit der Unger- 
schen Art vereinigen. Dombeyopsis Decheni Ludw., 1. c. Fig. 1, 
eine zum Theil unrichtige Wiedergabe des Originals, welche sich 
in der Sammlung der Bergakademie befindet, schliesst sich am 
besten der UNGER'schen Fig. 1 an. Das Blatt, Palaeontogr. VIII, 
Taf 49, Fig. 3, ist am Rande, der, obwohl von Ludwig schon 
dargestellt, erst von mir zum Theil blossgelegt werden musste, 
schwach gebuchtet, wie die von Ünger abgebildeten Blätter. 
Das Blatt bei Unger, Syll. I, Fig. 4, ist sicher falsch dargestellt; 
seine Basis muss an der Insertion des Blattstieles beginnen, 



108 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2661 

Ein Vergleich der dreilappigen Blätter der lebenden Gattungen 
Ochroma, Cheirostemum , Stercuüa und Ficus lehrt die Unmöglich- 
keit, nach solchen Blättern allein die Gattung zu bestimmen. In 
derartigen Fällen ist eine Trennung besser als eine Vereinigung 
ähnlicher Blätter. Vorläufig müssen mindestens Ficus Donibeyopsis 
Ung., Ficus tiliaefolia AI. Br. sp. und Bombax Decheni Web. sp. 
als selbstständige Arten betrachtet werden. 

Verbreitung: Mittel- und Ober-Oligocän. 

3. Ficus i^lanicostata Lesq., Tert. flor. pag. 201 , tab. 31; 

tab. 33, tig. 1 — 3. 
Eiförmig, kurz zugespitzt oder abgerundet, am Stiele herab- 
laufend, symmetrisch. Nerven breit, Secundärnerven von den 
Basilärnerven weit entfernt (1. Gruppe). 

4. Ficus occidentalis Lesq., Tert. flor. pag. 200, tab. 32, fig. 4. 
Sehr ähnlich unserer Art, aber länger zugespitzt und am 

Grunde der herzförmigen Basis am Stiele herablaufend (I. Gruppe). 

5. Ficus (?) Groenlandica Heer, Contrib. to the foss. flor. of 

N. Greenland (flor. foss. arct. II) 

pag. 472, tab. 54, fig. 2 und flor. 

foss. arct. pag. 111, Taf. 13, Fig. 6 

von Atanakerdluk. 

An beiden Blättern fehlt der Rand. Wenn überhaupt zu 

Ficus gehörig, unterscheiden sie sich von unserer Art, zu der sie 

Heer zu stellen geneigt ist, durch die grosse Entfernung der 

Secundärnerven von den Basilärnerven. 

6. Sterculia (?) oariabiiis Sap., Sezanne pag. 400, tab. 12, 

fig. 6— 7 = Ficus Micheloti Wat., 

Paris pag. 157, tab. 44, fig. 4. 

Eiförmig, zugespitzt, Basis am Blattstiele verschmälert, fast 

symmetrisch ; Secundärnerven von den Basilärnerven weit entfernt 

und von geringer Zahl ; ähnlich der Ficus 'planicostata Lesq. 

(Sezanne). 

7. Sterculia (f) modesta Sap., Sezanne pag. 401, tab. 12, fig. 2, 
ähnlich der vorigen Art (Sezanne). 



i 



[2G7] Bornstedt. 109 

8. Aralia (f^ cordifolia Sap,, Sezanne tab. 10, f5g. 2, mit 
nur 2 Secundärnerven jederseits (Sezanne). 



Laurineae. 
Cinnamomuin lanceolatum Unger sp. 

Taf. 16, Fig. 5 und 10. 

Heer, Bornstedt pag. Ifi, Taf. 3, Fig. 2 (1870). 
Siehe diese Abhandl., Städten, pag. 58. 

Von den typischen Blattformen dieser Art weichen unsere 
Blätter durch die tiefere Lage der grössten Breite ab. Sie nähern 
sich in dieser Hinsicht Unger, Sotzka Taf. 16, Fig. 4 und Weber, 
Palaeontogr. II, Taf. 20, Fig. 8. Unsere Fig. 10 erinnert an 
Daphnogene Ungeri Sap., Et. III, 3, tab. 8, fig. 3, welche aber 
eine deutlich abgesetzte Basis besitzt. 

Cinnaiaoiiium Schenchzeri Heer. 

Taf. 16, Fig. 3, 4, U, 13. 

Siehe diese Abhandl., Knollensteinflora, pag. 24, und Eisleben. 

Cinnamoiuum Scheuchzeri Heek, flor. tert, Helv. II, pag. 85, Taf. 91, Fig. 4 — 24; 

Taf. 92; Taf. 93, Fig. 1, 5 (1856). 
» » Massalongo, stud. Senogall. pag. 266, tab. 35, fig. 22 

(1859). 
» » SisjiONDA, Prodr. flor. tert. Piem. pag. 12- (1859). 

» » Ludwig, Palaeontogr. VIII, pag. 109, Taf. 41, Fig. 1 — 14 

(1860). 
» » Gaudin et Stbozzf, Contrib. 11, pag. 49, tab. 8, fig. 5, 7 

(1860). 
» » Heer, Bov. Trac. pag. 1063, tab. 67, fig. 9—16; tab. 68, 

fig. 12; tab. 55, fig. 4e (1862). 
» lanceolatum Sismonda, Mat. pag. 52, tab. 24, fig. 7 (1865). 

'> » Unger, Kumi pag. 30, Taf. 7, Fig. 11 — 24 (1866). 

» » Stur, Jahi-buch der k. k. geol. Reichsanstalt 1867, I, 

pag. 165. 
» » EmNGSHAu.'iEN, Wetterau pag. 850, Taf. 3, Fig. 9 (1868). 

» » » Bilin II, pag. 198, Taf. 33, Fig. 4-6, 12 

(1868). 
» » » Steiermark pag. 62 (1869). 



wo Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [268] 

Cinnamomum lanceolatmn Heer, mioc. balt. Flora pag. 76. Taf. 22, Fig. 6 — 13 
(18B9). 
» » ÜNQEK, Radoboj pag. 16, Taf. 1, Fig. 4 — 6, 7 — 9 (?); 

Taf. 5, Fig. 8 — 10 (1869). 
» » Heer, Bornstedt pag. 16, Taf. 3, Fig. 3 (1870). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. H, pag. 840, tab. 92, 

fig. 23 — 31 (1870 — 72). 
» » Ettingshausen, Sagor I, pag. 193 (1872). 

» » Heer, Zsilythal pag. 17, Taf. 3, Fig. 2; Taf. 5, Fig. 5, 6 

(1872). 
» » Lesquereux, Contrib. to the foss. flor. of the Western 

territ., cretac. flor. pag. 83, tab. 30, fig. 2, 3 (1874). 
» » Engelhardt, Leitmeritzer Mittelgeb. pag. 406, Taf. 11, 

Fig. 12—14 (1876). 
C?; » » Lesquereux, Tert. flor. pag. 220, tab. 37, fig. S (1878). 

» » Engelhardt, Grasseth pag. 31, Taf. 8, Fig. 13, 14: 

Taf. 9, Fig. 7, 8 (1881). 
» » Wentzel, Flora der tert. Diatoniaoeenseh. von SuUoditz 

pag. 14 (1881). 
Phyllites cinnamomeus Rossm.^ssleb, Altsattel pag. 23, Taf. 1, Fig. 3 (1840). 
Ceanothus pohjmorphus Ungeu, Chlor, prot. pag. 145, Taf. 49, Fig. 12, 13 (1847). 
Daphnogene polymorpha, Ettingshausen, Wien pag. IG, Taf. 2, Fig. 24, 25 (1851). 
Ceanothus polymorphus Weder, Palaeontogr. II, pag. 206, Taf. 23, Fig. 4 (1852). 
Daphnogene polymorpha, Ettingshauses, Tokay Taf. 1, Fig. 10 (1853). 
Ceanothus bilinicus Ungek, Chlor, prot. pag. 145, Taf. 49, Fig. 9 (1847). 
Populus mutabilis Lui>iyig, Palaeontogr. V, pag. 141, Taf. 30, Fig. 1 — Id 
(1855 — 58). 

Folia coriacea, elliptica, ovata vel öblonga, petiolata, 
pedunculis articulatis , triplineroia; nerv, laterales margini 
paralleli vel subparalleli, apicein non atting entes. Pedicelli 
apice incrassati, perianthium breve, deciduum. Fructus ovati, semi- 
poUicares. 

Die Blätter dieser Art siiuJ in der Mitte am breitesten und 
verschmälern sich gleichmässig nach oben nnd unten. Die Seiten- 
nerven laufen dem Rande parallel und verbinden sich mit den 
Secundärnerven in etwa '-^/i^ Blatthöhe. 

Fig. 3 und Fig. 1 1 haben die Gestalt der typischen Formen 
dieser Art. Das Blatt Fig. 13 scheint längere Seitennerven be- 
sessen zu haben. Fig. 4 stellt ein verkrüppeltes Blatt von Cin/i. 



I 



[269] Bornstedt. 111 

Scheuchzeri dar, wie man es häufig an lebenden Cinnamomum- 
Arten beobachtet. 

Die schmalen, langgestreckten Blätter von Cinnamomum 
Scheuchzeri mt., Bilin II, Taf. 32, Fig. 2— 10 und Taf. 33, 
Fig. 10, 11, gehören zu Cm/i. lanceolatum. — Die beiden Blätter 
von Cinn. Scheuchzeri Ijesq., aus der Kreide des westl. Kansas, 
lassen sich nicht von den HEER'schen Blättern unterscheiden, und 
man ist gezwungen, die Identität derelben aufrecht zu erhalten, wenn 
man nicht eine besondere Art anzunehmen vorzieht, welche in 
manchen Blättern mit dem tertiären Cinnamomum übereinstimmt. 

Cinnamomum sextianum Sap. (Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 
4. ser., XVII, pag. 243, tab. 7, fig. 6 und Suppl. I, pag. 45, tab. 8, 
fig. 11) und Cinn. aquense Sap. (Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 
4. ser. , XVII, pag. 244, tab. 7 , fig. 7), beide von Aix , unter- 
scheiden sich kaum merklich von unserer Art. 

Verwandte lebende Art: Cinna^nomum pedunculatum 
Thunb. (Japan), Zu der Gattung Cinnamomum rechnet man 50 
fast ausschliesslich im tropischen und subtropischen Asien vor- 
kommende Arten, welche aber nach Bentham auf 10 Arten 
zusammenschmelzen dürften. Australien hat nur 1 Art, Cinn. 
Tamala in Queensland, die zugleich auch auf dem asiatischen 
Continente vorkommt. 

Ve rb reitung unserer Art: 

Ober - Miocän: Sieblos?, Hernais, Breiteusee, Oeningen, Schrotz- 
burg, Berlingen (Cant. Thurgau), Albis, Tokay, 
Sansino (Arnothal), Sinigaglia. 
Mittel- Miocän: Leoben, Sulloditz, Turin. 

Unter-Miocän: Mttnzenberg, Rockenberg, Seckbach; Kntschlin 
(Polirschiefer), (?)LiebibergbeiGünzburg, Sagor, 
Radoboj; St. Galler Findlinge, Eriz, Ruppen. 
über - Oligocän: Hessenbrücken, Salzhausen, Selzen, Nieder- 
rhein (Orsberg, Ofenkaule, Quegstein, Allrott, 
Stösschen, Rott) ; Altsattel, Schüttenitz, Gras- 
seth, Priesen (plast. Thon), Zsilythal; Monod, 
Hohe Rhenen. 



112 Beschreibung der Localfloren der Provinz Saclisen. [2701 

Mittel-Oligocän: Rixhöft. 

Unter-Oligocän: Bornstedt , Eisleben (Segengottesschacht), 

Schortau bei Weissenfeis. 
Mittel-Eocän: Bovey Tracey. 
Nordamerika: (?)Spring Canon, Montana (I.Gruppe), (?) Western 

Kansas (Kreide). 
Sonstiger Fundort: Kumi. 

Ciunamomum polymorphum Al. Braun sp. 

Taf. 16, Fig. 12 und 14. 

Ceanothus polymorphus Al. Bkaus, in Leosh. und Bron.n's Jahrb. 1854, pag. 171. 

> ■> Unoer, Swoszowice pag. 12fi, Taf. 14, Fig. 17, 18 (1850). 

Daphnogene polymorplia Ettingshausen, Heiligenkreuz bei Kremnitz pag. 9, Taf. 1, 

Fig. 10 (1851). 
» » » Wüdshut pag. 47 (1852). 

» » .> Monte Promina pag. 30, Taf. 6, Fig. 1—8; 

Taf. 7, Fig. 1, 2 (1854). 
Camphora » Hebe, flor. tert. Helv. I, pag. 112 (1855). 

Cinnamomum 'polymorphum Heer, ibid. II, pag. 88, Taf. 93, Fig. 25 — 28 F; 
Taf 94, Fig. 1—26 (1856). 
» > Heer, ibid. III, pag. 185 (1859). 

» » ^- Mass-\losqo, stud. Senogall. pag. 263, tab. 7, fig. 10, 

11, 12(?), 13 (1859). 
» » SiSHONDA, Prodr. flor. tert. Piem. pag. 12 (1859). 

» » Ludwig, Palaeontogr. VIH, pag. 1 10, Taf. 42, Fig. 2-4, 

8(?), 9, 11 (?) (1860). 
» » SiSMONDA, Mater, pag. 52, tab. 24, fig. 2 — 4; tab. 25, 

fig. 4 (186.5). 
» /> Saporta, Et. 11, 3, Ann. d. sc. nat. 5. ser. , IV, 

pag. 184 (1865). 
» >> » Et. III, 3, ibid. VIII, pag. 83, tab. 8, fig. 1 

(1867). 
» » » Et. HI, 4, ibid. IX, pag. 41, tab. 1, fig. 7; 

tab. 4, fig. 17; tab. 5, fig. 1.— 4 (1868). 
>; * » Suppl. I, ibid. XVIII, pag. 44, tab. S, 

fig. 7-9, 12 (1872 — 73). 
» » Stur, Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt 1867, I, 

pag. 168. 
» » Ettingshausen, Bilin 11, pag. 198, Taf. 33, Fig. 20 — 22 

(1868). 



[271] Bornstedt. 113 

Cinnamomum polytnorphum Ettingshausen, Wotterau pag. 45 (186S). 

» » ScHiMPEK, traite de pal. veg. II, pag. 842, tab. 92, 

fig. 15 — 22 (1870—1872). 
C?J » » Ettingshausen, Sagor I, pag. 193, Taf. 10, Fig. 5 — 11 

(1872). 
(^) » » Engelhaedt, Leitmeritzer Mittelgeb. pag. 380, Taf. 6, 

Fig. 1 — 4 (1876). 
(?) » » Wentzel, Flora der Diatom aceensoh. von SuUoditz 

pag. 15 (1881). 
» » Engelhardt, G-rasseth pag. 30, Taf. 4, Fig. 11; Taf. 8, 

Fig. 7 — 11 (1881). 
Pliyllites cinnamomevs Rossmässlek, Altsattel pag. 23, Taf 1, Fig. 1 (1840). 
Rhamnus ierminalis Al. Bkaun, in Buekiand, geology pag. 513. 
Prinos Lavaieri Al. Bkaun, in Leonh. und Beonn's Jahrb. 1845, pag. 171. 
Daphnogene cmnamomifolia Ettingshausen, Monte Promina pag. 31, Taf. 7, Fig. 8 

(1854). 
Cinnamomum camplioraefoUum. Sapokta, Et. I, 4, Ann. d. so. nat. 4. ser., XVII, 
pag. 242, tab. 7, fig. 4 (1862). 
» » ScHiMPER, traite de pal. Teg. II, pag. 845 (1870 — 72). 

» Buchii Sapokta, Et. I, 4, pag. 243 (1862). 

» ovale Sapokta, ibid. pag. 243 (1862). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 846 (1870 — 72). 

Folia coriacea, longe petiolata, ouata, elliptica vel ohovata, 
basi attenuata, apice breviter acttminata, tripUnervia ; nervi 
laterales suprabasilares margini non paralleli, apicem 
non attingentes, axillis interdum glandulosi. Flores minuti, 
sepala apice obtusa; fructus ooati, breviter acuminati. 

Unsere Art steht in der Mitte zwischen Cinn. Scheuchzeri 
und Cinn. Buchii Heer. Von ersterer unterscheidet sie sich 

1. durch den längeren Stiel, 

2. durch die dem Rande nicht parallelen und von ihm weiter 
entfernten Seitennerven, 

3. durch die deutlich abgesetzte Blattspitze. 

Die grösste Breite liegt in der Kegel in oder nur wenig 
über der Mitte des Blattes, bei den Blättern von Cinn. Buchii 
stets über der Mitte. 

Unsere Fig. 12 vereinigt alle genannten Merkmale von Cinn. 
poli/morphu7n. In Fig. 14 liegt die grösste Breite tiefer, aber die 



1 14 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2721 

dem Rande nicht parallel laufenden Seitennerven und der aus- 
geschweifte obere Blattrand weist das Blatt derselben Art zu. 

EttingshaüSEN dehnt den Ärtbegriff von Cinn. polymorphum 
zu weit aus, indem er mit letzterem Blätter wie Bilin 1. c. 
Fig. 17 — 19 vereinigt, welche von den HEER'schen Formen im 
Wesentlichen abweichen. Die von ihm zu derselben Art ge- 
brachten Blüthenbruchstücke ibid. Fig. 14 und 15 sind zur Art- 
bestimmung ungeeignet. — Das Blatt in Sagor I, Taf. 10 , Fig. 1 
gehört zu Cinn. lanceolatum, die Blüthen, Knospen und Früchte 
ibid. Fig. 5 — 11 sind zweifelhaft. — Daphnogene polymorpha Ett., 
Wien Taf. 2, Fig. 24 und 25, muss mit Cinn. Scheiichzeri vereinigt 
werden; Fig. 23 stellt ein zur Artbestimmung unbrauchbares Blatt- 
bruchstück dar. — Daphnogene polymorpha Ett., Häring pag. 45, 
Taf 31, Fig. 4 und 5 (Fig. 11 mit nicht verschmälerter Basis ist 
wohl kein Cinnamomum'), gehört, ebenso wie Daplmogene grandifolia 
und cinnamomifolia Ett. von demselben Fundorte, wahrscheinlich 
zu Cinnamomum Rossmaessleri Heer mit bis zur Spitze reichenden 
Seitennerven. — Bei dem von Heer zu unserer Art gezogenen 
Ceanothus subrotunduf! Web. (Palaeontogr. H, Taf. 23, Fig. 6) 
ist die Spitze nicht deutlich abgesetzt. Dasselbe gilt von Cea- 
nothus subrotundus Ung. (Chlor, prot. pag. 144, Taf 49, Fig. 7). — 
Von den LuDWiG'schen Blättern in Palaeontogr. VIH, Taf 42 
können mit Sicherheit nur Fig. 2 — 4 bei unserem Art gelassen 
werden. — Cinn. polginorphum, Lesq., Tert. flor. pag. 221, tab. 37, 
fig. 6, unterscheidet sich durch den nicht ausgeschweiften oberen 
Blattrand, ibid. fig. 10 ist ein unbestimmbares Blattstück. Ebenso 
ist Cinn. polymorphum Engelh., Leitm. Mittelgeb. pag. 405, Taf 11, 
Fig. 11, der Art nach nicht bestimmbar. 

Cinnamomum äff itie hesq. nähert sich mehr Cinnamomum 
Scheuchzeri als unserer Art, desgleichen Cinn. ellipsoideum Sap. 
et Mar. (Revision pag. 61, tab. 9, fig. 7 — 9) von Gelinden wogen 
des nicht ausgeschweiften, oberen Blattrandes. 

Der Typus Cinn. polymorpliuvi,., welcher sich, wie auch das 
schmalblättrige Cinn. lanceolatum, an das lebende Cinn. Cam- 
phora anschliesst, umfasst noch Cinn. Buchii Heer, spentabile 
Heer und tra iisoerstiin Heer, welche sich durch immer breitere 



[273] Bornstedt. 115 

Blätter von einander unterscheiden. Es ist fast unmöglich, diese 
Arten in jedem Falle zu trennen, da die Unterschiede oft nur auf 
einem »mehr oder weniger« beruhen, und man wird bei einer 
grösseren Fülle von noch mehr vermittelnden Formen gezwungen 
sein, später die Mehrzahl derselben als Varietäten einer und der- 
selben Art aufzufassen. 

Ve r b r e i t u n g : 

Ober - Miocän: Heiligenkreuz und Erlau (Rhyolithtuff), Swoszo- 
wice; Oeningen, Schrotzburg, Wangen, Steck- 
born, Berlingen, Albis; Sinigaglia, Guarene. 

Mittel-Miocän: Luzern, Turin. 

Unter- Miocän: Münzenberg, Rockenberg, Seckbach; Menilit- 
opal des Schicliower Thaies, Polirschiefer von 
Kutschlin, Holaikluk (?), Sulloditz (?), Sagor(?); 
St. Galler Findlinge, Ruppen, Eriz, Lausanne, 
Liebiberg bei Günzburg (?); Thone von Mar- 
seille. 

Ob er - Oligocän: Hessenbrücken, Nieder-Olm; Altsattel, Gras- 
seth; Wäggis, Monod; Armissan, Peyriac, 
Manosque (Bois d'Asson). 

Unter-Oligocän: Bornstedt, Monte Promina, Aix. 

Die F'rüchte von Cinn. 'polymorplmin sind »oval und vorn 

stumpf zugerundet, doch mit einer kleinen, hervortretenden Spitze 

benabelt«. Diese Merkmale sind an Fig. 16 deutlich zu sehen. 

Die Frucht Fig. 15 besitzt die Spitze nicht, hat aber die gleiche 

Form und passt noch weniger zu den Früchten der übrigen 

Arten. — Die Früchte von Phoebe Sellowii^ welche ebenfalls 

eine kurze Spitze tragen, sind kugelrund. 

Litsaea Muelleri nov. spec. 

Taf. 16, Fig. 6 — 9. 
Ciiinamomum Rossmaessleri Heer, Bornstedt pag. 14, Taf. .i, Fig. 4a (1870). 

Folia coriacea, elliptico- lanceolata, utrinqv e sensim 
attenuata , petiolata, trvplinervia , paulum infra medium latissima, 



116 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [^741 

nervi laterales suprabasüares margini subjoaraUeli, foliuni medium 
attingentes, in axillis interdum glandidosi. 

Die Blätter dieser, Herrn Dr. Müller zu Boriistedt gewid- 
meten Art, unter allen Blättern vom Typus Cinnamomum die 
häufigsten, unterscheiden sich von den bis jetzt bekannten Cinna- 
mo«iM?;i- Blättern durch die elliptisch -lanzettliche Gestalt, die sehr 
allmälige Zuspitzung, die unter der Mitte liegende grösste Breite, 
die weit über der Basis entspringenden Seitennerven, welche schon 
in der mittleren Höhe endigen, die zahlreichen Secundärnerven 
und die unter spitzem Winkel entspringenden Tertiärnerven. Unsere 
Art erinnert noch am meisten an Cinn. lanceolatum Ung. sp. und 
sezannense -Wat. Von ersterem unterscheidet sie die grössere 
Breite, von letzterem der Verlauf der Tertiärnerven. Das Auf- 
treten von Drüsen in den Achseln der Seitennerven (Fig. 9) ist 
nicht wichtig zur Artbestimmung. 

Die besten lebenden Analoga gehören zur Gattung Litsaea 
und schliessen sich an Litsaea foliosa Nees an. 

Die nächst verwandten, fossilen Arten gehören fast ausschliess- 
lich dem ältesten Tertiär an. Es sind: 

1. Litsaea e latiner vis Sap. et Mar. (Revision pag. 70, 
tab. 11, fig. 4) mit unter spitzerem Winkel ausgehenden 
Secundär- und rechtvs'inklig vom Hauptnerv abzweigenden 
Tertiärnerven, 

2. Litsaea expansa Sap. et Mar. (I.e. pag. 68, tab. 11, 
fig. 1, 2), 

3. Daphnogene elegans Wat. mit breiteren Blättern, . 

4. Litsaea magnifica Sap. (Et. II, 3, Ann. d. sc. nat. 
5. ser., IV, pag. 136, tab. 7, fig. 6) mit deutlich abgesetzter 
•Spitze, weniger zahlreichen Secundärnerven und unter 
rechtem Winkel entspringenden Tertiärnerven, 

5. Litsaea elongata n. sp. von Bornstedt. 

Litsaea viiocenica, Ett. (Steiermark pag. 15, Taf. 3, Fig. 5 — 7) 
gehört nacli Schimpeu zu Oreodaplme stiriaca Ett. 



[275] Bornstedt. 117 

Zu Litsaea gehören über 140 lebende Arten. Die meisten 
sind über das tropische und östhche Asien vom Malayischen Ar- 
chipel bis Japan, Neu-Holland, Neu-Seeland und Neu-Caledonien 
verbreitet: nur vpenige kommen auch in Nordamerika vor. Die 
beiden australischen Arten, zugleich die nächsten Verwandten der 
oben genannten tertiären Pflanzen, sind Litsaea cleaLbata Nees 
(Queensland und Neu -Süd -Wales) und Litsaea foliosa Nees 
{== Lits. zeylaniea, Queensland bis Ostindien). 

Verbreitung der verwandten fossilen Arten: 

1. Litsaea elongata noy. spec: Unter- Oligocän (Bornstedt). 

2. » magnifica Sap. : Ober-Oligocän (Armissan). 

3. » eicpansa und elatinervis Sap. et Mar.: Unter- 

Eocän (Gelinden). 

4. Daphnogene elegans Wat. : Unter- Oligocän (Knollenstein) und 

Unter- Eocän (Sezanne). 

Litsaea elongata nov. spec. 

Taf. 16, Fig. 1 — 2. 

Folia coriacea, longe petiolata, elliptico - lanceolata , basi an- 
gustata^ apice longe acicminata, inferiore parte latissima, 
triplinervia , aadllis interdum glandulosa; nervi laterales suprabasi- 
lares margirii paralleli, raarginem mediiom attingentes, nervi 
secundarii numerosi, tertiarii e primaria angulo sub- 
recto egredientes. 

Die beiden abgebildeten Blätter unterscheiden sich von denen 
der vorigen Art durch die tiefere Lage der grössten Breite, die 
nahe der Basis entspringenden Seitennerven und die fast recht- 
winklig am Hauptnerv entspringenden und geradlinigen Tertiär- 
nerven. Da die analogen lebenden Arten hinsichtlich der Stel- 
lung der Nerven sehr variiren, liegt die Vermuthung einer 
Zusammengehörigkeit der sämmtlichen Litsaea -Blätter von Born- 
stedt nahe. 

Die beste Analogie besitzen die Blätter von Litsaea foliosa 
Nees var. caesia Meissn. Gleichgestaltete Blätter mit derselben 



118 Beschreibung der Loc.alfloren der Provinz Sachsen. [2761 

Anordnung der Nerven hat Dajyhnidium triplineroia Bl. 
(Java). Bei Daphn. str i/ chnif oliiim Sieb. (China) kommen die 
Seitennerven aus der Basis, bei Daphn. a6■M»^^';taiwm Bl. (Java) 
aus dem Hauptnerv in ungleicher Höhe über dem Blattgrunde. 



Phoebe transitoria Saporta sp. 

Taf. 15, Fig. 4. 

Daphnogene transitoria Saporta, Et. II, 2, Ann. d. sc. nat. 5. ser. , III, pag. 94, 
tab. 3, fig. 9 (1865). 
» » ScHiMPEK, traite de pal. veg. II, pag. 854 (1870 — 72). 

Laurtis (Oreodaphne ?) reaurgens Saporta, Et. III, 3, Ann. d. sc. nat. 5. ser., VIII, 

pag. 78, tab. 8, fig. 5 (1867). 
Oreodaphne resargens Schimper, traite II, pag. 848 (1870 — 72). 

Folia coriacea, petiolata, ohlonga, utrmque atteimata, tripliner- 
via; nervi laterales subbasilares , margini non paralleli, 
cum secundariis remotis curoato - ascendentibus anastomotsantes , nervi 
tertiarii angulo subrecto Orientes. 

Daphnogeiie transitoria Sap. stimmt bis auf die ein wenig ab- 
weichende Spitze mit unserem Blatte überein, ebenso Laurus resur- 
gens Sap. (Et. IH, 3). — Bei der verwandten Oreodaphne (f) 
apicifolia Sap. efTVIar. (Revision tab. 9, fig. 10) von Gelinden 
ist die Blattspitze sehr lang, und die grösste Breite liegt weit unter 
der Mitte. — Ficus dalmatica Ett. (Monte Promina Taf. 7, 
Fig. 11), deren Gattungsbestimmung noch zweifelhaft ist, unter- 
scheidet sich durch die tiefer liegende grösste Breite und die dicht 
am Rande verlaufenden Seitennerven. 

Die nächsten lebenden V^erwandten scheinen Phoebe stereo- 
phylla Meissn. und Sellowii Meissn. (Brasilien) zu sein, von 
denen erstere hinsichtlich der Gestalt, letztere hinsichtlich ihrer 
Nervatur mit unserer Art übereinstimmt. 

Die im Königl. Herbarium mit Phoebe Sellowii var. glabrata 
Meissn. bezeichneten Blätter besitzen die charakteristische Form 
und Nervatur der von Ludwig (Palaeontogr. V, pag. 147, Taf. 30, 
Fig. 2 und 3) als Cistus lanceolatus und Melastomites (f) 
cinnamo ini/o lia beschriebenen Blätter aiis dem Litorinellenkalk 



[277] Bornstedt. H9 

von Frankfurt a/M.. Der nach Art unserer Taf. 16, Fig. 2 deut- 
lich abgesetzte Blattgrund, die hoch über demselben entspringenden, 
sehr kräftigen Secundäruerven und die unter rechtem Winkel vom 
Hauptnerv ausgehenden Tertiärnerven sind ebenso charakteristisch 
für die lebende Pflanze, dass eine verveandtschaftliche Beziehung 
zwischen dieser und den LuDWiG'schen Arten nicht bezweifelt 
werden kann. 

Verbreitung von Phoebe: ca. 26 Arten, Ostindien und 
Malayische Inseln. 

Verbreitung unserer Art: 
Ober - Oligocän: Manosque (Bois d'Asson). 
Mittel-Oligocän: St. Jean-de-Garguier. 
Unter-Oligocän: Bornstedt. 

Verwandte Art: 
Oreodaphne apicifolia Sap. et. Mar. : Ünter-Eocän (Gelinden). 

Actinodaplme Cfcrmari Heer sp. 

Taf. 11, Fig. 7 — 9; Taf. 12. 

Siehe diese Abhandl., Knollensteinflora, pag. 27; Städten, pag. 28 und Dörstewitz. 
Ficus Germari Heek, Bornstedt pag. 15, Taf. 3, Fig. 5, fi (1870). 

» » ScHiMPEu, traite de pal. veg. II, pag'. 740 (1870 — 72). 

Juglans ünyeri Heeb, Bornstedt pag. 21, Taf. 4, Fig. 13. 
(?) Diospyros oblongifolia Heek,_ ibid. pag. 17, Taf. 3, Fig. i). 

» » ScHiMPEK, ti'aite de pal. veg. II, pag. 950. 

» brachysepala Heee, Bornstedt pag. 16, Taf. 3, Fig. 7 (non 8). 

Folia coriacea, ovata vel oblong o-elliptica, büegerrima, 
apice acwminata, hasi sub r otundata vel breviter attenuata^ 
longe petiolata. Nervus primariiis crassus; nervi secundarii campto- 
dronii, duo infimi supra basin egredierites , oppositi, angulo reliqids 
acutiore Orientes; nervi tertiarii angulo subrecto Orientes, recti vel 
t'urcati. 

Die Blätter dieser Art gehören zu den häufigsten in Bornstedt. 
Die Blätter, welche Heer auf Grund unzureichenden Materiales in 
verschiedenen Gattungen untergebracht hat, werden durch die ab- 
gebildeten Formen vermittelt. Diospyros oblongifolia Heer, 



120 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2781 

welche mit keiner einzigen lebenden Diofijjyros- Art auch nur im 
Entferntesten vergleichbar ist, gehört zu den schmaleren Blättern 
unserer Art und vermittelt unsere Fig. 9 auf Taf. 1 1 mit den 
breiteren Blättern. Julians Ungeri Heer (s. o.) schliesst sich 
eng an Taf. 12, Fig. 1, 5 und 6 an. Das Blatt unterscheidet sich 
von der echten Juglans Ungeri von Altsattel und dem Schvrarzach- 
tobel durch die beiden kräftigen Seitennerven und die unterhalb 
derselben dem Hauptnerv rechtwinklig entspringenden Tertiär- 
nerven. — Die Blätter von Cinnamotnum spectabile Heer 
unterscheiden sich von unserer Art hinlänglich durch die sich am 
Blattstiel allmälig verschmälernde Basis und die höhere Lage der 
grössten Breite. 

Unsere Art kann nicht bei Ficus gelassen werden, da in den 
Blättern aller lebenden Ficus -Krten die beiden unteren Seiten- 
nerven aus der Basis hervorgeht, also Basilärnerven sind. Aus 
gleichem Grunde müssen die weiter unten aufgeführten Arten von 
Ficus entfernt werden. Das Vorhandensein zweier suprabasilärer 
Seitennerven weist auf die Familie der Laurineen hin, in welcher 
dieser Typus sehr verbreitet ist , und in der That konnte ich iu 
Actinodaphne obovata Bl. eine Art nachweisen, welche mit 
den fossilen Blättern in jeder Beziehung übereinstimmt. Die 
derben, lederartigen Blätter (4 Exemplare dieser Art konnten ver- 
glichen werden) variiren ebenso wie die von ßornstedt. Die mei- 
sten sind breit, elliptisch und verschmälern sich oben und unten 
gleichmässig wie Taf 12, Fig. 1, 2, 4 und 6, einige nähern sich 
in Gestalt und Grösse Taf 12, Fig. 5, andere endlich haben eine 
breitere, fast zugerundete Basis , wie Taf. 1 1 , Fig. 7 und 8. Die 
Nervatur stimmt genau mit der unserer Blätter überein. — 
Benzoin Neesianiom hat häutige Blätter mit gleicher Ner- 
vatur, aber mit breiter, herzförmig ausgebuchteter Basis. — 
Die Blätter von Sassafras officinalis Nees besitzen kräftige 
Seitennerven wie unsere Art, sind aber dünnhäutig und neigen 
zur Bildung von zwei- oder dreilappigen Formen. 

Die nächst verwandten fossilen Arten sind Ficiis cuspidata und 
Micheloti Wat. aus dem französischen Eocän, welche durch die supra- 
basilären Seitennerven sich von allen lobenden Ficus- A.\-icn unter- 



1 



[279] Bornstedt. 121 

scheiden und am besten auf die Blätter von Actinodwphne obovata Bl. 
passen. Ficus Micheloti Wat., Descr. des pl. foss. du bass. de 
Paris pag. 157, tab. 44, fig. 4, stellt nur den oberen Thieil eines 
Blattes dar; bei Fig. 5 ist die Basis breiter als an allen unseren 
Blättern, und die Seitennerven laufen dem Blattrande nicht parallel. 
Saporta vereinigt (Sezanne pag. 400 und 401) Fig. 4 mit Ster- 
cioUa oariabilis Sap., Fig. 5 mit Sterc. modesta Sap. , obwohl mit 
Unrecht, da Fig. 4 eine sichere Deutung der Basis nicht zulässt 
und in Fig. 5 die Seitennerven nicht wie bei Sterc. modesta aus der 
Basis hervorgehen. Bei Ficus cuspidata Wat., 1. c. pag. 156, 
tab. 44 , fig. 3 , fehlt der Blattgrund , doch scheint das Blatt dem 
gleichen Typus anzugehören, vielleicht mit Ficus Micheloti zusammen 
zu gehören. — Jitglans therinalis Lesq. (Tert. flor. pag. 287, 
tab. 56, fig. 3), mit seinen suprabasilären Seitennerven mehr auf 
den Laurineentypus als auf Juglans hinweisend, unterscheidet sich 
von unseren Blättern nur durch den grösseren Ursprungswinkel 
der Secundärnerven. 

Die Gattung j4 6' ^t wo ir/ajj/iMe umfasst gegen 50 lebende Arten, 
welche Südasien und dem wärmeren Ostasien (Ostindien, Malayischer 
Archipel, Japan) angehören. Actiii. obovata Bl. ist ostindisch. 

Verbreitung unserer Art: 
U nter-Oligocän: Bornstedt, Stedten, Dörstewitz, Knollenstein 
südlich von Halle. 

Verwandte Arten: 

1. Actinodaphne (Ficus (?)) Micheloti Wat. sp.: Unter - Eocän 

(Sezanne). 

2. » » cuspidata Wat. sp. : Unter - Eocän 

(Bellen). 

3. Juglans (?) thermalis Lesq.: Hot Springs, Middle Park, Colorado 

(4. Gruppe). 

Laurus mucaefolia nov. spec. 

Tal'. 15, Fig. 5. 

Folia subcoriacea^ elliptico-lanceolata, breviter acuminata; nervi 
■secundarii camptodromi, infiini angulo acutiore egredientes. 



122 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [2801 

Das beste lebende Analogon zu unserem Blatte scheint Laurus 
(Aydendron) muca^ees zu sein. In den meisten der zu dieser Art 
geliörenden, bald lang zugespitzten, bald stumpf zugerundeten Blät- 
tern entspringen die beiden unteren Seitennerven unter spitzerem 
Winkel als die weit abstehenden, oberen. Die Gattung Ayden- 
dron umfasst 45 Arten des tropischen Amerika. 

Demselben Nervationstypus gehören an: 

1. Laurun dennatophyllum Ett. (Bilin II, Taf. .31, Fig. 8); 

2. » oreodaphnifolia Mass. (stud. Senogall. tab. 35, 

fig. 11); 

3. > attenuata Wat. (Paris pag. 187, tab. 52, fig. 3, 4), 
von denen letztere (Bellen) sich nur wenig von unserer Art 
unterscheidet. 



Lauras belenensis Watelet. 

Taf. 15, Fig. 6. 
Watelet, Paris pag. 185, tab. 52, fig. 1 (1866). 

Folia subcoriacea, petiolata, lanceolata, utrinqtie sensim 
attenuata; nervi iecundarii numerosi, paralleli, camptodronvi, nervi 
tertiarii recti, angido recto egredientes. 

Durch die zahlreicheren, parallelen und unter offenerem Winkel 
entspringenden Secundärnerven, deren untere dem Blattrande nicht 
parallel laufen, unterscheidet sich unser Blatt von Laurus prinii- 
genia Ung. Gleiche Blattformen mit entsprechender Nervatur 
besitzen Laurus belenensis Wat., Laurus Omalii Sap. et Mar. und 
Laurus ocoteoides Lesq. Erstere stimmt mit unserem Blatte 
überein. Laurus Omalii Sap. et Mar. (Essai pag. 49, tab. 6, 
fig. 1 und Revision pag. 71, tab. 10, fig. 5 — 7) unterscheidet sich 
nur durch den welligen Blattrand , der wohl schwerlich als 
ein Speciesmerkmal gelten kann. Bei Laurus ocoteoides Les((. 
(Tert. flor. pag. 215, tab. 36, fig. 10) ist die Nervatur nicht voll- 
ständig erhalten. 



[281] Bornstedt. 123 

Blätter von gleicher Gestalt und Nervatur sind bei den Lauri- 
neen häufig. Wir finden sie bei 

1. Laurns canariensis Webb. (Canarische Insehi), 

2. » caroliniensis var. glabviuscula Meissn. (Florida), 

3. Aydendron laurel Nees (Venezuela), 

4. Persea alba Nees (Brasilien). 
Verbreitung unserer Art: 

Ünter-Oligocän: Bornstedt. 
Unter-Eocän: Belleu. 

Verwandte Arten : 

1. Laurus OmaUi Sap. et Mar.: Unter-Eocän (Gelinden); 

2. » ocoteoides Lesq. : Golden, Colorado (I.Gruppe). 

Laurus primigenia Unger. 

Taf. 15, Fig. SCO, 7. 

Unger, gen. et spec. pag. 423 (1850). 

» Sotzka pag. 38, Taf. 19, Fig. 1—4 (1850). 
(?) Webek, Palaentogr. II, pag. 181, Taf. 20, Fig. 6b (1852). 
Ettingshausen, Heiligenkreuz bei Kremnitz pag. 8, Taf. 2, Fig. 1, 2 (1852). 
Heek, Uebersicht der Tertiärflora pag. 55. 

» flor. tert. Helv. II, pag. 77, Taf. 89, Fig. 15 (185(5). 
» ibid. III, pag. 184, Taf. 147, Fig. 10; pag. 311 (1859).' 
(?) » Sachs. -Thüring. Braimkolilenflora pag. 7, Taf. 6, Fig. 12 i, k (1861). 

» Bovey Traoey pag. 1062, tab. 65, fig. 6 (1862). 
SisMONDÄ, Prodr. pag. 11 (1859). 

» Mater, pag. 50, tab. 9, fig. 2c: tab. 10, fig. ö (1865). 
SAroRTA, Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XVII, pag. 242 (1862). 
» Et. I. 5, ibid. XIX, pag. 20. 
» Et. I, 6, ibid. XIX, pag. 56, tab. 6, fig. 5. 
» Et. II, 2, ibid. 5. ser., III, pag. 93, tab. 3, fig. 8 (186-3). 
» Et. II, 3. ibid. IV, pag. 126, tab. 7, fig. 7 (1S65). 
» Et. III, 3, ibid. Vm, pag. 75 (1867). 
» Et. III, 4, ibid. IX, pag. 39, tab. 4, fig. 7, 8 (1868). 
ErriNGSHAUsEN, Wetterau pag. 850 (1868). 
» Bilin 11, pag. 4 (1868). 

» Steiermark pag. 58, Taf. 3, Fig. 11 und IIa (1869). 

(?) Engelhardt, Braunkohlenflora im Königr. Sachsen pag. 20. Taf. 5, Fig. 3 
(1870). 



124 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [282] 

ScHiMPER, traite de pal. veg. II, pag. 8ly, tab. 92, fig. 10 (1870 — 72). 

Ettingshaosen, Sagor I, pag. 190 (1872). 

Heer, Zsilythal pag. 16, Taf. 3, Fig. 4 — Ö (1872). 

Marion, Ann. d. sc. nat. 5. ser., XIV, pag. 348, tab. 22, fig. 1, 9 (1872). 

(?) Wentzel, Diatomaceensch. von Sulloditz pag. 14 (1881). 

Folia subcoriacea^ elongato-lanceolata, longe aciimi- 
nata; nervi secundarii sparsi, angulo acutissimo Orientes, 
curvati, camptodromi. 

sin einer so einförmigen Gruppe wie den Laurineen ist es 
nioht blos schwierig, mit Hilfe einiger Blätter zwei verwandte 
Arten zu unterscheiden, sondern man läuft selbst Gefahr, unfrei- 
willig Formen zu verwechseln, welche sich auf ganz verschiedene 
Geschlechter oder Tribus beziehen. Es ist unmöglich, selbst mit 
Hilfe der sorgfältigsten Prüfung, diese Klippe zu vermeiden« 
(Saporta). Dasselbe gilt besonders vovaTy^ws Laurus primigenia 
Ung. , der im Tertiär häufig wiederkehrt und gewiss in seinen 
mannigfachen, aber geringen Abänderungen Formen von ganz ver- 
schiedenen Art^p und Gattungen umfasst. Es ist daher hier von 
besonderer Wichtigkeit, die ursprüngliche Art scharf zu umgrenzen 
und jede Form auszuschliessen, welche nicht in allen Theilen mit 
den Original- Abbildungen von Unger übereinstimmen. Unsere Art 
isjt ausgezeichnet durch schmallanzettliche, in eine lange, 
deutlich abgesetzte Spitze auslaufende Blätter, deren 
entfernt stehende Secun därnerven nach der Basis zu 
unter immer spitzerem Winkel abzweigen, so dass die 
unteren dem Blattrande parallel laufen. 

Fig. 7 entspricht ganz den ÜNGER'schen Blättern von Sotzka. 
Fig. 3 ist kürzer und gehört wahrscheinlich einer anderen Art an. 
Das Blatt in Sachs. - Thüring. Braunkohlenflora Taf. 9, Fig. 8 von 
Weissenfeis kann nicht bei Laurus untergebracht werden. — Bei 
Laurus primigenia yV eh., Palaeontograpbica H, Taf. 20, Fig. 6 a, ist 
der Ursprungswinkel der unteren Secundärnerven grösser als der 
der oberen, bei Fig. 6 b fehlt die Spitze. — Laurus jjrimigenia Ung., 
Syll. in, Taf. 22, Fig. 18, mit allmälig verschmälerter Basis, ist 
von EttingshaüSEN (Wetterau pag. 850) zu den Daphnoideen 
gebracht worden. — Die Blätter von Kumi, Taf. 8, Fig. 1 — 7, 



[283] Bornstedt. 125 

mit zahlreicheren und unter ofi'eneren Winkeln ausgehenden Se- 
cundärnerven gehören verschiedenen Arten an. — Laurus primi- 
genia Engelh., Leitmeritzer Mittelgeb. Taf. 2, Fig. 7, unterscheidet 
sich durch grössere Breite, Fig. 5, mit herablaufender Basis und 
ohne Spitze, und Fig. 6, nur die Blattspitze vorstellend, sind nicht 
bestimmbar. Taf. 6, Fig. 5 ist ein schmales Blatt mit nicht deut- 
lich abgesetzter Spitze und unter offeneren Winkeln ausgehenden 
Secundärnerven; Taf. 11, Fig. 9 ist breiter als alle anderen Blätter, 
desgleichen Taf. 4, Fig. 5 in der Flora von Tschernowitz. Bei 
Laur. primig. Engelh. , Grasseth Taf. 7 , Fig. 4 und 5 , ein oberes 
und ein unteres Blattstück darstellend, sind die Ursprungswinkel 
der Secundärnerven grösser als bei den Blättern von Sotzka. Aus 
gleichem Grunde sind Laurus primigenia Lesq. (Tert. flora pag. 214, 
tab. 36, fig. 5, 6, 8) und Heer (flor. tert. Helv. III, Taf 153, Fig. 3) 
von unserer Art zu trennen. 

Laurus ambigua Sap. (Et. III, 4, Ann. d. sc. nat. 5. ser., IX, 
pag. 37, tab. 4, fig. 9,, 10) hat kürzere Blätter mit kurzer Zuspitzung. 
— Laurus subprimig en-ia Sap. (Sezanne pag. 365, tab. 8, fig. 7) 
ist ein unbestimmbares Blattbruchstück, das sehr an unsere Art 
erinnert. 

Zur Gattung Laurus gehören 2 lebende Arten: 
Laurus nobilis L. (Mittelmeei'gebiet) und 

» canariensis Webb. (Canarische Inseln). 

Dem Typus Laurus p)rimigenia gehört ienier _ Nectandra 
cuspidata Nees (Südamerika) an. 

Verbreitung unserer Art: 
Ober - Miocän: Heiligenkreuz bei Kremnitz. 
Mittel-Miocän: Leoben. 
Unter-Miocän: Münzenberg (?); Sulloditz (?), Kutschlin (?), 

Sagor(?); Eriz, St. Galler Findlinge. 
Ober - Oligocän: Salzhausen (?), Niederrhein (?), Seifhenners- 
dorf in Sachsen; Sotzka, Zsilythal; Hohe 
Rhonen, Rivaz; Bagnasco, Cosseria, Stella; 
Manosque (Bois d'Asson, Vallee de la Mort 
d'Imbert, Forcalquier), Armissan. 



126 Beschreibung der Localfloren der Provinz Saolisen. [2841 

Mittel-Oligocän: Ronpon, Gargas, St. Zacharie, St. Jean-de- 

Garguier. 
Unter-Oligocän: Bornstedt, Skopau(?); Aix. 
Mittel-Eocän: Bovey Tracey. 

Verwandte Arten: 
Laiirus Omalii Sap. et Mar.: Unter -Eocän (Gelinden). 

» Forbesi Heer: Mittel-Eocän (Alumbay) und Unter-Oligocän 
(Gres de la Sarthe). 

Persea belenensis Watelet. 

Taf. 15, Fig. 1, 2, 8 und Taf. 19, Fig. 3. 

Persea belenensis Watelet, Paris pag. 182, tab. 51, fig. 3 (1866). 

» regularis » ibid. pag. 182, tab. 51, fig. 4. 

» parisiensis » ibid. pag. 181, tab. 51, fig. 2. 
Benzoin irregularis ». ibid. pag. 183, tab. 51, fig. 7. 
Diospyros hrachysepala Heer, Bornstedt pag. 16, Taf. 3, Fig. 8 (non 7) (1870). 

Folia coriacea, petiolata, elliptica, utrinque aequaliter 
angustata, apice acuminata , integerrima. Nervus primarius va- 
lidus, nervi secundarii numerosi (ca. 10 utrinque), curvati, campto- 
dromi, atigulis 40 — öö*^ Orientes. 

Die oben genannten WATELET'schen Arten müssen, da sie sich 
nur durch grössere oder geringere Breite unterscheiden, zusammen- 
gezogen werden. Persea regularis mit schmaleren Blättern vermittelt 
die übrigen Formen mit denen von Bornstedt. Die breitellip- 
tische Form mit g 1 e i c h m ä s s i g e r Zuspitzung oben und 
unten, die zahlreichen (bis gegen 10 jederseits), gebogenen, in 
aufsteigenden Bögen sich verbindenden Secundärnerven , deren 
untere gegen den Blattrand geneigt sind, endlich die 
meist geraden, einfachen oder gegabelten, unter fast rechtem 
Winkel entspringenden Tertiärnerven sind für unsere wie für die 
eocänön Blätter gemeinsame Merkmale. 

Diospyros brachysepala Heer, Bornstedt Taf. 3, Fig. 8, 
schliesst sich an unsere Taf 19, Fig. 3 an. Bei dem gleichgestal- 
teten ylr^oc er /■/)/ r/t <«/» .De* ?io_y<;r« t Wat., Paris tab. 46, fig. 1 — 4, 
stehen die unteren Secundärnei'ven senkrecht auf dem Mittelnerv. — 



[285] Borastedt. , 127 

Unsere Taf. 15, Fia;. 2, noch zweifelhaft zu obiger Art gehörend, 
nähert sich Laurus frinceps Heer, tlor. tert. Helv. Taf. 90, Fig. 20 
von Schrotzburg, ist aber gedrungener. 

Persea palaeomorpha Sap. et Mar. von Gehnden unter- 
scheidet sich von unserer Fig. 2 und Laurus excellens Wat. durch 
die dem ßande fast parallel laufenden unteren Secundärnerven 
und den spitzeren Ursprungswinkel der übrigen. — Bei Persea 
speciosa Heer, flor. tert. Helv. Taf. 90, Fig. 11 , 12, sind die 
Secundärnerven nicht gekrümmt. Die Blätter derselben Art bei 
Ettingsiiausen, Bilin H, Taf. 32, Fig. 15 — 16, laufen in eine lange 
Spitze aus. — Laurus superba Sap. (Et. II, 3, tab. 7, fig. 4 und 
Et. III, 3, tab. 15, fig. 4 — 5) hat schmalere, lang zugespitzte Blätter. 

Blätter, wie unsere Fig. 8 besitzen: 

1. Laurus Fürstenbergi Heer (flor. tert. Helv. Taf. 89, 
Fig. 1 — 4) mit kurzer, deutlich abgesetzter Spitze und der 
grössten Breite über der Mitte, 

2. Persea Brautiii Heer (I.e. Taf. 89, Fig. 6 — 10 und 
Taf. 153, Fig. 1—2), aber Blätter breiter, 

3. Pisonia biliniea Ett. (Bilin II, Taf. 29, Fig. 2, 4) mit 
einer von unserer Art ganz abweichenden Verbindungs- 
weise der Secundärnerven. 

An unsere Taf. 19, Fig. 3 erinnern : 

1. Persea graeca Sap. (Ann. scient. de l'Ecole norm. sup. 
de Paris, Ann. II, 1873, pag. 339, tab. 2, flg. 16) von 
Euböa mit sehr deutlich ausgeprägtem, polygonalen Netz- 
werk, 

2. Diospyros Copeana Lesq. (Tert. flor. pag. 232, tab. 40, 
fig. 11) mit gedrungenen Blättern. 

Unter den lebenden Laurineen nähert sich Persea gratissinia 
Gärtn. am meisten unserer Art. Aehnliche Blätter besitzen auch 
Tetranthera glauca Wall., Roxburghii Nees, tomentosa Roxb., Oreo- 
daphne opifera Nees und sublanuginosa Nees. — Von den ca. 100 
lebenden Per sea- Axiew kommt eine auf den Canarischen Inseln 
vor, alle anderen im wärmeren Asien und in Amerika von Chile 
bis Virginieu. 



]28 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [286] 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän: Bornstedt. 
Unter-Eocän: Bellen. 

Lanrineeufrüchte. 

1. Taf. 15, Fig. 9. Kiiglige Früchte von gleicher Grösse be- 
sitzen Lauriis nobilis L. und wenig längere Persea indica (flor. 
tert. Helv. Taf. 89, Fig. 11 — 12). 

2. Früchte wie Taf. 19, Fig. 15 und 16, kehren bei ver- 
schiedenen Gattungen wieder. Sie ähneln am meisten denen von 
Oreodaphne- Arten. — Unbestimmbare, plattgedrückte Früchte, die 
wahrscheinlich Laurineen angehören, wurden sehr häufig gefunden. 



Proteaceae. 
flakea Gerniari Ettingshaüsen. 

Taf. 30, Fig. 9. 

Ettingshaüsen, foss. Proteaceen , Sitzungsber. der Wiener Akad. 1852, Bd. 9, 

pag. 822, Taf. 58, Fig. 3. 
Heer, Bornstedt pag. IG (1870). 
ScHiMPER, traite de pat: veg. II, pag. 729 (1870 — 72). 

Folia subcoriacea, breviter petiolata., elo ng at o -lan c e oj a ta , basi 
apiceque se n s im angustat a. Ne r v at i o acrod r o m a. Nerci se- 
cundarn e nervo jyrimario debili sub angulo acutissimo exeuntes. 

Unsere Figur ist eine Copie der ETTiNGSHAUSEN'schen Abbil- 
dung. — Von dieser Art ist Conospermites hakeaefolius Ett. 
(Kreideflora von JNiederschöna in Sachsen 1867, pag. 254, Taf. 3, 
Fig. 4, 12) kaum zu unterscheiden. Die nur wenig längeren Blätter 
haben dieselbe Nervatur. Ettingshaüsen vergleicht sie mit den 
Blättern von Conosper7nuvi trijjlinervium R. Br.' (Ettings- 
haüsen, Apetalen Taf .35, Fig. 13 und 14), jedoch dürften einige 
Arten von Hakea nähere Beziehungen besitzen. 

Unserer Art entsprechen nach Ettingshaüsen am besten Hakea 
saligna Kn. und ceratophyUa R. Br. 



[287] Bornstedt. 129 

Verwandte Arten : 

1. Conospermites hakeaefolius Ett. : Senon (Niederschöna). 

2. Stenocarpus saligiwides Friedr: Unter- Oligocän (Segengottes- 

schacht bei Eisleben). 



Apocyneae. 
Apocynophyllum lielveticuin Heer. 

Heee, flor. tert Helv. III, pag. 191, Taf. 154, Fig. 2 — 3 (1859). 

» mioc. balt. Flora, pag. 37, Taf. 9. Fig. 5, 6; pag. 88, Taf. 26, Fig. 12—14 
(1869). 

» Bornstedt pag. 18, Taf. 4, Fig. 1—7 (1870). 
ScHiMPEB, traite de pal. veg. II, pag. 901 (1870 — 72). 

(?) Engelhakdt, foss. Pflanzen ¥0n Grassetli, pag. 34, Taf. 10, Fig. la, a' (1881). 
Myrica salicina Hebe, Bornstedt pag. 12, Taf. 1, Fig. 6 (1870). 

Folia opposita, coriacea, petiolata, elliptico-lanceolata, 
utrinque attenuata. Nervus medius validiis; nervi secundarii 
numerosi, subtiles, paralleli, brochidodromi. 

Die Blätter dieser Art gehören zu den häufigsten bei Born- 
stedt. Niemals konnten Zweigstücke gefunden werden. 

Myrica salicina Heer, mit kräftigem Hauptnerv und ohne 
sichtbare Seitennerven, stimmt hinsichtlich der Gestalt mit den 
Blättern unserer Art überein, von denen viele trotz des sehr kräf- 
tigen Mittelnerven nur sehr geringe Spuren von Seitennerven 
erkennen lassen. — Bei Apocynophyllum heloeticum Sism. 
(Mater, pag. 56, tab. 28, fig. 8) verbinden sich die Seitennerven 
in grösserer Entfernung vom Blattrande. — Die von Heer mit 
unserer Art vereinigten Blätter von Sapotacites Biehii Andr. (Neue 
Beitr. zur Tertiärflora Siebenbürgens, Abhandl. des naturhistor. 
Vereins für die Prov. Sachsen H, pag. 26, Taf. 1, Fig. 6) haben 
dichter stehende Seitennerven, zwischen denen feine Quernervchen 
nicht sichtbar sind. 

Sapotacites crassipes Heer (Beitr. zur foss. Flora von 
Sumatra, neue Denkschr. der Schweiz, naturforsch. Ges. 1881, 
Bd. 28, pag. 17, Taf. 6, Fig. 2), unserer Art sehr nahestehend, 

9 



130 Beschreibung dei- Looalfloren der Provinz Sachsen. [288] 

hat die grösste Breite über der Mitte. — Gleichgestaltete Blätter 
mit dicht stehenden Seitennerven und Saumläufern haben Hosius 
und VON DER Marck als Eucalyptus haldemiana (Palaeonto- 
graphica Bd. 26, pag. 174, Taf. 35, Fig. 125 — 128) aus der oberen 
Kreide Westfalens beschrieben. 

Ueber die Unterschiede zwischen unserer Art, Ficus multinervis 
Heer und Quercus neriifoUa AI. Br. siehe Heer, mioc. halt. Flora 
pag. 37. 

Verbreitung: 
Unter-Miocän: Walpkringen. 
Ober - Oligocän: Grasseth(?). 
Mittel-Oligocän: Rixhöft, Kraxtepellen. 
Ünter-Oligocäu: Bornstedt. 

Verwandte Arten: 

1. Apocynophyllum balticum Heer: Unter -Oligocän (Gross- 

kuhren). 

2. Nerium repertum Sap.: Unter-Oligocän (Aix, Dörstewitz (?) ). 

3. Apocynophyllum •plumeriaefolium Ett.: Ober - Oligocän 

(plast. Thon von Priesen), Unter- 
Oligocän (Monte Promina). 

Myrsineae. 
Myrsine germanica Heer. 

Heek, Bornstedt pag. 17, Taf. 1, Fig. 9, 10 (1870). 

Nur 2 dürftige Blätter dieser Art konnten in letzter Zeit ge- 
funden werden. Das beste lebende .Analogen scheint Myrsine 
semiserrata Wall. (Indien) zu sein. 

Styraceae. 

Conf SjTiiplocos sp. 

Taf. 19, Fig. 1. 

Die Gattungsbestimmung dieses Blattbruchstückes ist nicht 
sicher. Anfangs glaubte ich, in Syniplocos pyrifolia Wall.- (Taf 1 9, 



1 



[289] Bornstedt. 131 

Fig. la) das beste lebende Analogon gefunden zu haben, aber bei 
weiteren Vergleichen fand ich eine grössere Anzahl von Gattungen 
mit entsprechenden Blättern. — Unter den fossilen Blättern besitzt 
das von Celastrus Persei Heer (mioc. halt. Flora Taf. 10, Fig. 8) 
von Rixhöft die nächsten Beziehungen. 



Araliaceae. 
Aralia Weissii nov. spec. 

Taf. 18, Fig. 1 — 6. 

Folia petiolata^ membratiacea (f) , triloba, palmato-trinervia, 
basi rotundata, margine arcuato-dentata vel serrato- 
dentata, lobis lanceolatis vel ovatis, acumifiatis , quorum medius 
laterales magnitudine superat. Nervi secundarii plerumque cur- 
vati, camptodromi, nervi tertiarii furcati vel simplices, angulo 
subrecto Orientes. 

So beträchtlich auch die Grössenunterschiede der abgebildeten 
Blätter sind, so lassen sich doch an allen die gleichen Merkmale 
verfolgen. Der Mittellappen ist viel länger und breiter als die 
beiden vreit abstehenden und schnell sich zuspitzenden Seitenlappen. 
Die Lappenbuchten sind tief ausgerundet, so dass der Rand des 
Mittellappens eine geschwungene Linie bildet. Die Secundärnerven 
verbinden sich in aufsteigenden Bögen und sind niemals so zahl- 
reich wie die Zähne. Das Maschennetz konnte nicht beobachtet 
werden. 

Zahlreiche Familien haben in ihren lebenden Vertretern ähn- 
liche Typen und erschweren die Gattungsbestimmimg der vor- 
liegenden, Herrn Professor Weiss gewidmeten Art. Es kommen 
namentlich die Gattungen Liqiddambar , Passiflora., Croton, Da- 
lechampia, Bombax und Aralia in Betracht. 

1. Liquidambar styraciflua, dessen dreilappige Blätter 
am meisten an unsere Fig. 4 erinnern, unterscheidet sich durch 
die kaum ausgeschweiften Lappenbuchteu, durch die Neigung 
zur Bildung mehrlappiger Blätter wie bei der fossilen Art, Liq. 



132 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [290] 

europaeum AI. Br., und endlich durch das Fehlen von Secundär- 
nerven, welche, wie in unserer Fig. 1 , statt sich mit den benach- 
barten schlingenförmig zu verbinden, direct in den Zahn ver- 
laufen. 

2. Den Passifloren mit ganzrandigen Blättern steht eine 
Gruppe mit gezahnten Blättern gegenüber. Zu letzterer gehören 
unter anderen Passiflora mauritiana, eclulis Sims., setacea De C 
und vitifolia H. B. K. Die Blätter dieser Arten sind tiefer aus- 
gebuchtet, die Seitenlappen, dem Mittellappen an Grösse fast gleich, 
bauchig erweitert; die beiden dicht an der Basis entspringenden 
Secundärnerven gehen nicht aus dem Mittelnerv, wie an allen 
fossilen Blättern, sondern aus den Hauptnerven der Lappen hervor ; 
der lange Blattstiel ist stets mit 2 vom Blatte mehr oder weniger 
entfernten Wärzchen versehen, welche an unseren Blättern niemals 
beobachtet werden konnten. 

3. Die dreilappigen Blätter der Croton- Arien, z. B. Croton 
gossypiifolius var. geniinus Müll, und comosiis Müll., weichen durch 
die zahlreicheren Secundärnerven, das Vorhandensein von ge- 
stielten Warzen an der deutlich herzförmigen Basis und die Art 
der feineren Nervatur ab. Die Tertiärnerven stehen fast senkrecht 
auf den Haupt- und Secundärnerven, und unter demselben Winkel 
sind stets die Nervefli höherer gegen die Nerven niederer Ordnung 
geneigt, so dass ein sehr regelmässiges, kubisches Maschenuetz 
gebildet wird, wie es, so weit es der mangelhafte Erhaltungszustand 
der fossilen Blätter erkennen Hess, an diesen nicht vorhanden war. 

4. Die hier zum Vergleiche kommenden Blätter von Da- 
lecha7npia, namentlich Dal. ßcifolia Lam. und stipulata Müll., 
sind sehr tief ausgebuchtet und haben an der herzförmigen Basis 
jederseits eine sitzende Warze. 

5. Bombax gossypiiflora Humb. hat neben ganzrandigen 
auch fünflappige Blätter, bei denen die schlingenförmige Verbindung 
der Secundärnerven nur schwach ausgeprägt ist vnid die Ränder 
der Sägezähne convex sind. 

6. Die Aralien besitzen eine grosse Anzahl von Arten 
mit gelappten Blättern, welche fast sämmtlich dem Typus unserer 
Blätter angehören. Es sind vor allen zu nennen: 



[291] Bornstedt. 133 

Brassaiopsis (Panax) ricinifoUa Seem., 
Falsia (Aralia) japonica Planch., 
Travesia sundaica Miq., 
Gastonia (Travesia) palmata Roxb., 
Dendropanax (Aralia) japonicum Seem. 

Alle besitzen mehrlappige Blätter, die letztere neben ein- 
fachen und Gastonia palmata Roxb. neben fünflappigen auch 
dreilappige Blätter. Die Blätter beider Arten stimmen im Wesent- 
lichen mit den fossilen Blättern überein. Die häutige Beschafien- 
heit der Blätter von Gastonia palmata^ an denen nur die Haupt- 
und Seitennerven deutlich hervortreten , die Tertiärnerven aber 
schon mit der Lupe gesucht vrerden müssen, und die Art der 
Zähnelung geben den Charakter der Bornstedter Pflanze wieder. 
Die untersten, vom Hauptnerv abzweigenden Secundärnerven über- 
treffen die folgenden an Stärke. Die Blätter der lebenden Art 
unterscheiden sich von der fossilen durch ihre herzförmige Basis 
und die tiefen Lappenbuchten. — Das Austreten von Secundär- 
nerven in die Zähne, wie in unserer Fig. 1, finden wir häufig 
bei den Aralien; bei Aralia platanifolia H. K. scheint es ein Art- 
merkmal zu sein. 

Verwandte fossile Arten: Aralia triloba hesq. (Cretac. 
and tert. plants tab. 25, fig. 4, Unit. stat. geol. survey of the terr. 
1878) steht unserer Art am nächsten. Die Seitenlappen sind 
kleiner als der Mittellappen und lang zugespitzt, die Basis ist 
herzförmig. 

Aralia (Oreopanax) Hercules Ung. sp. (Chlor, prot. Taf 45, 
Fig. 6, 7 und Taf. 46), mit grossen, siebenlappigen Blättern, von 
Unger zu Platanus gestellt, von Brongniart mit Sterctdia ver- 
einigt, gehört nach Saporta (Et. II, .3, Ann. d. sc. nat. 5. ser., IV, 
pag. 151, tab. 9, fig. 2) zu den Araliaceen. Eine überraschende 
Aehnlichkeit zeigen die Blätter von Oreopanax sterculiaefolium Dne. 
et PI. und platanifolium Dne. et PI. aus dem äquatorialen Amerika. 
Abgesehen von der grösseren Anzahl der Lappen, weist namentlich 
die Varietät oxyphylla Sap. (= jatropJiaefolia Ung. , Chlor, prot. 
Taf. 45, Fig. 7 und amplissima Sap. [Unger, 1. c. Taf. 46]) nahe 



134 Besolireibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [292] 

Beziehungen zu unserer Art auf. — Platanus Papilloni Wat. 
(Paris pag. 165, tab. 45, fig. 3) ist eine Aralie, welche sich 
am besten an die ÜNGER'sche Art, 1. c. Taf. 45 , Fig. 6 , 7 , an- 
schliesst. 

Aralia Looziana Sap. et Mar. (Gelinden, Revision pag. 77, 
tab. 13, fig. 1 — 3) ist, wie auch Saporta und Marion vermuthen, 
wahrscheinlich mit Aralia angustidens Sap. et Mar. (Essai 
pag. 53, tab. 7, fig. 4) zu vereinigen. Das beste lebende Analogon 
scheint Oreopanax platanifolium Dne. et PI. zu sein. — Zu den 
Aralien zieht Heer (Mioo. halt. Flora pag. 89, Tab. 15, Fig. Ib) 
das Bruchstück eines dreilappigen Blattes, Aralia Zadachi, 
welches, wenn wirklich zu Aralia gehörend, in die Gruppe Aralia 
Looziana mit craspedodromen Secundärnerven eingereiht werden 
müsste. 

Aralia formosa Heer (Moletein pag. 18, Taf. 8, Fig. 3) ist 
der Vorläufer unserer Art. Heer verweist auf eine ähnliche, nicht 
abgebildete Art von Monte Boica und Alumbay, Aralia primigenia 
Lah. (Heer, flor. tert. Helv. IH, pag. 277) und die lebenden 
Aralia trifoliata und japonica Seem. 

Die Gattung Travesia, zu welcher Gastonia palmata Roxb. 
zu ziehen ist, umfasst 8 — 9 Arten aus dem tropischen Asien und 
von den Malayischen und den Pazifischen Inseln. Dagegen ge- 
hören die 64 Arten der Gattung Oreopanax dem tropischen 
Amerika an. 

Verwandte fossile Arten, nach dem Grade ihrer Ver- 
wandtschaft geordnet: 

1. A7-alia triloba Lesq., Fundort unbekannt; 

2. » Hercules Ung. sp. : Unter- Miocän (Radoboj), Ober- 

Oligocän (Armissan); 

3. » Papilloni Wat. sp: Unter -Eocän (Vervins); 

. Looziana und ) „ _. . _-. _, ^/-, i- i \ 

4. » . ! öap. et Mar.: Unter-il,ocän (Geluiden;. 



[293] Bornstedt. 135 

Ampelideae. 
Cissus parvifolins nov. spec. 

Taf. 17, Fig. 5 — 6. 

Folia trifoliata (?), foliola membranacea , cuneato basi in 
petiolum sensim attenuata, apice ohtusa vel acuminata, grosse et 
acute serrata, basi integerrima. — Nervus primarius tenuis, 
nervi secundarii tenuissimi, angulo ca. 40" Orientes, paralleli, cras- 
pedodromi, extremo apice nervillum in sinum superiorem 
emittentes. 

Die Blätter von Bhus aromatica, Ampelopsis bipi7inata Miclix., 
Cissus orie?italis Li. und tenuifolia weichen wenig von einander ab, 
so dass es unmöglich ist, die fossilen Vertreter derselben ohne die 
zugehörigen Früchte zu unterscheiden. Daher kommt es, dass man 
ähnliche Blätter, die aus fossilen Floren schon in reichlicher Menge 
bekannt geworden sind, bald zu Cissus, bald zu Rhus gestellt hat. 

Unsere Blätter lassen die Zugehörigkeit zu Cissus ausser 
Zweifel. Als die nächsten lebenden Verwandten sind Cissus orien- 
talis, tenuifolia und andere ostindische Arten zu betrachten, von 
denen Cissus tenuifolia am besten mit unserer Art übereinstimmt. 
Die Blätter der lebenden Arten sowohl als der fossilen sind dünn- 
häutig, am Grunde keilförmig zugespitzt und grob und spitz gesägt ; 
von den Secundär nerven zweigen vor dem Eintritt in die 
Zähne nach der oberen Zahnbucht laufende Gabeläste ab. — ■ 
Die hier in Betracht kommenden i^Aws-Blätter mit spitzen Zähnen, 
wie Rhus oxyacanthoides und aromatica, lassen nur selten einen 
derartigen Gabelnerv erkennen; an den Blättern mit stumpfen, ab- 
gerundeten Zähnen, z. B. von Rhus sinuata und tomentosa, sowie 
an denen einiger Arten von Paullinia und Urvillea, sind solche 
Gabeläste häufiger, aber immer mit nach unten verlaufenden von 
derselben Stärke zusammen vorkommend. 

Das symmetrische Blatt Fig. 6 scheint ein mittleres, das un- 
symmetrische Fig. 5 ein seitliches Theilblättchen eines gefingerten 
Blattes gewesen zu sein. 



136 Beschreibung der Localfioren der Provinz Sachsen. [2941 

Rhus paulliniaefolia Ett. (Tokay pag. 812, Taf. 2, Fig. 10) 
hat dreifingrige Blätter, deren Theilblättchen an unsere Figuren 
erinnern. Bei der mangelhaften Erhaltung der Nerven ist eine 
sichere Gattungsbestimmung unmöglich. — Dasselbe gilt von 
Crataegus bilinica Ett. (Bilin III, pag. 54, Taf. 53, Fig. 17), 
welche bis auf die stumpferen Zähne und die fehlenden Gabeläste 
mit unserer. Art übereinzustimmen scheint. — An unsere Blätter 
erinnert ferner Elaeodendron myricaefolia Ett. (Beiträge zur 
Kenntn. der foss. Flora von Sotzka pag. 536, Taf 3, Fig. 7), ein 
zur Bestimmung unzureichendes Blatt. — Rhus Pyrrhae Ung. 
(Chlor, prot. pag. 84, Taf. 22, Fig. 1) hat die Form und Bezahnung 
unserer Fig. 6, aber es fehlen die oberen Aeste der unter stumpferem 
Winkel entspringenden Secundärnerven. — Von Cissus Nimrodi 
Ett. (Bilin III, pag. 3, Taf. 40, Fig. 3, 4, 6—10) sind eine grössere 
Zahl gut erhaltener Blätter mit deutlich vom Blattstiele abgesetzter 
Basis bekannt, welche zum Theil die Nervatur gut erkennen lassen, 
niemals aber einen oberen Gabelnerv. — Das gleiche gilt von Cra- 
taegus Soarabelli Gaud. et Strozzi (Contrib. VI, tab. 1, fig. 6) 
und den schmaleren Blättern von Cissus Heeri Ett. (Beitr. zur 
Kenntn. der foss. Flora von Sotzka pag. 530, Taf. 3, Fig. 3, 4), 
Rhus rhombo'idalis Sap. (Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XVII, 
pag. 278, tab. 13, fig^-3 und Suppl. I, ibid. 5. ser., XVIII, pag. 108, 
tab. 16, fig. 2— 3) und Myrica Parlatoi-iiMass. (stud.Senog. tab. 26 
et 27, fig. 14). — Die Blätter von Cissus oxycoccus Ung. kommen 
bei Radoboj (Syll. I, pag. 24, Taf. 9, Fig. 11 — 14 und Radoboj 
pag. 145, Taf 2, Fig. 32 — 35) neben Fruchtständen vor, welche 
denen der lebenden Cissus acida am besten entsprechen. Wahr- 
scheinlich ist mit jenen Fruchtständep auch Rhus Pyrrhae Ung. 
von derselben Fundstelle zu vereinigen. Die Blätter von Cissus 
oxycoccus sind kleiner und gedrungener, haben eine kürzere, deut- 
lich vom Blattstiele abgesetzte Basis und lassen keine Gabelnerven 
erkennen. 

Die Gattung Cissus ist in den tropischen und subtropischen 
Ländern weit verbreitet. Die dem Typus unserer Blätter ange- 
hörenden Arten gehören der alten wie der neuen Welt an. 



[295] Bornstedt. 137 

Nymphaeaceae. 
Nymphaeites saxonica nov. spee. 

Taf. 19, Fig. 18. 

Fructus haccatus, subglobosus (?), diametro 3"^"^ disco stigmatico 
concavo, umbilicato, superfioie receptaculi reliqua cicatricibus staminum 
(petalorumquef) ordine spirali notatus. Stigmata ca. ?>0 radiantia, 
contigua, uniserialia, unisulca, apice truncata , non recuroata. 
Staminum (petalorumquef) cicatrices numerosae , ellipticae, 
inter se tang entes. 

In der Lebewelt finden wir Analogien zu diesem merkwür- 
digen Pflanzenreste bei Xanthorrhoea und Ny mphaea. Der 
Stamm der ersteren besteht aus radialen Stäben, welche dicht über 
einander liegen und an der Aussenseite des Stammes mit elliptischer 
Fläche endigen. Wenn sich alle diese Eigenthümlichkeiten- an dem 
fossilen Reste wiedererkennen lassen, so lässt sich doch keine 
Erklärung dafür finden, dass von einem längeren Stamme sich ein 
flaches Stück wie das abgebildete losgelöst haben konnte. 

Zu befriedigenderen Resultaten führt ein Vergleich mit den 
Früchten der Gattung Nymphaea. Die radialstrahlige Scheibe 
entspricht der Grifi^elscheibe von Nymphaea^ die nach aussen ge- 
neigte, die Scheibe umgebende Fläche mit den flach -elliptischen 
Eindrücken der Wand der iVj/mpÄaea- Kapsel mit den Narben 
der Staubgefässe. Die Bornstedter Frucht, deren ursprüngliche 
Gestalt nicht mehr zu deuten ist, hat einen Durchmesser von 
ca. 3°™, entspricht daher in der Grösse am besten derjenigen von 
Nymphaea alba. Sie unterscheidet sich von den lebenden Nym- 
phaea- Arten durch die niedergedrückte, aus ca. 30 Grifleln be- 
stehende Griffelscheibe und die zahlreicheren kleineren und sich 
berührenden Staubgefässe. Die Zahl der Grifiel schwankt bei den 
lebenden Arten zwischen 8 und 26 ; bei manchen Arten ist sie 
constant, z. B. 8, 16 (Nymphaea alba), 20, bei anderen wechselnd, 
z. B. 8 — 10, 8 — 12, 16 — 20. Die besten Analogieen weisen Nym- 
phaea Amazonum Mart. et Zucc. und deooniensis Hook. (Botanical 



138 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [296] 

Magazine tab. 4665) auf. Bei beiden stehen die Narben der Staub- 
gefässe und Blumenkronblätter gedrängt und lassen nur kleine 
Zwischenräume frei, bei letzterer sind die Griffel am Ende gerade 
abgestumpft. — Ein Rhizombruchstück von Bornstedt mit nur 
wenigen Narben war zu einem Vergleiche mit entsprechenden 
Theilen der lebenden Nympbaeaceen nicht geeignet. 

Die von Unger und EttingshaüSEN als Palaeolobium 
haeringianuni (Unger, Sotzka pag. 56, Taf. 41, Fig. 8, 8a und 
EttingshaüSEN, Häring pag. 88, Taf. 29, Fig. 17) beschriebenen, 
später von Saporta (Et. 11, 3, Ann. d. sc. nat. 5. ser. , IV, 
pag. 162) mit Recht zu den Nympbaeaceen gebrachten Früchte 
unterscheiden sich von der Bornstedter Frucht nur durch das 
Fehlen der Ringwulst auf der Griffelscheibe. Ob diese Ringwulst ein 
constantes Merkmal unserer Frucht oder nur auf eine verschieden- 
artige Druck erscheinung zurückzuführen ist, können erst spätere 
Fluide entscheiden. 

Neben Blättern, Blüthen, Samen und Rhizomen von Nym- 
pbaeaceen hat Saporta (Et. II, 2, Ann. d. sc. nat. 5. ser., III, 
pag. 125, tab. 7, fig. 1 und Et. II, 3, ibid. IV, pag. 161, tab. 10, 
fig. 1 — 4) von Armissan, Fenestrelle und Saint Jean- de- Garguier 
Früchte mit wenigen Staubgefäss- und Blumenkronblattnarben 
beschrieben, welch'6 er zu einem besonderen Typus, Anoecto- 
meria^ stellt. Das charakteristische Merkmal dieser Früchte ist 
nach ihm das Aufreissen der reifen Kapselwand in der Rich- 
tung der Narben. Ob diese Eigenthümlichkeit zu einem Art- 
merkmal erhoben werden kann, mag dahingestellt sein. Für unsere 
Frucht und die von Häring und Sotzka liegt noch kein Grund vor, 
sie weit von Nymphaea zu entfernen.. 

Verbreitung der Gattung Nymphaea in der Jetztwelt: 
20 Arten, von denen die Mehrzahl die Tropen und die nördliche 
gemässigte Zone, sehr wenige das südliche Afrika und Australien 
bewohnen. 

Verwandte fossile Art: 
Nymphaeites haeringiana Ung. sp.: Ober-Oligocän (Sotzka), 
Unter - Oligocän ( Häring) . 



\ 



[297] Bornstedt. 139 

Papaveraceae. 
Papaverites spec. 

Taf. 19, Fig. 17 und 17a. 

Capsula ovata^ j)^^io^'^^'^i incomplete (?) multilocularis^ oicatricibus 
hypogyni calijcis diphylli, corollae petalorum 6, staminum 
uniserialium numerosorum. Petiolum longitudinaliter striatum. 

Die vorliegende Frucht, welche bis auf den obersten Theil 
recht gut erhalten ist, gehört einer Pflanze aus der Familie der 
Papaveraceen an und dürfte am besten zu Papaver selbst zu bringen 
sein. Der längsgefurchte Fruchtstiel trägt unmittelbar unter der 
eiförmigen Frucht 3 deutliche Narbenkreise. Die 2 sehr breiten 
unteren Eindrücke, von denen nur der eine sichtbar ist, ent- 
sprechen den Kelchblattnarben bei Papaver. Die den mittleren 
Kreis bildenden Narben entsprechen denjenigen der Blumenkron- 
blätter, die wahrscheinlich in der Sechszahl vorhanden gewesen 
sind. Der dritte Kreis mit 7 deutlichen kleineren Narben stellt 
den Staubgefässkreis mit wahrscheinlich mehr als 14 Staubgefässen 
dar. Die zusammengedrückte Frucht selbst lässt noch recht gut 
die zahlreichen, in der Abbildung nicht deutlich dargestellten, 
falschen Scheidewände der Papaver- Kapsel erkennen. Die Narben- 
scheibe, die leider nicht erhalten ist, scheint die geringe Grösse 
derjenigen von Papaver somniferum L. gehabt zu haben. 

Von den lebenden Papaver- Arten unterscheidet sich die nach 
dem einen Reste noch nicht scharf zu umgrenzende fossile Art 
durch das Auftreten nur eines einzigen Staubgefässkreises. 

Von den 14 lebenden Arten von Papaver kommt eine 
auf Südafrika, eine andere auf das tropische Australien, die 
übrigen auf das subtropische und gemässigte Asien, Europa und 
Nordafrika. 



140 



Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. 



[298] 



Bixaceae. 
Kiggelaria oligocaenica nov. spec. 

Taf. 19, Fig. 4. 

Foliapinnata; foliola alternantia, breviter petdolata, oblongo- 
lanceolata, apice actiminata , in petiolum angustata, serrulata. 
Nervus primarius validu-s , nervi secundarii numerosi, curvaii, sub- 
paralleli, camptodromi , nervi basilares oppositi, sub angulo 
acutissimo Orientes. 

Unsere Figur stellt das Bruchstück eines 
gefiederten Blattes dar. Die kurzgestielten, 
feingesägten , mit einander abwechselnden 
Fiederblätter enthalten zahlreiche, einander 
parallele und in aufsteigenden Schlingen sjch 
verbindende Secundärnerven und 2 unter sehr 
spitzem Winkel abzweigende Basilärnerven. 

Gefiederte Blätter von gleichem Bau 
finden wir nur in der Familie der Bixa- 
ceen, z. B. bei Melicytus ramiflorus Forst., 
Xylosma suaveolens Dne. und Kiggelaria 
africana L. Die nächsten Beziehungen 
weist unzweifelhaft die letztgenannte Art auf. 
Die feingesägten Fiederblätter derselben be- 
sitzen die gleiche Form, den nach der Spitze 
zu sich schnell verschmälernden Mittelnerv, 
die ebenso angeordneten Secundärnerven und 
die beiden unter sehr spitzem Winkel ent- 
stehenden Basilärnerven. An einem Baume 
im botanischen Garten zu Berlin konnten 
Blätter mit abgerundeter und mit zugespitzter 
Basis beobachtet werden. Alle Fieder- 
blätter haben einen langen, dünnen Blatt- 
stiel. 

ßignonia eocenica Ett. (Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora 
von Sotzka pag. 527, Taf. 2, Fig. 3), ein einfaches Blatt, uuter- 




Kiggelmia africana h. 



[299] Bornstedt. 141 

scheidet sich nur durch die grösseren Zähne und die geringere 
Anzahl der Secundärnerven. Ettingshadsen findet die besten 
Analogieen bei Bignonia. Da aber ähnUche Blätter mit gleicher 
Nervatur auch bei Araliaceen angetroffen werden, ist die Bestim- 
mung noch zweifelhaft. 

Die Gattung Kiggelaria umfasst 3 südafrikanische Arten, 
welche Sträucher oder niedrige Bäume bilden, Kiggel. ferruginea 
E. et Z. , Dregeana Furcz. und africana L. (häufig in der Nähe 
der Capstadt). 

Sterculiaceae. 

Stercnlia tenuiloba Saporta. 

Taf. 18, Fig. 8. 

Saporta, Et. I, 4, Ann. d. sc. nat. 4. ser., XVII, pag. 273, tab. 10, fig. 2 (1862). 
ScHiMPEE, traite de pal. veg. III, pag. 101 (1874). 

Folia petiolata, palmato-triloba, basi angustata; lohi tenuiter 
acuminata, integerrimi-, lobus medius longissimus. Nervi secun- 
darii arcuato - conjuncti. 

unser Blatt passt recht gut zu dieser Art. Die beiden Seiten- 
lappen sind zugespitzt, und vermuthlich war auch der viel längere 
Mittellappen allmälig nach oben verschmälert. 

Die in deutlichen Schlingen aufsteigenden Secundärnerven 
entfernen unsere Art ebenso wie Sterculia labrusca Ung. von dem 
lebenden Brachy chit07i (Sterculia) diver sifolium. Ihre lebenden 
Analoga gehören vielmehr der Gruppe von Sterc. colorata Roxb. an. 

Acer triaenum var. furcifer Mass. (stud. Senog. pag. 333, 
tab. 20, fig. 2), ein dreilappiges Blatt mit lang zugespitzten, ganz- 
randigen Lappen, unterscheidet sich von unserer Art durch die brei- 
tere Basis. MassäLONGO vergleicht es zwar mit Sterculia labrusca 
Ung., ist aber mehr geneigt, dasselbe für eine den Sterculienblät- 
tern ähnliche Form von Acer triaenum aus der Gruppe von Acer 
monsspessula?ium zu halten. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Üligocän: Bornstedt, Aix. 



142 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [300] 



Bombaceae. 
Bombax Decheui Weber sp. 

Taf. 17, Fig. 1—4; Taf. 18, Fig. 7 (?). 

Dombeijopsis Decheni Weber, Palaeontogr. II, pag. 193, Taf. 21, Fig. 10 (1852). 

» » Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 36, Taf. 110, Fig. U (1859). 

(•>) » » Ludwig, Palaeontogr. YHI, Taf. 61, Fig. 4 (1860). 

» » ScHiMPER, traite de paL veg. III, pag. 109, tab. 99, fig. 1 

(1874). 
("i) » pentagonalis WsBER, Palaeontogr. II, pag. 194, Taf. 21, Fig. 11 (1852). 

Grewiopsis sparmannioides Saporta, Et. II, Ann. d. so. nat. 5. ser. , III, pag. 50 
. (1865). 
» anisomera Sapokta, ibid. pag. 51. 

» » » Sezanne pag. 409, tab. 13, fig. 8, 9 (?) (1868). 

» » ScHiMPER, traite de pal. veg. IE, pag. 121 (1874). 

(?) Platanus antiquaWATEi.'E.T, Paris tab. 47, fig. 3 (1866). 
(?) » dubia Watelet, ibid. tab. 47, fig. 2. 

» aceroides Engelhardt, Göhreu pag. 25, Taf. 5, Fig. 3 (1873). 

FoUa subcoriacea, lange petiolata, avipla, late ovata, triloba, 
basi cordato - emarginata, palmato — 5 vel 7 nervia; lobi acumi- 
nati, repande sinuajo-dentati et lobulati; lobus medius productior. 
Nervi secundarü remoti, craspiedodromi; nervi tertiani angulo 
subrecto Orientes, dictyodroini; rete interpositum lawiusculu.ni. 

Von der bei Bornstedt nicht gerade seltenen Pflanze konnten 
immer nur Blattbruchstücke gefunden werden. Unsere Fig. "2 u. 3 
passen recht gut zu der WEBER'schen Abbildung Taf. 21, Fig. 10. 
Fig. 3 bringt die Oberseite des Blattes zur Anschauung. Beim 
Präpariren treten die kräftigen Nerven wie in Fig. 2 hervor. 
Fig. 1 zeigt die herzförmig ausgeblichtete Basis eines zu derselben 
Art gehörenden Blattes. Taf. 18, Fig. 7 ist, weil schlecht erhalten, 
noch zweifelhaft; es erinnert in der Gestalt am meisten an Taf. 17, 
Fig. 2. 

Nach dem Vorgange von Weber hatte man bisher die Blätter 
dieser und einiger verwandten Arten aus dem Pariser Eocän fälsch- 
lich bei den Dombeyaceen untergebracht, indem man die Beschafl'en- 



[301] Bornstedt. 143 

heit des Blattrandes nur wenig berücksichtigte. Die Blätter von 
Dombeyaeeen und Bombaceen sind nicht zu unterscheiden, wenn 
der Rand nicht unterbrochen ist. Bei vielen Arten jedoch ist der 
Blattrand gezahnt, und dann gilt als bestes Unterscheidungsmerk- 
mal, dass die Blätter der Bombaceen buchtig gezahnt, die 
Blätter der Dombeyaeeen ebenso wie die der Tiliaceen 
gekerbt oder gekerbt-gezahnt sind. Da die fossilen wie die 
lebenden Blätter sonst nicht sicher nach der Familie zu bestimmen 
sind, muss auf dieses Merkmal besonderer Werth gelegt werden. 
Dasselbe wird in manchen Fällen allein geeignet sein, Domheya- 
und C«m«s - Blätter zu unterscheiden. Aus demselben Grunde 
müssen die von Saporta bei Greiviopsis untergebrachten Arten 
von Sezanne zu den Bombaceen gestellt werden. 

Grewiopsis anisomera Sap. ist mit unserer Art zu ver- 
einigen. Das Blatt 1. c. Fig. 8 stimmt mit unseren Blättern voll- 
ständig überein. In Fig. 9 ist vom Blattrande nur ein kleiner Theil 
erhalten. — Do'mbeyopsis pentagonalis Web. scheint nur eine 
Jugendform unserer Art zu sein. — Die schlecht erhaltenen Blätter 
von Platanus antiqua und dubia Wat. von Sezanne dürften 
gleichfalls zu unserer Art gehören. 

Die besten lebenden Analoga sind Ochroma lag optica Sw. 
und Cheirostemum platanoides H. et B. Die dickfleischigen, 
langgestielten, herzförmig ausgebuchteten Blätter der ersteren, mit 
kurzen, spitzen Seitenlappen, sind von unseren Blättern kaum zu 
unterscheiden. Wie an der Rotter Pflanze war an einigen Exem- 
plaren der lebenden Art ein zweites Paar von Seitenlappen an- 
gedeutet. Der Blattrand ist ganz oder buchtig -gezahnt wie an 
den fossilen Blättern. (Die Ergänzung bei Dombeyopsis Declieni 
Web., 1. c. Taf 21, Fig. 10 ist nicht correct.) Die Anzahl der 
Zähne entspricht derjenigen der Secundärnerven. Die Blätter von 
Cheirostemu'ni platanoides H. et B. haben in der Regel 5 bis 7 
spitze, kurze Lappen, und die Basis ist so tiefgebuchtet, dass die 
Seitenlappen derselben weit über einander klappen. — Die beiden 
lebenden Gattungen sind nur in je einer Art bekannt, den beiden 
oben genannten, welche Mexico, Westindien und dem nördlichen 
Südamerika angehören. 



144 Beschreibung der Localfloreu der Provinz Sachsen. [3021 

Verbreitung unserer Art: 
Ober - Oligocän: Rott, Orsberg; Hohe Rhonen. 
Unter-Oligocän: Bornstedt, Göhren. 
Unter-Eocän: Sezanne. 

Verwandte Arten: 

1. Bombax tiliacea Sap. sp. ] 

2. » credneriaefolia Sap. sp. > Sezanne. 

3. Fterospermites inaequifolius Sap. ) 

Bombax chorisioides nov. spec. 

Taf. 19, Fig. 5. 

Folia subcoriacea, digitata (?), foliola petiolata, lanceolata, 
basi et ajjice longe attenuaia, margine argute-serrat.a. 
Nervus primarius versus apicem evanescens, nervi secundarii nume- 
rosi, angulo ca. 60° Orientes, camptodromi, parcdleli. 

Unser Blatt gehört der Formenreihe von Bombcuv gJaucescens 
Sw. ( Ettingshausen, Bombaceen Taf. 2, Fig. 1 und Taf. 4, Fig. 2) 
und Chorisia speciosa St. Hil. (ibid. Taf. 1) an. Bei der letz- 
teren finden wir alle Merkmale des anscheinend lederartigen Blattes 
von Bornstedt wieder. Die langsame Zuspitzung oben und unten, 
der nach oben sich schnell verfeinernde Hauptnerv, die Unsymmetrie 
der beiden Blatthälften, die besonders deutlich am unteren Theile 
der Figur hervortritt, der Verlauf der Secundärnerven, die scharfen 
Sägezähne und die Lage der grössten Breite des Blattes etwa in 
der Mitte, das sind beiden gemeinsame Merkmale. Das fossile 
Blatt unterscheidet sich kaum durch, die schlankere Gestalt, die 
längere Spitze und die unter wenig spitzerem Winkel entsprin- 
genden Secundärnerven. 

Demselben Typus gehören an: 

1. Bombam chorisiaefolia Ett. (Bilin HI, pag. 11, Taf. 42, 
Fig. 2, 4, 5 und Sagor H, pag. 186), von Sagor, Kutschlin 
und Trifail. 

2. Bombax Ne'ptuni Ung. sp. (siehe weiter unten), von 
Bornstedt und lladoboj. 



[303] Bornstedt. 145 

3. Bombax sa go7-i an um Ett. (Wien pag. 21, Taf. 4, Fig. 3 
und Sagor II, pag. 186), von Sagor. 

4. Juglans egregia Lesq. (foss. flor. of the S. Nevada 
pag. 36, tab. 9, fig. 12, non tab, 10, fig. 1), von Chalk 
Bluffs, Nevada County, Californien, welche sich von unserem 
Blatte nur durch zahlreichere Secundärnerven unterscheidet. 

Die drei lebenden Arten der Gattung Chorisia sind auf das 
tropische Amerika beschränkt. Die Gattung Bomhaie umfasst 
10 Arten, und zwar 2 asiatische {Bombax malabricum De C. und 
insigne Wall, im tropischen Monsuugebiete) und 8 amerikanische. 
Die lebenden Arten vom Typus Boinbax glaucescens Sw. gehören 
dem tropischen Amerika an. 

Die nächst verwandten fossilen Arten sind : 

1. Juglans egregia Lesq., Chalk, Bluffs, Nevada County. 

2. Bombax chorisiaefolia^ii.: Ünter-Miocän (Trifail, Kutsch- 

lin und Sagor). 

Bombax Neptuni ünger sp. 

Taf. 11, Fig. 10. 

Samyda Neptuni Ünger, Gen. et spec. plant, foss. pag. 443 (1850). 

Cupania » » Sylloge I, pag. 35, Taf. 15, Fig. 7, 8; Taf. 16, Fig. 1—4 

(1861). 
Bombax » Ettingshausek , Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Radoboj 

pag. 886, Taf 3, Fig. 17 (1870). 
Cupanites » Schimpeb, traite de pal. veg. III, pag. 171 (1874). 

Folia digitata (?), foliola petiolata, magna, oblong a vel 
ob ovato- oblong a, obtuse vel acute et sat subito acuminata, basi 
inaequilaterali, toto fere margine vel solum e medio ad apicem acute 
serrata. Neroi secundarii sub angulis 45 — 55*^ egredientes, sub- 
arcuati^ apice extus rainosi, arcuato-anastomosati, arcubus 
a margine distantibus. 

Unser Blatt erinnert am meisten an Sylloge Taf. 16, Fig. 8. 
Es hat mit den ÜNGER'schen Blättern vor allem gemein die dicht 
gedrängten Sägezähne, die schon in grosser Entfernung vom Blatt- 

10 



146 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [^041 

rande auftretende, wiederholte Gabelung der Secundärnerven und 
das von den ebenso deutlichen Tertiärnerven gebildete grobe 
Maschen netz. 

Die Gattungen Samyda und Saurauja, zu denen diese Blätter 
früher gestellt wurden, unterscheiden sich durch den abweichenden 
Verlauf der Secundärnerven. Unger brachte sie später zu Cuj)ania, 
deren Fiederblätter in der That recht gut zu den fossilen Blatt- 
resten passen. Ettingshäusen zog darauf einen Theil der Unger'- 
schen Blätter (Sylloge Taf. 15, Fig. 7 — 8) zu Bombax, indem er 
die grosse Aehnlichkeit derselben mit Bombax glaucescens Sw. 
(Ettingshäusen, Bombaceen Taf. 2, Fig. 1) und Chorisia speciosa 
St. Hil. (ibid. Taf. 1) hervorhob. Da die Blätter 1. c. Taf. 16, 
Fig. 1 — 4 von den übrigen nicht zu unterscheiden sind, müssen 
wir vorläufig sämmtliche vereinigt als eine Bombax- Art betrachten, 
bis spätere Funde von zusammengesetzten Blättern eine sichere 
Gattungsbestimmung ermöglichen. 

Cupania Neptuni Engelh. (Flora der Rraunkohlenform. 
im Königr. Sachsen pag. 25, Taf. 7, Fig. 1) hat entferntstehende 
Zähne und kräftige Secundärnerven. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Miocän: Radoboj. 
Unter-Oligocän: Bornstedt. 



Celastrineae. 

(P) Celastrus elaemis Unger.. 

Heer, Bornstedt pag. 20, Taf. 4, Fig. 11 (1870). 

Die Gattungsbestimmung der zu dieser schlecht begründeten 
Art gebrachten Blätter ist unmöglich. Daher haben alle diese 
Blätter für die Beurtheilung einer Flora keinen Werth. Das 
Blatt Fig. 12 in Heer, Bornstedt, weicht von den übrigen der- 
selben Art ab. 



[305] Bornstedt. 147 

Celastrus mimitus nov. spec. 

Taf. 11, Fig. 11—13. 

Folia subcoriacea , parva, lineari-lanceolata^ utrinque 
sens'ini attenuata, remote et argute serridata; neroi secimdarii 
angulis acutissimis Orientes, camptodromi. 

Blattbruchstücke dieser Art sind bei Bornstedt häufig ge- 
funden worden. — Blätter von gleicher Form und Nervatur sind 
charakteristisch für zahlreiche Celastrineen, so für Evonymus 
americanus L. var. angustifolius Barsch., Maytenus boaria Mol. 
var., Celastrus sp. Nov. Holl. (EttinGSHausen, Apetalen Taf. 7, 
Fig. 11 — 13) und ein mit Hex salicifolia Jacq. bezeichnetes Exem- 
plar eines südamerikanischen Strauches im Königl. Herbarium, 
welcher nach Reiss (Bemerkung an dem gepressten Exemplar) 
jedoch zu Celastrus gehört. Die Blätter des letzteren lassen sich 
von den fossilen Blättern nicht unterscheiden. 

Die verwandte fossile Art Celastrus stygiics Heer (flor. 
tert. Helv. HI, pag. 68, Taf 121, Fig. 53 und 54) hat kürzere 
Blätter mit stumpferen Zähnen. 

Verwandte Art: 
Celastrus stygms Heer: Ober-Oligocän (Monod). 

Rhamneae. 
Zizyphus Leusclineri nov. spec. 

Taf. 19, Fig. 11. 
Siehe diese Abhandl., Eisleben. 

Das abgebildete Blatt dieser bei Bornstedt seltenen Art stimmt 
am besten mit Taf. 25, Fig. 7 — 10 von Eisleben übereiu. 

10* 



148 



Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. 



[306] 



Anacardiaceae. 



Anacardites cnrta Watelet sp. 

Taf. 19, Fig. 8—10. 

Banksia curia Watelet, Paris pag. 159, tab. 52, fig. 13 (1866). 
(?) » lobata Watelet, ibid. pag. 160, tab. 52, fig. 14. 

FoKa pinnata (?) , foliola subcoriacea, breoiter petiolata, ovata 
vel ohlonga^ acuminata, basi attenuata, sparsim et argute sei'rulata. 
Nervus primarius validus , nervi secundarii numerosi, paulutn 
curvati, angulo acuto vel subrecto Orientes, partim crasp)edo- 
dromi partim marginem non atting entes, furcati, inter se 
conjuncti; nervi tertiarii angulo subrecto Orientes dictyo- 
dromi. 

Der Nervationscharakter der drei bis jetzt gefundenen Blätter 
dieser Art ist in der Jetztwelt auf nur wenige Pflanzen beschränkt. 
Blätter mit fast senkrecht abzweigenden Se- 
cundär- und Tertiärnerven finden wir aus- 
schliesslich in der Familie der Anacardia- 
ceen, und zwar häufig bei Rhus (namentlich 
in der Formenreihe von Rhus paniculata 
Wall.), Anacardium und Comocladia. Zu 
der letzten Gattung oder in deren Nähe 
muss die Bornstedter Pflanze gebracht wer- 
den, da unter allen Anarcardiaceenblättern 
des Königlichen Herbariums diejenigen von 
Comocladia dentata Jacq. die grösste und 
überraschendste Uebereinstimmung zeigen. 
Die Gestalt der lederartigen, feingezahnten 
Fiederblätter ändert mit der Lage derselben 
ab; die unteren sind gedrungen, eiförmig (wie 
unsere Fig. 8) , die folgenden langgestreckt 
(wie Fig. 10), die oberen kürzer und schmaler. 
Der Blattstiel ist kurz und breit, der Mittel- 
' nerv sehr kraitig. , Die nur wenig gekrümmten 




[307] Bornstedt. 149 

Secundärnerven laufen in die Zähne oder theilen sich dicht am 
Blattrande und verbinden sich durch Gabeläste. Die zahlreichen, 
fast rechtwinklig entspringenden Tertiärnerven lösen sich (wie in 
Fig. 10) netzartig auf. Den Secundärnerven laufen immer vom 
Hauptnerv ausgehende Tertiärnerven parallel. 

Banksia ctirta Wat. , mit keiner lebenden Banksia- Art 
vergleichbar, zeigt alle charakteristischen Merkmale unserer Blätter, 
so dass wir sie trotz des schlechten Erhaltungszustandes mit 
diesen identificiren können. Banksia lobata Wat., ein noch 
weniger gut erhaltenes Blattstück, hat zu unserer Fig. 8 die 
nächsten Beziehungen. 

Die nächst verwandten Arten sind 
Anacardites alnifolius Sap., Et. I, pag. 201, tab. 2, fig. 1 
(Untere Lignitgruppe Südfrankreichs), 
» spectabilis Sap., ibid. pag. 281, tab. 1.3, fig. 5 und 

» spondiaefoliios Saj)., ibid. pag. 282 von Aix. 

Aehnliche Blatttypen: 

1. Dryandroides laevigata Heer (flor. tert. Helv. II, 
pag. 101, Taf. 99, Fig. G) hat dieselbe Gestalt und die gleiche 
Anordnung der Secundärnerven wie unsere Fig. 10. Das feinere 
Netzwerk weicht von demjenigen bei Vomodadia ab. 

2. Phyllites rectinervis Heer (flor. tert. Helv. III, pag. 135, 
Taf. 140, Fig. 50), am meisten an unsere Fig. 10 erinnernd, war 
ganzrandig und dünnhäutig. Nur die Secundärnerven sind er- 
balten. 

3. Ailanthus dryandroides Heer (flor. tert. Helv. III, 
pag. 87, Taf. 127, Fig. 31 und 32; Taf. 154, Fig. .35) weicht 
durch die charakteristische Bildung des Maschennetzes ab. Das- 
selbe gilt von 

4. Samyda borealis Heer (non Ung.) (ibid. pag. 32, 
Taf. 108, Fig. 9). 

5. Phyllites crassinervis Heer (ibid. pag. 134, Taf. 140, 
Fig. 45) besitzt die wesentlichen Merkmale von Comocladia , ist 
aber ganzrandig und an der Spitze abgerundet. 



150 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [308] 

6. Plumeria neriifolia Web. (Palaeontogr. IV, pag. 150 
Taf. 27, Fig. 4 — 5) scheint den Nervationscharakter von Como- 
cladia zu besitzen. Die Enden der Secundärnerven sind nicht 
deutlich wiedergegeben. 

Das Verbreitungsgebiet der 4 lebenden Arten von Comocladia 
ist das tropische Amerika. Comocladia dentata Jacq. gehört den 
westindischen Inseln an. 

Verbreitung unserer Art: 
U nter-Oligocän: Bornstedt. 
Unter-Eocän: Beileu, (?) Pernant. 

Nächst verwandte fossile Arten: 

1. Anacardites alnifolius Sap. : Unter -01igocän(?) {jn Lignites 

inf.ii in Südfrankreich). 

2. Anacardites spectabilis Sap.: 



„ 7- • 7- ci ( Unter - Oligocän (Aix). 

6. » spona;iaejoLius oap. : ' 



Jxiglandeae. 
Conf. Juglans Leconteana Lesquereüx. 

Taf. 19, Fig. 7. 

Juglans Leconteana Lesquereüx, tert. flor. pag. 28'), tab. 54, fig. 10 — 13 (1878). 
» rugosa Lesqueeeu.\ e. p., ibid. pag. 28fi, tab. 5-1, fig. 5, 14. 
» rhamnoides Lesquereüx, ibid. pag. 284, tab. 54, fig. 6 — 9. 

Das abgebildete Blatt stimmt mit der amerikanischen Art 
überein. Es hat die Grösse und Gestalt von Fig. 12 (tert. flor.). 
Da in der Jetztwelt ähnliche Blätter bei zahlreichen Familien 
wiederkehren, lässt die Identität eines einzigen Blattes mit der 
amerikanischen Art nicht ohne Weiteres eine Gleichheit der 
Arten zu. 

Juglans rugosa und rhamnoides lassen sich von Jugl. Leconteana 
nicht unterscheiden. Lesquereüx vermuthet, dass alle drei nur 
Varietäten von Juglans acuminata AI. Br. sind. Die fossilen Blätter 
passen besser zu Diospyros, zumal da Diospyros acuminata und 
virginiana ganz ähnliche Blattformeu aufweisen. 



Amerikanisches Tertiär: 



[309] Bornstedt. 151 

Verbreitung: 
Unter-Oligocän: (?) Bornstedt. 

zweite Gruppe: Evanston (Wyom.); 
erste Gruppe : Marschalls Mine (Co- 
lorado), Spring Caiion (Montana), 
Black Buttes (Wyoming), Point of 
Rocks (Wyoming). 

Myrtaceae. 

Myrtiis amissa Heer. 

Heer, Bornstedt pag. 18, Taf. 2, Fig. 2; Taf. 3, Fig. 4b; Taf. 4, Fig. 8, 9 (1870). 



Unbestimmbare Pflanzem-este. 

1. Taf. 8, Fig. 5, ein Farnkrautbruchstück von dick -leder- 
artiger Beschaflfenheit , welches sich von Pteris Prest- 
wichii Ett. et Gardn. (Fig. 6) durch die Grösse und die 
einfachen oder nur einmal gegabelten Seitennerven unter- 
scheidet. 

2. Taf. 14, Fig. 8, unbestimmbare Frucht von Quercus. 

3. Taf. 19, Fig. 1. Der Blattrest erinnert am meisten an 
Celastrus Persei Heer (mioc. halt. Flora Taf 10, Fig. 8) 
von Rixhöft und an die Blätter mehrerer lebenden Sym- 
plocos- Arten, namentlich diejenigen von Synipl. lyyrifolia 
Wall. (Fig. la). 

4. Taf. 19, Fig. 2 erinnert am meisten an Juglans bilinica 
Ung. Zu derselben Gattung gehört wahrscheinlich ein 
4''™ langes und 6""° breites Blttthenkätzchen. 

5. Taf. 19, Fig. 6 erinnert an Tetrapberis hai^pyarum Ung., 
Cor?ius platyphylla Sap. und Bcmisteria sotzkiana Ett. Am 
besten passt es zu den Blättern von Quercus einer eoides 
Lesq. 

6. Taf. 19, Fig. 12 — 14, unbestimmbare Früchte. 



152 



Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. 



[310] 



7. Eucal ijptui: haeringiana Heer, Bornstedt pag. 19, Taf. 4, 
Fig. 14. 

8. Sapindus multinervis Heer, ibid. pag. 19, Taf. 3, Fig. 11. 

9. Cassia phaseolites Heer, ibid. pag. 21, Taf. 3, Fig. 10. 



Eisleben. 

Zu diesem Florengebiete gehören der »Segengottesschacht« 
und die »Schwarze Minna«, zwei jetzt -verlassene Schächte in der 
Nähe von Eisleben. Im Jahre 1878 traf man beim Abteufen des 
an der Strasse nach Wimmelburg gelegenen Segengottesschachtes 
No. in behufs Kupferschiefergewinnung etwa 6'" unter Tage auf 
einen gelbbraunen, blätterführenden Thon. Eine Anzahl Kisten 
mit diesem Thone übersandte die Mansfelder Kupferschieferbauende 
Gewerkschaft bereitwilligst dem Halleschen Museum und der geo- 
logischen Landesanstalt. Beide Sendungen erwiesen sich ausser- 
ordentlich reich an Blättern, Blüthen und Früchten, und haben 
fast ausschliesslich das Material zu den hier beschriebenen und 
abgebildeten Pflanzen dieser Fundstelle geliefert. Einige recht 
interessante Stücke stammen aus den Sammlungen der Herren 
Dr. Mehlis, Dr. Heine, Kadtzleben und Steinicke. 

Die Lagerungsverhältnisse der vom Segengottesschachte durch- 
teuften Schichten sind nach den brieflichen Mittheilungen des 
Herrn Fahrsteigers Zottmann in Eisleben folgende: 

Dammerde (1™). 



Lehm (1"). 



Hellblauer Thon, mit gelbem Sande und Eisenoxyd- 
theilchen vermischt (4'"). 



Hellbrauner Thon mit Blättern (3™). 

Schwarzblauer Thon, ebenfalls mit Blattabdrücken; 
letztere sind selten und undeutlich (4'"). 



Dünner Besteg von Braunkohle. 
Compakter, hellgrauer Thon (6"). 



[311] 



Eisleben. 



153 



Hellgrüner, sandiger Thon, durchsetzt von Dolomit- 
bänken (7™). 



Desgleichen mit Gypsknollen (1™). 



Gyps mit Thoneinlagerungen (9'"). 

Unter dieser Ablagerung wurde bis zu 135™ Tiefe nur noch 
in Gyps abgeteuft, der zuletzt ziemlich fest und von schwärzlichem 
Aussehen war. Unter diesem lagert nach früheren Erfahrungen 
Anhydrit. Welcher von den verschiedenen Thonen noch zur 
Zechsteinformation zu zählen ist, konnte ich aus den mir über- 
sandten Notizen nicht entnehmen. Wahrscheinlich gehört der 
compakte, hellgraue Thon noch zum Tertiär. 

Das Tertiär vom Segengottesschachte scheint mit dem schon 
in früheren Jahren aufgeschlossenen, aber jetzt verschütteten Vor- 
kommen in der »Seh warzen Minna« nördlich vom Segen gottes- 
schachte in Verbindung zu stehen. Eine Anzahl von Blättern 
dieser Fundstelle, welche seit langer Zeit im Halleschen Museum 
aufbewahrt werden, stimmt der Art nach vollständig mit denen 
vom Segengottesschachte überein. Der dunkelblauschwarze Thon, 
in welchem sie liegen, ist ausserdem dem ebenfalls pflanzen- 
führenden, schwarzblauen Thone des Segengottesschachtes so ähn- 
lich, dass die beiden kleinen, isolirten Tertiärablagerungen als 
gleichaltrige und zusammengehörige Bildungen betrachtet werden 
mögen. ZiNCKEN giebt die Lagerungsverhältnisse der früheren 
Grube Schwarze Minna (Physiographie der Braunkohle pag. 631) 
wie folgt an: 

Sand, zum Theil Schwimmsand (6 Lchtr.). 



Grauer, grobschiefriger, sandiger Thon. 



Bituminöser Thon mit Blättern und Eisenkiesknollen. 



11/2 L'chtr. mächtiges Flötz (nach Herter in Abb. 
der naturforsch. Ges. zu Halle IV, pag. G9 bei 10 L. 
Tiefe beginnend), welches in seiner oberen Schicht 
eisenkiesreiche Lignitstämme, umgeben von aus Wur- 
zeln und Blättern hervorgegangener Moorkohle, und 
in seiner unteren knorplige Braunkohle führt. 



154 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3121 

ZiNCKEN erwähnt das Vorkommen von Knollensteinen, giebt 
aber nicht an, in welcher Beziehung dieselben zu den aufgezählten 
Schichten stehen. Als äquivalente Bildungen müssen angesehen 
werden: 



im 

Segengottesschacht: 

schwarzblauer Thon mit Blät- 
tern; 
dünner Besteg von Braunkohle. 



in der Grube 
Schwarze Minna: 

bituminöser Thon mit Blättern 

und Eisenkiesknollen; 
1^/2 Lchtr. mächtiges Flötz. 



Ob die blätterführenden, gelbbraunen Thone vom Segengottes- 
schachte dem grauen, sandigen Thone der »Schwarzen Minna« 
entsprechen oder noch als ein Aequivalent des bituminösen Thones 
mit Blättern zu betrachten sind, lässt sich jetzt nicht mehr ent- 
scheiden. 

Die Lagerungsverhältnisse der beiden Pflanzenfundstellen lassen 
keinen directen Vergleich mit dem übrigen Tertiär der Umgegend 
von Halle zu. Es bieten daher nur die Pflanzenreste Anhalts- 
punkte zur Bestimmung des Alters ihrer Ablagerungen. 

Ueber Pflanzenfunde aus der nächsten Umgebung von Eis- 
leben ist bis jetzt JFolgendes bekannt geworden. Zincken führte 
zuerst aus dem bituminösen Thone der »Schwarzen Minna« 
(Physiogr. pag. 632 Anm.) Quercus asjjera, Quercus Hamadryadum, 
Phyllites crenulatus und Cinnamomum Rossmaessleri auf. Später 
wurden von Göppert (nach einer Mittheilung des Bergassessors 
DüCKER vom 14. April 1869 an Zincken [siehe Ergänzungen I 
zur Physiographie pag. 183]) noch gefunden und bestimmt: Aspi- 
dium lignitum, Laurus Giebeli, Glyptostrobus Ungeri, Quercus dry- 
meia, Dryandra aemula und Eugenia. Eine Anzahl der im Halle- 
schen Museum aufbewahrten Abdrücke von der »Schwarzen Minna« 
sind mit diesen Bestimmungen versehen und bilden wahrscheinlich 
die Originale zu den aufgezählten Arten. Die Bestimmungen sind 
in allen Stallen ungenau und unbrauchbar. Kein einziges der mir 
bekannt gewordenen Blätter von Eisleben konnte auf Quercus, 
Laurus oder Glyptostrobus gedeutet werden. 



[313] Eisleben. 155 

Das Vorkommen von Pflanzen aus dem Segongottesschachte 
wurde zuerst durch Herrn Dr. Heine bekannt, welcher im Jahre 
1878 eine Anzahl derselben dem naturwissenschaftlichen Vereine 
für Sachsen und Thüringen vorlegte (Zeitschr. für die ges. Natur- 
wiss. 1878, pag. 601). 



Beschreibung der Arten. 

Filices. 
Polypodium oligocaeniciim nov. spec. 

Taf. 20, Fig. 17 und Taf. 28, Fig. 6 und Ga. 

Folia subcoriacea, pinnata; sec/menta linearia, integra, basi ad- 
nata; nervi segmentorum primarii tenues, secundarii inconspicui; 
sori biseriales, rotundi, exsculpti, suferficie circumvallati. 

Taf. 20, Fig. 17 ist eine nicht gelungene Wiedergabe eines 
Wedelsttickes. Taf. 28, Fig. 6 stellt ein isolirtes Fiederblättchen 
dar, Fig. 6 a dasselbe in Sfacher Vergrösserung. Der zarte Mittel- 
nerv ist hin- und hergewunden. Secundärnerven konnten weder 
an den abgebildeten Bruchstücken, noch an zahlreichen isolirten, 
mit einer dicken kohligen Rinde bedeckten Fiederblättchen beob- 
achtet werden. Die zweireihigen, kreisrunden und schüsselartig 
erhöhten Soren sind gegenständig oder wechseln mit einander ab. 

Von der Gattung Laccopteris, zu welcher ich unser Farn an- 
fangs zu stellen geneigt war (Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. 32, 
pag. 679), unterscheidet es sich durch das Fehlen von sternförmig 
angeordneten Sporangien. Soren von napfartiger Gestalt sind 
für zwei Sectionen von Polypodium charakteristisch, nämlich 
Prosaptia und die Gruppe vom Typus des ' Polypodium 
nigrescens Bl. Erstere hat auf der Unterseite der Fiederblätter 
schüsselartig erhöhte Soren (sori exsculpti), letztere vertiefte Soren 
(sori inipressi). Unser Farn gehört sonach zu der Section 
Pi-osaptia, deren Arten den Tropen angehören und von Ceylon 



156 BeschreibuEg der Loealfloren der Provinz Sachsen. [3141 

bis Tahiti verbreitet sind. Eine sehr nahe verwandte lebende 
Art mit schief gestellten Soren und, analog der fossilen Art, 
kaum erkennbaren Secundär nerven ist Polypodium obliquatum Bl. 
(Taf. 28, Fig. 6 A stellt ein "Wedelstück aus der Sammlung des Herrn 
Dr. Kuhn dar). 

Nephrodinm aciitilobniu nov. spec. 
Taf. 20, Fig. 4 imd 4 a. 

Folia innnata(f), pimiae lineares, pintiatißdae ; pinnarum lohi 
ovati, acumiriati, serrulati. Nervi loboruin primarii angulo 60'' 
Orientes, nervi secundarii bi-vel tripartiti. Sori renifor?nes, ramis 
superioribus adfixi. 

An den Bruchstücken dieses nicht häufig vorkommenden Farn- 
krautes bemerkt man mit blossen Augen nur die von den Soren 
herrührenden, nierenförmigen Vertiefungen, welche in 2 Reihen 
angeordnet sind und zwar, so dass die Längenrichtungen der 
Soren der auf einander folgenden Reihen rechtwinklig gegen ein- 
ander geneigt sind. Erst mit der Lupe erblickt man die zahl- 
reichen, in winzigen Zähnen endigenden, ein- oder mehrmal ge- 
gabelten Secundärnerven. Die Soren werden von dem obersten 
Aste eines Nervenbündels getragen. 

Die G attung Nephrodium, die hier allein in Betracht kommt, 
wird nach der Nervatur in 4 Sectionen getheilt: hastraea, Eune- 
phrodium, Pleocnemia und Sagenia. Unter diesen besitzt die 
Section hastraea zu unserem Farn die nächsten Beziehungen. 
Nephrodium syrmaticum Bak. (Hooker, Synopsis ßl. pag. 272 
= Lastraea spectabilis J. Sm. in Ettingshausen , Farnkräuter 
pag. 180, Taf 115, Fig. 4, 7, 8) stimmt mit ihm im Wesent- 
lichen überein. Die bisher bekannt gewordenen fossilen Lastraea- 
Arten haben einfache Seitennerven. Nejjhrod. syrmaticum Bak. 
ist von Indien über Ceylon, Malakka bis zu den Philippinen ver- 
breitet. 



[315] Eisleben. 157 

Hypolepis elegans nov. spec. 

Taf. 20, Fig. 5, 5 a, 6, 6 a, 6 b. 

Frons pinnata, pinnae oblongae, pinnatifidae ; pinnarum lobi 
ovati, acuminati, margine serrulati; neroi lohorum secundarii fur- 
cati. Sori terminales, in apice nervorum, distincti, margine 
r evoluto indusiiformi occultati. 

Die beiden abgebildeten Bruchstücke sind die einzigen bis jetzt 
gefundenen Exemplare dieser Art. Fig. 5 stellt ein unteres, Fig. 6 ein 
oberes Fiederstück dar, welches leicht als Fortsetzung des ersteren 
gedacht werden kann. An der Stelle der tiefsten Einbuchtung 
des fiederspaltigen Blattes (Fig. 6) oder noch am Rande der 
Fiederläppchen selbst (Fig. 5) liegen die noch gut erhaltenen 
Fruchthäufchen am Ende eines seitlichen Nervenastes (Fig. 6a). 
Die körnige Masse derselben wird von dem zurückgeschlagenen, 
zum Indusium umgewandelten Blattrande (Fig. 6b) bedeckt. Da- 
durch unterscheidet sich unser Farn von D avallia und Dicksonia, 
deren Arten in der Laubbildung und der Art der Befestigung 
ihrer Soren oft übereinstimmen. Dagegen besitzen Cheilanthes 
und Hypolepis, zwei auf Grund anatomischer Merkmale im 
Systeme weit von einander getrennte Gattungen, gleichgebaute 
Sori. Aus unseren beiden Bruchstücken lässt sich die Gattung 
noch nicht mit voller Sicherheit bestimmen. Der Umstand aber, 
dass alle Cheilanthes- Axien bis auf zwei, Cheil. viscosa Link und 
Bergiana Schi., im Habitus von der fossilen Pflanze abweichen, 
während Hypolepis eine grosse Anzahl ähnlicher Formen, wie 

Hypolepis repens Presl (Ettingshausen, Farnkr. Taf. 101, 

Fig. 7; Taf. 103, Fig. 8) aus Brasilien, 

» rudis Kunze (ibid. Taf. 101, Fig. 6) von Java, 

» Endlicheriana Presl (ibid. Taf 100, Fig. 5) 

aus Neuholland, 
» aspera Presl (ibid. Taf 102, Fig. 1, 8) vom Cap, 

aufzuweisen hat, dass ferner die Nerven, welche die Soren tragen, 
bei Hypolepis gleich dünn bleiben, während deren Verdickung nach 



158 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [3161 

dem Rande zu von Mettenius als Gattungsmarkmal von Chei- 
Imithes aufgefasst wird, macht es im hohen Grade wahrscheinlich, 
dass hier ein fossiler Vertreter von Hypolepis vorliegt. Die Gat- 
tung Eypolepis war bisher nicht fossil bekannt. 

Mit Cheilanthes sind 3 Farnkrautreste aus dem Tertiär ver- 
einigt worden : 

Cheilanthes oeningensis Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 153, 
Taf. 145, Fig. 9, 
» Laharpii Heer, ibid. I, pag. 37, Taf. 10, Fig. 3 und 

» primaeva Sap., Et. Suppl. I, 2, pag. 86, tab. 1, 

fig. 12. 
Die Deutung derselben ist bei dem fast gänzlichen Mangel 
an Fructificationen sehr unsicher. 

Der Typus von Hypolepis repens Presl gehört den Tropen 
und Subtropen der alten und neuen Welt an. 

Gleichenia saxonica nov. spec. 

Taf. 20, Fig. 1, la, Ib und 2, 2a. 

Frons dichotoma, rami pinnati, pinnulae lineares vel lanceolato- 
oblongae., margine integerriniae vel serrulatae , apice obttcsae, 
basi tota adnatae. Nervus primarius e rhachi angtilo recto 
exien's, tenuis; nervi secundarii angulo acuto egredientes, cata- 
dromi, simplices, tertia/rii catadromi, arcuati, simplices oel furcati, 
exteriores receptaculum punctiforme sustinentes. 

Die Gleichenien, so verbreitet in der Kreide und der Jetzt- 
welt, hatten bis jetzt nur einen einzigen Vertreter, die englische 
Gleichenia Hantonensis Waklyn sp., aus dem Tertiär aufzuweisen. 
Unsere beiden Arten liefern den besten Beweis für das Vorhanden- 
sein der sehr alten Farngattung auch in unseren Ablagerungen 
und stellen neue verbindende Glieder dar zwischen den lebenden 
Arten und denen der Kreideschichten. 

Unsere Art, von der bis jetzt nur das abgebildete Bruchstück 
im Thone des Segengottesschachtes gefunden worden ist, steht der 
Gleichenia Hantonensis Waklyn sp. (Ettingshausen and 



[317] 



Eislebeu. 



159 



Gardner, Brit. Eoc. flora 11, pag. 43, tab. 6; tab. 10, fig. 2 — 4) 
aus dem Eocän von Bournemouth sehr nahe. Die Unterschiede 
sind so gering, dass spätere Funde wahrscheinlich die Identität 
beider Arten ergeben werden. 



Die Unterschiede sind folgende ; 



Gleichenia saxonica 
nov. spec. 

1. Blattfiedern auf der Spindel 
senkrecht stehend. 



Blattfiedern ganzrandig oder 
gesägt. 

Secundärnerven einfach, auf 
der Aussenseite stets 1, auf 
der Innenseite 2 Aeste (wie 
in Ettingshausen and Gard- 
ner, 1. c. tab. 6, fig. 5), in 
dem oberen Blatttheile jeder- 
seits 1 Seitenast aussendend. 
Sori auf dem Aussenaste 
unterhalb der Mitte. 



Gleichenia Hantonensis 
Waklyn sp. 

Blattfiedern unter spitzem Win- 
kel (bei I.e. tab. 10, fig. 2— 3 
auch unter rechtem Winkel) 
von der Spindel abgehend. 

Blattfiedern ganzrandig oder ge- 
kerbt. 

Secundärnerven einfach, seltener 
gegabelt, aussen gewöhnlich 1, 
bisweilen 2 — 3, innen 2 — 4 
(gewöhnlich 4) Seitenäste aus- 
sendend. 



Sori auf dem untersten Aussen- 
aste unterhalb der Mitte, an 
grösseren Blattfiedern zugleich 
auch auf dem innersten Innen- 
aste. 

Die Ranken und Haken, welche Ettingshausen und Gardner 
an dem englischen Farn beobachtet haben, fehlen unserer Art so- 
wohl als deren sämmtlichen lebenden Verwandten. 

Das Blättchen Fig. 2 muss mit Fig. 1 vereinigt werden, denn 
es hat die Nervatur (Fig. 2 a), die breite Basis und den ungesagten 
Rand der oberen Blattfiedern von Fig. 1. Die Sori sind punkt- 
förmig und lassen sich bei stärkerer Vergrösserung nicht wie an 
der englischen Art in mehrere sternförmig angeordnete Kapseln 
auflösen. 



160 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. T^lSl 

Unsere Pflanze gehört zu demjenigen Typus von Gleiclienia, 
dessen Spindel unterhalb der Gabelung nicht belaubt ist, und be- 
sitzt unter den hierher gehörigen Formen die nächsten Ver- 
wandten in den Arten mit wiederholt gegabelter Spindel. Die 
letzteren haben stets mehrfach, die übrigen Typen nur einmal ge- 
gabelte Seitennerven. — Der lebende Vertreter unserer Art sowohl 
als der Gleichenia Uantonends ist Gleiclienia (Mertensia) diclio- 
toma Hook. (Ettingshausen, Farnkr. Taf. 165, Fig. 5, non Taf. 167, 
Fig. 3, 7 — 9). Unter jeder Gabelung zweigt von der Hauptspindel 
jederseits ein Fiederast ab, wie in Fig. 1 unten. Die Länge der 
Blattfiedern ist schwankend. Die an der Innenseite der Gabel- 
äste sitzenden Blättchen sind sehr kurz (wie Fig. 2), die an der 
Aussenseite befestigten länger, gekerbt (wie bei Gl. Hantonensis) 
bis fiederspaltig. Die diesem Typus angehörenden lebenden Ver- 
treter (Meo'tensia) haben ganzrandige Blattfiedern. Ihr Verbrei- 
tungsgebiet sind die Tropen und Subtropen der alten und neuen 
Welt. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Oligocän: Segengottesschacht. 

Nah verwandte fossile Art: 
Gleichenia Hantonensis Wakl. sp.: Mittel-Eocän (Bourne- 
mouth). 

Gleichenia subcretacea nov. sp. 

Taf. 20, Fig. 3 a — c. 

Folia ^iinnata, pinnulae lineari-lanceolatae , confertae., basi 
connatae, angulo acuta Orientes serrulatae. Nervus pinnu- 
larum medius tenuis; nervi secundarii temiissimi , bifurcati 
arcuati, rami siqyeriores sori/eri; sori racUaliter partiti. 

Das nur einmal gefundene Farnkraut gehört nach dem Habitus 
und der Beschaffenheit der Soren zu den Gleichenien, und zwar 
zum Typus Gleichenia flabellata Br. (EttinGSIiausen, Farnkr. 
Taf. 168, Fig. 8; Taf 169, Fig. 8— 9) mit ganz belaubter Spindel, 



[319] Eisleben. 161 

Die Fiederblättchen sind bei den Arten dieser Gruppe unter 
spitzem "Winkel gegen die Spindel geneigt, am Grunde mit ein- 
ander verbunden und am Rande fein gesägt; die Secundärnerven 
sind nur einmal gegabelt, die Fruchthäufchen bestehen aus nur 
4 Kapseln. Unsere Art steht daher in der Mitte zwischen dem 
Typus Gleichenia ßabellata und demjenigen, dessen Spindel unter- 
halb der Gabelung nicht belaubt ist. Sie hat mit ersterem die 
Randbeschaffenheit und Stellung der Fiederblättcheu, mit letzterem 
die Nervatur und Fructification gemein. 

Die nächst verwandte fossile Art, Pteridoleimma Ko- 
ninckianum Deb. et Ett. (die urweltl. Acrobryen des Kreidegeb. 
von Aachen und Mastricht pag. 40, Taf. 5, Fig. 4) stammt aus 
dem der oberen Kreide angehörenden Aachener Sande. Die Art 
der Befiederung, die Gestalt der Fiederblättchen, die Nervatur und 
die Lage der Sori gleichen denen unserer Pflanze. Auch die 
Sori selbst der beiden Farne weichen nicht von einander ab, 
da die Beschreibung derselben bei Debey und Ettingshausen : 
»etwa ■''/4™" im Durchmesser haltende, tief eingesenkte, rundliche 
Höhlungen, deren Grund ziemlich regelmässig durch äusserst 
feine, vorspringende Wände gefächert ist«, recht gut auch auf die 
sternförmig gekammerten Sori unserer Art (Fig. 3c) passt. Will 
man auch der grösseren Dicke der Spindel bei der Kreidepflanze 
den Werth eines unterscheidenden Merkmales beilegen, so liegt 
hier doch der seltene Fall einer fast vollständigen Uebereinstim- 
mung einer Tertiärpflanze mit einer Kreidepflanze vor. — Eine 
zweite, ebenfalls verwandte Form, Pteridoleimma Elisabethae 
Deb. et Ett. (I.e. pag. 42, Taf. 5, Fig. 5 — 9) gehört auch der 
Aachener Kreide an. 

Der Typus Gleichenia flabellata Br. ist über die Tropen 
und Subtropen der alten und neuen Welt, besonders der südlichen 
Hemisphäre, verbreitet. Gleich, flabellata selbst ist auf Neu- 
HoUand, Tasmanien, Neu - Caledonien und Neu - Seeland be- 
schränkt. 

Vorkommen unserer Art. • 
Unter -Oligocän: Segengottesschacht. 



162 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [320] 

Verwandte Arten: 

Pteridoleimma Koninckiana Deb. et Ett. : ) t^ • i ^ » 

_,. , , _ , „ obere Kreide (Aachen). 

j Elisabeihae Deb. et Ett.: \ ^ ^ 

Osmanda lignitnm Giebel sp. 

Taf. 20, Fig. 8. 
Siehe diese Abhandl., Stedten pag. 41. 

Der kümmerliche Rest ist hinreichend erhalten, um das Vor- 
handensein dieser Art in der Eislebener Flora zu beweisen. 
Vorkommen : Segengottesschacht. 

Coniferae. 

Pinus tyi)us Pinaster. 

Kiefernadeln vom Typus Pinaster wurden häufig beobachtet. 
Leider waren die Bruchstücke so klein (2 — 4°'" lang) und die 
Oberfläche derselben so schlecht erhalten, dass eine Bestimmung 
unmöglich war. 

Myricaceae. 
Myrica angustata Schimper. 

Taf. 21, Fig. 6, 7, 8, 10, 12. 

Siehe diese Abhandl., Bornstedt pag. 96, Taf. 11, Fig. 14 und Dürstewitz Taf. 29, 

Fig. II. 
Myrica anijustata Schimpeis, traite de pal. veg. II, pag. 550 (1870 — 72). 

» » Sapokta, Et. Suppl. II, Ann. d. sc nat. 5. ser., XVIII, pag. 26, 

tab. 5, fig. 4; tab. 6, fig. 7 (1873). 
» ■ linearis Sapoeta, Et. I, 4, ibid. 4. ser., XVII, pag. 234, tab. 6, fig. 2 
(1862). 
MyricophyUmn yracile Saforta, ibid. pag. 255, tab. 10, fig. 1 (1862). 

» zacharieme Sapokta, Et. I, 5, Ann. d. so. nat. 4. ser., XIX, 

pag. 22; I, 6, ibid. pag. 66, tab. 8, fig. 2 (1863). 
» » Sapouta, Et. II, 2, ibid. 5. ser., III, pag. 103 (1865). 



1 



[321] Eisleben. 163 

Folia 2}ßiiolnta, linearia vel lanceolato-linearia, longe 
acuminata, in petiolum angustata, argute denticulata. Nervi 
secundarii numerosi, angido aperto Orientes, leviter curvati, brochido- 
dromi et craspedodromi. 

Unser Blatt Fig. 7 ist beträchtlich grösser als Et. I, 4, tab. 10, 
fig. 1 von Aix, stimmt aber mit demselben in Gestalt und Nervatur 
(besonders mit der Vergrösserung Taf. 10, Fig. lA bei SäPORTa) 
vollständig überein. Die Blätter Fig. 6, 8, 10 und 12 und das 
von Bornstedt Taf. 11, Fig. 14 eiinnern an manche Blätter von 
Lomaiites aquensis Sap. (Et. I, 4, Ann. 4. ser., XVII, pag. 253, 
tab. 7, fig. 10; Et. III, 3, Ann. 5. ser., VIII, pag. 86, tab. 9, 
fig. 1 — 4 und Suppl., Ann. 5. ser., XVIII, pag. 52, tab. 9, 
fig. 17 — 19; tab. 10, fig. 1), nnterscheiden sich aber durch eine 
langsame Verschmälerung nach oben (Lom. aquensis hat immer 
eine für Proteaceen charakteristische, plötzliche Zuspitzung auf- 
zuweisen) und eine schlankere Zuspitzung des Blattgrundes. Bei 
Lom. aquensis und der von Saporta mit dieser Art zum Theil ver- 
einigten Grevillea Kymeana Ung. (Kumi Taf. 8, Fig> 16, 17, 20 — 24, 
26 — 27) ist der Blattrand immer ein wenig convex und die Basis 
setzt an dem kurzen Blattstiele deutlich ab. 

Saporta stellte anfangs die als Myiicophyllum beschriebenen 
Blätter zwischen Banksia und Myrica, glaubte sie aber noch bei 
den Proteaceen unterbringen zu müssen; sjiäter vereinigte er die 
früher getrennten Arten unter der von Sciiimper gewählten Art- 
bezeichnung mit Myrica. 

Unsere Art gehört nach Saporta zu dem lebenden Typus 
Myrica aethiopica L. (in Südafrika vom Zambesi bis zum Cap der 
guten Hofi'nung), zu welchem ausserdem die unten genannten Arten 
zu stellen sind. 

Die Blätter von Banksia haeringiana Kti. lassen sich von 
manchen Blättern unserer Art kaum unterscheiden. Leider ist 
in den zahlreichen Abbildungen zu der ETTiNGSHAUSEN'schen Be- 
schreibung der Flora von Häring keine Spvir von Seitennerven 
wiedergegeben. 

11* 



1G4 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3221 

Das schlecht erhaltene Blatt von Myrica apiculata Sap., 
Sezanne tab. 4, fig. 5, ist wahrscheinlich mit Dryophyllum lineare 
Sap. zu vereinigen. 

Verbreitung unserer Art: 
Mittel-Oligocän: St. Jean-de-Garguier (selten), St. Zacharie 

(häufig), Gyps von Gargas. 
Unter-Oligocän: Segengottesschacht (häufig), Schv^arze Minna, 

Bornstedt, Dörstewitz ; Aix (selten). 

Verwandte Arten: 

1. Myrica anceps Sap.: Mittel-Oligocän (St. Zacharie). 

2. j Saportana Schimp. : i 

3. » sinuata Sap.: \ Unter-Oligocän (Aix). 

4. y> ilicifoliä Sap.: ; 



Ulmaceae. 
Conf. Plaiiera Ungeri Ettingshaüsen. 

Taf. 26, Fig. 2 — 3. 

Gleiche Blätter yon derselben Grösse, welche unzweifelhaft zu 
Planera Ungeri Ett. gehören, haben Heer (flor tert. Helv. Taf 80) 
und Ettingshaüsen (Bilin I, Taf. 18, Fig. 15, 16, 18, 19) ab- 
gebildet. Eine Vereinigung mit dieser Art ist erst dann möglich, 
wenn neben den kleineren Blättern in der Eislebener Flora auch 
grössere Blätter, wie sie an anderen Orten häufig sind, beobachtet 
werden können. — Planera Ungeri ist eine weit verbreitete Art, 
deren Blätter so mannigfaltig gestaltet sind, dass eine scharfe Art- 
umgrenzung sehr schwierig ist. Planera longi/o Ha hesq. (tert. 
flor. pag. 189, tab. 27, fig. 4 — 6) ist von Planera Ungeri Heer 
(flor. tert. Helv. Taf. 80, Fig. 17a) nicht zu unterscheiden. 

Blätter, wie auf unserer Taf 26, Fig. 2 und 3, besitzt die 
lebende ülmus paroifolia (= japonica). 



[323] Eisleben. 165 

Cannabineae. 
Caiinabis oligocaenica nov. spec. 

Taf. 21, Fig. 16, 17 und Taf, 26, Fig. 1. 

Folia quinque-digitata, foliola lanceolata vellinearia, bre- 
viter petiolata, basi brevifer, apice sensim attenuata, acute serrata, 
interiora symmetrica^ eaiteriora basi inaequilateri. Nervi secun- 
darii numerosi, anc/ulo acuta egredientes, leniter curvati, craspedo- 
dromi, inter se et margini dentiuvi inferiori paralleli. 

Unter allen mir bekannten Blättern von lebenden Pflanzen 
zeigen die von C annabis sativa L. die grösste Uebereinstimmung 
mit den fossilen Blättern. Die Blätter von Ampelopsis quinque- 
folia, auf welche unsere Blattreste dem Habitus nach besser passen, 
unterscheiden sich durch die Art der Nervatur, indem die Secundär- 
nerven erst nach ihrer Verbindung mit einander Seitenäste in die 
Zähne absenden. Die Theilblätter von Can7iabis sativa Li. sind 
oben und unten langsam zugespitzt, die inneren Blätter kurz ge- 
stielt, die äusseren mit unsymmetrischer Basis am gemeinsamen 
Blattstiele sitzend. Die Mittelnerven nehmen nach oben zu schnell 
an Stärke ab, die Secundärnerven laufen zuletzt dem Rande parallel 
in die Zähne. Die Tertiärnerven, an den fossilen Blättern nicht 
sichtbar, sind an der lebenden Art so zart, dass sie mit unbewaff- 
netem Auge kaum bemerkt werden können. Im Allgemeinen sind 
die Blätter von Cannabis satioa schlanker als Taf. 21, Fig. 16 und 
Taf. 26, Fig. 1, indem sich Breite zu Länge bei 



Cannabis sativa L. 
= 1 : 7 und 1 : 8 



der fossilen Art 
= 1 : 4 und 1 : 5 



verhält. Im Königl. Herbarium aber war mir eine grössere An- 
zahl von Formen zugänglich, deren Breiten- und Längenverhältnisse 
grösseren Schwankungen unterworfen sind, als die angedeuteten 
Unterschiede zwischen der lebenden und fossilen Pflanze betragen. 



166 Beschreibung der Localfloren der Proyinz Sachsen. [3241 

Es wurden alle Verhältnisse zwischen 1 : 3,4 nnil 1:10 beobachtet, 
und zwar die niedrigen sowohl als die hohen Verhältnisszahlen 
in gleicher Häufigkeit. Grössere Abweichungen scheinen nicht an 
derselben Pflanze vorzukommen, und es ist möglich, Varietäten mit 
kürzeren , breiten und solche mit längeren , schmalen Blättern zu 
unterscheiden. Kleinere Schwankungen in den Breiten- und Längen- 
dimensionen, z.B. zwischen 1:5 und 1:7, oder zwischen 1 :4 
und 1 : 6, oder zwischen 1 : 6 und 1 : 8, kommen jedoch an allen 
Blättern vor. Es geht aus allen diesen Beobachtungen hervor, dass 
nach Analogie der lebenden Pflanzen eine Vereinigung von Fig. 16 
und 17 auf Taf. 21 gerechtfertigt ist und das Breiten- und Längen- 
verhältniss nicht geeignet erscheint, eine scharfe Grenze zwischen 
der lebenden und fossilen Art zu ziehen. Der einzige Unterschied 
zwischen beiden beruht nur auf dem Vorhandensein einer längeren 
Spitze an den fossilen Blättern. 

Die isolirten Theilblätter Taf. 26 , Fig. 1 , welche sich zwar 
von Taf. 21, Fig. 16 unterscheiden, aber dennoch zu unserer Art 
gehören, da gleiche Formen wiederholt als Theile eines finger- 
förmig zusammengesetzten Blattes beobachtet wurden, besitzen 
einige entsprechende Formen in anderen Florengebieten. Calli- 
coma micTophylla Ett. (Bilin III, pag. 5, Taf. 40, Fig. 14 — 22) 
unterscheidet sich duueh das deutliche feine Netzwerk. Die Blätter 
von Callicoma microphy IIa Ij&sq. (tert. flor. tab. 43, fig. 2 — 4) 
haben eine deutlich abgesetzte Basis, sind aber sonst von den seit- 
lichen Theilblättern unserer Art ebenso wenig zu unterscheiden, 
wie das fälschlich zur Gattung Myrsine gebrachte Blatt von 
Myrsine salicoides Heer (flor. tert. Helv. HI, pag. 17, Taf 103, 
Fig. 16). 

Cannabis besitzt eine lebende Art, Cannabis sativa L., welche 
in Indien heimisch ist, aber in vielen Gegenden der gemässigten 
und tropischen Zone angebaut wird. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht und Schwarze 
Minna. 



[325] Eisleben. 167 

Urticaceae. 

Boehmeria excelsaefolia nov. spec. 

Taf. 22, Fig. 1 — 7; Taf. 28, Fig. 12 — 13 (?). 

Folia subcoriacea, altenia (?), breoiter petiolata, oblong o-lanceo- 
lata, longe acuminata, basi attenuata, obtuse serrata, tripli- 
nervia. Nervi basilares apicem atting entes , margini 
paralleli; nervi secundarii remoti, sub angulis acutis Orientes, 
nervis basilaribus cotijuncti; nervi tertiarii e secundariis sub angulo 
subrecto egredientes ; neroilU rete lamusculum formantes. 

Die Blätter dieser interessanten Art bilden den Hauptstock 
der Flora des Segengottesschachtes. Auch an der »Schwarzen 
Minna« müssen sie häufig gewesen sein, da unter den wenigen 
von dort stammenden Blättern die meisten zu dieser Art gehören. 

Unsere Blätter besitzen die Form und den Nervationstypus 
von Urticaceen, vor allem der Gattungen Pouzolzia, Elatostoma 
und Boehmeria , von denen auf Taf. 22 charakteristische Vertreter 
neben einander dargestellt sind. 

1. Pouzolzia nivea,T2ki. 22, ¥ig.^. Die Basilärnerven laufen 
dem Rande parallel und werden erst im oberen Drittel durch die 
Verbindung mit den Secundärnerven gestört. Die unter spitzem 
Winkel abgehenden Seitennerven der unteren beiden Drittel sind 
kurz vor der Vereinigung mit den Basilärnerven rückwärts ge- 
bogen. Saumläufer entsenden kleine Nervenäste in die Zähne. 

2. Elatostoma ritpestre Wedd., Fig. C. Die langgezogene 
Basis ist unsymmetrisch. Die beiden Basilärnerven werden schon 
unterhalb der Blattmitte durch die Verbindung mit den Secundär- 
nerven unterbrochen. Das lockere Maschennetz der Tertiärnerven 
gleicht dem der Eislebener Pflanze. Ein von der inneren Achsel 
der Secundärnerven schief nach oben und aussen laufender Ziek- 
zacknerv verbindet die auf Haupt- und Secundärnerven senkrecht 
stehenden Tertiäruerven. Soweit die ungestörten Basilärnerven 
reichen, ist das Blatt ganzrandig. Ein Saumläiifer zwischen Rand 
und Basilärnerven fehlt. 



168 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [326] 

3. Boehmeria inacrophylla Don, Fig. A, erinnert in 
der Gestalt am meisten an die fossilen Blätter. Die Basilär- 
nerven laufen bis ins obere Blattdrittel ohne Unterbrechung. 
Der grösste Theil des Blattes ist mit einem deutlichen Maschen- 
netz von kubischen Zellen ausgefüllt, und erst, wo im oberen 
Drittel die kräftigeren Secundärnerven auftreten , gleicht das 
Maschennetz dem von Elatostoma rupestre. Die Saumläufer gleichen 
'denen der fossilen Art. — Die Blätter von Boehmeria excelsa 
Wedd. (Monogr. der Urticaceen pag. 352), welche mir erst bei 
einer nochmaligen Durchsicht der Urticaceen im Königl. Herbarium 
auffielen, geben den Nervationscharakter der fossilen Blätter am 
besten wieder. Die Secundärnerven treten wie an diesen schon 
weit unterhalb der Mitte des Blattes auf, und demgemäss hat das 
kubische Masc'hennetz bis auf den untersten Blattheil dem bei 
Elatostoma beschriebenen und auch für die Eislebener Pflanze 
charakteristischen Netzwerk Platz gemaciit. 

Von den zahlreichen Blättern unserer Urticacee sind auf Taf. 22 
und Taf. 28, Fig. 1 2 nur die am meisten von einander abweichenden 
Formen abgebildet. Sie unterscheiden sich durch die gedrungenere 
oder schlankere Gestalt und durch die schnellere oder langsamere 
Zuspitzung der Basis. Die Bruchstücke unserer Art sind leicht 
an den charakteristischen Basilärnerven zu erkennen, die ebenso 
wie die Secundärnerven an den schlechtesten Abdrücken noch scharf 
hervortreten. Die Nerven höherer Ordnung waren nur an wenigen 
Exemplaren deutlich sichtbar. 

Zu der Familie der Urticaceen dürfen mit Sicherheit nur fol- 
gende fossile Blätter gestellt werden: 

1. Die Mao Clintockien von Gehnden (Saporta et Marion, 
Gelinden pag. 55, tab. 9, fig. 1) und von Atanakerdluk (Heer, flor. 
foss. arct. pag. 115, Taf 15, 16, 47, 48). 

2. Urtica iniocenica Ett. (Beitr, zur Kenntn. der foss. 
Flora von Steiermark pag. 55, Taf 2, Fig. 21) mit der Gestalt 
von Urtica baccifera L. und den für diese Art charakteristischen 
Drüsenborsten. 



[327] Eisleben. 169 

Die Familie der Urticaceen unif'asst 38 lebende Genera, welche 
bis auf Urtica und Parietaria den Tropen angehören. Von den 
38 Arten der Gattung Boehmeria gehört keine beiden Continenten 
zugleich an. Unter den wenigen, welche bis in die gemässigte 
Zone reichen, sind zwei besonders hervorzuheben, welche von 
Nord nach Süd gestreckte Räume einnehmen, Boehni. cylindrica, 
vom Wendekreis des Krebses bis Canada hinaufsteigend, und 
Boehm. nivea, vom nördlichen China und Japan bis ins tropische 
Asien hinabreichend. — Boehm. macrophylla Don ist auf den 
Khassiabergen heimisch und steigt am Osthimalaya bis zu 1200™ 
empor, Boehm. excelsa Wedd. ist auf die Insel Juan Fernandez 
beschränkt. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht und Schwarze 
Minna. 

Laurineae. 

Cinnamommn Scheuchzeri Heer. 

Taf. 21, Fig. 15. 
Vergl. diese Abhandl., Bornstedt pag. 109. 

Das einzige bis jetzt gefundene Blatt dieser Art vom Segen- 
gottesschacht erinnert am meisten an flor. tert. Helv. Taf. 91. 

Proteaceae. 
Dryandra saxoiiica nov. spec. 

Taf. 21, Fig. 10a— 16; Taf. 28, Fig. 3-5. 
Dryandra saxonica, diese Abhandl., Dörstewitz Taf. 29, Fig. 16. 

Folia szcbcoriacea, breviter petiolata, lineari-lanceolata, longe 
acuminata, basi angustata, alternatim pinnatifida. Seg- 
menta subtrapezoidalia vel subtriangularia , acutmscula, inter se 
conjuncta. Nervus primarius validus; nervi secundarii in utroque 
segmento 3 distinctissimi , angulo aperto Orientes, iKtulum arcuati; 
nervuli sub angulo subrecto egredientes, rete laxiusculum efformantes. 



170 Besctreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3281 

Nächst Boehmeria excelsaefolia ist dies die häufigste 
Pflanze der Eislebener Flora. Die lineal - lanzettlichen , sich nach 
oben allmälig verschmälernden Blätter lassen auf eine ehemalige, 
derb lederartige Beschaffenheit scbliessen. Die Ränder der Lappen 
sind convex, nur oben nahe der Spitze gewöhnlich concav. Sämmt- 
liche Lappen sind am Grunde mit einander verschmolzen, und 
zwar die unteren und oberen mehr als die mittleren. Von dem 
kräftigen Mittelnerv treten in jeden Lappen 3 nur wenig gebogene 
Secundärnerven ein, deren unterster dem äusseren Rande parallel 
läuft, und zartere Parallelnerven, von denen immer einer zwischen 
2 Segmenten liegend sich gabelt und in jedes Segment einen Gabel- 
ast absendet (Fig. 15 und 16), die übrigen mit noch zarteren, den 
Secundärnerven entspingenden Nervillen ein lockeres Masebennetz 
bilden. Die zahlreichen Bruchstücke lassen sich auf 2 Typen 
zurückführen : 

1. Typus Taf. 20, Fig. 12 und 10a rechts mit mindestens 
jQmm breiten Blättern, trapezförmigen Segmenten und nahezu unter 
rechtem Winkel abzweigenden Secundärnerven. 

2. Typus Taf. 20, Fig. 10a links mit durchschnittlich 
7 — 8 (selten 4 — 6 und 9 — 10)'"™ breiten Blättern , dreieckigen, 
nahezu sichelförmigen Segmenten und unter spitzeren Winkeln 
entspringenden Secundärnerven. 

In Taf. 28, Fig. 4 gehört die untere Partie dem ersten, die 
obere dem zweiten Typus an. 

Aehnliche Blattformen besitzen Dryandra Schrankii Stbg. sp. 
und Comptonia acutiloba Qthg. s,-^. Auf jene passen am besten 
die schmalen, auf diese die über 10™™ breiten Blätter unserer Art, 
z. B. Taf. 20, Fig. 12. Ein Vergleich mit Originalstücken der 
beiden genannten Arten von Häring und Bilin ergab folgende 
Unterschiede: 1) Bei Cornftonia acutiloba sind die meist 
rhombischen und trapezoidalen Lappen in allen Fällen bis 
zum Mittelnerv getrennt. 2) Die Blätter von Dryandra 
Schrankii sind sehr schmal (gewöhnlich nur 4 — 6""" breit) 
und oben abgestutzt, die Lappen bis zum Mittelnerv ge- 
trennt. 



[329] Eisloben. 171 

Die bisber mit Dryandra Schrankii vereinigten Blätter weichen 
zum Theil beträchtlich von der zuerst durch Sternberg (Vers. I, 4, 
pag. 22, Taf. 21, Fig. 2) von Häring bekannt gewordenen und 
später von EttingshaüSen (Häring, pag. 55, Taf. 19, Fig. 1 26) 
eingehend beschriebenen Art ab. Unter ihnen sind Formen, welche 
der Eislebener Pflanze nahe stehen, nämlich: 

1. Dryandra Schrankii Ett. , Monte Promina pag. 34, 
Taf. 14, Fig. 5 — 6, ca. 7""" breite Blätter, deren schlechter Er- 
haltungszustand keinen eingehenderen Vergleich zulässt, 

2. Dryandra macroloba und Bvong iiiarti Web. et Wess. 
(Palaeontogr. IV, pag. 147, Taf. 25, Fig. 11 — 12), zwei Blattfrag- 
mente, welche recht gut zu unserer Art passen, aber noch ab- 
weichende Ergänzungen zulassen. 

Dryandroides Roginei Wat. (Paris tab. 53, fig. 6 — 7), 
Dr. MichelotiWat. (ibid. fig. 8 — 12) und Dr. ■irregulari.sWa.t. 
(ibid. fig. 13) gehören zu Dryandra, und zwar schliesst sich die erste 
eng an Dryandra Schrankii, die beiden letzten (nur eine Art bil- 
dend) an unsere Pflanze an. Zeichnung wie Beschreibung liefern 
leider keine sicheren Anhaltspunkte zu einem eingehenderen Ver- 
gleiche. 

Da die lebenden Comptonien in der Gestalt mit gewissen 
Dryandren nahezu übereinstimmen, ist es von jeher unmöglich 
gewesen, für alle hierher gehörigen fossilen Blätter die passende 
Familie zu finden. Die Wahl wird dadurch noch ersciiwert, dass 
noch niemals Fructificationsorgane in directem Zusammenhange 
mit den Blättern beobachtet worden sind. Die Unterschiede in 
der Textur und Nervatur der lebenden Blätter lassen sich nicht 
immer auf die fossilen Blattreste anwenden. Da die Blätter von 
Comptonia as'plenifolia Banks gewöhnlich lang zugespitzt sind 
und diejenigen von Dryandra plötzlich wie abgebrochen endigen, 
würden unsere Blätter am besten mit ersteren zu vereinigen sein. 
Die Aehnlichkeit der Gestalt wiegt aber bei Weitem nicht die 
übrigen Unterschiede auf. Die Lappen der Comptonienblätter sind 
abgerundet und häutig, so dass ihr Rand beim Welken leicht um- 
rollt. Zwischen den hin- und hergebogenen Secundärnerven liegt 



172 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3301 

ein unregelmässiges Maschennetz ohne deutlich hervortretende 
Tertiärnerven. Ganz anders bei Dryandra. Die steifen Seiten- 
lappen haben einen scharfen Zuschnitt, die kräftigen Secundär- 
nerven sind gerade oder nur wenig gebogen. Ihnen laufen Nerven 
parallel, welche sich mit den die Secundärnerven verbindenden 
Tertiärnerven zu einem grobmaschigen Netzwerk vereinigen. In 
der Nervatur und der Gestalt der Lappen, also in den wichtigsten 
Elementen, stimmen unsere Blätter genau mit denjenigen von 
Dryandra überein, sie weichen nur ab durch die langsame Zu- 
spitzung. Aber auch hierin passen sie nicht ganz auf Comptonien- 
blätter, da letztere immer mit einem grossen und langen Blattzipfel 
endigen. Wir müssen sonach unsere Art für den Vertreter eines 
ausgestorbenen Dryandra -Typus halten, welcher sich von allen 
lebenden Arten dieser Gattung durch die allmälig zugespitzten 
Blätter unterscheidet. Dass die langsame Zuspitzung der fossilen 
Blätter mit Unrecht oft als ein unterscheidendes Merkmal den 
lebenden Proteaceen gegenüber geltend gemacht wird, beweist hin- 
reichend das Beispiel einer der Art nach nicht bestimmten Banksia 
des Königl. Herbariums, deren dem Blüthenstande zunächstsitzende 
Blätter hinsichtlich der Gestalt von den fossilen Blättern einiger 
Banksien sowie von Myrica aciiminata etc. sich nicht unterscheiden 
lassen. 

Die 47 lebenden Dr y andra- Arten sind auf das ausser- 
tropische Westaustralien beschränkt. 

Verbreitung unserer Art: Segengottesschacht, Dörstewitz. 
Verwandte fossile Arten: 

1. Dryandr a macroloba imd\ Weh. et Wess. : Ober-Oligocän 

» Brongniarti \ (Orsberg). 

2. Dryandra Micheloti undlWat. sp.: Mittel-Eocän (Arcueil) 

y> irregularis \ und Ünter-Eocän (Beileu). 

3. Cöniptonia dryandroides Ung. (von Ettingshausen [Beitr. 

zur Kenntn. der foss. Flora von 
Sotzka pag. 477] mit Recht zu 
Dryandra gezogen): Über-Oligo- 
cän (Sotzka). 



[331] Eisleben. 173 

4. Dryandra Schrankii Stbg. sp.: durch das ganze Oligocän 

verbreitet, sehr häufig bei Häring. 

5. Dryandra Schrankii ^tt.: Unter - Oligocän (Monte Pro- 

mina). 

ßanksia longifolia ünger sp. 

Taf. 21, Fig. 13. 

Myrica longifolia Üngek, Gen. et spec. pl. foss. pag. 396 (1850). 

» >> » Sotzka, pag. 29, Tat'. 6, Fig. 2; Taf. 7, Fig. 1 (1850). 

Banksia » Ettingshausen, Proteac. der Vorwelt, Wien, Sitzungsbei'. der 
Akad. pag. 730, Taf. 31, Fig. 19 (1851). 
» » Ettingshausen, Monte Promina pag. 17, Taf. 7, Fig. 12 — 14; 

Taf. 8 (1854). 
» » Ettingshausen, Häring pag. 53, Taf. 15, Fig. 11 — 26 (1855). 

» » Webek et Wessel, Palaeontogr. IV, pag. 146, Taf. 25, Fig. 10 a, b 

(1856). 
» » Heer, flor. tert. Helv. II, pag. 99, Taf. 99, Fig. 1—3 (1856). 

» » Ettingshausen, Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Sotzka 

pag. 475 (1858). 
» » SisMONDA, Prodr. flor. tert. Piem. pag. 12 (1859). 

» » » Pal. du terr. tert. du Piem. pag. 53, tab. 28, fig. 4 

(1865). 
» » Ettingshausen, Bilin E, pag. 203, Taf. 35, Fig. 11 — 12 (1868). 

» » » Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Steierm. 

pag. 66, Taf. 3, Fig. 18 (1869). 
Myrica » Schimper, traite de pal. veg. II, pag. 539 (1870—72). 
Banksia » Ettingshausen, Sagor I, pag. 197 (1872). 

Hca Ophir Ungeh, Sotzka pag. 30, Taf. 6, Fig. 12-16 (1850). 



Folia coriacea, linearia, peranffusta, in petiolum anc/ustata, 
apice subito attenuata, marcfine remote dentata; nerous medius 
sat validus, nervi secundarii tenuissimi , sub anc/ulo recto 
-Orientes, reti tetmissimo interposito conjuncti. 

Ettingshausen zieht zu unserer Art einen FKigelsamen von 
Leoben (Beitr. zur Tertiärflora Steiermarljs Taf. 3, Fig. 18), den 
er mit den Blättern von Banksia longifolia zusammen beobachtete. 
— In der »Kreideflora von Niederschoena« pag. 256 erwähnt 
Ettingshausen ein kleines, schmal -lineal es, am Rande entfernt 
gezahntes Blatt, welches er mit Banksia longifolia vollständig 
übereinstimmend findet und daher geneigt ist, zu dieser Art zu 



174 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3321 

stellen. Eine nah verwandte Art ist Bankaia 'prototypos Ett. 
(foss. Prot. pag. 822, Taf. 58, Fig. 2 — 3), ebenfalls aus der jüngeren 
Kreide von Niederschoena. 

SCHIMPER suchte unsere Art wie die verwandten Formen bei 
Myrica unterzubringen, indem er die weniger lederartige Be- 
schaffenheit der Blätter, die allmälige Zuspitzung und den zarteren 
Mittelnerv als charakteristische Merkmale hervorhob. Die Beob- 
achtungen von Heer und Ettingshausen bewiesen das Gegentheil. 
Heer sagt (flor. tert. Helv. H, pag. 99): »Die Blätter sind steif 
lederartig, die Mittelrippe ist stai'k und reicht bis zur Blattspitze, 
welche ziemlich plötzlich abgebrochen ist«. Ettingshausen nennt 
es (Häring pag. 53) einen »Verstoss gegen die Gesetze der Ana- 
logie, welche allein uns hier den Weg der Forschung vorweisen, 
wenn wir unsere Fossilien irgend einem anderen Geschlechte ein- 
reihen wollten. Es giebt bei Myrica keine einzige Species, welche 
sich mit den fossilen Blättern auch nur annäherungsweise ver- 
gleichen Hesse; es giebt keine Blattform in der lebenden Welt, die 
so grosse Uebereinstimmung darbietet wie Banksia spinulosa Sm. 
Die Zuspitzung der Blätter ist der einzige Unterschied und das, 
was zu Myrica geführt hat«. Auch unser Blatt entspricht ganz 
den HEER'schen Beobachtungen. 

Die 46 leben^den Arten von Banksia bewohnen in der 
Mehrzahl das aussertropische Westaustralien. Von den im Osten 
vorkommenden Arten dringen nur drei in die Tropen vor, nämlich: 

Banksia integrifolia L. (Victoria bis Queensland), 
» dentata L. (Queensland und Nordaustralien), 
» collina R. Br., der Banksia spinulosa ähnlich, aber 

mit breiteren Blättern (Neu -Süd -Wales und 

Queensland). 

Die nächst verwandte Form der Jetztwelt, Banksia spinu- 
losa Sm. (Ettingshausen, Apetalen Taf 45, Fig. 14 — IG), ist 
ein zu geselligem Wachsthum neigender Strauch auf trockenen, 
sonnigen Hügeln in Neu- Süd -Wales. Ihr Hauptverbreituugs- 
gebiet ist die Umgebung von Port Jackson , wo sie mit 43 Arten 
von Proteaceen veraresellschaftet ist. 



[333] Eisleben. 175 

Verbreitung unserer Art: 
Mittel-Miocän: Fohnsdorf, Leoben; Turin. 
Unter-Miocän: Polirschiefer von Kutschlin, Sagor, Trifail, 

TüfFer; Lausanne. 
Ober-Oligocän: Orsberg, Rott; Sotzka; Ralligen. 
Unter-Oligocän: Schwarze Minna; Häring, Monte Promina. 

Stenocarpus salignoides n. sp. 

Tat 21, Fig. 1 — 3. 

Folia coriacea, breviter petiolata, elliptica, basi et apice 
acuminata, integerrima, tri-vel quinquene?'via. Nervi basi- 
lares acrodromi, apicem attingentes ; nervi secundarii sub angulis 
30 — 40" Orientes, paralleli, basilaribus conjuncti, nervi tertiarii an- 
ffulis acutis egredientes. 

Die 3 abgebildeten Blätter, welche bis auf die Grösse mit 
einander übereinstimmen, müssen zu einer Species vereinigt werden. 
Zu den allen drei Blättern gemeinsamen Basilärnerven treten in 
dem grösseren noch 2 äussere hinzu, welche, ebenso deutlich wie 
die beiden inneren, nicht als blosse Saumläufer gedeutet werden 
können. Die Secundärnerven sind in der Nähe der Basilärnerven 
zurückgebogen, und die unter gleichem Winkel vom Hauptnerv 
ausgehenden Tertiärnerven erscheinen geknickt. 

Unter den zahlreichen verwandten Typen der heutigen Pflanzen- 
welt steht der von Stenocarpus salignus R. Br. (Ettingshausen, 
Apetalen Taf. 38, Fig. 17 — 19) mit welligen Blättern wie Fig. 1 
unserer Art am nächsten. Die Blätter von Paris quadrifolia L., 
Lilium Martagon L., Lathyrus latifolius L. und Orobus mit ähn- 
licher Anordnung der Nerven sind dünnhäutig. Bei Cletnatis 
zweigen die Nerven höherer Ordnung rechtwinklig vom Haupt- 
nerv ab. Nur die Theilblätter von Clematis integrifolia L. 
stimmen hinsichtHch der Nervatur und der lederartigen Beschaffen- 
heit mit unseren Blättern überein, sind aber so fest mit einander 
verbunden, dass sie im fossilen Zustande niemals isolirt auftreten 
würden. Sie machen das frühere Vorhandensein von Arten mit 
gleichen einfachen Blättern wahrscheinlich. Ist es hiernach auch 



]76 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3341 

noch nicht sicher, welcher Gattung, Clcmatis oder Stenocarjnts, 
unsere Blätter angehören, so spricht doch das Zusammenvor- 
kommen derselben mit unzweifelhaften Proteaceenblattresten für 
Steno car]}us. — Bei den Aralienblättern mit gleichem Ner- 
vationscharakter, z. B. Oreopanax (Hedera) capitatum Dne. et PI. 
und Hedera helix, ist der Blattgrund vom Blattstiel scharf abgesetzt. 

Die nächst verwandten fossilen Arten sind: 

1. Hakea Germari Ett. (foss. Prot. pag. 822, Taf. 58, Fig. 3) 
mit schmaleren Blättern. 

2. Hakea plurinervia Ett. (Häring pag. 52, Taf. 15, 
Fig. 1-4). 

Von den 14 lebenden Arten von Stenocarpus kommen 3 
in Neu-Holland und 11 auf Neu-Caledonien vor. Die Neuhollän- 
dischen, niedrige Bäume bildenden Arten sind: 

Stenocarpus salignus R. Br. : 1 Neu -Süd -Wales und Queens- 
» sinuatus Endl : \ land. 

» Cunninghami R. Br. : Nordaustralien. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 
Verwandte Arten: 

1. Hakea Gerniari Ett.: Unter -Oligocän (Bornstedt). 

2. » plurinervia Ett: Unter -Oligocän (Häring). 

Persoonia parvifolia nov. speo. 

Taf. 21, Fig. 14 und Ua 

Folia coriacea, oblonga, subcuneata, integerrima, sessilia. 
Nervi basilares acrodromi, 6 — 7, paulum divergentes^ inte- 
riores apiceni attingentes ; nervi secundarii angulis acutissimis Orientes. 

Aehnliche Blatttypen finden wir bei Melaleuca, den Lorantha- 
ceen und einer grösseren Anzahl von Proteaceen, namentlich bei 
Leucodendron, Persoonia., Isoj)ogon, Protea, Greoillea und Hakea. 
Durch die glatte Oberfläche unterscheidet sich unser Blatt von 
allen Loranthaceen, durch die breite Basis von Melcdeuca viridis 
Gärtu., durch die 6 — 7 fast gleich starken, spitzläufigen Basilär- 
uerven von den meisten Proteaceen. Nur Leucodendron und Per- 



[335] Eisleben. 177 

soonia besitzen Arten mit mehreren Paaren von Basiläruerven, 
welche bei ersteren sich nach kurzem Verlaufe verlieren, bei letz- 
teren die nagelf'örmig verdickte Spitze erreichen. Die Gattung Per- 
soonia besitzt sonach die meisten Beziehungen zu dem Eislebener 
Blatte. Per soonia quinquenervis Hook., die nächst verwandte 
Art, hat jederseits 3 die Spitze erreichende Basilärnerven. An 
unserem Blatte endigen dagegen die äusseren Paare schon weit 
unterhalb der Spitze. Ob die für alle lebenden Persoonien charakte- 
ristische nagelartig verdickte, hervorragende Spitze au dem fossilen 
Blatte gefehlt hat, lässt sich nicht entscheiden, da der oberste 
Theil desselben nicht erhalten ist. 

Trotz der zahlreichen bis jetzt bekannten fossilen Proteaceen 
ist der vorliegende Typus für die Tertiärflora neu. — Acacia 
septentrionalisLiesq. (Tert. flor. tab. 59, fig. 9) mit zugespitzter 
Basis und ohne deutliche Basilärnerven hat nur eine oberflächliche 
Aehnlichkeit. 

Die Gattung Persoonia umfasst 60 Arten, von denen nur 
eine auf Neu-Seeland, alle anderen, darunter auch Pers. quinque- 
nerois Hook., in Neu -Holland vorkommen. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht (nur 1 Exem- 
plar). 

Conf. Lomatia sp. 

Taf. 21, Fig. 9 und 11. 

Die beiden abgebildeten Bruchstücke von lederartigen Blättern 
lassen sich nicht bestimmen. Sie erinnern am meisten an die 
Blätter von Lomatia longifolia R. Br. 

Vo r k o mm e n : Segengottesschacht. 

Proteophylluin biplnnatnm nov. spec. 

Taf. 28, Fig. 1 — 2. 

Folia interrupto-bi'pinnata; pinnae lineares, sessiles; pin- 
nulae subfalcatae, uni-bi-rare tridentatae, basi connatae, 
nervis singulis, curvatis, in dentem, superiorem currentibus, neroum 
breciorem in dentem inferiorem emittentibus. 

12 



178 Boschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [336] 

Die abgebildeten Blattreste sind bis auf ein winziges Bruch- 
stück die einzigen mir bekannten Reste dieser Art. Fig. 1 stellt 
ein doppelt gefiedertes Blatt dar. Die Fiedern erster Ordnung 
sind lineal und bis auf den Hauptnerv in Fiederläppchen ge- 
theilt, welche an Dryandra erinnern, sich aber durch das Vor- 
handensein von 2, seltener 3 Zähnen und eines einzigen, nach dem 
oberen Zahne laufenden Secundärnerven unterscheiden. Von letz- 
terem zweigt ein kurzer Ast nach dem unteren Zahne ab. Zwischen 
den linealen Fiedern erster Ordnung breiten sich zu beiden Seiten 
der Hauptspindel Blätter von der Form der Fiederläppchen aus, 
welche nach unten an Grösse abnehmen. 

Unsere Blätter erinnern zunächst an Farnwedel. Unter den 
lebenden Farnen besitzt die meisten Analogieen der durch das 
Vorhandensein zahlreicher Spindelblätter ausgezeichnete Aspidien- 
typus Polystichum, vor allem Asp. lobatum, vestitum und acu- 
leatuin var. squarrosun Don. Die schmal -lanzettlichen und lang 
zugespitzten Spindelblätter liegen aber bei allen Aspidien auf der 
Unterseite der Spindel, so d'ass sie vom Wedel fast ganz verdeckt 
werden. Weit bessere Analogieen in der Anordnung der Spindel- 
blätter besitzen dagegen Farne der Steiukohlenformation und des 
Rothliegenden, besonders Odontopteris obtusa. Da aber in den 
mittleren Formationen jeder Zusammenhang zwischen ihnen und 
unserem Wedel fehlt und auch in der Jetztwelt Farne mit gleicher 
Anordnung der Sfiindelblätter fehlen, müssen wir den Vergleich 
mit Farnen überhaupt fallen lassen. 

Unter den Proteaceen, auf welche die Bildung der Fiedern 
erster Ordnung hinweist, besitzen gewisse Arten von Grecillea 
nahe Beziehungen, nämlich Greo. bipinnatifida R. Br. und 
Greo. acanthijolia Sieb, (nebst verwandten Formen). Die 
Fiederu erster Ordnung sind bei diesen kürzer als an der fossilen 
Pflanze, diejenigen zweiter Ordnung am Grunde uiit einander ver- 
wachsen und endigen entweder in einem oder in 3, seltener in 
2 spitzen Zähnen. Jedes Fiederchen besitzt einen einzigen deut- 
lichen, in den mittleren Zahn läufenden Nerv, von welchem, wie 
bei unserer Pflanze, je ein Ast zu den ül)rigeu Zähnen abzweigt. 
Die Spindelblätter fehlen bei allen mir bekannten lebenden Arten; 



( 



[337] Eisleben. 179 

statt derselben läuft zu beiden Seiten der Spindel ein breiter 
Flügel von einer Fieder zur anderen. Bis auf dieses Merkmal 
stimmt die fossile Pflanze mit den genannten Grevillea - Arten 
überein. Es sind mir keine anderen Pflanzen bekannt geworden, 
deren Blätter sich mit den unsrigen nur annähernd so gut ver- 
gleichen Hessen wie die von Grevillea. Wir müssen uns daher 
vorläufig mit der Annahme eines tertiären Proteaeeentypus be- 
gnügen, welcher sich an gewisse Arten von Grevillea anschliesst, 
sich aber von diesen durch die isolirten Spindelblätter unterscheidet. 

Hauer bildet in seiner »Geologie der Oesterr. - Ungar. Mon- 
archie pag. 495, Fig. 474 — 76 unter der Bezeichnung von Compto- 
nites antiquus Nils, drei von Stur in den oberen Kreideschichten 
(Senon) von Deva in Siebenbürgen gefundene Blattreste ab, welche 
hinsichtlich der Art der Befiederung und der Anordnung der 
Spindelblätter mit unserer Pflanze übereinstimmen. Die Spindel- 
blätter, den Fiederblättchen an Gestalt gleich, werden nach unten 
kleiner; die Nervatur der Fiedern erinnert am meisten an unsere 
Dryandra. Die Originalabbildungen von Nilson waren mir leider 
unzugänglich. 

Die 160 lebenden Arten von Grevillea sind neuhollän- 
disch, nur 7 kommen auch auf Neu-Caledonien vor. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

Oleaceae. 
Fraxinus saxonica nov. sp. 

Taf. 24, Fig. 1—3; Taf. 28, Fig. 11. 

Folia pinnata(f), foliola breviter petiolata, meinbrafiacea, ovato- 
lanceolata, apice senaiin acuininata., margine serrato-denticulata. 
Nervi secundarii numerosi, curvati, angulis AO — bO'^ Orientes, campto- 
dromo-craspedodromi, inferiores margini paralleli, nervi 
tertiarii transversi. 

Die vier abgebildeten Blätter weichen nur durch die grössere 
oder geringere Breite von einander ab. Die unteren Secundär- 

12* 



180 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3381 

nerven laufen von ihrem Ursprunj^e an dem Rande parallel und 
treten, nachdem sie, dicht am Rande aufsteigend, durch kurze 
Nervenäste unter einander verbunden worden sind, wie die übrigen, 
in je einen Zahn ein. 

Aehnliche Blätter sind häufig schon andernorts beobachtet 
worden und haben zu einer grösseren Anzahl von Artbestimmungen 
Anlass gegeben. Von allen bis auf Fraxinus macroptera Ett. 
und inaequalis Heer unterscheiden sich unsere Blätter durch die 
dem Rande parallelen unteren Seoundärnerven, von allen bis auf 
Fr.Tnacroptera Ett. und lonchoptera Ett. ausserdem noch durch 
die Lage der grössten Breite unterhalb der Mitte. Fr. macrop- 
tera Ett. (Bilin II, pag. 213, Taf. 36, Fig. 9 — 10) ist für einen 
eingehenderen Vergleich nicht hinreichend erhalten. 

Für die Mehrzahl der tertiären Fraicinus- Arten, von denen 
einige, wie Fr. juglandina Sap (Et. III, 3, Ann. d. sc. nat. 
5. ser., VIII, pag. 89, tab. 7, fig. 6; tab. 9, fig. 13 — 16) und lon- 
choptera Ett. (Bilin 11, pag. 213, Taf. 36, Fig. 11, 12, 22), zu- 
sammengezogen werden dürften, andere, wie Fr. rhoefoUa Web. 
(Palaeontogr. II, pag. 186, Taf. 20, Fig. 16) und excelsifolia 
Web. (Palaeontogr. IV, pag. 150, Taf. 27, Fig. 3), zweifelhaft 
sind, werden nordamerikauische Eschen als lebende Analoga an- 
genommen. Dagegen scheint sich unsere Art enger an Fraxinus 
Ornus L. und excelsior L. anzuschliessen. 

Auffallend ähnliche Blätter, welche von den unsrigen nur 
wenig abweichen, besitzt Betula aequalis Lesq. (Foss. flor. of 
the Sierra Nevada pag. 2, tab. 1, fig. 2 — 4) von Chalk ßlufl's 
(Nevada Couuty, Californien). — Die Vergleichung der genannten 
fossilen Arten wird erst unter Benutzung von Fruchten sichere 
Resultate liefern. 

Verbreitung der Gattung Fraxinus: ca. 30 Arten, in 
der nördlichen subtropischen und nöidlichen gemässigten Zone der 
alten und neuen Welt. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

Verwandte fossile Arten: 

1. Fraxinus juglandina Sa]).: Ober-Oligocän (Manosque). 

2. » inaequalis Sap.: Ober-Oligocän (Monod). 



[339] Eislcbeii. 181 

Verbenaceae. 
Olerodendroii latifoliiim nov. spec. 

Taf. 23, Fig. 4 und Taf. 28, Fig. i4. 

Folia ovata, basi apiceque breviter attenuata, grosse-dentata. 
Nervi secundarii tenues, angulia 40 — 45*', inferiores (quasi 
basüares) angulo acutiore Orientes, paralleli, caniptodronii; 
nervuli rete laxiusculum eformantes. 

Unsere Pflanze scheint in einigen Clerodendron- Arien die 
besten lebenden Analoga zu besitzen. Bei einer von Singapore 
stammenden, nicht benannten Clerodendron- Art im Königl. Her- 
barium (Fig. 4 a) entspringen die unteren Secundärnerven dem 
Hauptnerv oberhalb des Blattgrundes. Wie an den fossilen Blät- 
tern, konnte innerhalb des grobmaschigen Netzwerkes ein feineres 
Maschennetz entdeckt werden. Das Blatt von Clerod. Bungei 
Steud. in Reuss, Pflanzenblätter im Naturdruck Taf. 14, Fig. 2, 
hat mit unserer Taf. 23, Fig. 4 das Aufsteigen der unteren Secundär- 
nerven aus dem Blattgrunde gemein. 

Die Gattung Clerodendron umfasst gegen 70 Arten. Die 
meisten derselben sind in den wärmeren Regionen der alten Welt 
w-eit verbreitet; wenige Arten gehören Amerika (besonders West- 
indien und Columbia) an. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

Clerodendron serratifolium nov. spec. 

Tat. 23, Fig. 1 — 3. 

Folia magna., rigida, elliptica , basi apiceque acwminata, 
grosse-dentata. Nervus primarius validus, neroi secundarii tenues, 
curvati, paralleli, eampitodromi, angulis 50 — 60'^ Orientes, tertiarii 
obliqui, numerosi; nervilli rete polygonum formantes. 

Dem gleichen Typus gehören die Blätter gewisser Arten von 
Maesa, Sgmplocos und Clerodendron an. Die vergleichbaren Blätter 
von Maesa (z. B. Maesa ind.ica') haben eine vom Blattstiel deutlich 



182 Beschreibung der Loealfloren der Provinz Sachsen. [340] 

abgesetzte Basis und entfernt stehende, geknickte Tertiärnerven. 
Das Fig. Ib abgebildete Blatt einer nicht benannten Symplocos- 
Art des Königl. Herbariums (Brasilien, Rio de Janeiro 1814 — 15. 
Sello leg.) passt gut auf unsere Blätter, aber die Secundärnerven 
entsenden ebenso wie an allen anderen Blättern derselben Art 
immer nur einen Ast in die Zähne. Am meisten entspricht den 
Eislebener Blättern Clerodendron serratum Spreng. (Sillet, 
Nepal, Assam, Neilgherries, Java) Fig. la, welches im Habitus 
und allen Einzelheiten mit ihnen übereinstimmt. 

Das schlecht erhaltene Blatt von Artocarpidium olmediae- 
folium Heer (flor. tert. Helv. Taf. 84, Fig. 8) scheint demselben 
Typus anzugehören. 

Die einzige Ijis jetzt bekannte fossile Clerodendron- Art, dem 
Cler. viscosum Vent. (Ostindien) verwandt, stammt aus Alumbay 
( Ettingshäusen, Rep. on phyto -palaeontogr. investigations of the 
foss. flor. of Alumbay). 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

Styraceae. 
Syraplocos Bureauana Sapoeta. 

Taf. 28, Fig. 10. 

Saporta, Sezanne pag. 374, tab. 15, fig. 1 — 7 (186S). 

ScHiMPER, traite de pal. veg. 11, pag. 'JÖÖ, tab. 94, fig. 36^38 (1870—72). 

Flores gamopetali, parci; petala 5 ovata vel ovato-lanceolata, 
ima basi connata. Stcunina circiter 15 imae basi corollae, adfixa, 
in phalanges 5 coalita; filamenta corolla paulo breviora, an- 
therae biloculares, ovatae, basi emar'ginato-cordatae, apice rotun- 
datae. 

Die kleinen, oft schwer erkennbaren Blüthen dieser Art 
wurden, häufig beobachtet. Gewöhnlich war nur die Bliimenkroue 
erhalten, und nur in einem Falle konnten auch die Staubgefässe 
(Fig. 10) deutlich erkannt werden. Die Blumenkroue ist so zart, 
dass sich der Grad der Verwachsung der einzelnen Blätter nicht 
gut feststellen lässt. Doch lassen einige Blüthen eine Trennung 



[341] Eisleben. 183 

der Blätter bis fast auf den Grund ebenso wie an den Blüthen 
von Sezanne recht deutlicli erkennen. Unsere Figuren 10 und 10a 
(Vergrösserung) lassen die Anordnung der Staubgefässe zu Bündeln 
von je 3 Staubgefässen ausser Zweifel. Darin und hinsichtlich 
der Gestalt der Staubbeutel und der Länge der Staubfäden stimmt 
unsere Blüthe mit denen von Sezanne mit wenig schmaleren Blumen- 
kronlappen gut überein. 

Sapoeta hat zum Vergleiche mit unserer Art (1. c. pag. 378) 
die Blüthen einiger zur Section Hopea gehörenden Arten, nämlich 
Symplocos japonica De C. , pijrifolia Wall. , leptostachya A. Gray, 
abgebildet. Von diesen entsprechen die der letztgenannten Art 
mit 15 in 5 Bündeln angeordneten Staubgefässen am meisten den 
fossilen Blüthen. 

Die Arten vom Typus Hopea gehören bis auf eine (Sym- 
plocos tinctoria Lher. von Georgien bis Virginien) dem tropischen 
und östlichen Asien bis Japan an. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Oligocän: Eisleben (Segengottesschacht). 
Ünter-Eocän: Sezanne. 

Symplocos sxibspicata nov. spec. 

Taf.. 21, Fig. 4, 5, 21, 21a und b. 

Fl eres yamoj^etali, i^etala 5 ovata, ima basi connata; stamina 
ca. 15 — '-^5 (?) irnae basi corollae uniserialiter 'adfixa; fila- 
menta filifornda, basi dilatata et inter se connata; antherae 
ovoideae globosae. Folia subcoriacea , elongata, basi sensim 
angustata, inargine inaequaliter spinoso - dentata. Nervi secundarii 
angulis acutis egredientes, camptodromi, tertiarii transoersi vel secun- 
dariis paralleli. 

Die Blüthe Fig. 2 1 ist nicht correut dargestellt. Die Staub- 
fäden verbreitern sich nach unten und berühren sich am Grunde 
oder sind vielleicht mit einander verwachsen. An einer nicht 
abgebildeten Blüthe war die Verwachsung der zahlreichen 
Staubgefässe am Grunde deutlich zu sehen. An dem Gegenstück 



184 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [3421 

des Originales zu Fig. 21 lässt sich die Trennung der Bluinen- 
kronblätter bis fast auf den Grund verfolgen. Fig. 21b leidet 
daher an zwei Ungenauigkeiten. 

Gamopetale Blüthen mit 5 Blumenkronblättern und zahl- 
reichen Staubgefässen , deren Antheren klein und kuglig sind, 
finden wir nur bei der Gattung Symjjlocos. Von den Sec- 
tionen Älstonia, Cijjorwia, Barherina, Hopea und Falura bei 
De Candolle (Prodr. System, nat. P. VIII, pag. 246 ff.) sind hier 
die beiden ersten Sectionen ausgeschlossen. Auch Barberina kann 
nicht in Betracht kommen, weil die 15 — 21 Staubgefässe der hier- 
her gehörenden Arten länger als die Blumenkrone und am Grunde 
nicht mit einander verbunden sind. Bei Hopea sind die faden- 
förmigen Staubfäden am Grunde mit einander verwachsen oder zu 
5 Büscheln vereinigt ( Symplocos tinctoria, japonica etc.). Die Sec- 
tion Palura mit 5 Staubgefässbündeln unterscheidet sich von 
Barberina nur durch den zusammengesetzten Blüthenstand. Ihr 
gehören nur 2 Arten, und zwar asiatische, an, nämlich Symplocos 
crataegioides und sinica. — Die fossile Blüthe gehört zu Hopea, 
da die Staubfäden am Grunde mit einander verwachsen sind (nicht 
zu 5 Büscheln wie bei Palura). 

Sy'mp>locos Bureauana Sap., gleichfalls zur Section Hopea 
gehörend, unterscheidet sich durch die geringe Grösse der Blüthen 
und die geringere (15) Anzahl der in ö Bündeln angeordneten 
Staubgefässe. 

Das Vorkommen echter Ä_(//»/j/ocos- Blüthen in dem Thone des 
Segengottesschachtes wies auf das Auftreten von Blättern hin, 
welche am besten denjenigen von Hopea- Arten entsprechen mussten. 
Ein Vergleich der Blätter dieser lebenden Abtheilung im Königl. 
Herbarium lehrte nun in der That die nahe Uebereinstinunung 
namentlich der Blätter von Symplocos spie ata Roxb. mit uu- 
seren auf Taf. 21, Fig. 4 und 5 abgebildeten Blattresteu. Die 
Zusammengehörigkeit der letzteren mit der Blüthe Fig. 2r erscheint 
daher im höchsten Grade wahrscheinlich. 

Taf. 21 , Fig. 4 hat die Gestalt, Bezahnung und die herab- 
]aufende Basis von Hex parschhigianaJJng. (Chlor, pi'ot. Taf 50, 
Fig. 8). In der UNGER'schen Abbildung ist, die Nervatur sehr un- 



[343] Eisleben. 185 

deutlich. Das Blatt derselben Art bei Ettingsiiausen (Häring) 
weicht von unseren Blättern hinsichtlich der Gestalt ab. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 
Verwandte fossile Art: 
Symplocos Bureauana Sap. : Unter - Oligocän (Segengottes- 
schacht), Unter -Eocän (Sezanne). 

Symplocos sp. 

Taf. 21, Fig. 19 — 20. 

Blätter von ähnlicher Gestalt und Nervatur besitzen sowohl 
amerikanische als asiatische Arten von Symplocos (Fig. 19a Sym- 
plocos spec. aus Südamerika). Auch bei der ostindischen Sympl. 
spicata Roxb. kommen neben schlankeren Blättern kürzere mit 
schnell sich verschmälernder Basis vor. Ob aus demselben Grunde 
unsere beiden Blätter zu der vorigen Art (Fig. 4 und 5) zu ziehen 
sind, ist erst nach Auffindung von Zwischenformen zu ent- 
scheiden. 

Vo r k o m m e n : Segengottesschacht (selten). 

Styrax Fritschii nov. spec. 

Taf. 21, Fig. 18. 

Fl res gamopetali; corollae -petala 5, 'ima basi connata, 
obovata; staniina numerosi, basi corollae \-seriatim affixa, fila- 
menta filiformia, antheraruni loculi lineares. 

Die nur in einem Exemplar bekannte Blüthe muss als gamo- 
petal angesehen werden. Die ca. 40 am Grunde der Blumenkrone 
befestigten Staubgefässe haben dünne Fäden und schmale, lang- 
gestreckte Antherenhäiften, welche oben ein wenig auseinander- 
gebogen sind. 

Dieser Bau der Blüthe weist unsere Art, welche meinem 
früheren Lehrer, Herrn Professor v. Fritsch gewidmet sei, den 
Styraceen zu. Die Blüthen von Symplocos haben meist zahl- 
reiche Staubgefässe mit kugeligen Antberen, diejenigen von Styrax 



186 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [344] 

dagegen höchstens 10 Staubgefässe mit linealen, langgestreckten 
Antheren. Unsere Art steht also in der Mitte zwischen beiden 
genannten Gattungen. Da die Zahl der Staubgefässe weniger von 
Belang ist als die Gestalt der Antheren, muss die fossile Art in 
die nächste Nähe von Styrax gestellt oder gar als Vertreter einer 
ausgestorbenen Section dieser Gattung selbst angesehen werden. 

Verbreitung von Styracc: Tropen und wärmere gemässigte 
Zonen der alten und neuen Welt. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 



Araliaceae. 
Panax longifolinm nov. speo. 

Taf. 24, Fig. 4 — 6. 

Folia coriacea, digitata(f), 3 vel 5 foliolata(f); foliola 
sessilia, linearia vel elongato -lanceolata , longe acuminata, basi 
sensiin angustata^ remote et grosse serrato - dentata. Nervus pri- 
marius latissimus , nervi secundarü numerosi, tenues , subrecti, 
paralleli, brochidodromi ; nermdi inconspicui. 

Die häufig vorkommenden Bruchstücke dieser interessanten 
Pflanze waren immer wieder zu erkennen an den grossen, dorn- 
artigen Zähnen, den geraden Secundärnerven und den diese ver- 
bindenden, dem Rande parallel laufenden Schlingen. Ein Ver- 
gleich mit Fig. 4 a zeigt die nahe Verwandtschaft mit dem auf 
Neu - Seeland heimischen Panax arboreum Forst. Alle Merk- 
male der fossilen Blätter, die Bezahnung, die bis zur Ansatzstelle 
des Blattes herablaufende Basis, den sehr breiten Mittelnerv, die 
dick -lederartige Beschaffenheit und den für nur wenige Pflanzen 
eigenthümlichen Nervationstypus finden wir auch bei der lebenden 
Pflanze in einer Weise ausgeprägt, dass keine bessere Analogie 
denkbar ist. 

Die Blätter einheimischer Pflanzen mit ähnlicher Nervatur, 
z. B. Cochlearia, Solidago^ Epüobium und Mentha, sind dünn- 
häutig und besitzen ein deutliches, feines Maschennetz, welches 



[345] Eisleben. 187 

den fossilen Blättern und denen von Panam arboreuin fehlt. In 
gleicher Weise unterscheiden sich auch die Blätter von strauch- 
artigen Compositen der südlichen Hemisphäre, wie Eurjjbia argijro- 
phijlla Cass. und Conyza glutinosa L. 

Das Vorhandensein echter Aralien aus der Gruppe von Panax 
im Tertiär ist von Saporta sicher nachgewiesen durch die Ent- 
deckung von Früchten, welche nach Saporta am l)esten mit den 
Früchten von Panax arhoreum zu vergleichen sind. Sie gehören zu 
Aralia discoidea Sap., Et. II, 3, tab. 9, flg. 6 (Armissan), 
» palaeocarpa Sap., ibid. flg. 5 (Armissan) und 
» inquirencla Sap., Et. II, 2, tab. 6, fig. Ic (St. 
Jean - de - Garguier). 

Auf Aralien mit zusammengesetzten Blättern hat man bis jetzt 
folgende fossile Arten zurückzuführen versucht: 

1. Panax longissimum Ung. (Sotzka pag. 44, Taf. 24, 
Fig. 21 —23 und EttingshaüSEN, Häring pag. 65, Taf 22, Fig. 12) 
mit langem Blattstiel und craspedodromen Secundärnerven. 

2. Aralia (Panax) ilicifolia Sap. (Et. II, 3, Ann. 
5. ser., IV, pag. 156, tab. 9, fig. 7). Das Blatt von Armissan 
gehört zum Typus unseres Panax latifolium. 

3. Aralia (Panax f) dej^erdita Sap. (Et. II, 3, Ann. 
5. ser., IV. pag. ] 57) von Armissan, mit gedrängteren und feineren 
Zähnen und deutlichem Blattstiele. 

4. Aralia Banksiana Sap. (1. c. pag. 157, tab. 9, fig. 4) 
^ von Armissan. Sie steht unserer Art sehr nahe, besitzt aber einen 

Blattstiel und unter offenerem Winkel ausgehende Seitennerven. 

5. Aralia (Panax?) inquir enda Sap. (1. c. III, pag. 118, 
tab. 6, fig. 1) von St. Jean - de - Garguier. Das Blatt erinnert 
in der Form an unsere Art. Das Zurücktreten der Randläufer 
macht die Zugehörigkeit zu Panax zweifelhaft. Saporta ver- 
einigt mit dieser Art (siehe oben) eine Frucht, welche der von 
Panax arboreum am besten entspricht. 

6. Aralia (Panax) Matheronii Sap. (Et. I, 4, Ann. 
4. ser., XVII, pag. 267) von Aix ist, weil nicht abgebildet, zum 
Vergleiche nicht verwendbar. 



188 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3461 

Dem Nervationstypiis unserer Art gehören noch an: 

1. Lomatia latior Heer (mioc. halt. Flora pag. 80, Taf. 24, 
Fig. 16) und borealis Heer (ibid. Fig. 9 — 14), kleine Blätter, 
deren systematische Stellung noch zweifelhaft ist: 

2. Myrica Torreyi Lesq. (Tert. flor. pag. 129, tab. 16, 
fig. 3 — 10). Saumläufer, welche analog unserer Art an den amerika- 
nischen Blättern die Secundäruerven verbinden, treten bei Myrica 
nur an ganzrandigen Blättern und dann mit nur geringer Schärfe 
auf, fehlen aber bei den Arten mit gezähnten Blättern gänzlich. 
Myrica Torreyi passt am besten zum Typus Panax arboreum und 
dürfte unter allen tertiären Arten der unsrigen am nächsten kom- 
men, wenn nicht mit derselben zusammenfallen. Die Bezeichnung 
■smembranaceous <■< würde diese nahen Beziehungen fraglich machen, 
wenn man nicht an den meisten Blattabdrücken die Erfahrung 
machte, dass eine frühere häutige oder lederartige Consistenz häufig 
sich nicht nachweisen lässt. 

Die Gattung Panax erstreckt sich mit ihren 25 Arten über 
das tropische Afrika, das tropische und östliche Asien bis zur Mand- 
schurei und über die Pazifischen Inseln. Panax arboreum Forst., 
ein stattlicher Baum, welcher in mehreren schönen Exemplaren im 
Königl. Botanischen Garten zu Schöneberg vertreten ist, ist hei- 
misch nur auf Neu --Seeland. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht (häufig) und 
Schwarze Minna. 

Verwandte fossile Arten: 

1. Panax (1) Torreyi Lesq.: Black Buttes, Wyoming (erste 

Gruppe), 

2. » Banksiana Sap. : Ober-OIigocän (Armissan). 

Die übrigen oben genannten Aralien gehören gleichfalls noch 
dem Oligocän an. 

Panax latifolium nov. spec. 

Taf. 24, Fig. 7 — 8. 

Folia subcoriacea^ digitata (?) , 3 vel 5 foliolata (?). Foliola 
breviter petiolata, elliptica, apice acuminata, basi aequilaterali 



[347] Eisleben. 189 

vel inaequilaterali angustata, inaequaliter et argute serrato- 
dentata. Nervi secundarii tenwissimi, angulo c«. 40 — 50'' Orientes, 
subrecti, paralleli, brochidodromi; nervuli inconspicui. 

Der Verlauf der Seoundärnerven weist auf die nahe Be- 
ziehung dieser Art zu der vorhergehenden hin. Die fast geraden 
parallelen Seoundärnerven werden durch besondere Schlingen ver- 
bunden, welche in die Zähne Nervenäste absenden. Form und 
Nervatur erinnern am meisten an Panax (Cheirodendron) 
Oaudichaudi De C. (Fig. 8a) von den Sandwich -Inseln mit 
3- oder 5 -fingerigen Blättern. Die langgestielten Theilblätter sind 
eiförmig, kurz zugespitzt und mit der Basis am {Blattstiele herab- 
laufend (wie Fig. 8). Die Nervatur ist dieselbe wie an dem fos- 
silen Blatte Fig. 8. Aus der Analogie mit Panax Gaudichaudi 
De C. folgt, dass Fig. 8 ein äusseres Theilblatt mit unsymmetrischer 
Basis darstellt. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschaoht. 

Nah verwandte fossile Art: 
Aralia (Panax) ilicifolia Sap.: Ober-Oligocän (Armissan). 

Aralia spinulosa Saporta. 

Taf. 27, Fig. 2 — 3. 

Saporta, Et. Suppl. I, 2, Ann. d. sc. nat. 5. ser., XVIII, pag. 177, tab. 12, fig. 10 

(1872 — 73). 
ScHiMPEK, traite de pal. veg. IT, pag. 699 (1870 — 72). 

Folia coriacea, digitata(f). Foliola elongato-lanceolata, 
basi in petiolum brevem attemiata, spinuloso-denticulata. Nervi 
secundarii angulis 30' — 40" Orientes, non perfecte camptodromi, 
tertiär ii obliqui. 

Die beiden Blätter, die eine lederartige Beschafienheit be- 
sessen haben mögen, erinnern an fossile wie lebende Celastrineen, 
von denen sie nur die grössere Länge und die dornartigen Zähne 
unterscheiden. Sehr ähnliche Blätter besitzt die lebende Hartogia 
thea ( Ettingshausen, Celastrineen pag. 61, Taf. 3, Fig. 12 — 13) 



190 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [3481 

lind die fossile CeJastrus Aeoli Ett.. (Häring pag. 72, Taf. 24, 
Fig. 9 — 11). 

ISoch grössere Analogieen finden wir bei Myrica elongata 
Sap. und einigen südfranzösischen Aralien: 

1. Myrica elongata Sap. (Et. I, 6, pag. 200, tab. 5, fig- 2) 
passt recht gut zu unseren Blättern, aber die Erhaltung der Nerven 
ist zum eingehenderen Vergleiche nicht genügend. 

2. Bei Aralia B anksiana Sap. (Et. II, 3, Ann. 5. ser., IV, 
pag. 157, tab. 9, fig. 4) entspringen die Secundärnerven unter fast 
rechtem Winkel. 

3. Aralia (Panax) inquirenda. Sap. (Et. II, 2, Ann. 
5. ser., III, pag. 118, tab. 6, fig. 1) hat weniger dornige Zähne 
und einen gleichfalls offeneren ürsprungswinkel der Secundär- 
nerven. 

4. Aralia spinulosa Sap. (I.e.) stimmt mit unseren Blät- 
tern in Bezug auf Form, Bezahnuug und Nervatur überein. 

Ve rb reitung unserer Art: 
Unter-Oligocän: Segengottesschacht, Aix. 

Nächst verwandte fossile Arten: 
Aralia inqtiirendd Sa.p.: Mittel-Oligocän (St. Jean-de-Garguier). 
? Myrica elongata Sap.: Mittel-Oligocän (St. Zacharie). 

Saxifragaceae. 
Ceratopetalum myricinum Lahaepe. 

Taf. 28, Fig. 1.5. 

Heeh, flor. tert. Helv. III, pag. 305 (1859). 

» Sachs.- Thuring. Braunkohlenflora pag. 14, Taf. G, Fig. 11; pag. 20, Taf 10, 
Fig; 3 (1861). 
ScHiMi-Eit, traite de pal. veg. III, pag. 65 (1874). 

Folia coriacea, ternata (f), foliola oblongo -lanceolata, 
utrinque sensifii acuTninata , argute denticulata. Neroi secun- 
darii numerosi, suörecti, camptodromi, nercttli dicfyodroiiii. 



[349] Eisleben. 191 

Der unsymmetrisclie Grund des sehr gut erhaltenen Blattes 
lässt darauf schliessen , dass es einem zusammengesetzten Blatte 
angehört hat. Die Nervatur weist auf die Familie der Saxifra- 
gaceen hin, besonders auf die Gattungen Ceratopetalum , Platy- 
lophus, Cunonia und Arnoldia. Die auf unser Blatt am besten 
])assenden Blätter von Ceratopetalum gummiferum Sm. 
( EttingshaüSEN , Dicot. Taf 44, Fig. 7, 8) und Platylophus 
trifoliata Don (Taf. 28, Fig. ISA in dieser Abhandl.) stimmen 
in den kaum durch Worte wiederzugebenden Details so sehr mit 
einander tiberein, dass es unmöglich ist, beide Arten nach den 
Blättern von einander zu trennen. Die Blätter der oben genannten 
Gattungen sind zusammengesetzt, die der beiden abgebildeten Arten 
dreifingerig. 

Die beiden von Heer aus dem Knollenstein von Skopau und 
dem Thoue von Weissenfeis abgebildeten Bruchstücke von Cerato- 
petalum inyricinwm Lah. stimmen in allen Einzelheiten mit dem 
Blatte vom Segengottesschachte überein. Wie bei diesem und 
den lebenden Arten liegt zwischen den camptodromen, in der Nähe 
des Randes in geknickten Linien aufwärts steigenden Secundär- 
nerven ein in 2 Doppelreihen angeordnetes, grossmaschiges, poly- 
gonales Netzwerk. 

Die schlecht erhaltenen Blätter von C er atop etalum haerin- 
gianum Ett. (Häring pag. 65, Taf. 22, Fig. 13 — 26) haben 
geringe Grösse und convexe Zähne. Cerat. liaeringianum Ett., 
Bilin III, Taf. 40, Fig. 27, hat eine von unserer Art abweichende 
Form und Nervatur, Taf. 40, Fig. 28 und Taf 41, Fig. 4 — 5 sind 
zum Vergleiche ebenso unbrauchbar wie das Blatt bei Massalongo, 
Stud. Senog. tab. 34, fig. 9. 

Ceratopetalum radoboj anum Ung. (Syll. III, Taf. 13, 
Fig. 5) erinnert mehr an Cunonia capensis L. als an Cerat. arbuti- 
folium Cunn. (siehe Dörstewitz). — Ceratopetalum crenulatum 
Heer (mioc. balt. Flora Taf. 28, Fig. 17) gehört wegen des deut- 
lichen Saumläufers einer anderen Gattung an. — Ceratoj)etalum 
delicatissimum Saji. von St. Zacharie ist nicht abgebildet 
worden. — Die langen Blattstiele von Ceratopetalum bilinicum 
Ett. lassen auf einfache Blätter schliessen. 



192 , Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3501 

Quercus singularis Sap. (Et. III, 3, Ann. 5. ser., VIII, 
pag. 68, tab. 5, fig. 5), ein sehr gut erhaltenes Blatt, welches 
Saporta mit Quercus corrugata Hook, und annulata Sm. und der 
fossilen Quercus Haidingeri Ett. vergleicht, passt besser zu Cerato- 
petalum. Es unterscheidet sich von unserem Blatte durch die 
längere Basis und den kleineren Ursprungswinkel der Secundär- 
nerven. 

Die beiden Gattungen Platylophus und Ceratopetalum 
gehören jetzt der südlichen Halbkugel an. Die einzige Art der 
ersteren , Plat. trifoüata Don , ist ein schattenreicher , 13 — 16" 
hoher Baum Südafrikas. Die beiden Arten der letzteren sind auf 
das östliche Australien, besonders Neu -Süd -Wales, beschränkt. 
Gerat, gummiferum Sm. bildet Bäume von ca. 13'" Höhe, Gerat, 
apetalum Don Bäume von fast 20™ Höhe mit silberweisser Rinde. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Oligocän: Segengottesschacht, Weissenfeis, Skopau. 
Mittel-Eocän: Alumbay. 

Calliconia (?) miuuta nov. spec. 

Taf. 26, Fig. 4 — 5. 

Folia elong ata, longe acuminata, hasi angustata, argute 
serrata. Nervi secundarii craspedodromd , creberrimi, recti, sim- 
plices, angulo 70** Orientes; nervuli inco nspiciii. 

Die nicht häufig gefundenen Blätter dieser Art sind von den 
kleineren Blättern der lebenden Gallicoma serratifolia Andr. 
(Ettingsiiausen, Dicot. Taf. 46, Fig. l'— 2) kaum zu unterscheiden, 
sie sind etwas schmaler und länger zugespitzt. 

Die Gattungsbestimmung von Gallicoma microp/ti/lla Ett. 
(Bilin III, pag. 5, Taf. 40, Fig. 14—22) ist fraglich, da keine 
entsprechende lebende Form von Gallicoma bekannt ist. Call, bohe- 
mica Ett. (1. c. pag. 5, Taf. 40, Fig. 23) hat camptodrome Ner- 
vatur. Dagegen schliessen sich Call. pannonica\Jng. (Syll. III, 
pag. 41, Taf 13, Fig. 1) und Quercus Gijri Ung. (Sotzka pag. 33, 
Taf. 10, Fig. 4) eng an Call. serratij'olUi an, eleim die abgehildeten 



[351] Eisleben. 193 

Blätter lassen sich von den grösseren Blättern der lebenden Art 
kaum unterscheiden. Es ist möglich, dass spätere Funde die 
Identität dieser und der Eislebener Art ergeben werden. 

Callicoma üerratifolia Andr., die einzige lebende Art von 
Callicoma, ist ein 10 — 13™ hoher Baum von Neu -Süd -Wales. 

Vorkommen: Segengottesschacht. 

Verv^andte fossile Art: 
Callicoma fjannonica Ung.: Ober-Oligocän (Sotzka), Unter- 
Miocän (Sagor[?]). 

Conf. VVeininaniiia paradisiaca Ettingshausen. 

Taf. 27, Fig. 5 — 6. 

Ettingshadsen, Häring pag. 66, Taf. 23, Fig. 1 — 7 (1855). 

ScHiMrEE, traite de pal. veg. III, pag. 68, tab. 96, fig. 16—18 (1874). 

Blätter von gleicher Grösse und ähnlicher Gestalt kommen 
bei zahlreichen Arten der Celastrineen, Myrsineen, Saxifragaceen 
und Uicineen vor. Die hier in Betracht konunenden Arten von 
Hex und Myrsine (namentlich Myrs. africana L.) haben einen 
deutlichen Blattstiel. Bei den Weinmannien mit gefiederten 
Blättern (z. B. Weimn. Landsbergiana Engl., parvifolia Don) 
sind die seitlichen Fiederblättchen mit zugerundeter Basis sitzend 
und nur das unpaarige Endblättchen hat wie unsere Fig. 5 und 6 
eine langsam sich verschmälernde Basis. Der fossilen Art ent- 
sprechen mehr noch die Weinmannien mit einfachen, kleinen 
Blättern , besonders Weinm. gtiyanensis Klotsch. Die winzigen 
Blättchen der den Weinmannien nahestehenden Bauer a sessili- 
flora J. M. sind ganzrandig. Aehnliche, aber beträchtlich grössere 
Blätter besitzen unter den Celastrineen namentlich Arten von 
Celastncs, Elaeodendron und Putte rlickia; bei allen sind entweder 
die Blattstiele vom Blatte deutlich abgesetzt, oder die Secundär- 
nerven zweigen unter spitzeren Winkeln ab. Die besten Ana- 
logieen bietet die Gattung Escallonia, deren zahlreiche Arten 
zum grössten Theile durch winzige, spateiförmige Blättchen mit 

13 



194 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [352] 

^ezähneltem Rande und herablaufender Basis ausgezeichnet sind. 
Hierher gehören vor allen Esc. rubra Pers., myrtiUoides L., iUinita 
Presl und alpina Popp. — Der Vergleich mit lebenden Pflanzen 
lässt es sonach unentschieden, ob unsere Blätter zu Weimnannia 
oder Escallonia zu stellen sind. 

Wie für unsere, so ist auch für die meisten der gleichgestalteten 
fossilen Blätter die Gattungsbestimmung noch nicht gesichert. 
Myrsine microphylla Heer (flor. tert. Helv. HI, pag. 16, Taf 103, 
Fig. 12 b) ist zu den Saxifragaceen zu stellen. Sie unterscheidet 
sich von unserer Art durch die gedrungenere Gestalt und die ab- 
gerundete Spitze. — Die Blätter von Hex herberidifolia Heer 
sind grösser und mit dornartigen Zähnen versehen. — Die meisten 
Beziehungen zu der Eislebener Pflanze besitzen Weininannia 
paradisiaca Ett. (siehe oben) und Weintn. Ettingshauseni 
Heer (= microphylla Ett., Häring pag. 66, Taf. 23, Fig. 9 — 29). 
Von beiden Arten, welche auf lebende Weinmannien mit gefiederten 
Blättern bezogen w^erden, liegen die seitlichen Fiederblättchen und 
die unpaarigen Endblättchen vor. Die End blättchen von Wei^im. 
paradisiaca Ett. (Häring Taf. 23, Fig. 1 — 4) stimmen bis auf die 
Grösse mit unseren Blättchen überein, die von Weinm. Ettings- 
hauseni (Weinm. microphylla Ett., Häring Taf. 23, Fig. 10 — 12 
und 20) sind entfernt gezähnelt und länger zugespitzt. 

Die 35 Arten von Escallonia bewohnen Südamerika, mit 
Ausnahme Guyanas und des tropischen Brasilien. Die Gattung 
Weinm,annia ist mit ca. 50 Arten von der Halbinsel Malakka 
über die Malayischen Inseln, Australien, die Pazifischen Inseln und 
das tropische und gemässigte Südamerika verbreitet. Australien 
besitzt nur eine Art ( Weinm. ruhifolia F. Müll, in Neu-Süd-Wales), 
Neu-Seeland 2 Arten (Weinin. sylvicola Banks et Sol. und racemosa 
Forst). 

Verbreitung von WeiniJi. paradisiaca Ett.: 
Ober - Oligocän: Sotzka. 
Unter-Oligocän: Häring, (?) Segengottesschacht. 

Verwandte fossile Art: 
Wein'mannia Ettingshauseni Heer: Unter -Oligocän (Häring). 



[353] Eisleben. 195 

Passifloreae. 
Passiflora tenuiloba nov. spec. 

Taf. 25, Fig. 20. 

Folia subcoriacea, triloba^ basi rotundata (?) , lobo medio pro- 
ductiore; lobi lanceolati, versus upicem sensim angustati 
intege rrimi. Neroi primarii 3, secundarii tenuissimi, campto- 
dromi et brochidodromi , inferiores angulo acuto, superiores 
angulo subrecto Orientes. 

Das vorliegende Blatt, welches ich Herrn Dr. Heine ver- 
danke, gehört zu den interessantesten der Eislebener Flora, vs^eil 
es bis auf das Blatt von Trotha Taf. 31, Fig. 1 — 2 der erste, 
sicher nachgewiesene, fossile Vertreter der Passifloren ist. Mit 
diesen stimmt es in allen wichtigen Merkmalen überein. Die 
tiefen und gerundeten Lappenbuchten finden wir bei allen lebenden 
Arten mit gelappten Blättern wieder, und wie an dem fossilen 
Blatte nähert sich an den lebenden der Ursjjrungswinkel der 
Secundärnerven nach oben hin immer mehr einem Rechten. 

Das beste lebende Analogon scheint die schmalblättrige Va- 
rietät (Fig. 20a) von Passiflora minima Willd. (tropisches Süd- 
amerika) zu sein. Aehnliche Blätter besitzen ferner Pass. coerulea L. 
■var. (Brasilien) und pellata Cav. (St. Thomas). 

Von den ca. 120 lebenden Passifloren gehören die meisten 
dem tropischen und wärmeren Südamerika an, nur wenige Arten 
kommen in Asien, Afrika, Australien und auf den Pazifischen 
Inseln vor. Neu -Seeland besitzt nur 1 Art, Pass. tetrandra Banks 
et Sol. (mit einfachen Blättern), Australien 3 (mit dreilappigen 
Blättern) und Indien 2 Arten, Pass. LeschenauUii De C. mit drei- 
lappigen und Pass. nepalensis Wall, mit einfachen Blättern. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

13* 



196 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [354] 

Sapindaceae. 
Xantlioceras aiitiqna nov. spec. 

Taf. 20, Fig. 10b; Taf. 26, Fig. 6. 

Folia impariter pinnata (?), foliola parva, lanceolata, 
avgute serrata, sensim acuminata, basi inaequilateri subito angustata. 
Nervus primarius tenuissimus ^ nervi secundarii numerosi, simplices, 
subrecti, paralleli, sub angulis 30 — 40'^ Orientes, craspedodro'nii. 
Nervi tertiarii ex p>arte secundariis subparalleli, mar- 
ginem attingentes. 

Die nicht seltenen Blättchen dieser Art können ihrer un- 
symmetrischen Basis nach nicht als einfach gelten und müssen 
nach Analogie der lebenden Pflanzen als Theile von gefiederten 
Blättern aufgefasst werden. Die Fiederblättchen einheimischer 
Pflanzen weichen durch die Form und Nervatur ab ; sie sind 
bei Spiiraea mehrfach gesägt und an der Basis breit, bei 
Potentilla unserina L. grobgesägt und an der Spitze abge- 
rundet, bei Sorbits aucupariu. L. und Rhus elegans Ait. breiter 
und an der Basis zugerundet, bei Sanguisorba officinalis L. 
durch schlingläufige ''Secundärnerven ausgezeichnet. 

Ich glaube, in Xanthoceras sorbifoliu Bunge diejenige 
Pflanze gefunden zu haben, an welche sich die fossile Art am 
besten anschliesst. Die Theilblättchen dieser Sapindacee (Taf. 26, 
Fig. 6 a) weisen in der That in allen Einzelheiten eine solche 
Uebereinstimmung mit den fossilen Blättchen auf, dass man, wenn 
beide lebend oder fossil gefunden würden, kein Bedenken tragen 
würde, sie zu einer Art zu vereinigen. Sie haben die gleiche 
Grösse, gleiche Gestalt und Nervatur. Die Zähnchen reichen 
auf der einen Seite tiefer herab als auf der anderen. Den 
Secundärnerven laufen vom Hauptnerv aus bis fast zum Rande 
gleichstarke Nerven parallel. 

Xanthoceras sorbifol ia Bunge, die einzige Art der Gat- 
tung Xanthoceras, gehört dem nördlichen China an. 

Vorkommen unserer Art: Scffcnscottesschacht. 



[355] Eisleben. 197 

Celastrineae. 
Celasti'us lanceolatus nov. spec. 

Taf. 26, Fig. 10—11, 12 (?), 13(?), U-16, 18—19 und Taf. 28, Kg. 7 (?). 

Folia suhcoriacea, elongato-lanceolata, longe acuminata, 
basi sensim in brevem ijetiolum angustata^ viarginc obtuse (?) vel acute 
denticulata. Nervi secttndarii camptodromi, angulis acutis Orientes, 
infimi margini subjJaralleli, rete neroorum tertiariorum laxius- 
culum. 

Diese Art ist schwer zu uaigrenzen. Die Blätter, welche ich 
in derselben vereinigt habe, sind schmal, lang zugespitzt, in den 
kurzen Blattstiel verschmälert und spitz gezahnt. Die Blätter 
Taf. 26, Fig. 13 und Taf. 28, Fig. 7 mit stumpfen Zähnen gehören 
wahrscheinlich einer Art an. Die camptodrome Verbindung der 
Securwiärnerven nähert sich der brochidodromen. Bei den am 
besten erhaltenen Blättern konnte nur das lockere Maschennetz 
der Tertiärnerven (Fig. 15 vmd 18) beobachtet werden. 

Gleiche Blatttypen finden wir bei Rhamneen und Calastrineen. 
Die Blätter von Rhamnus spathulaefolius Fisch. (Unger, 
Radoboj Taf 2, Fig. 11) besitzen die gleiche Nervatur, die von 
Maytenus Boaria (Ettingshausen, Celastrineen Taf. 4, Fig. 4 — 6) 
ausserdem noch die gleiche Gestalt und Zähnelung. Sehr ähnliche 
Blätter besitzt ferner Maytenus verticillatus De C- (Peruanische 
Anden). 

Von den zahlreichen fossilen Rhamneen und Celastrineen 
haben nur wenige eine nähere Beziehung zu unserer Art. Cela- 
strus Acherontis Ett. (Bilin III, Taf. 48, Fig. 9) und Maytenus 
europaea Ett. (non Ung.) (1. c. Fig. 10 — 12) sind am breitesten 
über der Mitte. Erstere Art vergleicht EttingshaüSEN mit dem 
lebenden Celastrus emjjleurifoIiusEckl. (Celastrineen Taf. 6, Fig. 6 — 8), 
letztere mit Maytenus Boaria. — Unter (' elastrics Ändromedae 
hat Unger (Sotzka Taf. 30, Fig. 2— 10) Blätter verschiedener 
Familien vereinigt, welche später von Ettingshausen auf ihre 
systematische Stellung (Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von 



] 08 Beschreibung der Localflorcn der Provinz Sachsen. r3561 

Sotzka pag. 501) genauer geprüft worden sind. Die bei dieser 
Art bleibenden Blätter sind vielleicht mit C elastrus Maytenus 
Ung. (Syll. II, pag. 9, Taf. 2, Fig. 9) zu vereinigen, der sich 
von allen Celastrus- Arten am meisten den breiteren Blättern 
von Maytenus Boaria nähert. — Rhamnus j^'^'ototypus Ung. 
(Radoboj Taf. 2, Fig. 10) ist kurz zugespitzt und vom Blatt- 
stiel deutlich abgesetzt. — C el a st ru s H a r t o g i a nu s Sap. 
(Et. II, 3, Ann. 5. ser., IV, pag. 187) von Armissan ist nicht ab- 
gebildet. Saporta führt als lebende Analoga Cel. ruber Wall., 
acuminatus Thb., cassinoides L. und Hartogia capensis L. auf, 
Arten, welche auch an unsere Pflanze erinnern. 

Von den 18 lebenden Celastrus- Arten bewohnt die Mehr- 
zahl Indien, China und Japan, nvir wenige Australien und 
Nordamerika und nur eine Madagaskar. — Die Gattung May- 
tenus gehört mit ihren 50 Arten der tropischen und sudlichen 
gemässigten Zone Amerikas {Mayt. Boaria in Chile) an. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht (häufig), 
Schwarze Minna. 

Verwandte fossile Arten: 

Maytenus europaea Ett.: Unter-Miocän (Kutschliner Polir- 

schiefer. 

C elastrus Maytenus IJng.: Unter-Miocän (Radoboj, Sagor[?]). 

^, , ^ , , TT \ Ober-Oligocän (Sotzka, Monod). 

Celastrus Andromedae Ung.: < ,. . 

I Unter -Oligocän ( Weissenteis). 

Celastrus (?) ilicoides nov. spec. 

Taf. 27, Fig. 4._ 

Folia parvula, coriacea, breviter petiolata, oblongo-lanceo- 
lata, basi rotunduta, sparse et argute serrata; neroi secundarü 
arcuato - conjuncti. 

Die kleinen Blätter von Ilicineen mit abgerundeter Basis und 
sich schnell vordickendem Blattstiele sind nur kurz zugespitzt oder 
oben abgerundet. Blätter von gleicher Nervatur und ähnlicher 
Form sind dagegen häufig bei den Celastri neen. Vor allen 



[357] Eisleben. 199 

besitzt Maytenus ilicifolia Mart. unter ihren gestaltenreichen 
Varietäten auch solche mit kleineren Blättern, welche sich 
von unserem Blatte nur durch den wenig spitzeren ürsprungs- 
winkel der Secundärnerven unterscheiden. Trotzdem ist die 
Gattungsbestimmung des letzteren noch nicht gesichert, da ähn- 
liche Blätter auch bei Myrica huniilis Cham, et Schlecht. 
(Cap) vorkommen. 

Vorkommen: Segengottesschacht. 

Celastrus parvifolius nov. spec. 

Taf. 26, Kg. 21—25. 

Folia parvula, subcoricwea , breviter ijetiolata, ovato-lanceo- 
lata, acuTninata, hasi in petioluvi attenuata^ margine serrata; 
nervi secundarii camjytodromi, angulo ca. SO*' Orientes. 

Die Achselblätter einer nicht bestimmten Bixacee des Königl. 
Herbariums (Xylosma?) erinnern sehr an die abgebildeten Blättchen. 
Das Vorkommen einer verwandten fossilen Art ist jedoch so 
lange unwahrscheinlich, als die charakteristischen, langgestreckten 
Blätter jener Bixacee noch nicht nachgewiesen sind. — Myr- 
sine retusa Ait. (Ettingshausen, Dicot. Taf. 22, Fig. 3) hat 
dünnere Blattstiele und unter spitzeren Winkeln entspringende 
Secundärnerven. — Symplocos Alstonia Lher. besitzt neben 
grösseren auch kleinere Blätter mit der Gestalt, Nervatur und 
dem dicken Blattstiel der fossilen Art; bei ihr und den analogen 
Symjdocos- Arten sind aber die Secundärnerven nicht kräftiger 
als die Tertiärnerven. — Die Blätter von Hex vomitoria Ait. 
(Ettingshausen, Dicot. Taf. 65, Fig. 7—9) und den zahl- 
reichen verwandten, kleinblättrigen Arten sind am breitesten in 
und öfter über der Mitte , oben abgerundet oder nur kurz zuge- 
spitzt und am Blattstiele nicht herablaufend. — Die meisten und 
besten Analoga besitzen die Celastrineen. Unsere Pflanze scheint 
in der Mitte zwischen Cel. ooatus Eckl. (Ettingshausen, Celastr. 
Taf. 7, Fig. 17 — 18) einerseits und den grossblättrigen Cel. acu- 
minatus Thunb. (Ettingshausen, Celastr. Taf. 6, Fig. 13 — 14) 



200 Beschreibung der Localflorcn der Provinz Sachsen. [358] 

und rupestris Eck.1. (ibid. Tai'. 7, Fig. 2 — 3) vom Cap anderer- 
seits zu stehen und schliesst sich am besten an den südamerika- 
nischen Celastrus confertus E-. et Pav. an. — Die kleinen Blätter 
von Fraxinus Moorkroftiana Wall, haben eine unsymmetrische 
Basis, stumpfe Zähne und eine abgerundete Spitze. Bei einer 
Varietät von Evonymun echinatus^'AW. mit ähnlichen Blättern 
gehen die Secundärnerven unter fast rechtem Winkel ab. 

Unter allen fossilen Celastrineen gehört zu unserem Typus nur 
Cel. oxyphyllus Heer (flor. tert. Helv. III, pag. (i9, Taf. 121, 
Fig. 44) mit eiförmigen, lang zugespitzten Blättern. Von Cel. 
oxyphyllus Ung. (Sotzka Taf 30, Fig. 22 — 24) gehört nach 
EttinGSHAüSEN (Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Sotzka 
pag. 504) Fig. 22 und 24 zu Cel. Andromedae Ung. (=: Cel- May- 
tenus Ung.), Fig. 23 zu Melastomites Druidum Ung. — Bei Wein- 
imannia p aradls iaca Ett. und Ettingshauseni Heer (siehe 
pag. 194) liegt die grösste Breite immer in oder über der Mitte 
des Blattes. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

Verwandte fossile Art: 
Celastrus oxyphyllus Heer: Unter-Miocän (Eriz). 

Celastrus Dalongia nov. spec. 
Taf. 27, Fig. 10(?), 11 — 14, 16. 

Folia ovato-lanceolata, longe acuminata, basi rotundata, 
petiolata, dense et argute serrata; nervi secundarii numerosi, 
paralleli, angulis 60 — IQ'^ Orientes, brochidodromi; nervi tertiarü 
tenuissimi, ex p)arte nerois secundaviis subparalleli. 

Die Basis der zu dieser Art gerechneten Blätter ist abgerundet. 
Die Anzahl der Zähne ist gleich der der Secundärnerven oder 
doppelt so gross. 

Den Nervationstypus unserer Blätter finden wir häutig bei 
Celastrineen und Saxifragaceen , mit einigen Abweichungen auch 
bei Carya. — Die Arten von Belangera, besonders Bei. tomen- 
tosa Camb. und glabra Camb. , haben drei- oder fünffingrigc 



[359] Eisleben. 201 

Blätter; dio Theilblättohen sind fast sitzend, die Secundärnerven 
rand- oder schlingläufig. Die den Secundärnerven fast parallel 
laufenden Tertiärnerven von Fig. 16 fehlen bei Belangera. — 
Ackama Muelleri Benth. hat gefiederte Blätter, deren unsym- 
metrische Theilblättchen kurz gestielt sind und sich nach unten 
verschmälern wie Fig. 15; die Anordnung der kräftigen Tertiär- 
nerven erinnert an Ceratopetalum. Die Fiederblättchen von Ackama 
rosaefoUa, sind sitzend und haben meist randläufige Secundär- 
nerven. — Die Blätter von Dalongia sp. mexic. (EttingshaüSEN, 
Celastr. Taf. 2, Fig. 1 — 3) erfüllen alle Voraussetzungen der Ana- 
logie. Sie sind breiter als unsere Blätter und am Blattstiel ver- 
schmälert; die Zahl der Zähne ist gleich derjenigen der unter 
fast rechtem Winkel entspringenden Secundärnerven oder doppelt 
so gross; die Anordnung der wenig hervortretenden Tertiärnerven 
gleicht derjenigen in Fig. 16. — Dem gleichen Typus gehört 
Evonymus echinat/ihs Wall. an. — Bei Carya amara werden 
die Secundärnerven durch die Tertiärnerven direct verbunden. 

Celastrus Endymionis Ung. (Syll. II, pag. 8, Taf 2, Fig. 5) 
erinnert noch mehr als unsere Blätter an die lebende Dalongia. 
Es fehlt ihm jedoch die lange Spitze. — Bei Pterocarya denti- 
culata Heer (flor. tert. Helv. Taf. 131, Fig. 6) sind die Theil- 
blättchen ungestielt. 

Vorkommen: Segengottesschacht. 
Verwandte fossile Art: 
Celastrus Endy mionis Ung.: Unter-Miocän (Radoboj). 

Celastrus spai'se-serratus nov. sp. 

Taf. 27, Fig. 15. 

Folia ov ato-lance olata, longa acuminata, basi sensim in 
petiolum bi'eve^n ang ustata , margine remote serrata; nevoi 
secundarii tenues , jMralleli, angulo ca. 60" Orientes, brochido- 
dromi. 

Das vorliegende Blatt unterscheidet sich von der vorigen Art 
nur durch die herablaufende Basis und die stumpfen Sägezähne. 



202 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [3G01 

Ein zweites, nicht abgebildetes Exemplar dieser Art besitzt die 
charakteristische Nervatur von Fig. 16. 

Vorkommen: Segengottesschacht (selten). 



Ilicineae. 
Hex longifolia nov. spec. 

Taf. 27, Fig. 1. 

Folia subcoriacea, elongato-Iaticeolata, utrinque sensim 
attenuata , margine spinoso -dentata; nervi secundarü sub an- 
gulo ca. 30** Orientes, numerosi, parcdleli, caviptodromi. 

Die nächst verwandte Art scheint Ilex acuviinata Sap. 
(Et. II, 3, Ann. 5. ser., IV, pag. 188, tab. 11, fig. 2) zu sein, 
von welcher Saporta sowohl ganzrandige als dornig gesägte Blätter 
abbildet. Alle diese unterscheiden sich von unserer Art durch die 
vom Blattstiele abgesetzte Basis, die geringere Zahl und den klei- 
neren Ursprungswinkel der Secundärnerven. Ilex rigida Sap. 
(1. c pag. 190, tab. 11, fig. 3) hat grössere, dornartige und weiter 
von einander abstehende Zähne. 

Die meisten Bfiziehungen zu diesen Arten besitzt Ilex Cas- 
sine Ait. var. serrata, mit welcher von Saporta auch noch Ilex 
aculeata (1. c. pag. 192, tab. 11, fig. 10) und spines.cens (1. c. 
pag. 193, tab. 11, fig. 4) mit breiteren Blättern verglichen werden. 
Die Gattungsbestimmung unserer Art wie der Mehrzahl der fran- 
zösischen ist noch fraglich. 

Von den 145 lebenden Arten bewohnen die meisten Süd- 
amerika, die übrigen sind durch die tropische und gemässigte 
Zone beider Hemisphären verbreitet. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht. 

Verwandte fossile Arten: 

1. Ilex acuviinata Sap.: \ 

2. » spinescens San.: f ^, ^,. .. / » • n 

. . „ ' (Jber-Uligocan (Armissan). 

3. » rigida Sap. : l 

4. » aculeata Sap.: ' 



[361] Eisleben. 203 

Rhamneae. 
Zizyphns parvifoliiis nov. spec. 

Taf. 25, Fig. 13—15. 

Folia parvula, memhranacea , ovato-lanceolata, longe 
acuminata^ basi angustata, ar gute -ser rata; nervi subhasilares 2, 
ajncevi non attingentes. 

Die Blätter dieser Art kommen in den Thonen des Segen- 
gottesschachtes sehr häufig vor. Die Nervatur war bis auf die 
beiden Seitennerven niemals sichtbar. Die dünnhäutige Beschaffen- 
heit, die Bezahnung und das Vorhandensein der beiden fast aus 
der Basis hervortretenden Seitennerven weisen unsere Blätter der 
Gattung Zizyphus zu. 

Analoge lebende Arten sind Ziz. flexuosa Wall. (Nepal) 
und eine nicht bestimmte ostindische Art des Königl. Harbariums. 
Analoge fossile Arten sind noch nicht bekannt. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht (häufig). 

Zizyphns Leiischneri nov. spec. 

Taf. 25, Fig. 2 — 3, 5 — 12. 
Siehe diese Abhandl., Bornstedt, pag. 147, Taf. 19, Fig. 11. 

Folia breviter petiolata, membranacea , o oato-lanc eolata, 
longe acuminata, basi symmetrica truncata vel sensim in petiolum 
attenuata, argute serrato-denticulata. Neroatio acrodroma et brochido- 
droma; nervi basilares 2, apicem non atting entes , nervi se- 
cundarü a?iguUs iO — 50" Orientes, tertiarii angulis acutis egredientes. 

Die zahlreichen abgebildeten Blätter müssen, so sehr auch 
einige derselben von einander abweichen, zu einer Art zusammen- 
gezogen werden, da alle vermittelnden Uebergänge von einer 
Form zur anderen vorhanden sind. Das eine Endglied der 
Reihe stellen die Blätter Fig. 2 und 6 dar mit breiter, kurz zu- 
gespitzter Basis, das andere die Blätter Fig. 5, 7, 10 und 11 
mit lanarsam sich verschmälernder Basis. Beide Extreme werden 



204 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [362] 

von den übrigen Formen in der Reihenfolge von Fig. 3, 12, 8 
und 9 vermittelt. 

Durch die symmetrische Gestalt und die lang ausgezogene 
Spitze unterscheidet sich unsere Art, welche ich dem Herrn Geh. 
Bergrath Leuschner widme, von der Mehrzahl der fossilen Arten 
derselben Gattung. Der Vergleich mit ähnlichen Blattformen führt 
zu folgendem Ergebnisse: 

Unter Zizyphus ü n c/ e r i Heer sind 2 Typen vereinigt worden, 
mit schmal -lanzettlichen und breit- eiförmigen Blättern. Erstere 
unterscheiden sich von den schmalen Formen unserer Art durch 
die unsymmetrische Basis und die bis zur Spitze reichenden Ba- 
silärnerven, letztere von unseren breiteren Blättern durch dieselben 
Merkmale und den Mangel der langen Spitze. Melastomites 
DruichimXJng. (Sotzka Taf 34, Fig. 1 — 9), von EttingshaüSEN 
(Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Sotzka Taf. 4, Fig. 8) 
später zu obiger Art gezogen, erinnert noch am meisten an un- 
sere Blätter. Unsere Fig. 6 passt am besten auf Unger, Sotzka 
Fig. 2, Fig. 10 auf Sotzka Fig. 7, und Fig. 9 und 12 auf Sotzka 
Fig. 1. Leider enthalten die ÜNGER'schen Abbildungen keine 
Details, so dass eine Vereinigung beider Arten ohne directen Ver- 
gleich der Originale gewagt wäre. 

Die schmalen^Blätter von Zizyphus tiliaefolius Ung. sp. 
stimmen in der Form mit unseren Blättern überein. Die kurzen 
Basilärnerven jedoch vereinigen sich in allen Blättern dieser Art 
mit den Secundärnerven in aufsteigenden Bögen. Ziz. bilinicus 
Ett. (Bilin III, Taf 51, Fig. 1) von Kutschlin ist wahrscheinlich 
mit der vorigen Art zu vereinigen. 

Zizyphus remotidens Sap. et- Mar. (Essai pag. 70, tab. 11, 
fig. 5 — 6) schliesst sich am besten an unsere Fig. 8 und das Blatt 
von Bornstedt Taf. 19, Fig. 11 an. Er unterscheidet sich nur 
durch die rechtwinklig vom Hauptnerv ausgehenden Tertiärnerven 
und ferner dadurch, dass die oberen Secundärnerven sich durch 
aufsteigende, nicht durch die Fortsetzung der Basilärnerven ge- 
bildete Schlingen verbinden. — Ziz. Raincourfii Sap. (Sezanne 
tab. 14, flg. 8), erinnert ebenfalls mehr als die jüngeren Arten an 
unsere Pflanze. 



[363] Eisleben. 205 

Zizyphus cinnaviomoidesLiesq^. (Tert. flor. pag. 277, tab. 52, 
fig. 7 — 8) erinnert in der Gestalt an Zizyphus üngeri, hat aber, 
wie unsere Art, kurze Basilärnerven. Die Tertiärnerven gehen 
fast senkrecht vom Hauptnerv aus. 

Von Ziz. vetustum Heer von Alumbay und antiquus Mass. 
vom Monte Bolca liegen leider keine Abbildungen vor. 

Im Königl. Herbarium fand ich folgende analoge lebende 
Arten : 

1. Zizyphus sinensis Lam. (China), 

2. » vulgaris L. (Mittelmeerländer), 

3. eine nicht bestimmte Art aus den gemässigten Regionen 
des Himalaja, mit herzförmiger, aber am Blattstiel kurz 
herablaufender Basis, langer Spitze und kurzen Basilär- 
nerven. 

Die Gattung Zizyphus ist mit ihren 50 Arten hauptsächlich 
über das tropische Asien und Amerika verbreitet und reicht noch 
in die wärmere gemässigte Zone hinein. Wenige Arten bewohnen 
Afrika und Australien. 

Vorkommen: Segengottesschacht, Schwarze Minna, Born- 
stedt. 

Verwandte fossile Arten: 

1. Zizyphus remotidens Sa,Y>. et M.av.: Unter-Eocän (Gelinden). 

2. » Raincotirtii Sap. : Ünter-Eocän (Sezanne). 

3. » UngeriHeer^yar. Dntidum: Ober-Oligocän (Sotzka). 



Myrtaceae. 
Myrcia laiicifolia nov. spec. 

Taf. 25, Fig. 16. 

Folia breoiter petiolata, ov ato-lanceolata longe acumi- 
nata, basi attenuata, integerrima. Neroi secundarii tenuissimi, 
creberrimi, paralleli, sub angulis 50 — ßC Orientes, nervis margi- 
nalibus broch ido drom o-co njun cti. 



206 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [3641 

Die beiden Saumläufer weisen unser Blatt den Myrtaceen zu. 
Myrtus zeylanica L. ( Ettingshausen , Dicot. Taf. 83, Fig. 9) 
hat unter den Myrtus- Asten die schlankesten Blätter, die aber 
noch immer gedrungener sind als Fig. 16. Das Gleiche gilt von 
Baeckhausia myrtifolia Hook. (ibid. Taf. 83, Fig. 10). Syzy- 
gium odoratum De C. (Ettingshausen, Dicot. Taf 84, Fig. 7), 
welches unter allen Syzygien am besten zu unserer Art passt, 
hat entfernter stehende Seeundärnerven. Dagegen sind die lang- 
gestreckte Gestalt, die grösste Breite unter der Mitte und die dicht 
stehenden Seeundärnerven unserer Art auch charakteristische Merk- 
male der Myrcia-Krien. Myrcia ambigua De C. (Ettingshausen, 
Dicot. Taf. 81, Fig. 7 und Taf. 83, Fig. 11), Myrc. rostrata De C. 
(ibid. Taf 86, Fig. 9 — 10) und Myrc. terebinthacea Poepp. (ibid. 
Fig. 206 und 210) lassen sich kaum von unserer Art unterscheiden. 

Aus anderen fossilen Floren ist noch kein Blatt bekannt, 
das sich annähernd mit den unserigen vergleichen liesse ; selbst 
Myrtufs ataoia Sap. (Et. II, 3, pag. 220) und oceanica Ett. 
(Häriug Taf 27, Fig. 24 — 27) besitzen noch die gedrungeneren 
und sich beiderseits gleichmässig verschmälernden Formen der 
eigentlichen Myrten. 

Die zahlreichen (500) Arten von Myrcia bewohnen das tro- 
pische und das wäi-mere gemässigte Amerika. 

Vorkommen unserer Art: Segengottesschacht (1 Exemplar). 



Unbestimmbare Blattreste. 

Unter den abgebildeten, aber im Vorhergehenden nicht be- 
schriebenen, weil noch nicht bestimmbaren Blattresten sind folgende 
hervorzuheben : 

1. Taf. 25, Fig. 18 und 19 erinnern an Zizyphics MeekiiLiesq. 
(Tert. flor. pag. 275, tab. 51, fig. 10—14) und Urtica mio- 
cenica Ett. (Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Steier- 
mark pag. 55, Taf 2, Fig. 21). 

2. Taf 27, Fig. 19 besitzt die nächsten Beziehungen zu den 
Fiederblättern von Arulia racemosu. 



[365] Riestedt. 207 

3. Taf. 26, Fig. 7, 8 und 17 unterscheiden sich von Celastrus 
lanceolatus durch grössere Breite. Sie erinnern am meisten 
an lebende Arten von Evonymus, Celastrus und Maytenus. 
Cunonia hilinica Ett. (Bilin III, Taf. 55, Fig. 21) hat 
kurze, nicht dornartig zugespitzte Zähne, Evonymus rado- 
bojanus Ett. (ibid. Taf. 48, Fig. 8) eine unsymmetrische Basis. 
An dem ähnlich gestalteten Evonymus weiter avicus Ett. 
(Wetterau pag. 878, Taf. 4, Fig. 8) sind die entfernter stehenden 
Secundärnerven Ischlecht erhalten. 

4. Taf. 27, Fig. 17 ist vielleicht mit Zizyjihus Leuschner i 
zu vereinigen. Aehnliche Blätter besitzen auch Celtis- Arten, 
besonders Celt. primic/enia Sap. (Et. II, 3, Ann. 5. ser., IV, 
pag. 119, tab. 6, fig. 7) und Celt. Japeti Ung. (Inocogr. 
pag. 116, Taf. 43, Fig. 25(?), 26). 

5. Taf 28, Fig. 8 und 9 erinnert am meisten an Äcacia rigida 
Heer (flor. tert. Helv. III, pag. 133, Taf 140, Fig. 22), Pro- 
sopis Kymeana Ung. (Kumi Taf. 16, Fig. 1 — 3) und Euca- 
lyp)tus haeringiana Lesq. (tert. flor. pag.296, tab. 59, fig. 10). 
Das letztere Blatt gehört seiner Nervatur nach nicht zu Euca- 
lyptus. 

In dem Thone des Segengottesschachtes wurden zahlreiche 
Früchte und Blüthenreste gefunden, die erst bei einer grösseren 
Menge von Material sich bestimmen lassen und dann noch manche 
interessante Ergänzungen zu der kleinen Flora liefern werden. 



Riestedt. 



Die wenigen Pflanzenreste des Riestedt- Elmsloher Beckens, 
die mir zur Verfügung standen, gehören dem Halleschen Museum 
an. Da dieselben nicht mit einer genaueren Fundortsangabe ver- 
sehen sind, genügen die folgenden Angaben der Lagerungsverhält- 
nisse (ZiNOKEN, Physiographie der Braunkohlen pag. 624): 



208 



Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. 



[366] 



Diluvium. 



Oligocän : 

Untere 

Flötz- 

gruppe mit 

Mitteln von 

Stuben- 
sand (nach 
Laspey- 

RES). 



Eisenschüssige, ockergelbe bis rostbraune Lehmschicht, 
die durch Eisenoxydhydrat zusammengekittete Sand- 
massen einschliesst, mit Milchquarz und Kieselschiefer- 
brocken, Glimmerschüppchen und Hornstein. 

1. Grober, thoniger Sand. 

2. Gegen 8^/2 Lchtr. mächtiger, schiefriger Sand mit 
thonigem Bindemittel; zahlreiche, unkenntliche, 
kohlige Pflanzenreste, meistens Blätter und Stengel 
von Gramineen, oft auch Eisenkiesnieren enthaltend. 

I 3. Grauer, plastischer Thon; feiner, kalkhaltiger Sand 
mit einzelnen Nestern von glimmerfreiem Sande. 

4. 6 Flötze, abwechselnd mit Lagen von Thon und 
Sand. 



Die Baumstämme, v?elche meist horizontal in grosser Menge 
in den Kohlenflötzen eingebettet liegen, gehören nach Hartig 
(Botan. Zeitung 1848, pag. 166) den Coniferen, und zvjrar vor- 
herrschend der Familie der Cypressen an. Es sind: 

Pitoxylon Eggensis (?), 

Hetemxylon Seyferti, 
Thujoxylon (Elate) austriacum, 
Taxoxylon Goepperti, 
CaUitroxylon Aykii, 
Ommatoxylon Germari, 
Palaeoxylon Endlicheri. 

Von diesen sind Taxoxylon Goepperti (nach Hartig) und 
CaUitroxylon (Taxites) Aykü (nach Göppert, Botan. Zeitung 
1848, pag. 165) die häufigsten Braunkohlenhölzer. Von anderen 
Pflanzen war bisher nur das Vorkommen zahlreicher Nüsse von 
Carya' ventricosa in den Kohlen und den die Kohlen beglei- 
tenden Thonen und Sauden bekannt (Zincken, Physiographie 
pag. 131 und K. C. Seyfert, Zeitschrift für das Berg-, Hütten- 
und Salinenwesen in dem preuss. Staate IV, 3, 1856, pag. 171) 
und ausserdem das von ro/'///?(.s'- artigen (Bot. Zeit. 1848, pag. 167) 



[367] Riestedt. 209 

und Cacaobohnen ähnlichen, zuerst durch Zenker beschriebenen 
Früchten. Aus denselben Schichten dürften die auf Taf. 6, 
Fig. 16 — 19 abgebildeten Früchte stammen. Die drei übrigen ab- 
gebildeten Pflanzenreste (Fig. 13 — 15) liegen in einem bläulichen 
Thone, von dem man nicht weiss, ob er der Flötzzone oder dem 
Hangenden derselben angehört hat. 



Beschreibung der Arten. 

Filices. 
? Aneimia sp. 

Taf. 6, Fig. 13, 13a. 

Da von diesem Farnkraut nur das Fig. 13 abgebildete Bruch- 
stück vorhanden ist, ist eine Deutung desselben noch unmöglich. 
Eine ähnliche, lappenartige Zertheilung des Laubes und dicht 
stehende Nerven finden wir bei Ljjgodium und Aneimia. Bei 
beiden aber tritt in jeden Lappen immer nur ein Nerv mit seinen 
Verästelungen ein, während an dem fossilen Farnrest jeder Lappen 
eine Anzahl selbstständiger Nerven enthält, wenn man nicht an- 
nehmen will, dass diese sich sämmtlich in der Nähe des Haupt- 
nervs zu einem einzigen vereinigen. Da die Lappen bei Lygodium 
kleiner und zahnartig zugespitzt sind, können wir den ßlattrest 
nur auf Aneimia beziehen. 

Cupuliferae. 
Dryophyllum curficellense Watelet sp. 

Taf. 6, Fig. 14 und 15. 

Myrica curtkellensis Watelet, Descr. d. plantes foss. de Paris pag. 127, tab. 34, 
fig. 1—3 (186fD). 
» attemmta Watelet, ibid. pag. r2B, tab. 33, fig. 8 — 9. 
» Roginei Watelet, ibid. pag. 127, tab. 33, fig. 10—11. 
» angustissima Watelet, ibid. pag. 12.5, tab. 33, fig. 12. 
» verbinensis Watelet, ibid. pag. 126, tab. 33, fig. 14 — 15. 

14 



210 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [368] 

C'astanea Saporiae Watelet, Descr. d. plantes foss. de Paris pag. 142, tab. 38, 
fig. 4 — 5 (1866). 
» eocenica Watelet, ibid. pag. 142, tab. 38, fig. 1 — 3. 
Myrica attenuata Schimpee, traite de pal. veg. II. pag. 538 (1870 — 72). 

» anguatissima Schimpek, ibid. pag. 540. 
Castanea eocenica Schimper, ibid. pag. 609. 
Dryophyllum lineare Schimpee, ibid. pag. 615. 

» curticellense Sapokta et Makion, Essai sur l'etat de Ja veg. ä l'epoque 

des marnes heersiennes de Gelinden pag. 42, tab. 1, fig. 5 
(1873). 
» » Sapokta et Marion, Revision de la flore heersienne de 

Gelinden pag. 53, tab. 7, fig. 6 — 8 (1878). 
C?) » lineare Sapoeta, Prodr. d'une flore foss. des travert. de Sezanne 

pag, 62, tab. 4, fig. 6 (1873). 

Folia subcoriacea , valide petiolata, linearia angusteque 
liiieari-lanceolata, basi breviter, apice longe attenuata, ' 
margine serrata; nervus primarius subtus validus, nervi secundarii 
numerosi, oblique leniter curvati, paraüeli, simplices aut e.vtremo 
apice furcati, in dentes pe7'gentes; tertiarü numerosi, transnersitn 
decurrentes. 

Die von Watelet als Myrica curticeUeiisis, attenuata, Roginei, 
angustissima und verbenensis beschriebenen und später von Saporta 
und Marion (Essai pag. 42) mit Recht zu einer einzigen Art ver- 
einigten Blätter von Vervins, Bellen und Courcelles bilden eine 
grosse Formenreihe, in welcher sich nicht mehrere Glieder scharf 
abgrenzen lassen. Sämmtliche Blätter sind linealisch oder lineal- 
lanzettlich, verschmälern sich nach unten schnell, nach oben lang- 
sam und sind am Rande mit deutlichen,' dicht stehenden Sägezähnen 
versehen. Der Mittelnerv ist dick, die zahlreichen Secvnidärnervcn 
sind ein wenig gebogen und endigen in den Zahnspitzen. In dem 
unteren Theile der Blätter stehen Secundärnerven und Zähne weiter 
auseinander. Myrica attenuata Wat. stellt nur den unteren Theil 
der Blätter Taf. 34, Fig. 10-12 und 14—15 dar. Myrica Roginei 
mit steileren Secundärnerven scliliesst sich eng an die übrigen 
auf Taf. 33 dargestellten Blätter mit unter offenerem Winkel aus- 
gehenden Secundärnerven an. 



[369] Riestedt. 211 

Mit diesen Blättern vereinige ich ferner Castanea Saportae 
Wat. und eocenica Wat. Beide sind bereits von Schimper (traite 
de pal. veg. II, pag. 609) zu einer Art zusammengezogen worden, 
weil sie, derselben Fundstelle (Bellen) angeiiörend, eine Reihe von 
Formen darstellen, deren extremste, nämlich 1, c. Taf. 38, Fig. 1 — 3 
und Fig. 5, sehr gut durch Fig. 4 vermittelt werden. Das ver- 
bindende Glied zwischen den beiden WATELET'schen Castanea- 
Arten einerseits und den zu Myrica gestellten Blättern andererseits 
bildet Myrica curticeUensis Wat., die sich unter letzteren wieder 
am besten an Myrica verbinensis Wat. anreiht. Das bei Sapoeta 
et Marion, Revision tab 7, fig. 6 abgebildete, fast vollständige 
Blatt weicht durch die deutlich abgesetzte Basis ab, stimmt 
aber mit den übrigen Blättern von Gelinden in allen anderen Be- 
ziehungen überein. 

Die Riestedter Blätter schliessen sich ebenso eng an Castanea 
Saportae Wat., Taf. 38, Fig. 4 wie an Myrica cy,rticellensis Wat., 
Taf. 34, Fig. 1- — 3 an, von denen sie nur durch die länger aus- 
gezogenen Zähne abweichen. 

Die systematische Stellung dieser und der nächst ver- 
wandten Blattformen haben Saporta und Marion in ihren Arbeiten 
über die Gelindener Flora in sehr eingehender Weise zu begründen 
versucht. Dass alle oben aufgeführten Blattreste von der Gattung 
Myrica zu trennen sind, lehrt der gänzlich abweichende Blattbau 
dieser letzteren, welcher immer folgende drei wichtige Merkmale 
erkennen lässt: 

1. die schnellere Zuspity.ung des Blattes, 

2. das fast rechtwinklige Abzweigen der Secundärnerven vom 
Hauptnerven, 

3- das Auftreten von Tertiärnerven, welche bis nahe an den 
Rand den Secundärnerven parallel laufen. 

In der ersten Bearbeitung der Gelindener Flora wiesen 
Saporta und Marion auf die Analogie unserer Art mit den 
Blättern von Castanopsis einerseits und denen der ostasiatischeri, 
immergrünen, lederblättrigen Eichen der Gruppe Pasania, CycJo- 
bahmus und Chlamydobalanus andererseits hin. Da die vorliegende 

14* 



212 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3701 

und die verwandten, dem älteren Eocän und der oberen Kreide 
angehörenden Arten die Ungewissheit Hessen, »in wie weit die 
einzelnen entweder zu Castanopsis oder zu den genannten Sectionen 
der Gattung Quercus gezogen werden müssen, oder ob sie vielleicht 
eine besondere Gruppe bilden«, vereinigten die beiden Forscher 
diese Arten in der von Debet zuerst aufgestellten Zwischengattung 
Dryophyllum und bezeichneten mit dieser Gattung den Stamm, aus 
dem sich später Castanojjsis und Quercus entwickelt haben sollten. 
Später (Revision 1. c.) änderten sie ihre Ansicht über die 
systematische Stellung ihrer Dryophyllum- Arien sehr wesentlich. 
Sie gelangten zu der Vermuthung, dass Dryophyllum sich am 
meisten der Gattung Castanea Tourn. nähere und ein Prototyp 
mit dauernden lederartigen Blättern repräsentire, der zu den 
Kastanienbäumen der gemässigten Zone in derselben Beziehung 
stehe wie die Unter-Gattungen Hex, Cerris und Lepidobalanus mit 
dauernden Blättern zu den sommergrünen Eichen derselben Gruppen. 
Während sie eine Anzahl neu gefundener Blätter zu den Quercineen 
stellten, vereinigten sie Dryophyllum mit den Castanineen, wie fol- 
gende Zusammenstellung zeigt: 

Quercineen. 

a. Section Cerris. 

Quercus Loozi Sap. et Mar. 

» arciloba » » » 

» cliploclon » » » 

» odontophylla » » » 

b. Section hepidohalanus, 

Quercus palaeodrys Sap. et Mar. 

c. Section Cyclohalanopsis. 

Quercus parceserrafa Sap. et Mar. 

Castanineen. 

a. Gattung Pasianopsis Saporta et Marion. 
Pasianopsis retinervis Sap. et Mar. 



[371] Riestedt. 213 

b. Gattung Bryofhyllum Debey. 

Dryophyllum Dewalquei Sap. et Mar. 
» Gurticellense Wat. sp. 

Der Nachweis einer so alten, dem Eocän angehörenden Art 
in unserem Tertiär muss für uns von hohem Interesse sein, da bis 
auf Gelinden und das Pariser Becken in Europa keine Tertiär- 
ablagerung die gleiche oder eine nahe verwandte Art aufzu- 
weisen hat. 

Die unserer Pflanze nächst verwandten Arten haben wir eben- 
falls im Eocän, in den Floren von Sezanne und Gelinden zu suchen. 
Es sind: 

Dryophyllum Deivalquei Sap. et Mar. (siehe diese Abhandl. 
pag. 22), 
» palaeocastanea Sap., 

» (Castanea) sezannensis Wat. sp. 

Die beiden letzten Arten ist Schemper geneigt zu einer ein- 
zigen zu vereinigen (traite de pal. veg. II, pag. 614). Von Dryo- 
phyllum Sap. et Mar. sind bereits zahlreiche Formen abgebildet 
worden, die unter einander mehr abweichen als von den Blättern 
unserer Art. Unter anderen weisen die Blätter bei Saporta et 
Marion, Essai tab. 2, fig. 2 und 5; tab. 4, fig. 1, 3, 4, so viele 
mit Dryophylhim, curticellense übereinstimmende Merkmale auf, dass 
die Vermuthung einer Zusammengehörigkeit beider Arten nahe liegt. 
Dasselbe gilt von dem Blatt Revision tab. 7, fig. 5, das , von den 
übrigen Blättern von Dryophyllum Dewalquei gänzlich abweichend, 
besser zu unserer Art zu stellen wäre. 

Unter den übrigen bis jetzt bekannten Tertiärpflanzen besitzt 
Castanea intermedia Lesq. (tert. flor. pag. 164, tab. 21, fig. 7) 
von Middle Park (Colorado) die nächsten Beziehungen zu unserer 
Art; sie nähert sich am meisten der Form Castanea Saportae Wat. 
(Paris tab. 38, fig. 4). 

Die Gattung Castanea, zu der wir nach dem jetzigen Stande 
unserer Kenntniss der fossilen Pflanzen unsere Art als tropischen 
Repräsentanten mit lederartigen Blättern stellen müssen, ist jetzt 



214 Beschreibiing der Localfloren der Provinz Sachsen. [3721 

auf 2 Species der nördlich gemässigten Zone reducirt, Castanea 
vesca Gärtn. (Gast, vulgaris Lam.) in Südeuropa und Asien und 
Gast, pumila Michx. in Nordamerika. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter-Oligocän: Riestedt. 

Unter-Eocän (Soisson. Stufe): Gelinden, Sezanne(?), Ver- 
vins, Beileu und Courcelles. 

Verbreitung der nächst verwandten Arten: 

1. Dry ophyllum Dewalquei Sap. et Mar.: Unter-Oligocän 

(Skopau, (?)Bornstedt) und Unter- 
Eocän (Gelinden). 

2. » palaeo castanea Sa,Tß. und ) Unter-Eocän 
» (Gast.) sezannensis'Wai. sp.^ (Sezanne). 

3. Gastanea intermedia Lesq. : Obere »green River«! Gruppe 

(Middle Park, Colorado). 

fuglandeae. 

Carya veutricosa Sternberg sp. 

Taf. 6, Fig. 17 — 18. 

Jugkmdites ventricosus Steknbekg, Vers. I, 4, pag. 40, Tai'. 53, Fig. 5a, h (1830). 
/«(/tos ue«<ncosa Bkongniakt, Prodr. pag. 144 (1828). 
Carya » Ungek, Gen. et spec. pag. 467 (1850). 

» » » Pflanzenreste von Wieliozlja pag. 11, Fig. 14 — IG (1849). 

Juglans » Webee, Palaeontogr. II, pag. 208 (1852). 

Carya » Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 301 (1859). 

» » ÜNGEK, Syll. I, pag. 40, Taf.- -18, Fig. 5— 11 (Fig. 10 — 11 folia) 

(1861). 
Juglans » Poppe, N. Jalirb. für Min. 1866, pag. 54, Taf. 1, Fig. 9. 

Carya » Stur, Jahrb. der geol. Reichsanst. 1867, I, pag. 182. 

» » Ettingshausen , foss. Flora der ältesten Braiinkohlenforni. der 

Wetterau pag. 883 (1868). 
» » Engelhaedt, Flora der Braunkohlenform, im Königr. Saolisen 

pag. 37, Taf. 10, Fig. 11 — 14 (1870). 
» » Engelhaedt, Göhren pag. 32, Taf. 6, Fig. 4 (1873). 

» » ScHiMFER, traite de pal. veg. III, pag. 256, tab. 102, fig. 16, 18, 

20, 21 (1874). 



[373] Riestedt. 215 

Carpolithes subcordatus Sternbekq, Vers. I, 4, pag. 41, Taf 53, Fig. G (1820). 
J'uglans rostrata Bronn, Lethaea pag. 866, Taf. 35, Fig. 13 a, b, o (1838). 

» taevigata Bkongniart, Prodr. pag. 145 (folia) (1828). 

» » Ludwig, Palaeontogr. VIII, pag. 135, Taf. 54, Fig. 6—14 (1860). 

» » Poppe, N. Jahrb. für Min. 1866, pag. 54, Taf. 1, Fig. 8. 

» » Engelhardt, Flora der Braunliohlenform. im- Königr. Sachsen 

pag. 38, Taf. 10, Fig. 15 — 18 (1870). 
Carya puMla Unger, Syll. I, pag. 41, Taf. 18, Fig. 12 (1861). 

Foliola elongato-elKptica, basi aficeque sensini acuminata, mar- 
gine undulata. Nux majuscula, ventricoso-sphaerica, lenisswie 
obtuse acuminata, tenuisulcata, valvarum margine prominente, puta- 
mine crasso, dissepimento producto, nticleo parvo, lobis i-sinuosis. 

Früher wurde diese Nuss in grosser Menge in der Kohle 
und den diese begleitenden Thon- und Sandschichten gefunden. 
Die abgebildete halbe Klappe des besten Exemplares aus dem 
Halleschen Museum ist 2°™ lang und 1,5™ breit. Sie ist mit 
schwachen, nur am Grunde deutlichen Adern bedeckt, in der Mitte 
am breitesten und nach oben in eine nur wenig hervorragende 
Spitze verlängert. Die Schalwand und die mittlere Scheidewand 
des Kernes sind sehr dünn. Die geringe Dicke der Scheide- 
wand und der Schale, die bedeutende Grösse des Kernes und die 
Lage der grössten Breite in der Mitte unterscheiden unsere Art 
immer von den doppelt so grossen Früchten von Carya costata 
Stbg. sp. mit dicker Schale und Scheidewand, kleinem Kerne 
und ohne Spitze- Carya albula Heer steht zwischen beiden 
Arten; sie besitzt die Grösse und die dünne Schale von Carya 
ventricosa und die Gestalt von Carya costata. 

Die von LüDWiG zu Juglans ventricosa gerechneten Nüsse 
(Palaeontogr. VHI, Taf. 58, Fig. 3 — 6) gehören, wie Ettings- 
HAUSEN (die foss. Flora der ältesten Braunkohlenform, der Wetterau 
pag. 883) richtig hervorhebt, zu Carya costata Stbg. sp. ; Juglans 
laevigata Ludw. (Früchte) dagegen muss mit unserer Art vereinigt 
werden. Zu letzterer ziehe ich auch Carya pusilla üng., eine ca. 
1/2 Zoll im Durchmesser haltende Nuss, welche bei Franzensbad 
mit solchen von Carya ventricosa gesammelt worden ist und sich 
von diesen weniger unterscheidet als viele der Wetterauer 



216 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [374] 

Exemplare dieser Art von einander, bei denen alle Uebergänge 
von der kugeligen zur langgestreckten Form beobachtet werden 
können. Die von Ludwig mit Juglans ventricosa vereinigten Blätter 
(Palaeontogr. VIII, Taf. 57, Fig. 3 u. 5) gehören nach EttingshaüSEN 
(1. c. pag. 883) weder zu Juglans noch zu Carya. Unger stellt sie 
zu Diospyros lotoides Ung. (Syll. III, pag. 30, Taf. 10, Fig. 1 — 12). 
Ob hingegen die von Unger zu unserer Art gezogenen Blätter 
(Syll. III, Taf. 18, Fig. 10 und 11) richtig gedeutet sind, erscheint 
zweifelhaft. 

Die Gattung (Jarya ist im Tertiär durch zahlreiche Arten 
vertreten, von denen die Mehrzahl bisher im deutschen Tertiär 
nachgewiesen sind. Die nächsten Beziehuugen zu unserer Art 
besitzen : 

1. Carya costoto Ung. (Syll. I, pag. 41, Taf. 18, Fig. 13—17; 

Taf 19, Fig. 16), 

2. » albula Heer (Spizbergen pag. 67, Taf 15, Fig. 62), 

3. » Schiveiggeri Göpp. sp. (Göppert und Berendt, Bern- 

stein pag. 74, Taf. 5, Fig. 12 und 13), 
welche den Uebergang zu 

4. Carya rostrata Ludw. sp. (Palaeontogr. VIII, Taf. 55, 
Fig. 5 — 7) mit gestceckteren Früchten bildet. Mit dieser Art ist 
identisch CarpoUthes rostratus Schloth. (Nachtr. zur Petrefaktenk. I, 
pag. 98, Taf. 21, Fig. 8) von Arzberg in Bayern. Vielleicht gehört 
hierher auch der von Ettingshausen zu Car. büinica Ung. ge- 
stellte Fruchtkern (Bilin III, Taf 51, Fig. 4, 5). 

Die Früchte, welche Ludwig (1. c. VIII, Taf. 54, Fig. 16—17) 
mit Juglans acuminata AI. Br. vereinigt hat, gehören wahr- 
scheinlich zu Carya costata Ung.; wenigstens ist die Fig. 17 
abgebildete, stark zusammengedrückte Nuss, die sich in der Samm- 
lung der geologischen Landesanstalt befindet, kaum zugespitzt und 
hat einen verhältnissmässig kleinen Kern. 

Die Gattung Carya ist jetzt mit ihren 10 Arten auf das ge- 
mässigte Nordamerika beschränkt; nur eine (Cai: tetraptera 
Liebm.) reicht bis Mexico nach Süden. Die dem Typus von Car. 
ventricosa Stbg. sp. angehörenden lebenden Arten sind: 



[375] Riestedt. 217 

1. Carija alba Nutt., von New-Hampshire bis Louisiana und 

Georgia, 

2. » aniara Nutt., vulgo bitter nut, white hickory oder 

swamp hickory, von Massachusetts und Mis- 
souri bis Georgia und Texas, 

3. » myristicaeformis Nutt., von Massachusetts bis Süd- 

Carolina. 

Es muss auffallen, dass aus dem Tertiär von Nordamerika, 
der jetzigen Heimath von Carya, noch nicht Früchte dieser Gat- 
tung bekannt geworden sind. Zwar hat Lesqüereux bei Evanston 
(Wyoming) massenhaft auftretende Blätter als <_'arya antiquorum 
Newb. (Lesqüereux, tert. flor. pag. 289, tab. 57, tig. 1-5, tab. 58, 
flg. 2) beschrieben, jedoch ist, wie auch Lesqüereux zugiebt, 
nach den Blättern allein die Bestimmung von Carya oder Juglans 
unsicher. 

Verbreitung unserer Art: 
Unter -Pliocän: Wieliczka. 
Ober-Miocän: Hernais bei Wien. 
(?) Mittel -Miocän: Bischofsheim (Rhön). 
Unter -Miocän: Kaltennordheim (Rhön). 
Ober - Oligocän : Salzhausen und Hesseubrücken; Liessem bei 

Bonn. 
Unter- Oligocän: Riestedt, Göhren, (?) Zittau. 

Verwandte fossile Arten: 

1. Carya costata Ung.: Unter - Pliocän (Wieliczka), Mittel- 

Miocän (Brandschiefer von Sobrussan), Unter- 
Miocän (Tufi' von Putschirn), Ober-Oligocän 
(Sandstein von Tschernowitz, plastischer Thon 
von Priesen; Rott, Salzhausen, Hessen- 
brücken). 

2. » albula Heer: Spitzbergen (Advent Bay). 



218 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [376] 

Anonaceae. 
Anoiia cacaoides Zenker sp. 

Taf. 6, Fig. 16. 

Baccites cacaoides Zehker, Beiträge 1833, pag. 10, Taf. 1, Fig. 4 — 16. 

» » Geinitz, Verstein. von Altenburg pag. 10, Taf. 2, Fig. 4, 5. 

Anona » Poppe, N. Jahrb. für. Min. 1866, pag. 55, Taf. 1, Fig. 13 — 14. 

» » Engelhardt, Flora der Braunkohlenform, im Königr. Sachsen 

pag. 40, Taf. 12, Fig. 2 — 9 (non 10 — 11) (1870). 

» » Engei.hap.dt, Göhren pag. 34, Taf. 6, Fig. 7 — 8 (1873). 

» Altenbm-gensis Ungeu, Syll, I, pag. 26, Taf. 10, Fig. 8 — 11 (1861). 

» Morloti Ungee, ibid. Fig. 12. 

» elliptioa » Syll. III, pag. 43, Taf. 14, Fig. 2 (1866). 

» » , Morloti, Altenburgensis Schimper, traite de pal. veg. III, pag. 78, 

tab. 96, fig. 22, 23, 26 (1874). 

Semina ovata, obtuse-acuminata, II/2 — 4"" longa, 1^/2 — 21/2"'" 
lata^ sublaevia vel longitudinaliter striata. 

Früchte dieser Art sind bei Riestedt früher in grosser Menge 
gefunden worden. Sie sind glatt oder längsgefurcht und besitzen 
an der Unterseite eine kreisförmige Narbe. Diese Merkmale und 
die eiförmige Gestalt finden wir sowohl an den Früchten von 
Cupulifereh als von Anona. Eine sichere Gattungsbestimmung ist 
daher vorläufig noch unmöglich. 

Die Gattung Anona ist in der Lebewelt durch 52 bis 
53 Arten vertreten, von denen 2 bis 3 im tropischen Asien und 
in Afrika, alle übrigen nur im tropischen Amerika vorkommen. 

Verbreitung: 
Unter-Miocän: Radoboj. 

Unter -Oligocän: Riestedt, (?) Zittau und Bautzen (im Thone), 
Quatitz und Altenburg (in der Kohle); Göhren. 

Pructus sp. lüdet. 

Taf. 6, Fig. 19. 
Die abgebildete Fruchtschale stellt wahrscheinlich die Hälfte 
des Steinkerns einer Amygdaleenfrucht dar. Die Rückenfläche ist 
mit wulstigen Längsrippen bedeckt, die Innenseite stark ausgehöhlt. 



[377] Grube Pauline bei Dörstewitz. 219 



Grube Pauline bei Dörstewitz. 

Diese Grube liegt südöstlich vom Dorf'e Dörstewitz am Wege 
nach Knapendorf, 1 Meile südlich von Halle. Die Lagerungs- 
verhältnisse sind nach den Angaben des Herrn Berginspectors 
Kahlenberg folgende: 

Decke, | bestehend aus Geschiebelehm und Kies. 



Oberflötz, 



4 — 6™ mächtig, mit Schvv'eelkohlen und oft mehrere 
Meter mächtigen Einlagerungen von weissem und 
kohlehaltigem Sande. 



Stubensand, | 2^ — 5"' mächtig, z. Th. thonig. 
Unterflötz, 



6 — 8" mächtig, bestehend aus: 
Schilfkohle, 

Knorpelkohle mit Blättern, 
Schilf kohle. 



Weisse bis braune Sande. 

Nur die Knorpel- und Schilfkohle des Unterflötzes lieferten 
deutliche ßlattreste. Die meisten der abgebildeten Blätter stammen 
aus der Knorpelkohlenschicht, nur die Taf. 7, Fig. 1 — 5 abgebil- 
deten aus der Schilfkohle, die aus massenhaft angehäuften, mono- 
cotylen Blättern besteht. In der Knorpelkohle sind die Blätter 
ebenfalls so häufig, dass jeder Schlag Bruchstücke derselben hervor- 
bringt. Leider liegen die Blätter nur in den seltensten Fällen in 
der Spaltungsfläohe, sie werden deshalb fast immer zertheilt, und 
man muss ein reichhaltiges Material von Kohlenblöcken zerkleinern, 
um in den Besitz möglichst vollständiger Blätter zu gelangen. 
Dies ist auch der Grund, dass die Zahl der abgebildeten Blätter 
noch gering ist im Verhältniss zur durchsuchten Kohlenmenge. 
Zahlreiche Bruchstücke ganzrandiger Blätter konnten zu einer Fest- 
stellung der Gattung nicht verwendet werden und sind nicht ab- 
gebildet worden. Immerhin hat die Ausbeute mehrerer Sendungen, 
welche die geologische Landesanstalt den Herren Berginspector 
Kahlenberg und Director Heinze zu verdanken hat, eine Anzahl 



220 Bescbreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3781 

interessanter Resultate erzielt, die sich bedeutend vermehren 
dürften, wenn eine systematische, palaeontologische Ausbeutung 
der Knorpelkohle in Angriff genommen würde. 



Filices. 
Pterls parschlugiana Unger. 

Taf. 29, Fig. 20 — 21. 
Siehe diese Abhandl., Bornstedt, pag. 74, Taf. 8, Fig. 7 und Taf. 9, Fig. 1. 

Es wurden mehrere Bruchstücke dieser Art gefunden, welche 
vollständig mit den Bornstedter Blattresten übereinstimmen. 

Lygodium sp. 

Taf. 29, Fig. 10. 

Der abgebildete Pflanzenrest ist das einzige bis jetzt gefundene 
Bruchstück eines Lygodium mit schmalen Blättern, wie sie charakte- 
ristisch sind für Lyg. Gaudmi, acrosttchoides, acutangulum und 
Laha7'pii Heer. 

Coniferae. 
Pinus typ. Pinaster L. 

Taf. 29, Fig. 1 und la. 

Kiefernadeln vom Typus Pinaster sind in der Dörstewitzer 
Kohle nicht selten. In den meisten Fällen jedoch konnten nur 
kleine Bruchstücke eines Nadelpaares' gefunden werden. Das 
grösste derselben, von 9°'" Länge, ist das abgebildete. Die con- 
cave Innenfläche der 1,5""" breiten Nadeln ist mit mehreren scharfen 
Längsrippen versehen. Auf der meist flachen Aussenfläche wurden 
wiederholt 6 und 8 gleich starke Längsrippen gezählt (Fig. la). 

Ein Vergleich mit bekannten, fossilen Arten führt zu 
keinem befriedigenden Resultate, weil diese in der Mehrzahl 
der Fälle schlecht begründet sind und ihren Darstellungen 
gewöhnlich die Detailzeichnung fehlt, ferner weil bei Dörstewitz 



[379] Grube Pauline bei Dörstewitz. 221 

die ausschliesslich massgebenden Zapfen noch nicht nachgewiesen 
werden konnten. 

Verwandte Arten scheinen zu sein: 
Pinus pseudopinea Sap.: St. Jean-de-Clarguier, Fenestrelle, Allauch. 
» macroptera Sap. : Armissan. 
» Matheronii Sap. : Marseille. 
Lebende Analoga sind: 

1. Pinus Pinea L. : Mittelnreergebiet, Nordafrika. Canarische Inseln. 

2. » Pinaster L.: Mittelmeergebiet. 

Myricaceae. 
Comptonia rotundata Watelet. 

Taf. 29, Fig. 15 und loa. 

Watelet, Descript. des piantes foss. du bass. de Paris pag. 124, tab. 33, fig. 7 

(1866). 
Compt. pedunculata Watelet, ibid. pag. 124, tab. 33, fig. 5 — 6. 

» » SciiiMPER, traite de pal. yeg. II, pag. 555 (1870 — 72). 

Folia lotige pjetiolata, lineari-lanceolata, pinnatißda, lobis 
extus arcuato-rotiondatis; nervi secundarii 3 — 4, angulo 
rubrecio emissi, arcuato-conjuncti. 

Das einzige Bruchstück dieser Comptonien- Art von Dörste- 
witz hat flache, kreisförmig abgerundete Fiederlappen mit 3 — 4 
kräftigen, hin- und hergekrümmten und nahe dem Rande, wie 
bei der lebenden Compt. asplenifolia Banks, mit einander bogen- 
artig verbundenen Secundärnerven ( Vergrösserung eines Blätt- 
chens von Compt. aspilenifoUa bei Unger, Sotzka Taf. 6, Fig. b). 
Die Fiederlappen von Dryandru sind stets zugespitzt und die 
Secundärnerven laufen ungestört bis zur Spitze derselben. 

Die beiden WATELET'schen Arten sind von einander nicht 
verschieden und weichen von unserem Blatte nur durch die be- 
deutendere Grösse der Fiederlappen ab. 

Die Gattung Comp>tonia besitzt nur eine lebende Art, Compt. 
asplenifolia Banks im gemässigten Nordamerika. 



222 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3801 

Verbreitung: 
Unter - Oligocän : Dörstewitz. 
Unter -Eocän: Bellen (Saliles de Bracheux). 

Myrica augustata Schimper. 

Taf. 29, Fig. 11. 
Siehe diese Äbhandl., Eisleben, pag. 1G2, Taf. 21, Fig. 6 — 8, 10, 12. 

Das abgebildete Bruchstück dieser Art stimmt mit den Blät- 
tern vom Segengottesschachte überein. Dasselbe feinmaschige Netz- 
werk (Fig. IIa) besitzt auch das Blatt bei Saporta, Etudes I, 4, 
tab. 6, fig. 2. 

Verbreitung: 
Mittel-Oligocän: St. Zacharie, Gargas, St. Jean-de- Garguier. 
Unter-Oligocän: Dörstewitz, Bornstedt, Segengottesschacht bei 
Eisleben ; Aix. 

Cupuliferae. 
Uuercus intermedia nov. spec. 

Taf. 29, Fig. 2 — 5. 

Folia coricwea, parva (?), elongato - vel lineari - lanceolata, 
utrinque sensiin attenuata, margine serrafo-denficulata. Nerci 
secundarii craspedodromi, numerosi, angulo acuta Orientes, apice 
furcati; nervi tertiarii creberrimi, partim angulo recto e nerois 
secundariis emissi, partim nervo primario egredientes secundariis 
paraUeli. 

Die kleinen Blätter erinnern im Habitus am meisten an 
Dryophyllum Dewalquei Sap. et Mar., besonders an Essai .... 
tab. 2, fig. 2— 3; tab. 3, fig. 3 — 4 und tab. 4, fig. 1—4, sie 
weichen aber durch die geringere Grösse und das Vorhandensein 
deutlicher, den Secundärnerven parallel laufender Nervenäste ab. 
Diese Eigenthümlichkeit unserer Blätter finden wir bei Quercus 
Sprengel i Heer von Bornstedt (Taf. 14, Fig. 1 — 7) wieder. 
Unter den zahlreichen Exemplaren dieser letzteren befand sich 



r381] Grube Pauline bei Dörstewitz. 223 

aber keins von der geringen Grösse der Dörstewitzer Blätter; fast 
alle besitzen überdies grosse dornartige, entfernt stehende Zähne. 

Die zierlichen Blätter von Quercus drymeia Gaud. et Strozzi 
(Contrib. IT, pag. 44, tab. 4, fig. 1 — 10) aus dem Arnothal haben 
eine sich schneller verschmälernde und vom Blattstiel abgesetzte 
Basis und lassen die Gabelung der Secundärnerven am Ende nicht 
erkennen. — Auf unsere Art lässt sich vielleicht ein 3,5'^'" langes 
und ca. 5™'" breites, lockeres, männliches Blüthenkätzchen beziehen. 

Verwandte Art: 
Quercus Sprengeli Heer: Unter -Oligocän (Bornstedt). 

Laurineae. 
Daphnogene sp. 

Taf. 7 , Fig. 2 und 3. 

Die 2 abgebildeten, aus der Schilfkohle stammenden Blätter sind 
für eine Artbestimmung nicht hinreichend erhalten. Sie müssen, da 
ihre Basis vom Blattstiele deutlich abgesetzt ist, vorläufig zu der 
provisorischen Gattung Daphnogene Heer gestellt werden. Die 
nächsten Beziehungen weist Daphn. Ungeri Heer auf, mit der 
jedoch unsere Art noch nicht vereinigt werden darf, da die mit 
unseren Blättern fast übereinstimmende Form dieser Art (flor. 
tert. Helv. Taf. 96, Fig. 13) das Endglied einer Reihe schmaler 
Blätter darstellt. 

Zu unserem Blatttypus gehört ferner Daphn. tenebrosa Sap. 
(Ann. d. sciences nat. 4. ser., tomel9, tab. 6, fig. 6) von St. Zacharie. 
— Eine deutlich abgesetzte Basis besitzt auch Cinn. 8cheuchzeri 
Gaud. aus dem Arnothal (Neue Denkschr. der Schweiz, naturf. 
Ges. Bd. 17, Taf. 8, Fig. 5). 

Cinnamomum lauceolatum Unger sp. 

Taf. 29, Fig. 7. 
Vergl. diese Abband!., Stedten, pag. 58. 

Von dieser Art ist bei Dörstewitz bis jetzt nur das abgebildete 
Bruchstück gefunden worden. 



224 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3821 

Actinodapline Germari Heer sp. 

Taf. 29, Fig. 14. 
Vergl. diese Abhandl., Bornstedt, pag. 119. 

Das abgebildete Blatt, das einzige mir von Dörstewitz bekannt 
gewordene dieser Art, passt vortrefi'lich zu Taf. 12, Fig. 6 von 
Bornstedt. 

Proteaceae. 
Dryandra saxonica nov. spec. 

Taf. 29, Fig. 16. 

Vergl. diese Abhandl., Eisleben, pag. 169, Taf. 20, Fig. 10a— IG und Taf. 28, 
Fig. 3-5. 

Das kleine Blattbruchstück lässt sich, soweit es sein Er- 
haltungszustand erlaubt, recht gut mit der Art vom Segengottes- 
schacht vereinigen. 

Hakea inicroi)li3'lla nov. spec. 

Taf. 29, Fig. 12—13. 

Folia subcoriacea, oblong a. I anceol ata , basi angustata, 
integerrima; nervi secundarii margini pa rall el i, acroclromi. 

Die Blätter dieser Art scheinen eine lederartige Textur be- 
sessen zu haben und waren mit lang verschmälerter Basis sitzend. 
Die die Secundärnerven verbindenden, knieförmig geknickten Ter- 
tiärnerven sind durch Nervenäste verbunden, die den Secundär- 
nerven gleich gerichtet sind. 

Die Blätter von Acacia und M elaleuca^ zwei verwandte 
Typen, besitzen 2 von der Basis aus aufsteigende, dem Rande 
parallele Lateralnerven, mit denen sich die Secundärnerven erst 
verbinden. Das Gleiche gilt von Pe rsoonia, Grevill ea und 
den meisten Arten von Hakea. In dieser Gattung kommen jedoch 
auch Arten mit spitzläufigen Secundärnerven vor, die, wie an 
unserem Blatte in verschiedener Höhe vom Mittelnerv al)zweiü;end, 



r3831 Grube Pauline bei Dorstewitz. 225 

dem Blattrande parallel laufen und unter sich durch knieförmig 
geknickte Adern verbunden sind. 

Die nächst verwandte fossile Art, Acacia rigida Heer 
(flor. tert. Helv. III, pag. 133, Taf. 140, Fig. 22), hat derb leder- 
artige Blätter, welche bis auf die Lage der grössten Breite 
unterhalb der Blattmitte mit unserer Art übereinstimmen. Bei 
beiden fossilen Arten sind Primär- und Secundärnerven von gleicher 
Stärke. 

Die Gattung Hakea ist mit ungefähr 95 Arten auf Australien 
beschränkt. Dem Typus unserer Art gehören an: 
Hakea nitida R. Br., 

» saligna Knight sec. Benth. (Brisbane River), 
» crassifolia Meissn. (West- Australien), deren Blätter 
auch hinsichtlich der Gestalt sich am 
engsten an die fossilen anschliessen. 
Analoge fossile Art: 
Acacia (f) rigida Heer: Ober-Oligocän (Rivaz bei Vivis). 



Apocyneae. 
Apocynopliylluin conf Nerium repertum Saporta. 

Taf. 29, Fig. 6. 

Nerium repertum Sapobtä, Et. Suppl. I, 2, pag. 155, tab. 10, fig. 5. 

» » _ SoHiMPEß, traite de pal. veg. III,- pag. 692, tab. 93, fig. 35 (1874). 

Banhsites repertus Saporta, Et. 1, 4, Ann. d. sc. nat, 4. ser. , XVII, pag. 103, 
tab. 8, fig. 4. 

Das abgebildete, lederartige Blatt unterscheidet sich von 
xApocynophyllum heleetictim Heer durch die sehr dicht stehenden 
Secundärnerven, von Apoc. neriifolium Heer durch die fast recht- 
winklige Abzweigung derselben vom Primärnerv, von Apoc. ochro- 
sioides Ett. (Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Sotzka pag. 527, 
Taf. 1, Fig. 5) durch die allmälig sich verschmälernde Basis. 

Durch das Vorkommen schmaler Blätter bei Dorstewitz neben 
den abgebildeten breiteren, die Beschaifenheit der Basis und das 

15 



226 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3841 

Auftreten zahlreicher, sehr dicht stehender und unter fast rechtem 
Winkel vom Hauptnerven ausgehender Secundärnerven schliesst sich 
unsere Pflanze eng an Nerium repertum Sap. an, mit dem es wahr- 
scheinlich zu vereinigen ist. Ohne eine grössere Anzahl von Blät- 
tern jedoch ist die Abgrenzung der genannten Arten unmöglich. 
Nerium, repertum Sap.: Unter -Oligocän (Aix). 



Saxifragaceae. 
Cnnonia formosa nov. spec. 

Taf. 7, Fig. 6 — 9 und Taf. 29, Fig. 8 — 9. 

Folia subcoriacea, impariter pinnata(f); foliolapetiolata, 
oblongo-lanceolata, utrimque sensim attenuata, basi inaequilateri 
vel aequilateri, obtuse-serrata. — Nervus primarius validus^ 
nervi secundarii numerosi, curvati, subparalleli, camjHodromi , rete 
nervis secundariis parallelwm. 

Die Blätter dieser Art wurden unter allen am häufigsten 
gefunden. Da die meisten eine unsymmetrische, nur sehr 
wenige eine symmetrische (Taf. 29, Fig. 9) Basis besitzen, liegt 
die Vermuthung sehr nahe, dass alle diese Blätter nur als Theile 
von gefiederten oder gefingerten Blättern aufzufassen seien. Von 
den Arten mit gleichem Blatttypus, 

Cunonia capensis L., 

Thomasia australis A. Rieh. ( Ettingshausen , Dicotyl. 

Taf 62, Fig. 4, 12), 
Elaeocarpus lanceaefolius Roxb. (Ettingshausen, ibid. 
Taf 51, Fig. 7), 

hat die letzte einfache Blätter, Thomasia australis sitzende Theil- 
blätter, Cunonia capensis (Taf. 29, Fig. 8A) dagegen langgestielte 
Fiederblätter, welche eine so überraschende Uebereinstimmung 
mit den fossilen Blättern zeigen, dass man geneigt sein möchte, 
die fossile Art mit der lebenden zu vereinigen. Die fossilen 



[385] Grube Pauline bei Dörstewitz. 227 

Blätter sind allmälig, die lebenden schnell zugespitzt, doch sind 
auch unter letzteren solche mit langer Spitze zu finden. 

Die Gattungsbestimmung von Cunonia europaea Ung. 
(Syll. III, pag. 42, Taf. 1 3, Fig. 3) von Radoboj ist, da die feinere 
Nervatur nicht erhalten, nicht gesichert. — Cunonia bilinica 
Ett. (Bilin III, pag. 64, Taf. 55, Fig. 21) weicht vom Typus 
Cun. capensis L., mit dem sie Ettingshausen vergleicht, wesent- 
lich ab. — Ceratopetalum radobojanuni üng. (Syll. III, 
Taf. 13, Fig. 5) erinnert mehr an Cunonia capensü L. als an 
Ceratopetalum arbutifolium Cunn. Mit derselben Art sind wahr- 
scheinlich auch die ebenda Fig. 6 — 9 abgebildeten Blätter von 
Samyda tenera üng. zu vereinigen. — Sapindus Pi/thii \Jag. 
(Syll. I, pag. 33, Taf 14, Fig. 6 — 7) unterscheidet sich von der 
lebenden Cunonia capensis wie von unserer Art durch die kurz 
abgesetzte Basis und die vom Hauptnerv unter offeneren Winkeln 
abgehenden Secundärnerven. 

Taf 7 , Fig. 6 erinnert am meisten an Celastrophyllum 
repandum Sap. et Mar. (Essai . . . pag. 70, tab. 12, fig. 4, 5) 
von Gelinden. Die Basis der beiden Blätter von Gelinden ist 
nicht erhalten, doch spricht die Krümmung des Hauptnerven und 
die ungleiche Breite des linken und rechten Blatttheiles für das 
Vorhandensein einer unsymmetrischen Basis. Wenn auch Saporta 
und Marion das in diesem Falle entscheidende Maschennetz der 
Nerven höherer Ordnung weder gezeichnet noch eingehender be- 
schrieben haben, so müssen wir doch immerhin die Gelindener Art 
als die nächst verwandte betrachten, welche sich vielleicht bei Ver- 
gleich von besserem Material mit unserer Art identiticiren lassen 
wird. Dasselbe gilt von ('elastrophyllum serratum Sap. et Mar. 
(Revision . . . tab. 14, fig. 3), das sich am besten an unsere breiteren 
Formen anschliesst. 

Die Gattung Cunonia ist in der Jetztwelt nur durch eine 
Art, Cun. capensis L., den Roode Elseboom der Capkolonisten, 
vertreten, einen 10 — 50 Fuss hohen Baum, der durch die ganze 
Capkolonie verbreitet ist. 

15* 



228 Beschreibung der Looalfloren der Provinz Sachsen. [3861 

Verbreitung der verwandten Arten: 

1. Celastrophyllum repanduin Sap. et Mar.: Unter - Eocän 

(Gelinden). 

2. Celastro]}hyllum serratum Sap. et Mar.: ibid. 

3. Cunonia radobojana Ung. sp.: Unter-Miocän (Radoboj). 



Myrtaceae. 
Myrtophyllum spec. 

Taf. 7, Fig. 4 und 5. 

Folia oblonga, integerrima, basi rotundata, petiolata. Nervi 
secundarii numerosi, angulo aperto egredientes, paralleli, brochido- 
dromi. 

Zahlreiche zu dieser Art gehörende Blattstücke lagen auf einer 
Platte aus der Schilf'kohlenschicht. Blätter mit demselben Ner- 
vationscharakter sind häufig bei den Apocyneen, Sapotaceen und 
Myrtaceen. Die Sapotaceenblätter verschmälern sich zum Blatt- 
stiele; unter den Apocyneen besitzen nur die Blätter von Melodinus- 
Arten eine abgerundete Basis und zugleich einen kräftigen Mittel- 
nerv ; unter den Myrtaceen hingegen sind Blätter mit abgerundeter 
Basis sehr häufig, so bei Eitgenia, Eucalyptus, Mgrcia, Melaletica etc. 
Unter diesen weisen Myrcia und Melaleuca die besten Analoga zu 
unserer Art auf, vor allen : 

Myrcia splendens De C. (Ettingshausen, Dicotyl. Taf 89, 
Fig. 1), 
» Maragnana De C. (ibid. Taf. 88, Fig. 1), 
Melaleuca genisUfolia Sm. (ibid. Taf. 84, Fig. 13 — 14). 

So lange jedoch nicht vollständige Blätter unserer Art bekannt 
sind, ist eine genaue Bestimmung unmöglich und der provisorische 
Name Myrtophyllum allen Gattungsnamen vorzuziehen. 

Die beiden erstgenannten lebenden Arten leben in West- 
indien und dem tropischen Südamerika, die dritte in Neuholland. 



[387] ' Grube Pauline bei Dörstewitz. 229 

Myrtophyllum grandifolium nov. spec. 

Taf. 7, Fig. 1. 

Folia subcoriacea, magna^ petiolata, elliptica, apice acumi- 
nata, basi breviter attenuata, integerrima. Nervatio brochido- 
droma; nervus primarius tenuis; nervi secundarii tenuissimi, nume- 
rosi, angulis 60 — IQ^ Orientes, subcurvati, nervilli nervis secun- 
dariis paralleli. 

Es ist unmöglich , ohne Früchte oder Blüthen das zerrissene 
Blatt aus der Schilf kohle der Gattung nach zu bestimmen, da 
Blätter von gleichem Nervationstypus weit verbreitet sind. Wir 
finden sie in der Familie der 

Anacardiaceen .(Spondias), 

Apocyneen (Hunteria, AUamanda, Aspidosperma), 
Sapotaceen (Chrysophyllum, Mimusops), 
Myrtaceen (Eugenia, Syzygium,, Caryophyllus , Myrcia, 
Melaleuca, Eucalyptus) und 

der Abtheilung von Ficus, deren Blätter wie bei Ficus Benja- 
minea L. keine hervortretenden Basalnerven besitzen. 

Die i^icws- Blätter sind immer durch das sehr deutliche, 
regelmässige Nervillennetz zu unterscheiden. Bei Chrysophyllum 
laufen den Secundärnerven in jedem Zwischenfelde mehrere sehr 
deutliche Nerven parallel, die sich nach dem Rande hin zu einem 
einzigen vereinigen; bei Mimusops ist der Saumläufer vom Blatt- 
rande weit entfernt und hin- und hergewunden. Die Blätter von 
AUamanda und Aspidosperma haben einen starken Mittelnerv, 
die von Hunteria corymbosa Roxb. sind kaum von unserem 
Blatt verschieden, wenn man nicht auf das Vorhandensein eines 
schmalen Randfeldes Werth legen will. Bei Spondias mangi- 
fera L. ist, wie bei Caryophylhts aromatictos L., jedes zwi- 
schen 2 Secundärnerven liegende Feld durch einen fast gleich 
starken Nerven in 2 kleinere Felder getheilt. 



'230 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [388] 

In der Familie der Myrtaceen finden wir die grösste Anzahl 
von Analogieen. Bei Eugenia erscheint das Randfeld stets sehr 
gross, bei Myrcia multiflo ra De C. ist das Nervillennetz sehr 
kleinzellig und regelmässig; bei Melaleuca genistifolia Sm. 
sind die Nervillen mehr als bei den übrigen Gattungen in der 
Richtung der Secundärnerven gestreckt. Der fossilen Art nähern 
sich am meisten zahlreiche Arten von Syzygium und Euca- 
lyptus mit dicht am Rande liegenden Saumläufern. Da diese 
Arten bei gleicher Blattform zugleich dasselbe lockere Netzv^erk 
besitzen, dessen Nervillen zum grossen Theil gegen die Secundär- 
nerven stark geneigt sind, so dürfte die Einreihung unserer Art 
in eine dieser Gattungen die naturgemässeste sein. Als verwandte 
Arten sind vor allen hervorzuheben : 

Syzygium oblatum Wall. (Sillet), 

» guinense De C. ( Senegal), 

Eucalyptus eugenioides Sieb. ( EttingshauseSst , Dicotyled. 
pag. 206, Fig. 233), 
» umbellata Sieb. (ibid. pag. 203, Fig. 227). 

So lange es unmöglich ist, zu entscheiden, zu welcher von 
beiden Gattungen unsere Art zu ziehen ist, scheint der oben ge- 
wählte Name Myriophyllum den Vorzug vor beiden zu verdienen. 

Eugenia Hollae Heer von Skopau (Beitr. zur Kenntn. der 
Sachs. -Thüring. Braunkohlenflora pag. 15, Taf 6, Fig. 13) steht 
unter den fossilen Blättern unserer Art am nächsten; sie unter- 
scheidet sich von den Blättern der lebenden Eugenien durch den 
dicht am Rande liegenden Saumläufer, von unserem Blatte durch 
den geringeren Ursprungswinkel der Secundärnerven. 

Die Gattung Eucalyptus zählt jetzt 100 Arten, von denen 
fast alle auf Australien beschränkt sind und nur wenige auch im 
indischen Archipel vorkommen. Syzygium, eine Unterabtheilung 
von Eugenia, umfasst gegen 60, sämmtlich den Tropen der alten 
Welt angehörende Arten. 



[389] Grube Pauline bei Dörstewitz. 231 

Papilionaceae. 
Dalbergia obligocaenica nov. spec. 

Taf. 29, Fig. 17 — 19. 

Folia pinnata (f), foliola elliptico-oblo ng a, basi attenuata, 
ajiice emarginata; nervi secundarii numerosi, comptodromi. 

Blätter mit ausgerandeter Spitze sind in der lebenden 
Flora häufig und auch in grösserer Anzahl schon aus dem 
Tertiär bekannt. Blättchen von ähnlicher Gestalt und gleicher 
Grösse, zum Theil zu gefiederten Blättern vereinigt, hat Heer in 
seiner flor. tert. Helv. Taf. 133 und 137 als Dalbergia und 
Caesalpinia abgebildet, und es liegt auch für unsere Blättchen 
die Vermuthung sehr nahe, dass sie nur Theile von zusammen- 
gesetzten Blättern darstellen. Dalbergia bella Heer (flor. tert. 
Helv. HI, pag. 104, Taf. 133, Fig. 14—19), die nächst verwandte 
Art, unterscheidet sich von unseren Blättern nur durch die Lage 
der grössten Breite über der Blattmitte. Die Blättchen von Caesal- 
pinia sind kleiner als unsere Blättchen und die der HEER'schen Art. 

Der Typus Dalbergia bella Heer ist in der Jetztwelt nur 
durch tropisch-indische Arten vertreten, zu denen unter 
anderen Dalb. Thomsonii Bth., stipulacea Roxb. und /'errw- 
ginea Roxb. gehören. 

Verbreitung von Dalbergia bella Heer: 
Ober-Miocän: Oeningen (Kesselstein), Locle, Guarene. 



232 



Besclireibuns; der Localfloren der Provinz Sachsen. 



[390] 



Grube Carl Ernst bei Trotha. 



Die Grube Carl Ernst, vulgo »Brotsack«, liegt am Südfusse 
des Huppberges, zur linken Seite des Weges, der von Wittekind 
nach der Bergschenke bei Seeben führt. Zincken giebt in seiner 
Physiographie der Braunkohlen pag. 301 die Lagerungsverliältnisse 
dieses Grubenfeldes wie folgt an: 

I Dammerde, 1/^4 Lchtr. 



Sand, 


V2 


L. 






Lehm, 


11 


A-1 


V2 


L. 


Thon, 


2- 


-21/2 


L. 




Sand, 


3- 


--4L. 







Thoniger Sand, 2^/2 L. 



Grauschwarzer Sand (»Mergel«) mit Eisenkiesknollen 
von bis 4 Zoll Durchmesser, 1/2 L. 



Erdige und knorplige Kohle mit Lignitstücken, '^j^ L. 

Der Kohle, dem Unterflötz nach Laspeyres, entstammen 
die unbestimmbaren Blattreste, welche Andrae (Erläuternder Text 
zur geognostischen Karte von Halle pag. 83) 1850 beobachtete, 
und die im Folgenden beschriebenen Pflanzenreste, welche Herr 
Berginspector Kahlenberg in Halle der geologischen Landesanstalt 
übersandte. Derselbe hatte die Güte, mir eine Beschreibung des 
Vorkommens dieser Pflanzen zu liefern , der ich Folgendes ent- 
nehme: »Die Blätter -haltige Kohle fand sich in einer Strecke bei 
ca. 30™ Länge bis zu 1™ Höhe unter der Sohle vor und wurde 
beim Weiterarbeiten nicht wieder angetroffen. Diese Lage sowohl 
als das Liegende des Flötzes bildet hier einen Sattel, der sich 
nach rechts und links verflacht, so dass sich beim demnächstigen 
Abbau dieser Stelle wahrscheinlich mehr Blattabdrücke finden 
werden«. 

Die genannte Kohle lässt sich mit dem Messer in düuue, 
Linebene Platten spalten, deren Oberfläche inuner von mehr oiler 



[391] Gnibe Carl Ernst bei Trotha. 233 

weniger deutlichen, ganzrandigen Blättern von lederartiger Con- 
sistenz gebildet wird. Unter diesen treten die dreilappigen Blätter 
von Sterculia labrusca Ung. in so grosser Menge auf, dass man 
die Kohle als Sterculienkohle bezeichnen kann. Hinsichtlich der 
Häufigkeit des Vorkommens reihen sich die Blätter von Machae- 
riuvi an und von Laurineen, die jedoch nicht hinreichend erhalten 
waren, um sicher bestimmt werden zu können, daher im Folgenden 
nicht erwähnt werden. 



Laurineae. 

(?) Nectandra sp. 

Taf. 30, Fig. S. 

Blätter dieser noch nicht benannten Art wurden mehrfach 
beobachtet. Der Erhaltungszustand lässt auf eine lederartige Be- 
schaffenheit schliessen. — Von den zahlreichen Familien mit ähn- 
lichen Blatttypen haben die Laurineen die meisten Analogieen 
aufzuweisen. Mit Sicherheit können wir unsere Art jedoch erst 
dann dieser Familie zurechnen, wenn es gelungen ist, Blätter in 
Verbindung mit Laurineen -Früchten aufzufinden. Den Nervations- 
charakter des abgebildeten Blattes zeigt unter den lebenden Blät- 
tern am besten das von Nectandra sp. atnerican. bei Ettings- 
HÄUSEN, Dicotyledonen Taf. 16, Fig. 3. 

Das etwas schmalere Blatt von Rhainnus inaequalis Lesq. 
(tert. flor. pag. 279, tab. 52, fig. 16) lässt das feinste Netzwerk 
nicht erkennen. 

Laurus sp. 

Taf. 31, Fig. 3. 

Das dick -lederartige Blatt gleicht in Gestalt und Nervatur 
dem auf Taf. 15, Fig. 1 abgebildeten von Persea belenensis Wat. 
aus Bornstedt. Es unterscheidet sich von demselben nur dadurch, 
dass bei ihm nahe der Basis die Tertiärnerven vom Hauptnerven 
unter einem rechten Winkel ausgehen. Dieses Merkmal ist jedoch 



234 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3921 

von untergeordneter Bedeutung, da es nicht sowohl bei den meisten 
Laurineen - Gattungen auftritt, sondern auch an den Blättern ein 
und derselben Art bald deutlich zu erkennen ist, bald ganz ver- 
schwindet. — Da die Trothaer Frucht (Taf. 31, Fig. 10) mit der 
von Bornstedt Taf. 15, Fig. 9 abgebildeten Laurineen -Frucht voll- 
ständig übereinstimmt, ist ein weiterer Beleg für die Identität 
einer oder mehrerer Arten in beiden Fundorten gegeben. 

Blätter von gleichem Bau besitzen Actinodaphne pruinosa Nees 
(Ostindien) und Persea obovata Nees (Brasilien). 



Passifloreae. 
Passiflora Hauchecornei nov. spec. 

Taf. 31, Fig. 1 und 2. 

Folia coriacea, integerrima, triloba vel simplicia, basi 
rotundata, petiolum amplectentia, simplicia ovata, triloba 
lobis oblongis, lobo medio pt^oductiore. — Nervi primarii aequa- 
liter validi; nervi secundarii distincti, curvati, remoti, camptodromi, 
sub angulo 50 — 70° Orientes; neroi tertiarii numerosi, primariis 
atque secundariis angulo subrccto egredientes. 

Es giebt nur wenige Pflanzengattungen, in denen ähnliche 
dreilappige Blätter vorkommen. Wir finden solche Blätter bei 
einigen Sterculien, häufig jedoch nur bei den Passifloren. Von 
ersteren konnte nur Sterculia colorata Roxb. (Java) zum Vergleich 
herangezogen werden, deren Blätter alle Uebergänge von der drei- 
lappigen zur einfachen Herzform aufweisen. Bei aller Uebereiu- 
stimmung mit den fossilen Blättern hinsichtlich der Anordnung der 
Secundär- und Tertiärnerven muss als ein durchgreifender Unter- 
schied die Beschafienheit des Blattgrundes angesehen werden. 
Während bei allen Sterculien die Hauptnerven der Lappen und 
die unter ihnen liegenden Lateralnerven am unteren Rande des 
Blattes vom Blattstiel abzweigen, ist an den fossilen Blättern das 
Ende des Blattstieles und damit der Ursprung der Primär- und 



[393] Grube Carl Ernst bei Trotlia. 235 

Lateralnerven von Blattsubstanz rings umgeben. Dasselbe finden 
wir bei denjenigen Passifloren, deren dreilappige Blätter sich am 
besten mit unserem Blatte vergleichen lassen, so besonders bei 
Passiflora racemosa Brot. (Fig. 1 A). Die Analogie mit dieser 
gewinnt an Gewisslieit durch die dick -lederartige Beschafl^enheit 
der Blätter dieser Art, während die Blätter der meisten übrigen 
Passifloren häutig sind. Die nahen Beziehungen des dreilappigen 
Blattes zu den Passifloren klärt uns auch die Stellung des Blattes 
Fig. 2 auf. Es ist bei allen gelappt -blättrigen Passifloren, so auch 
bei Pass. racemosa^ eine gewöhnliche Erscheinung, dass die Seiten- 
lappen der Blätter zum Theil oder ganz verkümmern, so dass oft 
an derselben Pflanze dreilappige Blätter neben zweilappigen und 
einfachen Blättern auftreten. Letztere sind dann in der Regel 
unsymmetrisch wie unser Blatt Fig. 2. Eine weitere Ausbeute 
wird sicher noch eine Reihe von Uebergangsformen zwischen 
Fig. 1 und 2 liefern und Blätter mit Blattstielen, welche nach 
Art der lebenden Passifloren mit je 2 Knötchen besetzt sind. 

Ich habe diese sehr interessante Art dem Herrn Geh. Rath 
HaüCHECORNE zu Ehren benannt. 



Sterculiaceae. 
Sterculia labrusca Unger. 

Taf. 30, Fig. 1 — 6. 

a. var. angustilob.a. 

Sterculia labrusca Ungek, Sotzlsa pag. 45, Taf. 28, Fig. 1 — 11 (ISÖO). 

» » Ettingshausen , Monte Proraina pag. 37, Taf. 14, Fig. 7 (1854). 

C?) » » Massalongo, Studii suUa flor. foss. Senog. pag. 318, Taf. 13, 

Fig. 6 (1859). 
» » Heek, Sachs. - Thüring. Braunkohlenflora pag. 15, Tai'. 3 und 4 

(1861). 
» » ScHiMPER, traite de pal. veg. III, pag. 103, tab. 98, fig. 3, 4 

(1874). 
» » Sapokta et Marion, Essai sur l'etat de la veget. ä l'epoque des 

marnes heersiennes de Gelinden pag. 65, Taf. 11, Fig. 1 (1873). 



236 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3941 

StercuUa lahrusca Exgelhahdt, Leitmer. Mittelgeb. Nov. Act. Bd. 38, pag. 409, 

Taf. 12, Fig. 17 (1876). 
(1) » » Ettingshausen, Sagor H, pag. 186, Taf. 15, Fig. 14 (1877). 

("l) » » Engelhakdt, Süsswassersandstein von Grasseth pag. 37, Taf. 4, 

Fig. 18 (1881). 
» Verbmensis Watelet, Paris pag. 223, Taf. 56, Fig. 1, 2 (1866). 
Laurus Labruaca Ungek, Gen. et spec. plant, pag. 433 (1850). 
Ficus caricoides Usgee, Sotzka pag. 35, Taf. 13, Fig. 8 (1850). 
Platanus Sirii Usgee, ibid. pag. 36, Taf. 15, Fig. 1. 
Acer Sotzkianum Ungee, ibid. pag. 45, Taf. 29, Fig. 1 — 2. 
GranacKlla tripartita Massalongo, Praeladium flor. foss. Bol. pag. 65. 

b. var. latiloba. 

StercuUa labrusca Esgelhardt, Göhren pag. 29, Taf. 6, Fig. 1 (1873). 
(?) » » Ettingshausen, Sagor II, pag. 186, Taf. 15, Fig. 15 (1877). 

C?) » Majoliana MÄssAr.oNGo, Studii senogall. pag. 319, Taf. 20, Fig. 3 (1859). 
Sassafras germanica Heee, Sachs. -Thüring. Brannkohlenüora pag. 8, Taf. 3, Fig. 7; 

Taf. 7, Fig. 12 — 13. 
StercuUa Duchartrei Watelet, Paris pag. 223, Taf. 56, Fig. 3. 

Folia subcoriacea, triloba, rarius quinqueloba, basi rotundata 
vel subcordata, longe petiolata, lobis lanceolatis, integerrimis. 
Nervatio pahnata; neroi primarii 2 — 5, neroi secundarn tenues, 
camptodromi , nervi tertiarii numerosi, angulo subrecto Orientes, 
p>arcdleli. 

Diese Art, in welcher man bisher die drei- bis fünf lappigen 
Blätter mit langgestreckten, ganzrandigen Lappen vereinigt hat, 
ist, wenn alle oben genannten Blattformen zu ihr gehören, sehr 
langlebig und räumlich weit verbreitet gewesen. Man findet sie 
schon im ältesten Tertiär und Massalongo hat sie noch im Miocän 
von Sinigaglia nachgewiesen. 

Die lebenden Sterculien, mit denen wir die fossilen Blätter 
vergleichen können, weisen in der Blattbildung eine grosse Mannig- 
faltigkeit der Formen auf. Bei ein und derselben Art wechseln ein- 
fache Blätter mit tief dreilappigen ab, und zwischen diesen zeigen sich 
alle Uebergänge. Diese Eigenthümlichkeit lebender Arten berechtigt 
zu der Zusammenfassung der zahlreichen fossilen Blätter, welche 
oft beträchtlich von einander abweichen, aber in der Gesammtheit 



[395] Grube Carl Ernst bei Trotha. 237 

SO viele unmerkliche Uebergänge bilden, dass eine scharfe Grenze 
zwischen ihnen unmöglich zu ziehen ist. Nur glaube ich, die 
ganze Fülle von Formen in zwei Abtheilungen gruppiren zu 
müssen , welche sich , soweit die Beobachtungen reichen, fast 
immer gut von einander trennen lassen, eine Abtheilung mit lang- 
gestreckten, schmalen Lappen, zu welcher die Mehrzahl der bisher 
abgebildeten Blätter gehört, und eine zweite mit kürzeren, breiteren 
und sich schnell zuspitzenden Lappen. Hierher gehören vor allen 
die Trothaer Blätter. Unter diesen konnte ich kein einziges finden, 
welches sich hinsichtlich der Lappen mit den schmallappigen 
Blättern von Skopau hätte vergleichen lassen, dagegen neigen 
sie durch allmäliges Verkürzen der Seitenlappen zu dem anderen 
Extrem. Die Veränderung nach dieser Richtung hin geht so weit, 
dass Sassafras germanica Heer nicht mehr als selbstständige 
Art aufrecht erhalten werden kann. Die Gattungsbezeichnung 
Sassafras müsste man, auch hiervon abgesehen, aufgeben, da 
bei der lebenden Sassafras die Lappen abgerundet sind und die 
beiden Seitennerven oberhalb des Blattgrundes aus dem Mittelnerv 
hervortreten. 

Sterculia diversifolia Don, bisher für das lebende Ana- 
logen unserer Art gehalten , ist in neuerer Zeit von Sterculia ge- 
trennt und mit wenigen anderen Arten zur Gattung Brachychiton 
gebracht worden, welcher jetzt 6 ausschliesslich australische Arten 
angehören. Beide Gattungen sind nach den Blättern schon gut zu 
unterscheiden. Die Secundärnerven von Brachychiton (vergl. 
Sterculia diversifolia in EttingshäUSEN , Dicot. Fig. 70, 74, 77 
und Taf. 48, Fig. 10 — 12) sind gegabelt, und die Gabeläste 
lösen sich in der Nähe des Randes zu einem weitmaschigen 
Netzwerke auf; die Secundärnerven der Sterculien sind bogen- 
läufig. Leider ist dieser Unterschied an den fossilen Blättern 
nicht immer durchzuführen, da an den meisten der bisher ab- 
gebildeten Blätter die Nervatur nicht zur Anschauung kommt. 
Sie ist deutlich wiedergegeben ausser an den Trothaer Blättern 
nur in Ettingshausen , Bilin HI, Taf. 43, Fig. 5 und Heer, 
Sachs. - Thüring. Braunkohlenflora Taf 3 , Fig. 5 — 6 und Taf. 4, 
Fig. 1, 5 und 6. Die Blätter von Skopau besitzen den Nervationstypus 



238 Beschreibung der Localfloren der Provinz Sachsen. [3961 

von Sterculia, das Blatt der Biliner Flora den von Brachychiton 
und ist höchst v/ahrscheinlich auszuscheiden. Die Blätter in Ungee, 
Sotzka Taf. 28, unterscheiden sich durch die geringe Grösse und 
die sehr schmalen Lappen von den übrigen bekannten Blättern 
unserer Art und schliessen sich besser an das lebende Brachy- 
chiton cUversifolium an. — Ein einfaches Blatt von Kumi in dem 
Mineralogischen Museum der Berliner Universität besitzt die charak- 
teristische Nervatur von Brachychiton. 

Sterculia Majoliana Mass. (siehe oben), ein zur Hälfte 
erhaltenes fünflappiges Blatt, stimmt mit dem von Skopau, 1. c. 
Taf. 4, Fig. 7, abgebildeten fünflappigen Blatte überein. Die Blatt- 
fläche ohne die Lappen, welche sich wie bei den Trothaer Blättern 
schnell zuspitzen, ist verhältnissmässig gross. 

Sterculia vindobonensis Ett. (Wien Taf. 4, Fig. 2), un- 
serer Art ähnlich , ist bei dem Maugel der Basis und der Nerven 
höherer Ordnung zweifelhaft. 

Die Blätter unserer Art sind in der Trothaer Kohle so häufig, 
dass sie übereinandergeschichtet die Kohle ausschliesslich zu bilden 
scheinen. Bruchstücke mit gut erhaltener Nervatur (Fig. 6) konnten 
häufig beobachtet werden, seltener ganze Blätter. Auf Taf. 30 sind 
die charakteristischsten Blattformen dargestellt. Eine Uebergangs- 
form von Fig. 3 unB 5 zu dem Knollensteinblatt Fig. 7 , welche 
nachträglich noch gefunden wurde, konnte nicht mehr abgebildet 
werden. 

Die Arten (ca. 40) der Gattung Sterculia gehören den 
Tropen beider Welten an. Die meisten bewohnen Asien, nur 
wenige Afrika und Amerika. Gelappte Blätter besitzen unter 
anderen : 

Sterculia urens i 

» villosa Roxb. : Monsungebiet Indiens. 

» colorata 1 

» carthagensis Cav.: ) Westindischeinsein bis Bra- 

» caribaea R. Br. : \ silien. 

Die einfachen Blätter der Sterculia alata Roxb. zeigen die 
charakteristischen, dichtstehenden Tertiärnerven unserer Art. 



[397] Grube Carl Ernst bei Trotha. 239 

Verbreitung unserer Art: 

a. \Sir. angustiloba. 
Ober-Miocän: (?) Sinigaglia. 

Unter- Miocän: (?) Polirschiefer von Kutschlin, (?) Savine. 
Ober - Oligocän : Schüttenitz, Grasseth, Sotzka. 
Unter -Oligocän: Skopau, Monte Promina. 
Mittel-Eocän: Monte Bolca. 
Unter-Eocän: Vervins, Gelinden. 

b. var. latiloba. 
Ober - Miocän: (?) Sinigaglia. 
Unter-Miocän: (?) Savine. 
Unter-Oligocän: Skopau, Trotha, Göhren. 
Unter-Eocän: Beileu. 

Das Vorkommen unserer Art im Miocän erscheint noch sehr 
zweifelhaft. 

Conf Stercnlia laurina Ettingshausen. 

Taf. 31, Fig. 4 — 5. 

Ettingshausen, Beitr. zur Keuntn. der foss. Flora von Sotzka pag. 533, Taf. 2, 

Fig. 1 (1858). 
ScHiMPER, traite de pal. veg. III, pag 109 (1874). 

Die aus der abgerundeten Basis hervortretenden Seitennerven 
sind durch aufsteigende Schlingen mit den Secundärnerven ver- 
bunden. Das Vorhandensein dieser Merkmale bei zwei weit ge- 
trennten Gattungen, Sterculia und Ficus, macht eine sichere 
Bestimmung unserer mangelhaft erhaltenen Blattreste unmöglich. 

Verwandte Blattformen finden wir bei den lebenden: 
Ficus nereifolia H. B. S. (Ettingshausen, Apetalen 
Taf. 20, Fig. 4), 
» americana Aubl. (Ettingshausen, Bilin I, Taf. 23, 

Fig. 4, 7), 
s> laurifolia (Ettingshausen, 1. e. Taf 24, Fig. 7) und 
Sterculia sp. (Ettingshausen, Bombac. Taf. 10, Fig. .3), 



240 Besclireibmig der Loc-alfloren der Provinz Sachsen. [398] 

und bei den f o s s i 1 e n : 

Ficus Reussii Ett. (Bilin I, pag. 155, Taf. '12, Fig. 3, 
4, 7, 10), 
» Daphnog enes Ett. (1. c. pag. 153, Taf. 22, Fig. 1, 
2, 8, 9), 
Sterculia laurina Ett. (siehe oben) von Sotzka und 

» cinnamomea Ett. (Steiermark Taf. 4, Fig. 19 

und 20). 
Am auffallendsten ist die Aehnlichkeit unserer Blätter mit 
Sterculia laurina, an welche besonders unser kleines Blatt erinnert. 
— Sterculia laurina Ett., Bilin III, pag. 14, Taf. 42, Fig. 1, 
von Kostenblatt, kann nicht mit dem Blatte von Sotzka vereinigt 
werden, weil es breiter ist und die unteren Seitennerven nicht 
aus der Basis hervortreten. Sterculia laurina Ett., Sagor II, 
pag. 187, muss, weil nicht abgebildet, unberücksichtigt bleiben. 

Verbreitung von Sterculia lauritia Ett.: 
Ober-Oligocän: Sotzka. 
Unter-Oligocän : Trotha(?). 



Myrtaceae. 

Myrtus syucarpifolia nov. spec. 
Taf. 31, Fig. G. 

Folia petiolata, subcoriacea, obooata, basi seiisiin aiiffustata, 
'margine integerrima. Ner oatio brochidodroma, neroi secundarii 
subrecti, nervo niarginali conjuncti , neroi tertiarii tenuissiini, 
nervilli reticulum fjoly gonum for mantes. 

Das vorliegende Blatt ist durch die fast geraden, durch beson- 
dere Saumläufer verbundenen Secundärnerven und ein enges, aber 
kräftiges Mascheunetz ausgezeichnet, aus welchem die Tertiärnerven 
kaum hervortreten. Der deutliche Saumläufer weist auf die Familie 
der Myrtaceen hin, die feinere Nervatur ist charakteristisch für die 
Gattung Syncarpia. 



[399] Gi-i^be Carl Ernst bei Trotha. 241 

Letztere besitzt 2 lebende, ostaustralische Arten (schlanke 
Bäume): 

1. Syncarfia laurifolia Ten. (Ettingshausen, Dicotyled. 

pag.202, Taf.87, Fig.5): Queens- 
land und Neu -Süd -Wales. 

2. » leptopetal a F.Müll.: ebenda. 



Papilionaceae. 
Machaerium Kalilenbergi nov. spec. 

Taf. 31, Fig. 7 — 9. 

Folia petiolata, suhcoriacea , obovata vel elliptica, utrmque 
breviter angustata vel apice rotundata; jierous primarius validus, 
apiceni versus evanescens, nervi secundarii tenuissimi, brochido- 
dromo-conjuncti, nervi tertiarii secundarios angulis acu- 
tissimis secantes, paralleli. 

Die in der Trothaer Braunkohle häufigen Blätter dieser Art, 
welche ich dem Herrn Berginspeetor Kahlenbeeg in Halle widme, 
sind leicht daran zu erkennen, dass die zarten Secundärnerven von 
langgestreckten, parallelen Tertiärnerven schief durchkreuzt werden 
und sonach ein aus schief nach oben gestreckten Maschen be- 
stehendes, lockeres Netzwerk bilden. 

Diese eigenthümliche Nervatur konnte ich nur an den Blät- 
tern von Persoonia daphnoides Preiss., Acacia penninervis 
Sieb, und saligna Wendl. und Machaerium lineatttm Benth. 
wiederfinden. Bei Persoonia daphnoides laufen die Tertiär- 
nerven wie bei den meisten Arten dieser Gattung dem Hauptnerv 
parallel. Bei den genannten Acacia- Arten lösen sich die Tertiär- 
nerven meist in ein Netz von feineren Nerven auf, und nur wenige 
erreichen ungestört den nächst höheren Secundärnerv. Die Blätter 
von Machaerium lineatum Benth. (Ettingshausen, Dicotyled. 
pag. 215, Fig. 252; Taf 90, Fig. 7; Taf. 91, Fig. 10) stimmen mit 
denen von Trotha am besten überein. Am deutlichsten tritt der 

16 



242 



BeschreibuDg der Looalfloren der Provinz Sachsen. 



[400] 



unseren Blättern eigenthiimliche Nervationscharakter an den Ab- 
bildungen bei Ettingshausen, Papilionaceen Taf. 14, Fig. 1 — 2, 
hervor. 

Pisonia eocenica Ett. (Sagor I, Taf. 9, Fig. 4 — 8), welche 
dem Habitus nach an unsere Blätter erinnert, weicht durch die 
Nervatur ab. — Machaeriuyn trioptolemaeoides Mass. (Stud. 
senog. pag. 428, tab. 26 — 27, fig. 18; tab. 43, fig. 5) und Mach, 
palaeogaeum Ett. (Bilin III, pag. 59, Taf. 55, Fig. 24) gehören 
zum Typus Mach, muticum Benth. 

Die ca. 60 lebenden Arten von Machaeriujn bewohnen 
das tropische Amerika. 



Riiiitlial bei Weissenfels. 

In Grube No. 350, welche die von hier stammenden Blatt- 
abdrücke geliefert hat, sind die Lagerungsverhältnisse nach Zincken 
(Physiogr. der Braunkohlen pag. 133 und 672) folgende: 

Fetter Lehm, »Ziegelerde« genannt (1 Lchtr.). 
Sandig£^r Lehm (1 L.). 



Kies (2 — 4L.). 



Thon, an der Sohle mit Knollensteinblöcken (lY^L-)- 



Erdige und knorpelige Braunkohle mit einzelnen breit- 
gedrückten Lignitstämmen (bis 8^/2 L.). 



Thon (1 L.). 



Schwimmender Sand (1^/2 L.). 



Weiche, hellgelbe, fettig anzufühlende Thon e 
mit zahlreichen Blattabdrücken (I/2 L.). 



Kies u. Conglonierat (wohl Knollensteinzone) (5—6 L.). 



Buntsandstein. 

Seit der Beschreibung von Osmunda lignitum durch Giebfx 
(Zeitschr. für die gos. Naturwiss. 1857) und der schon oft citirten 



[401] Runthal bei Weissenfeis. 243 

Arbeit Heer's über die Sächsisch -Thüringische Braimkohlenflora 
sind neue PÜanzenfunde aus den hellen, fettigen Thonen bis auf 
eine Salvinia (briefl. Mittheil. Heer's an Zincken, Physiogr. 
pag. 25) nicht bekannt geworden. Ich beschränke mich daher auf 
eine Beurtheilung der HEER'schen Bestimmungen, welche zum Theil 
auf schlechte Bruchstücke gestützt sind und in Folge dessen nur 
zum Theil beibehalten werden können. Es bleiben: 

1. Poaciteti pauciner vis Heer, 1. c. pag. 18, Taf. 9, Fig. 4a. 
Einen unbestimmbaren liest eines Monokotylenblattes hat 
Watelet (Paris pag. 67, tab. 18, fig. 7) ebenfalls als 
Poacites paucinercis von Vervins beschrieben, ohne indessen 
die HEER'sche Bestimmung zu erwähnen. 

2. Osmunda lignituin Gieb. sp. ^ Aspidiuni Ugiiitum Heer, 
1. c. pag. 18, Taf. 9, Fig. 2 — 3. Vergl. pag. 41. 

3. Quercus furcinervis Rossm. sp., 1. e. pag. 18, Taf. 9, 
Fig. 4—7. Vergl. pag. 50. 

4. Phyllites reticulosus Rossm. = Chrysophyllu^n reticu- 
losum Heer, 1. c. pag. 19, Taf. 9, Fig. 12 — 16. Vergl. 
pag. 37. 

5. (f) Noteiaea eocaenica Ett., 1. c. pag. 20, Taf 10, Fig. 1. 
Vergl. pag. 32. 

6. Ceratopetalum myricinum Lah., 1. c. pag. 20, Taf. 10, 
Fig. 3. Vergl. pag. 190. 

7. Callistemophyllum Giebeli }ieev, I.e. pag. 20, Taf 10, 
Fig. 4. Vergl. pag. 36. 

8. Celastrus Androviedae\jng., I.e. pag. 20, Taf 10, Fig. 5. 

UsGER, Sotzka Taf. 30, Fig. 2 — 4, 7 (1850). 

Ettingshausen, Beitr. zur Kenntn. der foss. Flora von Sotzka 

pag. 501 (1858). 
Heer, flor. tert. Helv. III, pag. 67, Taf. 122, Fig. 2 (1859). 
ScHiMPER, traite de pal. veg. III, pag. 186 (1874). 

Celastrus Andromedae Ett. (Sagor H, Taf 15, Fig. 29) und 
Cel. Andromedae Engelh. (foss. Pflanzen von Grasseth pag. 39, 
Taf 5, Fig. 14) sind von der HEER'schen Art verschieden. 

16* 



244 Beschreibung der Loealfloren der Provinz Sachsen. [^^02] 

Ve rbreitung: 
Ober - Oligocän: Sotzka, Monod. 
Ünter-Oligocän: Runthal bei Weissenfeis. 



Unbestimmbare Elattreste. 

1. Laurus SwoszoivicianaHeer^ I.e. pag. 19, Taf. 9, Fig. 10. 
Die zu dieser Art gebrachten Blätter weichen sehr von 
einander ab und sind meist so schlecht erhalten, dass eine 
Artbestimmung unmöglich ist. 

2. Laurus pritnigenia Heer, 1. c. pag. 19, Taf. 9, Fig. 8. 

3. Laurus Lalages Heer, I. c. pag. 19, Taf 9, Fig. 9. 

4. Dry androides haeringiana Heer, 1. c, pag. 19, Taf. 9, 
Fig. 1 1 , das untere Stück eines kleinen Blattes , welches 
besser zu den schmalen Blättern von Quercus furcinervis 
Rossm. sp. passt. 

5. Dry androides lae oig ata Heer, 1. c. pag. 19, Taf. 10, 
Fig. 6. Der Ursprungswinkel ist spitzer als bei den übrigen 
Blättern dieser Art. 

6. Echitonium Sophiae Heer, 1. c. pag. 20, Taf. 10, Fig. 2 
und 2b. Bruchstücke von schmalen Blättern, deren Be- 
stimmung wegen des häufigen Vorkommens gleicher Blatt- 
formen in verschiedenen Familien unmöglich ist. 

7. Eucalyptus oceanica Heer, 1. c. pag. 20. 



Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 

Das Tertiär der Leipziger Gegend bildet den Ostflügel der 
Sächsisch -Thüringischen Tertiärmnlde. Die Gliederung desselben, 
wie sie Credner bei der geologischen Landesaufnahme für das 
Königreich Sachsen durchgeführt hat, ist zum Theil schon früher 
(pag. 4) besprochen worden, und ich brauche nur noch hinzu- 
zufügen, dass drei grosse Abtheilungen unterschieden werden : 

Ober - Oligocän (Süsswasserbildung), 
Mittel -Oligocän (marine Bildung), 
Unter - Oligocän (Süsswasserbildung). 

Das Unter- Oligocän, welches den grössten Flächenraum ein- 
nimmt, hat alle Pflanzenreste geliefert, welche bisher aus dem 
westelbischen Tertiär des Königreichs beschrieben worden sind. 
Es lag die Vermuthung nahe, dass die Floren der beiden Nachbar- 
länder in den Hanptzügen übereinstimmen möchten. Soweit die- 
selben jedoch untersucht sind, zeigen sie bei der Gleichheit mancher 
Arten auffallende Verschiedenheiten. 

Im Jahre 1869 untersuchte Schenk (über einige in der Braun- 
kohle Sachsens vorkommende Pflanzenreste, Botan. Zeitung Bd. 27, 
1869, pag. 375) zahlreiche Hölzer, welche sämmtlich aus dem 
unteren oder Hauptbraunkohlenflötz der Leipziger Gegend, von 
Altenbach, Zeititz und Brandis bei Würzen, stammen und 
am Aufbau desselben eine wichtige Rolle spielen. Als hervor- 
ragende Bestandtheile der Flora dieses Flötzes führt er auf: 

1. Sequoia Couttsiae Heer, 

2. Palmacites Daemonorops Heer, 
'i. Betula Salzhausens is Ung. 



246 



Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 



[404] 



1. Sequoia Couttsiae Heer ist vertreten durch Ȋltere und 
jüngere Zweige, welche, gemengt mit stärkeren Aesten, Samen 
und meist schlecht erhaltenen Zapfen, dicht gehäuft über einander 
liegen«. 

2. Palmacites D aemonorops Heer, Bovey Traoey pag. 38, tab. 4, 

fig. 7—15, tab. 11 (1862). 
» » Schimper, traite de pal. veg. 11, 

pag. 513 (1870 — 7-2). 
Palaeonfiatke » Unger, Syll. I, pag. 9, Taf. 2, 

Fig.g- 12 (1861). 
» » . Engelhardt, Flora der Braunkohlen- 

form, im Königr. Sachsen pag. 30, 
Taf. 9, Fig. 2 — 3 (1870). 
Chamaerops teutonka Ludwig, Palaeontogr. VIII, pag. 86, Taf 20, 
Fig. 2 — 3 (1860). 

Mit dieser Art vereinigt Schenk Stacheln, deren Form und 
Structurverhältnisse für die Abstammung von Palmen sprechen 
und die Ansicht Heer's bestätigen, dass sie einer mit Calanvus 
und D aemonorops verwandten Pahne entstammen. 

Verbreitung: 
Ober - Oligocän: Salzhausen und Hessenbrücken. 
Unter-Oligocän: weit verbreitet in der unteren Braunkohlen- 
"""stufe Sachsens : Scoplau, Grimma, Mittweida 
(nach Engelhaedt) u. a. a. O. 
Mittel-Eocän: Bovey Tracey. 

3. In dem Flötze von Beyersdorf und Keiselwitz sind nach 
Schenk neben Stämmen von Sequoia Couttsiae Heer solche von 
Bettcia Salzhausensis die häufigsten, deren Bau am meisten an 
Betula alba erinnert. Ausserdem konnten gut erhaltene, männ- 
liche Blüthenstände beobachtet werden. 

Von diesen drei Hauptbildnern der Sächsischen Braunkohlen 
sind aus der Provinz Sachsen Betula Salzhauseiisis und Pal- 
macites Daemonorops noch nicht bekannt. Dagegen sind Stämme 
von Sequoia Couttsiae (weil der Zusammenhang derselben mit 
Blättern und Früchten unbekannt war, zu Cupressinoasylon gestellt) 
von Hartig (Botan. Zeitung 1848, pag. 166) auch aus der Braun- 
kohle von Nietlelien und Bruckdorf bei Halle auftrefühit worden. 



[405] Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 247 

Später veröffentlichte Schenk (Botan. Zi^itg. 1877, pag. 393) 
die Ergebnisse von mikroskopischen Untersuchungen, die er an 
Früchten von Gardenia Wetzleri Heer und Trapa Credneri Schenk 
aus der der unteren Flötzgruppe augehörenden Braunkohle des 
Thüinmlitzer Waldes bei Tanndorf unweit Leisnig angestellt 
hatte. 

4. Gardenia Wetzleri E&er, flor. tert. Helv. III, pag. 192, Taf. 141, 

Fig. 81 — 103 (18ü9). 
» » » BoveyTracey pag. 51, tab. 18, fig. 1 — 8 

(1862). 
» » » mioc. halt. Flora pag. 39, Taf. 9, 

Fig. 12—32 (1869). 
» » Schiraper, traite de pal. veg. II, pag. 880, 

tab. 93, fig. 12—16 (1870 — 72). 
Passiflora ßm«/»/ Ludwig, Palaeontogr. VHI, pag. 124, Taf. 48, Fig. 11— 16 
(1860). 
» poinaria Poppe, N. Jahrb. für Min. pag. 52, Taf. 1, Fig. 1 — 7 
(1866). 
Gardenia. » Engelhardt, Flora der Braunkohlenform. im Königr. 
Sachsen pag. 41, Taf. 12, Fig. 12—13 (1870). 

Diese Art vfar von Ludwig und Poppe bei den Passifloren 
untergebracht worden. Gegen eine solche Vereinigung sprechen 
die habituellen Verhältnisse der fossilen Früchte und die der 
lebenden Passifloren. Dagegen weist die HEER'sche Art im Bau 
der Fruchtschale und in der Stellung der Samenträger und Samen 
sehr nahe Beziehungen zu den Früchten der lebenden Gardenien 
auf. Nur der Bau der Samenschale weicht in beiden sehr wesent- 
lich von einander -ab. 

Verbreitung: 
Mittel-Miocän: Bischofsheim, Gün>;burg. 

Unter - Miocän: Kaltennordheim , Liebiberg bei Günzburg(?). 
Ober - Oligocän: Salzhausen. 
Mittel-Oligocän: Samland. 

Unter - Oligocän: (?) Berthsdorf bei Bernstadt. 
Mittel-Eocän: Bovey Tracey. 

5. Trapa Credneri Schenk, Achaenia cornubus duobus or- 
nata; cornua opposita, recta horizontaliter patentia acuta (Botan. 
Zeitung 1877, pag. 398, Taf. 4, Fig. 3). 



248 Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. [4061 

Die fossilen Früchte weichen in der Structur von den lebenden 
Arten der Gattung Trapa ab, müssen aber, da sie in der Gestalt 
die innigste Beziehung zu denselben aufweisen, zu einer besonderen 
Gattung der Trapeen oder einer ausgestorbenen Abtheilung der 
Gattung Irapa gestellt werden. Sie unterscheiden sich von Trapa 
borealis Heer (flor. foss. Alaskana pag. 38, Taf. 8, Fig. 9—14) 
durch das Vorhandensein der 2 langen, schief abstehenden Stachel- 
fortsätze. Schenk bezweifelt, dass die beiden Trapa- A.r tan von 
Schossnitz, Tr. silesiaca Göpp. (Schossnitz Taf. 25, Fig. 14) und 
bifrons Göpp. (ibid. Fig. 15), zu der Gruppe der zweistacheligen 
Früchte gehören, da dieses charakteristische Merkmal aus den Ab- 
bildungen nicht zu ersehen ist. 

Verbreitung der von Schenk beschriebenen Pflanzenreste 
im Königreich und in der Provinz Sachsen: 

1. Sequoia Couttsiae Heer, in der unteren Braunkohlenstufe 

Sachsens weit verbreitet. Knollenstein 
der Provinz Sachsen; Stedten, Bornstedt. 

2. Palmacites Daemonoroiis Heer, in der unteren Braun- 

kohlenstufe Sachsens weit ver- 
breitet. 

3. Betula Salzhaüsensis Ung., untere Braunkohlenstufe von 

Beyersdorf und Keiselwitz; von 
Dalmer aus Grube Gottesbelohnung 
bei Raupenhain (Section Borna), von 
Penck von Zschaddras (Section Col- 
ditz) und aus Section Grimma auf- 
geführt. 

4. Gardenia Wetzleri Heer, Thümmlitzwald bei Tanudorf; nach 

Penck an der Tamricke bei Kaditzsch; 
Berthsdorf bei Bernstadt. 

5. Tvapa ('rednerl Schenk, Thümmlitzwald bei Taandorf (Sec- 

tion Leisnig). 

An diese genauer beschriebenen Pflanzenreste reihen sich 
eine Anzahl anderer an, welche in den Erläuterungen zu den 
geologischen Sectionsaufnahnieu nur aufiiezählt werden. 



[407] Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 249 

Aus der unteren Braunkohlenstufe des Thümmlitzer Waldes 
bei Tanndorf erwähnen R. Credner und Dathe ausser Trapa noch 
Saloinia, aus der unter der Braunkohle liegenden Knollensteinstufe 
(Erläuterung zur Section Leisnig pag. 64) daselbst Salvinia, Iris, 
Arundo, Fhragmites, Typha, Sequoia, Trapa, Salix, Cinnamomum, 
Myrica, Quercus, Laurus, Nyssa und Gardenia. 

Aus der Knollensteinstufe von der Tamricke bei Ka- 
ditzsch (Erläuterung zur Section Grimma pag. 42) führt Penck auf: 
Cinnamomum Scheuchzeri Heer, Quercus furcinercis Rossm. sp , 
Laurus, Salix, Betula, Sequoia Couttsiae Heer (Fruchtzapfen), 
Nyssa, Gardenia (f), Carya(?) und Saloinia; 

aus dem unteren Flötze (1. c. pag. 43): Quercus, Cinnamomum, 
Laurus, Salix ; 

aus der Stufe der hangenden Kiese von Naundorf (1. c. 
pag. 44): Cinnamomum, Laurus, Quercus und Scdix. 

Alle diese Pflanzenfunde haben, weil nur der Gattung nach 
bestimmt und blos aufgezählt, vorläufig für die läeurtheilung des 
Fiorencharakters keinen Werth. 

Zwei der reichsten Pflanzenfundstätten des Leipziger Oligocäns 
sind in den letzten Jahren von Engelhardt untersucht worden. 
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen treten in einen auffallenden 
Gegensatz zu den Resultaten der stratigrai")hischen Forschung in 
demselben Gebiete. 

1. ßockwitz bei Borna. 

Aus der Stufe der Kiese, Sande und Thone im Hangenden 
des oberen Braunkohlenflötzes von Bockwitz bei Borna (Section 
Lausigk) (Sitzungsber. der Ges. Isis zu Dresden 1876, pag. 92 
und 1877, pag. 16) führt Engelhardt auf: 

Taxodium distichum miocenicuni Heer, 

Arundo Goepperti Heer, 

Licpiidambar europaeum AI. Br., 

Salix varians Göpp., 

Carpinus grandis Ung., 



250 Tertiärfloi'a der Umgegend von Leipzig. [4081 

Laurus primigenia Ung., 
Cinnamo7num Scheuchzeri Heer, 

» lanceolatum Ung. sp., 

Eucalyptus oceanica Ung., 
Acer trilobatum Stbg. sp., 
Juglans bilinica Ung. (?), 
Carpolithes KaltennorcVieiniensis Zenker sp., 
Pteris parschlugiana Ung. 

Sehr auffallend erscheint in dem unteren Oligocän von Bock- 
witz das Auftreten einer nicht geringen Anzahl miocäner Arten. 
Vielleicht wird der scheinbare Widerspruch beseitigt werden, 
wenn bessere Stücke geprüft werden können , denn gerade die 
echt miocänen Arten lassen an Vollständigkeit der Erhaltung viel 
zu wünschen übrig. In dem ENGELHARDT'schen Verzeichnisse 
heisst es: 

Liquidambar euro2)aeum AI. Br., sich fand nur ein Fragment 
vor, an dem sich die Blattmasse ver- 
kohlt, aber sonst in gutem Zustande 
zeigte«. Ebenso wird in dem Ver- 
zeichnisse von 1877, pag. 16 von der- 
selben Art nur »ein Fragment« auf- 
geführt. 
Saliic varians Göpp. , »nur ein Spitzenfragment«; im zweiten 

Verzeichniss : »ein Fragment«. 
Acer trilobatum Stbg. sp., ein Fragment. »Es giebt den Mittel- 
lappen fast vollständig, den einen Seitenlappen 
zum grossen Theilj den anderen gar nicht« 
Juglans bilinica Ung. (?), »ein Blattstück«. 

Von demselben Fundorte beschrieb Engelhardt (Flora der 
Braunkohlenform, im Königr. Sachsen, 1870) schon früher und 
bildete ab: 

1. Taxoclium dubium Stbg. sp. (pag. 29, Taf 8, Fig. 7 — 10), 
4 kleine Bruchstücke, welche ohne Detail- 
figur und genauere Beschreibung auch die 
Annahme von Sequoia Laiigsdorfii zidassen. 



[409] Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 251 

2. Mjjrica Germari Heer (pag. 31, Taf. 8, Fig. 1 1 — 12), /Avei 

nicht bestimmbare Blattbrnchstticke. 

3. Cassia phaseolites Ung. (pag. 31, Taf. 8, Fig. 13 — 15), drei 

zur Bestimmung ganz unbrauchbare Blatt- 
stücke. 

4. Samen von Cufressinoxylon (pag. 82, Taf. 9, Fig. 4). Die 

Zugehörigkeit derselben zu 
einer Cypresse ist nicht nach- 
gewiesen. 

5. Cinnamomum sp. (pag. 32, Taf. 8, Fig. 16). 

Die hier entscheidenden Pflanzenreste sind demnach in dem 
dürftigsten Zustande erhalten und zwingen uns durchaus nicht, 
die Hockwitzer Ablagerungen in die Mainzer Stufe (Unter-Miocän) 
zu bringen oder mit Credner (Zeitschr. d. D. geol. Ges. Bd. 30, 
1878, pag. 627) eine miocäne Localflora im sächsischen Unter- 
Oligocän anzunehmen. 

2. Göhren. 

Eine Thoneinlagerung in der Stufe der Knollensteine, welche 
durch den Einschnitt der Leipzig- Chemnitzer Staatsbahn westlich 
vom Muldeviaducte bei Göhren (Section Penig) aufgeschlossen 
worden ist, hat eine umfangreiche Flora geliefert, welche nach 
Engelhardt (die Tertiärflora von Göhren) aus folgenden Arten 
besteht: 

1. Sphaeria Trogii Heer, 

2. Caulinites dubius Heer, ein sehr zweifelhaftes Bruchstück. 

3. Typlia latissima AI. Br., 

4. Taxodium distichuin viioceiiiciitii lAeev. Die Bestinmiung 

ist nach den Abbildungen 
noch nicht gesichert. Die 
abgebildeten Samen sind 
nicht nothwendig auf 
Taxodium zu beziehen. 
Die Zweigstücke scheinen 
zu Sequoia zu gehören. 



252 Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. [410] 

5. Taxodium laxuni Ett., keine selbstständige Art, da gleiche 

winzige Zweigenden bei der vorigen und 
bei Widdringtoiiia vorkommen. 

6. Glyptosirohus europaeus Brgt. sp., 

7. Podocarpus eocenica Ung., 2 nicht bestimmbare Spitzen- 

fragmente. 

8. Sequoia Langsdorfii Brgt. sp., 

9. Liquidamhar europaeum AI. Br., 

10. Salix varians Göpp., 3 schlechte Blattreste, welche zu einer 

Gattungsbestimmung nicht geeignet sind. 

11. Populus latior AI. Br., 

12. Myrica lignituin Ung. sp., ein ganzrandiges Blatt, welches 

sich durch die unter sehr spitzem Win- 
kel abgehenden Secundärnerven von der 
ÜNGER'schen Art unterscheidet. 

13. Myrica laeoigata Heer, ein schlecht erhaltenes, unbestimm- 

bares Blatt. 

14. Alnus Kefersteinii Göpp. sp. gehört zu der folgenden Art. 

15. Betula Brongniarti Ett., 

16. Carpinus grandis Ung., ein Blattrest, der vorläufig mit der 

vorigen Art zu vereinigen ist. 

17. Quercus p>latania Heer. Die beiden abgebildeten Blätter 

(1. c. Taf. 4, Fig. 1 — 2) passen am besten 
zu Viburnum gig anteiim Sap. (Se- 
zanne pag. 370, tab. 9, fig. 1 — 2). 

Quercus platania Heer, flor. foss. 
arct. IV, Taf. 16, Fig. 1, weicht von den 
übrigen Blättern derselben Art und von 
den Göhrener Blättern durch das geringe 
Hervortreten der Zähne ab. Von flor. 
foss. arct. II, Taf 12, Fig. 5, 6 a und 7 sind 
Fig. 6 a und 7 kleine, schwer bestimmbare 
Bruchstücke. Bei Fig. 5 sind die dorn- 
artigen Zähne beiderseits concav umran- 
det, bei den Blättern von Göhren ist der 
untere Rand der weniger zugespitzten 
Zähne convex. 



[411] Tertiilrflova der Umgegend von Leipzig. 253 

18. Ficus arcinervis Rossm. sp., unbestimmbares Blattbruch- 

stück. »Die eine Hälfte des Blattes zeigt 
sich sehr verdrückt, . . . die andere ist am 
Rande verletzt«. 

19. Ficus lanceolata Heer, 

20. Firus Morloti Ung. , 2 unbestimmbare Blattbruchstücke, 

welche mit der ÜNGER'schen Art (Sotzka 
Taf. 33 , Fig. 1 und Heer , flor. tert. Helv. 
Taf. 82, Fig. 7 — 9) nicht verglichen v^erden 
können. 

21. Ficus tiliaefolia AI. Br. sp., 

22. Platanus aceroides Göpp.; die tiefgebuchtete, herzförmige 

Basis und die scharfen Zähne weisen 
das Blatt (Taf. 5, Fig. 3) unserem 
Bo7nbax Decheni Web. sp. zu. 

23. Cinnamomum Rossmaessleri Heer, unteres Stück eines 

Cinnamovium- flaues, dessen 
Artbestimmung unmöglich ist. 

24. D aphnogene Ungeri Heer, ohne Basis, stimmt mit Cinna- 

momum laticeolatum Ung. sp. überein. 
2ö. Ba.nksia D eikeana Heer, unbestimmbarer Blattrest. 

26. Diospyros brachysepala AI. Br., 

27. Bumelia bohemica (?) Ett., unteres Blattstück, nicht be- 

stimmbar, da gleiche Blattformen 
mit ähnlicher Nervatur in verschie- 
denen Familien vorkommen. 

28. Eucalyptus oceanica Ung., ohne die für Myrtaceen charak- 

teristischen Saumläufer, jedenfalls einer 
anderen Familie angehörend. 

29. Sterculia labi'usca Ung., 

30. Acer trilo b atum Sthg. sp., hat nur oberflächliche Aehnlich- 

keit mit dieser Art. Die Zugehörigkeit zu 
Acer ist noch nicht erwiesen. 

31. Koelreuteria oeningensis Heer, ist zweifelhaft, da die Basis 

nicht gut erhalten ist und die nur 
z. Th. sichtbaren Tertiärnerven 
von der Oeninger Art abweichen. 



254 Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. [412] 

32. Cistus Geinitzi Engelh., ein kleines Blatt, dessen Gattungs- 

bestimmung ohne besseres Material unmög- 
lich ist. 

33. Carya ventricosa Brgt. sp., 

84. Carya costata Stbg. sp.; Abbildung und Beschreibung be- 
weisen noch nicht das Vorhandensein dieser 
Art. 

35. Pterocarya denticulata Web. sp., oberes Blattstück, wel- 

ches ebenso gut auf Carya Heerii 
Ett. passt. 

36. Änona cacaoides Zenker sp., 

37. Cissus Nimrodi Ett., kann nach der Abbildung nicht als 

ein dreifingeriges, sondern nur als ein drei- 
lappiges Blatt angesehen werden. Die Ner- 
vatur spricht gegen eine Vereinigung mit 
Cissus. Das Blatt gehört wahrscheinlich zu 
X Acer trilobatum Eugelh. (siehe oben No. 30). 

38. Parrotia pristina Ett.; das einzige Blatt ist zu einer sicheren 

Bestimmung unbrauchbar und passt nicht 
zu der ETTiNGSHAUSEN'schen Art. 

Pflanzen von unsicherer Stellung. 

39. Legumino Sites Proserpinae Heer; an den Blättchon ist nur 

der Mittelnerv noch erhalten. 

40. Carj)olithes nageioides Engelh., eine nicht bestiiiimbare 

Frucht, welche am besten iinlienannt 
geblieben wäre. 

41. Quercus sp. dub. , unbestimmbarer Fruchtrest. 

Nach dieser Durchsicht der ENGELHARDT'schcn Arbeit, welche 
geeignet ist, die Lei<'htigkeit kennen zu lehren, mit welcher l)isweilen 
Bestimmungen fossiler Pflanzen ausgeführt werden, die zu den aut- 
fallendsten Schlüssen auf das geologische Alter der betreffenden 
Schichten führen, können nur noch folgende Arten der Flora von 
Göhren Ansprucii iiuf Sicherheit der Bestini um ni>' liabini : 



[413] Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 255 

* Typha latissima AI. Br., 

f" Glyptostrobus euroj^aeiis Brgt. sp., 
'^Sequoia Langsdorfii Brgt. sp., 

TAquidambao' europaeum AI. Br., 

Populus latior AI. Br., 

Betula Brongniarti Ett., 
f'^Ficus lanceolata Heer, 

* » filiaefolia AI. Br. sp., 

* (jinncvmomum lanceolatum Ung. sp., 
? * Diospyi'os brachysepala AI. Br., 

* Sierculia labrusca Ung., 

* Carya ventricosa Brgt. sp., 
* Bombax Decheni Web. sp., 

* Anona cacaoides Zenker sp. 

Von diesen 1 4 Arten sind die mit * bezeichneten (11) auch 
aus dem Unter -Oligocän der Provinz Sachsen bekannt, und zwar 

5 Arten aus Bornstedt, 

4 » » Stedten, 

2 >= » Riestedt, 

2 » » dem Knollensteine, 

1 » » Trotha. 
Die Göhrener Flora hat vor der der Provinz Sachsen voraus : 

Liquidambar europaeum AI. Br., 

Populus latior AI. Br. und 

Betula Brongiiiarti Ett. 
Von diesen tritt Liquidambar europaeum sonst im oberen 
Oligocän (Horvf in der Schweiz) auf, wird aber erst im Miocän 
häufig und Charakterpflanze. Populus latior ist nur miocän, 
Betula Brongniarti beginnt schon im oberen Oligocän. Es 
gehören also mit Sicherheit vorläufig nur 2 erst im oberen Oligocän 
und nur 1 erst im unteren Miocän auftretende Arten dem unteren 
Oligocän von Göhren an. Mag sich auch die Zahl der jetzt für 
jünger gehaltenen Arten noch um einige vermehren, so ist damit noch 
immer nicht der Grund zur Annahme einer jüngeren Ablagerung 
aeffebcn , sondern es ist nur die Kenntniss der fossilen Pflanzen 



,256 Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. [4141 

um die neue Thatsache bereichert, dass bisher für miocän gehaltene 
Pflanzen bis ins Unter- Üligocän hinabreichen, und um einen neuen 
Beweis für die Unsicherheit der Altersbestimmungen 
von Ablagerungen auf Grund nur floristischer Unter- 
suchungen. 

Von anderen Fundorten der Gegend von Leipzig beschreibt 
Engelhaedt in seiner oben erwähnten »Flora der Braunkohlen- 
formation im Königreich Sachsen« noch: 

1. Glyptostrobus europaeus Brgt. sp. (pag. 29, Taf. 9, Fig. 1) von 

Grimma. 

2. Pmus Saturni Ung. (pag. 30). Diese Art soll weit verbreitet 

sein, ist aber, weil nicht abgebildet, höchst 
zweifelhaft. 

3. Palaeospathe Daemonorops Lndw. (pag. 30, Taf. 9, Fig. 2 — 3) 

von Scoplau, Grimma und Mittweida. 

4. Carpolithes mittiveidensis Engelh. (pag. 32, Taf. 9, Fig. 5 — 6) 

von Mittweida. 

5. Unbestimmbares Farnbruchstück (pag. 32, Taf. 11, Fig. 1). 

Von diesen Funden k;uin, wenn wir von dem Carpolithes 
mittiveidensis absehen, nur Ghjptostro bus europaeus Hrgt. sp. 
zu den ScHENK'schen Bestimmungen als neu hinzuarefüfft werden. 



Das Manuskript zu der vorliegenden Arbeit war niciit mehr 
in meinen Händen, als die Abhandlung von Beck über die Oli- 
gocänflora von Mittweida (Zeitschr. d..D. geol. Ges. 1882, pag. 735) 
erschien. Da in Folge dessen ein Hinweis auf dieselbe bei der 
Besprechung der Arten nicht mehr möglich war und mir überdies 
die umfangreiche Literatur jetzt nicht mehr zugänglich ist, muss 
ich mich auf eine blosse Aufzählung der Mittweidaer Arten be- 
schränken. Die Untersuchungen Beck's haben vor den meisten 
ähnlichen Arbeiten den Vorzug, dass ihnen die systematische 
Ausbeutung eines einzigen Flötzes (Unterflötz) von den untersten 
bis zu den obersten Schichten zu Grunde liegt, und ferner das 



[415] Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. 257 

Pflanzenmaterial eine mikroskopische Untersuchung, namentlich der 
Epidermis mit den Schliesszellen der Spaltöfinungen, gestattete. 
Nur muss ich bezweifeln, dass die letzteren immer als gutes Gat- 
tungskennzeichen von entscheidendem Werthe sind, da bei den 
geringen Formverschiedenheiten der Epidermiszellen die Annahme 
nahe liegt, dass gleiche Formen, analog den übrigen Blatt-Elementen, 
für eine grössere Zahl im System von einander entfernter Familien 
charakteristisch sind. 

Die beschriebenen Arten sind folgende: 

Trematosphaeria lignitum Heer, 

Phacidium umbonatum nov. spec, 

Xylomites varius Heer, var. Salicis, 

Blechnum Goepperti Ett., 

Woodwardia minor nov. spec, 

Sahinia spec, 

Glyptostrobus europaeus Brgt. sp., 

Cupressoxylon Protolarix Göpp. sp., 

Potamogeton amblyphyllus nov. spec, ' 

Palmacites Daemonorops Heer, 

Betulinium Ung. (Betula Salzhausensis Göpp.), 

Fagus Feroniae Ung., 

Quercus Haidingeri Ett,, 

Carya ventricosa Ung., 

Myrica salicina Ung., 

Salix varians Göpp., 

Platanus aceroides Göpp., 

Anona altenburgensis Ung., 

Acer trilobatum AI. Er., 

Celastrus spec, 

Cluytia aglaiaefolia Web. et Wess., 

Trapa Credneri Schenk, 

Daphne persooniaeformis Web. et Wess., 

Dalbergia retusaefolia Heer, 

Dalbergia spec, 

17 



258 . Tertiärflora der Umgegend von Leipzig. [4161 

Cassia pseudoglanchdosa Ett., 
Aristolochia Aesculapi Heer, 
Nyssa ornithohroma Ung., 
AjJocytiophyüum helveticum Heer. 

Die Flora von Mittweida hat mit unserem Florengebiete nur 
4 Arten gemeinsam: 

(f) Glyptostrobus europaeus Brgt. sp., 

Cupressoxylon Protolarix Göpp. sp., 

Carya ventricosa Ung. und 

Apocynophylhmi heloeticum Heer. 
Dalbergia retusaefolia Heer erinnert sehr an unsere Dalbergia 
oKgocaenica (Taf. 29, Fig. 18) von Dörstewitz. 

Unter den übrigen Arten befinden sich wieder eine Anzah 
solcher, w^elche, dem Unter-Oligocän bisher fremd, als Leitpflanzen 
des Miocän galten. Es sind: 

Fagus Feroniae Ung., 

Quercus Raidingeri Ftt., 

Saliic varians Göpp., 

Platanus aceroides Göpp. und 

Acer trilobatum AI. Braun. 
Je mehr die Flora des sächsischen Unter -Oligocäns bekannt 
vrird, um so mehr scheinen sich in ihr die jüngeren Arten zu 
häufen und um so auffallender tritt sie in Gegensatz zu derjenigen 
unseres Gebietes. Während das gesammte Tertiär der Provinz 
Sachsen, soweit es bekannt ist, fast ausschliesslich Vertreter un- 
serer heutigen Tropenflora und der wärmeren gemässigten Zone 
besitzt, sind in den gleichalterigen' Ablagerungen der Leipziger 
Gegend Tropenpflanzen mit einer beträchtlichen Anzahl von Gat- 
tungen und Arten gemischt, welche auf ein Klima wie das unsrige 
hinweisen. Das sächsische Tertiär hat, das lässt sich, nicht mehr 
läugnen, trotz des gleichen Alters und der Nachbarschaft ein viel 
jugendlicheres Gepräge als das unserige. 



[417] 



259 



üebersiclit der Knollensteinflora. 



Name der Art 



Phacidhtm spectabile Heer 
Lyfiodium Kaulfussi Heer 
Sequoia Couttsiae Heer . 



Arundinites deperditus Heer sp. 
Amesoneurum pUcatum Heer . . 
Cbamaerops helvetica Heer . . . 



Sabal major Ung. sp. 



Phoenicites horealis nov. sp. 



Myrica Germari Heer 
Mtjrica laevigata Heer 



Qvercus neriifolia AI. Br 

Dryophyllum Dewalquei S. et M. 

Ficus {? ) Sdileclitendali }ieer . . 
Ficus Gieheli Heer 



Cinnamomvm Scheuchzeri Heer 



E o c ä n 



Unter- Mittel 



Bournc- 
mouth 

Bov. Trac. 



Gelinden 



Bov. Trac. 



Bov. Trac. 



ligo eän 



Mio c an 



Unter- 



Skopau 

Skopau, Born 
stedt, Sarthethal 

Skopau, Alber- 

stedt, Stcdten, 

Bornstedt, 

Leipziger Tertiär 

Skopau 

Skopau 

Nachterstedt 



Scliortau , 

Stedten, Häring. 

Massale 



Nachterstedt 

Skopau 

Skopau, 
Aix (?) 



Skopau 



Skopau, 
Bornstedt (?) 



Skopau 

Skop.,Harthau(?), 
Allgers (?) 

Schortan, Born- 
stedt, El sieben 



Mittel- 



Rixhöft, 
Hempstead 



Marseille , 
Hempstead 



Rixhöft 



Ober- 



Unter - 



Mittel- 



Armissan 



Salzh., Rott, 

Priesen, Mon- 

tagny ob Lutry. 

Armissan 



Peissenberg , 
Monod, Hohe 
Rhonen , Ro- 
chette, Zsilythal. 
Bois d'Asson, 
Armissan 

Armissan 



Wetterau,Nieder- 
rhein. Becken, 

Altsattel, Schütte- 
nitz, Grasseth, 

Priesen, Zsilythal, 

Monod, Hohe 

Rhonen 



Sagor u. Savine 



Utznach, Bol- 
lingen 

Münzenb., Rado- 

boj, Lausanne, 

Mt. Calvaire, 

Aarwangen, 

Rovereaz ob 

Lausanne 



Wetterau, 
Liebiberg 
bei Günzburg (?), 
Kutschlin, Sagor, 
Radoboj, St. Gal- 
1er Findl., Eriz, 
Ruppen 



Leoben (?), Monte 
Bamboli 



Sobrussan (?), 
Köflach (?) 



SuUoditz, Leoben. 
Turin 



Ober- 



Arnothal, Sini- 
gaglia 



Oeningen, 

Swoszowice (?), 
Sinigaglia 



Sieblos (?), Her- 
nais, Breitensee, 
Tokay, Oeningen, 

Schrotzburg , 
Berlingen, Albis. 
Arnothal, Sini- 
gaglia, 



Pliocän 



Arkt. 
Gebiet 



Nord- 
Amerika 



Grönland 



4. Gruppe 
4. Gruppe 



L Gruppe 



l.u. 4.Gr 

(?) 



\. Gr.(?) 



Verwandte 
Arten 



Vorkommen 
derselben 



PI), italica Mass, 
et äff. 



Dr. curticellense i 

Wat. et äff. (siehe 

Riestedt) ( 

Dr. subfalcatum 

Lesq. 



Protoficus 
\insignis )„ 
sezannensis \ 



Mitt.-Olig. 
(Salcedo) 



U.Ol.(Riestedt) 
U. Eoc. (Gelin 
den, Sez. etc.) 
Nordamerika 
(I.Gruppe) 



Unt. Eoc. 
(Sezanne) 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Lyg. palmatum Sw. , Nord- 
amerika. 

Seq. gigantea Lindl. | Califor- 
» sempervirens Lam.^ nien. 



Chamaerops, Mittelmeergebiet 
durch Indien bis China und 
Japan. 

Sabal, Länder am Meerbusen 
von Mexico und Westindische 
Inseln. 



Phoenix, Tropen und Subtropen 
der alten Welt bis Hinterindien. 



Myr. cerifera JjSLm., Nordamerika; 
M. srtföema Höchst., Abessinien. 



Quercus typ. imbricariaM.chx., 
gem. Nordamerika von New- 
Jersey bis zum Golf v. Mexico. 

Querem, Sect. Pasania, Chlamydo- 
balanus und Oyclobalanus, in- 
disch. Monsungebiet bis Japan. 



Cinnamomwm, trop. Asien 
und Monsungebiet bis Japan, 
C. Tamala N. bis Queens- 
land. 



260 



[418] 



Name der Art 



Cinnamommn lanceolatum Ung. sp. 



Cinnamomuin sezannense Wat. 



Daphnogene veronensis Mass. 



Daphnogene elegans Wat. 



Laiirus saxonica nov. sp. . . . 
ActinodapJme Qermari Heer sp. 



Laurtts primigenia Ung. 



Laurus ApoUinis Heer 

Lauras excellens Wat 

Pimelea horealis Heer 

Dryandroides crenulata Heer . . 
Grevillea nervosa Heer 

Noteiaea eocaenica Ett 

Apocynophyllum nernfolium Heer 

Myrsine formosa Heer 

Sapotacites reticulatus Heer . . . 



E c ä n 



Unter- 



Mittel- 



1 i g c an 



ünter- 



Mittel- 



Ober- 



Gelinden, 

Sezanne, 

Beileu 



Sezanne 



Bellen 



Vervins 



MteBolca. 
Alumbay 



Bov. Trac. 



Skopau, Stedten, 
Bornstedt, Dör- 

stewitz , Göhren, 
Häring, Monte 
Pi'omina, Aix 



Knollen st. siidl. 
von Halle 

Skopau 



Skopau, Knollen- 
stein südlich von 
Halle 

Kl. Corbetha 



Knollenst. südl. 

Halle, Stedten, 

Bornstedt, Dör- 

stevvitz 



Skopau (?), Born- 
stedt, Aix 



Skopau 
Skopau 
Skopau 
Skopau 
Skopau, Aix 

Skopau, 
Weissenfeis (P^l 

Skopau, Stedten 

Skopau 

Skopau 



Rixhöft, St. 

Jean-de-Gar- 
guier, St. Za- 
charie, Gargas, 
Sault 



Wetterau, Nieder 

rhein. Becken, 

Altsattel, Gras- 

seth, Sotzka, 

Monod, Ar- 

missan , Peyriac, 

Manosque 



St. Jean-de- 
Garguier, Gar 

gas, St. Za- 
charie, RonQon 



St. Zacharie 



Mi c an 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Wetterau, Holai- 
kluk, Kutschlin, 
Schichow, SuUo- 
ditz, Sagor, Lau- 
sanne , Eriz , 
St. Galler Findl, 
Mönzlen, Ruppen, 
Marseille, Bon- 



Salzh,(?), Nieder 

rhein. Becken (?), 

Seifhennersdorf, 

Sotzka, Zsilythal, 

Hohe Rhonen, 

Rivaz, Bagnasco, 

Cosseria, Stella, 

Manosque, Ar- 

missan 



Sotzka 



Münzenberg (?), 

Sulloditz (?), 
Kutschlin (?), Sa- 
gor (?), Eriz, 

St. Galler Findl. 



Sobrussan, 
Leoben, Petit 
Mont b. Lau- 
sanne, Croisettes, 
Estave, Turin 



Leoben 



Erlau, Albis, 

Swoszowice, 

Sinigaglia 




Arkt. 
Gebiet 



Nord- 
Amerika 



Verwandte 
Arten 



Vorkommen 

derselben 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



lleiligenkreuz 



Act. Micheloü 

Wat. sp. 

Act. cuspidata 

Wat. sp. 

Juglans(ß) ther- 

malis Lesq. 

L. Omalii S. et M, 

L. Forbesi Heer ] 



U. Eoc. (Sez.) 

U.Eoc.(BeUeu) 

Colorado, 
(4. Gr.) 

U. Eoc. (Gel.) 

M. Eoc. (AI.) 

U.01ig.(Sarth.) 



Litsaea foliosa^ees, Queens- 
land bis Indien. 



Actinodaphne, tiop. Asien u. 
Monsungebiet bis Japan. 



Grevillea, Neu-HoUand und 
Neu - Galedonien. 

Noteiaea, Neu-HoUand und 
Tasmanien. 



[419] 



261 



Name der Art 


E c ä n 


OH g cän 


Mi c an 






Arkt. 
Gebiet 


Nord- 
Amerika 


Verwandte 
Arten 


Vorkommen 
derselben 


Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 


Unter- 


Mittel- 


Unter- 


Mittel- 


Ober- 


Unter- 


Mittel- 


Ober- 


PHocdn 


Diospyros vetusta Heer 

Stercuiia labrusca Ung 


Beileu, 
Vervins, 
Gelinden 


Mte Bolca 


Skopau, Lauch- 
stedt 

Skopau, Schor- 
tau, Trotha, Göh- 
ren, Mte Promina 


- 


Schüttenitz, 
Grassetb, Sotzka 


Kutschlin (?), 
Savine (?) 




Sinigaglia (?) 


- 




- 


- 


- 


- 


Diospyrostyi>.macrocalyxDeC., 
Tropen der alten Welt. 

Stercuiia, Tropen der alten 
und neuen Welt, die meisten 
Arten in Asien. 


Ceratopetalum myricinum Lah. . . . 


— 


Alumbay 


Skopau, Eisleben, 
Weissen fels 


— 


— 


— 


— 


— 


- 




— 


— 


— 


- 


Platylophus, Südafrika, 
Ceratopetalum, Ostaustralien. 


Elaeocarpus Albrechti Heer .... 


^ 


" 


Knollenst. siidl. 
von Halle 


Rauschen 




— 


" 




," 




— 


' 




— 


Elaeocarpus, trop. Asien, Neu- 
Holland, australische u. pazif. 
Inseln. 


CalUstemophyllum Gieheli Heer . . 


- 


- 


Skopau, Weissen- 
fels 


- 


— 


- 


- 


- 






- 


- 


- 


- 


- 


Metrosideros Saxonum Heer .... 


— 


— 


Skopau 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


— 


- 


— 


— 


— 


Eugenia Hollae Heer 


- 


- 


Skopau 


- 


- 


- 


— 


- 






- 


- 


- 


- 


- 


Leguminosites Sprengeli Heer . . . 


- 


- 


Skopau 


- 


- 


- 


- 


- 






- 


- 


- 


- 


- 


Phyllites reticulosus Rossm 


— 


— 


Kl. Corbetha, 

Stedton, 
Weissenfeis 


— 


Altsattel, Gras- 
setb 


— 


— 


— 






— 


— 


— 


— 


— 



Uebersiclit der Flora von Stedten. 



Osmunda lignitum Gieb. sp. . 

Pteris stedtensts Andr. sp. . . 
Oleandra angustifolia nov. sp. 

Sequoia Couttsiae Heer . . . . 



Sabal haeringiana Ung. sp. 



Sabal major Ung. sp. 



Bourneni., 
Bov.Trac, 



Bov.Trac, 



Stedten, Eis- 
leben, Weissen - 
fels 

Stedten, Born- 
stedt 

Stedten 



Stedten, Skopau, 

Alberstedt, ßorn- 

stedt, Leipziger 

Tertiär 

Stedten, Häring, 
Mte Promina 



Stedten, Schor- 
tau, Häring, 



Rixhöft, 
Hempstead 



St. Jean-de- 
Garguier, 
Chiavon 

Marseille, 
Hempstead 



Sotzka, Möttnig, 

Zsilythal, Ma- 

nosque 

Liebotitz 



Armissan 



Sotzka, Hohe 

Rhonen, Ro- 

chette 

Salzhausen, Rotf. 

Priesen, Mon- 

tagny ob Lutry, 

Armissan 



Münzenberg 



Salesl 



Sao'or und Savine 



Münzenberg, 
Radoboj, Aar- 
wangen, Eriz, 
Develier 

Münzenbei'g, Ra- 
doboj, Lausanne, 

Mt. Calvaire, 
Aarwangen, Ro- 
vereaz ob Lau- 
sanne 



Petit Mont 



Leoben (?), Monte 
Bamboli 



Arnothal, 
Sinigagliii 



Grönland 



4. Gruppe 



— :l. Gruppe 



Pt. bilinica Ett. 



M. Mioc. 
(Preschen) 



Osmunda javanica Bl., Kam- 
schatka bis Java und Ceylon. 



Oleandra, Tropen der alten 
und neuen Welt und südost- 
asiatisches Monsungebiet. 

Sequ. gigantea Lindl. ) Califor- 
» semvcrvirens \ja.m.) nien. 



262 



[4-20] 



Name der Art 



Quercus furciiiervis Rossm. sp. 



E c ä n 



Unter- Mittel 



Ficus apocynoides Ett 

Ficus spee 

Ficus multinervis Heer 

Actinodaphne Germari Heer sp. 
Cinnamomwm lanceolatmn Ung. sp. 



Apocyiiophyllum neriifolium Heer 



Myrsine dubia nov. sp. 



Pittosporum stedtense nov. sp. 
Juglans üngeri Heer 



Phyllites reticulosus Rossm. 



Oligocän 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Stedten, Weissen- 

fels, Reut i. 

Winkel 



Stedten 

Stedten 

Stedten, Weissen- 
fels 



Stedten, Knollen- 
stein südl. Halle, 
Bornstedt, 
DÖrstewitz 



Stedten, Skopau, 

Bornstedt, 
Döi'stewitz, Göh- 

ren, Häring, 

Monte Promina, 

Aix 



Stedten, Skopau 



Stedten 

Stedten 
Stedten 



Stedten, Kl. Cor- 

betha, Weissen- 

fels 



Salcedo (?) 



Rixhöft, 
St.-Jean-de- 

Garguier, 
St. Zacharie, 
Gargas, Sault 



Nieder 01m (?), 

Altsattel, 
Schüttenitz, Prie 

sen, Sotzka, 

Schwarzaehtobel, 

Ralligen, Cadi- 

bonabildung 

(Bagnasco, Stella, 

San Cristina) 

Sotzka 



Seifhennersdorf, 

Schüttenitz, 

Priesen, Hohe 

Rhonen 



Wetterau, Nie- 
derrhein. Becken, 
Altsattel, Gras- 
seth, Sotzka, 
Monod, Armis- 
san, Peyriac, 
Manosque 



Tschernowitz, 

Altsattel, 

Schwarzaehtobel 

Altsattel, Gras- 
seth 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Sagor 



Kutschlin, 
Riantmont 



Wetterau, Ho- 
laikluk, Kutsch- 
lin, Schichow, 
Sullodiz, Sagor, 
Lausanne, Eriz, 
St. Galler Findl., 
Mönzlen,Ruppen, 
Marseille, Bon- 



Sobrussan, 
Leoben, Petit 

Mont, Croisettes, 
Estave, Turin 



Straden bei 
Gleichenberg 



Erlau, Albis, 
Swoszowice, 
Sinigaglia 



P Hoc all 



Arkt. 
Gebiet 



Nord- 
Amerika 



4. Gruppe 



Verwandte 
Arten 



Vorkommen 
derselben 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Dryophyllum 
DewalqueiS. etM. 

Quere. Sprengen 
Heer 



Act. Micheloti 

Wat. sp. 
Act. cuspidata 

Wat. sp. 

Juglans {?) ther- 

malis Lesq. 



Nerium Sartha- 

cense Crie 
Ap. elongatum 

Heer 
Ap. attenuatum 

Heer 
Ap. balticum Heer 

Myrs. doryphora 

Ung. 

Myrs. Caronis 

Ung. 



U.01.(Skop.), 
U.Eoc.(Gel.) 

Unt. Ölig. 
(Bornstedt) 



U Eoc. (Sez.) 

U.Eoc.(Belleu) 

Colorado 
(4. Gruppe) 



Unt. Ölig. 
(Sarthethal) 

Mitt. Ölig. 
(Rixh. und 
Samland) 

I Mitt. 0hg., 

JU. u.M. Mioc. 

Unt. Mioc. 



Sect. Pasania, Malay. Inseln 
Indien bis Japan, 1 Art in 
Californien. 

Sect. Chlamydobalanus, 
Mal. Ins., Indien bis Japan. 

Sect. Cyclobalanus, daselbst. 



Ficus, meist trop. Arten der 
alten und neuen Welt, wenige 
Arten bis Mittelmeer, Japan 
und Mexiko. 



Pittosporum, wärmeres Asien, 
Australien u. die pazif. Inseb. 

Juglans, Tropen u. Subtropen 
der nördl. Hemisphäre. 



[421] 



263 



Ueber sieht der Flora von Bornstedt. 



Name der Art 



Pterls Prestwichü Ett. et. Gard. 

Ptcris stedtensis Andr. sp . . . . 
Pteris parschlucjiana Ung. . . . 

Asplenium Wegmanni Brgt. . . 

Aspleniuin subcretaceum. Sap. 

Lygodiuin Kaulfussi Heer .... 

Lygodium serratum nov. sp. . . 
Sequoia Couttsine Heer 

Sequoia Langsdorßi Br;gt. sp. . 



Smilax cardiophylla Heer 



Smilax saxonica nov. sp. 



Flahellaria Zinckeni Heer 
Sabal Ziegleri Heer . . . . 



E cän 



Unter- 



Mittel- 



Counter 
Hills 



Sezanne 



Sezanne 



Ol 



1 go can 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Mio cän 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Pliocän 



Bourne- 
mouth 

Bourne- 

moutli 



Bov.Trac 



Bornstedt 



Bornstedt, 
Stedten 

Bornstedt, 
Dörstewitz 

Bornstedt 



Bornstedt 



Bornstedt, 

Skopau, Sarthe- 

thal 

Bornstedt 

Bornstedt, 
Skopau, Alber- 
stedt, Stedten, 
Leipz. Tertiär 

Bornstedt, 
Göhren, Häring 



Bornstedt 



Bornstedt 



Bornstedt 
Bornstedt 



Rixhöft, 
Hempstead 



Rixhöft, 
Samland 



Liebotitz 



Monod, Rochette, 
Paudez 



Armissan 



Wetterau, 
Niederrhein B., 

Liebotitz, 
Priesen, Ross- 
berg, Monod, 
Riifi, Rothen- 
thurm, Wäggis, 
Armissan 



Salesl 



Parschlug, 
Leoben 



Arkt. 
Gebiet 



Sagor, Savine 



Wetterau, Kostenblatt 

Luschitz, Salesl, Leoben, Köflach 
Sagor, Savine, 
Radoboj, Eriz 



Breitensee, 

Tokay, Tallya. 

Thalheim, 

Swüszowice, 

Arnothal, Sarza- 

nello, Sinigaglia 



Nord- 
Amerika 



Verwandte 
Arten 



Vorkommen 
derselben 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypiis in der Jetztwelt 



Zilhngs- 

dorf, 
Neufeld 



Grönland 



L Gruppe 



4. Gruppe 



4. Grnppe 



Pt. pennaeformis 

Heer 

Pt. eocaenica 

Ett. et Gardn. 

Pt. hiUnica Ett. 



Pt. erosa Lesq. 



O.Olig.u.Nord' 

amer. (l.Gr.) 

Mitt. Eoe. 

(Boarnemouth) 

Unt. Mioc. 
(Preschen) 

Nordamerika 
(1. Gr.) 



Lyg. exqumtum 

Sap. 

Lyg. Gaudini 

Heer 



U. OHg. (Aix) 

Unt. Mioc, 
Ob. Ölig. 



Sachalin, 
Mand- 
schurei, 
Grönland, 
Spitz- 
bergen, 
Mackenzie 



Alaska, 
. u 4. Gr 



Sm. grandifoäa 

üng. var. 
Sm. Lyelli Wat. 

Sm. haeringiana 

Ung. 
Sm. paliformis 

Heer 
Sm. ängulata 

Heer 

iSm. Garguieri 

Sap. 



M.U.Ob. Ölig., 

M. Mioc. 
U. Eoc. (Bell.) 

Unt. Ölig. 
(Häring), 

' Mitt. Ölig. 
I (Rixhöft) 

Mitt. Ölig. 

(St. Jean-(le-G.) 



Pteiisarten der Tropen u. Sub- 
tropen beider Hemisphären. 



Pteris long IfoUa L., Tropen und 
wärmere gem. Zone der alten 
und neuen Welt. 

Asplenium Sect. Athyrium Presl, 
Trop. u. gem. Zone der alten 
und neuen Welt. 

Aspleniuin. ßaccidum etc., Canar. 
Inseln bis Neu -Seeland und 
Sandwichinseln. 

Lygodium palmaium Sw., Nord- 
amerika. 



Sect. Eulygodium ., Tropen der 
alten und neuen Welt. 

Seqw. gigantea Lindl. ) Cali- 
» sempervirens Lam. )fornien. 



Sequ. sempervirens Lam. ebend. 



Smilax, Tropen u. gemässigte 
Zonen bis zum 45. Parallel- 
kreis auf beiden Halbkugeln. 



264 



[422] 





E cän 


li g c an 


M i cän 


Pliocän 


Arkt. 
Gebiet 


Nord- 
Amerika 


Verwandte 
Arten 


Vorkommen 
derselben 


Verbreitung der Gattung oder 


Name der Art 


Uiiter- 


Mittel- 


Unter- 


Mittel- 


Ober- 


Unter- 


Mittel- Ober- 


des Arttypus in der Jetzwelt 


Myrica Schlechtendali Heer .... 


- 


— 


Bornstedt 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


— 


, Myr. aethiopica L., Südafrika. 


Myrica angustata Schimp 


— 


— 


Bornstedt, Eis- 
leben, Dörstewitz, 
Aix 


St. Jean -de - 

Garguier, 

Gargas, 

St. Zacharie 
















Myr. anceps Sap. 

Myr. Saportana 
Seh. et äff. 


Mitt. Ölig. 
(St. Zacharie) 
U. Ölig. (Aix) 


Quercus Sprengeli Heer 

Quercus pasanioides nov. sp 


— 




Bornstedt 
Bornstedt 











— 


— 











Qu. intermedia 
n. sp. 


Unt. Ölig. 
(Dörstewitz) 


( Sect. Pasania Miq., Indien 
( bis Japan, 1 Art in Californien. 


Quercus subfalcata nov. sp 


— 


— 


Bornstedt 


— 


— 


- 


— 


— 


— 


— 


1. Gruppe 


Qu. pseudo-lyrata 
Lesq. 


Californien 


Quercus, typ. falcata Michx., 
Nordamerika. 


Dryophyllum Dewalquei S. et M. . 


Gelinden 





Bornstedt (?), 
Skopau 


— 


— 


■ — 


— 


— 




— 


— 


— 


— 


— 


Ficus crenulata Sap 


Sezanne 


— 


Bornstedt 


- 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


- 


— 


— 


— 


Ficus tiliaefolia AI. Br. sp 






Bornstedt, 

Göhren, Monte 

Promina 


Rixhöft (?), 
Samland (?) 


Stösschen, 

Priesen, 

Grasseth, Sotzka, 

Seifhennersdorf 


Sulloditz, Sagor, 
Lausanne 


Leoben, Köflach 


Tokay, Szanto, 
Tallya, Szagadat, 
Oeningen, Elgg, 

Herderen, 
Guarene, Arno- 
thal, Sienna 


Zillings- 

dorf, 
Neufeld 




1.-3. Gr., 

Cali- 
fornien 


« 






Cinnamomum lanceolatum. Ung. sp. 






Bornst., Skopau, 
Stedten, Dörste- 
witz, Göhren, 
Häring, Monte 
Promina, Aix 


Rixhöft, 
St. Jean-de- 

Garguier, 
St. Zacharie, 
Gargas, Sault 


Wetterau, 
Niederrhein. B., 

Altsattel, 

Grasseth, Sotzka, 

Monod, Armis- 

san, Peyriac, 

Manosque 


Wetterau, Holai- 
kluk, Kutschlin, 

Schichow, 
Sulloditz, Sagor, 
Lausanne, Eriz, 
St. Galler Findl., 
Mönzlen,Ruppen, 
Marseille, 
Bonnieux 


Sobrussan, 

Loobon, Petit 

Mont, Croisettes, 

Estave, Tui"in 


Erlau, Albis, 

Swoszowice, 
Sinigaglia 












Cinnamomum., tropisches und 
östl. Asien, C. Tamala Nees 
bis Queensland. 


Cinnamommn Schleuchzeri Heer . . 




Bov.Trac. 


Bornstedt, 
S chortau, 
Eisleben 


Rixhöft 


Wetterau, 
Niederrhein. B., 
Altsattel, 
Schüttenitz, 
Grasseth, Prie- 
sen, Zsilythal, 

Monod, 
Hohe Rhonen 


Wetterau, 

Kutschlin, 

Liebiberg bei 

Günzburg (?), 

Sagor, Radoboj, 

St. Galler Findl., 

Eriz, Ruppen 


Sulloditz, Leoben, 
Turin 


Sieblos (?), 
Hernais, Breiten- 
see, Tokay, 
Oeningen, 
Schrotzburg, 
Albis, Berlingen, 
Arnothal, Sini- 
gaglia 






1. Gr. (?) 








Cinnamomumpolymorphum AI. Br.sp. 






Bornstedt, Monte 
Promina, Aix 




Hessenbrücken, 

Nieder-Olni, 

Altsattel, 

Grasseth, Wäggis, 

Monod, Armis- 

san, Peyriac, 

Monosque 


Wetterau, Schi- 
chow, Kutschlin, 
Holaikluk (?), 
Sulloditz (?), 
Sagor (?), 
St. Galler Findl., 
Ruppen, Eriz, 
Lausanne, Liebi- 
berg bei Günz- 
burg(?), Marseille 


Luzern, Turin 


Heiligenkreuz, 
Erlau, Swoszo- 
wice, Oeningen, 

Schrotzburg, 
Wangen, Steck- 
born, Berlingen, 
Albis, Guarene, 
Sinigaglia 















[423] 



265 



Name der Art 


Eo cän 


Oligo cän 


Mio cän 


Pliocän 


Arkt. 
Gebiet 


Nord- 
Amorika 


Verwandte 
Arten 


Vorkommen 
derselben 


Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 


Unter- 


Mittel- 


Unter- 


Mittel 


Ober- 


Unter- 


Mittel- 


Ober- 


Litsaea Muelleri nov. sp 






Bornstcdt 


















Litsaea elongata 

nov. sp. 
Litsaea magnißca 

Sap-, 

Litsaea expansa 

S. et M. et äff. 

Daphnog. elegans 

Wat. 


Unt. Ölig. 
(Bornstedt) 
Ob. Ölig. 
(Armissan) 
Unt. Eoc. 
(Gelinden) 
Unt. Eoc. und 
Unt. Ölig. 


Litsaea., trop. und östl. Asien 
bis Japan, Australien bis Neu- 
seeland. Wenige Arten in 
Nordamerika. 


Litsaea elongata nov. sp 


~ 


~ 


Bornstedt 


— 


~ 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


siehe oben 


siehe oben 


L. foliosa Nees, Queensland 
bis Indien. 


Phoebe transitoria Sap. sp 


— ' 




Bornstedt 


St. Jean-de- 
Garguier 


Manosque 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Phoebe., Ostindien und Malay. 
Archipel. 


Actinodaphne Germari Heer sp. . 






Bornstedt, 

Knollenstein 

südlich Halle, 

Stedten, 

Dörstewitz 


















Act. Micheloti 

Wat. sp. 
Act. cuspidata 

Wat. sp. 

Juglans (?) ther- 

malis Lesq. 


U. Eoc. (Sez.) 

U. Eoc. (Beileu) 

Colorado 
(4. Gruppe) 


Actinodaphne, Ostindien, Ma- 
layischer Archipel und Japan. 


Lauras mucaefolia nov. sp 


— 


— 


Bornstedt 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


L. attenuata W&t. 


U. Eoc. (Belleu) 


Aydendron, trop. Amerika. 


Lauras belenensis Wat 


Belleu 


— 


Bornstedt 


— 


— 


— ■ 


— 


— 


— 


— 


— 


L. Omalii S. et M. 
L. ocoteoidesLesq. 


U. Eoc. (Gel.) 

Colorado 
(L Gruppe) 


— 


Lauras primigenia Ung 




Bov.Trac. 


Bornstedt, 
Skopau (?), Aix 


Gargas, 
St. Jean-de- 

Garguier, 
St. Zacharie, 

Ron^on 


SalzLausen (?), 

Niederrhein. B., 

Seifhennersdorf, 

Sotzka, Zsilythal, 

Hohe Rhonen, 

[livaz, Bagnasco, 

Cosseria, Stella, 

Manosque, 

Armissan 


Münzenberg (?), 

Sulloditz (?), 

Kutsclilin (?), 

Sagor (?), Eriz, 

St. Galler Findl. 


Leoben 


Heiligenkreuz 




- 










Persea belenensis Wat 


Bollen 


" 


Bornstedt 


— 


— 


— 


— 






— 


— 




' 


Persea, Chile bis Virginien, 
wärmeres Asien, 1 Art auf 
den Canar. Inseln. 


Hakea Germari Ett 






Bornstedt 




" 














Conospermites 
hakeaefolius Ett. 

Stenocarpus 
salignoides n. sp. 


Senon (Nieder- 

schöna) 

Unt. Ohg. 

(Eisleben) 


Hakea, Neuholland. 


Apocynophyllam /lelveticum Fleer . 


— 


— 


Bornstedt 


Rixhöft, 
Kraxtepellen 


Grasseth (?) 


Walpkringen 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Myrsine germanica Heer 


— 


— 


Bornstedt 


— 


- 


- 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


Aralia Weissii nov. sp 


— 


- 


Bornstedt 


- 


— 


- 


- 


- 


— 


— 


— 


Aralia triloba 
Lesq. 


Nordamerika 


Sect. Travesia, trop. Asien, 

Malayischo und Pazif. Inseln, 

Sect. Oreopanax, trop. Amerika. 


Cissus parvifolia nov. sp 


— 


— 


Bornstedt 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 




Cissus, Tropen und Subtropen 
der alten und neuen Welt. 



266 



[424] 



Name der Art 



Nympliaeites saxonica nov. sp. . 

Papaverites sp 

KiggeJaria oligocaenica nov. sp. 

Sterculia tenuiloba Sap 

Bombax Decheni Web. sp. . . . 



Bomhax chorisioides nov. sp. ... 



Bombax Neptuni Ung. sp. 
Celastrus minutus 



Ztzyphus Leusckneri nov. sp. . 



Anacardites curta Wat. sp. 



Juglans Leconteana Lesq. 
Myrtus amissa Heer . . . 



E o cän 



Unter- 



Mittel- 



Sezanne 



. . Beileu, 
Per- 
nant (?) 



li go c an 



Unter- 



Bornstedt 

Bornstedt 

Bornstedt 
Bornstedt, Aix 



Bornstedt, 
Göhren 



Bornstedt 

Bornstedt 
Bornstedt 



Bornstedt, 
Eisleben 



Bornstedt 



Bornstedt (?) 



Bornstedt 



Mittel- 



Ober- 



M i o c an 



Unter- 



Mittel- 



Obe 



Rott, Orsberg, 
Hohe Rhonen 



Radoboj 



Pliocän 



Arkt. 
Gebiet 



Nord- 
Amerika 



Verwandte 
Arten 



Vorkommen 
derselben 



1. U.2. 
Gruppe 



Nymphaeites 

liaeringianum 

Ung. sp. 



Bomb, tiliacea 

Sap. sp., 

Bomb, credneriae- 

folia Sap. sp., 
Pterospermites in- 

aequifoKus Sap. 

Jugl. (?) egregia. 

Lesq., 

Bomb, chorisiae- 

folia Ett. 



Cel. stygivs Heer 



Ziz. remotidens 

S. et M., 
Ziz. Raincourtii 

Sap., 

Ziz. Ungeri Hr. 

var. 

Anac. alnifolius 

Sap., 
Anac. spectabilis 

Sap., 

Anac. spondiae- 

foKus Sap. 



( Häring), 

Ob. Oligocän 

(Sotzka) 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Unt. Oligocän Nymphaea, Tropen u. nördl. 



Unt. Eoc. 
(Sezanne) 



Californien 

Unt. Mioc. 

(Kutschlin, 

Sagor, Trifail) 



Ob. Ölig. 
(Monod) 



Unt. Eoc. 
(Gelinden), 
Unt. Eoc. 
(Sezanne), 
Ob. Ölig. 
( Sotzka) 

Unt. Lignitgr 
in Südfrankr. 

( Unt. Ölig. 
(Aix) 



gem. Z., wenige im südl. Afr. 
und in Australien. 



Papaver, Tropen u. gem. Z. 
der alten Welt. 



Kiggelaria, Südafrika. 



Ochroma u. Cheirostemum, 
Mexico, Westindien u. nörd- 
liches Südamerika. 



Chorisia, trop. Amerika. 

Bombax, trop. Amerika und 
indisches Monsungebiet. 



Zizyphus, Tropen der alten 
und neuen Welt, einige Arten 
in der wärmeren gemässigten 
Zone. 



Comocladia, trop. Amerika. 



[425] 



267 



lieber sieht der Flora von Eislebe ii. 



Name der Art 



E cä n 



Unter- Mittel- 



1 i g o c ä n 



Unter- 



Poh/podium oligocaenicum nov. sp. 
Nepfirodiwm acutilobum nov. sp. . . 

Hi/polepis elegans nov. sp 



Gldchenia saxonica nov. sp. 



Gkichenia mbcretacea nov. s]). . 

Osmunda Ugnitum Gieb. sp. . . 
M/jrica angustata Schimp. . . . 



Cannabis oUgocaenica nov. sp. . . 
Boehmeria excelsaefolia nov. sp. . 
Cinnamomum Scheuc/izeri Heer . 



Dryandra saxonica nov. sp. 



Bournem. 
Bov. Trac. 



Bov.Trac. 



Segengottesschacht 
Segengottesschacht 

Segengottesschacht 

Segengottesschacht 

Segengottesschacht 



Segengottesschacht, 
Stedten, Weissenfels 

Segengottesschacht, 

Schwarze Minna, 

Bornst., Dörstewitz, 

Aix 



Segengottesschacht 

Segengottesschacht, 
Schwarze Minna 

Segengottesschacht, 
Bornst., Schortau 



Mittel- 



Ober- 



M i o c ä n 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Segengottesschacht, 
Dörstewitz 



St. Zacharie, 

Gargas, 

St. Jean- 

de - Garguier 



Rixhöft 



Sotzka, Möttnig, 

Zsilythal, Ma- 

nosque 



Münzenberg 



Wetter au, 

Niederrhein. B., 

Altsattel, Schütte- 

nitz, Grasseth, 

Priesen, Zsilythal, 

Monod, Hohe 

Rhenen 



Wetterau , 
Liebiberg bei 
GünzburgC?), 
Kutschlin, Sagor, 

Radoboj, 
St. GaUer Find- 
linge, Eriz, 
Kuppen 



SuUoditz, Leoben 
Turin 



Pliocän 



Nord- 
Amerika 



Verwandte Arten 



Vorkommen 

derselben 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Sieblos (?), Her- 
nais, Breitensee, 
Tokaj, Oeningen, 

Schrotzburg, 

Berlingen, Albis 

Arnothal, Sini- 

gaglia 



l.Gr.(?) 



Gl. Hantonensis 
Wakl. sp. 

Pteridoleimma 
Koninckianum 
D. et E. 
Pt. Elimhethae 
D. et E. 



Myr. anceps Sap.- 

Saportana Seh. 
sinuata Sap. 
ilicifoUa Sap. 



M. Eoc. (Bournem.) 



Ob. Kreide 
(Aachen) 



Mitt. Ölig. 
(St. Zacharie) 

Unt. Ölig. (Aix) 



I Wat. 



Dr.maeroloba 
» Brongni- 
arti 
Dr. Micheloti 
» irregularisS sp 
Comptonia dryan 
droides üng. 
Dryandra Schrankü 

Ett 

Dryandra Schrankü 
Stbg. sp 



Sect. Prosaptia, Ceylon bis 
Tahiti. 

Nephr. syrmaticum Baker, 
Ceylon, Indien, Malakka bis 
Philippinen. 

Typ. H. repens Presl, Tropen 
und Subtropen der alten und 
neuen Welt. 

Gleichenia, typus dichotoma 
Hook., Tropen und Subtropen 
der alten und neuen Welt. 

Gl. typ. flabellata Br., Tropen 
und Subtropen der alten und 
neuen Welt. 

ö /. /7 a i e / ; a < a , Neu-Holland bis 
Neu-Seeland. 



Myrica aethiopica L., Südafrika. 



Cannabis, Indien oder Central- 

asien (?). 
Boehmeria, Tropen der alten 

und neuen Welt. 



Ob. Ölig. (Orsberg) 



ünt. Eoc. (Bellen), 
Mitt. Eoc. (Arcueil) 

Ob. Ölig. (Sotzka) 

Unt. Ölig. 

(Monte Promina) 

Unt.-, Mitt.- u. Ob.- 

Oligocän 



Dryandra, aussertrop. West- 
austraHen. 



268 



[426] 



Name der Art 



Banksia longifolia Ung. sp 

Stenocarpus salignoides nov. sp. . . 

Persoonia parvifolia nov. sp. . . . 

Proteophyllum hipinnatum nov. sp. 
Fraxinus saxonica nov. sp 

Clerodendron latifoliwn nov. sp. . . 

Clerodendron serratifoUum nov. sp. 

Symplocos Bureauana Sap 

Symplocos subspicata nov. sp. . . . 

Syinplocos sp 

Styrax Fritschü nov. sp 

Panax longifolium nov. sp 

Panax latifolium nov. sp 



E c ä n 



Unter- Mittel 



Sezanne 



Oligocän 



Unter- 



Schwarze Minna, 

Häring, 
Monte Proniina 

Segengottesschacht 



Segengottesschacht 

Segengottesschacht 
Segengottesschacht 

Segengottesschacht 

Segengottesschacht 

Segengottesschacht 
Segengottesschacht 

Segengottesschacht 

Segengottesschacht 



Segengottesschacht, 
Schwarze Minna 



Segengottesschacht 



Mittel- 



Obcr- 



Kott, Orsberg, 
Sotzka. Ralligen 



M i c ä n 



Unter- 



Kutschlin, Sagor, 

Trifail, Tüffer, 

Lausanne 



Mittel- 



Ober- 



Fohnsdorf, 
Leoben, Turin 



Pliocän 



Nord- 
Amerika 



Verwandte Arten 



Vorkommen 
derselben 



Hakea Germari Ett. 

» plurinervia 
Ett. 



Comptonites antiquus 
Nils. 



Frax. juglandina 

Sap. 
Frax. inaequalis 

Heer 



Uüt. Ölig. (Bornst.) 
Unt. Ölig. (Häring) 



Senon (Sieben- 
bürgen) 

Ob. Ölig. (Manosque) 
Ob. Ölig. (Monod) 



Sympl. Bureauana Unt. Ölig. (Eisleben) 
Sap. Unt. Eoc. (Sezanne) 



Panax (?) Torreyi 

Lesq. 
P. Banksiana Sap. 



Aralia (Pan.) ilici- 
folia Sap. 



Wyoming (1. Gr.) 
Ob. Ölig. (Armissan) 

Ob. Ölig. (Armissan) 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetzlwelt 



Banksia, meist aussertropische 
Australien. 



Stenocarpus, Neu - Holland, 
und Neu-Caledonien. 



Persoonia, Neu-HoUand, 1 Art 
auf Neu- Seeland. 



Grevillea, Neu - Holland und 
Neu-Caledonien. 

Fraxinus, nördl. gemässigte u. 
subtrop. Zone der alten und 
neuen Welt. 



Clerodendron, wärmere Län- 
der der alten Welt, wenige 
Arten im tropischen Amerika. 

Clerodendron serratumSj>i-., 
indisches Monsungebiet. 

Symplocos, typus Hopea L., 
trop. u. Ostasien bis Japan, 
nur eine Art (S. tinctoria Lher.) 
im gemässigten Nordamerika. 



Styrax, trop. u. wärmeregem. 
Zone von Amerika, Asien und 
Europa. 

Panax, trop. Afrika, Asien bis 
Mandschurei und pazif. Inseln. 

P. arhoreum Forst., Neu -See- 
land. 



P. Gaudichaudi De C. Sand- 
wich-Inseln. 



[427] 



269 



Name der Art 



Aralia spinulosa Sap. 



Ceratopetalum myricinum Lah. 



Callicoma minuta nov. sp. 



Weinmannia parac/isiaca Ett. . . . 
Passiflora tenuiloba nov. sp. . . . 

Xanthoceras antiqua nov. sp. . . 
Celastns lanceolatus nov. sp. . . 

Celastrus parvifolius nov. sp. . . 

Celastrus Dalongia nov. sp. ... 

Celastrus sparse - serratus nov. sp. 
(?) Celastrus iUcoides nov. sp. . . 
Ikx longifolia nov. sp 



Zizyphus Leuschneri nov. sp. . 

Zizyphus parvifolius nov. sp. . 
Myrcia lancifolia nov. sp. ... 



E c ä n 



Unter- Mittel 



Alumbay 



1 ig c an 



Unter- 



Segengottesschacht, 
Aix 



Segengottesschacht, 
Skopau, Weissenfeis 

Segengottesschacht 



Segengottes- 
schacht (?), Häring 

Segengottesschacht 



Segengottesschacht 



Segengottesschacht, 
Schwarze Minna 



Segengottesschacht 
Segengottesschacht 
Segengottesschacht 

Segengottesschacht 



Segengottesschacht, 

Schwarze Minna, 

Bornstedt 



Segengottesschacht 
Segengottesschacht 



Mittel- 



Ober- 



Sotzka 



M i o c ä n 



Unter- 



Mittel- 



Ober- 



Piiocän 



Nord- 
Amerika 



Verwandte Arten 



Aralia inquirenda 

Sap. 
('?J Myrica elongata 

Sap. 



Call, pannonica Ung, 



Weinm, Ettings- 
hauseni Heer 



Maytenus europaea 
Ett. 



Cel. oxyphyllus Heer 



Gel. Endymionis 
Ung. 



//. acuminata Sap. 
//. spinescens Sap . etc. 

Z. remotidensS. etM. 

» liaincourtiiSap. 
» Ungeri Heer var. 



Vorkommen 
derselben 



Mitt. Ölig. 

(St. Jean-de-G.) 

Mitt. Oiig. 

(St, Zacharie) 



? Unt, Mine, Ob. 
Ölig. 

Unt. 0hg. (Häring) 



Unt. Mioc.(Kutsch].) 



Unt. Mioc. (Eriz) 



Unt. Mioc. (Radoboj) 



Ob. Ol. (Armissan) 

Unt. Eoc. (Gelinden) 

Unt. Eoc. (Sezanne) 
Ob. Ölig. (Sotzka) 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Platylophus, Südafrika. 
Ceratop etnlum , Ostaustralien. 

Callicoma, Neu - Süd -Wales. 



Weinmannia, malayische und 
pazif. Inseln, Austrahen, Süd- 
amerika. 

Passiflora, trop. Südamerika, 
nur wenige Arten in der alten 

Welt. 

Xanthoceras, nördl. China. 



Celastrus , Indien, China, 
Japan , Australien , Nord- 
amerika , Madagaskar. 

Maytenus, tropische u. südl. 
gem. Zone Amerikas. 



Dalongia sp., Mexico. 



Hex, trop. u. gem. Zonen beider 
Hemisph., meist Südamerika. 

Zizyp/ius, Tropen der neuen 
und alten Welt, einige Arten 
in der wärmeren gem. Zone. 



Z. flexuosa Wall., Ostindien. 



fyrcia, trop. und wärmeres 
gemässigtes Amerika. 



270 



Uebeisicht der Flora von Dörstewitz. 



[428] 



Name der Art 



Pteris parschlugiana Ung 

Lygodlum sp 

Pinus typ. Pinaster L 

Comptonia rotundata Wat 

Myriea angustata Seh. 

Quercus intermedia nov. sp 

Daphnogene sp 

Cinnamomum lanceolatum Ung. sp. 



Actinodaphne Germari Heer sp. 



Dryandra mxonica nov. sp. . 



Hakea microphyUa nov. sp. 
Nerium repertum Sap. . . 
Cunonia formosa nov. sp. 



Myrtophyllum grandifolium nov. sp. 



Myrtophyllum sp 

Dalbergia oligocaenica nov. sp. . 



E c ä n 



Unter- 



Belloii 



Mittel- 



1 i g c ä n 



Unter- 



Mittel- 



Dörstewitz, 
Bornstedt 

Dörstewitz 

Dörstewitz 

Dörstewitz 

Dörstewitz, 

Bornstedt, Eisleben, 

Aix 

Dörstewitz 

Dörstewitz 

Dörstewitz, Skopau, 

Stedten, Bornstedt, 

Göhren, Häring, 

Mte Promina, Aix 



Dörstewitz, 

Knollenst. südlich 

Halle, Stedten, 

Bornstedt 

Dörstewitz, Eisleben 



Dörstewitz 

Dörstewitz (?), Aix 

Dörstewitz 



Dörstewitz 



Dörstewitz 
Dörstewitz 



St. Jean- 
de - Gargui er, 

Gargas, 
St. Zacharie 



Rixhöft, 

St. Jean- 

de-Garguier, 

St. Zacharie, 

Gargas, Sault 



Ober- 



Monod, Rochette. 
Paudez 



Wetterau, 

Niederrhein. 

Becken, Altsattel. 

Grasseth, Sotzka. 

Monod,Armissan, 

Peyriac, 

Manosque 



Wetterau, Holai- 

kluk, Kutschlin, 
Schichow, Sulloditz, 

Sagor, Lausanne, 
Eriz, St. Galler F., 

Mönzlen, Ruppen, 
Marseille, Bonnieux 



M i c ä n 



Unter- 



Mittel- 



P arschlug, 
Leoben (?) 



Sobrussan, 

Leoben, Petit 

Mont, CroisetteS; 

Estave, Turin 



Ober- 



Erlau, Albis, 

Swoszowice, 

Sinigaglia 



Nord- 
Amerika 



Verwandte Arten 



Pteris erosa Lesq. 



Myriea anceps Sap. 

» Saportana Seh. etc, 

Quercus Sprengeli Heer 



Act. Micheloti Wat. sp. 

» cuspidata Wat. sp. 

Juglans(?) t/iermalisluesq. 

Dr. macroloba /Web. et 

» Brongniarti \ Wess. 

» Micheloti ) ixt , 

, . >Wat. sp. 
» irregularis ) ^ 

» Schrankii Stbg. sp. . 
» » Ett. 

Acacia rigida Heer 



Celastrophyllum repandum 

S. et M. 
Celastrophyllum serratum 

S.' et M. 
Cunonia radobojana 

Ung. sp. 



Dalbergia bella Heer 



Vorkommen 
derselben 



Vereinigte Staaten 
(1. Gruppe) 



Mitt. Ölig. 

(St. Zacharie) 

Unt. Ölig. (Aix) 

Unt. Ölig. (Bornst.) 



Unt. Eoc. (Sezanne) 
Unt. Eoc. (Beileu) 
Colorado (4. Gruppe) 

Ob. Ölig. (Orsberg) 

Unt. Eoc. (Bellen) u. 
( Mitt. Eoc. (Arcueil) 

U.-, M.- u. O.-Olig. 

U.Ol. (Mte Promina) 

Ob. Ölig. (Rivaz) 



Unt. Eoc. 
(Gelinden) 

Unt. Mioc. 
(Radoboj) 



Ob. Mioc. (Oeningen, 
Locle, Guarene) 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Comptonia, gem. Nordamerika. 



Hakea, Neu -Holland. 



Cunonia, Capland.. 



Eucalyptus, Neu - Holland, 
wenige Arten im indischen 
Archipel , 

Syzygium, Tropen der alten 

Welt. 



Dalbergia typ.ferruginea Roxb. 
tropisch Indien. 



[429] 



Uebersicht der Flora von Riested t. 



271 



Name der Art 



(1) Aneimia sp 

Dryophyllum ctirticellense Wat. sp. 

Carya ventricosa Stbg. sp 

Anona cacaoides Zenker sp 



E cän 



Unter- 



Gelinden, 
Sezanne(?), 

Vervin s, 

Bellen, 

Conrcelles 



Mittel - 



1 i g c ä n 



Unter- 



Riestedt 
Riestedt 



Riestedt, Göhren, 
Zittau (?) 

Riestedt, Göhren, 
Zittau (?), Bautzen, 
Quatitz, Altenlnirg 



Mittel- 



Ober- 



Wetterau, 
Liesseni b. Bonn 



M i c ä n 



Unter- 



Mittel- 



Kaltennordheim (?) Bischofsheini 
(Rhön) 

Radoboj 



Ober- 



Hernals 



Pliociin 



Wieliczka 



Verwandte Arten 



Dryophyllum Dewalquei 
S. et M. 

Dr. palaeocastanea Sap. 

Dr. sezannensis Wat. 
Castanea intermediahesq. 

Carya costata Ung. 
» alhula Heer 



Vorkommen 
derselben 



Unt. Eoc. (Gelinden) 

Unt. Ölig. (Skopau, 

Bornstedt(?), 

Unt. Eoc. (Sezanne) 

Colorado (4. Gruppe) 

Ob. OHg. bis Plioc. 
Spitzbergen 



Verbreitung der Gattung oder 
des Arttypus in der Jetztwelt 



Carya., g&ca.. Nordamerika. 

Anona, tropisches Amei'ika, 
2 — 3 Arten im trop. Asien 
und Afrika. 



Uebersicht der Flora von T rot ha. 









Trotha 



















_ 


Laurus sp 


_ 


_ 


Trotha 








" 





_ 


_ 











Passiflo7-a Hauchecornei nov. sp. . . 


- 


- 


Trotha 


— 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


Passiflora racemosa Brot., 
Brasilien. 


Sterculia lahrusca Ung 


Gelinden, 

Vervins, 

Bellen 


Monte 
Bolca 


Trotha, Skopau, 

Göhren, Monte 

Promiua 


■ — 


Schütteuitz, 
Grasseth, Sotzka 


Kutschlin (?), 
Sagor ( ? ), Savine ( ? ) 




Sini- 
gagha (?) 




" 


" 


Sterculia, Tropen der alten 
und neuen Welt, die meisten 
Arten in Asien. 


StercuUa laurina Ett 


— 


— 


Trotha (?) 


— 


Sotzka 


— 


— 


— 


- 


— 


— 


— 


Myrtvs fyncarpifolia nov. sp. ... 


- 


- 


Trotha | — 


- 


— 


- 


- 


- 


- 


— 


Syncarpia, Ostaustralien. 


Machaerium Kaldenberyi nov. sp. . 


— 


— 


Trotha j — — 


— • i — 


— 


— 


— 


— 


Machaerium, trop. Amerika. 



Uebersicht der Flora von Runthal bei Weissenfeis, 



Poacites paucinervis Heer . 
Osmunda lignitum Gieb. sp. 



Qiiercus furcinervis Rossm. sp. . 



Ficus multinervis Heer 

Noteiaea eocaenica Ett 

Ceratopetalum myricinum Lah. 

Celastrus Andromedae Ung. . 
Callistemophyllum Giebeli Heer 

PhylUtes reticulosus Rossm. . . 



Bov. Trac. 
ßournem. 



Alumb. 



Weissenfeis 

Weissenfeis, 
Stedten, Eisleben 

Weissenfeis, 
Stedten, Reut 



Weisscnfels, Stedten 



Weissonfels (?), 
Skopau 

Wcissenfels, 
Skopau, Eisleben 

Weissenfeis 

Weissenfeis, 
Skopau 

Weissenfeis, 

Kl. Gorbetha, 

Stedten 



Salcedo (?) 



Sotzka, Möttnig, 
Zsilythal, Ma- 

nosque 

Nieder 01m(?), 

Altsattel, 

Schüttenitz, 

Grasseth, Priesen, 

Sotzka, 
Schwarzachtobel, 

Ralligen, 
Cadibonabildung 

Seifhennersdorf, 

Schüttenitz, 

Priesen, Hohe 

Rhenen 

Sotzka 



Sotzka, Monod 



Altsattel, 
Grasseth 



Münzen berg 
Sagor 



Kutschlin, 
Riantmont 



Straden bei 
Gleichenberg 



siehe Stedten 



272 



[430] 



Verbreitung 

der Arten, welche mehreren Fundorten m der Provinz Sachsen und der Leipziger Gegend gemeinsam sind. 



Name der Art 



Pteris parsc/iliigiana Ung. . . 
Pteris s^tedtensis Andr. sp. . . 
Lygodium Kaulfussi Heer . . 
Osmunda lignitum Gieb. sp. . 
Sequoia Couttsiae Heer .... 

Sequoia Langsdorfii Brgt. sp. 

Sabal major Ung. sp 

Myrica angustata Schimp. . . 
Dryophyllum Dewalquei Sap. et Mar, 
Quercus furcinervis Rossm. sp. 
Fkus üUaefoUa AI. Br. sp. . . 
Cinnamomum Scheuchzeri Heer 
Cinnamomum lanceolatum Ung. sp 
Aciinodaphne Germari Heer sp. 
Laurus frimigenia Ung. . . 
Dryandra saxonica nov. sp. 
Noteiaea eocaenica Ett. . . . 
Apocynoptiyllum neriifolium Heer 

StercuUa labrusca Ung 

Bombax Decheni Web. sp. . . . 
Ceratopetalum myricinum Lab. . 
Zizyphus Leuscimeri nov. sp. . 
Carya ventricosa Stbg. sp. . . . 
Anona cacaoides Zenker sp. . . 
CallistemopIiyUum Giebeli Heer 
PhylUtes reticulosus Rossm. . , . 



Knollenstein 



Stedten» 



Bornstedt 



Eisleben 



Riestedt ' Dörstewitz Trotha 



Weissenfeis 



Königreich 

Sachsen 



+ 



+ 



+ (?) 



+ 



+ 



+ 



+ 



4- 



+ 



+ 

+ 
+ 



+ (?) 



+ 



-f- 



+ 



+ 



+ 



4- 



+ 
+ 



+ 



+ 



+ 
+ 



+ 



+ 



Nordamerika, 
Grönland, 

Spitzbergen, 
Sachalin, 

Mandschurei 



Eocän 



Oligocän 



Miocän 



Nordamerika 4. Gr. 



Grönl.,Nordam.4.Gr. 

Grönl., Mandschurei, 
Sachalin, Spitzb., 
Nordam. 1.— 4. Gr 

Nordamerika 1. Gr. 



Nordam. 1.— 3. Gr 
Nordamerika 1. Gr 



Unt 



Mitt. 
Mitt. 
Mitt. 



Unt. 
Unt. 



Unt. 



Mitt, 



Mitt, 



Mitt 



Mitt 



Ob. 
Ob. 

Ob. 
Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 
Unt. Mitt. 

Unt. . Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Ob. 



Unt. 



Unt. (?) 
Unt. 



Ob. 
Ob. 



Ob. 



Ob. 



Pliocän 



Mitt. 

Unt. 

Unt. 
Unt. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 



Unt. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 



Unt. . Ob.(?) 



Unt. Mitt. Ob. 
Unt. 



[431] 



273 



Verbi'eitung 

derjenigen Arten, welche auch im Eocän vorkommen oder eocänen und cretaceischen Arten nächstverwandt sind. 



Name 



Provinz Sachsen 



C^ 



unter -Eocän 



Ü 



Belleu, Vervins, 

Courcelles, 

Pernant 



M 



Mittel-Eocän 



m 



m 



Oligocä] 



Miocä: 



Nord- 
Amerika, 

Grönland 



Eocän 



Verwandte Art 



Unter- 



Mittel- 



Pteris Prestmchii Ett. et Gardn 
Asplenium subcretaceum Sap. 
» Wegmanni Brgt. . 
Lygodiwn Kaulfussi Heer . . 
Osmunda lignitum Gieb. sp. 
Sequoia Couttsiac Heer . . . 
Myrica laevigata Heer . . . 
Comptonia rotundata Wat. sp. 
Dryophyllum curticellense Wat 

» Dewalquei S. et M 

Ficus crenulata Sap 

Oinnamomum sezannense Wat. 
» Scheucitzeri Heer 

Daphnogene veronensis Mass, 

» elegans Wat. 

Persea belenensis Wat. . 
Laurus excellens Wat. . 
» belenensis Wat. . 
» primigenia Ung. 
Grevillea nervosa Heer . 
Symplocos Bureauana Sap 



sp 



+ 



+ 



-(?) 



+ 



+(?) 
+ 



+ 



+ 



-f- 



+ 



+ 



+ 



+(?) 



+ -t 



Beileu 

Beileu, Vervins, 
Courcelles 



Beileu 



Belleu 
Belleu 
Belleu 

Vervins 



+ 



+ 



+ 



4- 



Unt. 








Ob. 


Unt. 


Unt. Mitt. 


Ob. 


Unt 


Unt.(?) . 


Ob. 





Mitt. Ob 



Mitt. 



Unt. Mitt. 
Unt. 



Ob 



Unt. Mitt. Ob 



Unt. Mitt. Ob 



Am. 1. Gr. 



Am. 4. Gr. 



Gr.,Am.4.Gr 



Am. 1. Gr. 



274 



[432] 





Provinz Sachsen 


Unter-Eocän 


Mittel-Eocän 


Oligocän 


Mioeän 




Nord- 
Amerika, 

Grönland 


Verwandte Art 


05 

'S 

£ 

05 

o 


Eocän 


Name 


03 

1 

"o 
fl 


fl 

05 


0) 
(O 

s 

o 
PQ 


c 

05 


CO 

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fl 

05 
'13 

.9 

'05 

eis 


fl 

N 
-05 

CO 


Beileu, "Vervins 

Courcelles, 

Pernant 


CO 

1 

S 

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§ 
s 

Ö 

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05 
ü 
Ca 

IH 
H 

05 

pq 


c« 

'S 
pq 

05 

"c 

O 


Unter- 


Mittel- 


StercuUa labrusca Ung 

Bombax Decheni Web. sp 

Ceratopetalum myricinum Lab. . . . 

Anacardites curta Wat. sp 

Gleichenia saxonica nov. sp 

Gleichenia suhcretacea nov. sp. . . 

Ficus Giebeli Heer 


+ 
+ 


-1- 


-t- 

+ 

+ 

+ 


+ 
+ 

+ 
+ 


• 


+ 

+ 


+ 


+ 


+ 


+ 


Beileu, Vervins 
Beileu, Pernant (?) 


• 


+ 


• 


• 


-+- 


Unt. . Ob. 
Unt. . Ob. 

Unt. 


Unt. . Ob. (?) 


. . . 


Gleichenia Hantonensis Wakl. sp. 

Pteridoleimma Koninckianum ( 
Deb. et Ett. \ 

Pteridoleimma EUsabethae ) 
Deb. et Ett. ( 

Protoßcus sezannensis u. insignis Sap. 

Litsaea expaiisa S. et M. 
Daphnogene elegans Sap. 

Actinodaphne Micheloti Wat. sp. 
Actinodaphne cuspidata Wat. sp. 

Laurus attenuata Wat. 

Conospermites hakeaefolius Ett. 

Comptonites antiquus Nils. 

Celastrophyllum repandum S. et M. ( 
Celastrophyllum serratum S. et M. S 

Zizyphus remotidens S. et M. 
Zizyphus Raincourtii Sap. 


Aachen 

Nieder- 
schöna 

Sieben- 
bürgen 


Sezanne 

Gelinden 
Sezanne 

Sezanne 
Belleu 

BeUeu 

Gelinden 

Gelinden 
Sezanne 


Bournemouth 


Litsaea Mülleri nov. sp 

Actinodapline Germari Heer . . . . 

Laurus mucaefolia nov. sp 

Hakea Ger mar i Ett 

Proteophyllum hipinnatam nov. sp. 

Cunonia formosa nov. sp 

Zizyphus Leuschneri nov. sp. ... 





[433] 



275 



Verbreitung 

der Arten, welche auch im nordamerikanischen Tertiär vorkommen oder nordamerikanischen Arten nahe verwandt sind. 



N a ni e 



P^ 



Nordamerika (excl. Alaska) 



O 



O 



o 



Eocän 



Oligocän 



Miocäii 



Pliocän 



Grönland. 
Alaska 



Verwandte 
amerikanische Arten 



cb 



O 



Californien 
(Chalk Bluffs) 



Pteris Prestwichii Ett. et Gardn 
» parschlugiana Ung. . 

Asplenium suhcretaceum Sap 

Lygodium Kaulfussi Heer . . 

Sequoia Couttsiae Heer . . . 
» Langsdorfii Brgt. sp, 

Smilax cardio'phylla Heer . 

Sabal major Ung 

Dryophyllum citrticellense Wat 
» Dewalquei S. et M, 

Quercus mhfalcata nov. sp. . . 
» neriifolia AI. Br. . . . 

Fkus tlliaefolia AI. Br 

» multinervis Heer .... 
Cinnamomum Scheuchieri Heer 
Actinodaphne Germari Heer sp. 
Laurus helenensis Wat. . . . 
Persea helenensis Wat. . . . 
Panax longifolium nov. sp. . 
Aralia Weissii nov. sp. . . . 
Bombax chorisioides nov. sp. 
Zizyphus Leuscimeri nov. sp 
Juglans Leconteana Lesq. . 



+ 



-(?) 



+ 



+ 



+ 



+(?) 



+ 



+ 



Unt. 

Unt. Mitt. 
Mitt. 
Mitt. 



Unt. 
Unt. 



-(?) 



-CO 



+ 



Chalk Bluffs (Californ.) 



+(?) 



Unt. 
Unt. 



Mitt, 



Ob. 

Unt. Mitt, Ob. 
Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 



Ob. 

Unt. Mitt.(?) Ob. 

Mitt.(?) Ob. 
Mitt. Ob. 



Mitt. 

Unt. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 



. Mitt,(?) Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 

Unt. . Ob. 

Unt. Mitt. Ob. 



Grönland 

Alaska 



Pteris pennaeformis Heer 
» erosa Lesq. 



Smilax grandifolia Ung. sp. 

Castanea intermedia Lesq. 
Dryophyllum suhfalcatmi Lesq 
Quercus pseudo-lyrata Lesq. 



Juglans (?) thermalis Lesq. 

Laurus ocoteoides Lesq. 

Diospyros Copeana Lesq. 

Panax (?) Torreyi Lesq. sp. 

Aralia triloba Lesq. 

Juglans (?) egregia Lesq. 

Zizyphus cinnamomoides Lesq. 



+ 



+ 



Fundort unbekannt 



+ 



+ 



276 



Verbreitung 

der im Vorhergehenden beschriebenen Arten. 



[434] 



Localfloren 


Artenzahl 


Sichere 
A rten 


Dem 

Fundorte 
eigen- 

thümliche 
Arten 


Mit anderen 
Orten der 

Provinz 

gemeinsame 

Arten 


Weiter 
verbreitet 


Es kommen vor auch im 


Nur 
eocäne 
Arten 


Esbeginnenim 


Von unseren Arten kommen vor in den 
Vereinigten Staaten 


der 


Eocän 


Oligocän 


Miocän 


Plio- 
cän 


Oligocän 


Miocän 


Plio- 

cän 


1. Gr. 


2. Gr. 


3. Gr. 


4. Gr. 


Cali- 
fornien 


Alaska 


Summa 


Arkt. 


Provinz Sachsen 


Unt. Mitt. 


Ob. 


Unt. 


Mitt. 


Ob 


ünt. 


Mitt. 


Ob. 


Unt. 


Mitt. 


Ob. 


Gebiet 


Knollenstein .... 

Stedten 

Bornstedt 

Eisleben 

Riestedt 

Dörstewitz 

Trotha 

Weissenfeis .... 


40 

16 

49 

38 

4 

16 

7 

8 


circa 
19 

11 

35 

26 

2 

8 

2 

3 


15 
3 

20 
27 
1 
9 
5 
1 


14 
9 

12 
6 

- 5 
1 
6 


21 
11 
26 
8 
3 
5 
2 
6 


13 

2 

13 
4 
1 
1 
1 
2 


9 
5 
10 
4 
2 

3 
1 
1 


7 
5 
9 
2 

2 

K?) 


10 
11 
12 
4 
1 
2 
2 
6 


7 
8 
10 
3 
2 
1 

K?) 
3 


5 
3 

7 
2 
1 

2 


6 
3 
6 

K?) 


2 

1 


6 

8 
2 
1 
1 

1 


3 
4 
7 
4 
2 
3 

1 


1 

K?) 
2 


3 
4 
2 

1 

1 
3 


1 
1 


— 


— 


— 


3(2?) 
1 
6 
K?) 


2 


1 


3 

2 
3 

1 


' 1 


1 


5 
3 

8 

K?) 
1 


1 
1 

2 




circa 
150 


— 


81 


21 


circa 
58 


25 


23 


14 


29 


20 


12 


13 


4 


16 


16 


4 


10 


2 


— 


— 


— 


8 


2 


1 


5 


1 


1 


10 


2 



Rückblick. 

Im Folgenden sollen die charakteristischen Züge jeder der 
beschriebenen acht Localfloren mit wenigen Worten znsammen- 
gefasst werden. 

1. Kiiollensteinflora. 

Von den 40 bekannten Arten sind 15 auf die Knollenstein- 
fundorte beschränkt und 21 weiter verbreitet. Von letzteren kom- 
men 1.3 auch im Eocän, 6 sogar nur im Eocän vor, nämlich: 

Dryophylluni Dewalquei Sap. et Mar., 
Cinnamomum sezannense Wat., 
Dwphnogene veronensis Mass., 

» elegans Wat., 

Laurus excellens Wat. und 
Ceratoiietalu'in myricinum Lah. 

Von diesen haben Daphnogene veronensis und Laurus 
excellens^ weil ihre Bestimmung unsicher ist, keine Bedeutung. 
Dagegen sind Daflinogene elegans und das zu den häufigsten 
Blättern von Skopau gehörende Dryoijliyllum Deiv alquei cha- 
rakteristische, eocäne Typen. An eocäne Arten schliessen sich 
ferner i<'t CMS Giebeli Heer und Actinodaphne Germari Hr. sp. 
an, von denen letztere Art in dem jüngeren Tertiär, ausgenommen 
in Amerika, kein einziges Analogon aufzuweisen hat. 

17* 



278 Rückblick. [436] 

Für die Provinz Sachsen sind neu: 

1. Chamaerops heloetica Heer und Phoenicites borealis n. sp., 
vom Nordrande des Harzes (Nachterstedt) stammend, 
nach unserer heutigen Kenntniss der fossilen Pflanzen 
die nördlichsten Tertiärpalmen der Erde, 

2. Quercus nerüfolia AI. Br., 

3. Cinnamomum sezannense Wat., 

4. Daphnogene elegans Wat., 

5. Laurus esocellens Wat., 

6. Elaeocarpus Albrechti Heer. 

Von den auch im Oligocan und Miocän vorkommenden Arten 
beginnen 7 schon im Eocän, je 3 im unteren und oberen Oligocan, 
und nur je eine im mittleren Oligocan und im Unter -Miocän. 
Letztere, Chamaerops Helvetica }^Qer^ gehört aber nicht zu den 
typischen Repräsentanten einer Miocänflora, und es v^erden spätere 
Funde das Vorkommen dieser Art auch in den jüngeren Oligocän- 
ablagerungen nachweisen. 

Die häufigsten Pflanzen von Skopau sind Apocynophyllum 
neriifolium Heer, Sterculia labruscaXJng. und Dryophyllum 
Dewalquei Sap. et Mar. Die ÜNGER'sche Art ist ein Haupt- 
bildner der Kohle von Trotha, Dryophyllum Deivalquei ein an 
Individuenzahl hervorragender Bestandtheil der Flora von Gelinden. 

2. Stedten. 

Obgleich dieser Fundort früher zahlreiche Pflanzenreste ge- 
liefert hat, konnten nur 16 Arten beschrieben werden. Ausser der 
weit verbreiteten smunda lignitv,mi Gieb. sp. und der auch 
im Tertiär Grönlands und Nordamerikas vorkommenden Se(/«<oz'a 
Couttsiae Heer sind schon im Eocän auftretende Arten nicht 
bekannt geworden. Die übrigen, bis ins obere Miocän hinauf- 
reichenden Arten beginnen sämmtlich schon im Oligocan. 
Zu den häufigsten Pflanzen gehören: 

Quercus furcineruis ßossm. sp., 

Cmnamomum lanceolatwni üng. sp., 

Phyllites reticulosus Rossm. und 

Osmunda lignituni Gieb. sp. 



[437] Rückblick. 279 

3. Bornstedt. 

Diese Flora ist bis jetzt die artenreichste der Provinz. Von 
den ca. 49 Arten wurden 12 auch an anderen Orten der Provinz 
beobachtet und sind 26 weiter verbreitet. 13 Arten kommen auch 
im Eocän vor, darunter charakteristische Formen, wie 
Asplenium Wegmanni Brgt., 

» subcretaceimi Sap., 

Lygodium Kaulfussi Heer, 
Ficus crenulata Sap. und 
Anacardites curta Wat. sp.; 

7 Arten schliessen sich eng an eocäne Arten an, unter ihnen : 
Laurus mucaefolia nov. spec, 
Actinodaphne Germari Heer sp., 
Bombax Decheni Web. sp. und 
Zizyphus Leuschneri nov. spec. 

Von den weiter verbreiteten Arten beginnen 5 schon im 
Eocän, 7 im Unter- Oligocän, 4 im Mittel- und Ober-Oligocän 
und nur eine, Bombax Neptuni Ung. sp., tritt erst im Unter- 
Miocän auf. Von den dem Fundorte eigenthümhchen Arten 
schliesst sich die überwiegende Mehrzahl an eocäne und oligooäne 
Typen an. 

Die grösste Zahl der Blätter haben geliefert: 

Sequöia Couttsiae Heer, 

Quercus Sprengeli Heer, 

Ficus crenulata Sap., 

die Gattungen Cinnamoinum und Litsaea, 

Actinodaphne Germari Heer sp., 

Apocynophyllum helveticum Heer und 

Aralia Weissii nov. spec. 
Que rcus Sprengeli spielt hier dieselbe Rolle wie Quercus furci- 
nervis Rossm. sp. in Stedten, Dryophyllum Deivalquei Sap. et Mar. 
in Skopau und , wahrscheinlich die kleinblättrige Quercus inteivnedia 
in Dörstewitz. Apocynophyllum helveticum vertritt das bei 
Skopau häufig vorkommende Ap>ocynophylhcm neriifolium. Das 



280 Rückblick. [438] 

massenhafte Auftreten von Ficus crenulata Sap. , einer bisher 
nur von Sezanne bekannt gewordenen Art, Actinodaphne Germari 
Heer sp. und der interessanten Aralia Weissii nov. spec. gehört zu 
den hervorragendsten Eigenthümlichkeiten der Bornstedter Flora. 



4. Eisleben. 

Die Flora des Segengottesschachtes und der Grube »Schwarze 
Minna« weicht von allen übrigen Floren der Provinz durch das 
auftauende Vorherrschen kleiner Blätter mit meist gezahntem oder 
gesägtem Rande ab. Von den ca. 38 Arten kommen nur 6 auch 
an anderen Orten der Provinz vor, nämlich : 

Osmunda Kgnitum Gieb. sp., 

Myrica angustata Schimp., 

Cinnamomum Scheuchseri Heer, 

Dryandra saxonica nov. spec, 

Ceratopetalum myricinum Lah. und 

Zizyphtts Leuschneri nov. spec. 
Von diesen sind nur Dryandra saxonica und Zizyphus Leuschneri 
durch grosse Individuenzahl ausgezeichnet. Nur 8 Arten sind über 
die Provinz hinaus -verbreitet, nämlich ausser den 3 erstgenannten 
und dem Ceratopetahim myricinum Lah. noch 

Banksia longifolia Ung. sp., 

SymploGos Bicreauana Sap., 

Aralia spinulosa Lah. und 

Weinmannia paradisiaca Ett. 
Von diesen kommen nur 2, CeratopetalUm myricinum Lah. und Sym- 
plocos Bureauana Sap., im Eocän vor, 2 andere, Osmunda lignitum 
Gieb. sp. und Cinnamomum^ Scheuchzeri Heer, reichen vom Eocän 
bis ins Miocän, die übrigen 4 beginnen bereits im Unter-Oligouän. 
Die Blätter von Planer a UngeriEtt. sind noch sehr zweifelhaft. 
Von den der Eislebener Flora eigenthümlichen Arten besitzen 
einige nahe Beziehungen zu untermiocänen, eine grössere Anzahl 
zu oligocänen und eocänen Arten. Gleichenia subcrctaceu 



[439] Rückblick. 281 

nov. spec. besitzt ausser in der Lebewelt nur noch in der oberen 
Kreide von Aachen ein nahes Analogen, und Proteophyllum 
bipinnatum nov. spec. scheint einem erloschenen Typus anzu- 
gehören, welcher bisher nur aus der oberen Kreide bekannt war. 
Eine grosse Anzahl von Gattungen ist für das Tertiär neu: 
Hijpolepis^ Polypodmm typ. Prosaptia, Nephrodium typ. syrmaticum, 
Gleichenia typ. flabellata Br., Cannahis, Boehmeria, Proteophyllum, 
Clerodendron , Styraw, Passiflora, Xanthoceras und Myrcia. 

Durch eine grosse Zahl von Blatt- und Blüthenresten zeichnen 
sich aus: 

Dryandra saxonica nov. spec, 

Boehmeria excelsaefolia nov. spec, 

Zizyphus Leuschneri nov. spec, 

Gleichenia saxonica nov. spec, 

Symplocos Bureauana Sap., 

Panax longifolia nov. spec. und 

Celastrineen. 
Von diesen sind Dryandra saxonica und Zizyphus Leuschneri, 
aber nur in winzigen Blattresten , auch bei Dörstewitz und Born- 
stedt beobachtet worden. Symplocos Bureauana Sap. kommt auch 
bei Sezanne vor. Die Gattung Boe]imeria ist für das Tertiär neu. 
Oleichenia saxonica gehört hier zu den häufigsten Erscheinungen, 
analog der nahverwandten Gleichenia Flantonensis Wakl. sp. im 
Mittel -Eocän von Bournemouth. 



5. Riestedt. 

Von den 3 sicher bestimmbaren Arten sind 2, Carya ventri- 
cosa Stbg. sp. und Anona cacaoides Zenk. sp., vom ünter- 
Oligöcän an bis ins obere Tertiär verbreitet. Dagegen gehört 
Dryophyllum curticellense Wat. sp. einem dem Oligocän und 
Miocän ganz fremden Typus an, welcher bisher nur aus der Flora 
von Gelinden und dem Eocän des Pariser Beckens bekannt war. 



282 Rückblick. [440] 

6. Dörstewitz. 

Das an gut erhaltenen Pflanzenresten sehr reiche Unterflötz 
wird bei späterer Durchsuchung eine grosse Menge werthvoller 
Blätter und Früchte liefern. Vorläufig konnten nur ]6 Arten be- 
schrieben werden, von denen 9 dem Fundorte eigenthümlich sind, 
5 auch an anderen Orten der Provinz beobachtet wurden und 5 
eine grössere Verbreitung besitzen. Die mit anderen Orten der 
Provinz gemeinsamen Arten sind : 

Pteris 'parschlugiana Ung., 

Myrica angustata Schimp., 

Cinnamomum lanceolatum Ung. sp., 

Actinodaphne Germari Heer sp. und 

Dryandra saxonica nov. speo. 
Alle diese Arten lieferten nur winzige Blattbruchstücke. Eine 
weitere Verbreitung besitzt ausser den drei erstgenannten noch 

Comptonia rotundata Wat. und 

das zweifelhafte Nerium repertum Sap. 
Eine Art, Comptonia rotundata, gehört dem Eocän an, 2 sind 
oligocän und 2 vom Oligocän bis ins Miocän verbreitet. 

Von den neueren Arten schliessen sich 2 an eocäne Typen 
an, nämlich Cunonia formosa an Celastrophyllum repandum 
Sap. et Mar. et äff. von Gelinden und Quercu« intermedia 
an den Typus von Dryophyllum. 

Zu den häufigsten Pflanzen gehören Cunonia formosa n. sp., 
Laurineen, deren Blattstücke und Früchte bis jetzt nicht be- 
stimmbar waren, und Pinus vom Typus Pinaster. 



7. Trotha. 

Die Kohle des Unterflötzes ist stellenweise ausserordentlich 
reich an Blattresten. Von den 7 beschriebenen Arten kommt nur 
eine, Sterculia labrusca Ung., auch an anderen Orten der Pro- 
vinz vor, und ausser dieser hat nur noch die zweifelhafte St er- 



[441] Rückblick. 283 

culia laurina Ett. eine grössere Verbreitung. Alle Blätter sind 
ganzrandig und erinnern durch ihre Grösse und die lederartige 
Beschaffenheit am meisten an die Flora von Bornstedt. Von den 
neuen Arten verdienen besonderes Interesse eine Passiflore, Passi- 
flora Hauchecornei n. sp. mit dick -lederartigen Blättern nach 
Art der lebenden Pass. racemosa und ein Machaerium, Mach. 
Kahlenber gi, bei welchem die Secundärnerven von den Tertiär- 
nerven unter sehr spitzem Winkel durchkreuzt werden. 

Die häufigste Pflanze scheint Ster culia labrusca Ung. zu 
sein, deren gut erhaltene, breitlappige Blätter ganze Schichten fast 
ausschliesslich zusammensetzen. Eine hervorragende Rolle spielen 
ferner Laurineenblätter, deren Bruchstücke jedoch noch keine 
sichere Bestimmung zuliessen. 

8. Runthal bei Weisseiifels. 

Von den 8 Arten, welche schon Heer beschrieben hat, sind 
6 in der Provinz und ebenso viele über die Grenzen derselben 
hinaus verbreitet. Durch das häufige Vorkommen von Quercus 
furciner ois Rossm. sp. und Phyllites reticulosus Rossm., 
sowie durch Osmunda lig nitum Gieb. sp. schliesst sich diese 
Flora am besten an die von Stedteu an. 

Eine Art, C eratopetalum myricinu^n Lah., kommt sonst 
nur im Eocän vor, die übrigen Arten beginnen im Oligocän. 

Die durch die Häufigkeit ihres Auftretens ausgezeichneten 
Pflanzen der 8 beschriebenen Localfloren sind in der folgenden 
Tabelle nochmals zusammengrestellt. 



284 



Rückblick. 



[442] 





Skopau 
(Knollenstein) 


Stedten 


Bornstedt 


Filices 


- 


Osmunda lignitmn Gieb. sp. 


- 


Coniferae 


- 


- 


Sequoia Couttsiae Heer 


Cupuliferae 


Dryoplii/Hum Dewalqiiei 
Sap. et Mar. 


Quercus furcinervis 
Rossm. sp. 


Quercus Sprengeli Heer 


Urticaceae 


- 


- 


- 


Moreae 


- 


- 


Ficus crenulata Sap. 


Laurineae 


- 


Cinnamomum lanceolatum 
Ung. sp. 


iCinnamomum u. Ldtsaea, 
(.Actinodaphne Germari. 
( Heer sp. 


Proteaceae 


- 


- 


- 


Apocyneae 


Apocynophyllum nerii- 
folimn Heer 


- 


Apocynophyllum lielüeticum 
Heer 


Styraceae 


- 


- 


- 


Araliaceae 


- 


- 


Aralia Weissü n. sp. 


Sterculiaceae .... 


Sterculia labrusca Ung. 


- 


- 


Saxifragaceae . . . 


- 


- 


" 


Celastrineae 


- 


- 




Rkamneae 


- 


- 




Unbestimmbar der ) 
Gattung nach ) 


- 


Phyltites reticulosus 
Rossm. 


, 



[443] 



Rückblick. 



285 



Eisleben 


Riestedt 


Dörstewitz 


Trotha 


Runthal bei 
Weissenfeis 


Gkickenia saxonica 


_ 


_ 


_ 





n. sp. 










- 




PmMstyp. PinasterL. 


- 


- 


- 


? Drijophyllum cur- 
ticellense Wat. sp. 


- 


- 


Quercus furcinervis 
Rossm. sp. 


Boehmeria excelsae- 
folia n. sp. 


— 


— 


— 


— 


- 


- 


Laurus sp. 


Laurus sp. 


- 


Dryandra saxonica 
n. sp. 


- 


- 


- 


- 


Symplocos Bu- 
reauana Sap. 


- 


- 


- 


- 


Panax longifolium 














n. sp. 










- 


- 


- 


Sterculia labrusca 
Ung. 


- 


- 


- 


Cunonia formosa 
n. sp. 


- 


- 


Celastrus 


- 




^ - 


- 


Zizijp/nts Leuschneri 




_ 




_ 


n. sp. 










- 


- 


- 


- 


Phyllites reticulosus 
Rossm. 



286 



Rückblick. 



[444] 



Die ca. 58 Arten, welche die Provinz Sachsen mit anderen 
Gebieten gemeinsam hat, vertheilen sich nach den hervorragenden 
Fundorten folgendermaassen. Es iiommen auf 



Eocän 



Oliaocän 



Unter-; Mittel- Ober- 



Miocän 



Unter- Mittel- Ober 



Plio- 



Summa 



Samland und Rixliöft 

Wetterau 

Niederrhein. Becken . 
Böhmen 



Osterreich (excl. Böhmen) mit 
Ungarn, Siebenbürgen und 
Galizien 



Sotzka . 
Schweiz 



Nordfrankreich und Belgien 
(Paris, Sezanne, Sarthethal, 
Gelinden) 

Südfrankreich 

England 

Itahen 

Nordamerika 

Arkt. Zone und Mandschurei 



10 



Auf die Familien und Gattungen (die Anzahl der Kreuze 
bezeichnet die Anzahl der Arten) vertheilen sich die beschriebe- 
nen Pflanzen folgendermaassen. 



[445] 



Rückblick. 



287 



I. Thailophyta. 

Plmcidium 

II. FIlIces. 

PolypodiuiH 

Pteris 

Asplenium 

Aspidnmi(?) 

Oleandra 

Nephrodiuiri 

Hypolepü 

Gleichenia 

Osmunda 

Lygodium 

Aneimia(^) 

Summa 

ill. Gymnospermae. 

Sequoia 

Pinus 

Genus incert 

Summa 

IV. Angiospermae. 

a. Jloiioiotyledoiies. 

Gramineae 

Smilaceae 

Puhnae, 1. Sabal 

2. Chamaerops 

3. Phoenicites 

4. Genera incerta 

Summa 



XXX 
XX 



X 
X 

XX 
X 



XX 



1 18 



XX 



XX 

X 
X 
X 
X 



XX 



XX 



XX 



288 



Rückblick. 



[446] 



b. Dicotyledones. 

1. Apetalae. 

Myricaceae 

Ctipvliferae, 

1. Quercus 

2. Dryophyllum 

Juglandeae. Jnglans und Carya . . 

Cannahineae, Cannabis 

Urticaceae, Boehneria 

Moreae, Ficus 

Laurineae, 1. Cinncvmomum 

2. Litsaea 

3. Phoebe 

4. Actinodaphne . . . . 

5. Daphnogene 

6. Lauras und Persea . 
Summa der Laurineae 

Thymeleae^ Pimelea 

Proteaceae, 1. Dryandra 

2. Banksia 

3. Stenocarpus 

4. Hakea 

5. Grevillea 

6'. Proteophyllwm .... 

7. Persoonia 

S. Dryandroides .... 
Summa der Proteaceae 



XX 

X 
X 



XX 
XXX 



X ■ 

XX 

xxxx 

10 

x 



XXX 
X 



XX 

XXX 
X 
X 



XX 

XXX 

XX 

X 

X 

XXXX 
u 



XX 
X 



XX 

2 ! 



Summa der Apetalae 



[447] 



Rückblick. 



289 





i 

o 


1 


1 

a 
o 


g 
'S 

1 




1 

1 

Q 


Ca 


2 

1 


03 

g 


2. Gamopetalae. 

Oleaceae, 1. Fraxiniis 

2. Noteiaea 

Verbenaceae, Clerodendron 

Apoc-yneae, Nerium und Apocyno- 


X 

X 
X 
X 
X 


X 
X 


X 
.X 


X 
XX 

xxxx 




1. 

X 

i ■ 




X 


1 
1 

2 
3 




3 


Sapotaceae, Sapotacites 

Ebenaceae, Diospyros 

Styraceae, Symplocos und Styrax . 


1 
1 

4 


Summa der Gamopetalae 


5 


2 


2 7 




1 




1 


16 


3. Eleutheropetalae. 
Araliaceae, Panax und Aralia . . . 
Saxifragaceae . 1. Ounonia 

2. Ceratopetalum . . 

3. Callicoma .... 

4. Weinmannia . . . 

Ampelideae, Oissus 

Nymphaeaceae, Nymphaea 

Papaveraceae, Papaverites 


X 

X 
X 


X 




X 

X 
X 
X 
X 

X 

XXX 


xx 

> 
> 

> 
> 
> 


x 






X 




■ 

XX 
X 


X 




4 

1 
1 
1 

1 
1 
1 
1 
1 


Pittosporeae, Pittosporum 

Sterculiaceae, Sterculia 

Eleaeocarpeae, Elaeocarpus .... 

Bombaceae., Bombax 

Passifloreae, Passiflora 

Sapindaceae, Xanthoceras 

Ilicineae, Hex 


1 

3 

1 

3 

2 

1 
1 



290 



Rückblick. 



[448] 



! 
i 


K. 










^ 


n^ 








-d 


£ 


S-i 




« 


f-1 


H 



Celastrineae. Celasiriis 

Rhamneae, Zizyphus 

Anacardiaceae, Anacardites . . 

Anonaceae, Anona 

Myrtaceae 

Papüionaceae, 1. Dalbergia . 
2. Machaerium 
S. Legmninosites 



XXX 



xxxxx 

XX 



Summa der Eletit/ieropetalae 



-' 


.0 

c 


1 


1 


o 
'S 
p3 




■■o 
Q 


c3 


's 
1 


a 
s 




1 
1 


4 
2 


7 
2 


6 
1 


1 


2 
1. 


- 


1 


17 






JII. Angiospermae , 




















a. Monocotyledones 


6 


2 


4 


— 


— 


— ■ 


— 


1 


11 


b. Dicotykdones, 




















']. Apetalae ■ 


19 


5 


21 


9 


2 


8 


2 


2 


55 


2. Gamopetalae .... 


5 


2 


2 


7 


— 


1 


— 


1 


16 


S. Eteutheropetalae . . 


7 


1 


13 


17 


,1 


4 


5 


3 


45 




39 

1 


IG 


49 


40 


4 


16 


7 


8 


149 



[449] Rückblick. 291 

Die Farnkräuter spielen nur bei Bornstedt und Eisleben 
eine hervorragende Rolle. Die Gymnospermen und Monocotyle- 
donen treten überall durch Artenarmuth zurück , ebenso die 
Ganiopetalen, deren 16 Arten noch dazu einen geringen An- 
spruch auf Sicherheit der Bestimmung machen. Die Mehrzahl 
der Arten gehört in der Flora von Eisleben zur Abtheilung 
der Eleutheropetalen , in den übrigen Lokalfloren zu der der 
Apetalen. 

In der folgenden Tabelle sind diejenigen Arten, deren 
Gattungsbestimmang am meisten gesichert ist, nochmals über- 
sichtlich zusammengestellt, um ein klares Bild über die geo- 
graphische Verbreitung der Gattung oder des verwandten Arten- 
kreises in der Gegenwart zu geben. 



18 



292 



Rückblick. 



[450] 



Name der Art 



Tropen u. wärmere 

gemässigte Zonen 

der alten u. neuen 

Welt 



Tropen und 
wärmere 
gemässigte 
Zonen der 
alten Welt 



Tropisches 

Asien, 

Monsungebiet 

bis pazif. 

Inseln 



Monsungebiet 



Polypodimn oligocaeniciiia nov. sp. 

Pteris parschlugiana üng. j 

» Prestwichü £tt. et Gardn. 1 

Oleandra angustifoüa nov. sp. . 

Hypokpis elegans nov. sp. . . . 



Oleiehema saxonica nov. sp. 



» subcretacea nov. sp. 

Osmunda lignitimi Gieb. sp. . 
Lygodium Kaulfussi Heer . . . 

» serratum nov. sp. . 



Sequoia Couttsiae Heer 



» Langsdorßi Brgt. sp. 

Smilax cardiophylla Heer j 
» saxonica nov. sp. i 

Sabal haeringiana Ung. sp. ) 
» major Ung. sp. \ 

Chamaerops hehetica Heer . . 

Phoenicites borealis nov. sp. . 

Comptonia rotwndata Wat. sp. 

Quercus neriifolia AI. Br. . . 

» subfahata nov. sp. 

Ifurcinervis Rossm. sp 
1 Sprengen Heer, 
j intermedia nov. sp. 
\ pasanioides nov. sp. 

DryophyUwm Dewalquei S. et M, 
» curticelleme Wat. sp. 

Carya ventricosa Stbg. sp. . . . 

Cannabis oiigocaeiiica nov. sp. . 

linelniieria excekae/otia nov. sp. 

Ficus crenulata Sap 

Ficus tUiaefolia AI. Br. sp. . . 



Pteris 

Oleandra 

Hypolepis typ. repens 
Presl 

Gleichenia typ. 
dichotoma Hook. 

Ol. typ. ßabellata Br. 



Sect. Eulygodium 



Smilax 



Chamaerops 
Phoenix 



Jloelmiena 



Sect. Pro- 
saptia, 



0. javanica Bl. 



Qua-rus Sect. 

P„.-.,„n„. Ch/a- 
iin/,lu/„i/„,iiis, 
Cyclubaliiiiiis 



Cannabis 



Ficus iilha Keinw. 

» «;//.«/»/,/ Mlq., 

»dasyphyllaliiq. 

et äff. 



[451] 



Rückblick. 



293 



Nördliche 

gemässigte 

Zone 


Neuholland 

u. australische 

Inseln 


Cap 


Tropisches 

Amerika 

und wärmeres 

Nordamerika 


Gemässigtes 
Nordamerika 


Californien 


- 


- 





- 


Lyg. palmatmn Sw. 


- 


- 


- 


- - 


- 


- 


iSequoia 

1 sempervirens Lam. 

( gigantea Lindl. 


'_ 


~ 


: 




l 


S. sempervirens Lam. 


- ' 


- 


- 


Sabal 


- 


- 


_ 





_ 










- 


- 


- 


— 


Comptonia 


— 


— 


— 


— 


— 


Quercus typ. imbri- 
caria Michx. 


— 










Quercus typ. falcata 
Michx. 




- 


- 


- 


- 


C'ari/a 


- 


r - 


- 


- 


- 


- 


- 



18* 



294 



Rückblick. 



[452] 



Name der Art 


Tropen u. wärmere 

gemässigte Zonen 

der alten u. neuen 

Welt 


Tropen und 
wärmere 
gemässigte 
Zonen der 
alten Welt 


Tropisches 

Asien, 

Monsungebiet 

bis pazif. 

Inseln 


Monsungebiet 


Cinnamomum, 4 Speoies 


— 


— 


— 


Cinnamomum 


Litsaea, 2 Speoies, und ) 
Daphnogene elegans Wat. ) 


- 


- 


Litsaea 


- 


Actinodaphne Germari Heer sp. . 


— 


— 


— 


Actinodaphne 


Dryandra saxonica nov. sp 


— 


— 


— 


- 


Banksia longifolia ÜDg. sp 


- 


— 


- 


- 


Stenoearpus salignoides nov. sp. . . 


— 


— 


— 


- 


Hakea Germari Ett. und i 










» parvifolia nov. sp. ! 










Grevillea nervosa Heer 


— 


— 


— 


— 


Persoonia parvifolia nov. sp. ... 


— . 


— 


— 


— 


Fraxinus saxonica nov. sp 


— 


— 


— 


— 


Diospyros vetusta Heer 




Diospyros 
typ. macro- 
calyx DeC. 






Symplocos, 2 Speoies 


— 


— 


— 


Symplocos 
Seet. Hopea 


Styrax Fritschü nov. sp 


Styrax 


- 


- 


- 


( longifolium nov. sp. 1 
Panax ," i • ■ 
( laüfohmii nov. sp. ) 


- 


- 


Panax 


- 


Aratia Weissii nov. sp 


- 


— 


Aratia, 
Seet. Travesia 


— 


Cunonia formosa nov. sp 


- 


- 


- 


- 


Ceratopetalum myricinum Lah. . . . 


- 


- 


- 


- 


C'issm parvifolia nov. sp 


Cissiis 


— 


— 


- 


Nymphaeites saxonica nov. sp. . . . 


Nympliaea 


- 


- 


- 


Kiggelaria oUgocaenica nov. sp. . . 


- 


- 


— 


— 


Pittosporum stedtensis nov. sp. . . . 


- 


- 


Pittosporum 


- 


Sterculia labrusca Ung 


Sterculia 


— 


— 


— 


Bumbax Decheni Web. sp 


- 


- 


-. 


- 


» chorisioides nov. sp. ... 


— 


— 


— 


— 


l tenuiloba nov. sp. ; 










Passiflora \ . 5 
( Hauchecornei nov. sp. ) 


— 


~ 


~ 


~ 


Xanthoceras antiqua nov. sp. ... 


— 


— 


- ■ 


Xanthoceras 


Leusc/meri nov. sp. i 
Zizyplius 

parvifolius nov. sp. ) 


Zizyplius 


- 


- 


- 


Anacardites curia Wat. sp 


— 


— 


— 


— ' 


Macliaerimn Kahlcnbergi nov. sp. . . 


- 


— 


— 


— 



[453] 



Rückblick. 



295 



Nördliche 

gemässigte 

Zone 


Neuholland 

u. australische 

Inseln 


Cap 


Tropisches 

Amerika 

und wärmeres 

Nordamerika 


Gemässigtes 
Nordamerika 


Californien 


- 


- 


- 




- 


- 


- 


Dryandra 


- 


- 


- 


- 


— 


Banksia 


— 


— 


— 


— 


- 


Stenocarpus 


- 


- 


- 


- 


- 


Hakea 


- 


- 


- 


- 


_ 


Grevillea 





_ 


_ 


_ 


— 


Persoonia 


— 


— 


— 


— 


Fraxinus 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


Oreopanax 


- 


- 


— 


— 


Ounonia 


— 


— - 


— 


— 


Ceratopetalum 


Platylophus 


: 


— 


— 


- 


- 


Kiggelaria 


- 


- 


- 


— 


— 


— 


iOchroma u. 
( Oieirostemmn 


— 


— 


- 


- 


- 


Chorisia 


- 


- 


— 


— 


— 


Passiflora 

/ 


— 





f 


— 


— 


Comoeladia 


— 


— 




- 


- 


Machaerium 


- 


— 



296 Rückblick. [454] 

Die geographische Verbreitung der lebenden Gattungen und 
Typen, zu denen die eben aufgezählten 70 fossilen Arten gehören, 
ist folgende. Es kommen auf 

1. die Tropen und wärmeren ] 

gemässisten Zonen der alten f 

* , ,n^ ,, , „ ) Alte u. neue Welt 14 

und neuen Welt .... 13 l 

2. die nördlich gemässigte Zone 1 / 

3. die Tropen und wärmeren \ 
gemässigten Zonen der alten j 
Welt 3 i 

4. das tropische Asien, Monsun- [Alte Welt mit i 

gebiet und die Pazifischen \ Australien [ 

, \ 27 

Inseln . I14. ^^°*^ ^^^^ Pazif. 1 

5. das Monsungebiet ... 9 ' [ Inseln 

6. Neu-Holland und die austra- 
lischen Inseln 7 

7. die Caplande 3 

8. das tropische Amerika . . 8 j 

9. das gemässigte Nordamerika 5 \ Amerika . . . .15 
10. Californien 2 1 

Die Hälfte der in unserer Flora sicher nachgewiesenen Gat- 
tungen und Typen kommt in der alten Welt nebst Australien und 
den Pazifischen Inseln vor, etwa 1/4 gehört der alten und der 
neuen Welt zugleich an und nur 1/4 ist für Amerika charakte- 
ristisch. Nur eine einzige Gattung, Frawinus^ gehört der ganzen 
nördlich gemässigten Zone an. Sehen wir von den über die alte und 
neue Welt verbreiteten Gattungen ab, so ist das süd- und ost- 
asiatisclie Monsungebiet, mit Einschluss der Pazifischen Inseln, mit 
14 Gattungen und Typen am meisten vertreten. Das Festland 
Australien und die australischen Inseln treten mit 7 Gattungen 
sehr zurück. Zwei fossile Arten haben gleich nahe Beziehungen 
zu räumlich weit getrennten Gattungen, nämlich: 

Geratoi^ etalutn myricinum Lah. zu Platylojihus (Cap) 
und Ceratopetalum (Neu- 
holland) und 



[455] Rückblick. 297 

Aralia Weissii nov. sp. zu Travesia (trop. Asien und 
Pazifische Inseln) und Oreopanax (trop. 
Amerika). 



Fassen wir in kurzen Zügen das Vorstehende zusammen, so 
müssen wir das Folgende als sein Hauptergebniss bezeichnen. 

Wir haben hier zwei verschiedenartige Florengebiete vor uns, 
das von Eisleben auf der einen und die der übrigen Localitäten 
zusammengenommen auf der anderen Seite. Während letztere in 
dem Vorherrschen grosser, ganzrandiger Blätter und dem 
beträchtlichen Antheile von Äpetalen, sowie in dem Vorhandensein 
gleicher oder nah verwandter Arten aus der Familie der Cupuli- 
feren und Laurineen und den Gattungen Ficus, Sequoia, Apocyno- 
phyllu'in und Sterculia mit einander übereinstimmen, besitzt die 
Flora von Eisleben einen gänzlich abweichenden Charakter. Die 
Hauptbildner der letzteren sind Pflanzen mit kleinen, am Rande 
gesägten oder gezähnelten Blättern. Die Cupuliferen, 
Sequoien, Feigen, Apocyneen und Sterculien fehlen gänzlich, und 
von Laurineen konnte nur ein zweifelhafter, vorläufig mit Cinna- 
momum Scheuchzeri Heer vereinigter Blattrest (Taf. 21, Fig. 15) 
beobachtet werden. Im Gegensatz zu den Äpetalen treten die 
Eleutheropetalen in den Vordergrund. 

Trotz dieser Verschiedenheiten sind beiden Floren zwei charak- 
teristische Züge gemeinsam, welche für die Beurtheilung ihres Alters 
von hervorragendem Werthe sind: 

1. der Mangel an Arten, deren lebende Analoga 
auf die nördlich gemässigte Zone beschränkt 
sind, 

2. die nahen Beziehungen zu eocänen Floren und 
zu Florenelementen der oberen Kreide. 

1. Die für das Miocän Europas charakteristischen Blätter von 
Fagus, Carpinus, Corylus, Uhnus, Betula, Ahius, Acer u. a. m. 
scheinen in dem Tertiär der Provinz Sachsen gänzlich zu fehlen. 



298 Rtxckblick. [456] 

Die Blättchen auf Taf. 26, Fig. 2 — 3, welche mit den kleineren 
Blättern von Planera üngeri Ett. übereinstimmen, sind noch mit 
grosser Vorsicht aufzunehmen, da das reiche Material ans dem 
Segengottesschachte bei Eisleben keine Spur eines grösseren, für 
diese Art bezeichnenden Blattes geliefert hat. Vertreter A'on Gat- 
tungen der nördlich gemässigten Zone sind nur: 

Fraxinus saxonica n. sp., 

Coniptonia rotundata Wat. sp., 

Carya ventricosa Brgt. sp., 

Quercus neriifolia AI. Br., 
» subfalcata n. sp. und 

Lygodium Kaulfussi Heer. 
Von diesen kommt nur eine Gattung, Fraxinus, jetzt in 
der alten Welt vor; Comptonia, Carya und Lygodium, sowie die 
verwandten Typen der beiden fossilen Eichen, sind auf das ge- 
mässigte Nordamerika beschränkt und reichen im Süden in das 
Gebiet mit tropenartigen Regen hinein. 

2. Die etwa 58 Arten, welche die Provinz Sachsen mit an- 
deren Tertiärfloren gemeinsam hatj reichen zum Theil in das Miocän 
hinein, 3 sogar, 

Sequoia hangsdorfii Brgt. sp., 

Ficus tüiaefolia AI. Br. sp. und 

Carya ventricosa Brgt. sp., 

in das Pliocän, aber keine einzige Art gehört sonst nur dem 
Pliocän an oder beginnt erst im Mittel- oder Ober- Miocän. Nur 
2 Arten treten erst im Ünter-Miocän auf, Chamaerops helve- 
tica Heer und Bombax Neptuni Uug. sp., welche jedoch nicht 
als miocäne Typen gelten können und durch künftige Funde auch 
noch im Mittel- und Ober-Oligocän nachgewiesen werden dürften, 
ungefähr der vierte Theil der sämmtlichen Arten tritt schon 
im Mittel- und Ober-Oligocän auf, fast der dritte Theil im 
Unter -Oligocän, die Hälfte bereits im Eocän, und ein Drittel der 
Gesammtflora ist andernorts sogar ganz auf das Eocän beschränkt. 
Mag zu den letzteren auch manche schlecht abzugrenzende Art 
gezogen worden sein, so bleibt doch eine Anzahl charakteristischer 



[457] Rückblick. 299 

Arten übrig, welche, dem jüngeren Tertiär fremd, schon in der 
Kreide erscheinenden und im Eocän erlöschenden Typen angehören. 
Blätter wie die von Dryophyllum Deivalquei Sap. et Mar. und 
curticellense Wat. sp. sind bis auf die ähnlichen Formen von 
Myrica aemula Crie aus dem Sarthethale dem ganzen euro- 
päischen Tertiär vom Unteroligocän an fremd, dagegen häufig 
im unteren Eocän des Pariser Beckens und in der oberen Kreide. 
Unsere Gleichenia saxonica vom Segengottesschachte schliesst 
sich unmittelbar an die einzige bisher bekannte tertiäre Gleichenie, 
Gl. Hantonensis Wat. sp., aus dem Eocän von Bournemouth 
an und wird sich vielleicht später mit ihr vereinigen lassen. Unsere 
zweite Gleichetiie, Gl. subcretacea, stimmt bis auf geringfügige 
Abweichungen mit Pteridoleimma Koninckianum Deb. et Ett. 
aus der oberen Kreide von Aachen überein. Der Typus Proteo- 
phyllum, welcher bis jetzt nur aus der oberen Kreide bekannt 
war {Convptonites antiquus Nils.) , scheint in der Jetztwelt gänz- 
lich zu fehlen. 

Fällt sonach das Hauptgewicht der Artenzahl auf das Eocän 
und Unter - Oligocän, so ist damit die beste Uebereinstimmung der 
Ergebnisse der stratigraphischen und floristischen Untersuchungen 
gegeben. Durch die Fülle des beobachteten Materiales wird ferner 
der kühne Versuch Stur's, auf Grund petrographischer Merkmale 
und weniger unzuverlässiger Pflanzenbestimmungen die Tertiär- 
ablagerungen der Provinz Sachsen in ein höheres Niveau zu bringen 
(Jahrb. der K. K. geol. Reichsanst. Bd. 29, 1879, pag. 137), auf 
das richtige Maass seines zweifelhaften Werthes zurückgeführt. 



Alphabetisches Verzeichniss der Arten. 



Die fett gedruckten Seitenzahlen geben die Hauptbesohreibung an. 

Die cursiv gedruckten Namen und Seitenzahlen beziehen sich auf Synonyme. 



Acacia rigida Heer 207. 
Acer Beckeriamim Göpp. 105. 

» SotzManum Ung. 236. 
Acer trilobatum Stbg. sp. 250, 253, 257., 
Actinodaphne Germari Heer sp. 27, 58, 

119, 224. 
Alnus Kefersteinü Göpp. sp. 252. 
Amesoneurum plicatum Heer 14. 
Amyloxylon Huttonii 6. 
Anacardites curta Wat. sp. 148. 
Aneimia Kaulfussi Crie SO. 
Aneimia spec. 209. 

Aneimia subcretacea Ett. et Gardn. 77. 
Anona Altenburgensia Ung. 27S, 257. 
Anona cacaoides Zenker sp. 218, 254, 

255. 
Anona elliptica Ung. 21S. 
» MoHoti Ung. 218. 
Apooynophyllum cf. Nerium repertum 
Sap. 225. 
» helveticum Heer 129, 

258. 
» neriifolium Heer 33, 

61. 
Aralia spinulosa Sap. 189. 

» Weissii nov. spec. 131. 
Aristolochia Aesculapi Heer 258. 
Arundinites deperditus Heer sp. 14. 
Aruudo Goepperti Heer 249. 
Aspidium lignitum Heer 42. 
» Meyeri Ludw. 41, 



Aspidium. serrulatum Heer 7S. 
Aspidium spec, 46. 
Asplenium suhcretaceum Sap. 77. 
» Wegmanni Brgt. 76. 

Baccites cacaoides Zenker 218. 
Bambusium deperditam Heer 14. 
Banhsia curta Wat. 148. 
Banksia Deikeana Heer 253. 
Banhsia lobata Wat. 148. 
Banksia longifolia Ung. sp. 173. 
Banksites repertus Sap. 225. 
Benzoin irregularis Wat. 126. 
Betula Brongniarti Ett. 252, 255. 

» Salzhausensis Ung. 245, 246, 248. 
Betulininm Ung. 257. 
Blechnum Goepperti Ett. 257. 
Boehmeria excelsaefolia nov. spec. 167. 
Bombax chorisioides nov. spec. 144. 

» Decheni Web. sp. 142, 255. 

» Neptuni Ung. sp. 145. 
Bumelia bohemica Ett. 253. 

Callicoma minuta nov. spec. 192. 
Callistemophyllum Giebeli Heer 36, 243. 
Callitroxylon Aykei G. 
Calloxylon Hartigii 6. 
Camp/iora pohjmorplia Heer 112. 
Gampoxylon Hoedlianum 6. 
Gannabis oligocaenica nov. spec. 165. 
Carpinus grandis Ung. 249,- 252. 



[459] 



Alphabetisches Verzeichniss der Arten. 



301 



Carpolitlies Kaltoimordheimensis Zenker 
sp. 250. 
» Mittweidensis Engelh. 256. 

» nageoides Engelh. 254. 

Carpolitlies subcordatus Stbg. 215. 
Carya costata Stbg. sp. 254. 

» Heerü Ett. 35. 
Carya pusilla Ung. 215. 
Carya ventrioosa Stbg. sp. 214, 254, 

255, 257. 
Cassia phaseolites Ung. 251. 
» » Heer 152. 

» pseudoglandulosa Ett. 258. 
Castanea atavia Ung. 50. 
» eocenica Wat. 210. 
» Saportae Wat. 210. 
Caulinites dubius Heer 251. 
Ceanothus bilinicus Ung. 110. 

» laneeolatus Web. 60. 
Ceanothus polymorphus Aut. 12, HO, 

112. 
Calastrus Andromedae Ung. 243. 
» Dalongia nov. spec. 200. 
» elaenus Ung. 146. 
» ilicoides nov. spec. 198. 
» laneeolatus nov. spec. 197. 
» minutus nov. spec. 147. 
» parvifolius nov. spec. 199. 
» Persei Heer 151. 
» sparse-serratus nov. spec. 201. 
Ceratopetalum myricinum Lah. 34, 190, 

243. 
Chamaecyparites Hardtü 87, 88. 
Chamaerops helvetica Heer 14. 
Ckamaerops teutonica Ludw. 2i6. 
Chrysophyllum retioulosum Heer 57, 40. 
Cinnamomum Buchii Sap. 113. 

» camphoraefolium Sap. 113. 

» dubium Wat. 25. 

Cinnamomum lanceolatum Ung. sp. 12, 
58, 109, 223, 
250, 255. 
Cinnamomum lanceolatum Aut. 109. 

» ovale Sap. 113. 

Cinnamomum polymorphum Heer 40. 
» » Ett. 60. 

» » Al.Br. 112. 



Cinnamomum Rossmaessleri Heer 40, 41, 
253. 

» Scheuohzeri Heer 24, 40, 

109,169,250. 

» » Ett. 60. 

» » Engelh. 60. 

» sezannense Wat. 25. 

» spec. 251. 

Cissus Nimrodi Ett. 254. 

» parvifolia nov. spec. 135. 
Cistus Geinitzi Engelh. 254. 
Clerodendron latifolium nov. spec. 181. 

» serratifolium nov. sp. 181. 

Cluytia aglaiaefolia Web. et Wess. 257. 
Comptonia pedunculata Wat. 221. 
Comptonia rotundata Wat. 221. 
Cordia tiliaefolia Ung. 103. 
Credneria Beckeriana Göpp. lOi. 
Cunonia formosa nov. spec. 226. 
Oupania Neptuni Ung. Ii5. 
üupanites Neptuni Schimp. Ii5. 
Cupressinoxylon 251. 

» Protolarix Göpp. sp. 6. 

Cupressoxylon Protolarix Göpp. sp. 257. 
Cupressites Hardtü Göpp. 87 . 
» taxiformis Ung. 87. 

Malbergia oligooaenioa nov. spec. 231. 
» retusaefolia Heer 257. 

» spec. 257. 

Daphne persooniaeformis Web. et Wess. 

- 257. 
Daphnogene cinnamomeifoliaEtt. \'i,,113. 

» elegans Wat. 26. 

Daphnogene haeringiana Ett. 60. 

» lanceolata Aut. 58, 59. 

» pedunculata Wat. 25. 

. » polymorplia Ett. 60, 110, 

112. 
» sezannensis Sap. 25. 

Daphnogene spec. 223. 
Daphnogene transitoria Sap. 118. 
Daphnogene Ungeri Engelh. 60. 
» Heer 253. 
» veronensis Mass. 26. 

Diospyros brachysepala AI. Br. 40, 63, 
253, 255. 



302 



Alphabetisches Verzeichniss der Arten. 



[460] 



Diospyros brachysepala Heer 119^ 126. 
Diospyros oblongifolia Heer 119. 
Diospyros pannonica Ett. 39, 40, 97. 

» vetusta Heer 33. 

Dipläzium Muelleri Heer 77. 
Dombeyopds aequalifolia Aut. lOi. 

» Decheni Aut. 142. 

» grandifolia Aut. 104. 

» pentagonaKs Web. 142. 

» sidaefolia Ung. iOi. 

» Stizenbergeri Heer 105. 

» tiliaefolia Aut. yO'5. 

Dryandra rigida Heer 39, 42. 

» saxonica nov. spec. 169, 224. 
Dryandroides aemiila Heer 23. 

» crenata Schimp. 30. 

Dryandi'oides crenulata Heer 30. 40. 

» haeringiana Heer 244. 

» hakeaefolia Ung. 40. 

» laevigata Heer 20, 244. ■ 

Dryandroides Meissneri Heer 23. 
Dryophyllum ourticellense Wat. sp. 209. 

» Dewalquei Sap. et Mar. 22, 

101. 
Dryophyllum lineare Schimp. 210. 

Echitonium Sophiae Heer 244. 
Elaeocarpus Albrechti Heer 24. 
Ephredites sotzkianus Ung. 40. 
Eucalyptus haeringiana Ett. 40. 

» » Heer 152. 

» oceanica Ung. 3G, 250, 253. 

» » Heer 244. 

Eupliorhiopsis berica Mass. 57. 
Eugenia HoUae Heer 36. 

Fagus Feroniae Ung. 257. 
Ficus apooynoides Ett. 55. 
Fieus arcinervis Heer 32. 
Ficus arcinervis Rossm. sp. 253. 
Ficus caricoides Ung. 236. 
Ficus crenulata Sap. 102. 
Ficus Germari Heer 1 19. 
Ficus Giebeli Heer 24. 

» lanceolata Hoer 103, 253, 255. 
Firm Langen Ett. 105. 
Ficus Morloti Ung. 253. 



Ficus multinervis Heer 56. 
» spec. 56. 

» Schlechtendali Heer 24. 
Ficus sordida Lesq. 105. 
Ficus tiliaefolia AI. Br. sp. 103, 253, 255. 
Flabellaria eocenica Lesq. 16. 

» giganteum Mass. 16. 

» haeringiana Ung. 48. 

» Lamanonis Ung. 49. 

» major Aut. 15. 

» Martii Ung. 49. 

» maxima Aut. 16. 

» Parlatorii Mass. IG. 

Flabellaria plicata Andr. 39, 49. 
Flabellaria oxyrhachis Ung. 49. 

» raphifolia Aut. 16., 49. 

» vicentina Mass. 45. 

Flabellaria Zinckeni Heer 95. 
Fraxinus saxonica nov. spec. 179. 

Ctardenia pomaria Engelh. 247. 
Gardenia Wetzleri Heer 247, 248. 
Gautiera lignitum Web. 41. 
Gleichenia saxonica nov. spec. 158. 

» suboretacea nov. spec. 160. 

Glyptostrobus europaeus Heer 14, 48, 
83. 
» » Brgt. sp. 252, 

255, 256, 257. 
Qranadilla tripartita Mass.. 236. 
Grevillea nervosa Heer 31. 
Grevillea provincialis Sap. 31. 

» verbinensis Wat. 31. 
Orewiopsis anisomera Sap. 142. . 

» sparmannioides Sap. 142. 

Qymnogramma Haydenü Lesq. 77. 

Ilakea Germari Ett. 128. 

» microphylla nov. spec. 224. 
Heteroxylon Seyferti 6. 
Hypolepis elegans nov. spoc. 157. 

Hex longilbha nov. spec. 202. 

Jfvglandites ventricosii-s Stbg. 214. 
Juglans bilinica Ung. 250. 
» costata 13, 39, 65. 



I 







[461] 



Alphabetisches Verzeichniss der Arten. 



303 



Juglans laevigata Aut. 215. 
Juglans Leconteana Lesq. 150. 
Juglans rhamnoides Lesq. 150. 

» rostrata Bronn 215. 

» rugosa Losq. 150. 
Juglans Ungeri Heer 65, 119. 
Juglans ventricosa Aut. 214. 
Juniperites subulata Brgt. 88. 
Juniperus baccifera Ung. 39. 

Äiggelaria oligocaenioa nov. spec. 140. 
Koelreuteria oeningensis Heer 253. 

Iiatanites oxyrliacliis Mass. 49. 
Laurus ApoUinis Heer 29. 

» belenensis Wat. 122. 

» excellens Wat. 29. 
Laurus Labrusca Ung. 236. 
Laurus Lalages Heer 29, 244. 

» mucaefolia nov. spec. 121. 
Laurus praecellens Sap, 29. 
Laurus priraigenia Ung. 29, 123, 250. 

» » Heer 244. 

Laurus resurgens Sap. 118. 
Laurus saxonica nov. spec. 28. 

» spec. 233. 

» Swoszowiciana Heer 244. 
Leguminosites Proserpinae Heer 254. 

» SprengeU Heer 36. 

Liquidambar europaeum AI. Br. 249, 
250, 252, 255. 
Litsaea elongata nov. spec. 117. 

» Muelleri nov. spec. 115. 
Lomatia spec. 177. 
Lygodium Kaulfussi Heer 13, 80. 
Lygodium neuropteroides Lesq. 60. 
Lygodium serratum nov. spec. 82. 
» spec. 220. 

Machaerium Kahlenbergi nov. spec. 241. 
Melitoxylon Ungeri 6. 
Metrosideros Saxonum Heer 36. 
Myrcia lancifolia nov. spec. 205. 
Myrica aeuminata Ung. 96. 
Myrica aemula Schimp. 23. 
Myrica angustata Schimp. 96, 162, 222. 
Myrica angustissima Wat. 209. 



Myrica attenuata Wat. 209. 

» curticellensis Wat. 209. 
Myrica formosa Heer 40. 

» Germari 20, 251. 

» laevigata Heer sp. 20, 252. 

» lignitum Ung. sp. 252. 
Myrica linearis Sap. 162. 

» longifolia Ung. 173. 

» Meissneri Schimp. 23. 

» ophyr Ung. 17-3. 

» Roginei Wat. 209. 

» salicina Heer 129. 

» » Ung. 257. 

Myrica Schlechtendali Heer 95. 
Myrica verbinensis Wat. 209. 
Myricophyllum gracile Sap. 162. 

» zachariense Sap. 162. 

Myrsine dubia nov. spec. 62. 

» formosa Heer 33. 

» germanica Heer 130. 
Myrtophyllum grandifolium nov. spec. 
229. 
» spec. 228. 

Myrtus amissa Heer 151. 

» syncarpifolia nov. spec. 240. 

BTectandra spec. 233. 
Nephrodiüm acutilobum nov. spec. 156. 
Neriam repertum Sap. 225. 
Noteiaea eocaenica Ett. 32, 243. 

» » Heer 57. 

Nymphaeites saxonica nov. spec. 137. 
Nyssa ornithobroma Ung. 258. 

Oleandra angustifolia nov. spec. 46. 
Omraatoxylon G-ermari 6, 208. 
Oreodaphne resurgens Schimp. 118. 
Osmunda Grutschreiberi Stur 42. 
Osmunda lignitum Gieb. sp. 41 , 162, 
243. 

Palaeoxylon Endlicheri 6, 208. 
Palaeospathe Daemonorops Aut. 246. 
Palaeospathe Daemonorops Ludw. 256_ 
Palmacites Daemonorops Heer 246, 248, 

257. 
Palmacites öxyrcitachis Stbg. 48. 



304 



Alphabetisches Verzeichniss der Arten. 



[462] 



Palmacites verrucosus Stbg. 49. 
Panax latifolium nov. speo. 188. 

» longifolium nov. spec. 186. 
Papaverites spec. 139. 
Parrotia pristina Ett. 254. 
Passiflora Braunii Ludw. 247. 
Passiflora Hauchecornei nov. spec. 234. 
Passiflora pomaria Poppe 247. 
Passiflora tenuiloba nov. speo. 195. 
Pecopteris lignitum Aut. 41, 42. 
Peoopteris stedtensis Andr. 39, 44. 
Persea belenensis Wat. 126. 
Persea parisiensis Wat. 126. 

» regularis Wat. 126, 
Persoonia Kunzii Heer 33. 
Persoonia parvifolia nov. spec. 176. 
Phacidiam spectabile Heer 13. 

» umbonatum Beck 257. 

Phoebe transitoria Sap. 118. 
Phoenicites borealis nov. spec. 17. 
Phragmites oeningensis Heer 40. 
PhyUites cinnamomeus Rossm. 60, 110, 

113. 
Phyllites cf. Qaerous decurrens Ett. 66. 
» » Ficus panduraeformis Sisni. 

66. 
» cuspidatus Rossm. 39, 50. 
» furcinervis Rossßi. 39, 50. 

» inaequalis Andr. 39. 

» juglandoides Rossm. 13, 65. 
» myrtaceus Rossm. 39. 
» reticulosus Rossm. 37, 39, 67. 
» salignus Rossm. 13. 

Pimelea borealis Heer 30. 
Pinites lanceolatus Ung. 8S. 
Pinus typ. Pinaster 162, 220. 

» Saturni Ung. 256. 
Pitoxylon Eggensis 6, 208. 
Pittosporum stedtense nov. spec. 64. 
cf. Planera Ungeri Ett. 164. 
Platanus aiceroides Engelh. 142. 

» » Göpp. 253, 257. 

Platanus antiqua Wat. 142. 
» dubia Wat. 142. 
» Sirii Ung. 236. 
Poacites paucinervis Heer 243. 
Podocarpus oocenica Ung. 252. 



Polypodium oligocaenicum nov. spec. 

155. 
Populus crassinervis Andr. 39. 

» latior AI. Br. 252, 255. 
Populus ■mutahilis Ludw. HO. 
Poroxylon taxoides 6. 
Potamogeton amblyphyllus Beck 257. 
Prinos Lavateri AI. Br. 113. 
Proteophyllum bipinnatum nov. sj^ec. 

177. 
Protoficus crenulata Sap. 102. 
Pteris bilinica Engelh. 44. 
Pteris parschlugiana Ung. 74, 220, 250. 

» Prestwichii Ett. et Gardn. 71. 
Pteris stedtensis Andr. sp. 44, 75. 
Pterooarya denticulata Web. sp. 254. 

Q,uercus angustiloba Aut. 99. 
Quorcus ohlorophylla Aut 39 , 40 , 64. 
Quercus commutata Heer 21. 
Quercus cuspidata Aut. 39, 50. 
Quercus drymeia Heer 23. 
Quercus elaena Ung. 41. 

» furcinervis Rossm. sp. 39, 40, 
50, 243. 

» intermedia nov. spec. 222. 

» Haidingeri Ett. 257. 
Quercus lignitum AI. Br. 21. 
Quercus neriifolia AI. Br. 21. 

» pasanioides nov. spec. 98. 

» platania Heer 252. 

» Sprengeli Heer 96. 

» subfalcata nov. spec. 99. 

IRIiamnus grosse- serratus Heer 102. 
»' terminalis AI. Br. 113. 

Sabal haeringiana Ung. sp. 48. 
Sabal Lamanonis Aut. 16, 49. 
» major Ung. sp. 15, 50. 
Sabal Ziegleri Heer 95. 
Sabalites major Sap. 16. 

» oxyrhachis Sap. 49. 
Salix varians Göpp. 249, 250, 252, 257. 
Samyda Neptmü Ung. 145. 
Sapindus multinervis Heer 152. 
Sapotacites reticulatus Heer 3o. 



[463] 



Asphabetisches Verzeichniss der Ai'ten. 



305 



Sasxafras germanica Heer 34, 236. 

Salvinia speo. 257. 

Sequoia qffinis Lesq. S3. 

Sequoia Conttsiae Heer 12, 14, 47, 83, 

246, 248. 
Sequoia disticha Heer 88. 

» Hardtii Ett. 88. 

» imbricata Heer 83. 
Sequoia Langsdorfii Brgt. sp. 86, 252, 

255. 
Sequoia senogaUiensis Mass. 88. 
Sequoia Sternbergi Heer 40, 83. 
Sequoia Tournalii Sap. 83, 88. 
Smilax cardiophylla Heer 92. 

» saxonioa nov. speo. 93. 
Sphaeria Trogii Heer 251. 
Steinhauera minuta Stbg. 87. 
Stenooarpus salignoides nov. speo. 175. 
Stercutia Duchartrei Wat. 236. 
Steroulia labrusca Ung. 34 , 235 , 253, 
255. 
» » Heer 26. 

cf. Steroulia laurina Ett. 239. 
Stercutia MajoUana Mass. 336. 
Steroulia tenuiloba Sap. 141. 
Stercutia verbinensis Wat. 236. 
Styrax Fritschii nov. speo. 185. 
Symplooos Bureauana Sap. 182. 



Symplocos siibspicata nov. speo. 183. 
■0 speo. 130, 185. 

Vaxites Langsdorfii Aut. 86. 
» phlegetonteus Ung. 88. 
» Rosthorni Ung. 87. 
Taxodium distiohum • miooenioum Heer 
249, 251. 
» dubium Stbg. sp. 250. 

» laxum Ett. 252. 

Taxoxylon Goepperti 6, 208. 
Thujoxylon austriaoum 6, 208. 
TiKa permutabitis Göpp. iOö. 

» prisca AI. Br. 104. 
Trapa Credneri Schenk 247, 248, 257. 
Trematosphaeria lignitum Heer 257. 
Typha latissima AI. Br. 40, 251, 255. 

cf. 'Weinmannia paradisiaoa Ett. 193. 
Widdringtonia Ungeri Endl. 39, 48. 
Woodwardia minor Beck 257. 

Xanthoceras antiqua nov. spec. 196. 
Xylomites varius Heer 257. 

JBizyphus LeuscTineri nov. spec. 147, 
203. 
» parvifoHus nov. spec. 203. 

» tUiaefolius Ung. sp. 41. 



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